Latest / BZ am Ohr / Regionale Verbrechen (2): Deutschlands erster Banküberfall mit Geiselnahme in Badenweiler 1968
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- Es ist der 30. Dezember 1968, als ein Mann, vermummt und bewaffnet, die Sparkassenfiliale in Baden-Weiler betritt. Er erbeutet knapp 10.000 D-Mark und nimmt den Filialleiter Herbert Kopf als Geisel. Das Drama endet auf der Autobahn bei Rastatt, der Räuber entkommt schwer verletzt, Herbert Kopf stirbt an einem Genickschuss. Die Geschichte ging damals groß durch die Medien. Sucht man heute nach dem ersten Banküberfall mit Geiselnahmen in Deutschland, findet man sie fast nicht mehr. Ralf Strittmatter hat bis 2024 in der BZ-Redaktion Müllheim gearbeitet und den Fall noch einmal ausgegraben. Zu verdanken ist das einer Leserin. Auf die Geschichte hat uns die Leserzuschrift einer ehemaligen Sparkassenmitarbeiterin aufmerksam gemacht. Wir hatten in der BZ zum 50. Jahrestag einen Artikel über einen Banküberfall in München 1971, der oft als erster Geiselnahmefall in Deutschland bezeichnet wird. Die Tat in Baden-Weiler war irgendwie in Vergessenheit geraten. Ralf Strittmatter stieg daraufhin ins Archiv und recherchierte den Fall. Den Text packe ich euch in die Shownotes. Und er inspirierte die Autorin Julia Heinecke dazu, die Geschichte als Roman zu veröffentlichen, basierend auf der wahren Geschichte. Über ihre Recherche, ihr Treffen mit den Angehörigen von Herbert Kopf und dem Baden-Weiler Bürgermeister von damals erzählt sie mir heute bei BZ am Ohr, dem Podcast der Badischen Zeitung. Ich bin Lisa Böttinger, schön, dass ihr dabei seid. Herzlich willkommen, Frau Heinecke, Julia Heinecke heute bei BZ am Ohr. Freut mich sehr, dass Sie da sind. Herzlich willkommen. Dankeschön, ich freue mich auch. Frau Heinecke, Sie haben einen Roman geschrieben über einen wahren Kriminalfall, der sich hier in der Region bei uns in Baden-Weiler abgespielt hat. Ein Banküberfall mit Geiselnahme und diese Geiselnahme endete auch tödlich. Roman heißt, Sie haben eine Geschichte nacherzählt. Sie haben die auch ein bisschen erweitert. Die ist aber angelehnt an die wahren Begebenheiten. Also genau so hat es sich auch zugetragen und Dinge haben sie eben noch erweitert, was die familiären Beziehungen angeht. Da gehen wir noch drauf ein. Das heißt aber, wahre Begebenheiten, sie haben da ganz viel recherchiert, sie haben Menschen getroffen. Wenn sie jetzt, an Ihre Recherche denken, abgesehen davon, dass es der erste Banküberfall mit Geiselnahme in Deutschland war. Was war für Sie im Zuge dieser Recherche ein besonderes Erlebnis? Also was geht Ihnen als Erstes durch den Kopf, wenn Sie daran denken? Ich glaube, meine Erleichterung, dass der Sohn des Opfers unglaublich aufgeschlossen der Sache gegenüber war. Ich erinnere mich sehr genau, wie viel Angst ich tatsächlich hatte, mit ihm in Kontakt zu treten. Und ich habe ihm dann geschrieben per E-Mail und er hat bei mir angerufen und war unfassbar freundlich. Und hat mich ja auch mit einem Buch unterstützt, was er selber mal zusammengestellt hat, wo alle Zeitungsartikel, die sein Bruder, meine ich war es, gesammelt hatte, die hat er irgendwann mal eine Kiste gefunden und hat sie dann in dieses Buch zusammengefügt. Und das hat er mir zur Verfügung gestellt. Also Sie sind im Prinzip ganz nah dran gewesen, auch an den Hinterbliebenen, sage ich mal, dieses Falls. Das ist wahrscheinlich auch so das Erste. Sie haben ja auch gesagt, es war eine Bedingung für Sie, dieses Buch überhaupt zu veröffentlichen, dass sozusagen die Hinterbliebenen damit einverstanden sind und die haben dieses Buch auch gelesen, bevor es veröffentlicht wurde. Genau. Sie hatten mir dazu erzählt, dass die größte Angst dieser beiden noch lebenden Kinder von dem Herbert Kopf, der zu Tode kam, deren größte Angst war es, dass der verurteilte Bankräuber und Mörder ihres Vaters, dass der so ein bisschen zu gut wegkommt. Also das waren die Bedenken vorab. Da habe ich mir überlegt, man hat schon eine große Verantwortung, wenn man so eine Geschichte aufarbeitet, wie Sie das jetzt gemacht haben. Also wir gehen gleich auf die Hauptperson dieses Falls ein. Wie haben Sie sich denen angenähert? Also wie wird man so einer sensiblen Familiengeschichte auch gerecht in der Aufarbeitung? Also wenn sie nicht einverstanden gewesen wären, dann hätte ich es wahrscheinlich ändern müssen, aber sie waren einverstanden. Es ist allerdings auch keine Kunst gewesen, den Bankräuber in einem schlechten Licht darzustellen, weil er einfach eine. Schlechte Person war