Latest / ntv Wirtschaft / Sonntags bald Lkw-Stau auf unseren Straßen? Verkehrsminister Bilger erwägt vorübergehendes Aus fürs Fahrverbot
Transcript
- 0:01Rekordgewinn bei der Commerzbank. Und trotzdem spitzt sich der Übernahme-Poker mit der Unikredit zu.
- 0:08Rheinmetall bekommt trotz Rüstungsboom einen Dämpfer.
- 0:13Und wird das Sonntagsfahrverbot für LKW gekippt? Hallo und herzlich willkommen.
- 0:19In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte,
- 0:24die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat.
- 0:29Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt.
- 0:34Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards
- 0:38geprüft. Viel Spaß beim Zuhören.
- 0:42Wir starten mit einem Machtkampf, der immer mehr nach Endspiel aussieht.
- 0:46Die Commerzbank und die italienische Unikredit.
- 0:50Eigentlich könnte die Commerzbank gerade ziemlich selbstbewusst auftreten.
- 0:54Das erste Halbjahr läuft stark, das Nettoergebnis steigt auf 1,8 Milliarden Euro.
- 1:01Aber die Unikredit hat inzwischen Zugriff auf fast die Hälfte der Anteile.
- 1:06Sie hatte bereits im Mai ein Angebot für den DAX-Konzern vorgelegt.
- 1:10Die Offerte lag lange unter dem Kurs der Commerzbank-Aktie.
- 1:14Unser Moderator Raimund Brichter spricht darüber mit Hans-Peter Burghoff,
- 1:19Professor für Bankwirtschaft an der Universität Hohenheim.
- 1:22Ja, das Erstaunliche für mich ist ja, dass die Unikredit mit einem offensichtlich
- 1:26unattraktiven Angebot doch zu ihrem Ziel kommt, offenbar. Wie ist ihr das denn gelungen?
- 1:34Tja, da rätseln wir alle. Es gibt also ein gewisses Derivate-Wunder,
- 1:37was da passiert ist, über das man diese Aktien erworben hat.
- 1:43Freie Aktionäre, die einfach nur ihre Aktie angedient haben,
- 1:45die gibt es kaum. Das spielt also gar keine Rolle. Das sind alles Geschäfte
- 1:49mit engen Bekannten, engen Freunden von Ocell, mit Unternehmen,
- 1:52mit denen er zusammenarbeitet, mit denen entsprechende Derivate-Konstruktion geschaffen hat.
- 1:56Und es ist natürlich sehr problematisch, wenn man quasi über Derivate Dinge
- 1:59tun kann, die ökonomisch gar nicht möglich sind.
- 2:02Dass man also eine Aktie quasi erwirbt bei einem Angebotskurs,
- 2:07der gar nicht zu dem Aktienerwerb führen sollte.
- 2:09Das müssten sich die Börsenbehörden sehr genau ansehen, müssen sicher sein,
- 2:13die sie verstanden haben, was da passiert ist.
- 2:14Denn wenn einmal die Übernahme passiert ist, dann kann man ja nicht mehr zurück.
- 2:18Also da erwarte ich jetzt von den Börsenbehörden eine klare Aufklärung darüber,
- 2:21was ist eigentlich passiert.
- 2:22Allerdings ein Schaden ist nicht mehr gut zu machen. Die Aktionäre wussten nicht,
- 2:26wie ihnen geschieht. Das heißt, die Entscheidung des einzelnen Aktionärs,
- 2:29das Angebot anzunehmen oder nicht, erfolgt auf unvollständige Information.
- 2:33Insofern sind tatsächlich die Aktionäre schon jetzt massiv geschädigt durch
- 2:36diesen Übernahmeprozess.
- 2:37Dann lassen Sie uns noch in die Zukunft schauen. Wie wird das denn Ihrer Meinung nach nun weitergehen?
- 2:41Wann wird die Commerzbank unter Kontrolle der Unikredit sein?
- 2:45Das ist eine politische Entscheidung, die hängt von einzelnen Persönlichkeiten
- 2:49ab, wie die sich verhalten werden.
- 2:52Und insofern ist das nicht vorhersehbar. Im Prinzip hat der Bund noch bis 2029
- 2:58ein Aufsichtsratsmitglied im Aufsichtsrat.
- 3:00Insofern hat Orchell im Aufsichtsrat nicht die Mehrheit.
- 3:03Ob Orchell dieses Aufsichtsratsmitglied loswerden kann und wie das tatsächlich
- 3:07zu Orchell steht, das wissen wir alles nicht.
