Latest / BZ am Ohr / Kann Musik wirklich noch die Welt verändern, Zweierpasch?
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- Bei mir im Studio sitzen jetzt Till und Felix Neumann, Zwillingsmusiker aus Freiburg und Kehl, die als Duo 2 Apache im Dezember das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen haben. Heute sprechen sie bei BZ am Ohr über die Vereinbarkeit von Politik und Musik. Mein Name ist Gina Kuttgart und ich sage herzlich willkommen Felix und Till. Hallo Gina. Hi. Ja, ich habe es gerade angerissen. Anfang Dezember wart ihr in Berlin im Schloss Bellevue. Ihr wurdet anmoderiert von Susanne Daubner. Man kennt sie aus der Tagesschau mit dieser tiefen, rauchigen Stimme. Und Frank-Walter Steinmeier hat euch das Bundesverdienstkreuz überreicht. Das ist ja jetzt kein Ding, was jeden Tag passiert. Nehmt uns mal mit zurück in diesen Moment. Wie ging es euch da? Ja, wie war es für euch? Ja, es war sehr bewegend. Wir waren auf Schloss Bellevue, wurden herzlichst empfangen von dem Team dort. Und mit der E-Limousine vom Eingang zum Eingang. Palast gefahren, also ungefähr 70 Meter, aber das haben sie sich nicht nehmen lassen. Wir saßen ganz vorne neben Herrn Steinmeier. Wir kennen ihn schon durch Auftritte auf Bellevue und in Berlin persönlich. Es war total schön. Ja, also es wurden 20 Menschen geehrt, unter anderem wir. Es gab wie eine Laudatio. Und ja, also wir haben den Tag sehr genossen. Und vor allem danach gemerkt, in den Reaktionen, Familie und Umfeld, dass es eine krasse Auszeichnung ist. Ja, also Bundesverdienstkreuz muss man ja erstmal schaffen. Man muss, glaube ich, auch vorgeschlagen werden, um das zu bekommen und ist, glaube ich, auch nicht der erste Preis, den ihr bekommen habt. Aber was bedeutet jetzt ganz speziell dieses Bundesverdienstkreuz, so eine Ehrung erhalten zu haben? Es ist ja eine Ehrung für Engagement, für demokratische Werte. Herr Steinmeier hat es auch gesagt, es ist so ein bisschen ein Gefühl von Ehrung fürs Lebenswerk, aber er will einen Auftrag damit verbunden haben. Er wünscht sich von allen, die da vor Ort waren und dieses Bundesverdienstkreuz bekommen haben, dass man weiter Gas gibt, noch eine Schippe drauflegt, er nannte... Uns ein Bollwerk gegen Gleichgültigkeit. Das war so ein Gänsehaut-Moment, muss ich sagen. Er hat es schön auf den Punkt gebracht. Und klar, also für uns heißt es nicht, Lebenswerk und Mission beendet. Wir wollen noch viel Konzerte spielen. Wir wollen noch viele Projekte ins Leben rufen und gehen da auch aus solchen Momenten dann mit so einem Energieschub raus. Du siehst auch, dass deine Arbeit wirkt und Menschen erreicht und inspiriert. Das ist irgendwo auch Treibstoff für das, was man so braucht an Energie und Motivation. Deswegen sage ich natürlich Dankeschön für die große Auszeichnung, aber vor allem auch Danke für die Power, die man da bekommt, für das, was noch kommt. Wir haben für die Jahre so einen groben Matchplan, was wir uns vornehmen. Das ist meistens dann mehr, als man vielleicht auch erreichen kann. Aber wir haben Bock, jedes Jahr noch ein bisschen geilere Sachen zu machen als im Jahr zuvor. Und da gibt es viele Momente, wo man auch dann sich fragt, macht das Sinn? Kommen die Projekte durch? Kriegen wir ausreichend Geld dafür? Will das Team stabil bleiben? Und dann ist das schon geil, so einen Raketenantrieb dazu. So einen Schub nochmal zu bekommen, so einen ganz besonderen. Und verbringt man dann den ganzen Tag auf Schloss Bellevue? Also du hast gerade die E-Limousine angesprochen. Was durftet ihr da noch so machen? Isst man dann zusammen Mittag mit Herrn Steinmeier oder was passiert dann da noch so? Mittag nicht. Es gab Häppchen, so Mini-Currywurst auf Silbertablett. Genau, also es gab diesen offiziellen Teil eben, das ging so eine Stunde. Ich finde, sie haben es echt schön gemacht, es war kompakt. Kann man auch auf YouTube anschauen noch. Für die ganze Familie wurde es gestreamt per YouTube nach Hause, weil man hatte pro Person zwei Gästeliste-Plätze und dann gab es danach noch einen inoffiziellen Teil eben mit diesen Häppchen. Und Frank-Walter Steinmeier, der sich Zeit genommen hat für jede einzelne Person, für ein Gespräch, für Fotos, also wir haben mit ihm 15 Minuten geschnackt irgendwie. Er wollte wissen, wie es bei uns läuft, wie das kommt mit zweisprachiger Musik und so weiter. Also ehrliches Interesse, so haben wir es wahrgenommen. Sehr zugewandt, wertschätzend. Also es war ein halber Tag für unsere kleinen privaten Geschichtsbücher. Ja, und wir wollen auch ein bisschen mit euch schnacken heute. Ihr macht seit über zehn Jahren als Zweierpasch gemeinsam Musik, aber als Zwillinge wahrscheinlich schon viel länger. Werdet ihr gleich noch ein bisschen erzählen, die auch immer politisch ist und dann auch noch auf Französisch dazu. Genau, und wir wollen so ein bisschen heute darüber sprechen, wie das so geht, Musik und Politik. Und Stichwort Politik ist ja gerade, man kann es ja nicht anders sagen, sehr viel los. Es ist eine sehr aufwühlende Zeit. Jetzt schon, das Jahr ist noch so jung, es ist schon super viel passiert. Stichwort Venezuela, Trumps Pläne mit Grünen. Jetzt am Wochenende gerade wieder viele Meldungen bekommen. Wie verfolgt ihr denn einmal so als Musiker, aber auch als Privatmenschen, was in der Welt so passiert? Und denkt ihr dann immer auch gleich mit, das irgendwie in Musik zu verpacken? Oder konsumiert ihr das erstmal so als Privatmensch? Das würde mich als erstes interessieren. Ich verfolge sehr viel Aktuelles. Die großen Themen, die du angesprochen hast, sind ja auch aktuell. Die kann man nicht verpassen. Also die sind so dominierend. Ich höre vor allem französisches Radio, lese ein bisschen deutsche Presse und auch französische Presse. Aber ich muss