oder Persönlichkeit war. Er war kriminell, wenig empathisch, hat keine Reue gezeigt. Ein Unsympath. Ein Unsympath wahrscheinlich, ja. Eloquent war er wohl. Aber er war jetzt, also ich wollte ihm jetzt nicht das Forum geben und seine Tat irgendwie zu relativieren oder sowas, gar nicht. Also für mich war eigentlich schon klar, dass das keine sympathische Person wird. Seine Entwicklung vielleicht dahin schon zeigen oder er hatte ja auch irgendwie ein wildes Leben, keinen Halt und schlechte familiäre Bedingungen, aber, ne, die Hauptfigur ist ja dann, oder er ist der Antagonist sozusagen, er ist nicht der Protagonist. Ja, genau. Ja, wir wollen tatsächlich auch mit dem Protagonisten starten und das ist eben der Herbert Kopf, wenn wir ein bisschen uns die Menschen in dieser Geschichte anschauen. Es ist ja auch tatsächlich oft so, das wäre mir noch wichtig zu sagen, dass wir, wir reden ja nicht über einen klassischen True-Crime-Fall jetzt, den sie aufgearbeitet haben, weil sie haben einen Roman daraus gemacht, aber nichtsdestotrotz ist der Kern der Geschichte ja ein wahrer. Und dem True-Crime-Format wird ja auch, finde ich, zu Recht oft ein bisschen vorgeworfen, dass er sehr, dass es sehr effekthascherisch ist, sehr so dieses wohlige Gruseln bedient, was aber auf Kosten von Hinterbliebenen geht. Deswegen haben wir uns ja auch heute entschieden, dass wir erstmal auf Herbert Kopf eingehen, der das Opfer der Geschichte war und der ja auch eine ganz besondere Person war und auch ganz diametral unterschiedlich zu seinem späteren Mörder, sage ich mal, an Leben gelebt hat. Wie können Sie ihn denn beschreiben? Sie haben ja einen ganzen Ordner von Zeitungsartikeln bekommen über den Fall. Er wird als fürsorglich beschrieben. Er war im echten Leben Vater von drei Kindern. Das ist ja im Buch nicht. Und er war ganz früh schon Filialleiter dieser Baden-Weiler Sparkassenfiliale mit 30 Jahren, meine ich. Er ist 1920 geboren. Was war er für ein Mensch? Also tatsächlich in diesem tollen Konvolut, was ich bekommen habe, sind auch Nachrufe auf ihn drin und auch ein paar Familienfotos. Und er scheint ein sehr fröhlicher, freundlicher, aufgeschlossener, hilfsbereiter, verbindlicher Mann gewesen zu sein. sehr verbunden mit der Region. Also er lebte in Britzing, hat sich nie groß aus der Ecke heraus bewegt, kannte alle Leute natürlich persönlich, hat ihnen Grußkarten zum Geburtstag geschickt, war immer ansprechbar, also im besten Sinne ein Mann, der sich um die Gemeinschaft auch verdient gemacht hat. Und so wird er auch beschrieben, dass er auch, glaube ich, seine Kunden Grußkarten geschrieben hat. Und so ein beliebter Ratgeber, meine ich, über ihn gelesen zu haben gewesen war. Ja, sicher. Also er war auch Vorsitzender oder Co-Vorsitzender vom Sängerbund und eben auch sehr korrekt, sehr verbindlich und jemand, auf den man sich verlassen konnte. Wenn man jetzt, also er lebt ja auch Zeit seines Lebens in Baden-Weiler. In Britzingen, ja. In Britzingen, genau, und hat in Baden-Weiler gearbeitet. So die Rolle von Baden-Weiler zu dieser Zeit 1968, da gehen wir gleich noch drauf ein, war ja auch eine ganz besondere Zeit, so als Kurort, damals am Blühen, sag ich mal. Und wer jetzt da in diese Szenerie so gar nicht richtig reinpasst, ist tatsächlich dieser Bruno Matejka, so hieß er im wahren Leben. Er ist auch verstorben 2003. Der Bankräuber, der über eine Liebe zu Kurorten, sage ich mal, hat es ihn, meine ich, nach Baden-Weiler verschlagen, aber nach einem ganz verschlungenen Lebensweg. Also da habe ich mich nicht an das gehalten, was man so weiß. Es ist tatsächlich total verworren. Es steht mal so da und mal so da. Also die Zeitungen in der Berichterstattung damals haben das auch mal so beschrieben und mal so beschrieben. Die Akte ist unter Verschluss, also die Gerichtsakte, deswegen kann ich da jetzt leider auch nichts zu sagen, von offizieller Stelle bei Gericht. Er war offensichtlich auf zerrüttete Familienverhältnisse, er ist irgendwie nach Polen gekommen, Auf der Suche nach seiner Schwester ist dort verhaftet worden, war dann 1956 in diesen Arbeiteraufstand in Posen verwickelt, wurde dann zur Todesstrafe tatsächlich verurteilt, ist dann 1961 mit einem Aussiedlerpass in die Bundesrepublik eingereist und er war tatsächlich gelernter Goldschmied. Und hat diese Kenntnisse allerdings nicht im positiven Sinne angewandt, sondern es hat ihn eher zu einer Fachperson in der Unterwelt gemacht. Und er ist relativ schnell dann vom rechten Wege abgekommen und war ein Berufskrimineller. Ja, hatte ja auch schon, also Sie