- 3:09Das ist sehr spannend und kaum vorhersehbar.
- 3:12Die sehr guten Zahlen der Commerzbank sind zwar eine gute Grundlage dafür,
- 3:16dass der Commerzbank nichtsdestotrotz weiter gut geht, aber es ist auch ein
- 3:20erhebliches Maß an Unsicherheit in der Situation.
- 3:22Und wir gehen rüber zur Rüstungsindustrie.
- 3:25Auch Rheinmetall wächst weiter, aber ein gestopptes Milliardenprojekt bremst die Euphorie.
- 3:31Der Bund stoppt das milliardenschwere Fregattenprogramm F126.
- 3:36Die Umsatzprognose für das kommende Jahr fällt deshalb vorsichtiger aus als bisher.
- 3:41Über die Zahlen hat unsere Börsenmoderatorin Nancy Lanzendörfer mit Madeleine
- 3:45Ronner gesprochen, Fondsmanagerin bei der DWS.
- 3:48Und da fällt natürlich vor allem auf, okay, beim Umsatz, der sollte bis jetzt,
- 3:53bis 14,5 Milliarden betreffen und jetzt die Spanne reduziert bis 14,2.
- 3:59Verschreckt das die Anleger?
- 4:01Genau, also die Umsatzerwartung wurde hier um 300 Millionen reduziert.
- 4:04Das liegt vor allem daran, weil man hier eben die Fregattenorder für die F126 verloren hat.
- 4:09Hier war jetzt praktisch in den Vorveröffentlichungen letzte Woche war noch
- 4:13die Aussage, vielleicht schaut man hier, ob man das kompensieren kann.
- 4:16Und jetzt hat man eben die Entscheidung getroffen, nein, wir gehen hier eben
- 4:19um diesen Betrag zurück.
- 4:20Ich denke, das wurde in der Breite eigentlich schon erwartet.
- 4:23Dementsprechend dürfte das jetzt kein großer Schock sein.
- 4:26Aber könnte man von einem Vertrauensverlust sprechen? Also man hat ja von der
- 4:30Regierung den Auftrag eigentlich bekommen sollen.
- 4:33Ist man vielleicht doch nicht so nah, sage ich mal, an der Regierung wie ursprünglich gedacht?
- 4:36Also definitiv, das war erstmal ein Schock für viele Anleger.
- 4:39Deswegen war auch die Aktienreaktion deutlich höher als eigentlich der operationelle
- 4:43Impact, den diese Entscheidung hatte.
- 4:46Aber deswegen ist es jetzt so wichtig, dass Rheinmetall jetzt eben die nächsten
- 4:49Quartale dieses Vertrauen wieder aufbauen kann. Das hat man jetzt nicht nur
- 4:52auch durch diese eine Bestellung verloren, sondern auch durch die Vorquartale,
- 4:55die ehrlicherweise auch in der Exekution nicht sonderlich toll waren.
- 4:58Aber dieses Quartal war jetzt eben wirklich gut. Auch die Marge war sehr,
- 5:01sehr stark. Also nicht nur das Umsatzwachstum, sondern wirklich auch die Umsetzung war sehr gut.
- 5:06Auch in den Segmenten her sehr, sehr breit. Und so kann man jetzt eben wieder
- 5:09anfangen, Vertrauen langsam über die nächsten Quartale aufzubauen.
- 5:12Ja, und dennoch die Aktie, die ja im letzten Jahr und im Jahr davor zu den Lieblingen
- 5:17im DAX zählte, in diesem Jahr nicht. Also warum hängt die dann trotzdem hinterher?
- 5:21Das ist wieder genau dieser Vertrauensverlust. Weil natürlich viel von den Wachstumserwartungen
- 5:25sind natürlich auch in 28, 29, 30.
- 5:28Und gerade auch bei den 20-30er-Zielen.
- 5:31Wenn man jetzt nicht das Vertrauen hat, dass das auch umgesetzt werden kann,
- 5:34verlangt man natürlich eine höhere Risikoprämie auf dieses 20er-30er-Wachstum.
- 5:39Wenn sich das jetzt wieder aufbauen kann, sollte sich das auch in der Bewertung
- 5:42entsprechend reflektieren.
- 5:43Weil das Wachstumsprofil, was wir hier sehen, auch für das volle Jahr,
- 5:46wird ja weiterhin knapp 40% Umsatzwachstum erwartet.
