Latest / heute journal - der Podcast / US-Midterms: Abrechnung mit Trump? Mit Julius van de Laar
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- 0:27Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika verspricht jedem erwachsenen
- 0:32Bürger und jeder Bürgerin, wenn ihr wählen geht und die republikanische Partei
- 0:37die Zwischenwahlen gewinnt, bekommt ihr von mir 5000 Dollar.
- 0:42Da könnte man ja jetzt sagen, cleverer Schachzug oder aber wie verzweifelt kann man sein?
- 0:49Für Donald Trump läuft es nicht gut. Er hat miserable Umfragewerte und das knapp
- 0:54drei Wochen vor den Midterms, also den Zwischenwahlen in den USA.
- 0:58Wir wollen wissen, bröckelt die Macht von Donald Trump? Was steckt hinter seinen
- 1:03verzweifelten Versuchen an ihr festzuhalten?
- 1:06Und welche Folgen hätte eine Wahlniederlage für Donald Trump selbst,
- 1:10aber auch für die USA und für uns in Europa?
- 1:14Und da können wir heute drüber sprechen mit Julius Vandelaar.
- 1:17Er ist Politstratege und weiß, wie Wahlkampf in den USA funktioniert.
- 1:21Er hat nämlich selber schon mal mitgeholfen, damals für Barack Obama.
- 1:25Und bezogen auf die Midterms sagt er, es drohe ein geteiltes Washington.
- 1:30Mehr Blockade im Kongress, mehr Politik per Dekret aus dem Weißen Haus.
- 1:35Keine Lame Duck, sondern Donald Trump Unchained.
- 1:39Herzlich willkommen Herr Vandelaar, freut mich sehr, dass das klappt.
- 1:43Schön hier zu sein, danke für die Einladung.
- 1:45Und außerdem ist uns aus Washington zugeschaltet unser Korrespondent David Sauer.
- 1:50Er war in letzter Zeit sehr viel unterwegs im ganzen Land, hat also erlebt und
- 1:55erlebt auch immer noch, wie der Wahlkampf live vor Ort funktioniert und gestaltet
- 1:59wird und kann mit uns heute darüber sprechen. Hallo David. Das mache ich sehr gerne, hallo.
- 2:04Und mir gegenüber in Mainz sitzt wieder
- 2:06Marietta Slomka, Moderatorin des Heute-Journals. Hi Marietta. Hallo.
- 2:12Marietta, das ist unsere letzte Podcast-Folge vor den Zwischenwahlen.
- 2:16Du fliegst nämlich auch bald nach Washington, um da zu berichten.
- 2:21Hast auch vor zwei Jahren schon die Präsidentschaftswahl begleitet.
- 2:25Mit was für einem Gefühl fliegst du dahin? Welche Stimmung erwartest du da?
- 2:30Naja, es hängt natürlich immer davon ab, wo man dann ist und mit wem man spricht.
- 2:33Aber in Washington DC selber, was ja immer schon eine durch und durch demokratische
- 2:37Stadt war, erwarte ich eigentlich eine Mischung aus Depression und Wut,
- 2:41weil die Einwohner dort dann überwiegend keine Trump-Anhänger sind und,
- 2:46natürlich seine Verrücktheiten besonders brutal zu spüren bekommen.
- 2:49Also angefangen damit, dass, glaube ich, letzte Woche 500 Bäume abgeholzt worden,
- 2:52weil da ein Golfplatz erweitert werden soll, dann dieses schreckliche Ballroom
- 2:56am Weißen Haus, Das berühmte Kennedy Center, was eigentlich als Kulturinstitution
- 3:00jetzt auch zerstört ist. Also das sind alles schon sehr bedrückende Sachen.
- 3:04Wenn man dann wiederum mit begeisterten MAGA-Fans reden wird,
- 3:06werden die schon Gründe finden, warum das eigentlich alles trotzdem super läuft.
- 3:11Und wir werden uns auf die Wählergruppe der Latinos konzentrieren.
- 3:15Also wir bleiben nicht in Washington, sondern reisen weiter,
- 3:18weil sich dort, die sehr dazu beigetragen haben, dass Trump Präsident wurde,
- 3:222024, aber dort lässt sich ja einen Shift of Opinion beobachten.
- 3:26Also die laufen im jetzigen Moment eigentlich ziemlich davon und ich glaube, das wird spannend.
- 3:31David, du hast ja vermutlich auch beide Gruppen, sage ich jetzt mal,
- 3:35gesehen und beobachtet in letzter Zeit. Zum einen eben die sehr treuen MAGA-Fans,
- 3:40zum anderen warst du in demokratischen Hochburgen unterwegs.
- 3:44Wie schlägt sich denn da gerade so die Stimmung nieder und auch dieses Tief,
- 3:48in dem Donald Trump gerade ist? Ich hatte es ja eingangs erwähnt,
- 3:51absolutes Rekordtief bei den Umfragewerten. Nur 32 Prozent der Amerikaner sind zufrieden mit ihm.
- 3:59Dieser Wert, der ist auch bei verschiedenen Umfragewerten auf diesem niedrigen
- 4:03Niveau. Das sind die wohl schlechtesten Werte, die ein Präsident jemals hatte vor den Midterms.
- 4:09Ja, genau. Also das ist eine absolute Besonderheit und deshalb ist auch eine
- 4:12ganz interessante Frage.
- 4:14Ob dieser Wahlkampfblitz, den Donald Trump aktuell macht, also er reist ja wirklich
- 4:18aktuell von Tag zu Tag, von Start zu Start, um diese Wahlkampfrallys auszuführen.
- 4:23Es wird interessant zu sehen, ob er der Mobilisator sein kann,
- 4:27der in den vergangenen Wahlzyklen war oder ob diesmal eben seine Unbeliebtheit eher die Bremse ist.
- 4:32Und das hat man ganz interessanterweise zum Beispiel auch in Dallas bei dem
- 4:35Republikanischen Parteitag gesehen, was im Übrigen sehr ungewöhnlich ist,
- 4:39dass es den überhaupt gab.
- 4:40Aber da sind teilweise gerade die Kandidaten ferngeblieben, bei denen es besonders eng ist,
- 4:45die also quasi vermieden haben, mit Trump da allzu eng assoziiert zu werden,
- 4:49die es vermieden haben, sich da mit ihm auf die Bühne zu stellen,
- 4:53sondern eher in ihren Heimatstaaten und Wahlkreisen geblieben sind,
- 4:56um da Wahlkampf zu machen.
- 4:58Das Thema Nummer eins, egal mit wem du sprichst, ist immer wieder die Bezahlbarkeit,
- 5:01egal ob die Lebensmittel oder der Sprit oder die Mieten oder die Hypothekenzinsen,
- 5:05aber es geht immer wieder ums Geld.