haben ja den ersten Gefängnisaufenthalt gerade angedeutet. Dies war dieser Arbeiteraufstand in Posen 1956 im Juni, gegen den ja das Regime sehr hart vorgegangen ist. Also jeder, der daran beteiligt war, wurde bestraft, inhaftiert und da ist er wohl drin gelandet, hat es aber vorher auch schon sehr, also sage ich mal, kriminelle Wege eingeschlagen, kein Rückhalt. Und er hat ja dann auch bereits, schreiben Sie auch im Epilog dann vom Buch 1966, tatsächlich das erste Mal ein Juwelier ausgeraubt mit einem Komplizen, er konnte nämlich gar nicht selbst Auto fahren. Ich weiß gar nicht, ob es sein erster Juwelierraub war. Es war auf jeden Fall sein erster in Baden-Weiler. Er hatte keinen Führerschein, was ja auch dazu führt, dass er Herbert Kopf als Geisel genommen hat, weil er musste irgendwie vom Tatort verschwinden. Später dann beim Banküberfall. Aber damals hat er genau gegenüber vom Grand Hotel an diesem Schlossplatz in Baden-Weiler an der Ecke, heute ist ein Restaurant da drin, hat er einen Juwelier überfallen und die sind dann geflüchtet und auf der Flucht hat er zum ersten Mal eine Waffe eingesetzt. Also es war nicht seine erste kriminelle Tat, aber seine erste Tat, in der eine Waffe eine Rolle spielte. Er hat in die Luft geschossen, um sich den Weg freizumachen mit seinem Komplizen und dabei ist ein Mann zusammengebrochen, hat er einen Herzinfarkt. Was hat ihn denn überhaupt nochmal, um es nochmal zu erzählen, nach Baden-Weiler gebracht? Also der Mann hat ja einige Wege zurückgelegt und Baden-Weider war ja aber dennoch kein Zufall. Also von seinem Lebensstil her, er hat ja einen sehr besonderen Lebensstil geprägt. Genau, also er war ja wohnungslos, das heißt er hat im Hotel gewohnt, weil er hat gut verdient mit seinen kriminellen Taten sozusagen und er hatte eine Vorliebe für Kurbäder, also er war überall. Und er hat auch immer gesagt, er hat Kopfröte und er leidet an diesem und an jenem, also ich möchte fast sagen hypochondrisch, die Beine tun ihm weh und immer wieder wollte er Kuraufenthalte machen. Also vielleicht war er einfach psychologisch auch auffällig und hat versucht, irgendwelche Linderungen zu finden. Aber er ist ja jedenfalls durch die ganze Bundesrepublik gekurt und ist natürlich auch auf Baden-Weiler gestoßen. Und er ist auch bereits einmal in Deutschland, noch bevor er dann den Bankraub begangen hat, über den wir gleich sprechen, einer längeren Haftstrafe entgangen. Sie schreiben wegen einer behördlichen Schluderei, haben sie es, glaube ich, formuliert. Also da hatte er ein bisschen unverschämtes Glück. Das war tatsächlich der Juwelierüberfall in Baden-Weiler. Da ist er dann irgendwann verhaftet worden, ein halbes Jahr ist nichts passiert und er musste freigelassen werden. Also hätte man dort konsequenter die Strafverfolgung betrieben, dann wäre die Geise der Name von Herrn Kopf nicht passiert und er würde noch heute vielleicht nicht mehr leben, aber er wäre auf jeden Fall dort nicht zu Tode gekommen. Weil er ist dann, meine ich, relativ kurz nachdem er freikam, kam dann auch tatsächlich dieser Bankraub in Baden-Weiler, dieser Verhängnisvolle. Was führte denn dann den Lebensweg dieser beiden Männer, über die wir jetzt gesprochen haben, Bruno Matejka und Herbert Kopf zusammen an diesem Tag und welche Situation war denn da in Baden-Weiler, wenn wir jetzt über den 30. Dezember 1968 sprechen, an dem Tag fand der Bankraub statt. Ist es ja nicht so, wie man sich es heute vorstellt, dass da so eine relativ cleane, gut gesicherte Bank ist, wo alles digital läuft. Sondern ohnehin war es ja so, dass zu dem Zeitpunkt gerade Gehälter wurden nicht mehr bar ausgezahlt. Es gab Konten. Aber die Banken hatten daher natürlich Cash. Und was war das für eine ganz spezielle Bank zu diesem Zeitpunkt in Baden-Walder? Also zunächst einmal, Baden-Walder war ein florierender Kurort. Da haben sich viele Menschen mit Geld aufgehalten und es war für die Banken ein lukratives Pflaster. Die Sparkasse hatte ein sehr marodes Gebäude und ein Neubau musste her. Und deswegen ist die Bank ausgewichen in ein Behelfsgebäude, also in eine Behelfsbank. Und die wurde eingerichtet im Park Stüble. Das war das Restaurant des Parkhotels, auch direkt an diesem Platz. Und heute ist es eine Kurklinik und damals war das so ein rustikaler Weinkeller mit so einer holzvertefelten Rundbogendecke und im Hintergrund ein Tresen, wo halt früher Bier gezapft und getrunken wurde und das war jetzt quasi der Banktresen und sträflich gesichert. Die Banküberfälle waren ja sowieso zu der Zeit in Mode gekommen, vor allem