Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / #18 Folge 5: Der Frauenkörper als Schlachtfeld: Wenn die Sucht auf eine Essstörung trifft
Transcript
- 0:00Hallo und herzlich Willkommen zu dieser Analyse.
- 0:02Ich freu mich riesig, dass du heute wieder dabei bist, um dir
- 0:05Zeit für dich und deine Themen zu nehmen.
- 0:08Heute haben wir ein Thema, das ja oft so n bisschen im Schatten
- 0:11liegt, aber unglaublich wichtig und leider auch wirklich
- 0:14gefährlich ist. Es geht um die Enge, oft
- 0:16zerstörische Verbindung von Essstörungen und Zucht, gerade
- 0:20auch mit Blick auf Frauen. Grundlage für unser Gespräch
- 0:23heute ist ein sehr, sehr persönlicher Artikel von Gabriel
- 0:26auf nielix Berlin. Der Titel ist schon ziemlich
- 0:29eindrücklich, der Frauenkörper als Schlachtfeld, wenn die Sucht
- 0:33auf eine Essstörung trifft. Ja, und wir wollen heute
- 0:35gemeinsam verstehen, was dahinter steckt.
- 0:38Aber bevor wir da jetzt richtig tief einsteigen, ein wichtiger
- 0:40Hinweis, der steht auch bei Gabriel im Artikel, dieses
- 0:43Gespräch, das wir führen, das behindert sensible Themen, wir
- 0:46reden über Essstörungen, also Anorexie, Bulimie, Binge Eating,
- 0:51Wir reden über sucht, über Körperhass, teilweise auch über
- 0:54Selbstverletzung, achte bitte gut auf dich, während du uns
- 0:57zuhörst, wenn du merkst, es wird dir zu viel, mach ne Pause,
- 1:00schalt ab, das ist total OK und noch was ist uns wichtig, dir
- 1:04gleich am Anfang mit. Zu geben Gabriel, der diesen
- 1:06Text geschrieben hat, der ja hinter Nidix Berlin steht, der
- 1:09ist nicht nur jemand, der von außen drauf schaut, er ist
- 1:11selbst von sucht und psychischen Themen betroffen und teilt auf
- 1:14seiner Webseite auch sehr offen eigene Erfahrungen.
- 1:17Und das macht seine Sichtweise eben so wertvoll und, ja
- 1:20authentisch. Er macht das, um ne Brücke zu
- 1:22bauen, zu dir und dir zu zeigen, egal womit du kämst.
- 1:25Du bist nicht allein damit. Er beschreibt zum Beispiel, was
- 1:28das ihm in seinen über 28 Jahren sucht und Genesungserfahrung
- 1:32immer wieder aufgefallen ist. Frauen in selbst.
- 1:35Selbsthilfegruppen, die nach außen hin erfolgreich ihre
- 1:38Drogen oder Alkoholsucht überwunden haben.
- 1:41Aber innerlich führen Sie einen anderen Kampf, oft ganz heimlich
- 1:46den Kampf gegen eine Essstörung, sie hungern, sie übergeben sich,
- 1:50quälen sich. Das zeigt, so schmerzhaft die
- 1:54Sucht ist, nicht weg, sie hat nur ihr Gesicht verändert.
- 1:57Von der Flasche zur Waage, vom Pulver zur Fressattacke.
- 2:01Ja, das ist n ganz zentraler Punkt.
- 2:03Man spricht da oft von einer unheiligen Allianz und das
- 2:06trifft es leider ziemlich genau. Es ist eine der gefährlichsten
- 2:10psychischen Komorbiditäten, also das gemeinsame Auftreten von 2
- 2:14Krankheiten, die wir überhaupt kennen.
- 2:16Man kann sich das wirklich vorstellen wie ein Krieg, ein
- 2:18Krieg an 2 Fronten, der im Verborgenen gegen den eigenen
- 2:22Körper geführt wird. Dahinter steckt oft der
- 2:25verzweifelte Versuch, irgendwie mit innerem Chaos klarzukommen,
- 2:28mit Gefühlen von Überforderungen, von
- 2:30Wertlosigkeit. Und man versucht dann, durch
- 2:33Kontrolle über äußere Dinge, Gewicht, essen, den Rausch,
- 2:37dieses Chaos in den Griff zu kriegen.