- 5:08Und bei den Demokraten ist das Interessante, ehrlich gesagt,
- 5:11dass es da nicht die eine Linie gibt.
- 5:13Also es gibt ja nicht auch so, wie man das vielleicht aus Deutschland kennt
- 5:15oder so, irgendwie einen Parteichef oder Parteichefin, die von oben quasi die
- 5:19Linie vorgeben, sondern die haben das diesmal zugelassen, sehr unterschiedliche
- 5:23Kandidaten hervorkommen zu lassen durch dieses Primary-Prinzip, Vorwahl-Prinzip,
- 5:27und haben deshalb wirklich sehr regional unterschiedliche, zugeschnittene,
- 5:32möchte ich fast sagen, Kandidaten, die da jetzt versuchen, den Republikanern
- 5:35die Macht streitig zu machen.
- 5:36Mir ist so eine Umfrage auf Social Media begegnet, also eigentlich eine Straßenumfrage
- 5:41mit verschiedenen Leuten.
- 5:42Und da gab es auch ehemalige Trump-Fans, die wirklich ganz offen gesagt haben
- 5:47in die Kamera, ich bin total enttäuscht. Ich bereue meine Wahl von damals.
- 5:52Donald Trump hat uns belogen. Er hat seine Versprechen nicht eingehalten. Ich wähle jetzt anders.
- 5:57David, ist dir sowas auch begegnet, wenn du mit den Menschen gesprochen hast?
- 6:01Zur Hälfte würde ich sagen. Also ja, es gibt diese Unzufriedenheit absolut,
- 6:04weil mindestens zwei wesentliche Wahlversprechen ja gebrochen wurden.
- 6:08Keine neuen Kriege anzufangen und das Thema Bezahlbarkeit anzugehen,
- 6:11mehr Geld in der Tasche, weniger Steuern und so weiter. Das waren die zwei Kernkomponenten
- 6:16neben der Migration und die sind ja nun eindeutig gebrochen worden.
- 6:19Davor kann auch niemand die Augen verschließen.
- 6:22In der Tat ist es uns aber bislang immer wieder schwergefallen,
- 6:25Leute zu finden, die das konkret mit der Wahlentscheidung verknüpfen.
- 6:29Die zwar vielleicht einräumen, dass das nicht ideal gelaufen ist,
- 6:32die einräumen, dass ihr Leben nicht besser geworden ist seit der Wahl,
- 6:36aber die darüber nicht Trump davonlaufen,
- 6:39sondern dem Zweifel vor die Wahl gestellt, blau oder rot zu wählen.
- 6:43Immer noch Rot wählen. Oder die zu Hause bleiben und dann nicht wählen gehen.
- 6:48Also die Tatsache, dass er mit Trump unglücklich ist, besagt nur lange nicht,
- 6:51dass das auf das Konto der Demokraten einzahlt.
- 6:53Das ist nicht gesagt. Also ohne jetzt in die Details zu gehen,
- 6:56aber die wichtigere Kammer ist ja der Senat und da wird es viel umkämpfter.
- 7:00Und wenn man sich da die umkämpften Staaten anguckt, da sind eigentlich mehr
- 7:04republikanische Wähler.
- 7:05Und wenn es Trump oder den Republikanern gelingt, dass die zur Wahl gehen,
- 7:09auch wenn sie vielleicht die Faust in der Tasche ballen und sagen,
- 7:12also wir sind enttäuscht, Aber deshalb wechseln die nicht einfach zu den Demokraten.
- 7:16Dann kann das alles für die Demokraten gar nicht so toll ausgehen,
- 7:19wie es im Moment vielleicht aussieht.
- 7:20Also Herr Vandelaar, der kennt sich da natürlich auch sehr gut aus,
- 7:23wie kompliziert es ist von Umfragen, die ja auch immer nationwide sind,
- 7:28darauf zu schließen, was es am Ende für ein Ergebnis gibt, oder?
- 7:31Absolut. Und ich glaube, gerade Midterm-Elections sind immer eine Turnout-Wahl.
- 7:35Das heißt, wie sieht die Wählermobilisierung wirklich aus?
- 7:38Ist eher so wie 2014 mit einer extrem niedrigen Wahlbeteiligung.
- 7:42Ist eher so wie 2022 mit einer deutlich höheren Wahlbeteiligung.
- 7:46Trump hofft natürlich, dass die Leute wählen gehen. Und wir haben es ja eben
- 7:49gerade auch gehört. Er macht jetzt nochmal den Blitz, geht durch unterschiedliche Bundesstaaten.
- 7:53Und gleichzeitig, dazu hat es gesagt, er ist radioaktiv. Die Leute wollen ihn
- 7:57teilweise überhaupt nicht da haben. Das heißt, er ist in den Hochbogen.
- 7:59Und es ist auch faszinierend zu sehen, wo die Republikaner aktuell Geld ausgeben.
- 8:04Die haben teilweise das Wahlkampfbudget aus sicheren republikanischen Hochburgen abgezogen.
- 8:09Weil die mittlerweile auch so
- 8:10hart umkämpft sind und müssen sie jetzt zum Beispiel in Texas investieren.
- 8:14Es gibt jetzt ein neues Investment von nationalen Republikanern,
- 8:17die nochmal 100 Millionen Dollar in den Bundesstaat Texas reinstecken,
- 8:21weil Texas eben auf der Kante steht.
- 8:23Dort gibt es einen jungen Demokraten, James Talarico, der seit zwei Monaten
- 8:27in jeder Umfrage vor dem Republikaner mit zwei Punkten vorne ist und es aktuell
- 8:31aussieht, als ob der zumindest Texas gewinnen könnte.
- 8:34Und ich will daran erinnern, das letzte Mal, dass die Demokraten Texas gewonnen
- 8:38haben im Senat war 1988. Das heißt, eigentlich hat dort kein Demokrat eine Chance.
- 8:44Der Fakt, dass James Tallarico vorne liegt, zeigt eben, wie groß die blaue Welle
- 8:49ist, wie diese Tidal Wave auf die Republikaner zurollt und die aktuell alles
- 8:53probieren, um irgendwo noch Haut und Haare trocken zu zahlen.
- 8:56Zumal erschwerend hinzukommt, dass die Republikaner unfassbar viel Geld zur
- 8:59Verfügung haben. Alleine in Texas. Alleine in Texas.
- 9:02Und ein Großteil dieses Geldes kommt von Elon Musk zum Beispiel.