in Orten, die in jetzt nicht unbedingt Großstädte oder sowas, sondern je weiter weg und kleiner der Ort, desto leichter war eigentlich die Beute, weil es natürlich gedauert hat, bis die Polizei dann mal kam und die Sicherheitsvorkehrungen, man vertraut sich, man kennt sich auf dem Dorf, die Sicherheitsvorkehrungen dann einfach nicht so gut waren. Sie lassen den Bankräuber auch im Buch zumindest sagen, dass er in der Zeitung gelesen hätte, wie schlecht die Banken gesichert gewesen seien. Angeblich hat er es in der Zeitung gelesen, dass es diese spezielle Bank, vielleicht hat er auch einfach nur gelesen, die Bank ist jetzt irgendwie in dem Parkstüble und dann hat er 1 plus 1 zusammengezählt und konnte sich das denken, dass das irgendwie keine besonders gesicherte Bank sein konnte. Und er hat ja auch gegenüber, also er hat ja im Grand Hotel gewohnt, er konnte die Sache ja auch ganz gut beobachten, wie da Geld über die Theke gereicht wird. Das weiß ich gar nicht, ob er im Grand Hotel gewohnt hat, das habe ich ihm zumindest mal angedichtet. Es würde zu ihm passen. Er hat sie wohl vorher ausgeguckt. Also ich als Bankräuber würde das glaube ich auch machen. Ja. Also er ist dann dort rein, kurz vor Kassenschluss. Daher kommt dann auch der Name meines Buches und, hat seine Waffe gezückt und hat erst das Geld unter dem Tresen bekommen und dann wurde ihm der Rest aus dem Tresor gereicht. Das waren keine 10.000 Mark, 9.630. Und dann musste er fliehen. Und da er keinen Führerschein hatte, hat er sich eben die Geisel genommen und ist mit ihm dann aus der Bank verschwunden. Was war das für eine Situation bei dem Banküberfall? Was weiß man, wer da tatsächlich in der Bank sich aufhielt, als er da vermummt mit seiner Waffe hineingegangen ist? Also Herbert Kopf, der Filialleiter, zwei weitere Mitarbeiterinnen und ein Kunde oder eine Kundin, liest man beides. Und es gibt auch zumindest das Gerücht, dass Herbert Kopf für einen anderen Menschen sich hergegeben hat als in Anführungsstrichen freiwillige Geisel. Genau, es ist nicht bestätigt. Der Sohn hat gemeint, wenn es so war, dann passt es zu ihm. Das heißt, Bruno Matejka hat dann diese knapp 10.000 Mark und führt quasi mit der Waffe im Rücken den Herrn Kopf aus dieser Bankfiliale heraus. Muss ja jetzt flüchten, kann aber nicht selbst Auto fahren. Wie verläuft jetzt diese Flucht? Was will er vom Herrn Kopf? Sie treffen, sie gehen raus, Ob er das schon gedacht hat, also er sagt noch zu den Mitarbeiterinnen, bis 20 Uhr dürfen sie der Polizei Bescheid sagen, dann passiert dem Chef nichts. Also es ist ja kurz vor Kassenschluss, also ungefähr 17.45 Uhr war das. Dann gehen sie raus, sie treffen als erstes auf einen Portier, der sich wundert. Da folgt ihnen noch ein Stück durch den Kurpark. Also sie laufen dann durch den dunklen Kurpark. Es ist ja Ende Dezember und ihm kommt das alles sehr seltsam vor. Er geht dann zurück. Ich glaube, er war es allerdings nicht, der der Polizei Bescheid gesagt hat, sondern das waren andere Menschen. Das kommt jetzt gleich. Sie laufen durch den Kurpark. Die Straße runter, sind schon knapp einen Kilometer entfernt von der Bank und biegen dann in den Hohlenweg ein. und dort wohnt der Bürgermeister. Der damalige von Baden-Wallen. Der damalige Bürgermeister, Dr. Rudolf Bauert. Er lebt noch, er ist über 90. Ich habe mit ihm auch gesprochen. Und er hat es wie folgt beschrieben, er war selber gar nicht da, aber seine Frau. Und ob die jetzt irgendwie gemerkt hat, dass irgendwas komisch ist, wissen wir nicht, aber sie hat die Tür nicht aufgemacht. Also Herbert Kopf hat an diesem Bungalow hoffnungsvoll geklingelt, dass die Tür aufgeht und irgendwie ein Auto organisiert werden kann und nichts passierte, obwohl Licht war. Und in dem Moment kommt der Bruder von dem Bürgermeister angefahren mit einem Freund, einem Kurgast, also mit dem Auto des Kurgastes. Beide steigen aus, er wohnt genau gegenüber vom Bürgermeister und Bruno Matejka erzwingt dann das Auto von diesem Kurgast. Der nimmt ihn überhaupt nicht ernst, weswegen er einen Warnschuss abgibt vor seine Füße. Und dann steigen sie ein, Bruno Matejka setzt sich hinten rein, Herbert Kopf sitzt vorne, muss fahren, erkennt das Auto nicht, weiß nicht, wie der Rückwärtsgang eingeht und dann zeigt der Kurgast tatsächlich noch, wie man den Rückwärtsgang bei diesem Auto bedient und dann fahren sie los Richtung Autobahn. Und dann geht es, wahrscheinlich sind das dann auch die beiden Menschen, die die Polizei tatsächlich verständigt haben. Die sind ihm noch hinterher gefahren, hatten