- 2:39Und das knüpft ja auch an das an, was Gabriel zum
- 2:41gesellschaftlichen Druck sagt, beide Krankheiten sucht und
- 2:45Essstörungen Wurzeln oft in ähnlichen Erfahrungen, zum
- 2:48Beispiel diesem tiefen Gefühl, nicht gut genug zu sein.
- 2:52Und dieser Druck von außen, gerade auf Frauen, was das
- 2:54Aussehen angeht, der verstärkt das oft noch genauso wie die
- 2:58Schwierigkeit, mit schmerzhaften Gefühlen umzugehen.
- 3:00Es ist, als kämen da 2 Symptome aus der gleichen Wunde.
- 3:04Dieses Bild vom Krieg gegen den eigenen Körper, das ist schon ja
- 3:08erschütternd. Lass uns versuchen, das noch
- 3:10besser zu greifen. Gibt es denn konkrete Zahlen
- 3:14oder wissenschaftliche Belege, die zeigen, wie eng diese
- 3:17Verbindung wirklich ist? Ja, die gibt es.
- 3:21Und die sind durchaus besorgniserregend.
- 3:23Studien zum Beispiel von großen Organisationen wie der
- 3:26amerikanischen Neda, aber auch deutsche Zahlen, die zeigen eine
- 3:30sehr hohe Rate des gemeinsamen Auftretens, eben diese
- 3:34Komorbidität. Man schätzt, dass bis zu 50%,
- 3:37also die Hälfte der Menschen mit einer Essstörung gleichzeitig
- 3:41auch eine Substanzgebrauchsstörung haben.
- 3:44Die Hälfte. Wow.
- 3:45Ja. Und umgekehrt ist es auch
- 3:48beachtlich bis zu 35% der Menschen, die primär eine
- 3:52Suchterkrankung haben, leiden zusätzlich unter einer
- 3:56Essstörung. Das ist eine gewaltige
- 3:59Überschneidung, das kann man nicht ignorieren, was auch
- 4:02faszinierend und gleichzeitig beängstigend ist, wenn man ins
- 4:05Gehirn schaut. Die Forschung legt nahe, dass
- 4:08bei beiden Störungen ähnliche Prozesse im Gehirn fehlreguliert
- 4:11sind. Es geht da oft ums
- 4:12Belohnungssystem und die Impulskontrolle Bereiche, wo der
- 4:16Botenstoff Dopamin eine ganz wichtige Rolle spielt.
- 4:19Das Gehirn scheint auf das Hungern, die Fressattacke oder
- 4:22das Erbrechen mit einer ähnlichen Ausschüttung von
- 4:25Belohnungsstoffen zu reagieren wie auf Drogen.
- 4:28Das könnte erklären, warum sich diese Verhaltensweisen so ähneln
- 4:31und gegenseitig ja anfeuern können.
- 4:34Hm verstehe. Und wir müssen leider auch über
- 4:37die Sterblichkeit sprechen. Anorexie, also die Magersucht,
- 4:42hat ja schon für sich genommen eine der höchsten Todesraten
- 4:45unter allen psychischen Erkrankungen, wenn da noch eine
- 4:48Suchterkrankung dazu kommt, potenziert sich dieses Risiko
- 4:52noch mal dramatisch. Das macht diese Kombi eben so
- 4:55extrem gefährlich. Gibt es da bestimmte Muster, die
- 4:58besonders häufig sind? Ja, ein Phänomen, das in dem
- 5:01Zusammenhang oft genannt wird, ist die sogenannte Drunco Rexia.
- 5:05Das ist jetzt kein offizieller medizinischer Begriff, aber er
- 5:08beschreibt ein sehr riskantes Verhalten, dass man gerade bei
- 5:11jungen Frauen öfter sieht. Nämlich dieses bewusste Hungern
- 5:14oder starke Einschränken beim Essen, um die Kalorien, die man
- 5:18da spart, später durch Alkohol quasi wieder reinzuholen.
