Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 1. Theil - 17 - Vom Wege des Schaffenden
Transcript
- 0:00Unterkapitel 17 vom Wege des Schaffenden Zarathustra spricht
- 0:06in diesem Teil zu jemandem, den er mein Bruder nennt.
- 0:09Er wendet sich an einen Menschen, der sich entschlossen
- 0:11hat, sich von der Masse abzuwenden und seinen eigenen
- 0:14Weg zu gehen. Zarathustra nennt diesen Weg den
- 0:17Weg des Schaffenden, ein Schaffender ist bei Nietzsche
- 0:20jemand, der nicht einfach nur Dinge herstellt, sondern der
- 0:23neue Werte und einen neuen Sinn für sein Leben erfindet, anstatt
- 0:27blind den Regeln der Gesellschaft zu folgen.
- 0:30Zarathustra beginnt mit einer Warnung.
- 0:32Er fragt, ob du wirklich bereit bist, in die Einsamkeit zu
- 0:35gehen. Er sagt, dass du vielleicht den
- 0:38Weg zu dir selbst suchen willst, aber du sollst noch einen Moment
- 0:41warten und ihm zuhören. Er erklärt, dass derjenige, der
- 0:45sucht, leicht verloren gehen kann, die Gemeinschaft, die
- 0:48Nietzsche hier die Herde nennt, also die große Masse der
- 0:52angepassten Menschen, sagt, dass Einsamkeit eine Schuld sei.
- 0:57Zarathustra erinnert dich daran, dass du lange Zeit selbst Teil
- 1:00dieser Herde warst. Er erklärt, dass die Stimme der
- 1:03Herde immer noch in dir nachklingen wird, wenn du sagst,
- 1:07dass du nicht mehr das gleiche Gewissen wie die anderen hast,
- 1:10wird sich das für dich wie ein Fehler oder ein Schmerz
- 1:13anfühlen? Nietzsche beschreibt hier, dass
- 1:15unser Gewissen oft nichts anderes ist, als die
- 1:18verinnerlichten Regeln der Gesellschaft, dieser Schmerz,
- 1:21den du fühlst, wenn du anders bist, stammt noch von diesem
- 1:24alten Gewissen. Aber Zarathustra fordert dich
- 1:27auf, diesen Schmerz zu nutzen, um etwas Neues zu schaffen.
- 1:30Du sollst deinen eigenen Weg gehen, auch wenn er schwer und
- 1:33traurig ist. Zarathustra stellt dir dann sehr
- 1:36ernste Fragen, um deine Stärke zu prüfen, er fragt dich, ob du
- 1:40das Recht und die Kraft hast, diesen Weg zu gehen, er fragt,
- 1:44bist du eine neue Kraft, bist du ein Rat, das aus sich selbst
- 1:47heraus rollt? Das ist ein Bild für jemanden,
- 1:50der seinen Antrieb aus sich selbst holt und nicht von
- 1:53anderen angestoßen werden muss. Er fragt, ob du Sterne zwingen
- 1:57kannst, um dich zu kreisen. Das bedeutet, ob du deine eigene
- 2:00Welt und deine eigenen Gesetze erschaffen kannst.
- 2:04Er warnt davor, dass es viele Menschen gibt, die einfach nur
- 2:07nach oben wollen, weil sie ehrgeizig sind oder weil sie
- 2:10lüstern nach Macht sind. Er will wissen, ob du nicht
- 2:14einer von diesen bist. Es gibt auch viele, die große
- 2:17Gedanken haben, aber innerlich leer sind, wie ein Blasebalg,
- 2:21der nur Luft auspustet. Ein ganz wichtiger Punkt ist für
- 2:24Zarathustra die Freiheit. Er fragt dich frei, wovon, das
- 2:29ist ihm egal. Er will wissen, frei, wozu er
- 2:33erklärt, dass es viele Menschen gibt, die ihr letztes bisschen
- 2:35wert weggeworfen haben, als sie ihre Pflichten und Ihren
- 2:39Gehorsam weggeworfen haben. Es reicht nicht, einfach nur vor
- 2:42etwas wegzulaufen, du musst ein eigenes Ziel haben.
- 2:46Zarathustra fragt weiter, kannst du dir selbst dein eigener
- 2:50Richter sein? Kannst du dir selbst befehlen,
- 2:52was gut und böse ist? Das ist furchtbar schwer.
- 2:56Er vergleicht es damit, allein im Weltraum zu sein, in der
- 2:59eisigen Kälte nur mit seinen eigenen Gesetzen.
- 3:03Er beschreibt die Gefühle, die auf den Einsamen zukommen.
- 3:07Heute hast du vielleicht noch Mut, aber bald wird dich die
- 3:10Einsamkeit müde machen, deine stolzen Gedanken werden sich
- 3:14klein anfühlen, du wirst schreien, ich bin allein.