dann aber nicht mehr genügend Benzin. Mussten dann irgendwie kurz, nachdem sie aber auch mit auf die Autobahn gefahren sind, irgendwie aufgeben. Haben aber dann sind zurückgefahren und haben der Polizei Bescheid gesagt. Ach so, gab natürlich kein Handy. Es gab natürlich kein Handy, genau. Und dieser Spruch, wenn ihr bis 8 Uhr der Polizei nicht Bescheid sagt, dann passiert der Geisel nichts. Von dem wusste die Polizei gar nichts. Und natürlich auch nicht der Bruder des Bürgermeisters und der Kurgast. Die konnten das natürlich auch nicht wissen. Genau, genau. Das heißt, wir haben dann die Geisel und den Bankräuber in diesem, es war ein Opel-Rekord sitzen. Man sieht es auch noch. Also diese Szene wurde auch später dann nachgestellt, als der Prozess lief. Und die fahren dann im Prinzip los, Vollgas. Also die Geisel muss fahren und sie kommen bis nach Rastatt in etwa. Und dort werden sie von Polizeiautos eingekeilt, zum Stehen gezwungen. Und dann rennt auch, so ist es überliefert, ein Polizist eben zu dieser Hintertür, wo der Bruno Matejka sitzt, reißt die auf. Will den irgendwie zum Aussteigen bringen, aber der hat natürlich eine Waffe. Also Bruno Matejka hat eine Waffe und schießt auch auf diesen Polizisten. Korrekt. Also ist ja auch eine Aktion. Und trifft ihn. Ja, genau. Verletzt ihn auch schwer. Das ist ja auch eine Aktion, wie sie heute nicht mehr stattfinden würde. Also es ist außergewöhnlich. Also man hatte halt wenig Erfahrung mit Geiselnamen. Es wird ja mal gesagt, dass der erste Bankraum mit Geiselnamen in München 1971 stattfand und der ist so gut dokumentiert, weil der genau gegenüber vom Gourmet-Restaurant Feinkostkäfer stattfand in der Prinzregentenstraße und an dem Tag wurde dieses Restaurant eröffnet. Deswegen die ganze Münchner Schikaria war da, auch das Fernsehen kam bald hinzu. Und da war es so, dass die Polizisten noch schnell in eine Kiesgrube gegangen sind, die Besten schützen und noch Schießen geübt haben. Und das ist auch vollkommen aus dem Ruder gelaufen und das kurz vor den Olympischen Spielen. Also so der Zusammenhang, man hatte einfach überhaupt gar keine Erfahrung damit. Es scheint so zu sein, dass Geiseln sehr gefährlich leben oder sehr gefährdet sind bei solchen Geiseln. Banküberfall oder überhaupt Geiseln-Namensituationen. Damals jedenfalls, es war das allererste Mal, dass das passiert ist. Man hatte nichts Vergleichbares. Totale Überforderung nehme ich an. Und Unwissen. Und dennoch gelingt es dann dem Bruno Martaika, dass er irgendwie auf diesen Polizisten schießt, diese Tür wieder schließt und den Herbert Kopf dazu zwingt, sich aus dieser eingekeilten Situation im wahrsten Sinne des Wortes zu befreien, indem er aufs Gas drückt und da irgendwie rausfährt. Aber die Fahrt geht dann nicht mehr lang. Genau, also er drückt ihm wohl die Pistole ins Genick, Kopf legt einen Kavalierstart hin, fährt noch einige hundert Meter, Polizei folgt und schießt mit Maschinenpistolen. Das Auto wird getroffen, also die ganze Heckscheibe ist voll mit Einschusslöchern. Das Auto gerät dann in Schlingern Herbert Kopf ist tot Bruno Matejka ist angeschossen, macht sich aus dem Auto raus also das Auto ist in den, an die rechte Leitplanke von der Autobahn gefahren und er steigt eben aus, quert die Autobahn hüpft über die Mitteleitplanke mit Koffer, weil er hat doch einen Koffer dabei gehabt und seine Aktentasche, mit dem Geld und seinen Koffer tatsächlich, seinen Reisekoffer, wirft das rüber. Quert die Autobahn Richtung Süden, schießt noch dreimal in die Luft und verschwindet dann im Wald Richtung Raststadt. Und er läuft dann in den Ort Raststadt rein. Dort wird es dann langsam unangenehm, weil halt die Polizei anfängt, ihn zu suchen. Und er ist angeschossen. Und er ist angeschossen, genau. Deswegen lässt er auch, er wechselt seine Kleidung tatsächlich. Er lässt seinen Mantel zurück im Wald. Der wird dann später gefunden. Und Handschuhe, die total blutig sind, weil er an der Hand getroffen ist. An der Hand und an der Schulter ist er getroffen. Und er steigt in einen Bus nach Gernsbach im Schwarzwald, steigt dort in ein Taxi nach Baden-Baden. Da hält er sich sowieso am allerliebsten auf. Ist ja schließlich ein mondäner Kuort. Genau, mit Casino noch dazu. Und dort steigt er in ein weiteres Taxi nach Baden-Oost. Das ist so ein kleiner Vorort. Und da übernachtet er, versorgt seine Wunden. Aber er hat einen Steckschuss, also die Kugel muss irgendwie raus. Und am nächsten Tag lässt er sich mit dem Taxi, er hat ja genügend Bargeld dabei, nicht wahr, lässt er sich mit dem Taxi nach