- 5:22Die Idee dahinter, trinken können, ohne zuzunehmen, eine
- 5:26ganz fatale Verknüpfung. Puh, okay das erklärt einiges,
- 5:31warum diese beiden Probleme so oft ja wie du sagst, Hand in
- 5:35Hand gehen. Es ist also nicht nur eine
- 5:37Ähnlichkeit im Verhalten, sondern es gibt tiefere
- 5:40psychologische und sogar neurobiologische Wurzeln, die
- 5:43sie verbinden, fast wie Zwillinge, wie Gabriel das
- 5:46nennt. Genau die neurobiologischen
- 5:48Parallelen im Belohnungssystem. Das ist ein wichtiger Teil
- 5:52davon, aber die gemeinsamen Wurzeln, die liegen oft noch
- 5:54tiefer. Psychologisch finden wir bei
- 5:56vielen Betroffenen ganz ähnliche Themen, ein niedriges
- 6:00Selbstwertgefühl, oft ein extrem hoher Anspruch an sich selbst,
- 6:03Perfektionismus. Dieses Gefühl, nie gut genug zu
- 6:08sein. Ja, genau dieses Gefühl, nicht
- 6:11zu genügen, oft auch Erfahrungen von Kontrollverlust in wichtigen
- 6:16Lebensbereichen und ganz häufig auch unverarbeitete traumatische
- 6:20Erlebnisse in der Vergangenheit. Diese inneren Zustände, die
- 6:24Lehre, die Angst, die Scham, die sind oft kaum auszuhalten, und
- 6:28genau hier kommen dann die Suchtmittel oder eben das
- 6:31Essverhalten ins Spiel. Sie werden oft unbewusst zu
- 6:34einer Strategie, um diese unerträglichen Gefühle zu
- 6:37regulieren, zu betäuben oder zumindest kurzfristig ein Gefühl
- 6:41von Kontrolle oder Erleichterung zu bekommen.
- 6:44Das Hai durchs Hungern oder die Fressattacke das Rauschgefühl
- 6:47durch Alkohol oder Drogen, beides erfüllen eine ähnliche
- 6:50Funktion. Es ist eine Flucht vor dem
- 6:52inneren Schmerz. Und das Tückische ist dann
- 6:54wahrscheinlich, dass sich das gegenseitig verstärkt.
- 6:57Absolut. Das ist das Tückische.
- 6:59Eine Störung wird oft benutzt, um die andere zu managen.
- 7:03Jemand mit Anorexie nimmt vielleicht Stimulanzien, um den
- 7:06Appetit noch stärker zu unterdrücken.
- 7:08Jemand mit Bulimie trinkt vielleicht Alkohol, um die
- 7:11Hemmschwelle für eine Fressattacke zu senken.
- 7:14Und nimmt dann am nächsten Tag was, um die Folgen zu bekämpfen.
- 7:17Genau, nimmt vielleicht Aufputschmittel um die
- 7:19gefürchtete Gewichtszunahme zu verhindern oder die Scham zu
- 7:23betäuben. So entsteht ein echter
- 7:26Teufelskreis, in dem sich die Krankheiten gegenseitig
- 7:29aufrechterhalten und immer weiter verschlimmern.
- 7:32Das klingt nach einer furchtbaren Abwärtsspirale, die
- 7:34sich ja unglaublich schwer zu durchbrechen ist.
- 7:37Wie zeigt sich denn diese zerstörerische Dynamik im
- 7:39Alltag? Wie kann man sich dieses
- 7:41gegenseitige Füttern der Krankheiten vorstellen?
- 7:43Gabriel nennt das die Gesichter der Zerstörung.
- 7:46Das sind so typische Muster, die immer wieder vorkommen und die
- 7:49zeigen, wie die eine Krankheit die andere anfeuert.
- 7:53Ein häufiges Muster ist zum Beispiel die Kombibulämie und
- 7:55Alkohol oder Stimulantien. Alkohol senkt die Hemmschwelle,
- 7:59das kann ne Fressattacke auslösen oder verstärken, danach
- 8:03kommen massive Schuld und Schamgefühle, die führen dann
- 8:07zum Erbrechen um diese Gefühle wieder zu betäuben oder am
- 8:10nächsten Tag die Folgen, also die Angst vor Gewichtszunahme zu
- 8:13bekämpfen, greifen manche dann zu stimulantien, Amphetaminen
- 8:17zum Beispiel. Ein ständiger Kreislauf aus
- 8:19Kontrollverlust, Scham und dem Versuch, die Kontrolle
- 8:22zurückzugewinnen. Bei der Anorexie sieht man oft
- 8:25die Kombination mit Substanzen, die den Appetit unterdrücken und
- 8:28Energie liefern sollen, um das Hungern durchzuhalten.
