Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Ecce Homo - 3: Die Geburt der Tragödie 3
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- 0:00Exe, Homo wie man wird, was man ist.
- 0:03Kapitel 3 warum ich so gute Bücher schreibe Unterkapitel die
- 0:08Geburt der Tragödie Abschnitt 3 in diesem dritten Abschnitt
- 0:16erklärt Friedrich Nietzsche, wie er die wahre Bedeutung des
- 0:18Begriffes tragisch gefunden hat. Er spricht hier über die tiefere
- 0:22Psychologie, die hinter einer Tragödie steckt, um das zu
- 0:25erklären, greift er auf ein anderes seiner Werke zurück.
- 0:28Nämlich auf sein Buch mit dem Titel Götzendämmerung.
- 0:32In diesem späteren Buch hatte er bereits zusammenfassend
- 0:35beschrieben, was für ihn den Kern der Tragödie ausmacht.
- 0:39Nietzsche zitiert sich an dieser Stelle selbst.
- 0:41Er schreibt, dass man zum Leben ja sagen muss, und zwar nicht
- 0:45nur zu den schönen Seiten, sondern ganz besonders zu den
- 0:49Fremdesten und härtesten Problemen des Lebens, er spricht
- 0:52von einem Willen zum Leben, der sich selbst dann freut, wenn die
- 0:55höchsten und besten Menschen geopfert werden.
- 0:58Diese unerschöpfliche Freude am Leben, die auch das Leiden und
- 1:01die Zerstörung voll und ganz bejaht, nennt Nietzsche
- 1:04Dionysisch. Der Begriff Dionysisch leitet
- 1:08sich von dem antiken griechischen Gott Dionysos ab.
- 1:11Dionysos ist der Gott des Weines, des Rausches und der
- 1:14wilden, ungebändigten Natur. Für Nietzsche steht das
- 1:18Dionysische für eine Lebenskraft, die keine Angst vor
- 1:21dem Schmerz hat, sondern das Leben in seiner Ganzen, auch
- 1:24grausamen Fülle feiert. Dieses dionysische Gefühl ist
- 1:28für Nietzsche die Brücke, um zu verstehen, wie ein Dichter von
- 1:31Tragödien wirklich denkt und fühlt.
- 1:34Nietzsche grenzt sich hier ganz scharf von dem berühmten antiken
- 1:37Philosophen Aristoteles ab, Aristoteles hatte behauptet,
- 1:41dass der Sinn einer Tragödie im Theater darin besteht, dass der
- 1:44Zuschauer durch das Miterleben von Schrecken und Mitleid am
- 1:47Ende von diesen belastenden Gefühlen gereinigt wird.
- 1:51Diese Theorie nennt man oft Katharsis, also Reinigung.
- 1:56Nietzsche sagt nun, Aristoteles hat das völlig missverstanden.
- 2:00Es geht bei der Tragödie eben gerade nicht darum, von
- 2:02Schrecken und Mitleid loszukommen.
- 2:04Es geht nicht darum, sich von gefährlichen Gefühlen zu
- 2:07befreien oder sich zu entladen, im Gegenteil, für Nietzsche geht
- 2:12es darum, sich über den Schrecken und das Mitleid zu
- 2:14erheben, man soll die ewige Lust des Werdens spüren, der Begriff
- 2:19werden ist in der Philosophie sehr wichtig.
- 2:22Er beschreibt, dass die Welt nicht aus starren, unbeweglichen
- 2:25Dingen besteht, sondern dass alles ständig im Fluss ist, dass
- 2:29ständig neues entsteht und Altes vergeht.
- 2:32Nietzsche sagt, dass zu dieser grenzenlosen Freude an der
- 2:35ständigen Veränderung der Welt zwingend auch die Freude an der
- 2:38Vernichtung gehört, denn nur wenn Altes zerstört wird, kann
- 2:42Neues entstehen, weil Nietzsche diese tiefe, bejahende Einsicht
- 2:46in das ständige Entstehen und zerstören gewonnen hat.
