Latest / Fadegrad / Sehnsucht und Schrecken auf See
Transcript
- 0:01Hallo. Ich fand zum Beispiel ganz toll,
- 0:09wenn wir Zeit hatten und ne Mannschaft kennengelernt hatten.
- 0:13Schon standen wir auch am Hafen und haben schon mal gewunken zum
- 0:17Abschied, ja zum Abschied, wenn die Schlepper, Boote, Schiffe,
- 0:21das Schiff aus dem Hafen geschleppt haben und ein Paar
- 0:24noch Zeit hatten, dann standen die oben auf der Reling und wir
- 0:27haben die verabschiedet, das sind so ganz ganz kleine
- 0:30heimatliche Gefühle. Vater Grad der Podcast, der
- 0:43fragt, warum Menschen tun, was sie tun und wie sie geworden
- 0:46sind, wer sie sind. Keine See Party ist lustig.
- 0:56Heide Seeparty ist schön. So heißt ein altes Lied.
- 1:00Doch die Realität sieht ganz anders aus.
- 1:03Für Seefahrer ist es ein lebensgefährlicher Beruf mit
- 1:06langen Arbeitszeiten, befristeten Verträgen und kaum
- 1:09Ferien mehr als 90% aller Güter weltweit werden auf Schiffen
- 1:13über See transportiert, Seefahrer sind also ein
- 1:16unverzichtbarer Bestandteil unserer globalisierten Welt
- 1:19geworden. Manuela Schäfer hat einen Teil
- 1:22ihres Bildungsurlaubes in der sogenannten Bremer
- 1:25Seemannsmission im Norden Deutschlands verbracht und.
- 1:29Wir uns heute davon herzlich willkommen.
- 1:31Danke. Du bist selbst keine
- 1:34Seefahrerin, sondern reformierte Pfarrerin.
- 1:36Wie kam es dazu, dass du diesen Beruf ausübst?
- 1:39Ja, ich wollt schon immer was mit Texten und mit Menschen
- 1:43machen und fand das ne gute Kombination in der Theologie in
- 1:47der Gemeindearbeit. Ich hab schon als Jugendliche
- 1:50mitgearbeitet, als Freiwillige in meiner Kirche, Gemeinde mit
- 1:55Kindern, hab da positive Rückmeldungen und Erfahrungen
- 1:59gehabt und hab dann Theologie studiert.
- 2:02Und du bist reformierte Pfarrerin geworden.
- 2:04Ich treffe dich heute hier an deiner Wirkungsstätte in Uster,
- 2:08in der Nähe von Zürich. Schöner Ort um hier zu arbeiten,
- 2:12habe ich das Gefühl. Was schätzt du besonders an
- 2:15deinem Beruf? Ich mag sehr gerne Menschen in
- 2:18vielen Lebenssituationen kennenzulernen und zu begleiten.
- 2:23Und es ist ein sehr großes Vertrauen, was mir hier oder uns
- 2:28fahrpersonen entgegengebracht wird.
- 2:31Wie schon gesagt, ich mag es mit Sprache und Sprachen umzugehen,
- 2:34das ist ja immer dann, wenn wir Texte schreiben oder mit
- 2:37Menschen auch reden und. Ich hab das Gefühl, wir können
- 2:41dabei Positives und hilfreiches für die Menschen bewegen und
- 2:45natürlich auch inhaltlich Platz für Gott in unserer Welt und in
- 2:50unserem Leben freizuhalten und die gute Botschaft, die.
- 2:54Für ja für uns nötig ist. Und dass Gott nahe den Menschen
- 3:00ist und und dass jeder Mensch wertvoll ist.
- 3:02Und das hat auch was dann nachher mit der Arbeit des
- 3:05Seemannsmission zu tun. Mhm, ich mag die Abwechslung.
- 3:09Die Herausforderung, die jeder Tag mit sich bringt, dass ich
- 3:14meinen Arbeitsalltag recht frei oft gestalten kann.
- 3:18Raum für Kreativität hab und auch n Freiraum über Gott und
- 3:22die Welt nachzudenken. Also ganz vielfältige Dinge.
- 3:27Jetzt kann man eine Pfarrperson entweder in einem Dorf oder in
- 3:30einer Stadt sein, so wie du. Man kann aber auch in die
- 3:33sogenannte Speziale gehen, also Seelsorge, die sich an bestimmte
- 3:38Personengruppen richtet, zum Beispiel Gefängnisseelsorge,
- 3:41Krankenhausseelsorge. Du warst bei der Seemannsmission
- 3:46auch eine Form der Spezialseelsorge.
- 3:48Warum schon? Mit meiner Familie haben wir
- 3:52immer Ferien gemacht. An der deutschen Nordseeküste.
