Latest / Gin And Talk / Peter Freudenthaler über Lemon Tree, Musik und Haltung
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- 0:00Speaker 0: Mein Traum war, davon leben zu können, so bescheiden es klingt.
- 0:04Speaker 0: Und das ist aber so eine Dimension annehmend.
- 0:07Speaker 0: Selbst dieses Gefühl, was wir am Anfang bei Fools Garden hatten, da hatten wir schon auch relativ schnell gemerkt, dass da so eine Magie in unserem System steckt, dass es alles ganz toll flutscht.
- 0:16Speaker 0: Und es hat unglaublich Spaß gemacht und wir haben auch vor Lamentation eine ganze Menge erlebt und uns über alles gefreut.
- 0:22Speaker 0: Aber dass es tatsächlich ein Weltweiter Erfolg werden würde, das hätte ich nicht gedacht.
- 0:28Speaker 0: Wir sind kein One-Hit-Wander, wir sind ein One-Very-Big-Hit-Wander.
- 0:33Speaker 0: Ich glaube, man muss schon nicht nur in der Musik in allen Bereichen im Leben diesen Mut haben, dass man einfach springt, wenn man das Gefühl hat, jetzt müssen wir springen.
- 0:43Speaker 1: Herzlich willkommen.
- 0:44Speaker 1: Mein Name ist Daniel Fürk und ich freue mich sehr, euch heute zu einer neuen Episode Gen & Talk begrüßen zu dürfen.
- 0:51Speaker 1: Mein heutiger Gast ist Peter Freudenthaler, Frontmann von Fools Garden, Songwriter und die Stimme hinter einem der bekanntesten Songs der letzten Jahrzehnte.
- 1:00Speaker 1: Lemon Tree machte die Band Mitte der Neunziger schlagartig weltberühmt und brachte sie von kleinen Clubs in Süddeutschland bis auf Bühnen in Moskau, Tokio, Jakarta und Bangkok.
- 1:11Speaker 1: In seinem neuen Buch, Mein Leben als Zitronenbaum, blickt er zurück auf diesen überraschenden Erfolg, auf das Aufwachsen im Dorf, die ersten musikalischen Schritte, die Überforderung zwischen Bambi, Verleihung und Welttournee und darauf, was Musik über Erinnerung, Verantwortung und die Welt von heute erzählen kann.
- 1:30Speaker 1: Ich wollte von ihm wissen, wie man mit einem Hit lebt, der größer wurde als alles, was man sich je ausmalen konnte, wie sich die Musikbranche verändert hat und warum er glaubt, dass wir uns wieder mehr nach Echtheit und Nähe sehen.
- 1:43Speaker 1: Wenn dir diese Episode von Genantalk gefällt, folge uns bei Spotify, Apple Podcast oder wo auch immer du gerne Podcasts hörst und hinterlasse uns eine gute Bewertung.
- 1:52Speaker 1: Diese und viele weitere Episoden findest du auch als Videopodcast auf unserem YouTube-Kanal.
- 1:57Speaker 1: Jetzt aber viel Spaß beim Zuhören, schön, dass ihr alle wieder mit dabei seid.
- 2:10Speaker 0: Herzlich willkommen an unseren Bartresen.
- 2:14Speaker 0: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Gin and Talk.
- 2:19Speaker 0: Mach es dir gemütlich, lehne dich zurück und tauche ein in die verrucht düstere Atmosphäre unserer
- 2:27Speaker 1: Studio-Bar.
- 2:36Speaker 1: Lieber Peter, ich freue mich sehr, dass wir uns heute hier bei uns im Studio treffen können, um über dein Leben, über Zitronen, Bäume, über Musik und alles, was irgendwo dazwischen passiert ist, sprechen zu können.
- 2:48Speaker 1: Herzlich willkommen.
- 2:48Speaker 1: Herzlichen
- 2:49Speaker 0: Dank.
- 2:49Speaker 0: Ich freue mich auch sehr, hier zu sein.
- 2:51Speaker 1: Ich habe, bevor wir uns heute hier getroffen haben, mit ein paar Leuten darüber gesprochen, dass du kommst.
- 2:58Speaker 1: Und wir sind uns dann alle einig gewesen, dass Lemon Tree wahrscheinlich der einzige Song ist, wo alle gesagt haben, den könnte ich aus dem Stand mitsingen.
- 3:11Speaker 1: Und ehrlicherweise mir würde kein... Also klar, es gibt so Songs, die kann man dann nach zwei Bier so ein bisschen mitgrüllen.
- 3:18Speaker 1: Aber so wirklich textsicher ist man ja eigentlich selten, wenn man jetzt nicht der totale Ultra-Fan von irgendeinem Künstler ist.
- 3:26Speaker 1: Aber bei Lemon Tree ist es wirklich so, dass, glaube ich, ich aus dem Stand den gesamten Text kenne.
- 3:32Speaker 1: Und obwohl er ja nicht mal so banal ist.
- 3:35Speaker 1: sondern da ja durchaus schon eine gewisse Komplexität drin ist.
- 3:40Speaker 1: Wie erklärst du dir das, dass das wahrscheinlich vielen so geht?
- 3:43Speaker 1: Vielleicht
- 3:44Speaker 0: liegt es einfach dran, dass das Radio so oft gespielt hat, dass man gar nicht drumherum kam, den auswendig zu kennen.
- 3:53Speaker 0: Ich denke mal, jetzt Spaß beiseite, ich denke mal, dass es damit zusammenhängt, auch mit meiner Erfahrung, wie das Song entstanden ist.
- 4:01Speaker 0: Der Text kam nämlich tatsächlich auch wie aus so einem Guss.
- 4:05Speaker 0: Nicht jedes, nicht jedes Wort, aber das war so im Vergleich zu vielen anderen Songs, die ich geschrieben habe.
- 4:14Speaker 0: Das ging so schnell alles, als wäre es schon da gewesen.
- 4:17Speaker 0: Es hat sich jetzt blöder, als wäre ich ein Mädchen gewesen in diesem Moment.
- 4:21Speaker 0: Es ist einfach so geflutscht und dementsprechend kann man sich den Song wahrscheinlich besonders gut, besonders gut merken.
- 4:29Speaker 0: Vielleicht ist er in der DNA von jedem von uns verankert und hat so eine Resonanz erzeugt bei den Leuten draußen.
- 4:58Speaker 0: Aber das ist eh so ein Phänomen, finde ich, mit dem Alter werden, diese zeitliche Relation.
- 5:04Speaker 0: Auch heute merke ich, dass so Dinge, von denen wir meine Eltern erzählt haben oder meine Oma aus dem Krieg, wie nah die noch waren für die Generation unserer Eltern und wie weit die für mich als Kind weg waren, weil ich halt nur nicht so viele Lebensjahre hatte.
- 5:21Speaker 0: Heute kommt mir diese Vergangenheit viel näher vor, als ich sie vor vierzig oder fünfzig Jahren empfunden habe.
- 5:29Speaker 0: Also das ist schon eine ganz... Schon was sehr Spezielles mit der zeitlichen Relation.
- 5:36Speaker 1: Das ist richtig, ja.
- 5:37Speaker 1: Du hast irgendwo in deinem Buch geschrieben, die Geister, die ich rief und um den Erfolg, auch der dann ja so plötzlich damals auch kam, hättest du dir in deinen Künsten träumen damals ausmalen können, dass das passiert, also dass das so ein, also auch dieses Album, aber eben auch... Insbesondere dieser eine Song, so sehr durch die Decke geht, dass ihn auf der ganzen Welt Menschen kennen und erkennen und singen können und überhaupt.
- 6:10Speaker 1: Also war das in deinen Künstenträumen jemals irgendwie eine Vorstellung?
- 6:14Speaker 1: Natürlich
- 6:14Speaker 0: nicht.
- 6:15Speaker 0: Es wäre ja Größenwahnsinnig gewesen, an so etwas zu denken, das entspricht auch nicht mal naturell.
- 6:22Speaker 0: Aber natürlich habe ich als zwölf, dreizehnjähriger auch davon geträumt, mal in der Bravo zu sein oder Popstar zu werden.
- 6:29Speaker 0: Aber der Traum war relativ, ich habe einmal geträumt, Fußballweltmeister zu werden, somit, vierzehn, fünfzehn.
- 6:34Speaker 0: Aber das war alles nur temporär, kurzfristig.
- 6:37Speaker 0: Letztendlich ging es mal beim Musikmachen immer drum.
- 6:40Speaker 0: Mein Traum war, davon leben zu können, so bescheiden das klingt.
- 6:45Speaker 0: Und das ist aber so eine Dimension annehmend.
