Latest / "Das Abenteuer Persönlichkeit" von Roland Kopp-Wichmann / Prokrastination: „Seit 20 Jahren warte ich auf den richtigen Moment“.
Transcript
- 0:00Speaker 0: Herzlich willkommen zu einem weiteren Podcast.
- 0:03Speaker 0: Mein Name ist Roland Kopwigmann, ich bin Diplompsychologe und Online-Coach mit über vierzig Jahren Erfahrung.
- 0:11Speaker 0: Das Thema heute?
- 0:13Speaker 0: Seit zwanzig Jahren warte ich auf den richtigen Moment, sagte die Frau im Coaching über das Lebensthema Aufschieben und was wirklich dahinter steckt.
- 0:29Speaker 0: Sie sagt es fast zwei beiläufig, irgendwo zwischen dem zweiten Glas Wasser und dem ersten wichtigen Satz in unserem drei-Stunden-Coaching.
- 0:39Speaker 0: Als wäre es eine Kleinigkeit – eine Randnotiz!
- 0:44Speaker 0: Ich wollte eigentlich immer töpfern.
- 0:47Speaker 0: Richtig lernen, meine ich, einen Kurs machen ein Atelier finden ernsthaft damit anfangen.
- 0:54Speaker 0: Ich habe sogar schon nachgeschaut wo man das in der Nähe machen kann.
- 0:58Speaker 0: aber dann kommt immer etwas dazwischen Die Kinder früher, jetzt der Job und irgendwie muss es ja auch erst mal Sinn ergeben.
- 1:11Speaker 0: Sie lachte kurz das verlegene Lachen von jemandem die sich selbst beim Ausweichen ertappt.
- 1:20Speaker 0: Andrea, einen Fünfzig Jahre Leiterin einer Personalabteilung, verheiratet zwei Kinder inzwischen aus dem Haus.
- 1:30Speaker 0: sie kamen nicht wegen des Töpfans.
- 1:33Speaker 0: Sie kam, weil sie seit Monaten morgens aufwachte und das Gefühl hatte ihr Leben ziehe an ihr vorbei.
- 1:41Speaker 0: Kein Burnout!
- 1:43Speaker 0: Kein konkreter Anlass!
- 1:46Speaker 0: Nur dieses leise anhaltende Unbehagen, dass dann noch etwas wäre.
- 1:53Speaker 0: Etwas daß auf sie wartet.
- 1:57Speaker 0: Das Töpfern erwähnte sie wie nebenbei.
- 2:01Speaker 0: Ihr ließ es stehen.
- 2:05Speaker 0: Später im Gespräch fragte ich Seit wann wollen sie das mit dem Töpfer lernen?
- 2:12Speaker 0: Sie überlegte, seit ich dreißig bin vielleicht länger.
- 2:19Speaker 0: Zwanzig Jahre Der richtige Moment hatte sich in zwanzig Jahren nicht ergeben wenn der richtigen Moment nie kommt.
- 2:33Speaker 0: Aufschieberitis oder Prokrastination gilt als persönliche Schwäche Als Disziplinmangel Als Zeitproblem, als etwas, da man mit der richtigen App oder der richtlichen Methode in den Griff bekommt.
- 2:50Speaker 0: Die Ratgeberindustrie verdient gut daran.
- 2:54Speaker 0: Pomodore-Technik zwei Minuten regel – die eisende Disziplin des rühen Aufstehens Bei Andrea hatte nichts davon geholfen.
- 3:06Speaker 0: Sie hatte es versucht.
- 3:10Speaker 0: Wer das was ihm wirklich wichtig ist immer wieder aufschiebt folgt keiner Schwäche.
- 3:16Speaker 0: Erfolgt eine inneren Logik und diese Logik hat eine Geschichte.
- 3:24Speaker 0: Der amerikanische Psychologe Timothy Pichell, hat jahrelang untersucht warum Menschen aufschieben was ihnen am Herzen liegt.
- 3:34Speaker 0: Sein Befund ist klar.
- 3:37Speaker 0: Prokrastination ist kein Zeitproblem Es ist ein Emotionsregulationsproblem.
- 3:48Speaker 0: Wir schieben auf, um unangenehmen Gefühlen auszuweichen.
