Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 1. Theil - 16 - Von der Nächstenliebe
Transcript
- 0:00Unterkapitel 16 von der Nächstenliebe in diesem
- 0:05Abschnitt kritisiert Zarathustra, eine der
- 0:07bekanntesten moralischen Forderungen, die Nächstenliebe.
- 0:11Er beginnt damit, dass er beobachtet, wie sich die
- 0:13Menschen um ihre Mitmenschen drängen, sie benutzen viele
- 0:16schöne und wohlklingende Worte dafür, doch Zarathustra glaubt
- 0:20ihnen nicht, er sagt ihnen direkt Eure Liebe zum nächsten,
- 0:24ist in Wahrheit nur eure schlechte Liebe zu euch selbst.
- 0:27Er erklärt das genauer. Ihr lauft zu eurem nächsten,
- 0:31also zu anderen Menschen, weil ihr vor euch selbst fliehen
- 0:35wollt. Ihr haltet es mit euch alleine
- 0:37nicht aus aus dieser Flucht vor euch selbst.
- 0:40Wollt ihr eine Tugend machen, also etwas moralisch Gutes, aber
- 0:45Zarathustra durchschaut dieses Verhalten, er sieht, dass es
- 0:48keine echte Selbstlosigkeit ist, sondern eine Schwäche.
- 0:52Zarathustra blickt zurück in die Geschichte der Menschheit, er
- 0:55sagt, dass das du. Also die Gemeinschaft und der
- 0:58andere älter ist als das ich, also das Individuum, das du
- 1:04wurde heilig gesprochen. Es gilt als wichtig und gut.
- 1:08Das ich hingegen wurde noch nicht heilig gesprochen, deshalb
- 1:12drängt es den Menschen immer noch zur Masse, zum nächsten
- 1:15statt zu sich selbst. Nun gibt Zarathustra einen
- 1:18ungewöhnlichen Rat, er empfiehlt nicht die Nächstenliebe,
- 1:22stattdessen rät er zur Flucht vor dem nächsten und zur
- 1:25sogenannten Fernstenliebe. Das bedeutet, man soll nicht die
- 1:29Menschen lieben, die einem jetzt gerade nahe sind, sondern man
- 1:32soll das lieben, was weit entfernt in der Zukunft liegt.
- 1:36Er stellt eine Rangfolge der Liebe auf, höher als die Liebe
- 1:40zum nächsten steht für ihn die Liebe zum Fernsten und zum
- 1:43künftigen, das meint die Liebe zu den Menschen, die erst noch
- 1:47kommen werden und zu den Zielen, die man erreichen will, noch
- 1:51höher als die Liebe zu lebenden Menschen ist für Zarathustra die
- 1:54Liebe zu Sachen. Und Gespenstern mit dem Begriff
- 1:59Gespenster meint Nietzsche hier keine Gruselgestalten, sondern
- 2:02große Ideen, Visionen oder Ideale, die noch keinen Körper
- 2:06haben, aber den Menschen antreiben.
- 2:09Zarathustra spricht seinen Zuhörer direkt als Bruder an, er
- 2:13sagt dieses Gespenst, also deine Vision von dir selbst.
- 2:17In der Zukunft, ist schöner als du.
- 2:20Warum gibst du diesem ideal nicht deine ganze Kraft, deine
- 2:23Fleisch und deine Knochen? Aber statt an dir und deinem
- 2:26Ideal zu arbeiten, fürchtest du dich und läufst schnell zu
- 2:30deinem nächsten, um dich abzulenken.
- 2:32Die Menschen halten es nicht mit sich alleine aus, so sagt
- 2:35Zarathustra, Sie lieben sich selbst nicht genug, deshalb
- 2:39versuchen sie den nächsten zu verführen, damit dieser sie
- 2:42liebt, wenn der nächste sie dann liebt, können Sie sich durch
- 2:46diesen Irrtum des anderen selbst wertvoll fühlen.
- 2:49Zarathustra nennt das sich vergolden.
- 2:52Man nutzt die Meinung des anderen, um glänzender zu
- 2:54erscheinen, als man ist. Zarathustra wünscht sich eine
- 2:58andere Art von Menschen. Er sagt, ich wollte ihr würdet
- 3:01es nicht aushalten mit all diesen nächsten und deren
- 3:04Nachbarn, wenn ihr diese oberflächliche Gemeinschaft
- 3:08nicht mehr ertragt, dann müsstet ihr nämlich etwas Neues
- 3:10schaffen, den Freund und diesen Freund müsstet ihr aus euch
- 3:14selbst erschaffen, aus einem überwallenden vollen Herzen
- 3:18heraus. Er beschreibt, wie die meisten
- 3:20Menschen ihre Beziehungen führen.
- 3:22Sie laden sich einen Zeugen ein, also jemanden, der sie
- 3:26beobachtet. Sie wollen diesem Zeugen
- 3:28einreden, dass sie gut sind, und wenn der Zeuge dann glaubt, dass
- 3:32sie gut sind, dann glauben Sie es am Ende selbst.