- 3:55In unserem Fall war das meist in der Gegend von Cuxhaven und da,
- 4:00wenn man am Strand sitzt und liegt und spazieren geht, sieht
- 4:04man die großen Frachtschiffe auf dem Weg in die Elbe nach Hamburg
- 4:09zum Beispiel. Dort ist der Schifffahrtsweg und
- 4:12dann sieht man diese großen Pötte Vorbeischwimmen, mit den
- 4:16Containern drauf, und die werden immer kleiner und oder kommen
- 4:21ran und da hat es mich schon immer mal interessiert, was sind
- 4:24denn die Menschen, die dort arbeiten und sich hinter diesen
- 4:28Stahlkolossen verbergen, und das war immer eine große Faszination
- 4:33für mich und so habe ich die Chance, den Freiraum, den unsere
- 4:37Kirche uns bietet, auch in anderen Gebieten zu arbeiten.
- 4:42Einen ganz kleinen Teil dafür genutzt.
- 4:44Wann warst du da bei der Seemannsmission?
- 4:46Ja, das war im Juli. 2021 ist auch schon ein bisschen her, hat
- 4:52mich aber bis jetzt sehr geprägt, deswegen hat es mir
- 4:55auch viel Freude gemacht, mich wieder zu erinnern, dran jetzt.
- 5:00Wir werden über die Sehnsucht der Seefahrer sprechen,
- 5:03Herausforderungen in das Seefahrt über Seefrauen, die
- 5:08Bremer Seemannsmission und vieles mehr.
- 5:19Kannst du dir vorstellen, warum ein junger Mensch sich dazu
- 5:22entscheidet, Seefahrer zu werden?
- 5:26Zunächst mal ist es eine Berufswahl mit dem, was wir alle
- 5:30ja auch damit verbinden, nämlich sein Lebensunterhalt
- 5:34finanzieren. Also das ist schon auch
- 5:36natürlich eine große Motivation, die Menschen müssen Geld
- 5:39verdienen, ihre Familie ernähren, sich selbst ernähren,
- 5:43oftmals haben die Menschen bekannte, Freunde oder aus ihrer
- 5:48Familie auch schon Personen, die in der Schifffahrt arbeiten,
- 5:52natürlich kommt auch das Abenteuer dazu, was?
- 5:56Welt die Welt bereisen, auch wenn man wenig von ihr sieht.
- 6:00Eigentlich. Man sieht meistens nur was.
- 6:03Man sieht oft nur Wasser oder den Hafen und wenn man Glück
- 6:07hat, kann man eben hat man Aufenthalt in der Stadt wo das
- 6:10Schiff dann grad ja im Hafen liegt.
- 6:14Natürlich gibt es auch einen Berufsstolz oder einen
- 6:16Zusammenhalt, gerade auch in der früheren Zeit erzählt das ältere
- 6:22europäische Seeleute sehr den Berufsstolz haben.
- 6:27Viele Berufe kommen davor, Techniker, nautiker, Ingenieure,
- 6:32Maschinisten, Elektriker, also alles, was so ein bisschen mit
- 6:35Technik auch zu tun hat. Dass natürlich sind Seefahrer
- 6:39sind oft studierte, ausgebildete Leute, das denkt man auch wenig
- 6:44eigentlich, es gibt nicht nur die Matrosen, das ist man für
- 6:47eine gewisse Zeit, wenige nur lebenslang, also die haben
- 6:52wirklich fundierte Ausbildungen, dass das überhaupt, ja das
- 6:56funktioniert da alles. Aus welchen Ländern kommen denn
- 6:59die meisten Seefahrer weltweit? Falls du das weißt und die, die
- 7:04in Bremen halt machen? Ich hab während meiner Zeit in
- 7:09Bremen und ich glaub es deckt sich auch ungefähr mit mit den
- 7:13deutschen Häfen. Mindestens.
- 7:15Habe ich vorwiegend Menschen aus den Philippinen erlebt, aus
- 7:19Indien, China, Russland und der Ukraine, da ist schon auch ja
- 7:24was politisches, auch dahinter, wie die Zusammenleben auf den
- 7:29Schiffen das auch sehr spannend und herausfordernd da leben.
- 7:32Russen mit Ukrainern auf. Einem Scheffia?
- 7:35Wow, genau. Sich auch alle kleineren.
- 7:39Also ich hab Menschen von den Kapverden getroffen, ganz
- 7:42hervorragende Seeleute und Myanmar, also so diese Ecke
- 7:46Offiziere hab ich auch n Herr aus aus den Niederlanden
- 7:50getroffen. OK, das heißt höhere.