- 8:31Also quasi als Diätpille. Genau wie eine Art Diätpille
- 8:35missbraucht das Können Stimulantien sein wie Kokain
- 8:39oder Speed, aber auch hohe Dosen, Nikotin oder exzessiver
- 8:44Kaffeekonsum. Der Körper leidet dann doppelt
- 8:47unter der Mangelernährung und unter den schädlichen Effekten
- 8:50der Substanz. Ne doppelte Auszehrung.
- 8:53Und bei Binge Eating, also Fressattacken ohne Erbrechen.
- 8:58Da können Substanzen wie Cannabis oder Alkohol genutzt
- 9:01werden, um Hemmungen abzubauen, um die Fressattacke überhaupt
- 9:04erst zu ermöglichen. So ne Art Fressflash oder sie
- 9:08dienen hinterher dazu, die Scham, das Völlegefühl, den
- 9:12Selbsthass zu betäuben. Verstehe.
- 9:15Und dann haben wir wieder die Drunk Correxia, dieses bewusste
- 9:18Hungern, um Alkoholkalorien zu erlauben.
- 9:22Das kombiniert eben die Gefahren von Mangelernährung,
- 9:24Nährstoffdefiziten mit den Risiken von zu viel
- 9:27Alkoholkonsum auf leeren Magen, das verstärkt die schädliche
- 9:31Wirkung vom Alkohol noch mal. Das macht wirklich deutlich, wie
- 9:34komplex und wie gefährlich diese Verstrickungen sind.
- 9:38Wenn man das alles hört, fragt man sich ja schon.
- 9:41Gibt s da überhaupt nen Ausweg? Was kann man tun, wenn man
- 9:45selbst betroffen ist oder jemanden kennt?
- 9:49Gabriel spricht ja davon, dass Heilung nicht durch noch mehr
- 9:52Kontrolle beginnt, sondern durch Frieden und radikales
- 9:55Selbstmitgefühl. Das klingt erst mal wie n
- 9:58Widerspruch. Es klingt paradox, ja, aber es
- 10:00ist im Grunde der Kern der Sache.
- 10:03Der Weg aus dieser doppelten Abhängigkeit, der ist extrem
- 10:07herausfordernd, keine Frage. Aber er ist möglich, er
- 10:11erfordert aber einen ganzheitlichen Ansatz und vor
- 10:14allem, wie Gabriel das betont, radikale Ehrlichkeit sich selbst
- 10:18und anderen gegenüber. Man kann nicht eine Front
- 10:21ignorieren und hoffen, die andere zu gewinnen, Gabriel
- 10:24schlägt sozusagen einen Schlachtplan für die doppelte
- 10:27Front vor, der basiert auf mehreren Säulen.
- 10:30Okay ein Schlachtplan. Was sind das für Säulen?
- 10:33Die erste und wichtigste Säule, die ist laut Gabriel nicht
- 10:37verhandelbar. Integrierte Behandlung, das
- 10:41heißt, du brauchst professionelle Hilfe, die beide
- 10:44Erkrankungen versteht und behandelt.
- 10:46Ein Team aus Therapeuten, ärgsten, vielleicht
- 10:49ernährungsberatern, die Erfahrung mit dieser
- 10:51Doppeldiagnose haben. Es reicht also nicht, nur zum
- 10:55Suchtberater zu gehen oder nur zum Essstörungsspezialisten.
- 10:58Genau. Eine reine Suchttherapie, die
- 11:01die Essstörung übersieht, oder umgekehrt eine reine
- 11:04Essstörungstherapie, die die Sucht nicht mitdenkt, wird oft
- 11:08nicht ausreichen, weil eben die eine Störung die andere weiter
- 11:11befeuern kann. Im Idealfall arbeiten die
- 11:14Behandler zusammen oder eine Klinik, ein Therapeut hat
- 11:18Expertise in beidem. Okay das ist Punkt 1.