sagen, Radio ist schon so eine meiner Hauptinformationsquellen. Also man muss ja auch sagen, du bist ja der, der in Kehl, Straßburg lebt. Genau. Früher war Till einige Jahre in Straßburg. Damals war ich in Freiburg und dann haben wir eher zufällig, aber auch schönerweise die Städte getauscht, erst nach Freiburg zurückgekehrt und ich bin dann nach Straßburg, Kehl in die Ecke für Berufliches und auch für Privates, also einfach alles und nochmal mehr Frankreich nehmen. Also ich denke nicht bei jedem News gleich an Songs. Aber natürlich, wenn so viel Dramatisches passiert, dann ist man angestachelt, auch das zu verarbeiten. Ich glaube, wir verarbeiten einfach gerne, was uns beschäftigt in Musik. Andere haben da andere Wege und klar, wir stehen für Frieden und für Frieden. Mit dem, was wir machen, auch mit unserer Mehrsprachigkeit, die wir pflegen. Ich finde das ein bisschen zu konzessionell zu sagen, es gibt ein Problem, wir müssen es bearbeiten, davon möchte ich mich gerne losmachen. Das finde ich keinen guten Ansatz, aber ein Thema, was mich persönlich berührt, etwa Ukraine. Wir haben in der Ukraine Konzerte gespielt und haben da Freunde. Wenn der Ukraine-Krieg kommt, dann denke ich an meine Freunde und dann würde ich gerne mich dazu auch äußern und sagen, ich war da vor Ort, wir haben den Maidanplatz gesehen und ich habe in einem Raum, wo die Toten und Verwundeten der Revolution verarztet wurden, geprobt, dann ist das Thema bei mir sehr nahe dran und dann fühle ich mich da auch legitimiert sozusagen, mich dazu zu äußern. Du sitzt jetzt nicht mehr im Notizblock vorm Radio und schreitst du den Stichpunkt. Das will ich auch für meine Band gar nicht haben. Wir verarbeiten Themen manchmal in einem Song, der sehr konkret, jetzt etwa Ukraine, Krieg und Russland behandelt wie der Song Sirene. Und dann gibt es ja andere Themen, die wir in Songs mit einarbeiten, die vielleicht beim zweiten Hören erst dann durchkommen. Wir haben so Grundüberzeugungen, Frieden und Miteinander geht es besser als alleine. Und das kommt in vielen Songs durch, das ist auch schön. Und das ist unsere Art, Politik und solche großen Themen auch zu verarbeiten. Und so eine Botschaft ist ja auch so, oder hast du ja gerade auch zusammengefasst, Grenzen überwinden. Jetzt zerfällt aber gerade so ein bisschen die Weltordnung der Nachkriegszeit, wie wir sie kennen. Überall werden eigentlich eher Grenzen wieder hochgezogen. Was macht das so mit euch? Also es ist ja eigentlich genau das, wofür ihr euch jetzt so jahrelang schon einsetzt und jetzt passiert gerade eigentlich, das, was wir alle natürlich nicht wollen, aber was ihr auch eigentlich nicht fordert mit eurer Musik. Wie geht es euch damit, Till? Nicht gut. Also schon sehr beunruhigend. So alte Wertesysteme werden gerade über einen Haufen gebombt oder geworfen, Das ist nicht schön zu sehen. Ich glaube, wir schlafen beide häufiger nicht so gut, unter anderem auch deswegen. Wir sind eine Zeit groß geworden, der Frieden in Europa als Selbstverständlichkeit. Und die USA ein demokratisches Land waren, zu dem man gerne rüber geschaut hat. Das ist gar nicht mehr so heutzutage. Das ist schlimm. Also wir wissen ja selbst nicht, was in vier oder acht Wochen ist bei uns oder in Nachbarländern. Für mich ist schon Songs schreiben so eine Art Zufluchtsort. Also klar ist es für uns was, mit dem wir versuchen Dinge anzustoßen. Aber es ist auch für mich so, ja, kleines Reparaturcafé, sage ich mal, ein inneres für meine Seele einfach so Dinge vom Herz runterzuschreiben. Also das ist für mich auch befreiend, es tut irgendwie gut einfach, wenn man das Gefühl hat, man kann was tun, weißt du mal, man fühlt sich ja oft so hilflos irgendwie in diesem großen, ja, in diesem großen Weltschachbrett, wo ein paar Leute einfach krasses Zeug entscheiden. Und da ist Musik einfach für mich heilsam, ich glaube für Felix genauso, wir tun das auch für uns einfach und die Themen kommen dann, also wir haben uns vor ein paar Tagen nichts gelernt rausgebracht ein Song gegen, Rechtsextremismus mit dem Blick in die deutsche Geschichte, was alles von Schlimmes passiert ist und, im Chorus würde ich sagen, es gibt so viele Quellen, wir könnten es doch besser wissen, wir haben Filme, Fotos Historikerinnen, wir haben unsere Omas und Opas, frag sie doch einfach mal Warum tun wir so einen Quatsch wieder? Das heißt, wenn du hast gerade so Zufluchtsort Musik angesprochen, für dich ist dann eher, also dein Konzept ist oder euer Konzept, wenn euch was beschäftigt, wenn euch was irgendwie triggert, dann nicht euch zurückziehen, sondern quasi Sachen aufschreiben, genau darauf das antippen, so verarbeitet ihr Dinge, um das mal so zusammenzufassen. Zurückziehen und Schreiben. Ich glaube, ich kann besser schreiben, als jetzt über Dinge so frei sprechen. Das ist einfach mein Weg, Sachen zu verarbeiten. Ja, aber ich bin dann auch schon irgendwie, wer mich kennt, häufig auch mal ein bisschen in mich gekehrt einfach. Wie ist das bei dir? Ja, gute Frage. Die Themen kommen jetzt auch nicht immer direkt am gleichen Tag. Du hast irgendwie neue Entwicklungen, Grenzen, Grenzkontrollen, Grenzen werden dichtgemacht, aus und heraus Parolen, dann brauche ich ein paar Wochen, um das für mich auch so zu verarbeiten und dann zu überlegen, ob ich dazu einen Song schreiben will, einen subtilen Song, einen konkreten Song. Ein Post, dieses Plädoyer oder eine warnende Mahnung an die Menschen. Also klar, du willst schon auch was teilen. Ich glaube, jeder Mensch ist ein soziales Wesen und möchte gerne auch Gedanken teilen. Wir haben jetzt seit vielen Jahren eine Band, die viel spielt und da auch ein bisschen Öffentlichkeit natürlich für uns. Und wenn wir Öffentlichkeit nutzen können und mit Menschen, die unsere Botschaften