- 3:53Speaker 0: Der Aufschub ist nicht die Ursache des Problems – er ist die Lösung für ein tiefer liegendes.
- 4:02Speaker 0: Die Frage lautet also nicht wie kriege ich mich endlich dazu?
- 4:07Speaker 0: sondern wovor schützt mich das Warten?
- 4:17Speaker 0: Die Frage, die Andrea zum Schweigen brachte.
- 4:21Speaker 0: Ich fragte Andrea Was würde passieren, wenn Sie morgen früh anfangen würden?
- 4:27Speaker 0: Einen Kurs buchen.
- 4:28Speaker 0: Hingehen!
- 4:30Speaker 0: Die Hände in den Ton drücken.
- 4:34Speaker 0: Sie schwieg länger als erwartet.
- 4:36Speaker 0: Dann langsam... Ich glaube ich hätte Angst, dass es nichts wird.
- 4:43Speaker 0: Dass ich zu alt dafür bin, das die anderen alle besser sind.
- 4:52Speaker 0: Ich nickte und ließ Raum Und wenn die andern besser sind Wieder eine Pause, diesmal länger.
- 5:07Speaker 0: Dann wird deutlich, dass ich es nie wirklich gekonnt hätte.
- 5:13Speaker 0: So lange ich es nicht versuche kann ich noch glauben das ich es könnte.
- 5:19Speaker 0: Wenn ich es versuche und es wirkt nichts dann ist da nichts mehr.
- 5:29Speaker 0: Das war der Satz auf den alles ankam Nicht er mit empfehlenden Zeitpunkt.
- 5:35Speaker 0: dieser hier Der Aufschub war kein Versagen Er war eine Schutzstrategie und eine sehr wirksame obendrein.
- 5:47Speaker 0: Wer nicht beginnt, kann nicht scheitern!
- 5:52Speaker 0: Wer den Wunsch in der Zukunft hält, muss nicht mit dem Ergebnis konfrontiert werden.
- 5:59Speaker 0: Die Möglichkeit bleibt lebendig.
- 6:03Speaker 0: Der Traum bleibt unberührt – was früh gelernt wurde.
- 6:13Speaker 0: Andrea erzählte zunächst Zögern von ihrer Mutter Eine Frau, die selbst viel gekonnt aber wenig davon gelebt hatte.
- 6:22Speaker 0: Die Nähte malte, sang im Chor Alles nebenbei alles zwischen den Pflichten.
- 6:30Speaker 0: Die öfters sagte Das mach ich wenn die Kinder größer sind und es dann nicht machte.
- 6:40Speaker 0: Und die zu Andrea Wenn sie etwas ausprobieren wollte oft sagte Watt lieber bist du es richtig kannst.
- 6:49Speaker 0: Halbherziges bringt nichts.
- 6:54Speaker 0: Kein böser Satz, ein gut gemeinter sogar!
- 6:59Speaker 0: Aber Andrea hatte daraus eine Schlussfolgerung gezogen die sie selbst nicht kannte Zeige Nichts das noch nicht fertig und sicher Gut ist Denn was nicht überzeugt zählt nicht.
- 7:18Speaker 0: Hinzu kam noch etwas dass bei Frauen ihrer Generation.
- 7:21Speaker 0: Besonders häufig ist Die Botschaft dass die eigenen Wünsche warten können.
- 7:30Speaker 0: Erst die Familie, erst der Job, erst die anderen.
- 7:35Speaker 0: Was für mich selbst ist?
- 7:38Speaker 0: Hat Zeit!
- 7:41Speaker 0: Das war kein explizit ausgesprochenes Gebot aber es lag in der Luft – in den Vorbildern, in den kleinen Entscheidungen, die sie über Jahrzehnte beobachtet hatte.
- 7:56Speaker 0: Das Lebensthema das sich daraus formierte Lies sich in wenigen Warten sagen.
- 8:02Speaker 0: Ich genüge nie, und darunter noch leise.
- 8:08Speaker 0: Meine Wünsche dürfen warten!
- 8:14Speaker 0: Der Aufschub war sein treuester Ausdruck.
- 8:18Speaker 0: Wer nicht zeigt hört keine Kritik, wer nicht beginnt wird nicht gemessen.
- 8:25Speaker 0: Und wer die eigenen Wünsche immer nach hinten stellt muss ich nie fragen ob sie auch wirklich erfüllt werden.