- 9:07Die haben wirklich Geld, um dann am Ende richtig reinzupumpen und nochmal Wahlkampf-Filmchen
- 9:13über den Äther flattern zu lassen. Und wenn dann das nicht so polarisiert ist
- 9:17und man kennt den einen Kandidaten vielleicht auch nicht so richtig,
- 9:20dann kann das nämlich einen Einfluss haben auf Wähler.
- 9:22Elon Musk hat seit Juli mehr als 276
- 9:26Millionen Dollar gespendet für diesen Wahlkampf jetzt vor den Midterms.
- 9:30Das heißt, dass er jetzt da schon mehr rein investiert hat, als in den Präsidentschaftswahlkampf
- 9:35für Donald Trump vor zwei Jahren.
- 9:38Das ist schon ein Zeichen dafür, dass auch seine Anhänger und Verbündeten jetzt
- 9:43gerade richtig nervös sind, oder Herr Fanneler?
- 9:46Absolut. Wir haben die Umfragewerte angesprochen.
- 9:49Diese Wahl ist ein Referendum über Donald Trump. Die Spritpreise sind nach oben
- 9:52gegangen. Wir haben es eben gerade gehört. Iran-Krieg extrem unbelebt.
- 9:56Das heißt, die Republikaner müssen jetzt alles da ransetzen, die Stimmung zu drehen.
- 10:00Und sie werden nicht irgendwo davonlaufen können. Auch wenn Donald Trump,
- 10:03wir haben es am Anfang in dem Einspieler gehört, 5000 Dollar an jeden Amerikaner,
- 10:07jede Amerikanerin verspricht, solange die Republikaner sowohl den Senat als
- 10:11auch das Repräsentantenhaus gewinnen.
- 10:12Das wird nicht alleine ausreichen. Das heißt, jetzt kommt eben auch das Negative Campaigning ins Spiel.
- 10:17Und James Tallarico, wir haben eben gerade über ihn gesprochen in Texas,
- 10:20der muss eine Schlammschlacht über sich hergehen lassen, wo die Republikaner
- 10:23mit Wahlwerbung kommen, um so versuchen eine sogenannte Permission Structure
- 10:27zu bauen. Also eine Erlaubnisstruktur, warum man eben doch nochmal für die Republikaner wählen soll.
- 10:32Und da gibt es so einen einminütigen Spot. Da heißt es zuerst,
- 10:35James Tallarico, ihr könnt ihm nicht vertrauen.
- 10:37Er ist ein komischer Kandidat. Das ist ein Veganer in Texas,
- 10:40was er mittlerweile nicht mehr ist.
- 10:42Der hat bis vor kurzem noch eine Covid-Maske angezogen, was in Texas natürlich auch nicht beliebt ist.
- 10:46Der kann sich nicht entscheiden, ob der liebe Gott ein Mann oder eine Frau ist.
- 10:50Und außerdem glaubt er an sechs unterschiedliche Geschlechter.
- 10:53James Tallarico ist Low-T Tallarico. Und das Low-T steht natürlich für niedriges Testosteron.
- 11:00Das ist so die Aussage, die dort getroffen wird. Und in so einen Wahlkampfspot
- 11:04gehen halt 10 Millionen Dollar mit rein.
- 11:07Und das ist die Hoffnung der Republikaner, dass genau das dazu führt,
- 11:10dass vielleicht auch der ein oder andere Latino sagt, ich bin konservativ,
- 11:14ich würde gerne für die Demokraten wählen.
- 11:16Aber wenn jemand noch nicht mal wirklich weiß, ob Gott Mann oder Frau ist,
- 11:18dann bleibe ich zumindest zu Hause und gehe diesmal nicht rüber zu den Demokraten.
- 11:21Wissen wir eigentlich, ob Gott Mann oder Frau ist? Guter Punkt.
- 11:24Was David ja schon angesprochen hat, die Demokraten haben einfach auch ein Problem.
- 11:30Das Einzige, was man gesichert über die demokratische Partei sagen kann,
- 11:33ist, sie ist nicht Trump.
- 11:34Aber ob das ausreicht, I don't know. Also David, du hast es ja gesagt,
- 11:38da gibt es diesen sehr progressiven Kandidaten, dieses sehr progressive Kandidatenlager.
- 11:43Kann man zum Beispiel auch in den New Yorker Bürgermeister Mamdani oder so denken
- 11:46oder Michigan, El Sayed.
- 11:48Das sind aber natürlich Kandidaten, die es dann den Republikanern auch leicht
- 11:52machen zu sagen, die Demokraten sind Kommunisten und gerade die Latinos reagieren
- 11:57auf sowas sehr empfindlich.
- 11:58Und dann gibt es eben die konservativeren Demokraten, aber da weiß man auch
- 12:01nicht so recht, wer von denen denn jetzt eigentlich eine Führungsfigur ist, oder David?
- 12:05Genauso ist es. Ich glaube aber auch, dass es noch zu früh ist.
- 12:07Es liegt quasi in der Natur der Sache.
- 12:09Also in gewisser Weise könnte man fast eher sagen, dass so der politische Zyklus
- 12:12in den USA eher von Midterm zu Midterm gestaltet wird, denn von Präsidentschaftswahl
- 12:19zu Präsidentschaftswahl.
- 12:20Also wir laufen jetzt darauf zu bis zum 3. November und danach,
- 12:24glaube ich, wird es erst soweit sein, dass jemand den Kopf aus der Deckung steckt
- 12:28und wirklich versucht zu überprüfen, ob er Chancen hat für eine wirkliche Kandidatur
- 12:32für die Präsidentschaft.
- 12:34Aber wir sehen, Stichwort Negative Campaigning, dass die republikanische Seite
- 12:37eben versucht, beliebige Kandidaten, auch die, die nicht zu diesem linken progressiven
- 12:42Lager gehören, auch die trotzdem mit diesem Kampfbegriff, mit diesem Label zu versehen.
- 12:46Socialist, Kommunist, der Präsident sagt das in jeder Rede und erhält täglich
- 12:50mehrere, wieder und wieder und wieder warnt vor diesem Schreckgespenst und die
- 12:54Hoffnung ist offenbar, dass
- 12:56das entweder demobilisiert auf der anderen Seite, das ist ja ein ganz wesentlicher
- 12:59Faktor, oder eben auch diese Low Propensity Voters, also die,
- 13:03die nicht sehr häufig wählen gehen, doch irgendwie noch dazu motiviert,
- 13:07nochmal rot zu wählen, aus Angst vor diesem Schreckgespenst.
- 13:10Ja, wobei aber die Demokraten sich ja im Negative Campaigning auch nicht unbedingt zurückhalten.
- 13:16Ich habe vor ein paar Tagen ein Video gesehen, das die Demokraten gepostet haben
- 13:21mit einem Aufruf zum Wählen und darunter dann ein Wahlwerbespot.