- 2:49Beansprucht er für sich selbst den Titel?
- 2:51Der erste tragische Philosoph der Geschichte zu sein?
- 2:54Das bedeutet für ihn, dass er das absolute Gegenteil eines
- 2:57pessimistischen Philosophen ist. Ein pessimistischer Philosoph
- 3:01wie zum Beispiel der von Nietzsche oft kritisierte Arthur
- 3:03Schopenhauer sieht das Leiden in der Welt und zieht daraus den
- 3:06Schluss, dass das Leben schlecht ist und man sich davor
- 3:09zurückziehen sollte, Nietzsche als tragischer Philosoph sieht
- 3:13dasselbe leiden, aber er umarmt es und sagt Aus voller Kraft ja.
- 3:19Zu diesem wilden, schmerzhaften und wunderschönen Leben.
- 3:23Nietzsche erzählt weiter, dass er in der antiken Geschichte
- 3:26nach anderen Denkern gesucht hat, die diese tragische
- 3:29Weisheit besaßen. Er suchte bei den großen
- 3:32griechischen Philosophen, die in den 2 Jahrhunderten vor Sokrates
- 3:35lebten, doch er suchte vergebens die einzigen, bei denen er sich
- 3:39verstanden fühlte, waren nicht dabei, mit einer einzigen großen
- 3:42Ausnahme, dem Philosophen Heraklit.
- 3:46Heraklit war ein antiker Denker, der dafür berühmt ist, dass er
- 3:49den ständigen Wandel der Welt betonte, oft zusammengefasst in
- 3:53dem Leitsatz Alles fließt. Nietzsche schreibt, dass ihm in
- 3:57der geistigen Nähe von Heraklit wärmer und wohler zumute wird
- 4:00als irgendwo sonst. Denn Heraklit bejahte, genau wie
- 4:04Nietzsche das Vergehen und das vernichten, er bejahte die
- 4:07Gegensätze und den Kampf in der Welt, Heraklit sah die Welt als
- 4:11ein ständiges Werden und lehnte die Idee eines festen,
- 4:15unveränderlichen Seins. Also eines dauerhaften starren
- 4:18Zustands radikal ab. In diesen Gedanken erkennt
- 4:22Nietzsche das wieder, was ihm selbst am meisten verwandt ist.
- 4:26Zum Schluss dieses Gedankengangs kommt Nietzsche auf seine wohl
- 4:29berühmteste eigene Lehre zu sprechen, die Lehre von der
- 4:32ewigen Wiederkunft, diese Lehre, die auch die Hauptfigur in
- 4:36seinem Buch Also sprach Zarathustra verkündet.
- 4:39Besagt, dass das gesamte Leben und das gesamte Universum sich
- 4:43in einem unendlichen Kreislauf immer und immer wieder exakt so
- 4:46wiederholen werden, wie sie jetzt sind.
- 4:49Es ist der höchste Test für die Lebensbejahung, man muss das
- 4:52Leben so sehr lieben, dass man jeden Schmerz und jede Freude
- 4:55für alle Ewigkeit immer wieder genauso durchleben möchte.
- 5:00Nietzsche vermutet hier, dass diese gewaltige Lehre des
- 5:02unendlichen Kreislaufs aller Dinge vielleicht sogar schon von
- 5:05Heraklit gelehrt worden sein könnte.
- 5:07Zumindest findet Nietzsche Spuren dieses Gedankens bei der
- 5:10Stoa. Die Stoa war eine einflussreiche
- 5:13philosophische Schule in der Antike, die sogenannten Stoiker,
- 5:17da die Stoa fast alle ihre grundsätzlichen Vorstellungen
- 5:20von Heraklit übernommen hat, sieht Nietzsche hier eine
- 5:23direkte Verbindungslinie von Heraklit über die Stoika bis
- 5:26hinzu seiner eigenen tragischen und lebensbejahenden
- 5:29Philosophie.