- 7:54Ränge, besser gestellte Jobs. Sind auch Euromaisch europäisch?
- 7:59Ja, aber nicht ausschließlich, also ein sehr.
- 8:02Ein indischer Kapitän hat zum Beispiel in England studiert,
- 8:06also das schon sehr unterschiedlich, aber.
- 8:08Oftmals ja genau die Offiziere. Meine Seefahrerfahrung ist sehr
- 8:15begrenzt, beschränkt sich auf gewisse Fähren und
- 8:18Schlauchbootfahren im Urlaub. Ich kann mir das eigentlich gar
- 8:21nicht vorstellen, wieso ein typischer Arbeitsalltag eines
- 8:24Seefahrers so aussieht, kannst du uns da mitnehmen auf so ein
- 8:28Schiff? Ja, mitgefahren bin ich auch
- 8:32noch nicht. Das ist vielleicht mal dran ne
- 8:34Kabine zu buchen, auch auf einem Frachtschiff, das gibt es in
- 8:38seltenen Fällen, das auch Touristen mitfahren, die
- 8:42Seelsorgerinnen und Seelsorger von der Seemannsmission.
- 8:45Auch eher selten. Die sind den Häfen anzutreffen,
- 8:49daher das was ich so erlebt hab oder man mir erzählt hat die.
- 8:55Wichtigen Stationen, die auch sicherheitsrelevant sind auf
- 8:58einem Schiff, die sind natürlich in Schichten auch besetzt, also
- 9:01die Brücke, da muss immer jemand da sein, das ist klar, muss
- 9:05immer ein Offizierdienst haben auch.
- 9:08Und ansonsten? Ja, viele machen, wenn man jetzt
- 9:11auf See ist erstmal n Rundgang, man schaut was steht an, was
- 9:15liegt an, es sind lange Arbeitszeiten, also man hat
- 9:19Wochenstunden von 70 bis 90, Stunden sind da nicht.
- 9:23Es ist keine Seltenheit. Die Sicherheit muss immer wieder
- 9:27kontrolliert werden. Ist alles OK mit der Ladung,
- 9:31kleine Instandhaltungsarbeiten, die unterwegs möglich sind,
- 9:35putzen natürlich so die ganz normalen im Maschinenraum kleine
- 9:39Wartungsarbeiten durchführen und in der Küche gibt es natürlich
- 9:44den Koch und das Essen ist eine ganz wichtige Angelegenheit an
- 9:49Bord, das ist sehr sehr wichtig, dass die Seeleute gut verpflegt
- 9:53werden, das hebt die Stimmung. Oral, also der Koch ist meiner
- 9:59Meinung nach ganz wichtige Person.
- 10:01Nach dem Kapitän. Nach dem wichtigsten denk ich
- 10:04ganz sicher und wir wurden auch mal eingeladen.
- 10:07Also das beste indische Essen glaub ich hab ich auf an Bord
- 10:10von einem Schiff im. Hafen von Bremen gegessen.
- 10:14Es war ganz toll. Bei 70 bis 90 Stunden Wochen
- 10:18haben die Seefahrenden da auch Freizeit.
- 10:21Ja sicher, das schon. Natürlich n großer Teil geht auf
- 10:24Ausruhen und schlafen dann auch zurück und was Menschen auch
- 10:29hier auf dem Land oft machen, dass man im Internet unterwegs
- 10:32ist, wenn es denn Verbindung gibt oder Filme.
- 10:36Sich anschaut, Kontakt mit der Familie ist n Punkt und Musik
- 10:42ist auch ganz großes Thema. Musik hören, aber auch machen.
- 10:46Karaoke ist ganz n großer Gag, nein an Bord oder auch an.
- 10:51Im Seemannsclub, das ist ne Riesenfete da, also Karaoke ist
- 10:55sehr sehr n beliebt, Freizeitvergnügen aber auch
- 10:58Sport. Also es gibt da so
- 11:00Basketballturniere an Bord hätte ich auch nicht gedacht oder n
- 11:04Fußballturnier. Mit irgendwelchen Preisen oder
- 11:07auch n Grillfest. Also da wissen die Mannschaften
- 11:10auch oder die die Kapitäne, wie sie ihre Crew auch bei Laune
- 11:15halten müssen, ja. Cool.
- 11:18Und ja, noch mal die Station an Land.
- 11:21Da ist dann ganz, ganz viel los an im Hafen wird die Ladung
- 11:25gelöscht, wie die Fachsprache heißt, das heißt man lädt, man
- 11:30lädt ab und dann kommt wird wieder neu beladen, hat nichts
- 11:33mit. Feuer zu tun.
- 11:34Nein, genau, aber eben feuersicherheit Aspekt.