- 13:25Können wir kurz mal reinhören?
- 13:38Also das ist eine Szene aus Don't Look Up.
- 13:42Das ist der Film, in dem Wissenschaftler entdecken, dass ein Komet auf die Erde
- 13:46zurast und dann die Menschen und auch die Politik und die Regierung davor warnen
- 13:51und die aber dann die Augen verschließen, das nicht wahrhaben wollen.
- 13:54Und da sieht man eben in der Szene Leonardo DiCaprio, der den Wissenschaftler
- 13:58spielt, wie er eben wütend sagt, der Präsident belügt euch und sein ganzer Stab
- 14:02ist komplett verrückt geworden.
- 14:04Das haben die Demokraten so gepostet.
- 14:07Herr Vandela, hätten Sie damals, als Sie selber im Wahlkampf aktiv waren,
- 14:11für die Demokraten, hätten Sie ihnen empfohlen, so einen Spot zu posten aktuell?
- 14:15Wir haben auch ziemlich viel gepostet und da war auch einiges an Negativen dabei.
- 14:19Ich würde aber auch immer sagen, Negative Campaigning, die Schlammschlacht.
- 14:23Ich würde es immer umtitulieren als Voter Education. Es geht natürlich auch
- 14:26darum, den gebildeten Wähler zu haben und manchmal muss man vielleicht auch
- 14:29ein bisschen nachhelfen, dass der
- 14:30Wähler auch wirklich versteht und die Wählerin, worum es wirklich geht.
- 14:33Ich glaube aber, dass das komplett kontraproduktiv ist. Das hilft vielleicht
- 14:36ein paar Klicks zu bekommen, aber am Ende des Tages sieht doch jeder mit eigenen Augen, was passiert.
- 14:41Die Leute, die erreicht werden können, die wollen hören, wie schafft ihr es,
- 14:44meine Spritpreise runterzubringen?
- 14:45Wie schafft ihr es, dass ich zum Walmart gehen kann und möglicherweise für 100
- 14:49Dollar auch wieder einen vollen Einkaufswagen bekommen kann,
- 14:51was so früher der Fall war und heute nicht mehr ist?
- 14:53Insofern, ich glaube, die Demokraten tun sich gut daran, über Bread and Butter
- 14:57Issues zu sprechen, also über die normalen Themen des Lebens,
- 15:00um über Affordability zu sprechen. Das war der Schlüssel zum Erfolg.
- 15:03Tun Sie das auch aktuell?
- 15:06Die meisten Demokraten machen das und die tun es ziemlich clever an vielerlei
- 15:09Hinsicht. Die kommen zum Beispiel und sagen, wir bringen genau diesen Aspekt
- 15:12mit ins Spiel, dass Donald Trump und dessen Familie wohlhabender geworden ist,
- 15:17dass Elon Musk mittlerweile ein Trillionaire ist, also ein Billionär.
- 15:21Und die sagen, es gibt ein paar wenige, die in diesem System extrem profitieren.
- 15:25Das heißt, Donald Trump hat gesagt, er wird sich um eure Familie kümmern.
- 15:28Er hat dummerweise mit seiner eigenen angefangen und ihr seid auf der Strecke
- 15:31geblieben. Das ist quasi die Kernaussage.
- 15:34Und dementsprechend, ich glaube, es ist ein Referendum, wenn man einfach nur
- 15:37den Verlauf der Spritpreise sieht,
- 15:39wie die Kurve nach oben zieht seit dem Beginn des Irankriegs,
- 15:42kann man direkt sehen, wie es eine Korrelation zwischen dieser Kurve,
- 15:45der Spritpreisentwicklung gibt und dem Umfragevorsprung der Demokraten.
- 15:49Insofern, man könnte fast argumentieren, die Demokraten müssen einfach nur das
- 15:52Licht ausmachen, die Scheinwerfer direkt auf Donald Trump richten.
- 15:55Das sollte eigentlich reichen, um diese Wahl zumindest im Repräsentantenhaus,
- 15:59Senat ist ein anderes Spiel, aber im Repräsentantenhaus zu gewinnen.
- 16:02Aber jetzt kommen ja Putins Diesel und jetzt wird alles gut. Ironie off.
- 16:10Das ist die Hoffnung. Mahjeta, du sprichst darauf an, dass Donald Trump einen
- 16:14Deal gemacht hat und 300.000 Liter von Putin kaufen möchte.
- 16:19Da frage ich mich, ist das auch eine Art von Verzweiflungstat jetzt vor den
- 16:25Midterms, um versuchen zu wollen, das Ruder nochmal rumzureißen?
- 16:28Ja, natürlich ist es eine Symbolik.
- 16:30Wenn man sich die nackten Zahlen anguckt, dann kann er auch 500.000 Tonnen Öl
- 16:35oder Diesel importieren aus Russland und das wird trotzdem an den Weltmarktpreisen,
- 16:39auch an den Tankstellen in den USA nicht viel bewirken.
- 16:43Also diese 300.000 Tonnen, die reichen gerade mal für 14 Stunden des täglichen
- 16:47Bedarfs der Amerikaner an diesen Einten von Sprit.
- 16:51Das wird sich nicht groß auswirken, sondern er macht das ja,
- 16:54um sagen zu können, guckt, ich tue was.
- 16:56Also quasi die Hoffnung zu wecken, dass da jetzt irgendwie sich an den Tankstellen groß was ändert.
- 17:01Vielleicht auch mit der Dringlichkeit verbunden, dass da auch viele seiner Kernwähler
- 17:07beispielsweise Trucker sind und massiv abhängig sind von diesen Preisen an der Zapfsäule.
- 17:13Ich habe da eine Berechnung gesehen. Also im Moment ist ja der Diesel bei über
- 17:17sechs Dollar pro Gallone.
- 17:19Der Verband unabhängiger Lkw-Fahrer sagt, dass jeder zusätzliche Dollar pro
- 17:23Gallone einen Trucker rund 400 Dollar mehr pro Woche kosten könnte.
- 17:29Man kann es ziemlich gut runterbrechen. Das beliebteste Auto für Construction
- 17:32Worker, für Leute, die arbeiten, die auf dem Bau arbeiten, die ihr eigenes Unternehmen
- 17:36im Bau haben, ist der sogenannte F-350 Heavy Duty. Das ist ein gigantischer Ford Pickup Truck.
- 17:42Und dieser Ford Pickup Truck braucht 48 Gallonen, um einmal voll zu tanken.
- 17:46Und wenn man sich die Spritpreise Anfang des Jahres anschaut,
- 17:49vor dem Iran-Krieg, dann hat man den vollgetankt für 170 Dollar.