teilen, da gemeinsam auch eine starke Power entwickeln können, dann ist es geil, weißt du, also der Gedanke ist schon auch verarbeiten, aber auch mit anderen Menschen zusammen ein Movement irgendwie anzutreiben und für die guten Sachen sich einzusetzen. Und klar, Musik hat Power von drei Minuten und die ist ziemlich mächtig und kann die Welt verändern, Diktatoren stürzen. Und wenn wir daran teilhaben können, dann ist es doch ganz geil. Und gibt es aber, habt ihr manchmal auch so das Bedürfnis, dass ihr denkt, jetzt einfach mal einen Song rausbringen, der vielleicht total platt ist, so inhaltlich, aber vielleicht einfach nur Spaß macht. Habt ihr so im Moment auch und macht ihr das dann einfach oder habt ihr dafür keine Zeit? Nein, machen wir auf jeden Fall. Also wir haben letztes Jahr einen Song rausgebracht, der heißt Einbauen. Das ist eigentlich ein Song über kreative Arbeit. Der erste Gedanke von dem Songwriting war, manche bauen Häuser, wir bauen Tracks, weil wir müssen uns so oft in Deutschland rechtfertigen, was eigentlich unser richtiger Beruf ist. Wir sagen, wir sind Künstler. Ja, was machst du eigentlich so wirklich? Das war so gedacht. Aber ich glaube, viele haben den Song gelesen, als einfach mal ein bisschen rappen und Spaß haben. Hat auch was Tiefergründiges, muss sich jeder entdecken, jeder hört Musik anders und manche hören nur aufs Schlagzeug, manche auf die Gitarre, manche beschäftigen sich mit ein paar Lines in den Lyrics. Das ist auch vollkommen okay. Aber ja, natürlich gibt es auch bei uns Songs, die jetzt zumindest mal aufs Erste nicht ganz so hochpolitisch wirken. Nein. Ich will auch ganz klar Ja sagen. Natürlich, wir werden oft mit unseren Songs verbunden, die so klare politische Statements haben und sich mit Grenzen beschäftigen und anderen. Das wird in der Band auch sehr viel diskutiert, welchen Song wir machen können und welchen nicht. Ich sehe mich da als Verfechter von der Linie, das was sich gut anfühlt können wir machen und es muss nicht immer ein Thema so konkret im Vordergrund stehen, das so politisch konvertiert ist. Mein erster Gedanke war jetzt der Song Bouget, den wir vor einem halben Jahr veröffentlicht haben. Bouget heißt Bewegung und das ist der Song, der live gerade einfach immer wieder die ganze Menge zum Bouncen bringt und wir machen da gemeinsam so eine kleine Choreo und das geht, ob das Publikum mit 30 oder mit 3000 Leuten aufgestellt ist, immer gleich gut. Und ich finde es total geil, weil in der Band diskutieren wir das wie gesagt oft und ich sage, dass wir jetzt schon mehrsprachige Musik machen, in dem Fall ist es mit dem Artist aus La Réunion im Indischen Ozean das ist mir schon genügend Aussage da kannst du auch um Party und Bouncen und ein Saufen, alkoholfrei oder nicht alkoholfrei gehen wir haben doch schon als Feierpasch genügend Branding auch für so eine Offenheit und so ein Weltbürgertum und das Connecten über Grenzen hinweg, dass ich das nicht immer benennen muss True. Jetzt geht gerade, ist mir gerade in den Sinn gekommen, wir haben jetzt 2026, es geht gerade auf Instagram so ein Trend rum, dass alle posten, was sie so 2016 gemacht haben, weil ich glaube, es ist so ein bisschen, 2016 war die Welt irgendwie gefühlt noch okay, es gab noch kein Corona, es gab noch nicht diese ganzen Entwicklungen, die wir gerade schon angesprochen haben. Könnt ihr euch spontan an euch als Band 2016 zurückerinnern? Was hat euch da umgetrieben? Und das waren wahrscheinlich Themen, die man jetzt nicht mehr umsetzen würde in den Song. Wisst ihr das so ad hoc? 16 habe ich jetzt kein Eckdatum. Wir haben 13, unser erstes größeres Album, rausgebracht. Und ab 2018 kamen unsere Tourneen durch Afrika und so weiter. Da ist dann richtig steil gegangen. 17? Entschuldigung, Mauritanie. Mach du zuerst. Das werden wir nicht ergänzt. Der Verrektor kommt. Andere Erfindungen daran. Genau. Danke, Felix. Ja, nee, 2016 kann ich jetzt... Also ich weiß, wo ich war, aber nicht genau sagen, was da Exklusives bei uns passiert ist. Felix? Naja, also für mich sind immer so Eckdaten in den Jahren schon die großen Auslandstourneen. Wir werden ja häufiger doch auch weit weg gebucht. Westafrika, Osteuropa, Asien und so weiter. Und ich weiß, wir waren 2015 in der Ukraine. Das war ein Jahr nach 2014, da war die Maitan-Revolution. Wir waren 2013 in Mauretanien. Deswegen habe ich da noch ein bisschen Erinnerungen aus der Konzertperspektive und ich weiß, dass mich 2016 auf die Ukraine ziemlich beschäftigt hat, weil da einfach viel Kontakte entstanden sind und schon vor Ort die Leute super viel Angst hatten vor Putin. Und wir auch eingeladen wurden in die Ukraine als Akteur, der für Frieden nach Krieg steht mit dem, was er tut. Frankreich-Deutschland als Geschichtsbezug. Und ich weiß, 2016 war bei uns noch viel im Gange mit Songs, die wir nach der Ukraine-Tournee dann mit ukrainischen Leuten veröffentlichen wollten. Und dann die Nachwehen im besten Sinne dieser Tournee. Okay. Okay. Und wenn ich nur eine Story erzählen darf, also die Ukraine in verschiedenen Teilen des Landes gespielt, unter anderem auch ganz im Osten an der ukrainischen Grenze. Und in Kiew gab es auf einem Markt Klopapier mit dem Putin-Logo drauf und das haben wir fotografiert. Wir haben so ein Tour-Tagebuch online veröffentlicht und wir hatten eine Begleiterin, die war etwas weniger europäisch orientiert als wir. Die hat uns gebeten, dass wir dieses Foto löschen und uns im Osten der Ukraine nicht so sehr als Freunde einer EU-Ernährung der Ukraine äußern. Das fanden wir ziemlich verrückt. Wir haben das dann auch nicht gelöscht. Aber das waren schon damals die ersten Zeichen von krasser Spannung und da kommt noch viel mehr. Also es wäre heute was anderes wahrscheinlich. Also nach Russland würden wir