- 6:47Speaker 0: Selbst dieses Gefühl, was wir am Anfang bei Fools Garden hatten, da hatten wir schon auch relativ schnell gemerkt, dass da so eine Magie in unserem System steckt, dass es alles ganz toll flutscht.
- 6:56Speaker 0: Und es hat unglaublich Spaß gemacht.
- 6:58Speaker 0: und wir haben auch vor Lamentation eine ganze Menge erlebt und uns über alles gefreut, aber dass es tatsächlich ein Weltweiter Erfolg werden würde, das hätte ich nicht gedacht.
- 7:09Speaker 0: Aber freue mich umso mehr im Nachhinein, dass es das geworden ist.
- 7:12Speaker 0: Und dass der Song auch nach, um die zeitliche Kommandente normal aufzugreifen, dass der Song nach dreißig Jahren immer noch funktioniert und nicht irgendwie zum alten Eisen gehört, sondern anscheinend bei ganz vielen Menschen, was bewegt hat.
- 7:25Speaker 0: Und das ist ein ganz tolles, ganz tolles Gefühl.
- 7:29Speaker 1: Du bist in Forzheim aufgewachsen.
- 7:31Speaker 1: Das ist jetzt ja nicht so die absolute Weltmetropole.
- 7:34Speaker 1: Ich war da auch schon mal.
- 7:36Speaker 1: Das ist jetzt nicht so der Ort, wo man eigentlich das Gefühl hat, da ist irgendwie die Welt zu Hause.
- 7:42Speaker 1: Was macht es mit einem, wenn man gerade auch jetzt nicht aus einer, ich sag jetzt mal, internationalen Großmetropole kommt, sondern eher aus einem kleineren Ort kommt und dann auf einmal die ganze Welt auch bereist mit dem, was man macht?
- 7:57Speaker 0: Ich komme ja eigentlich aus einem noch kleineren Ort, ich komme aus einem kleinen Dorf bei Pforzheim, aber ich glaube, das ist komplett egal, wo du herkommst.
- 8:05Speaker 0: Natürlich hat man so eine gewisse Ehrfurcht vor den großen Metropolen.
- 8:09Speaker 0: Ich bin witzigerweise auf dem Weg hier gerade vorhin am Feuerwerk vorbeigefahren.
- 8:13Speaker 0: War ganz erstaunlich, dass es das immer noch gibt.
- 8:15Speaker 0: Ich habe das im Buch auch kurz mal erwähnt.
- 8:17Speaker 0: Da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben wir, da haben dass wir mal in München gespielt haben.
- 8:33Speaker 0: Da war schon eine Ehrfeucht davon.
- 8:34Speaker 0: Wir haben in München gespielt, dass es dann irgendwie ein Jahr später sogar Tokio geworden ist und Bangkok.
- 8:41Speaker 0: Und das war schon ein Knaller.
- 8:43Speaker 0: Aber mit Abstand habe ich das auch zu relativieren gelernt.
- 8:47Speaker 0: Und ich glaube, es ist vollkommen wurscht, ob du aus einem kleinen Dorf kommst oder aus einer Metropole wie New York.
- 8:53Speaker 0: Ich bin froh, dass ich aus einem kleinen Dorf komme und mit so was wie... mit so einer gewissen Ehrfurcht und sich selbst nicht zu ernst nehmen, Mentalität geimpft wurde.
- 9:07Speaker 0: Und auf der anderen Seite freue ich mich natürlich, bewiesen zu haben, dass man auch aus Neuhausen kommen kann und irgendwie was reißen kann auf dieser Welt.
- 9:17Speaker 0: Also als so kleinen Mutmacher für all diejenigen, die vielleicht aus noch kleineren Dorf kommen und denken, brauche ich das gar nicht probieren, werde ich eh nicht schaffen.
- 9:26Speaker 0: Also ich glaube... dass alles, was man in sich trägt, jeden Wunsch, dass man da auch das Zeug dazu hat, in die Realität zu bewegen und sich nicht einschüchtern lassen darf vor großen, großen Bühnen, großen Städten.
- 9:41Speaker 1: War auch die Botschaft vielleicht so ein bisschen der Punkt, wo du gesagt hast, ich schreib das jetzt mal alles auf in mein Leben als Zitronenbaum, also dass du deine Geschichte auch... Erzählst, um vielleicht auch anderen zu zeigen, es geht und man muss auch nicht irgendwie auf einmal völlig abheben und riesen Chaos bauen und irgendwie alles wieder kaputt hauen, sondern man kann irgendwie auch aus so einem Erfolg irgendwie ein nachhaltig glückliches Leben bauen.
- 10:09Speaker 0: Das war überhaupt nicht der Punkt, ganz ehrlich.
- 10:11Speaker 0: Und das ist jetzt kein anderes Statement.
- 10:13Speaker 0: Ich habe das schon ein paar Mal gesagt, als der Verlage auf mich zukam mit der Idee, ob ich mir nicht vorstellen könnte, den Buch zu schreiben, dachte ich wirklich am Anfang, Gott, wer will ein Buch von mir lesen.
- 10:23Speaker 0: Und der zweite Gedanke war, wenn ich ein Buch hätte von meinen Eltern oder Großeltern, die alle nicht mehr leben, das wäre schon cool.
- 10:32Speaker 0: doch noch so einige Fragen, die ich gerne gestellt hätte.
- 10:36Speaker 0: Die haben zwar viele Dinge erzählt, als ich klein war und habe ich noch mal aufgesaut.
- 10:39Speaker 0: Das hast du mir schon zigmal erzählt und heute würde ich tatsächlich gerne fragen.
- 10:44Speaker 0: Und da ich selber Kinder habe und vielleicht auch irgendwann mal mehrere Enkelkinder und Urenkel hoffentlich, dachte ich mir, ich lass mich einfach ein auf dieses Experiment, dann können die mal nachlesen, was der Alte so gemacht hat.
- 10:57Speaker 0: Und das war tatsächlich der Motor.
- 11:00Speaker 0: Allerdings war In diesem Schreibprozess ist dann schon so einiges passiert.
- 11:05Speaker 0: Und ich bin ganz froh, dass ich es gemacht habe, weil einfach Dinge wieder hochgekommen sind und auch jetzt im Nachhinein mir noch ganz viele Geschichten eingefallen sind, die ich jetzt gar nicht mehr reingepackt habe ins Buch.
- 11:15Speaker 0: Aber das macht schon was mit dir.
- 11:18Speaker 0: Du hast selber ein Buch geschrieben, auch so zwischendurch dieses händische, das bewegt irgendwas in den Hirnwendungen, habe ich das Gefühl gehabt.
- 11:26Speaker 0: Und war eine gute Erfahrung.
- 11:31Speaker 1: Also, gerade wenn man dann auch so eigene persönliche Geschichten aufschreibt, bringt ja eben auch noch mal alles hoch.
- 11:38Speaker 1: Man durchlebt das Ganze noch mal.
- 11:40Speaker 1: Und man kommt aber dann auch wieder an Punkte, die man vielleicht komplett vergessen hat, weil man dann vielleicht noch mal jemanden anruft und sagt, hey, du, wie waren das eigentlich aus deiner Sicht?
- 11:50Speaker 1: Und vergesse ich da irgendwas.
- 11:51Speaker 1: vielleicht, wenn ich es aufschreibe?
- 11:53Speaker 1: Gab es da so Momente, die du, ich sage es nicht verdrängt, aber die, die du gar nicht mehr so bewusst ... in deinem Kopf hattest, die dir dann beim Schreiben wieder aufgefallen sind, weil du, also man ist ja dann auch gerade, ich könnte mir vorstellen, gerade so die Jahre,九zig, sechs, neunzig, sieben, neunzig vielleicht, wo man auch wie in so einem Rausch war, im positivsten Sinne, weil einfach so viel passiert ist und man vielleicht dann auch manche Dinge in diesem ganzen Trubel vielleicht vergessen hat, die man dann in so einem Prozess auf einmal wieder herauskramt und sich bewusst daran erinnert.
- 12:26Speaker 0: Es gab schon einiges, das da wieder so hochkam.
- 12:28Speaker 0: Ich muss allerdings dazusagen, ich hatte ja auch stellenweise Tagebuch geschrieben und habe dann auch so ein bisschen nachgelesen wieder.
- 12:34Speaker 0: Witzigerweise, ich war vor ein paar Monaten bei einem Podcast eingeladen von Gregor Glöckner, der hat über den SWF III diesen Sender aus Baden-Baden einen ganz tollen Podcast gemacht, wo er so ehemalig beschäftigte von dort interviewt, hat über ihn sehr, sehr empfehlenswert.