- 17:52Aktuell tankt man den voll für 290 Dollar. Das heißt, es geht 120 Dollar nach oben.
- 17:58Und ich meine, das spürt halt wirklich jeder. Insofern ist es auch nicht überraschend,
- 18:01dass einige clevere Demokraten an die ganzen Zapfsäulen gefahren sind und einen
- 18:05Aufkleber von Trump daneben geklebt haben und gesagt haben, I did that.
- 18:08Und dann ist der Zeigefinger von Trump, der eben genau auf den aktuellen Spritpreis zeigt.
- 18:12Das soll eben die Erinnerung sein mit jedem Wahlplakat, das quasi die Zapfsäule ist.
- 18:16Und ich glaube, das tut weh. Ich würde gerne noch mit euch und mit Ihnen ein
- 18:20paar Szenarien durchsprechen, um wirklich auch verstehen zu können,
- 18:24inwieweit diese Wahlen Donald Trumps Macht als Präsident beeinflussen können.
- 18:30Denn auch wenn er es zu seiner Wahl macht, er steht ja selber nicht auf dem Wahlzettel.
- 18:35Das sind die Zwischenwahlen, bei denen der Kongress gewählt wird,
- 18:39also die Legislative der USA.
- 18:41Gunula Gause hat sich mal für uns angeschaut, was da genau gewählt wird und
- 18:45welche Auswirkungen das auf die Macht des Präsidenten hat. Vielen Dank.
- 18:57Die Midterm-Wahlen finden immer zur Halbzeit der vierjährigen Amtszeit eines
- 19:02Präsidenten statt, dieses Jahr am 3. November.
- 19:05Dabei stimmen die US-Amerikaner nicht über den Präsidenten selbst ab,
- 19:10sondern über den Kongress, das Parlament der USA.
- 19:14Das besteht aus zwei Kammern, dem Repräsentantenhaus und dem Senat.
- 19:19Bei den sogenannten Midterms werden alle 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses
- 19:24gewählt und über 35 der 100 Sitze im Senat neu vergeben.
- 19:31Das Repräsentantenhaus vertritt die Bevölkerung, der Senat die Bundesstaaten.
- 19:36Aktuell haben die Republikaner in beiden Kammern die Mehrheit,
- 19:39im Repräsentantenhaus allerdings nur sehr knapp.
- 19:43Dort ist ein Wechsel der Mehrheiten hin zu den Demokraten am wahrscheinlichsten.
- 19:48Auch im Senat kann das laut Umfragen passieren.
- 19:51Repräsentantenhaus und Senat müssen den meisten Gesetzen zustimmen und den Haushalt beschließen.
- 19:58Das Repräsentantenhaus kann zudem den Präsidenten für ein Amtsenthebungsverfahren anklagen.
- 20:04Der Senat bestätigt wichtige Ämter der Regierung und richte am obersten Gericht.
- 20:10Auch wenn die Demokraten nur eine Kammer gewinnen, können sie also viele Pläne
- 20:15des Präsidenten blockieren.
- 20:17Daher sind die Midterms nicht nur ein wichtiger Stimmungstest für den US-Präsidenten,
- 20:22sie bestimmen auch darüber, wie viel Macht der Präsident in der restlichen Regierungszeit hat.
- 20:34Also aktuell haben die Republikaner in beiden Kammern die Mehrheit.
- 20:39Es sieht aber momentan danach aus, als könnten sie das Repräsentantenhaus verlieren.
- 20:45Und jetzt hat Gundula uns ja erklärt, dass das Repräsentantenhaus ein Amtsenthebungsverfahren,
- 20:50also ein Impeachment auf den Weg bringen könnte. Könnte also Donald Trump das Amt verlieren?
- 20:56Nein, um es kurz zu beantworten, halte ich für höchst unwahrscheinlich.
- 20:59Und man kann sicher auch separat darüber reden, ob es politisch opportun wäre.
- 21:03Neues Impeachment-Verfahren anzustreben.
- 21:05Aber man bräuchte eben auch den Senat dafür und nicht die einfache Mehrheit
- 21:09im Senat, sondern sogar mehr als die 50 Prozent.
- 21:12Also deshalb, dass es am Ende gelingen würde, das durchzuziehen,
- 21:15halte ich für höchst unwahrscheinlich.
- 21:17Und ich glaube, man muss auch einmal sich noch klar machen, dass worüber wir
- 21:21aktuell reden, was wir vielleicht anhand der Umfragen vorhersehen oder Glauben
- 21:26vorherzusehen, das wäre ein Midterm-Ergebnis mittlerer Art und Güte.
- 21:30Also dass die Regierungspartei verliert bei den Midterms, das ist eher das Erwartbare als das Gegenteil.
- 21:36Und dass eine Kongresskammer ihnen abhanden kommt, ist auch eher das Normale.
- 21:40Also in gewisser Weise ist es sogar erstaunlich, dass angesichts der zugrunde
- 21:44liegenden Umstände und der Ungeliebtheit des Präsidenten immer noch wir nicht
- 21:48wissen, ob der Senat möglicherweise kippt. Das ist eigentlich das Bemerkenswerte.
- 21:53Wenn man sich das historisch anschaut, kann man bis zurück ins Jahr 1946 gehen.
- 21:57Und jedes Mal mit Ausnahme von zwei Wahlen hat die Partei des Präsidenten Deep
- 22:03Interim Elections direkt nach dem Wahlerfolg des Präsidenten verloren.
- 22:07Die einzigen zwei Ausnahmen waren 2002 George W. Bush kurz nach dem 11.
- 22:11September Rally Around the Flag Effect und dann 1998 Bill Clinton.
- 22:16Insofern, die einzigen zwei Male. Ansonsten schwingt das Pendel immer wieder zurück.
- 22:20Das sollte eigentlich ein Indikator dafür sein, dass die Demokraten,
- 22:22vor allem weil die Republikaner diesen hauchdünnen Vorsprung nur haben mit den drei Sitzen.
- 22:27Wahrscheinlich zumindest das Repräsentantenhaus zurückholen.
- 22:29Aber sagen Sie deswegen, selbst wenn er beide Kammern verlieren würde,
- 22:33Trump beziehungsweise die Republikanische Partei würde sich dann im Prinzip gar nichts ändern?
- 22:37Es würde sich schlussendlich insofern was ändern, als dass Trump zum Beispiel
- 22:41sowas wie die Big Beautiful Bill nicht mehr durchbringen kann,
- 22:44weil einfach der Kongress blockiert.
- 22:45Das andere ist natürlich auch, dass der Kongress ihn mit dem sogenannten Power
- 22:49of the Purse, also quasi die Macht über den Haushalt, durchaus auch einhegen kann.