nicht mehr einreisen. Also Sirenen war ein recht expliziter Song. Also wer den französischen Text übersetzt. Ich glaube, im Gulag wollen wir nicht landen. Aber ja, also unsere Mutter ist oft besorgt, wenn wir Songs rausbringen, solchen Statements. Wir sollen das nicht tun. Könnte ja Übergriffe geben oder so. Was ist dann euer Argument, warum ihr es doch macht? Nein, also das ist für uns einfach Grundüberzeugung und. Ja, also Musik, Hip-Hop an sich hat ja eigentlich für uns immer was Subversives und wir wollen es auch so weiterleben. Also wir nennen es bei uns ja positive Rebellion. Also wir haben schon einen positiven und konstruktiven Ansatz dahinter, aber wenn irgendwas gar nicht geht, dann gibt es auch eine rote Karte. Also diese Angriffsträge ist so schlimm. Also dazu mussten wir uns äußern. Wie Felix sagt, wir haben Freunde der Ukraine und da sind einfach für uns Dinge zerbrochen. Also dann verzichte ich auch gerne auf eine Einreise nach Russland, zumindest unter der jetzigen Staatsführung. Wir diskutieren bei kritischen Songs schon zum Teil sehr genau Zeilen und Wörter und ihre Wirkung. Jetzt bei Nix Gelernt, der vor drei Tagen rauskam, hatten wir mehrfach Details geändert, weil einer von uns beiden dachte, das kann man so nicht sagen. Aber ich muss sagen, ohne jetzt damit Hosen zu wollen, ich lasse mich nie von Angst leiten in Songs. Ich will niemanden verletzen, aber ich lasse mich nie von Angst leiten. Das habe ich bei Musik, die ich veröffentliche, nicht. Das ist auch gut so und das Gefühl hat mich noch nie überrannt. Ich hoffe, es bleibt auch so. Also es gab noch nie einen Vorfall, wo euch irgendwie ein Songtext oder so auf die Füße gefallen ist. Eigentlich im Gegenteil. Also wir kriegen sehr viel schönes Feedback, bewegendes Feedback für solche Lieder. Es war, wir haben 2019 den Adano de Gaulle Preis bekommen, im Pariser Außenministerium, das ist so 2018, Entschuldigung, Ende 2018. Und ja, also wir haben Helmut Kohl bekommen, Valericis Gazistan, also Patricia Kahrs, Arte und so weiter, also das ist echt ein großer Preis. Und wir hatten nur wenige Monate vorher einen krassen Song rausgebracht zur Schließung des AKW Fessenheim. Und die französische Politik war damals, wie heute eigentlich auch, ganz klar pro Atomkraft. Also das war, in Frankreich gab es also viel Aufregung, deswegen vor allem Elsass, aber mit Sicherheit auch Paris mitbekommen haben und wir haben diesen Preis trotzdem bekommen. Das ist, ja also ich denke Holgrad zu zeigen ist ja in dem Fall auch was Starkes und wird vielleicht auch von Menschen, die die Songs nicht so mögen aber diese Haltung eben, respektieren, geschätzt von mir ein Gedanke dazu wenn ich darf, also wir kriegen auch Hate für unsere Songs wir kriegen auch Hate dafür, dass wir das Bundesverdienstkreuz bekommen haben und das annehmen finden einige als Rapper überhaupt nicht legitim, das so anzunehmen, okay. Aber... Weil sie sagen, das ist zu uncool oder das schickt sich nicht oder... Das schickt sich nicht. Also als Hip-Hop, Hip-Hopper mit dem rebellischen Hintergrund unserer Musikkultur vom Bundespräsidenten ein Kreuz angehängt zu bekommen, das finden wohl einige ein rotes Tuch. Aber ja, also... In diesen Zeiten, muss ich auch sagen, auch mein Gedanke immer, gibt es so krass diffamierende Musik, dass glaube ich unsere Art, das zu machen, die sehr kritisch ist, aber nicht mit Schimpfwörtern und total crazy Bildern von Gewaltakten und anderem einfach das gar nicht auslöst, weißt du? Also man kann die Message vielleicht dann hinterfragen, da kriegen wir auch genügend, also ich erinnere mich, Völpers macht was zum Ukraine-Krieg, das kann man ja gar nicht machen und so, ja. Als Band wie ihr, aber die Leute kennen uns überhaupt nicht, ja. Da gibt es genügend Kritik für viele Songs, gerade auch für die Han-Songs, aber ich glaube, eine Message, die wie unsere vorgetragen wird, die wird anders hinterfragt, als wenn so gewaltverherrlichende Bilder in Texten da, zu finden sind, das wird ja auch oft zerpflückt. Also Antifianz, andere nicht, hat ja auch viel Öffentlichkeit Und deswegen haben wir so ein anderes Genre da. Wir werden anders hinterfragt als jetzt. Song ist scheiße. Und auch anders kritisiert. Und weil du es gerade ansprichst. Die Rapper, die die anstößige Sprache nutzen, sind halt, ich sag es mal, leider auch die monetär Erfolgreichen in Deutschland. Stört euch das nicht manchmal? Doch, natürlich. Ich höre Sachen, wo wir denken, wir können überhaupt keinen Erfolg haben in dieser Welt. Also wir haben auf unsere Art vielleicht Erfolg. Ich will es gar nicht definieren, aber wir haben jetzt nicht die Songs, die Millionen von Aufrufen haben. Vielleicht kommen die bald, kann gut sein. Wir arbeiten daran, aber die Welt in unserer Musikgenre, die ist einfach anderen Scheiß geworden. Ich definiere Erfolg, also du hast es schön gesagt, monetärer Erfolg, ja, also wir baden nicht im Geld. Die Frage wird ja ab und zu mal gestellt. Nein, so ist das nicht. Dazu ist unsere Musik wahrscheinlich zu anspruchsvoll textig und ja, also entspricht zu wenig gängigen Rap-Rastern. Aber also ich rückblick auf die letzten Jahre. Also wir haben echt schon vieles erleben können. Denken oft an Mali zurück. Ja, wir waren 2019 in Bamako in Westafrika. Das war schon sehr angespannt, die Lage im Land dort. Wir hatten Militärschutz und so ein Exit-Handy. Und unser Wagen wurde regelmäßig nach Bomben abgesucht, so wenn du in die Botschaft gefahren bist. Also das war schon riskant, da hinzufahren. Wir hatten so ein Songwriting-Camp mit 150 jungen Menschen aus Mali. Und es gab diesen einen jungen Mann, der kam aus dem Norden, Timbuktu, glaube ich. Nach Bamako meinte, er hat jetzt sein Gewehr gegen ein Mikrofon eingetauscht. Also ja, genau so ist es. Für