- 12:50Speaker 0: Anke Engelke, den Christian Sievers, den... den Heute Journal, den Klaus Kleber und da haben ganz viele Leute gearbeitet, Elke Heidenreich und auch Matthias Matuschik, der als Moderator zu der Zeit gearbeitet hat, als bei uns lemon tree durch die Decke ging und er war sozusagen mit verantwortlich dafür, dass der Song dabei SWF drei überhaupt erst mal.
- 13:13Speaker 0: lief und dann höhere reaktion erzeugt hat und er hat uns beide unabhängig voneinander befragt.
- 13:19Speaker 0: zu der zu der zeit und wie wir das rück erinnern witziger feise haben wir das komplett unterschiedlich rück erinnert.
- 13:26Speaker 0: also es gab so diese.
- 13:27Speaker 0: es gab so ein konzert in Karlsruhe haaksfeld im irishaus wo für mein geschmack waren irgendwie zwischen fünfzehn hundert leute da.
- 13:35Speaker 0: er hat irgendwie von fünf oder sechs leuten gesprochen die da nur da gewesen sein.
- 13:40Speaker 0: das war schon witzig.
- 13:40Speaker 0: ich glaube ich glaube auch dass man kennt Man erzählt sein Leben lang Geschichten irgendwie von früher.
- 13:48Speaker 0: Und die verselbstständigen sich dann irgendwann.
- 13:51Speaker 0: Und da kommt ein bisschen was dazu.
- 13:52Speaker 0: Und irgendwann weiß man selber gar nicht mehr so richtig, war das denn jetzt wirklich so?
- 13:56Speaker 0: Das hat sich so fest narraviert.
- 14:01Speaker 0: Wie sagen wir, in der Narration durch ständige Erzählen bilden sich da Dinge, die man hinterher nicht mehr so hundertprozentig bestätigen könnte.
- 14:09Speaker 0: War es denn wirklich so?
- 14:11Speaker 0: Das war ganz spannend, aber ich bilde mir zumindest ein, dass ich den Großteil wirklich noch richtig rückerinnere.
- 14:17Speaker 0: Und wie gesagt, jetzt im Nachhinein, auch beim... Ich habe das Ganze noch mal gelesen als Hörbuch, dass mir eine ganze Menge Rechtschreibfehler aufgefallen.
- 14:28Speaker 0: Und also, wo mal ein S fehlt am Schluss oder irgendein Wort großgeschrieben ist oder kleingeschrieben, das ist eigentlich groß oder kleingeschrieben werden müsste.
- 14:37Speaker 0: Naja, das wird dann bei der nächsten Ausgabe korrigiert werden.
- 14:40Speaker 0: Und da sind wir aber auch beim Lautlesen dann wieder Sachen hochgekommen, so Geschichten, die ich nicht mehr mit reingepackt habe, wo ich dachte, ach, shit, hätte ich eigentlich auch noch mit reinschreiben müssen, aber man muss irgendwann eine Linie ziehen und sagen, jetzt ist Schluss jetzt, da muss man das ganze Ding auch abschließen.
- 14:56Speaker 1: Jetzt habe ich die Lemon Tree schon angesprochen und das passiert dir wahrscheinlich gefühlt in jedem Gespräch, dass natürlich jeder erst mal über diesen Song mit dir spricht.
- 15:05Speaker 1: Ich könnte mir vorstellen, dass das ja auf der einen Seite irgendwie Fluch und Segen zugleich ist, oder?
- 15:13Speaker 1: Also auf der einen Seite natürlich großer Erfolg, alles was da mit einem hergeht, Bekanntheit und auch natürlich ein wirtschaftlicher Erfolg, der wahrscheinlich bis heute anhält.
- 15:23Speaker 1: Aber gleichzeitig auch so ein Stück weit darauf reduziert werden, weil die Leute natürlich verständlicherweise alle diesen Song kennen.
- 15:33Speaker 1: Und sich aber gleichzeitig vielleicht gar nicht so sehr mit all dem anderen beschäftigt haben, was ihr gemacht habt.
- 15:39Speaker 0: Ja, aber es gibt trotz alledem Genügen, die sich trotzdem mit dem anderen beschäftigt haben und eine ganz oft gestellte Frage mehr Segen oder Fluch.
- 15:46Speaker 0: Wenn du mich heute fragen würdest, hättest du es lieber anders gehabt, lieber ein paar kleinere Hits und nicht so viel Erfolg mit dem einen.
- 15:53Speaker 0: Ich wollte nicht tauschen.
- 15:54Speaker 0: Ich blick total gern auf die letzten dreißig Jahre zurück, weil der Song hat uns so viele Türen geöffnet und so viele Geschichten erleben lassen, dass ich es eindeutig nur als Segen bezeichnen würde.
- 16:06Speaker 0: Natürlich gibt es so Momente, wenn du dann als One-Hit-Wonder in irgendeine Ecke gestellt wirst.
- 16:12Speaker 0: Das hört niemand gern.
- 16:13Speaker 0: Wir haben für uns selbst eine Begrifflichkeit entwickelt, die dann... Wir sind keine One-Hit-Wonder, wir sind eine One-Very-Big-Hit-Wonder.
- 16:23Speaker 0: Das ist schon okay.
- 16:26Speaker 0: Aber dadurch kommt ja auch dieser etwas ironisch angehauchte Titel.
- 16:30Speaker 0: Ich habe immer gesagt, wenn ich jemals ein Buch schreiben sollte, das war eher hypothetisch gedacht, dann nenne ich es mein Leben als Zitronenbaum, weil kein Tag vergeht, an dem ich nicht einmal auf diesen Song angesprochen werde.
- 16:43Speaker 0: Aber es ist okay, besser auf einen Song angesprochen werden als auf keinen.
- 16:47Speaker 0: Und wir selber definieren uns ja nicht nur über diesen Song, sondern haben in unserem In so einem Övre inzwischen über hundertfünfzig Songs, die wir geschrieben haben.
- 16:57Speaker 0: Und da haben es tatsächlich auch andere Songs in anderen Ländern zu klein, veritable Hits geschafft.
- 17:02Speaker 0: Und ich glaube, man darf sich da auch nicht verrückt machen.
- 17:06Speaker 0: Man muss sich immer wieder so ein bisschen reduzieren.
- 17:09Speaker 0: Klar ist Lemon Tree und Peak, aber es gab so viele andere kleinere Peaks, die einen genauso glücklich machen.
- 17:15Speaker 0: Das erste Mal, in der wir im Radio und Song gehört haben.
- 17:20Speaker 0: Das war auch schon ein großartiges Gefühl.
- 17:22Speaker 0: Das war nicht mal Lemon Tree, das war ein anderer Song von einem Album.
- 17:26Speaker 0: Das erste Mal, wie ich gerade vorhin erzählt habe, in München im Feuerwerk spielen, das sind alles solche Dinge, mit denen ganz viele Geschichten verbunden sind.
- 17:34Speaker 0: Und so sind mit allen Songs, die wir geschrieben haben, irgendwelche Geschichten verbunden, so musikalische Tagebucheinträge.
- 17:40Speaker 0: Und das ist der eigentliche Erfolg.
- 17:43Speaker 0: Und dann hat man noch zusätzlich so ein Strahleding im Gepäck wie den Zitronenbaum, also alles gut.
- 17:51Speaker 1: Du hast gerade gesagt, so um die Hundertfünfzig Songs Es sind ja irgendwie auch alles... Also ich kenne viele Musiker und Musikerinnen, die das dann so wie so ihre ganzen kleinen Kinder behandeln, die sie da irgendwie auf die Welt gebracht haben.
- 18:07Speaker 1: Gibt es denn einen Song, von dem du dir heute wünschen würdest, dass er viel mehr Aufmerksamkeit bekommen hätte, als er bekommen hat?
- 18:15Speaker 1: Also wenn du dir einen aussuchen müsstest, wo du sagst, okay, wenn ich jetzt nochmal einmal so einen... Maximalen Welthit-Erfolg hätte wie Lamentry und ich könnte mir aussuchen, welcher Song es sein soll.
- 18:29Speaker 1: Wüsstest du, welchen du wählen würdest?
- 18:31Speaker 0: Oh, da gibt es ganz viele, aber ganz ehrlich, also mir ist jeder Song wichtig.
- 18:36Speaker 0: Natürlich gibt es auch ein paar, die ich heute wahrscheinlich anders oder die wir heute anders machen würden.
- 18:40Speaker 0: Ich mach das ja nicht alleine, ich mach das ja mit meinen Kommandierungfolger zusammen.
- 18:44Speaker 0: Ach, da gibt es... Da gibt es einige, auf dem letzten Album, Rise and Fall, ist ein Song drauf, das wird nie ein Hit werden, aber der ist mir selbst sehr, sehr wichtig.