- 22:54Eine Intervention im Iran hat der Präsident 90 Tage Zeit, um erst mal die Intervention
- 22:59zu starten und dann nochmal eben auch wieder aus diesem Konflikt rauszugehen,
- 23:03vorausgesetzt der Kongress gibt ihm nicht die Mittel.
- 23:06Und da, glaube ich, könnten ihm die Demokraten das Leben deutlich schwerer machen,
- 23:09wo die Republikaner oftmals eben noch mitgegangen sind.
- 23:12Und der andere Aspekt ist natürlich, wie gesagt, die Richterwahl.
- 23:15Es gibt zwei Richter, Clarence Thomas und Samuel Aledo.
- 23:18Der eine ist 78 Jahre alt, der andere ist 76 Jahre alt.
- 23:21Wenn einer von den beiden in den verbleibenden zwei Jahren versterben würde
- 23:25oder glaubt nicht mehr, diesen Job auch erfüllen zu können und zurücktritt,
- 23:29dann würde eigentlich Donald Trump jetzt nochmal einen neuen Richter ernennen können.
- 23:33Der muss aber durch den Senat gehen und deshalb ist natürlich auch der Senat,
- 23:36die Kammer so wichtig und die Demokraten wollen alles daran setzen,
- 23:39diese Kammer eben auch zurückzuerobern.
- 23:40Dann könnten sie nämlich Donald Trump eben auch blockieren. Das könnte so weit
- 23:44gehen, dass die Demokraten einfach sagen, egal wen der nominiert,
- 23:47wir werden nicht mitmachen, genauso wie es die Republikaner auch unter Obama gemacht haben.
- 23:51Und dementsprechend könnte es dann eben eine Partsituation im Supreme Court
- 23:54geben, was dann möglicherweise eben auch zu einer Verfassungskrise richtig drauf
- 23:58rauslassen könnte. Das ist jetzt irgendwie auch die wirklich weit,
- 24:01weit, weite Aluhut-Theorie.
- 24:03Aber es sind zumindest Möglichkeiten, die da auf uns zukommen könnten.
- 24:07Haben wir natürlich in den letzten zwei Jahren auch gesehen,
- 24:09wie massiv Trump eigentlich den Kongress auch zum Teil umgeht.
- 24:13Und wie wenig Gegenwehr es da auch gibt. Die Republikanische Partei ist ja eigentlich
- 24:17wirklich verkommen zu so einem Abnickverein des Präsidenten. Das war auch mal anders.
- 24:22Ich habe den Eindruck, ich weiß nicht, David, wie du es siehst,
- 24:24dass diese Balance und dieses Checks and Balances, worauf denen das amerikanische
- 24:29Regierungssystem eigentlich besteht, dass es das eigentlich so nicht mehr gibt, wie man es kannte.
- 24:33Genau, das glaube ich ist unumstritten, dass das genauso ist.
- 24:37Julius Vandelaar hat es gerade angesprochen, dass dieses Trifecta,
- 24:40das es eigentlich aktuell ja gibt auf der republikanischen Seite,
- 24:43also den Dreiklang von allen drei Branches of Government, die Exekutive,
- 24:47die Judikative, die Legislative, die aktuell republikanisch,
- 24:50geprägt ist, dass sie da frei agieren können und trotzdem aber Trump das herkömmliche
- 24:56Gesetzgebungsverfahren über den Kongress eigentlich total vermeidet.
- 24:59Bis auf die Big Beautiful Bill ist sehr, sehr wenig passiert und er macht auch
- 25:03eigentlich bei jeder Gelegenheit klar, erstens indem er über die Executive Action
- 25:08regiert, also mit diesen Dekreten.
- 25:11Ganz genau, also er hat sehr viel Macht im Weißen Haus gebündelt,
- 25:15das hätte man auch genauso antizipieren können, haben wir auch antizipiert anhand
- 25:18von Project 2025, diesem konservativen Pamphlet, auf dem sehr viele der Grundlinien
- 25:25dieser Regierung fußen.
- 25:26Dazu gibt es übrigens auch eine eigene Podcast-Folge.
- 25:28Ah, sehr gut. Kurzer Hinweis. Und er macht ja auch bei verschiedenen Gelegenheiten
- 25:32immer wieder klar, dass er die überhaupt nicht ernst nimmt. Weder die Legislative,
- 25:36also den Kongress, noch die Judikative, also die Gerichtsbarkeit und insbesondere den Supreme Court.
- 25:41Ein Beispiel. Ihr erinnert euch, als der Supreme Court gesagt hat,
- 25:45dass die Zölle von diesem sogenannten Liberation Day, wo Donald Trump diese
- 25:49Tafel hochgehalten hat. Ja, wir erinnern uns liebhaft.
- 25:52So, die hat der Supreme Court ja für Unrecht erklärt und eine halbe Stunde später
- 25:57steht Donald Trump vor der Kamera, sagt, diese Entscheidung ist unamerikanisch
- 26:02und im Übrigen verhänge ich neue Zölle.
- 26:04Damit wisst ihr, wie er zur Unabhängigkeit der Justiz steht.
- 26:07Oder auch, wie er sich über Gerichtsurteile hinwechselt oder halt erstmal handelt
- 26:10und dann kommt ein Gericht.
- 26:12Also ich nochmal quasi an den Anfang, die 500 Bäume, die sind jetzt abgeholzt.
- 26:16Jetzt hat eine Richterin das gestoppt, gesagt, also Moment mal,
- 26:19so geht es jetzt aber einfach nicht. Aber die Bäume sind weg. Also Fakten schaffen.
- 26:23Aber wir dürfen, glaube ich, auch nicht vergessen, das war der Grund,
- 26:25warum Trump gewählt wurde.
- 26:26Die Leute haben gesagt, der Prozess ist kaputt. Es dauert alles zu lange.
- 26:29Sleepy Joe Biden ist komplett ineffektiv.
- 26:32Und Trump hat gesagt, ich bin der Unternehmer. Ich bringe hier einen neuen Drive
- 26:34und einen neuen Spirit rein.
- 26:36Ich unterschreibe mit meinem Sharpie. Und ich glaube, eine Zeit lang war das
- 26:39auch genau das, was Leute wollten. Er ist halt einfach nur bei ganz,
- 26:41ganz vielen Aspekten so weit übers Ziel hinaus geschossen.
- 26:45Denken wir an die Migration. Das war ein absolutes Thema, wo die Leute gesagt
- 26:48haben, wir wollen hier endlich, dass die Grenze dicht ist. Und die ist dicht.
- 26:52Die niedrigsten Zahlen, Net Migration Zahlen seit 1960 und gleichzeitig die
- 26:58ICE-Agenten, die in den Straßen unterwegs waren, die Bilder,
- 27:00das Chaos, die Gewalt, die passiert ist.