uns sind Wörter unsere Waffen und wenn unsere friedlichen Waffen, wenn es andere mit uns teilen und das diesen Effekt hat, dann ist das wow einfach. Ja, also das überstrahlt dann quasi auch so Hate Speech, der euch dann vielleicht mal erreicht oder halt negative Kommentare, weil Abscheiden kann man das ja eh nicht. Hate gibt es, wenn Relevantes passiert. Jetzt würde ich gerne mal ein Thema antippen oder ja, nicht ein Thema antippen, sondern so ein bisschen zurückschauen in eure Biografie, wie ihr eigentlich da jetzt gelandet seid, wo ihr seid, wie, also ihr seid eineiige Zwillinge. Man sagt ja eh, Zwillinge haben ein sehr enges Band, aber ich glaube eineiige Zwillinge haben vielleicht schon nochmal ein engeres Band. Ihr habt ja auch schon kurz erwähnt, wie ihr auch mal diskutiert und vielleicht auch mal nicht einer Meinung seid. Aber vielleicht, wir können nicht alles nacherzählen, aber vielleicht könnt ihr mal kurz uns in die Zeit zurücknehmen, wie so die Musik in euer Leben kam und wie auch die Verbindung zu Frankreich dann so entstanden ist. Ja. Also Frankreich war bei uns eine Liebe, die sich ein bisschen schwer erklären lässt. Wir sind als Jugendliche auf französische Musik gestoßen, durch deutsche Musikmagazine und durch Frankreich Urlaube. Und das war glaube ich so unser Flash-Moment. Wir haben uns gepackt und begeistert. Hip-Hop, aber auch Charles-Navour, Reggae aus Frankreich, aus Belgien, aus Westafrika, der Frankophonie. Und das war für uns so der Grund, glaube ich, dass wir Französisch lernen wollten, so richtig gut. Und dann auch nach der Schule nach Frankreich ausgewandert sind und das da vor Ort einfach mal erleben wollten und da Fuß fassen wollten. Was ich ja schon irgendwie ungewöhnlich finde, weil für die meisten Jugendlichen ist ja Französisch so in der Schule immer so uncool und uncoole Sprache und irgendwie, also das finde ich schon irgendwie besonders. Das ist ein Teil eigentlich. Also wir fanden es super fresh, Französisch zu lernen. Wir haben damals eben IAM gehört, NTM, Science Supercrew, MC Solar. Das fanden wir einfach so stark, dass wir deswegen Französisch lernen wollten und deswegen nach Frankreich gegangen sind. Und hattet ihr vorher schon irgendwie Musikschule, Musikunterricht, habt ihr die Instrumente gelernt oder war das wirklich so? Klavier und Fallen lassen, weil wir nur kicken wollten. Also Team Fußball. Katastrophe zu Hause mit dem Üben fürs Klavier. Bereuen wir heute etwas, aber ja. Unser Vater war Hobbymusiker, war auf sehr hohem Niveau. Da haben wir es gesehen, ihn auch mal auf der Bühne erlebt. So dieses, wow krass, da wird Musik einfach live kreiert. Und du kannst es so erleben, so hautnah. Glaube ich schon für uns ein wichtiger Punkt gewesen, aber dann einfach krasser Rap aus Frankreich, der uns so gecatcht hat, dass wir gesagt haben, wir fühlen es so sehr, wir wollen da auch hinkommen. Hatten ja erst irgendwie nur Texte auf Deutsch geschrieben, hatten dann Franzosen in der Band, die erst Französisch übernommen hatten, dann ist er gegangen, irgendwann beruflich und dann... Und habt ihr euch dann einfach irgendwann ein Tonstudio gemietet und irgendwie angefangen oder wie kann man sich das vorstellen? Freiburg, UZH, Ulrichs Haus, das Wohnheim, da haben wir länger gelebt, einfach halt diese Schränke aufgeklappt und halt Decken reingehängt, immer so ein Billo-Mikro für 120 Euro. Geht schon, also genau, also einfach DIY halt, da haben wir es schon gelebt. Aber ja, dann war unser Franzose weg und wir so, okay, machen wir selbst mal. Und seitdem funktioniert das ganz passabel. Und gab es dann einen, oder ihr habt ja irgendwann gemerkt, so politische Themen und Musik, das passt irgendwie bei uns ganz gut zusammen und uns ist das wichtig, das mit auf der Bühne irgendwie auch rüberzubringen, dann wurdet ihr auch immer bekannter, erfolgreicher, habt euch einen Namen gemacht. Gab es so ein politisches Ereignis, das euch in eurer Jugend oder auch späteren Jugend so krass irgendwie beeindruckt hat, mitgenommen hat, dass ihr gesagt habt, so ab jetzt an nur noch politische Musik, Sehr gute Frage. Also bis heute war ich noch Mauerfall zu Hause, 89. Ich war da, lass mich überlegen, fünf, sechs Jahre alt. Sechs. Du wahrscheinlich auch. Ich habe das Freude vor dem inneren Auge, wie ich da vorm Verde saß und meine Familie außenrum. Das wäre sehr krank für Felix. Ich mache noch ein bisschen weiter. Ich habe Politikwissenschaft studiert hier in Freiburg. Da war irgendwann noch ein Irakkrieg. So ein paar Sachen, die mir einfach gerade in den Kopf kommen. In der Welt doch immer wieder so auch große Themen und dann kam das durch unsere, glaube ich, auch Reisen um den Globus herum. So Peru haben wir kennengelernt, Brasilien, dann Westafrika und Asien, also sowohl musikalisch als auch privat. hat. Und da wächst in dir einfach durch deine Sozialisierung, glaube ich, dann so ein Verständnis für die Welt und für deine Werte. Und wenn du Hip-Hop machst, dann bist du in einer rebellischen Kultur, wo du auch Songs machen willst, die zum Sound passen. Das waren so die ersten, glaube ich, Ideen auch so. Und dann fängt man an, auch mal zu probieren, wie man einen Song zu Krieg schreiben kann. Und dann merkst du irgendwann, was sich für dich richtig anfühlt und wo du auch die richtigen Worte findest und bei uns war das scheinbar dann dieser Weg und diese Art von Musik und mit den ersten Dance-Songs haben wir, glaube ich, das Gefühl gehabt, das ist nicht so unser Sound. Es ist bei dir gewachsen, also wir haben ja angefangen, einfach hier lokal, und dann auch zwei sprachmusik gemacht und irgendwann gemerkt dass einfach dieses für uns ja unser kleiner kosmos auch weit entfernt funktioniert also wir waren zeit nie irgendwie für mich party sets auf mallorca