- 3:19Es wird Zeiten geben, in denen du dein Ziel nicht mehr siehst,
- 3:22aber deine eigenen Schwächen und Niedrigkeiten sehr nah wirken.
- 3:27Dann wirst du vor Angst schreien, alles ist falsch.
- 3:31Zarathustra warnt dich auch vor den Gefühlen der anderen, es
- 3:35gibt Gefühle, die den Einsamen töten wollen, wenn du nicht
- 3:39stark genug bist, diese Gefühle zu ertragen, musst du sie
- 3:42vielleicht selbst töten, um zu überleben.
- 3:45Er fragt dich drastisch, bist du fähig ein Mörder zu sein?
- 3:49Damit meint er nicht, Menschen zu töten, sondern alte Bindungen
- 3:52und Gefühle rigoros abzuschneiden.
- 3:56Er spricht über Ungerechtigkeit, du zwingst die vielen Menschen
- 3:59umzudenken, wenn du dich veränderst.
- 4:01Das nehmen sie dir übel, auch wenn du ihnen nahe kommst,
- 4:04werden sie dir das vorbeigehen nicht verzeihen, Sie werden dich
- 4:08beneiden. Zarathustra sagt, dass die
- 4:11Menschen denjenigen am meisten hassen, der fliegt, also der
- 4:14sich geistig über sie erhebt. Zarathustra warnt dich besonders
- 4:18vor den guten und Gerechten. Das sind bei Nietzsche die
- 4:22Menschen, die stur an den alten moralischen Regeln festhalten.
- 4:26Er sagt, diese Menschen kreuzigen gerne diejenigen, die
- 4:29sich ihre eigene Tugend erfinden, sie hassen den
- 4:32einsamen, er warnt auch vor der inheiligen Einfalt, also vor
- 4:37Menschen, die alles ablehnen, was kompliziert oder nicht
- 4:40einfach zu verstehen ist. Sie verbrennen gerne Bücher oder
- 4:44Menschen auf dem Scheiterhaufen. Auch vor deiner eigenen Liebe
- 4:47sollst du dich hüten. Der Einsame streckt zu schnell
- 4:51jedem die Hand entgegen, dem er begegnet, weil er sich nach
- 4:54Kontakt sehnt. Aber manchen Menschen darfst du
- 4:57nicht die Hand geben, sondern nur die Tatze und Zarathustra
- 5:01will, dass deine Tatze auch Krallen hat, damit du dich
- 5:04wehren kannst. Aber die größte Herausforderung,
- 5:07der du begegnen kannst, bist du dir immer selbst.
- 5:10Du stehst dir oft am meisten im Weg, du musst bereit sein, durch
- 5:14eine tiefe innere Wandlung zu gehen.
- 5:16Wie willst du neu werden, wenn du das Alte nicht völlig hinter
- 5:19dir lässt? Das bedeutet, du musst bereit
- 5:22sein, dein bisheriges ich entschlossen aufzugeben, um dich
- 5:25von Grund auf neu zu erschaffen. Der Schaffende, also derjenige,
- 5:30der Neues hervorbringt, sucht Gefährten, keine Leichen oder
- 5:33Herden, er sucht Mitschaffende Zarathustra sagt, dass der
- 5:38Schaffende sogar seine eigenen Teufel braucht, um daraus seinen
- 5:41eigenen Gott zu formen. Zarathustra spricht auch über
- 5:44die Liebe und Verachtung. Er sagt, dass man sich selbst
- 5:48lieben muss, um kreativ zu sein, aber wer sich liebt, muss sich
- 5:52auch verachten können. Nur wer mit seinem jetzigen
- 5:55Zustand unzufrieden ist, ihn also verachtet, hat den Antrieb,
- 5:59sich zu verbessern und über sich hinauszuwachsen, das ist der Weg
- 6:03des Schaffenden. Zum Schluss spricht Zarathustra
- 6:06voller Gefühl zu dem Einsamen. Er fordert dich auf, mit deiner
- 6:10Liebe und deinem Schaffen in die Einsamkeit zu gehen.
- 6:14Erst viel später wird dir die Gerechtigkeit folgen.
- 6:17Er bittet dich, auch deine Tränen mit in die Einsamkeit zu
- 6:20nehmen. Zarathustra sagt, dass er
- 6:22denjenigen am meisten liebt, der über sich selbst hinaus etwas
- 6:25erschaffen will und dabei bereit ist, zugrunde zu gehen.
- 6:29Das bedeutet, dass man sein Leben und seine Energie
- 6:31vollständig in sein Werk und seine Ziele investiert, auch
- 6:35wenn es einen selbst aufzehrt.