- 11:38Es wird auch getankt, so ein großes Schiff braucht natürlich
- 11:42auch, also da ist immer viel viel los die paar Stunden oder
- 11:46Tage die die Schiffe am Hafen festmachen.
- 11:50Da werden Sachen ausgebessert, die man unterwegs nicht machen
- 11:53kann, es wird eingekauft, es kommen verschiedene Behörden,
- 11:57verschiedene, die Reedereien, die Agenten kommen an Bord und
- 12:02natürlich die Menschen von der Seemannsmission, um ein bisschen
- 12:05Freude, Abwechslung und Gespräch zu bringen.
- 12:08Und dazu kommen wir dann noch. Was genau die Bremer
- 12:11Seemannsmission macht. Die Seefahrer, die
- 12:15transportieren ja Lebensmittel, Medikamente, Kraftstoff durch
- 12:19die Welt. Sie sind unverzichtbar für
- 12:21unsere Wirtschaft in einer globalisierten Welt.
- 12:24Findest du, Seefahrer werden für ihre Arbeit genug geschätzt.
- 12:29Es ist n Beruf, der eben nicht so sichtbar ist.
- 12:33Die Häfen sind da, hat hat man so keinen Zugang, normalerweise
- 12:38die als normaler Bürger Bürgerin und deswegen die Unsichtbarkeit
- 12:43führt eigentlich dazu, dass ich finde, dass die Wertschätzung,
- 12:47und dafür steht ja auch die Seemannsmission, die das Thema
- 12:50immer wieder in der Gesellschaft wach hält, auch und ganz, ganz
- 12:53viel tut. Also ich finde, die
- 12:56Wertschätzung könnte höher sein, denn all unsere
- 12:59Weihnachtsgeschenke, die ankommen, die werden von den
- 13:03Seeleuten transportiert. Merkt es eigentlich immer dann,
- 13:06wenn die Lieferketten eng sind, wenn irgendwo wieder was
- 13:09passiert ist oder durch die Weltlage, dann kommt das ins
- 13:15Blickfeld von uns. Also da wirklich n Augenmerk
- 13:19drauf haben auf diese Berufsgruppe, die ganz ganz viel
- 13:23am Laufen hält. Eigentlich.
- 13:25Die Zeit schreibt in einer Reportage von einer Welt, in der
- 13:29Waren besser versichert sind als Menschen und Vorschriften kaum
- 13:33durchgesetzt werden. Sie schreiben da über die Gulf
- 13:37Lifestock 1, ein Schiff, das untergegangen ist, wo auch schon
- 13:41im Vorfeld viele Matrosen und viele Besatzungsmitglieder auch
- 13:46ihren Verwandten geschrieben haben.
- 13:48Da passt das nicht, der Motor fällt die ganze Zeit aus, jetzt
- 13:50rationieren sie unser Essen, wir haben nicht mehr genug zu essen
- 13:53und jetzt fahren wir da auf einen Taifun zu, also eine
- 13:57unglaubliche Repartage, die werde ich auch verlinken in den
- 13:59Shownotes in der Podcast Beschreibung hast du da auch so
- 14:03Geschichten gehört oder ist das ein Einzelfall?
- 14:07Ja, ich hab das auch gelesen. Den Bericht den du da angebracht
- 14:11hast und das war schon sehr schockierend und es ist ja n
- 14:14extremer Fall, der da beschrieben wird.
- 14:17Ich hab es ganz oft erlebt, dass die Kapitäne oder die Reedereien
- 14:21auch Sorge tragen, also das ist wie eine andere Seite auch von
- 14:26dem Ganzen, die brauchen ihre Menschen dort an Bord, dass die
- 14:31gut arbeiten und dass viele Risiken eingegangen werden, das
- 14:35ist definitiv so, dass es schwarze Schafe gibt und
- 14:39Schlupflöcher. Und ganz seltsame Regularien.
- 14:43Das ist auch der Fall, aber eben, ich sprach von dem Essen
- 14:48da an Bord oder so und man sieht das schon wie ein Schiff auch
- 14:51instand gehalten wird und gerade auch in Deutschland sind die
- 14:55sind die Sicherheitsvorkehrungen sehr sehr hoch natürlich, also
- 14:59da gibt es wirklich, wie ich sagte, Kontrollen, also da kommt
- 15:02man, dann kommen dann die Behörden an Bord und tun manches
- 15:06über prüfen, wo dann die Augen zugedrückt werden.
- 15:09Werden und wo dann die Katastrophen passieren, das ist
- 15:12die andere Seite. Also es hat wie alles 2 Seiten.
- 15:19Dieser Podcast ist ein ökumenisches Projekt und wird
- 15:21präsentiert von den evangelischen und katholischen
- 15:24Kirchen, der Kantone St. Gallen und Appenzell.