- 18:54Speaker 0: Der heißt, Those We Lost Erzie, wo es darum geht, um die Menschen, die im Mittelmeer alle ertrunken sind, das sind über zwanzigtausend Stück.
- 19:01Speaker 0: Und das war echt nicht einfach, dann Song darüber zu machen, weil man ja auch das Leid, wenn man das Leid anderer thematisiert und deshalb ist es auch ganz gut, dass er nicht so erfolgreich wurde, dann hätte es irgendwie auch so diesen, diesen Touch diesen touch von ja jetzt versucht man mit dem leid anderer irgendwie selbst sich selbst zu erhöhen oder sowas.
- 19:23Speaker 0: vielleicht deshalb ein schlechtes beispiel.
- 19:25Speaker 0: es gibt unglaublich viele songs die mir ganz viel ganz viel bedeuten.
- 19:29Speaker 0: aber trotz alledem glaube ich mit der erfahrung von lemon tree könnte das könnte kein anderer song mehr schaffen weil jetzt der song in so vielen bereichen entjüngfert hat und das erste mal irgendwo hingeschickt hat auf dieser welt.
- 19:44Speaker 0: aber ich habe das im buch ja auch beschrieben.
- 19:46Speaker 0: so Songs wie Dreaming oder Closer war mir ein ganz wichtiger Song zum Beispiel und er hat es in Russland zu einem verratablen Hit geschafft ohne dass wir das wussten.
- 19:56Speaker 0: und das Gefühl werde ich auch nie vergessen da auf der Bühne zu stehen im Gorky Park im Green Theater und den Song zu spielen und das ganze Publikum singt den Song mit und wir wussten vorher nichts davon dass die dieses Lied kennen.
- 20:09Speaker 0: jetzt hat in Russland irgendwie so ein wichtiger Sender diesen Song rauf und runter gespielt und das kriegst du halt hier in Deutschland nicht mit, was da im Radio läuft.
- 20:18Speaker 0: Aber das war schon ein eugasmatisches Gefühl da zu stehen und mit den Russen, mit dem ehemaligen, mit dem damals ehemaligen Feind, ich bin ja groß geworden zu Zeiten des Kalten Krieges, gemeinsam zu singen.
- 20:31Speaker 0: Deshalb finde ich das auch heute umso tragischer, dass, wie sich das alles wieder entwickelt hat.
- 20:38Speaker 0: Und ich habe erst vorgestern einen Anruf gekriegt von einem Freund aus Russland, der mich auch hin und wieder zu irgendwelchen Festivals eingeladen hat, dorthin oder uns als Band.
- 20:49Speaker 0: Und der hatte mich, das ist aber auch schon wieder ein Jahr her, mal gefragt, ob wir nicht vielleicht doch kommen wollen zu so einem Festival und spielen.
- 20:57Speaker 0: Und ich musste ihm dann leider sagen, Joris tut mir schrecklich leid, aber das können wir gerade nicht machen, weil wenn wir da hinkommen, das wird mit Sicherheit instrumentalisiert werden.
- 21:07Speaker 0: Das ist total blöd, weil ich nichts gegen die Russen an sich hab.
- 21:12Speaker 0: Aber das politische System hat sich einfach scheiße entwickelt.
- 21:17Speaker 1: Wenn man Künstler ist und auch Wege gefunden hat, um viele Menschen zu erreichen, du hast es gerade auch schon angesprochen mit diesem Song über die ertrunkenen Geflüchteten.
- 21:30Speaker 1: Wie findet man da die richtige Balance zwischen Verantwortung und ... Kunst im Sinne von, ich will auf der einen Seite nicht zu viel machen, ich will nicht zu viel politische Statements oder auch generell humanistische Statements kann man ja fast sagen, irgendwo reinbauen.
- 21:50Speaker 1: Und man aber trotzdem irgendwie der Verantwortung der Reichweite gerecht wird, dass man sagt, man möchte da schon auch irgendwie einen Standpunkt setzen und man möchte schon auch wahrgenommen werden, dass man da irgendwie auf der richtigen Seite der Werte steht.
- 22:05Speaker 0: Also mir ist es schon wichtig, ich bin auch ein politischer Mensch und ich äußer mich auch gerne dazu.
- 22:10Speaker 0: Ich bin jetzt nicht derjenige, der im Netz da groß seine Statements abgibt, weil ich schlichtweg keinen Bock hätte, mit irgendwelchen Ochsenköpfen dann plötzlich diskutieren zu müssen.
- 22:21Speaker 0: Da ist mir meine Zeit einfach zu schade, aber ich versuche schon irgendwie meine Haltung zu zeigen, auch bei Konzerten.
- 22:31Speaker 0: Ich versuche auch irgendwie das Bewusstsein zu schaffen für die Dinge, die uns umgeben und sagt es dann auch laut auf dem Konzert, dass wir, von meinem Geschmack wird viel zu viel geklagt heutzutage in unserer Welt, speziell in unserer Zivilisation hier.
- 22:50Speaker 0: Und ich habe das Gefühl, dass viele ... zu vergessen haben, was wir eigentlich trotzdem alles haben.
- 22:55Speaker 0: Trotz dieser, klar, die Zustände waren schon mal besser.
- 22:58Speaker 0: Und es könnte auch immer besser sein.
- 23:00Speaker 0: Aber wenn ich den Wasserhahn auftrehe, kommt da Wasser raus.
- 23:03Speaker 0: Und wenn ich hier durch die Stadt laufe, dann kann ich Sachen einkaufen zum Essen.
- 23:07Speaker 0: Und es geht natürlich nicht allen gut.
- 23:10Speaker 0: Und mir geht es wahrscheinlich wirtschaftlich auch ein bisschen besser als vielen hier in Deutschland.
- 23:16Speaker 0: Aber nichts, nichtsdestotrotz, finde ich, müssen wir, müssen wir gucken, dass wir mit unserem Bewusstsein die Wertigkeit der Dinge nicht übersehen.
- 23:27Speaker 0: Und da habe ich so ein bisschen die Sorge, dass das immer mehr zunimmt.
- 23:32Speaker 0: Uns umgeben so viele Dinge so selbstverständlich, aber in unserem Bereich, in der Musik, im Film und so, wir können zu jeder Tages- und Nachtzeit irgendwelche Konzerte inzwischen gucken auf YouTube oder jeden Song downloaden oder streamen und dadurch verlieren die Dinge alles so ein bisschen ihre ihre Wertigkeit und ihre Besonderheit.
- 23:51Speaker 0: Und ich glaube, da müssen wir ganz arg darauf achten, dass wir die Dinge weiterhin schätzen.
- 23:58Speaker 0: Und es ist vielleicht auch ein bisschen das Problem, dass die Generation unserer Kinder oder unserer Enkelkinder irgendwann hat, dass die diese Geschichte nicht mehr kennen von unseren Eltern und Großeltern, wie das war nach dem Krieg, dass es nichts zu essen gab, dass es kein fließendes Wasser gab.
- 24:13Speaker 0: Es gibt Menschen auf dieser Welt, die müssen vier Stunden rennen, um ein Grug Wasser irgendwo herzuholen.
- 24:18Speaker 0: Das finde ich schon immer ein ganz gutes Beispiel.
- 24:22Speaker 1: Legt es vielleicht auch daran, dass wir alle, also du hast die Eltern und große Elterngeneration gerade schon angesprochen, die nach dem Krieg noch das alles miterlebt haben, aber die ja tragischerweise oder logischerweise irgendwie immer weniger werden.
- 24:37Speaker 1: Aber legt es vielleicht daran, dass viele von uns, die heute irgendwie den Großteil der Gesellschaft ausmachen, in der Welt aufgewachsen sind und insbesondere im Land aufgewachsen sind, indem es immer einfach nur bergauf ging und es keine echten negativen Effekte gab, die sie zu spüren bekommen haben.
- 24:58Speaker 1: Und jetzt seit den letzten vielleicht sieben Jahren, wir merken, da kommen Punkte, die uns wirklich negativ beeinflussen, in dem Wohlstand vielleicht auch den wir haben.
- 25:07Speaker 1: Wir hatten die Pandemie, wir hatten das Thema Klimawandel, wo langsam auch einfach spürbar wird.
- 25:13Speaker 1: dass es Veränderungen gibt und man die nicht mehr irgendwie wegdiskutieren kann oder so tun kann, als würde es uns nicht betreffen.
- 25:21Speaker 1: Ist das vielleicht der Punkt?
- 25:22Speaker 1: Also dieses immer immer bergauf und wir kennen echte Krisen gar nicht außer aus den Nachrichten vielleicht aus anderen Ländern und Regionen dieser Welt.