sondern wir sind aber in riesengebiete eingeladen worden und haben da so unseren weg gefunden vor ort immer mit lokalen musikerinnen musikern zusammengearbeitet als tour musiker oder für features und dann so die welt entdeckt eben ja in ihren klatschzonen über die jahre einfach gewachsen ich glaube wir sind da auch vielleicht radikaler geworden über die letzten jahre hinweg nur irgendwie so uns das irgendwie auch drauf geschafft aber viel dazugelernt. Ja also diesen schlüssel moment hatte ich nicht aber ich muss bin bei der frage ich muss oft einfach denken an schule im abi und damals schon war einfach le pen in der zweiten runde präsidentschaftswahl gegen jacques chirac damals also der vater le pen das war schon so ok das also frankreich unser nachbarland dass wir so schätzen steht kurz davor einfach von rechts radikalen regiert zu werden also waren nicht so knapp aber immerhin zweite runde also es war Finale, ne? Und das galt bei uns jahrelang einfach als ausgeschlossen bis vor einigen Jahren. And here we are. Here we are now, genau. Also, ja. Gibt es einen Song, von dem ihr sagt, das ist der wichtigste, den wir je zusammengeschrieben haben? Wow, die Frage ist gut, Mann. Da muss ich überlegen. Also. Würde ich jetzt einen, den ich herausstellen müsste, nicht direkt finden. Ich würde eher sagen, so eine Summe und Serie an Songs. Ich schon. Also ich lasse mal Till antworten, überlege mal weiter. Und dann habe ich vielleicht noch eine andere, konkretere. Also wir streiten viel über solche Dinge. Wir diskutieren intensiv. Wir haben einfach so ein paar Dinge, wo wir sagen, er hätte gerne so, ich hätte gerne so, welchen Song spielen wir? Also ich würde sagen, unser wegweisender Song war definitiv Grenzgänger, den wir 2013 rausgebracht haben, dann mit einem Video 2014-2015 glaube ich. Also bis heute der am meisten besprochene von uns, würde ich meinen, unser erster zweisprachiger mit eben dieser, wir überschreiten grenzenlos über Grenzen-Hook. Hat für uns viele Toren geöffnet, ein paar geschlossen auch. Ein zweisprachiger Ansatz. Wir haben jetzt beim Neujahrsempfang von ein paar Tagen im Konzerthaus hier gespielt. Neujahrsempfang der Stadt Freiburg? Genau, ja. Der wurde gewünscht von den Veranstaltern. Und es hat bei uns auch international Diskussionen gesetzt. Es ist eine wichtige Auswahl. Also, ja. Also, ich bin mir eigentlich sicher, dass es der Flüsselsong für unsere letzten Jahre war. Ich würde noch ein Ergänzen jetzt. Ich würde gerne den Song World Music anführen. Der ist nicht so sehr bekannt. Wir haben den in Mauritanien aufgenommen mit einem Sänger aus, ich glaube, dem Senegal und dann zwei mauretanischen Rappern und Sängern. Und das war unsere erste West-Afrika-Tournee und es war das erste Mal, bei dem wir dann auch logischerweise vor Ort Songs produziert haben. Das haben wir seitdem immer beibehalten, dass wir in Kasachstan, in Mali, in. La Reunion und auch Belgien und auch China immer gesagt haben, wenn wir vor Ort sind, dann müssen wir so nachhaltige Verbindungen schaffen und die gehen am besten durch gemeinsame Songs mit anderen Artists. Und deswegen ist der Song World Music für mich so ein wegweisender Song, weil wir vor Ort gemerkt haben, wie geil das ist, mit Leuten Musik auszunehmen, deren Sprache man so halbwegs spricht. Also die haben nicht alle so gut Französisch gesprochen, auch Arabisch und afrikanische Sprachen. Und wir haben nachher beschlossen, dass wir uns mit unserem Musikstil von Deutschrap etwas abgrenzen möchten und unseren Sound World Hip Hop getauft. Das kommt auch von diesem Song World Music. Und für mich war dieser Song bis heute so ein Begleiter in unserer Verortung in der Welt und in der Verortung unserer Band als eine Band, die international klingt mit mehreren Sprachen und das auch so als Konzept fahren möchte. Gehst du da mit? Super, gut, dem Gedanken ist es noch nie gehabt, aber ja, also unterschreibe ich. Wir hatten dann World Music 2 veröffentlicht, ein paar Jahre später, mit zwei Geflüchteten, einem gambischen und einem iranischen. Und das ist auch so ein, der Song ist auch nicht so bekannt. Till schreibt mir letztens vor ein paar Wochen, ey, geile Parts, Mann, Hammer Song. Der wurde aber nie so viel live gespielt und ja, hat auch kein Videoclip. Aber das war auch damals so Musik mit Geflüchteten und es sind mega geile Musiker und mit denen supporten wir uns gegenseitig. Die sind hier in Deutschland seit vielen Jahren und haben es ziemlich schwer und wurden auch mit ihren Aufenthaltssiedeln vor große Probleme gestellt und angefeindet und haben sich hier durch Musik hochgekämpft. Und das war auch so ein Prädikat für unsere Band, dass wir sagen, wir wollen Musik machen, nicht nur mit Ego-Trip, sondern wir wollen Musik machen mit geilen Leuten, denen es auch gut tut, dass wir gemeinsam Songs veröffentlichen können. Von daher sind diese Songs für mich, auch von dem, was in den Zeilen da passiert, kann man sich anhören, da ist alles drin, was Zweierpasch ausmacht. Mhm. Und wenn Zweierpasch sich jetzt mal uneinig ist oder ihr als Zwillinge euch uneinig seid, kann das auch mal einen richtigen Streit ausarten oder gibt es das unter allen eigenen Zwillingen? Oder bei euch halt nicht. Wie lange habt ihr da? Habt ihr auch mal Kontaktstille? Wann meldet sich der eine wieder beim anderen? Kommt sowas vor? Wir streiten häufig und intensiv, aber unter Zwillingsbrüdern immer offen und ehrlich, aber ohne böses Blut. Das ist glaube ich für uns ein großer Trumpf das zu können wir sind häufig anderer Meinung Songauswahl, Wo stecken wir unsere Energie rein? Ja, wo sind unsere Prios? Aber das tut uns gut. Also das gibt auch mal einen bösen Blick oder sowas. Wenn wir im Proberaum sind oder auf Tour, sind unsere Mitmusiker teilweise etwas