- 5:49Das ist weiterhin in Deutschland wirklich best in class. Und jetzt schauen wir
- 5:52auf Infrastruktur, die viel Geld kostet, aber oft viel zu wenig genutzt wird.
- 5:58Kleine Regionalflughäfen. Kleine Flughäfen klingen erst mal nach Komfort.
- 6:04Kürzere Wege, weniger Gedränge, vielleicht ein schneller Flug in den Urlaub.
- 6:09Aber viele dieser Airports rechnen sich nicht. Sie haben zu wenige Passagiere
- 6:14und trotzdem hohe Fixkosten.
- 6:17Der Kassel Airport gilt da als besonders deutliches Beispiel.
- 6:20Allein 2024 lag das Defizit bei knapp 5 Millionen Euro.
- 6:26Und er ist nicht der einzige Flughafen, der ohne öffentliche Hilfe kaum über die Runden kommt.
- 6:31Unsere Börsenmoderatorin Nancy Lanzendörfer hat darüber mit Erik Heimann gesprochen,
- 6:37Mobilitätsexperte bei der Deutschen Bank Research.
- 6:39Wenn wir das alles hören, muss ich die Frage stellen, wann sterben Regionalflughäfen
- 6:45aus oder müssen wir uns darüber keine Sorgen machen?
- 6:49Das ist in erster Linie eine politische Frage. Denn die Regionalflughäfen gehören
- 6:53in aller Regel den lokalen Gebietskörperschaften.
- 6:56Und wenn die betriebswirtschaftlichen Verluste, die im Betrieb anfallen,
- 6:59aber jedes Jahr quasi über den Haushalt ausgeglichen werden und damit der Betrieb
- 7:02weiter gewährleistet wird, dann ist nicht damit zu rechnen, dass es zu einem
- 7:06großen Sterben der Regionalflughäfen kommt.
- 7:09Gleichwohl wird es von EU-Seite her schwieriger, gerade die größeren der kleineren
- 7:13Flughäfen dann mit Betriebsbeihilfen zu unterstützen.
- 7:16Ja, Stichwort Betriebszuhilfen oder eben die Kosten. Können Sie denn den irischen
- 7:21Anbieter, die Billig-Airline Ryanair, verstehen, die sagen, okay,
- 7:26wir kürzen unser Angebot zusammen, weil die Kosten in Deutschland so hoch sind?
- 7:31Das ist tatsächlich ein Thema, das den gesamten Luftverkehrsstandort Deutschland
- 7:34betrifft. Das ist dann nicht ein spezielles Problem für die Regionalflughäfen.
- 7:38Natürlich kommt es hinzu, wenn man an Regionalflughäfen eher Billigflug-Airlines hat
- 7:43und man dann durch regulatorische Belastungen einen Ticketpreisaufschlag bekommt,
- 7:48der fällt natürlich dann bei einem günstigen Ticket eher ins Gewicht als bei
- 7:51einem Linienflug von den großen Hubs.
- 7:54Und insofern ist es schon verständlich, dass Fluggesellschaften auch sagen,
- 7:57ich gehe aus Deutschland raus und suche mir Standorte auch im benachbarten Ausland.
- 8:01Da gibt es auch gute Beispiele dafür.
- 8:03Zum Beispiel. Und vor allem, warum sind die Gebühren in Deutschland so viel höher?
- 8:07Ja, wir haben zum Beispiel die Luftverkehrssteuer eingeführt.
- 8:10Die gibt es in anderen Ländern nicht. Wir haben in manchen Flughäfen andere
- 8:13regulatorische Belastungen bezüglich Nachtflugverbot.
- 8:17Die allgemeinen Belastungen, die auch aus der Umweltregulierung kommen,
- 8:22das ist etwas, wo Deutschland schon teilweise weitergeht als andere Staaten.
- 8:25Und dann profitieren oftmals Flughäfen in Polen, in Niederlanden,
- 8:29in Frankreich, wo dann die Passagiere sagen, okay, es lohnt sich für uns,
- 8:34die paar Kilometer über die Grenze zu fahren und ab dort zu fliegen.
- 8:37Und von Flughäfen, an denen oft zu wenig los ist, geht es jetzt zu einem Verkehrsweg,
- 8:41auf dem normalerweise extrem viel läuft. Nur gerade eben nicht genug.
- 8:47Die Flüsse. Dort sorgt das Niedrigwasser inzwischen für echten Druck.
- 8:52Bundesverkehrsminister Steffen Bilger denkt deshalb über eine Notfallmaßnahme nach.