Karlsruhe bringen und steigt dort in den nächsten Zug Richtung Norden. Der Taxifahrer fährt danach zurück, freut sich über das fette Trinkgeld, was er bekommen hat und hört dann, dass ein Bankräuber gesucht wird. Und denkt, oh mein Gott, wen habe ich da zur Bahn gebracht? Und fährt direkt zur Polizei und meldet ihm, dass der in den Zug gestiegen ist. Oder zumindest auf den Bahnsteig gestiegen ist. Und Herr Matejka läuft ja dann auch noch, weil er merkt, er ist angeschossen und er braucht jetzt irgendwie medizinische Unterstützung, läuft ja dann auch noch, sagen wir mal, einer Nonne in die Arme, die ihn ausgerechnet auch noch identifiziert. Also, er läuft nicht der Nonne in die Arme. Ne, also er fährt mit dem Zug bis nach Hannover. Und meldet sich dann bei einem Kloster. Dort kann man ihm aber nicht helfen und schickt ihn ins St. Vinzenz-Stift. Und dort wird es dann auch wirklich höchste Zeit. Und er wird operiert. Und die Nonne, die die OP-Vorbereitung macht, da kommt das komisch vor. Und während er in der Narkose ist und operiert wird, guckt sie sich sein Gepäck genauer an, entdeckt eine badische Zeitung. Tatsächlich. Sehr viel Bargeld. und als Bruno Matejka aus der Narkose erwacht, steht die Polizei in seinem Bett. Das war das Ende seiner Flucht. Das war das Ende seiner Flucht, ja. Und das Ende von Herrn Kopf war aber verhängnisvollerweise schon auf der Autobahn, etwa auf höherer Stadt. Also man konnte das auch identifizieren, dass die Kugel, die ihn mit einem Genickschuss getötet hat, aber aus der Waffe von Herrn Matejka kam. Er hat immer abgestritten, dass er vorsätzlich ihn erschossen hätte. Es ist sehr gut möglich, dass es in diesem Kuddelmuddel der Flucht, dass er sich gelöst hat. Also das ist auch meine Vermutung, denke ich, es ist nachvollziehbar. Er schützt sich auf der Rückbank und versucht irgendwie trotzdem noch seine Geisel unter Druck zu setzen. Und dabei ist es dann passiert. Er hat es nicht überlebt. Er hatte aber noch eine Verletzung an der Schulter, wo aber unklar war, woher die jetzt kam. Also es kann schon sehr gut sein, dass das eine Polizeikugel war. Die war aber nicht tödlich. Tödlich war die Kugel aus der Waffe von Bruno Matejka. Ins Genick, ja. Genau. Also dadurch, dass er dem Kurgast vor dem Haus des Bürgermeisters in Baden-Weiler vor die Füße geschossen hatte, hatte man eine Vergleichskugel, weil die Waffe hat man nie wieder gefunden. Aber man konnte die Kugeln vergleichen und dadurch ergab sich ein eindeutiges Bild. Und Bruno Matejka liegt dann eben wenige Tage später in diesem Krankenhaus. Und ich finde so, Sie haben die Szene im Buch beschrieben und sie ist auch so ähnlich überliefert. Das zeigt einfach auch nochmal sehr deutlich den Charakter dieses Menschen und den Charakter der damaligen Boulevardpresse. Ich weiß nicht, ob sich das geändert hat. Es ist auf jeden Fall beeindruckend, das zu lesen, dass tatsächlich Reporter, Bild-Zeitung vorne ran, sich Zugang ins Krankenzimmer verschafft haben. Er wurde ja bewacht. Wahrscheinlich, ich habe es so formuliert, dass alle ein bisschen perplex waren, dass auf einmal der Bild-Reporter dort auftaucht. Ganz schamlos seine Fragen stellt. Ganz schamlos seine Fragen stellt. Und ein Foto von ihm schießt, wie er sich im Bett klunker am Finger. Eine Zigarette anzündet, das kann man sich heute wahrscheinlich auch nicht mehr gut vorstellen, dass man im Krankenbett raucht, aber ja, so ist es passiert tatsächlich. Also es gab dann O-Töne live aus dem Krankenzimmer und er hat auch sehr viel Geld angeboten bekommen von der Boulevardpresse, dass er exklusiv seine Lebensgeschichte einem Blatt anbietet. 4.000 Mark wurden noch eingezogen beim Verfahren, mehr hatte er dann auch nicht mehr, aber das wurde auf jeden Fall... Also musste er abgeben, ist ihm nicht geblieben. Was haben Sie denn so aus der damaligen Presse rausgelesen? Also es gab ja nicht, es wurde natürlich ab diesem Banküberfall darüber berichtet. Sie haben ja auch gesagt, diese Nonne hat eine badische Zeitung bei ihm im Gepäck gefunden. Die hatte er sich, glaube ich, im Hotel oder hat er sich mitgenommen oder gekauft, wo natürlich auf der Titelseite schon nach ihm gesucht wurde. Sie haben ja jetzt hier vor sich gerade im Studio diesen Hefter liegen mit der damaligen Presseberichterstattung. Wie kamen Ihnen die damals vor? Wir haben jetzt über Boulevard gesprochen, aber konnte man all diese Hintergründe damals schon so aufschließen oder war das doch sehr oberflächlich? Nö, oberflächlich würde ich sagen, ist es nicht. Es geht ein bisschen durcheinander, also