- 15:26Danke für eure Unterstützung. Etwa 1,9 Millionen Seeleute sind
- 15:35in der Handelsschifffahrt aktiv. Jeden Monat müssen rund 100 000
- 15:39von ihnen abgelöst werden. Wie lange waren die Seeleute,
- 15:42mit denen du zu tun hattest oder mit denen, die anderen von der
- 15:46Seemannsmission zu tun hatten, durchschnittlich am Schiff und
- 15:49wie lange konnten sie ihre Familien, ihre Freundinnen zu
- 15:52Hause nicht sehen? Ja, was ich gehört habe, sind 6
- 15:57bis 9 Monate Vertrag ganz normal.
- 16:01Ein maximale gesetzliche Arbeitszeit sind wohl 12 Monate.
- 16:04Wenn ich das recht erinnere. In der Zeit war ja noch Corona
- 16:09auch weltweit ein Thema und. Die waren natürlich da auch
- 16:12massivst betroffen. Es konnte keinen Crew Wechsel
- 16:15stattfinden und da haben wir wirklich auch Leute, die 16
- 16:19Monate 18 Monate nicht zu Hause waren, auch lange nicht von Bord
- 16:25durften und auch Leute die gestrandet sind, in Hamburg zum
- 16:30Beispiel, also weil da halt warum in Hamburg, weil da der
- 16:34Sitz der Reederei war, und das waren Seeleute aus Kiribati, und
- 16:39die saßen da fest und konnten nicht nach Hause, das waren
- 16:43waren sehr herausfordernde Zeiten.
- 16:46Sind unglaubliche Schicksale auch.
- 16:47Absolut, ja. Ich denke mir.
- 16:48Wenn man 9 Monate unterwegs ist, theoretisch kann man da die
- 16:52ganze Schwangerschaft verpassen der Frau und dann ist das eigene
- 16:56Kind schon geboren, bis man wieder zurückgeht.
- 16:58Zum Beispiel sterben Menschen und werden Menschen geboren aus
- 17:01Familie und Freundeskreis. Und da ist natürlich auch das
- 17:05Internet ganz eine große Quelle, Kontakt zu halten.
- 17:08Aber wenn man mitten auf dem Atlantik ist, hat man dann eben
- 17:11auch kein Kontakt und kein WLAN und deswegen ist das auch was,
- 17:15was diese Seemannsmission oft. Sim Karten verkauft fürs Handy
- 17:21oder auch WLAN boxen für die Zeit, in denen sie am Hafen
- 17:25lagen. Der Kontakt ist ganz n großes
- 17:28Thema und ich durfte auch schon ein bisschen skypen mit den
- 17:31Ehefrauen, da dass die auch wussten, dass die in guten
- 17:33Händen sind, dass es oft sehr lustig, aber oft auch sehr, sehr
- 17:38traurig oder in Konflikt nicht geklärt werden kann zu Hause.
- 17:44Die meist sind es ja Väter, ihre Kinder nicht aufwachsen sehen.
- 17:47Ja, ein großes Opfer, das die Seefahrerin bringen.
- 17:59Es heißt, Depressionen und die Suizidrate unter Seefahrern
- 18:03seien besonders hoch. Woran liegt das?
- 18:06An dem, was du schon gesagt hast?
- 18:08Genau das. Haben wir eben gerade schon
- 18:10erwähnt, die lange Tränen Trennung von der Familie, aber
- 18:14auch Belastungen bei Krankheit. Also was ist wenn ich, wenn ich
- 18:18während so einer Zeit krank werde, werde ich dann
- 18:21aussortiert? Die harte, gefährliche Arbeit
- 18:26ist immer noch auch riskante, das an Bord oder sonstwie was
- 18:30passiert Wetterbedingungen hast du schon erwähnt also das ist
- 18:34ein großer Druck einfach dann. Auf engem Raum mit ganz vielen
- 18:39Nationen, mit ganz unterschiedlichen Menschen.
- 18:42Und da gibt es auch Konflikte an Bord, heftige manchmal auch,
- 18:46also wirklich ne Belastung durch solche menschlichen Sachen, aber
- 18:51auch durch. Äußere Umstände man hat von den
- 18:55Piratenüberfällen oft schon gehört, wohnt jetzt auch, sind
- 18:59in den Schlagzeilen gewesen. Die Huthi, Rebellen, die im
- 19:03Roten Meer, da beim Jemen ihr Unwesen treiben und dass es
- 19:08enorm belastend, der Zeitdruck, wie man die Routen abzufahren
- 19:13hat und wann man da und dort sein muss, das ist ein riesen
- 19:18Dilemma da. Umso wichtiger, dass es die
- 19:21Seemannsmission gibt. Das Motto der Seemannsmissionen
- 19:25weltweit heißt Support of Sea Farros Dignity, also die würde
- 19:30der Seeleute unterstützen. Was bedeutet das konkret?