entsetzt, wie schlimm es ist. Und wir sagen, ey, ist für uns eigentlich nur ein kleiner Disput. Vollkommen okay. Also ist Teil unserer Arbeit geworden, sich da zu zoffen. Das dauert dann fünf Minuten, Und fünf Minuten später ist es wieder vollkommen okay. Also ich sehe das als einen großen Vorteil, das zu können mit anderen Menschen. Da musst du ein bisschen diplomatischer sein und sagst vielleicht nicht alles. So können wir uns einfach ins Gesicht sagen, was sich passt. Und dann finden wir am Ende doch, glaube ich, in allermeisten Fällen die goldene Mitte. Und das ist wirklich wohltuend für uns. Total. Also wir streiten wirklich oft, aber das bringt uns sehr nach vorne, das zu machen. Wir sind eine Band und wir haben doch auch Entscheidungen zu treffen, die ein bisschen größer für uns sind, die über unsere Karriere auch manchmal entscheiden und über Tourneen und über den Erfolg eines Songs. Und dazu brauchst du auch verschiedene Meinungen, musst du ja auch aushalten können. Man muss wissen, wir haben ja die ersten 18 Jahre unseres Lebens doch sehr viel gemeinsam verbracht und dann uns etwas in verschiedene Städte und verschiedene Welten auch entwickelt. Ja, gut, dass du es nochmal ansprichst, genau. Ich bin ja da in Kehl-Straßburg und wir haben bei noch einen kleineren Teilzeitjob. Journalismus beim Till und bei mir im Feld Migration und Öffentlichkeitsarbeit. Und du hast aber verschiedene Blicke auf die Welt auch entwickelt und die zusammenzubringen ist ziemlich gesund, ehrlich gesagt. Und deswegen macht es uns, glaube ich, besser, dass wir so offen uns da einigen mit ein bisschen, ja, manchmal Momenten, die nicht so angenehm sind, aber doch dann der besten Entscheidung im letzten Moment. Genau, also du hast ja angesprochen, ihr lebt jetzt, jeder lebt sein eigenes Leben, aber habt halt trotzdem noch große Projekte zusammen. Was ist aber trotzdem so das Nervigste, was euch als Zwillinge passiert? Also werdet ihr oft immer noch so als die Zwillinge irgendwie identifiziert oder gibt es eine nervige Frage, die euch als Zweierfasch immer gestellt wird? Was nervt da so am meisten? Früher waren es die Verwechslungen. Das war eine Weile lustig und dann war es irgendwann sehr anstrengend. Also so mit 16, 17, 18 haben wir beide darunter auch gelitten. Einfach nur Till Felix zu sein und nicht Till oder Felix. Wenn einer was Gutes macht, waren es beide. Wenn einer was Schleckes macht, waren es auch beide. Das war schon auch schwierig. Heute, muss ich sagen, ist für mich eigentlich das Fieseste als Zwilling so dieses Ah! Das ist ja so der Laute bei euch. Du bist eher so der im Hintergrund. Das ist aber vollkommen falsch, weil das sind so Tagesformen. Macht der eine ein bisschen mehr vor Ort, Management an der Bühne und dann der andere, je nachdem wer gerade einen besseren Tag hat, besser geschlafen hat. Es ist eigentlich weiterhin dieser Vergleich. Und dann immer, ah, der muss der Erstgeborene sein. Ich stelle diese Frage jetzt nicht. Das ist ein Problem. Aber man kommt da nicht ganz raus eben als Zwillinge in diesem Vergleich Toner zu sein, man würde sich wünschen, es könnte sich etwas mehr lösen. Und das noch mit 42 muss man sagen, dass euch das immer noch quasi, dass es immer noch Thema ist. Ist das bei dir auch so? Ich hätte genau das gleiche gesagt wie Till. Also es sind so Kleinigkeiten, aber, Du bist hier der Partyman und der andere ist so der Denker, oder? Tut mir leid. Wir sind verschieden und beide haben mal einen Partytag und mal einen ruhigeren Tag und mal so einen Tag, wo man eher ernster unterwegs ist und der andere ein bisschen mehr Sprüche klopft. Aber dass man gleich so immer so sein muss und auf alle Ewigkeiten Felix, der Partyman und Till, der Intellektuelle ist, das darf nicht, ehrlich gesagt. Verstehe ich. Um nochmal so die Schleife an den Anfang zu finden, wurde auch in der Laudatio, glaube ich, erwähnt, dass ihr auch oder ihr habt es ja auch schon selber gesagt, an einer Reihe von Projekten mitwirkt. Es wurde, glaube ich, genannt Ecole du Flow, der Song Contest, Hip-Hop macht Schule, Flashmob-Aktion habt ihr ins Leben gerufen. Auch da die Frage, welches Projekt begleitet euch vielleicht schon am längsten oder ist so das Nachhaltigste? Wo habt ihr das Gefühl, da haben wir echt am meisten mit erreicht? Und ist was Neues in Planung in diesem Zusammenhang auch nochmal? Ich denke, zwei Brüder zu antworten. Wir haben uns die Projekte in den letzten Jahren immer mehr aufgeteilt mit Hauptverantwortlichen. Wir haben jetzt die Ecole du Flow, ein Song Contest für junge Menschen aus Deutschland und Frankreich. Das läuft einfach Bombe, das ist so ein schönes Projekt. Junge Menschen schreiben Songs, politische Songs auf mehreren Sprachen. Wir laden alles im Finale ein in einer großen Grenzstadt. Wir sind jetzt im Mai in Mannheim in der alten Feuerwache. Wir haben jedes Jahr ungefähr 1500 Menschen, die da mitmachen. Kreative Grenzgängerinnen werden, wie wir es auch leben. Das ist für uns jedes Mal Gänsehaut. Die besten Crews kommen auf die Bühne und spielen da vor tausend Leuten. Das, glaube ich, trägt diesen Spirit eines offenen Europas, eines kritisch-konstruktiven Europas, sehr weit. Und hat schon viele Herzen erobert, auch unsere eigenen. Das ist eines unserer ganz großen Projekte und eines für mich das Herzensprojekt. Felix? Unser Kerngeschäft ist Musik, Konzerte spielen und Songs veröffentlichen, aber ich glaube, dass wir jetzt die Preise auch bekommen durch unsere Projekte, die einfach die letzten Jahre sehr viel Impact bekommen haben und sehr viele Menschen erreichen und auch mit ins Brot holen. Das finde ich geil, ehrlich gesagt. Klar, man träumt auch davon, dass man einfach nur Konzerte spielen könnte und ein paar Songs veröffentlicht pro Jahr und dann