- 11:21Was noch? Die zweite Säule ist diese
- 11:23radikale Ehrlichkeit, von der wir sprachen.
- 11:25Das heißt, das Schweigen brechen.
- 11:28In der Suchtgruppe auch über die Essstörung sprechen und in der
- 11:31Essstörungstherapie auch die Suchtproblematik thematisieren
- 11:35diese Geheimniskrämerei. Die hält das kranke System oft
- 11:38am Leben. Das erfordert sicher Mut.
- 11:41Ja, enormen Mut. Die dritte Säule ist ein
- 11:44langfristiger Prozess, Frieden mit dem eigenen Körper
- 11:48schließen, das ist oft das schwierigste.
- 11:51Es geht darum, den Fokus wegzubekommen, vom reinen
- 11:53Aussehen hin zur Funktion und zum Wohlbefinden des Körpers.
- 11:58Was kann mein Körper eigentlich, was ermöglicht er mir?
- 12:02Da können Konzepte helfen wie Bodynutrality, also eine
- 12:06neutrale, nicht wertende Haltung zum Körper zu entwickeln, ihn
- 12:10einfach als Gefäß fürs Leben zu akzeptieren.
- 12:12Oder health that every size. Genau has at every size ist auch
- 12:16so ein Ansatz, der Gesundheit und Wohlbefinden von der
- 12:19Körpergröße entkoppelt. Kleine Schritte sind hier
- 12:23entscheidend, es ist ein Marathon, kein Sprint und die
- 12:26Vierte, die tiefste Ebene, die Wurzel heilen, also
- 12:30therapeutisch zu schauen, welches Gefühl, welche Angst,
- 12:33welcher Schmerz steckt eigentlich dahinter, welches
- 12:36Bedürfnis versuche ich durch das Suchtmittel oder des
- 12:39Essverhaltens zu erfüllen oder zu betäuben, oft liegen hier
- 12:42eben. Wie gesagt, Unverarbeitete
- 12:44Traumata oder Tiefsitzende negative Überzeugungen über sich
- 12:47selbst daran zu arbeiten, das ist essentiell für eine
- 12:51nachhaltige Genesung. Das klingt nach einem intensiven
- 12:54Weg, aber auch nach einem der Hoffnung gibt.
- 12:58Gabriel geht in seinem Artikel ja auch auf Fragen ein, die ihm
- 13:01oder vielleicht auch dir als Zuhörer jetzt so im Kopf
- 13:04herumgehen. Lass uns mal ein Paar davon
- 13:06aufgreifen, so als würdest du sie uns direkt stellen.
- 13:08Ja, sehr gerne. Das sind oft genau die Fragen,
- 13:12die unter den Nägeln brennen und viel Unsicherheit auslösen.
- 13:15Okay erste Frage, Ich war süchtig nach Drogen oder
- 13:18Alkohol, das habe ich jetzt im Griff, dafür kontrolliere ich
- 13:22aber extrem, mein Essen ist das nicht irgendwie besser als
- 13:25vorher? Puh, ja, das ist eine ganz
- 13:27wichtige Frage, weil sie so trügerisch ist.
- 13:31Die ehrliche Antwort darauf ist nein, es ist nicht wirklich
- 13:35besser. Es ist ein klassisches Beispiel
- 13:38für suchtverlagerung du hast im Grunde eine schädliche
- 13:41Strategie, also die Substanz durch eine andere ersetzt die
- 13:45Essstörung. Aber das zugrunde liegende
- 13:47Problem, der innere Schmerz, die Unruhe ist wahrscheinlich noch
- 13:50da. Und wir haben ja gehört,
- 13:52Essstörungen sind oft mindestens genauso gefährlich, wenn nicht
- 13:56gefährlicher als viele Suchterkrankungen, was die
- 13:58körperlichen Folgen und die Sterblichkeit angeht.
- 14:01Es ist letztlich die gleiche Krankheit, nur in einem anderen
- 14:04Gewand. Keine wirkliche Verbesserung,
- 14:06nur eine Verschiebung des Symptoms.
- 14:09Das ist ernüchternd, aber sehr wichtig, das so klar zu hören.
- 14:13Nächste Frage, was genau ist eigentlich drunk corexia ja.