- 19:35Die würde ist aus christlicher Sicht jedem Menschen von von
- 19:39Gott gegeben, und das ist die unverbrüchliche Grundlage, auf
- 19:43der wir uns begegnen, das heißt, den Menschen wertschätzen, also
- 19:47das, was die Seeleute am meisten auch ja gesehen zu werden in
- 19:52ihrer Arbeit, das hat ihnen wahnsinnig gut getan, also
- 19:56sowohl durch Gespräche, durch Angebote von Ritualen und
- 19:59Gottesdiensten, dass auch so die seelische Seite.
- 20:04Das Innere des Menschen wahrgenommen wird aber auch
- 20:07ganz, ganz praktische Hilfe. Praktische Unterstützung und
- 20:12aber auch die Lobbyarbeit in Politik und Gesellschaft für
- 20:16bessere Bedingungen. Auf der Webseite der Bremer
- 20:19Seemannsmission steht, dass die Seeleuten aus aller Welt ein
- 20:22Zuhause in der Fremde bietet. Das klingt ja sehr schön, kannst
- 20:26du an einem Beispiel erklären, was das konkret bedeutet?
- 20:30Wenn so n Schiff ne ähnliche Route hat, dann kommen die auch
- 20:34mehrmals in denselben Hafen und dann kennt man sich mit der Zeit
- 20:39und sie freuen sich immer riesig, wenn sie in den
- 20:42Seemannsclub können, das heißt man Landgang machen, dass man
- 20:46Kaffee trinken sehr sehr schön eingerichtet wie ne bar, wie ein
- 20:50café, Dart spielen, kicker, Tischtennis, ne Bibliothek, ne
- 20:55kleine Leseecke und ganz verschiedene Sachen gibt's in
- 20:59den in den Seemannsclubs und das ist wieso ein kleines
- 21:02Nachhausekommen dann wieder oder?
- 21:05Menschen, auf die sie treffen, die n.
- 21:08Offenes Ohr und n offenes Herz haben.
- 21:11Und das ist glaub n sehr großes Heimatgefühl, auch wenn man sich
- 21:15fremd ist. Auch wenn man von woanders
- 21:18herkommt. Und ich fand zum Beispiel ganz
- 21:21toll, wenn wir Zeit hatten und eine Mannschaft kennengelernt
- 21:25hatten, schon standen wir auch am Hafen und haben schon mal
- 21:28gewunken zum Abschied, ja zum Abschied, wenn die Schlepper,
- 21:32Boote, Schiffe das Schiff aus dem Hafen geschleppt haben und
- 21:36ein Paar noch Zeit hatten, dann standen die oben auf der Reling
- 21:39und wir haben die verabschiedet, das sind so ganz ganz kleine
- 21:42heimatliche Gefühle. Sehr schön.
- 21:46Du hast schon die Besuche an Bord erwähnt, also die
- 21:51Seemannsmission. Wenn sie darf, geht auch auf
- 21:54Schiffe, was macht ihr dann da? Also du hast schon etwas
- 21:59Angetönt mit WLAN, dass man da zur Verfügung stellt ja wie
- 22:03funktioniert das? Genau das ist das eine mit den
- 22:07Boxen und. Es gibt einen kleinen Shop mit
- 22:10mit Hygieneartikeln und mit Süßigkeiten oder Chips, wenn
- 22:15kein Landgang möglich ist. Wenn sie die Zeit zu knapp ist,
- 22:18dass sie nicht ein selbst einkaufen können, schätzen Sie
- 22:21es da auch mit Schokolade versorgt zu werden.
- 22:26Und auch mit Zeitungen. Also wir haben eine kleine
- 22:30Auswahl da gehabt von einheimischen Zeitungen in ihrer
- 22:34Sprache, und das wurde auch sehr geschätzt, die Fahrdienste, also
- 22:39man kommt teilweise ist die Innenstadt dann weiter weg vom
- 22:43Hafen, da können die nicht laufen und Taxis teuer, das
- 22:47macht dann die Seemannsmission Shuttledienst zum Seemannsclub
- 22:51oder auch mal etwas Touristisches in die Stadt, wenn
- 22:54sie das wünschen. Oder auch ja, dass man Telefonat
- 22:58ermöglicht wird, Geld überweisen, spezielle Sachen,
- 23:03wenn jemand krank ist, Medikamente oder so, das ist
- 23:06total vielfältig, was da passiert ist.