- 8:37Speaker 0: Das Lebensthema aufschieben und seine Geschwister.
- 8:44Speaker 0: Das Lebensthema Aufschub trifft selten allein auf.
- 8:48Speaker 0: Es hat Geschwester, da ist der Perfektionismus, der dafür sorgt, dass der Anfang nie gut genug ist um ein Anfallen zu sein.
- 8:59Speaker 0: Da ist er selbst Zweifel, der schon vor dem ersten Versuch einflüstert Wer bist du das du jetzt noch anzufangen?
- 9:10Speaker 0: Und da is die Angst vor dem Urteil Nicht immer das Urteil anderer, häufig das eigene.
- 9:21Speaker 0: Die Transaktionssalöse kennt den inneren Antreiber sei perfekt – eine verinnerlichte Botschaft aus der Kindheit die später als innere Stimme mitläuft.
- 9:36Speaker 0: Menschen mit diesem Antreiber können oft erst beginnen wenn sie sicher sind dass das Ergebnis gut wird.
- 9:44Speaker 0: Da diese Sicherheit nie da ist.
- 9:46Speaker 0: bevor man angefangen hat beginnt man nie.
- 9:51Speaker 0: Ein Kreislauf, der sich selbst schützt.
- 9:57Speaker 0: Bei Frauen kommt oft noch ein zweiter Antreiber hinzu, den die Transaktionsanalyse Mach es allen recht nennt – die Neigung, die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, solange andere noch etwas brauchen könnten.
- 10:15Speaker 0: Dieser Antreber machte den Aufschrieb besonders hartnäckig, denn er trägt immer einen trifftigen Grund mit Es gibt immer jemanden, dessen Bedürfnisse zuerst kommen.
- 10:31Speaker 0: Andrea kannte beide Kreisläufe – sie hatte sie nur nie so genannt.
- 10:42Speaker 0: Der Moment der etwas öffnete.
- 10:47Speaker 0: Ich fragte Andrea ob Sie sich an einen Moment erinnere in dem sie einfach etwas gemacht hatte ohne Ziel, ohne Publikum, ohne dass es gut werden musste.
- 11:01Speaker 0: Sie dachte länger nach Dann sehr leise.
- 11:04Speaker 0: — Früher, mit meiner Tochter!
- 11:08Speaker 0: Wir haben manchmal zusammen Figuren aus Knete gemacht.
- 11:12Speaker 0: Einfach so.
- 11:14Speaker 0: Ich habe gar nicht gemerkt wie die Zeit vergingen.
- 11:19Speaker 0: Wie war das für sie?
- 11:22Speaker 0: Sie hielt Anne.
- 11:23Speaker 0: — Schön!
- 11:25Speaker 0: Richtig schön… Aber – Das war ja für sie.
- 11:32Speaker 0: Ich fragte … War es wirklich nur für ihre Tochter?
- 11:38Speaker 0: Stille.
- 11:39Speaker 0: Dann ein langsames Schütteln des Kopfes.
- 11:42Speaker 0: – Nein, es war auch für mich.
- 11:47Speaker 0: Vielleicht sogar mehr für mich!
- 11:50Speaker 0: Ich habe das nur noch nie so gedacht.
- 11:56Speaker 0: Da war es.
- 11:58Speaker 0: Der Moment mit der Knete und der Tochter war kein Zufall.
- 12:04Speaker 0: Er war ein seltener Augenblick in dem Andrea erlaubt hatte, dass etwas für sie selbst zählt.
- 12:10Speaker 0: Weil es nach außen hin für jemand anderem war, fühlte es sich erlaubт an….
- 12:19Speaker 0: Das Töpfern hat diesen Deckmantel nicht.
- 12:23Speaker 0: Es wäre einfach für sie und genau das macht es so schwer, was das Aufschieben schützt – und was es kostet!
- 12:40Speaker 0: Es wäre einfacher den Aufschub zu verurteilen, das Warten als selbstbetrugt zu bezeichnen als verschwendetes Leben aber das wäre zu kurz gedacht.
- 12:55Speaker 0: Das Aufschieben ist eine Antwort auf eine reale Gefährdung.
- 13:02Speaker 0: Es hält etwas Kostbares am Leben, die Möglichkeit.