- 3:35Auch Zarathustra nennt das Lügen, er sagt nicht nur, der
- 3:40lügt, der etwas falsches sagt, obwohl er es besser weiß,
- 3:43sondern es lügt vor allem derjenige, der redet, ohne sich
- 3:47selbst wirklich zu kennen. So reden die Menschen im
- 3:49gesellschaftlichen Umgang übereinander und belügen dabei
- 3:52sich und den Nachbarn. Zarathustra zitiert einen
- 3:55Narren, um seine Meinung zu verdeutlichen, der Narr sagt,
- 4:00der Umgang mit Menschen verdirbt den Charakter, besonders wenn
- 4:03man gar keinen hat. Das bedeutet, wer keine eigene
- 4:07starke Persönlichkeit hat, verliert sich völlig, wenn er
- 4:09ständig unter Leuten ist. Zarathustra beobachtet 2 Gründe,
- 4:13warum Menschen zum nächsten gehen.
- 4:15Der eine geht zum nächsten, weil er sich selbst sucht und
- 4:18Bestätigung braucht, der andere geht zum nächsten, weil er sich
- 4:22selbst verlieren und vergessen möchte.
- 4:25In beiden Fällen ist es eine schlechte Liebe zu sich selbst,
- 4:28die aus der Einsamkeit ein Gefängnis macht, man hält es
- 4:31allein nicht aus und flüchtet in die Gesellschaft, dann spricht
- 4:35er über die Menschen, die weiter entfernt sind, die Art ferneren,
- 4:39er sagt, Wenn ihr euch so sehr mit euren nächsten beschäftigt,
- 4:43müssen die ferneren dafür bezahlen.
- 4:46Das heißt, wenn ihr eure ganze Energie für kleine, alltägliche
- 4:49Beziehungen verschwendet, bleibt keine Kraft mehr für große Ziele
- 4:53und die Zukunft ergibt ein Beispiel, wenn sich 5 Leute eng
- 4:58zusammenschließen, muss immer ein Sechster sterben, das
- 5:01bedeutet, dass enge Cliquen oder Gruppen immer andere
- 5:03ausschließen und Gemeinschaft oft auf Kosten von
- 5:06Außenstehenden oder höheren Zielen geht.
- 5:09Auch die Feste und feiern der Menschen gefallen Zarathustra
- 5:12nicht. Er findet, dass sich dort zu
- 5:14viele Schauspieler tummeln. Die Zuschauer benehmen sich oft
- 5:17genauso unecht wie die Schauspieler auf der Bühne, es
- 5:21fehlt an Ehrlichkeit und Tiefe, deshalb lehrt Zarathustra nicht
- 5:25den nächsten, sondern den Freund, der Freund ist für ihn
- 5:28etwas sehr hohes, der Freund soll das Fest der Erde sein und
- 5:33ein Vorgefühl des Übermenschen, der Begriff Übermensch ist
- 5:37zentral bei Nietzsche. Er beschreibt damit einen
- 5:39Menschen, der über den heutigen Durchschnittsmenschen
- 5:42hinausgewachsen ist, der seine eigenen Werte schafft und sich
- 5:45selbst überwindet. Zarathustra lehrt den Freund,
- 5:48der ein volles, überfließendes Herz hat, um so ein Freund zu
- 5:52sein, muss man wie ein Schwamm sein, der bereit ist, alles
- 5:55aufzunehmen und gleichzeitig überquellen, vorgeben wollen.
- 5:59Ein solcher Freund ist jemand, in dem die Welt fertig bereit
- 6:02steht, er ist wie eine Schale, die mit dem Guten gefüllt ist.
- 6:06Er ist ein schaffender Freund. Der immer eine fertige Welt zu
- 6:09verschenken hat. Zarathustra beschreibt die
- 6:12Entwicklung der Welt in diesem Freund.
- 6:14Die Welt rollte sich für ihn auseinander, um verstanden zu
- 6:17werden, und dann rollt sie sich in Ringen wieder zusammen.
- 6:21Das bedeutet, der Freund versteht, wie das Gute durch das
- 6:25Böse entsteht und wie aus Zufällen feste Ziele werden.
- 6:29Er hat das Leben in seiner ganzen Komplexität begriffen und
- 6:32bejaht. Zum Schluss gibt Zarathustra
- 6:34seinen Zuhörern eine klare Anweisung für die Zukunft.
- 6:37Er sagt, die Zukunft und das Fernste, also das große Ziel,
- 6:42soll der Grund für dein Handeln im heute sein.
- 6:45In deinem Freund sollst du nicht einfach nur den Menschen lieben,
- 6:48der er jetzt ist. Du sollst in ihm den
- 6:51Übermenschen lieben, der er werden kann, der Freund ist also
- 6:55ein Wegweiser zur besten Version des Menschen.
- 6:59Zarathustra fasst seine Botschaft an seine Brüder
- 7:01zusammen ich rate euch nicht zur Nächstenliebe, also.
- 7:06Zur Liebe zu denen, die zufällig gerade da sind.
- 7:10Ich rate euch zur Fernsten Liebe, zur Liebe, zu dem großen
- 7:14Ziel und der perfekten Zukunft des Menschen.