- 25:32Speaker 0: Gut, aber das ist ja immer ganz schön weit weg.
- 25:34Speaker 0: Wir amüsieren uns ja mit diesen Nachrichten, so schrecklich das klingt.
- 25:37Speaker 0: Wir gucken irgendwelche Bilder über Kriege an und switchen anschließend, gucken wir klein gegen groß oder so irgendwas.
- 25:44Speaker 0: Ich glaube schon, dass es mit daran liegt und dass wir uns das auch selber gar nicht erkämpft haben, sondern dass wir das, also ich bin groß, bei mir gab es immer alles.
- 25:52Speaker 0: Ich hatte zu essen, ich hatte zu trinken, wir hatten Frieden, wir hatten... Echt eine Heilewelt.
- 25:57Speaker 0: Ich glaube, es ging noch keiner Generation so gut wie der unseren.
- 26:01Speaker 0: Ich hätte nicht vor hundert Jahren geboren sein wollen oder vor zweihundert im Mittelalter womöglich.
- 26:07Speaker 0: Aber vielleicht müssen wir zuerst wieder alles, das wäre eine schreckliche Vorstellung, aber vielleicht müssen wir zuerst wieder alles verlieren, damit man wieder realisieren kann, was man eigentlich hat.
- 26:18Speaker 0: Und jetzt haben wir, glaube ich, es geht uns ja immer noch gut.
- 26:20Speaker 0: Aber ich glaube, wir kriegen zu langsam eine Ahnung davon, wo das hinlaufen könnte, wenn man sieht, wie sich... wie sich da so radikale Tech-Milliardäre durchsetzen und plötzlich die Welt so nach ihrem Gustus planen, dass man das Gefühl hat, man hat es mit dem Bösewicht aus dem James Bond Film zu tun in mehreren Bereichen dieser Welt.
- 26:40Speaker 0: Und das ist schon eine komische Entwicklung.
- 26:43Speaker 0: und dass wir so in Unsamland, in Deutschland so das Gefühl kriegen, dass wir abgehängt werden, auch wenn man so in die Schul-Situation guckt oder die Infrastruktur und ... was so alles passiert und dieses viele Geld, was jetzt in Aufrüstung plötzlich wieder investiert wird, wo ich teilweise auch denke, Gott, was ist hier los?
- 27:02Speaker 0: Das wird uns wahrscheinlich gar nicht mehr so sehr betreffen, aber ich habe Kinder und ich hoffe echt, dass denen solche Dinge erspart bleiben, wie das, was da so gerade an die Wand gemalt wird.
- 27:17Speaker 0: Und gleichzeitig ist die Welt natürlich schon immer in Bewegung gewesen.
- 27:20Speaker 0: und Dieser Sonnenstrahl, der jetzt auf Deutschland geschehen hat, so lange Jahre, der wandert halt irgendwie weiter.
- 27:28Speaker 0: Und nach China, nach Südostasien, als wir da das erste Mal waren vor dreißig Jahren, war ich auch schon echt überrascht.
- 27:36Speaker 0: Ich bin da wahrscheinlich mit so ein bisschen Überheblichkeit auch hingefahren.
- 27:41Speaker 0: Hab gedacht, fährt da jetzt in ein Entwicklungsland und war ganz überrascht, wie hoch entwickelt die auch vor dreißig Jahren schon waren.
- 27:48Speaker 0: Da gab es witzigerweise dieses Diese Tamagotchis kannst du dir vielleicht auch erinnern, die man so füttern musste.
- 27:54Speaker 0: Die gab es bei uns noch gar nicht.
- 27:55Speaker 0: Die haben da schon kräftig diese Dinger gefüttert.
- 27:57Speaker 0: Und ein paar Monate später kamen sie dann plötzlich bei uns auf dem Markt.
- 28:02Speaker 0: Kleines Beispiel, aber das hat man dann wahrscheinlich einfach so ein bisschen verschlafen.
- 28:08Speaker 0: Aber wenn die Made zu fett wird im Spekt, dann wird sie halt auch trägeln, bewegt sich nicht mehr und denkt, das bleibt jetzt immer so.
- 28:18Speaker 1: Ja, da ist was dran.
- 28:20Speaker 1: Wenn wir da vielleicht mal so eine Brücke versuchen zu bauen, vielleicht ist die ein bisschen mutig von mir, aber ich versuche es mal.
- 28:27Speaker 1: Dieses ewige Bergauf.
- 28:30Speaker 1: Ich kann mir vorstellen, dass man ja, wenn man dann auf einmal so einen Welthit landet und man merkt, man soll hier auftreten, da auftreten, in dem Land einmal quer um Globus rundherum und überall gehen die Charts nach oben.
- 28:43Speaker 1: kommt man da irgendwann in so einen Rausch, wo man vielleicht auch denkt, okay, das ist jetzt ewig, geht das so weiter und wird nie enden?
- 28:49Speaker 1: Oder hat man eigentlich eher permanent Angst, dass es von heute auf morgen vielleicht wieder vorbei sein könnte?
- 28:56Speaker 0: Ne, ich hatte nicht Angst, dass es vorbei sein könnte.
- 28:58Speaker 0: Ich hatte am Anfang eher Angst, dass es überweiterst so geht, weil es mir echt schwindelig wurde.
- 29:02Speaker 0: Das habe ich automatisiert im Buch.
- 29:05Speaker 0: Ich konnte mich am Anfang gar nicht so richtig freuen.
- 29:07Speaker 0: Das haben auch wieder diese Geister, die ich rief.
- 29:10Speaker 0: Ich habe mir das natürlich... Einerseits gewünscht und habe mich darüber gefreut.
- 29:14Speaker 0: Und gleichzeitig war ich aber in solchen Situationen ausgesetzt, wie ich stand plötzlich in Leipzig.
- 29:21Speaker 0: Wir haben dem Mambi verliehen gekriegt und ein Jahr vorher noch im Feuerwerk, dann, wie mir fällt der Saal jetzt gerade nicht ein, wie heißt das Ding in Leipzig, dieser berühmte Saal.
- 29:36Speaker 0: In der Nesenbaobau ist in Dresden.
- 29:39Speaker 0: Mir fällt es gerade nicht ein, kommt vielleicht später.
- 29:41Speaker 0: Und da steht man plötzlich vor so einer Wand aus Prominenz und soll was sagen, der Bundespräsident sitzt da, Celine Dion, Arnold Schwarzenegger, Jürgen von der Liebe, alles Leute, die ich bis vor kurzer Zeit nur noch aus der Froschperspektive kannte.
- 29:56Speaker 0: Und auf einmal heißt es, sag was, ich muss dann plötzlich eine Rede halten.
- 30:01Speaker 0: Da wird sie schon schwindelig.
- 30:03Speaker 0: und vor so Momenten hatte ich dann auch wirklich große Ehrfurcht und war etwas ängstlich.
- 30:09Speaker 0: Aber Angst davor, dass das plötzlich wieder aufhören könnte, hatte ich nicht.
- 30:13Speaker 0: Ich war dann ganz im Gegenteil sogar eher auch wieder ein bisschen froh, als es mit der Anonymität dann wieder ein bisschen zunahmen, dass ich mich wieder normal bewegen konnte und so in der Öffentlichkeit.
- 30:26Speaker 0: Und heute ist es so, dass ich mich freue wie mich jemand.
- 30:29Speaker 0: Wenn mich jemand erkennt, dann kann ich mich darüber freuen.
- 30:31Speaker 0: Aber ich habe es auch mal anders erlebt, wo es dann nicht mehr so angenehm war.
- 30:36Speaker 0: Vor allem, wenn du mit kleinem Kind unterwegs bist.
- 30:38Speaker 0: Und dann hat auch deine Frau nicht unbedingt Bock, ständig mit diesem einen Thema konfrontiert zu werden, wenn du mit der Familie unterwegs bist.
- 30:47Speaker 1: Gab es da so ein Schlüsselmoment, wo du gemerkt hast, okay?
- 30:50Speaker 1: Scheiße, das ist jetzt echt ein bisschen aus dem Ruder gelaufen.
- 30:53Speaker 1: Also im positivsten Sinn natürlich, aber natürlich mit all den Nebeneffekten, die da kamen.
- 30:59Speaker 0: Nee, so richtig aus dem Ruder ist es nicht gelaufen.
- 31:03Speaker 0: Es gab so Momente, wo es manchmal unangenehm wurde, wenn du irgendwo hingekommen bist und dann... Du hast gemerkt, es wird getuschelt und die Leute erkennen dich, trauen dich aber auch nicht, dich anzusprechen, dann hat man das nicht so unter Kontrolle in so einem Moment.