- 27:03Das hat eben auch dazu geführt, dass Trump jetzt bei dem Thema Migration,
- 27:06wo er immer vorne war, bei minus 10 Punkte im Net Approval ist.
- 27:10Und das ist natürlich verheerend. Ich will aber auch einen Punkt machen,
- 27:12wo man Trump zumindest zusprechen muss.
- 27:15Da läuft es, weil wir natürlich hier auch durchaus negativ gegenüber Trump sind.
- 27:19Wenn ich jetzt ein Amerikaner wäre und sagen würde, an welcher Stelle kann ich
- 27:23wirklich meinen Präsidenten unterstützen, dann muss ich natürlich auf den Aktienmarkt schauen.
- 27:26Wenn ich mir den S&P 500, den Dow Jones anschaue, das ist seit Beginn der Amtszeit
- 27:30von Donald Trump, seit dem 20. Januar 2025, um 29 Prozent nach oben gegangen.
- 27:36Und in Deutschland sprechen wir auch darüber, dass wir ab 1.
- 27:38Januar die aktienbasierte Altersvorsorge haben. Das ist gang und gäbe in Amerika,
- 27:42der sogenannte 401k-Plan.
- 27:44Und ich glaube, es gibt viele Amerikaner, die sagen, ich mag nicht,
- 27:46wer redet. Ich finde das alles viel zu hart.
- 27:48Ich mag die Rhetorik nicht. Aber wenn ich in meine Altersvorsorge schaue,
- 27:53dann sehe ich plus 29 Prozent. Ich kann möglicherweise fünf Jahre früher in
- 27:56den Ruhestand gehen. Ich kann möglicherweise das Haus endlich abbezahlen.
- 27:59Ich kann die Kinder aufs College schicken.
- 28:00Und dann bin ich auch bereit, das eine oder andere auszuhalten,
- 28:03weil es mir finanziell besser geht. Das trifft zumindest auf einen guten Prozentsatz
- 28:07der Amerikanerinnen und Amerikaner zu. Da darf dann halt auch nichts schief gehen, ne?
- 28:12Und da darf keine Blase platzen oder mit KI irgendetwas geschehen,
- 28:15was die Leute dann verunsichert. Das ist ja auch so ein aktuelles Thema,
- 28:19aber da haben die Demokraten jetzt auch nicht so wahnsinnig viel zu anzubieten,
- 28:21außer dass sie den Finanzmarkt das strenger regeln wollen.
- 28:24Also wir haben an der Stelle jetzt bis hierhin schon mal festgehalten,
- 28:28selbst wenn es für die Republikaner eine Niederlage gäbe bei den Midterms und
- 28:31sie beide Kammern verlören, könnte Trump trotzdem weiterregieren per Dekret dann zum Beispiel,
- 28:38und sich einfach über den Kongress hinwegsetzen Und trotzdem ist er ja,
- 28:42David, du hast es auch erzählt, er ist on tour ohne Ende.
- 28:45Er steigt ein in diesen Wahlkampf. Er macht diese Wahl zu seiner Wahl und hat
- 28:50beispielsweise auch auf dem Parteitag seine Unterstützer dazu aufgefordert,
- 28:56cheat like hell bei dieser Wahl.
- 28:59Also betrügt, was das Zeug hält.
- 29:02Da frage ich mich, versucht Donald Trump gerade diese Wahl, diese Midterms zu manipulieren?
- 29:08Ja, auf jeden Fall macht er das und er versucht ja auch jetzt schon immer wieder
- 29:12die Zweifel anzubringen, auf deren Grundlage man jetzt in Szenarien gedacht
- 29:16annehmen könnte, dass man ein unliebsames Ergebnis dann auch eben attackieren könnte.
- 29:20Er behauptet, die Gegenseite cheatet, die Gegenseite betrügt,
- 29:24immer wieder. Das ist das Muster, das wir seit zehn Jahren kennen.
- 29:27Das FBI hat die Ballots in Georgia beschlagnahmt, wir erinnern uns daran.
- 29:32Ähnliches könnten wir auch zum
- 29:33Beispiel bei Wahlergebnissen in einzelnen Kreisen erwarten, glaube ich.
- 29:38Wenn sie nicht ins Bild von Donald Trump passen.
- 29:41Die Wahlmaschinen wurden dezertifiziert. Wir können damit rechnen,
- 29:44dass es weitere Angriffe auf die Briefwahl gibt. Er hat versucht,
- 29:47die Briefwahl massiv einzuschränken, ist damit vom Supreme Court auch gescheitert.
- 29:51Also es gibt eine ganze Reihe von Ansatzpunkten, die wir sehr intensiv beobachten
- 29:55müssen ab dem 3. November, wenn es darum geht, ob das Wahlergebnis,
- 29:59egal wie es aussieht, auch am Ende wirklich sich in den Realitäten im Kongress abbildet.
- 30:03Was würde das denn bedeuten, wenn er die Wahlen einfach nicht anerkennt?
- 30:07Das verbal, öffentlich einfach nicht anzuerkennen, wäre ja das eine.
- 30:11Aber es gäbe zum Beispiel Möglichkeiten, der 3. Januar wäre zum Beispiel ein
- 30:15sehr interessanter Stichtag. Das wäre der Tag, an dem das neue House of Representatives,
- 30:19das neue Abgeordnetenhaus, zusammentritt.
- 30:22Der sogenannte Clerk, jetzt wird es ein bisschen detailliert,
- 30:25aber spielen wir es einmal durch.
- 30:26Der Clerk des Hauses, das ist die Person, die die Liste der neu gewählten Abgeordneten
- 30:32ausfüllt und die am ersten Tag dieser Periode, also am 3. Januar, neu ins Amt einsetzt.
- 30:38Diese Person hat Donald Trump ausgetauscht gegen einen Loyalisten und das wäre
- 30:42eine Möglichkeit, an dem Tag zu sagen, im Wahlkreis XY gab es Unregelmäßigkeiten,
- 30:47da müssen wir neu auszählen.
- 30:48In dem Wahlkreis gab es Betrug, da haben wir die Stimmzettel beschlagnahmt und
- 30:51so weiter. Dann wäre im Nachhinein auch ein weiteres Auszählen gar nicht möglich.
- 30:55Und dann wäre möglicherweise, gehen wir davon aus, die Demokraten gewinnen die
- 30:59Mehrheit im House of Representatives, aber sie treten nicht so zusammen.
- 31:03Dann hätten wir das, was man eine waschechte Verfassungskrise nennen müsste.
- 31:08Ich hatte ja auch gefragt, was es denn für Folgen hier für uns in Europa hätte,
- 31:13sollte Donald Trump an Macht verlieren.