- 23:09Ja. Ich hör daraus, dass die Bremer
- 23:12Seemannsmission sehr auf aktuelle Herausforderungen
- 23:15reagiert und immer schaut, was ist gerade dran, was benötigen
- 23:19die Seefahrenden. Die Seemannsmission ist aber
- 23:23schon eine ältere Dame, der älteste Seemannsclub in
- 23:27Deutschland. Wer hat denn die wann gegründet?
- 23:30Ja, das habe ich auch nochmal nachgelesen.
- 23:32Das war 1852, also wirklich schon lange her und das waren
- 23:38Räder, der hieß Johann Carl Vietor und so fing es eigentlich
- 23:44an in Deutschland durch ne private Stiftung, eben ein
- 23:47Seemannsheim wurde da gegründet. Und was hat sich seit der
- 23:51Gründung verändert? Ja, das Regime in den
- 23:55Seemannsheimen. Heute heißt es auch nicht mehr
- 23:58Heim. Natürlich hat das Heim was
- 24:00heimeliges, auch und zuhause war das ja oft für die Seeleute, die
- 24:05eigentlich gar keinen anderen Wohnsitz hatten, sondern während
- 24:08ihrer Heimat während ihres Heimaturlaubes dort richtig, es
- 24:12war dann ihr Zuhause oder auch im im Ruhestand natürlich.
- 24:16Haben sie dann in diesen Heimen. Die haben dann da wirklich
- 24:19wirklich gewohnt. Und heute heißt es eben Hotel.
- 24:22Also das ist nochmal. Eine andere Ausrichtung und es
- 24:27dürfen auch Touristinnen und Touristen dort dann übernachten.
- 24:32Also ich kann da jetzt hinreißen bei einer Seemannsmission und in
- 24:36dem Hotel in. Bremerhaven zum Beispiel oder
- 24:38auch in Hamburg, wie ich, wenn ich es recht weiß, ist das der
- 24:41Fall, ja, das sehr, sehr spannend und aber leider wurde
- 24:462018. Auch aus ja verschiedenen
- 24:49nachvollziehbaren Gründen. Ist das jemand Hotel jetzt in
- 24:52Bremen zum Beispiel zugegangen, also die.
- 24:56Aufenthalte sind Planbarer, da ist ein Flug, da weiß ich, wann
- 24:59der geht und dann gehen die auch oft nach Hause.
- 25:03Die Seeleute, und natürlich wird es gebraucht, aber sie müssen
- 25:07auch nach einer gewissen Wirtschaftlichkeit natürlich
- 25:09schauen dann auch. Ich trinke hier Kaffee, sehr
- 25:21leckeren Kaffee aus einer Tasse, die du mir gegeben hast, wo
- 25:25Bremer Seemannsmission EV also ich nehme an für eingetragener
- 25:28Verein draufsteht, da ist so ein Logo drauf mit einem Schiff, mit
- 25:34einem Siegel und das Segel ist gleichzeitig auch ein Kreuz.
- 25:38Du hast schon die christlichen Werte erwähnt, die dahinter
- 25:41stecken, Mission klingt aber auch ein bisschen in die Jahre
- 25:45gekommen, oder was ist mit Mission genau gemeint?
- 25:48Ja, das ist eine weite Diskussion, natürlich.
- 25:51Es ist der klassische, traditionelle Name.
- 25:55Seemannsmission und aber oft stellen wir uns als seaferers
- 25:58Club denn auch vor, um wirklich eine Offenheit auch zu
- 26:01signalisieren. Und Mission heißt auch
- 26:05eigentlich Dialog, oder das heißt, jeder erzählt von dem,
- 26:09was sie oder ihn bewegt und ihm wichtig ist.
- 26:14Also der klassische Missionsbegriff und da grenzt
- 26:17man sich auch ab von. Anderen aggressiv
- 26:20missionierenden Gruppen, das gibt es ne ganz unheilvolle
- 26:23Geschichte von Kolonialisierung natürlich zwangszusammenhang
- 26:28absolut, und das ist das. Also ich hab ja von sehr
- 26:31praktischen Diakonischen Hilfeleistungen gesprochen, aber
- 26:35ganz ganz klar auf dem Hintergrund der christlichen
- 26:39Werte, die ganz fein gelebt werden.
- 26:42Wie hat dich dein Praktikum bei der Seemannsmission geprägt oder
- 26:46auch verändert? Ich.