- 14:17Hatten wir kurz angeschnitten, Drunk Corexia dieser
- 14:20umgangssprachliche Begriff beschreibt eben das Verhalten,
- 14:23die Nahrungsaufnahme stark zu reduzieren oder Mahlzeiten
- 14:26auszulassen, um die Kalorien für Alkoholkonsum einzusparen.
- 14:31Das Ziel ist oft, sich betrinken zu können, ohne Angst vor
- 14:34Gewichtszunahme. Das ist extrem riskant, hier
- 14:38kommen die Gefahren der Mangelernährung, mehr
- 14:40stoffmangel, Elektrolytstörungen, die fürs
- 14:42Herz gefährlich sein können, mit den Gefahren des Alkoholkonsums
- 14:45zusammen, Alkohol auf leeren Magen wirkt schneller stärker,
- 14:49die Leber wird zusätzlich belastet, das Risiko für ernste
- 14:53gesundheitliche Schäden steigt enorm.
- 14:56Eine ganz praktische und sicher oft drängende Frage.
- 14:59Wo finde ich denn Hilfe, wenn ich merke, dass bei mir beides
- 15:02eine Rolle spielt? Wo gibt es Experten, die beide
- 15:05Krankheiten verstehen? Ja, das ist die entscheidende
- 15:08Frage für den ersten Schritt. Es ist wichtig, gezielt nach
- 15:12Behandlungsangeboten zu suchen, die auf Doppeldiagnosen oder
- 15:16Komorbidität von Sucht und Essstörungen spezialisiert sind.
- 15:20Fragt bei Kliniken, Therapeuten, Beratungsstellen explizit
- 15:23danach. Es gibt Fachkliniken für
- 15:25Essstörungen, die oft auch Suchtkompetenz haben und
- 15:29umgekehrt Suchtkliniken mit Erfahrung bei Essstörungen, gute
- 15:32erste Anlaufstellen in Deutschland sind zum Beispiel
- 15:35der Bundesfachverband Essstörungen, kurz BFE, oder
- 15:38auch die lokalen Suchtberatungsstellen, die
- 15:40können oft weiterhelfen oder passende Angebote vermitteln,
- 15:43manchmal muss man n bisschen suchen, aber Hartnäckigkeit
- 15:46lohnt sich da definitiv. Dann eine Situation, die viele
- 15:50Betroffene leider nur zu gut kennen dürften.
- 15:52Mein Partner oder meine Familie sagt ständig, es ist doch
- 15:56einfach normal oder reißt dich zusammen, sie verstehen es
- 16:00einfach nicht, was soll ich tun? Oh ja, dieses Unverständnis von
- 16:04Angehörigen, das ist unglaublich verletzend und frustrierend.
- 16:08Ganz wichtig ist, erlaubt dir erstmal diese Verletzung zu
- 16:11spüren, dein Gefühl ist absolut berechtigt.
- 16:15Dann vielleicht in einem ruhigen Moment, kannst du versuchen zu
- 16:19erklären, dass es sich um eine ernsthafte psychische Erkrankung
- 16:23handelt, nicht um mangelnde Willenskraft.
- 16:26Vergleiche es vielleicht mit einer körperlichen Krankheit
- 16:29oder eben mit der Sucht, da würde man ja auch nicht sagen,
- 16:31Hör einfach auf, süchtig zu sein.
- 16:33Biete vielleicht Infos an diesen Artikel, unser Gespräch hier,
- 16:37Webseiten von Fachorganisationen vielleicht.
- 16:40Sogar ein gemeinsames Gespräch bei einer Beratungsstelle.
- 16:43Genau. Vielleicht ist dein Partner,
- 16:44deine Familie sogar offen dafür. Aber, und das ist ganz wichtig,
- 16:49deine Genesung hängt nicht davon ab, ob andere es verstehen.
- 16:53Hol dir Unterstützung für dich, auch wenn dein Umfeld es noch
- 16:57nicht nachvollziehen kann. Und die letzte Frage, die.
- 17:02Sicher viel Hoffnung, aber auch Angst mit sich bringt.
- 17:05Kann ich jemals wieder ein normales, unbeschwertes
- 17:09Verhältnis zum Essen und zu meinem Körper haben?