je nachdem, wie dann immer gerade der Kenntnisstand war. Der war ja am 30.12., das war ein Montag, dann war ja erst mal Silvester, also es ist dann sowieso erst im Januar tatsächlich berichtet worden. Denn die meisten Medien haben eigentlich sehr ernsthaft berichtet. Es gab natürlich sowas wie Bild oder Neue Revue, die dann vielleicht ein bisschen reißerischer waren. Aber es wurde auf jeden Fall abgedeckt. Also es wurde darüber berichtet, was die Sache nochmal seltsamer macht, dass niemand denkt, dass das der erste Bankraub mit Geiselnahme war, sondern der in München. Aber ich kann nicht sagen, dass das schlecht wäre oder sowas. Nee, eigentlich gute journalistische Arbeit. Und diese Texte, für die ihm damals Geld angeboten wurde am Krankenbett, die hat es aber dann so nicht gegeben. Also dass er seine Memoiren in Anführungsstrichen da verkauft hätte. Nicht, dass ich wüsste. Also gut, er hat Geld entgegengenommen. Die 4000 Mark wurden ja eingezogen. Aber dass er jetzt irgendwo exklusiv noch seine Story verkauft hätte, ich glaube, da wurde dann doch ein Riegel vorgeschoben. Und es war auch tatsächlich dann in der Thema in der Politik, wie das sein kann, dass er da irgendwie Interviews am Krankenbett geben kann, obwohl da sogar noch Polizei präsent war. Er zeigt ja dann ein ganz anderes Verhalten erst mal, als es zum Prozess kommt. Zudem muss er ja offenbar erst mal im wahrsten Sinne des Wortes getragen werden. Genau, ja. Also der fand in Freiburg statt, vom Landgericht in der Salzstraße. 1970. 1970, im Januar ging es los und er musste wirklich hingetragen werden. Also er hat sich geweigert, kam dann mit so einem Pulli an, hat sich das Gesicht abgedeckt, sich unter seiner Anklagebank versteckt. Am Nachmittag nach der Pause, ganz anderes Verhalten. Dann hat er sich in den Anzug angezogen und sich sehr eloquent, lang und breit ausgedrückt und seine Meinung der Geschichte dargestellt. Für den Tod von Herbert Kopf sei er nicht verantwortlich, lediglich Bankraub habe er begangen. Das ist bis zuletzt die Auslegung von Matejka. Zum Prozess hören wir hier nochmal kurz Ralf Strittmatter, der den Fall 2022 für die BZ recherchiert hat. Der Geiselmordprozess in Freiburg war einer der teuersten seiner Zeit. Rund 100.000 Mark flossen in Zeugenentschädigungen und Gutachten oder die Tatrekonstruktion. Für diese wurden fast 100 Personen aus Freiburg in Bussen auf die Autobahn bei Raststadt gebracht. Der Täter kam im Hubschrauber. Lange stand der Vorwurf im Raum, die Polizei trage Mitschuld am Tod der Geisel, weil sie sich auf der Autobahn einen heftigen Schusswechsel mit dem Bankräuber lieferte. Ein ballistischer Abgleich ordnete den tödlichen Schuss später klar der Waffe des Bankräubers zu. Es gab auch Kritik, weil der Bankräuber zur Tatzeit auf freiem Fuß war. Kurz zuvor saß er noch in Frankfurt in U-Haft, wegen Überfall und versuchten Mords. Dank der Liberalisierung des Strafrechts in den 1960ern musste er entlassen werden, weil er geständig war und einen Wohnsitz nachweisen konnte. Der älteste Sohn des Mordopfers war Nebenkläger im Prozess. Er beschrieb den Täter im Interview als schüchtern. Zunächst wollte sich der Bankräuber dem Prozess entziehen. Acht Mann mussten ihn aus seiner Zelle holen. Dann verweigerte er die Aussage und es dauerte einen Tag, bis überhaupt nur seine Identität geklärt war. Danach blühte er aber auf und nutzte die Verhandlung als Bühne, um wortgewandt seine tragische Lebensgeschichte auszubreiten. Entschuldigt habe er sich bei der Familie nie. Es kommt dann nach dem Prozess natürlich eigentlich zu einer lebenslänglichen Haftstrafe, die er dann in Bruchsal verbringt und tatsächlich dann auch im Krankenhaus später dann verstirbt, 2003. Genau, also er sieht keine Welt mehr ohne Gefängnisgitter. Er kommt nicht mehr frei und er bezeichnet sich bis zum Schluss auch als unschuldig an dem Tod. Er sagt schon, ich bin ein Gangster, aber ich bin kein Killer, waren so seine O-Töne. Er ist fest in Überzeugung, dass er ihn nicht mit Absicht erschossen hat und bereut es auch nicht. Hat keine Reue gezeigt. Er hat keine Reue gezeigt und er hat auch keinen Besuch bekommen und keine Kontakte gehabt und nichts. Also ist dann allein quasi von uns gegangen. Genau. Wenn es jetzt, also er hat keine, oder wir wissen nichts von Menschen, die der Täter hinterlassen hat. Wir wissen aber sehr wohl noch eben um das Opfer und die Menschen, die er hinterlassen hat. Sie haben ja im Buch rund um die Familie von Herbert Kopf, der im Buch Erich Schmidt heißt, eine fiktionale Familiengeschichte