- 26:49Sehr viele Einblicke genau in diese verborgene Welt bekommen
- 26:53und sehr viel Bewunderung auch von Leuten, die treu und und
- 26:59engagiert uns. Sehr viel auf sich nehmen und
- 27:03trotzdem auch wirklich n berufsstolz haben oder manchmal
- 27:06sogar auch sagen, wir vertreten jetzt unser Land hier, wenn wir
- 27:10wenn wir Besuch bekommen von euch und das hat mich sehr
- 27:15beeindruckt und ich lese und höre so Nachrichten, wir hatten
- 27:20jetzt, ich glaube im Oktober letzten Jahres war das die
- 27:23Havarie in der Deutschen Bucht, da sind 2 Frachter
- 27:26zusammengestoßen und es gab Todesfälle, da hat man so die
- 27:30Rettungsaktion. Nachlesen können oder auch 2001
- 27:35die Havarie der Evergiven im Suezkanal, so Nachrichtenhörig
- 27:41und Les ich ganz anders mit viel dran denken, was da jetzt los
- 27:46ist. Auch auf den Schiffen oder in
- 27:48dem ganzen Seemannsbetrieb, das hat mich sehr verändert und den
- 27:54Unterschied hier zur Gemeindearbeit auch von von
- 27:57Leuten, die ja sehr wir haben alle unser festes Zuhause hier
- 28:02und natürlich. Gibt es Menschen, die auch auf
- 28:04Montage sind oder weiter weg? Aber das ist schon sehr, sehr
- 28:07andere gesättelter Alltag, den wir hier leben und sehr viel
- 28:12Sicherheit und da ist eben sehr viel, ja sowohl spannendes also.
- 28:17Das soll nicht ja unter den Teppich gekehrt werden, dass
- 28:21viele sagen, das ist ein schöner Beruf, aber eben auch die
- 28:24anderen Seiten in Blick zu nehmen.
- 28:28Wir haben jetzt immer von den Seemännern und den Seefahrern
- 28:31gesprochen. Gibt es eigentlich auch Frauen
- 28:34in diesem Beruf? Das gibt es bei den Seeleuten
- 28:39sind es 2% weltweit, also sehr sehr geringe Quote und die
- 28:44allermeisten von den 2% sind im Kreuzfahrt Bereich tätig.
- 28:50Also. Nicht auf.
- 28:51Nicht auf der Fracht genau und es ist natürlich wie bei allen
- 28:56Frauen, die in Männerberufen arbeiten.
- 28:58Man muss sich beweisen, dass man auch die Kenntnisse hat, dass
- 29:01man auch bereit ist, sich die Finger schmutzig zu machen, man
- 29:05bekommt manchmal schon Kommentare wie.
- 29:09Ja, wegen Dir ist ein, hat jetzt ein russischer fähiger Seemann
- 29:13seinen Job nicht oder so, aber das ist eher selten, also in der
- 29:16Regel gewöhnen sich die die Crews dann auch da dran und man
- 29:21wird dann auch respektiert, das haben die Frauen schon sich
- 29:25durchsetzen können, aber das auch in anderen Berufen so, die
- 29:29klassischerweise von Männern aus geführt werden.
- 29:33Wie war es für dich als Praktikantin, als Frau in der
- 29:36Seemannsmission? Arbeiten auch im Kontakt mit den
- 29:39Seefahrern. Das hat mich sehr, wirklich
- 29:43positiv überrascht. Auch.
- 29:44Also es war eine große Höflichkeit mit ausgesuchter
- 29:48Höflichkeit. Ich wurde dann immer Mäh
- 29:50genannt, was mir fast schon ein bisschen unangenehm war, aber
- 29:53wirklich als sehr, sehr höfliche, nette Begrüßung,
- 29:57Anrede sehr und wirklich die Einladung zum Essen und ein
- 30:03ganz, ganz feiner, höflicher Umgang, da habe ich eigentlich
- 30:07ausschließlich positive Erfahrungen gemacht und
- 30:11natürlich schon auch die Freude, mal jemand anderes zu sehen als
- 30:14die 15 anderen Kollegen. Das ist auch schon der Fall.
- 30:20Vielen Dank für dieses spannende Gespräch und den Einblick in
- 30:23eine Welt, die mir bislang verborgen war.
- 30:25Sehr gern geschehen. Wenn ihr noch mehr über die
- 30:32Seemannsmissions sehen wollt, auch Fotos und Videos, dann
- 30:35schaut doch auf der Webseite Bremer Seemannsmissionen.
- 30:39Ist die I vorbei? Ich geb euch den Link auch in
- 30:41die Shownotes wenn euch dieser Podcast gefällt, dann empfehlt
- 30:45ihn weiter oder bewertet ihn auch in der Podcast App eurer
- 30:49Wahl, zum Beispiel auf Spotify, auf Apple Podcasts oder auf
- 30:52Youtube. Macht es gut, eure Ines.
- 31:03Vater Grad.