- 31:16Könnte das also für die Zusammenarbeit, kann man da erwarten,
- 31:19dass sich irgendetwas ändern sollte, dass die USA vielleicht doch wieder zu
- 31:24einem etwas verlässlicheren Partner wird oder sind das eher Hoffnungen,
- 31:28die man sich macht, die nicht begründet sind?
- 31:30Die Außenpolitik wird schon sehr stark vom Präsidenten geprägt.
- 31:35Also klar, der Senat muss völkerrechtliche Verträge abzeichnen und sowas,
- 31:38aber so wahnsinnig viel, glaube ich, wird sich da nicht ändern.
- 31:41Und ich glaube, das wäre auch für den Europäern naiv zu glauben,
- 31:45dass das jetzt nur Trump ist, der jetzt zum Beispiel kein Geld mehr für die
- 31:49Ukraine ausgeben will oder die NATO infrage stellt.
- 31:52Weil diese alten Transatlantiker, die für die Europa so wichtig waren,
- 31:56die sterben regelrecht weg.
- 31:59Auch die Demokraten sagen, es ist schon in Ordnung, dass die Euroverteidigung mal selber finanziert.
- 32:05Das ist auch kein Thema, mit dem man die amerikanischen Wähler beglücken kann,
- 32:08indem man sagt, wir sollten wieder mit Europa besser befreundet sein.
- 32:11Also ich glaube, wir sollten uns da keine Hoffnung machen, dass es da jetzt
- 32:14so einen großen Umschwung gibt.
- 32:16Ich würde auch da wieder auf die Zahlen schauen. Joe Biden, der letzte wirklich
- 32:20waschechte Transatlantiker.
- 32:22Soran Mamdani nicht, dass der kandidieren kann, aber wir gucken uns Alexander Ocasio-Kortez an.
- 32:26Der Bürgermeister von New York. Genau, oder die Kongressabgeordnete aus New
- 32:29York, eine linke Kandidatin, die extrem beliebt ist in sozialen Medien,
- 32:32denen auch teilweise in Umfragen relativ weit vorne ist, wenn es um Prognosen
- 32:36geht, was die 2028er Präsidentschaftswahl betrifft.
- 32:39Oder auch John Ossoff, der Kandidat aus Georgia. Das sind alles Leute,
- 32:44die in ihren 30ern sind und die natürlich groß geworden sind mit dem Irakkrieg,
- 32:49vor allem eben unter George Dhabibusch damals,
- 32:51die den Klimawandel kennen, aber die nichts mehr mit dem Kalten Krieg zu tun haben.
- 32:55Insofern, für die sind wir ein Relikt der Vergangenheit. Vergangenheit,
- 32:59die orientieren sich natürlich eher nach China und die sollen natürlich auch erst mal
- 33:03zum Beispiel Abdul Al Saeb, der Kandidat aus Michigan, der wird immer sagen,
- 33:06warum zum Teufel sollen wir das Geld irgendwo in Europa investieren,
- 33:10wenn wir es natürlich auch in Michigan zu Hause investieren können und dort
- 33:13eben die Lebenshaltungskosten von Amerikanerinnen und Amerikanern runterbringen können.
- 33:17Insofern, ich glaube, das alte transatlantische Verständnis ist so nicht mehr
- 33:21existent. Was wir aber tun können, ist, wir können natürlich auf den Handel
- 33:24eingehen. Wir können zum Beispiel sagen, wir fahren runter.
- 33:27ID.5 South runter nach Greenville, South Carolina, wo BMW ein gigantisches Werk
- 33:32hat, wo das größte Werk, das größte Fabrik von Autos von BMW
- 33:37überhaupt auf der ganzen Welt steht und dort das Argument machen,
- 33:40wir arbeiten nach wie vor wirtschaftlich sehr, sehr gut zusammen,
- 33:42ihr profitiert und wir profitieren davon auch.
- 33:45Insofern, vielleicht ist es jetzt eher eine transaktionale Beziehung als wirklich
- 33:48die, die ausschließlich über Werte und über tolle Erinnerungen sich definiert.
- 33:54Wer bei dem Podcast schon mal zugehört hat, weiß, dass es manchmal am Ende auch
- 33:58noch ein zweites Thema gibt. Heute gibt es nicht dieses zweite Thema,
- 34:02aber es gibt noch einen politischen Funfact.
- 34:05Wir haben uns nämlich gefragt, warum die Mitterms eigentlich immer am ersten
- 34:08Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfinden.
- 34:12Das geht zurück ins Jahr 1845 und hat damit zu tun, dass die USA damals noch
- 34:17stark landwirtschaftlich geprägt war.
- 34:20Da ging man sonntags in die Kirche, deswegen kam Sonntag als Wahltag schon mal nicht in Frage.
- 34:25Mittwoch war dann an vielen Orten Markttag und viele brauchten einen ganzen
- 34:30Tag, um per Pferd zum Wahllokal zu kommen.
- 34:33Dann entschied man sich also für den Dienstag als Wahltag. Dann konnten die
- 34:37Leute am Montag anreisen, am Dienstag dann wählen und am Mittwoch rechtzeitig
- 34:42zum Markt zurückkommen.
- 34:45Und es ist sogar in der Verfassung verankert.
- 34:47Und man hat damals noch einen ganzen Reisetag per Pferd auf sich genommen,
- 34:51um sein Kreuz zu setzen auf dem Wahlzettel.
- 34:54Vielleicht bei den aktuellen Spritpreisen macht es auch schön,
- 34:57das Pferd zu nehmen. Da sollte man zurückkehren zum Pferd.
- 35:01Also an der Stelle sage ich ganz herzlichen Dank, Julius Wanderler,
- 35:05Politstratege, an David Sauer, unseren ZDF-Korrespondenten in Washington und
- 35:12auch an dich, Marietta Slomka, Moderatorin des Heute-Journals.
- 35:15Danke, dass ich mit euch und mit Ihnen heute über die anstehenden Zwischenwahlen
- 35:19in den USA sprechen konnte und was sie für den Präsidenten und auch für die
- 35:24Macht von Donald Trump bedeuten. Herzlichen Dank. Danke auch.
- 35:29Danke euch. Vielen Dank.
- 35:32Danke auch an euch fürs Zuhören. Wir freuen uns sehr, wenn euch das gefallen
- 35:35hat. Wenn ihr uns bewertet, ein Abo dalasst oder auch Kritik schickt als Kommentar
- 35:40oder als Mail an heute-podcast.zdf.de.
- 35:44Tschüss und bis nächste Woche.
- 35:53Heute Journal, der Podcast, wird produziert von Pool Artists.