- 31:17Speaker 0: Das ist wie wenn du in die Kneipe gehst und alle gucken dich an auf einmal und du weißt gar nicht warum.
- 31:21Speaker 0: Ich wusste dann warum, aber hatte trotzdem das Zepter in dem Moment nicht in der Hand.
- 31:26Speaker 0: Wenn ich auf eine Bühne gehe und sage, guten Abend und wir spielen unser Programm, dann ist es von vornherein eine Situation, der ich mich stelle, weil ich sie ja auch will in dem Moment.
- 31:37Speaker 0: Aber wenn du so privat unterwegs bist, dann, weißt du, unser Keyboarder war mal ganz, ist ein ganz zurückhaltender Kerl auch gewesen und da kam bei uns in ein Lokal, bei uns in der Gegend und wurde erkannt und dann ging es gleich los.
- 31:52Speaker 0: Ey, du bist der Keyboarder, aufsteil mal eine Runde.
- 31:55Speaker 0: Und der war da etwas eingeschüchter, das war sehr unangenehm.
- 32:00Speaker 1: Kannst du dir denn heute im Rückblick erklären?
- 32:03Speaker 1: Wie dieser vor allem dann auch internationale Erfolg überhaupt kam.
- 32:07Speaker 1: Also gab es da, gab es da irgendwelche Wege, Werkzeuge, die du heute im Rückblick vielleicht besser verstehst, die logisch erklären können, wo durch dieser Durchbruch plötzlich kam oder war es einfach nur Glück.
- 32:24Speaker 0: Also war sicher eine ganze Menge Glück mit dabei und dann war es halt der Song, der anscheinend wie ich vorhin schon sagte, irgendwie eine gewisse Resonanz in der DNA erzeugt hat.
- 32:33Speaker 0: Die Schlichtheit und Einfachkeit dieses Liedes, das auch nicht irgendwie konzipiert war oder am Reisbrett entworfen war, sondern das war wirklich ein, kann ich nach wie vor voller Stolz sagen, es ist ein ganz authentischer Song, der nicht irgendwie gewollt war, sondern der kam.
- 32:54Speaker 0: und das ist wahrscheinlich der... Grundlegende Erfolg von diesem Lied, der kam hier raus.
- 33:00Speaker 0: Und er ging direkt da wieder rein bei ganz vielen Menschen.
- 33:04Speaker 0: Und das ist halt nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.
- 33:07Speaker 0: Und da hat aber auch mit dazu beigetragen, dass bei der Intercord, unserer Blattenfirma damals, ein Mann gearbeitet hat, Rasmus Mochella, der war für die Exportabteilung zuständig.
- 33:19Speaker 0: Und der ist mit dem Song auf die Medium gefahren, nach Cannes, um seinen ausländischen Partnern.
- 33:26Speaker 0: vorzuspielen und kam zurück mit vollen Auftragsbüchern.
- 33:31Speaker 0: Alle wollten diesen Song haben in Südamerika, in Südostasien und da ging das Ganze los.
- 33:37Speaker 0: Da lief er halt dort im Radio zuerst mal nur so testweise und hat aber auch sofort dazu geführt, dass die Leute überall wissen wollten, was es ist von Lied.
- 33:45Speaker 0: Und das war so einfach ein Hit.
- 33:49Speaker 0: Ich gibt keine weitere Erklärung dazu.
- 33:53Speaker 0: Aber umso schöner, auch dass uns heute noch immer Nachrichten erreichen, auch von Menschen, die damals noch gar nicht geboren waren, dass es einfach so belegt, dass Musik einfach die Sprache der Welt ist, unabhängig, wo irgendjemand herkommt, ob wir aus Deutschland kommen oder aus England oder Holland oder sonst vorher, es ist was, worauf man sich einigen kann, auch dieses... dieses Beispiel mit Russland, vorhin da auf der Bühne zu stehen.
- 34:19Speaker 0: Und das in sämtliche Staatsform, sämtliche Ideologien plötzlich nebensächlich.
- 34:25Speaker 0: Man trifft sich da, wo es am wohlsten tut, bei Musik und Essen und Tanz und überhaupt Kultur, Theater.
- 34:34Speaker 0: Man kann das nicht hoch genug einschätzen, was das für uns Menschen eigentlich bedeutet, gemeinsam Dinge zu erleben, gemeinsam zu singen, gemeinsam zu schwingen mit... Ich könnte jetzt noch weiter ausholen.
- 34:45Speaker 0: Wir bestehen zum Großteil aus Wasser und Wasser schwingt und wir schwingen und man spürt es.
- 34:50Speaker 0: Du spürst, wenn jemand hinter dir steht und dir die Hand so an den Kopf hält.
- 34:54Speaker 0: Wir sind ganz, ganz sensible, empfindliche Wesen und wenn man damit musikantiert, dann, glaube ich, ist es der kleinste gemeinsame Nenner, auf den wir alle zurückfallen können.
- 35:07Speaker 1: Du hast vorhin gesagt, als du noch sehr jung warst, hast du dir irgendwie mal ausgemalt oder träumt, dass man vielleicht irgendwann von Musik mal leben könnte.
- 35:17Speaker 1: Gab es irgendwann den Moment, wo du gemerkt hast, okay, das funktioniert ja jetzt wirklich.
- 35:21Speaker 1: Also ich muss nicht mehr irgendwelche Jobs nebenher machen.
- 35:24Speaker 1: Ich muss nicht mehr irgendwie auf andere Art und Weise meinen Essen verdienen, sondern ich kann jetzt wirklich... von dieser Musikleben, von meiner Leidenschaft.
- 35:34Speaker 0: Als es dann losging, als wir den ersten Plattenvertrag dann den richtigen Plattenvertrag unterschrieben hatten, da war dann klar, jetzt haben wir für erst mal, wir kriegen jetzt ein bisschen Geld von der Plattenfirma und wir können jetzt einfach mal sagen, ein Jahr schaffen wir das jetzt.
- 35:48Speaker 0: Und dann war relativ schnell klar, als es so durch die Decke ging, das würde zuerst mal laufen, dass es allerdings dreißig Jahre lang so weitergehen würde.
- 35:56Speaker 0: Das war noch nicht abzusehen, aber ich glaube, man muss schon nicht nur in der Musik in allen Bereichen im Leben diesen Mut haben, dass man einfach springt, wenn man das Gefühl hat, jetzt muss man springen.
- 36:09Speaker 0: Und wir leben natürlich auch so ein bisschen in dieser Problemzone in unserer Welt, dass wir immer so mit Sicherheit geimpft werden und dass man gerne alles abgesichert haben möchte.
- 36:22Speaker 0: Aber ich glaube, Leben ist immer lebensgefährlich.
- 36:25Speaker 0: Immer unsicher und es gibt so viele Menschen, die diese Sicherheit nicht haben, wie wir hier.
- 36:30Speaker 0: Ich glaube, wir gehören zu den sieben Prozent auf der Welt, denen so geht, wie es uns geht.
- 36:35Speaker 0: Und wenn man sich das immer mal wieder ins Bewusstsein ruft, dann kann man durchaus besser dem Ruf seines Herzens folgen, als wenn man immer versucht, auch irgendwie den Bauspartvertrag noch füllen und hier nochmal eine Versicherung abschließen.
- 36:51Speaker 0: Das sind schon Dinge, die einhemmen und einem wegstehen.
- 36:54Speaker 1: Wie blickst du denn darauf wie sich die branche auch die letzten jahre verändert hat?
- 36:59Speaker 1: also eine welt in der Hits heute oft durch TikTok entstehen, weil sie da irgendwie viral gehen, eine Welt in der generell ohne Social Media nicht mehr so viel passiert, eine Welt in der Streaming-Dienste viel wichtiger sind als Plattenverkäufe, wo man vielleicht vor allem heute das Geld über Konzerte mehr verdient als über Plattenverkäufe.
- 37:22Speaker 1: Also es hat sich ja sehr, sehr viel getan in diesen, allein in diesen dreißig Jahren.
- 37:26Speaker 0: Ja, das hat sich eigentlich alles verändert.
- 37:29Speaker 0: Vor dreißig Jahren war Fernsehen noch eine heilige Kuh.
- 37:33Speaker 0: Heute war jeder schon mal zehn Minuten im Fernsehen irgendwie.
- 37:36Speaker 0: Radio hat noch eine ganz andere Macht gehabt.
- 37:38Speaker 0: Ich merke es an meinen Kindern, die hören kein Radio mehr, die gucken kein Fernsehen mehr.
- 37:42Speaker 0: Die sind inzwischen aber auch schon alle zwischen zwanzig und dreißig.