- 8:56Das Sonntagsfahrverbot für Lastwagen könnte vorübergehend ausgesetzt werden.
- 9:01Das schreibt die Bild-Zeitung.
- 9:03Heißt, falls zum Beispiel auf dem Rhein gar nichts mehr geht,
- 9:06könnten Lkw auch sonntags fahren, um Waren auf der Straße zu transportieren.
- 9:12Die Bahn ist nämlich nur bedingt eine Alternative, weil gerade viel gebaut und saniert wird.
- 9:18Verkehrsminister Bilger lädt deshalb Vertreter von Schifffahrt,
- 9:21Häfen und Wirtschaft zu einem Spitzengespräch nach Bonn.
- 9:25Kommen wir jetzt zu Dingen, die viele zu Hause im Schrank stehen haben,
- 9:29so wie Schwarzkopf oder Patex. Also zu Henkel.
- 9:33Der Konsumgüterkonzern kommt besser durch das Jahr als gedacht.
- 9:37Der Umsatz legt im ersten Halbjahr um mehr als drei Prozent zu.
- 9:41Währungseffekte und Verkäufe von Unternehmensteilen herausgerechnet.
- 9:46Die Konsumentensparte mit Waschmitteln, Haarpflege und Alltagsprodukten läuft.
- 9:52Gleichzeitig ist das Krebstoffgeschäft gefragt, etwa in der Mobilitäts- und Elektronikbranche.
- 9:58Unser Moderator Raimund Brichter hat mit Henkel-Chef Carsten Knobel gesprochen.
- 10:02Ich glaube, wichtig ist erstmal, dass wir ein sehr starkes erstes Halbjahr geliefert haben.
- 10:08Sie haben es schon angesprochen, in einem sehr herausfordernden Umfeld.
- 10:11Wir haben eine starke Umsatz- und Ergebnisentwicklung gezeigt,
- 10:15die wirklich von beiden Unternehmensbereichen getragen war.
- 10:18Und ich glaube, was am wichtigsten ist, wir haben eine strategische Wachstumsagenda
- 10:22und die setzen wir konsequent um.
- 10:24Dazu gehören Investitionen in Marken, in Innovationen und auch in unsere M&A-Aktivitäten,
- 10:29die in diesem Jahr besonders ausgeprägt sind.
- 10:32Wir akquirieren aktuell, wir geben circa 5 Milliarden Euro aus und werden zukünftig
- 10:37zusätzlich 2 Milliarden zusätzlichen Umsatz erzielen.
- 10:42Sicherlich ist die geopolitische Situation eine, die uns auch stark beeinflusst.
- 10:47Aber gerade das Klebstoffgeschäft, was Sie eben gerade angesprochen haben,
- 10:51mit einem Wachstum von 4,5 Prozent, wächst über alle Segmente und über alle Bereiche.
- 10:56Und daher ist die Situation, die durch die Geopolitik hervorgerufen wurde,
- 11:01ja, hat einen kleineren Einfluss.
- 11:02Aber wir sind insgesamt sehr, sehr gut unterwegs im Klebstoffgeschäft und im Konsumgütergeschäft.
- 11:08Und ich glaube, das ist die wichtigste Nachricht. Daran schließt sich natürlich
- 11:11die Frage an, warum sind denn Klebstoffe plötzlich so stark gefragt?
- 11:1790 Prozent unseres Geschäftes im Klebstoffbereich erzielen wir in der Industrie.
- 11:22Wir beliefern 800 Industriesegmente in der Mobilität.
- 11:27Wir sind bei wichtigen Trends, die heutzutage eine Rolle spielen.
- 11:31Die Nachhaltigkeit, die Mobilität, die Konnektivität nicht nur sehr gut aufgestellt,
- 11:36sondern wir bieten unseren Kunden sehr wichtige Lösungen, die wichtig sind,
- 11:41um in diesem Bereich erfolgreich zu sein.
- 11:43Und das ist der ausschlaggebende Punkt, warum wir so stark auch im Klebstoffbereich
- 11:47in der Vergangenheit waren und auch in der Zukunft sein werden.
- 11:50Also ich bin da sehr, sehr positiv.
- 11:52Henkel zeigt damit, auch in einem schwierigen Umfeld laufen Produkte,
- 11:56die Menschen im Alltag wirklich brauchen.
- 11:59Das war unser Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den
- 12:03Moment. Wir hören und lesen uns wieder bei NTV.
- 12:07In der App, im TV oder hier im Podcast.