- 13:08Speaker 0: Solange Andrea nicht töpfert, isst sie noch jemand, der töpfern könnte?
- 13:15Speaker 0: Das ist Nicht nichts!
- 13:18Speaker 0: Das ist in einer verdrehten Logik ein Form von Selbstschutz.
- 13:26Speaker 0: Aber der Preis ist hoch – das Aufschiben kostet die Erfahrung Es kostet den Weg, es kostet die Stunden in denen man eintaucht und nicht merkt wie die Zeit vergeht.
- 13:43Speaker 0: Es koste die Freude, die nur im Tun entsteht, niemals im Warten darauf.
- 13:50Speaker 0: Und irgendwann beginnt es noch etwas anderes zu kosten – das Vertrauen in sich selbst.
- 13:59Speaker 0: Jedes Jahr ohne Anfang ist ein kleiner stiller Beweis, dass man es wohl doch nicht ernst meint….
- 14:08Speaker 0: dass man wohl doch nicht die Frau ist, die man sein wollte.
- 14:15Speaker 0: Andrea war einen Fünfzig.
- 14:18Speaker 0: Sie hatte diesen Beweis zwanzigmal gesammelt.
- 14:27Speaker 0: Was hat das mit Ihnen zu tun?
- 14:30Speaker 0: Vielleicht nichts!
- 14:31Speaker 0: Vielleicht möchten sie nicht töpfeln oder wollten nie schreiben.
- 14:35Speaker 0: Vielleicht ist hier aufschieben wirklich nur eine Frage der Organisation.
- 14:41Speaker 0: Aber wenn sie beim Lesen oder Anhören an etwas gedacht haben Dass Sie schon lange vor sich her schieben?
- 14:48Speaker 0: Nicht die Steuererklärung, sondern etwas, das Ihnen wirklich am Herzen legt.
- 14:53Speaker 0: Dann lohnt es sich ein Moment innezuhalten.
- 14:59Speaker 0: Fragen sie sich – Was genau?
- 15:01Speaker 0: – Schieben Sie auf!
- 15:04Speaker 0: Nicht die Aufgabe, die dahinter liegende Hoffnung.
- 15:10Speaker 0: Was ist das wirklich wenn Sie ehrlich hinschauen?
- 15:16Speaker 0: und dann was befürchten Sie, wenn Sie anfangen?
- 15:22Speaker 0: Nicht, was schiefgehen könnte am Ergebnis.
- 15:25Speaker 0: Sondern, was Sie sie über sich selbst wissen würden, wenn es nicht gut wird!
- 15:35Speaker 0: Und schließlich erlauben Sie sich diesen Wunsch eigentlich?
- 15:41Speaker 0: Nicht als Belohnung – nicht, wenn alles andere erledigt ist.
- 15:46Speaker 0: Einfach so, weil der Wunsch Ihnen
- 15:49Speaker 0: gehört.".
- 15:54Speaker 0: Andrea meldete sich drei Monate später.
- 15:59Speaker 0: Nicht für eine Sitzung.
- 16:00Speaker 0: Sie wollte mir nur sagen, daß sie den Töpferkurs gebucht hatte.
- 16:06Speaker 0: Einsamster Vormittag fünf Wochen lang eine Gruppe von acht Leuten – alles Anfänger.
- 16:15Speaker 0: Die erste Schale ist ziemlich schief geworden, schrieb sie.
- 16:20Speaker 0: Ich habe sie trotzdem behalten.
- 16:25Speaker 0: Das war genug.
- 16:27Speaker 0: Mehr als genug.
- 16:35Speaker 0: Namen und Details wurden zum Schutz der Privatsphäre verändert.
- 16:39Speaker 0: Falls es sich in diesem Muster wiederfinden.
- 16:42Speaker 0: Ein einziges Coaching kann öffnen, was Jahre der Reflexion nicht erreicht haben.
- 16:53Speaker 0: Auf meinem Blog finden Sie noch mehr Fallgeschichten.
- 17:03Speaker 0: Wenn sie auch so coaching wollen ich biete eine Fortbildung an.
- 17:09Speaker 0: Alle Informationen finden Sie auf dem Blog.
- 17:15Speaker 0: Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
- 17:18Speaker 0: bis zum nächsten Mal.