- 37:46Speaker 0: Die Welt bezieht ihre Informationen aus ganz anderen Bereichen heute.
- 37:53Speaker 0: Es ist, glaube ich, ganz normal, was mir so ein bisschen Sorge bereitet, ist tatsächlich, wie wird sich das weiterentwickeln mit der KI?
- 38:03Speaker 0: Ich habe vor zwei Wochen eine Mail bekommen von jemandem aus unserer Heimatstadt, aus Pforzheim, der uns fragte, ob wir nicht mal ein Song über unsere Stadt machen wollten, so als Pforzheimer Band.
- 38:14Speaker 0: Und er hätte schon mal vorab die KI bemüht und hat mir acht Songentwürfe zugeschickt.
- 38:21Speaker 0: Ich hab echt gedacht, ich fahl vom Glauben ab.
- 38:23Speaker 0: Das war erschreckend, erschreckend gut.
- 38:26Speaker 0: Vier auf Deutsch, vier auf Englisch.
- 38:28Speaker 0: Schreib mal über Pforzheim.
- 38:30Speaker 0: Allein das Wort Pforzheim geht ja nicht so einfach über den Lieben.
- 38:33Speaker 0: Schreib mal darüber ein Lied.
- 38:35Speaker 0: Und das war wirklich richtig gut.
- 38:37Speaker 0: Und ich dachte mir, oh Gott, oh Gott, oh Gott, was macht es mit uns?
- 38:40Speaker 0: Ich hab so eine App runtergeladen, Mirror AI heißt.
- 38:46Speaker 0: Da darf ich keine Werbung machen, aber wo du ... wo du Bilder in Bewegbilder umwandeln kannst.
- 38:53Speaker 0: Es ist auch erschreckend.
- 38:55Speaker 0: Und ich frage mich, was macht das mit unserer Gesellschaft, weil wir uns irgendwann nicht mehr über einen Weg trauen können, weil du nicht mehr weißt, hat er jetzt wirklich diese Frau geküsst?
- 39:05Speaker 0: oder hat es die die KI mit dem Bild gemacht?
- 39:11Speaker 0: War der wirklich dort?
- 39:12Speaker 0: Ist der wirklich in diesen Nachtclub reingelaufen?
- 39:15Speaker 0: oder sind noch die?
- 39:20Speaker 0: Die kleinsten Geschichten, aber merkt man jetzt schon, was ja auf den Social Media Kanälen alles so ausgespielt wird.
- 39:28Speaker 0: Ich glaube, wir werden in eine komplett verunsicherte Gesellschaft werden, in der niemand mehr dem anderen so richtig über den Weg trauen kann.
- 39:36Speaker 0: Aber dadurch, dass es ja immer irgendwie eine Gegenbewegung gibt, auch bei allem, könnte ich mir jetzt in meinem Fall oder in unserem musikalischen Bereich vorstellen, dass die Menschen wieder mehr das Bedürfnis kriegen nach musikalischer Intimität und nach Nähe und nach vielleicht auch wieder mehr Wertschätzung, diese persönliche Begegnung und nicht diese standardisierten E-Mails und Neujahrswünsche.
- 40:02Speaker 0: und was ist da alles?
- 40:04Speaker 0: Bedonnert, mit dem wir uns tagtäglich irgendwie beschäftigen müssen, wo wir das Gefühl haben, da muss ich jetzt drauf antworten.
- 40:09Speaker 0: Oder es ist so, wir sind so zugemült und müssen gucken, dass wir an die Kerne kommen unserer Existenz und uns gegenseitig wieder.
- 40:19Speaker 1: Absolut.
- 40:20Speaker 1: Ich meine, du hast es, wir haben vor einem Vorgespräch kurz vorgesprochen über Bruce Springsteen und die Verbindung, die er auch zu seiner Audience hat in den Konzerten.
- 40:29Speaker 1: Und ich habe schon das Gefühl, dass auch gerade in den letzten Jahren das thema live wieder extrem zugenommen hat und die leute wieder mehr auf konzerte gehen auch auf konzerte gehen wollen es teilweise natürlich auch regelrechte hypes gibt wenn man sich anschaut wie wie taylor swift zum beispiel letztes jahr ihre tour gemacht hat oder auch und was dafür mega events auch aus diesen konzerten gemacht werden inzwischen und gerade in Zeiten wo vielleicht der song selbst ein Stück weit austauschbarer wird, weil er eben durch KI auch mal eben schnell nachgebaut werden kann.
- 41:07Speaker 1: Ist es dann doch, glaube ich, diese persönliche Performance und die Energie, die ein Künstler oder eine Künstlerin dann auch wirklich zu den Leuten rüber bringt, oder?
- 41:16Speaker 0: Die Energie und ich glaube, da muss man gar nicht so, ich meine Coldplay-Konzerte und Bruce Springsteen, das ist alles phänomenal, fantastisch, Taylor Swift, die ist eine großartige Künstlerin.
- 41:24Speaker 0: Ich habe neulich ein Song gehört, den sie mit The National aufgenommen hat, wurde ich auch gedacht.
- 41:30Speaker 0: Wahnsinn.
- 41:31Speaker 0: Es gibt ganz viel tolle Musik, ganz viel tolle Content.
- 41:35Speaker 0: Das muss aber nicht so stadionmäßig sein.
- 41:37Speaker 0: Das kann auch wirklich im Kleinen sein.
- 41:38Speaker 0: Ich glaube, letztendlich sehen wir uns ja alle danach in dieser schnelle, wichen Welt nach Nähe und nach Intimität und nach Ehrlichkeit und Authentzität.
- 41:49Speaker 0: und in einer Welt, wie sie gerade ist, wie ich vorhin schon gesagt habe, wird es umso wichtiger, wird es umso wichtiger denn je.
- 41:56Speaker 1: Hast du noch einen Künstler, den du gerne mal live sehen würdest, wenn du einen wählen müsstest?
- 42:01Speaker 1: Und wählen könntest vor allem, also egal, wer es ist, lebend, noch lebend?
- 42:06Speaker 0: Also ich hab tatsächlich, ich war noch nie auf dem Coldplay-Konzert.
- 42:09Speaker 0: Ich kenne das auch nur aus dem Fernsehen.
- 42:11Speaker 0: Das macht mich aber schon auch anders.
- 42:12Speaker 0: Es finde ich schon großartig, was diese Band auf die Beine stellt und dabei auch immer noch so nahbar wirkt.
- 42:21Speaker 0: Das mag ich wirklich, mag ich wirklich sehr.
- 42:23Speaker 0: Und die haben ganz, ganz tolles Album gemacht.
- 42:27Speaker 0: Zwei mir der Titel natürlich für nicht ein.
- 42:29Speaker 0: Every day.
- 42:31Speaker 0: Du kennst es auch, ja?
- 42:32Speaker 1: Ich kenn's auch.
- 42:32Speaker 1: Das haben
- 42:32Speaker 0: sie in Jordanien, haben sie das dann noch live nochmal gespielt.
- 42:36Speaker 0: Das ist ein ganz tolles.
- 42:37Speaker 0: Das ist nicht so populär geworden, aber für mich so das Highlight von, von denen.
- 42:43Speaker 1: Ja, habe ich Coldplay letztes Jahr live in Düsseldorf im strömenden Regen.
- 42:48Speaker 1: Hat sich aber definitiv trotzdem
- 42:49Speaker 0: hier unten.
- 42:49Speaker 0: Das glaube ich ja.
- 42:50Speaker 1: Es war echt cool.
- 42:52Speaker 1: Ihr geht ja jetzt auch wieder auf Tour mit, mit eurem Jubiläums Programm sozusagen.
- 42:59Speaker 1: Ich habe schon gesehen, ihr habt ja einige Städte auch schon angekündigt und ich glaube Ticketverkauf läuft auch schon.
- 43:05Speaker 0: Läuft auch schon alles.
- 43:07Speaker 1: Wie hat sich denn dieses Live-Erlebnis für dich verändert?
- 43:11Speaker 1: Also bekommt man da über all die Jahre dann irgendwann so eine Routine, wo man ganz natürlich auf diese Bühne geht oder ist es immer noch irgendwie eine Anspannung, immer noch vielleicht sogar Lampenfieber oder so.
- 43:23Speaker 1: Also
- 43:24Speaker 0: ich sage immer, ich merke schon, bevor ich auf die Bühne gehe, dass ich jetzt nicht aufs Klo gehe, sondern dass da was anderes auf mich wartet.
- 43:32Speaker 0: Aber ich kann natürlich inzwischen schon viel gechildert mit der ganzen Sache umgehen.