ist irgendwie das Leben so auch entspannt. Aber wir uns brennt ein bisschen mehr Feuer und ich merke auch für mich, dass man in so Projekten, die man selbst aufstellt und selbst Geld beanträgt und selbst entscheiden kann, was, wann, wo, wie passiert, mit welchem Team, das ist einfach nochmal ein anderer Impact, als gebucht zu werden auf einem Festival, als einer von 20 Acts, die da spielen. Deswegen brenne ich auch für solche Projekte. Wir haben die letzten zehn Jahre immer wieder auch neue Sachen ins Leben gerufen. Und merken, dass ein paar Sachen sich konstant auch lange tragen. Herzensprojekt von mir sind die Unique Live Sessions. Das ist eine Serie, in der wir Konzert, Filme oder Live-Audioproduktionen machen an ungewöhnlichen Orten. Das finde ich jetzt geil daran. Also wir bringen Kultur und Tanz und Livemusik einfach an Spots, wo sonst nie sowas stattfinden würde. Zum Beispiel? Zum Beispiel Straßenbahn in Straßburg, zum Beispiel Schwarzwald-Gipfel-Hornesgrinde, zum Beispiel Boot-Ledoux in Straßburg. Jetzt für das nächste Jahr oder für dieses Jahr haben wir verschiedene Anfragen laufen. Unter anderem ein Gipfel in den Burgiesen. Da kommt ein bisschen meine Bergsteiger-Persion mit durch. Aber es sind aber auch die Highlights unserer Region, muss man sagen. Wir wollen damit beide Länder bespielen. Und Live-Alben finde ich ein geiles Konzept, was ich feiere. Ich feiere auch Konzertfilme, weil man da total viel Nachhaltiges schaffen kann. Und wir haben jetzt dann im letzten Jahr, oder es war inzwischen vor zwei Jahren, dann mit Solarstrom im Schwarzwald gearbeitet. Völlig neues Konzept, ziemlich teuer, aber ziemlich geil. Weißt du, auch sowas zu probieren, zu sagen, wir wollen nachhaltig, also ökologisch Musik machen im Naturschutzgebiet, im Spot, wo man nur hinwandern kann. Das sind einfach total viele Parameter und da Neuland zu betreten, macht mega Bock und ist eben auch total erfrischend, dass man aus der Musikbubble mal rauskommt und dann mit Leitern vom Naturschutz zusammen irgendwie unterwegs ist und mit Leuten, die da im Schwarzwald die Fäden ziehen. Also ich finde das geil. Für solche Events haben wir immer noch einen Song-Release, der dann zum Ort passt. Im letzten Jahr war das Rheinperlen oder an den Rhein auf dem Boot. Die spielen wir immer in der Regel zum ersten Mal an dem Spot. Da passiert mega viel. Ich feiere das und probiere auch dieses Jahr wieder die Kosten hinzukriegen, weil das mit den Budgets einfach crazy geworden ist und die Kultur mega wenig Kohle hat und wir für diese Projekte einfach Geld brauchen. Wer es sehen möchte, am 26. Februar spielen wir im Planetarium Freiburg. Die Poster hängen jetzt ab heute, seit heute. Auch da ist einfach ein ungewöhnlicher Ort. Wir haben die ganze Band dabei und Visuals speziell für unsere Songs. Finanziell ist sowas Harakiri, weil es einfach extrem aufwendig ist. Aber total schön, wie ich gesagt, neue Orte zu bespielen, aber auch Kunstformen zu verbinden. Unsere Welt ist sehr visuell geworden, auch heute machen wir Video. Wir haben einfach die ganze Kuppel voll mit schönen Grafiken von Joel Stark zu unseren Songs. Das ist ein audiovisuelles Erlebnis. Reise zu den Sternen. Okay, also es geht genauso rasant weiter, wie ihr irgendwie aufgehört habt und ihr habt ja schon am Anfang gesagt, jetzt wieder richtig oder immer noch genauso viel Power und so einen Schub bekommen. Jetzt vielleicht abschließend, um unser Gespräch nochmal so abzurunden und das Thema unseres Gesprächs, kann Musik eurer Erfahrung nach tatsächlich etwas verändern oder ist es eher ein Impuls, der andere Form von Engagement erst möglich macht? Was ist eure abschließende Antwort? Musik kann die Welt verändern, ganz sicher. Ich erinnere mich an unseren malischen Musikerkollegen Master Soumy, mit dem haben wir den Track Globe Chota veröffentlicht, mit einem geilen Video aus Bamako. Das ist ein riesiger Superstar in seinem Land und der hat eine Revolution ausgelöst dort gegen eine Verfassungsänderung, die den Staat weiter ermächtigen wollte. Ich bin jetzt nicht ganz so tief drin für die Details, aber das war vor Ort einfach ein riesiges Thema. Und ich spüre das bei uns auch ein bisschen so. Also jetzt gerade so das Thema Grenzkontrollen, Corona-Pandemie, da wurde ja auch bei zwei Abaschen einiges eingefroren und gestoppt, was uns sehr gestört hat und auch einfach unsere Freiheit begrenzt hat. Und wir waren da Teil eines größeren Movements und haben, glaube ich, da einiges ausgelöst, zum Überdenken auch der Lage, ohne es zu groß zu beschreiben. Ja, also zu Songs wie auch Sirenen etwa oder En Resist, auch ein Song, der so verschiedene Themen des Widerstands beschreibt, merke ich in Rückmeldungen von Menschen, die jetzt manche Themen auch nicht so nah an sich dran haben und dafür andere, dass die auch schon Botschaften dann bei uns so ausziehen und das teilen und, ja, wir auch zum Teil von höheren Ebenen einfach spüren, dass da Firepast mit ihren Positionen keine kleine Rolle spielt. Ja, also ich glaube, Musik hat schon Power und kann einiges loslesen. Ganz klar, Musik verändert die Welt. Wir würden sonst, glaube ich, keine Musik machen, keine Songs schreiben. Das ist für mich Antrieb. Wir wollen Hoffnung schenken, aber auch Menschen einfach anstacheln, sich einzumischen. Ich glaube. Die Welt kann besser werden, davon bin ich überzeugt. Es geht nur, wenn viele mit anpacken und sich einbringen mit ihren Skills, die sie hier haben. Für uns ist es Songwriting, für andere, erstens andere Dinge. Jeder, was er kann und möchte. Aber wir brauchen ziviles Engagement und zwar in geballter Form. Dann kann es klappen. Danke, dass ihr heute meine Gäste wart. Und wir hören uns wieder nächste Woche bei BZ am Ohr. Vielen Dank fürs Zuhören und Zuschauen.