noch gestrickt. Die hat es so nicht gegeben. Dennoch gibt es eben rund um den Fall durchaus Menschen im echten Leben in Baden-Weiler, die Sie getroffen haben, die von dem Verbrechen betroffen waren, direkt oder indirekt. Sie haben vorhin schon angesprochen, dass Sie den damaligen Bürgermeister, bei dem zum Beispiel geklingelt wurde, der nicht da war, aber seine Frau, angesprochen. Was sind denn da heute noch für Spuren, auch bei Menschen, die noch unter uns sind? Ich meine jetzt beispielsweise auch die Frau dieses Bürgermeisters. Sie haben erzählt, dass er ihnen übermittelt hat, die Frau sei wohl zu Hause gewesen. Und ja, wie hat sich das zugetragen? Also das kommt in Ihrem Buch nicht vor, das haben Sie aber sehr wohl in den Interviews rausgefunden. Seine Frau war traumatisiert. Also gerade durch diesen Schuss, den sie ja gehört hat, oder eben diese Männer klingeln an der Tür, sie traut sich gar nicht, als hätte sie eine Intuition, traut sich gar nicht aufzumachen. Kurz danach fällt ein Schuss. Also für sie war das schwer zu verwinden. Sie lebt nicht mehr, aber der Herr Bauert hat es so berichtet. Er selber war in Baden-Weiler im Ort drin, hat sich dann gewundert, oh hier ist ja wahnsinniger großer Bahnhof mit Polizei und Blaulicht und so weiter, hat dann gefragt, ob er helfen könnte und da hat er es dann erfahren, dass eben der Sparkassenleiter als Geisel genommen wurde. Sie haben angesprochen, dass in dem Prozess oder eigentlich zieht sich das wie so ein roter Faden durch, dass Bruno Martaika, Ja, ein Leben geführt hat, was durchaus auch, ich will es nicht sagen, eine Moral, aber man sieht daran sehr gut, wie eben ein Mensch wirklich ins Abseits geraten kann. Natürlich auch durch Umstände, aber eben schon auch durch seine eigene Verantwortung, wie sie jeder Mensch trägt für sein Leben. Und sie haben ganz auf die fast erste Seite ihres Buches ein Zitat geschrieben aus der mündlichen Urteilsbegründung aus Freiburg von 1970 von dem damaligen Richter. Nicht die Zeit prägt den Menschen, sondern der Mensch sich selbst. Das spielt ja so ein bisschen auf die Lebensgeschichte von dem verurteilten Straftäter an. Was bedeutet dieses Zitat für Sie als Takeaway, sage ich mal? Also man schreibt ja auch ein Buch, denke ich, man wählt sich eine Geschichte für ein Buch aus, die mehr ist als die Summe von Ereignissen. Welche Bedeutung ist es Ihrer Meinung nach? Der Richter hat es so gemeint, dass es egal ist, aus welchen Umständen man kommt. Jeder ist sein eigenes Glückes Schmied, könnte man ja natürlich auch sagen. Also er hatte eigentlich alle Möglichkeiten, sich auch auf dem rechten Weg zu bewegen. Das hat er nicht gemacht. Er hat sich für den Falschen entschieden und ist kriminell geworden. Er hatte eine Ausbildung, er war Goldschmied. Er war schlau offensichtlich, er war also wirklich in keinster Weise irgendwie geistig nicht auf der Höhe oder sowas. Er hatte alle Möglichkeiten gehabt, aus seinem beschissenen Leben, sage ich jetzt mal, was Gutes zu machen. Er hat sich für den kriminellen Weg entschieden. Und ich glaube, in diesem Sinne ist dieses Zitat von dem Richter zu verstehen. Natürlich ist man auch immer das Ergebnis der Sozialisation, der Kindheit und welche Familienverhältnisse man hat. Aber man hat immer die Wahl, ein guter Mensch zu werden. Ja, was für ein schönes Schlusswort. Vielen Dank, Frau Heinecke. Dankeschön. Dass Sie heute bei mir waren und uns ein bisschen einen Blick in die Geschichte auch gegeben haben. Und ja, vielen herzlichen Dank für das Aufarbeiten. Danke. Dankeschön. Auch bei meinem ehemaligen Kollegen Ralf Strittmatter aus der Redaktion Müllheim möchte ich mich nochmal bedanken. Und auch andere haben ihm gedankt, als sein Artikel zum Fall 2022 in der BZ erschien. Es gab Reaktionen auf den Artikel, vor allem aus der Region. Ein Leser schrieb mir, das Opfer habe sich freiwillig als Geisel angeboten, statt einer Frau. Belegen ließ ich das leider nicht. Ein anderer rief mich an und erzählte mir den Tränen nahe, dass der ermordete Sparkassenleiter für ihn wie ein Ziehvater war. Für die Familie war die Geschichte ein Abschluss. Erst durch meine Recherche sprachen sie überhaupt zum ersten Mal offen darüber, Dass der Täter sein Leben lang in Haft war und im Gefängnis starb, wussten die Angehörigen nicht. Das hat erst der Artikel öffentlich gemacht. Das war BZ am Ohr. Vielen Dank fürs Zuhören und bis nächste Woche. Da geht's auch nochmal um einen historischen Kriminalfall, den meine Kollegin Gina Kuttkatt bespricht. Macht's gut, seid wieder dabei und bis dahin.