- 43:37Speaker 0: Das war nicht immer so.
- 43:38Speaker 0: Ich erinnere mich auch noch an Schulzeiten.
- 43:40Speaker 0: Da gab es Fulsgarten noch nicht.
- 43:41Speaker 0: Da war ich schon zwei Wochen vorher so nervös, dass ich nichts mehr essen konnte.
- 43:45Speaker 0: Und nee, ich mache das schon gerne und habe Insofern auch eine Routine gekriegt, dass ich jetzt auch gerne was quatscht zwischen den Stücken und ganz anders auf der, mit einer ganz anderen Selbstsicherheit einfach auf der Bühne stehen kann, als das vor dreißig Jahren noch der Fall war, so aller Learning by Doing.
- 44:05Speaker 0: Da hat man schon eine ganze Menge gelernt und erlebt und schöpft jetzt auch aus einem großen Pot einer Erfahrung.
- 44:11Speaker 0: Ich hatte vor vier Wochen meine erste Lesung in Hamburg.
- 44:16Speaker 0: Das war noch mal was ganz anderes, da war ich tatsächlich auch mal wieder so nervös, wie ich es schon lange nicht mehr war, weil ich einfach in einem ganz anderen Gewässer gestochert habe an dem Abend.
- 44:28Speaker 1: Kann ich gut nachfüllen.
- 44:29Speaker 1: Ich habe jetzt auch vor kurzem das sehr angesprochen, ich habe auch ein Buch geschrieben, die ersten Lesungen gemacht und das ist so ein eigenartiges Gefühl, wenn der ganze Raum, also als Musiker oder Musikerin merkst du ja, da ist irgendeine Resonanz da und als ... Vorlesender merkst du einfach nur der ganze raum ist still und du hast also mir ging es so ich habe gar kein gefühl dafür.
- 44:52Speaker 1: wollen die das jetzt noch hören?
- 44:54Speaker 1: sollte ich jetzt lieber irgendwie aufhören?
- 44:56Speaker 1: oder wollen die noch mehr hören?
- 44:58Speaker 1: weil die resonanz kommt aber erst danach?
- 45:00Speaker 1: und also für mich super eigenartiges erlebnis
- 45:04Speaker 0: ja es war gutes alle.
- 45:05Speaker 0: wir haben auch ein bisschen musik dazu gemacht.
- 45:07Speaker 0: ich hatte meinen Keyboarder und Kitaristen mit dabei.
- 45:10Speaker 0: Wir haben dann so analog zu manchen Stellen im Buch dann auch fünf oder sechs Songs noch gespielt.
- 45:16Speaker 0: Das war ganz schön, aber so der erste Moment, da jetzt vorgehen und mit dem Buch dahin zu sitzen und laut zu lesen.
- 45:23Speaker 0: Das macht ja auch noch mal, weiß ich glaube ich, das letzte Mal meinen Kindern irgendwelche Märchen vorgelesen.
- 45:29Speaker 0: Und dann gab es halt auch ein paar Stellen im Buch, die ich so beim Leise lesen oder beim Schreiben.
- 45:36Speaker 0: Wo ich schon wusste, die sind emotional, die habe ich halt da laut vorgelesen und da hat sie mich dann noch zwei, drei Mal richtig gerissen.
- 45:43Speaker 0: Das Tolle war, dass als ich da in das Publikum geguckt habe, haben auch ein paar ganz feuchte Augen gekriegt.
- 45:48Speaker 0: Das war ein toller Moment, aber gleichzeitig natürlich auch, wenn du liest und du merkst, der stockt jetzt die Stimme, das will man ja nicht unbedingt.
- 45:57Speaker 0: Die kippte dann so weg und ich war dann aber ganz froh, dass die Leute dann auch in dem Moment gerührt waren.
- 46:05Speaker 1: ist so ein Jubiläum eigentlich auch ein Moment, wo man sich dann mit der Band auch noch mal hinsetzt und sagt, okay, was wollen wir denn eigentlich noch machen?
- 46:13Speaker 1: Also so vielleicht die nächsten fünf, zehn Jahre, wo man mal einen Plan macht und sagt, okay, vielleicht wollen wir mal was ganz anderes ausprobieren.
- 46:20Speaker 1: Vielleicht wollen wir irgendwie diese oder das oder jenes erreichen oder irgendwelche Themen in Songs einbauen oder wie auch immer.
- 46:27Speaker 0: Also über so Dinge spricht man natürlich so mit Themen in Songs oder was.
- 46:31Speaker 0: Das können wir mal schreiben und so.
- 46:33Speaker 0: Aber wir haben tatsächlich noch nie so einen richtigen Plan gehabt, für das was kommt.
- 46:38Speaker 0: Ich sage das immer wieder, wir haben nach wie vor eine tolle Reisegruppe, mit der ich tierisch gern unterwegs bin und ich hoffe, dass wir das noch eine ganze Weile machen.
- 46:49Speaker 0: Wir haben eine ganze Menge neuer Songs bereits im Petto, die noch ausproduziert werden müssen, aber es wird definitiv ein neues Album geben.
- 46:57Speaker 0: Ich hoffe, dass wir das auch schon fertig kriegen im nächsten Jahr und ansonsten.
- 47:02Speaker 0: Gibt es jede Menge Ideen nach wie vor und wir werden sehen wohin uns das treibt.
- 47:07Speaker 0: Aber was uns schon auch immer wichtig war, ist dieses Leben abseits der Musik zu genießen.
- 47:13Speaker 0: Dass man auch mal länger einen Urlaub macht und es gibt so viele andere schöne Dinge noch auf der Welt.
- 47:18Speaker 1: Das ist absolut richtig.
- 47:20Speaker 1: Ich danke dir sehr, dass du dir die Zeit genommen hast.
- 47:22Speaker 1: Ich
- 47:22Speaker 0: danke dir für die Einladung und das schöne Gespräch.
- 47:25Speaker 1: Und danke dir auch für den... angenehmsten und nachhaltigsten Ohrwurm, den ich seit ein paar Tagen nicht im Dauerkopf habe und nicht mehr rausbekomme.
- 47:34Speaker 1: Tatsächlich.
- 47:34Speaker 1: Aber es ist zum Glück einer der, der echt nicht nervt.
- 47:38Speaker 1: Und das ist irgendwie schön.
- 47:40Speaker 0: Ich weiß, dass es auch genügend Leute gehabt hat, die ja so ein Generft hat.
- 47:44Speaker 0: Aber...
- 47:45Speaker 1: Ich wünsche euch auf jeden Fall ganz schön.
- 47:47Speaker 1: Das ist bei dir
- 47:47Speaker 0: nicht der Fall war.
- 47:48Speaker 0: Ja, sorry.
- 47:48Speaker 0: Ganz
- 47:48Speaker 1: viel Erfolg auf eurer Tour und viel Erfolg mit dem Buch.
- 47:52Speaker 0: Vielen herzlichen Dank.
- 47:53Speaker 0: Und
- 47:53Speaker 1: ich bin sehr gespannt, was wir noch alles von euch hören werden.
- 47:57Speaker 0: Ja, ich auch.
- 47:57Speaker 0: Das ist ja das Schöne an der überhaupt am Leben, dass man, kennst du ja auch, wir stehen heute an einem Punkt, wo wir vor zwanzig Jahren noch nicht wussten, dass das in unserem Leben passieren wird.
- 48:08Speaker 0: Dass wir Menschen kennenlernen, dass wir Menschen über den Weg laufen.
- 48:11Speaker 0: Auch jetzt rennt da draußen irgendwo jemand rum, der uns noch nicht begegnet ist, aber den wir irgendwie treffen werden.
- 48:17Speaker 0: Und das finde ich das Schöne am Leben, dass es so viel Überraschung bereithält.
- 48:22Speaker 1: Absolut.
- 48:22Speaker 1: Man muss nur offen dafür sein.
- 48:24Speaker 0: Genau.
- 48:25Speaker 1: Danke dir.
- 48:26Speaker 1: Nicht danke
- 48:26Speaker 0: dir.
- 48:28Speaker 0: Das war es leider schon.
- 48:30Speaker 0: Die letzte Runde
- 48:31Speaker 1: ist
- 48:31Speaker 0: ausgetrunken, das Gespräch zu Ende.
- 48:34Speaker 0: Vielen Dank fürs Zuhören.
- 48:37Speaker 1: Bitten
- 48:37Speaker 0: im Rücksicht
- 48:38Speaker 1: auf die Nachbarn
- 48:39Speaker 0: und sei leise, wenn du die Bar verlässt.
- 48:41Speaker 0: Aber vergiss auf keinen Fall den abonnieren Button zu
- 48:57Speaker 1: klicken.