- 17:11Darauf gibt es ein klares Ja. Heilung ist möglich, aber es ist
- 17:16wichtig, realistisch zu bleiben. Es wird wahrscheinlich ein Neues
- 17:19normal sein, der Weg dahin ist oft lang, erfordert viel Arbeit,
- 17:23Geduld, Unterstützung. Es geht weniger darum, wieder
- 17:27völlig gedankenlos oder unbeschwert zu essen wie jemand,
- 17:30der diese Erfahrungen nie gemacht hat.
- 17:33Das ist oft nicht das Ziel, es geht vielmehr darum, ein
- 17:36bewusstes, Achtsames und selbstfürsorgliches Verhältnis
- 17:40zu entwickeln, zu lernen, Hunger und Sättigung wieder
- 17:43wahrzunehmen, essen als Nahrung zu sehen, nicht als Feind oder
- 17:48Trost und Frieden mit dem Körper zu schließen, so wie er ist.
- 17:52Es geht darum, die alten Muster und Dämonen, wie man so schön
- 17:55sagt, zu erkennen und zu lernen, mit ihnen umzugehen, anstatt von
- 17:59ihnen beherrscht zu werden. Ein Leben in Freiheit von diesem
- 18:02Zwang, das ist das Ziel, und das ist erreichbar.
- 18:06Ja, Gabriel fasst das in seinem Artikel am Ende noch mal sehr
- 18:09eindringlich zusammen. Seine Worte sollte man wirklich
- 18:12wirken lassen. Ja, sein Fazit bringt es echt
- 18:15auf den Punkt. Er beschreibt, wie der
- 18:17Kontrollverlust in der Sucht oft dazu führt, dass Betroffene
- 18:21verzweifelt versuchen, die Kontrolle über den Körper
- 18:24zurückzugewinnen, eben durch die Essstörung, ein gefährlicher
- 18:27Trugschluss. Wahre Kontrolle, so Gabriel,
- 18:31bedeutet nicht, den Körper zu unterwerfen, sondern den Mut zu
- 18:34haben, diese zwanghafte Kontrolle loszulassen und
- 18:38Frieden zu schließen. Das Loslassen als eigentliche
- 18:40Kontrolle. Genau.
- 18:42Sowohl die Sucht als auch die Essstörung sind letztlich
- 18:45versuche, überwältigende innere Zustände, Angst, leere Scham
- 18:50durch äußere Handlungen zu managen, zu betäuben.
- 18:54Es ist die Illusion von Kontrolle über das innere Chaos,
- 18:57er bringt ja auch das. Beispiel der Frauen, die
- 18:59äußerlich clean sind, aber innerlich von der Essstörung
- 19:03zerfressen werden. Die Substanz ist weg, aber die
- 19:06zugrunde liegende Krankheit ist unbehandelt geblieben und sucht
- 19:10sich einen neuen Ausdruck. Die Wurzel bleibt die.
- 19:13Ältesten Aufgaben überhaupt, sie erfordert den Verzicht auf
- 19:16Suchtmittel und die Beendigung dieses Krieges gegen den eigenen
- 19:20Körper. Sie erfordert sich selbst wieder
- 19:23nähren zu lernen, emotional und physisch.
- 19:25Es ist ein langer, steiniger Weg, keine Frage.
- 19:28Aber es ist der einzige Weg in ein wirklich freies und
- 19:31lebendiges Leben. Ein Leben, in dem man nicht nur
- 19:35überlebt, sondern einfach sein darf.
- 19:37Sehr starke Worte. Und wenn dir diese Besprechung
- 19:40gefallen hat, wenn du die Arbeit von Nelix Berlin wertvoll
- 19:43findest, dann würde sich Gabriel riesig über deine Unterstützung
- 19:47freuen. Du kannst Gabriel helfen, indem
- 19:50du diesen Beitrag auf Social Media teilst oder uns hier auf
- 19:53den Plattformen Spotify, Apple Podcasts bewertest und Likest.
- 19:58Das Projekt Nilix Berlin wird komplett allein von Gabriel
- 20:01finanziert und erstellt jede Form der Unterstützung hilft
- 20:04Gabriel mit diesem Projekt, sich selbst und gleichzeitig auch
- 20:08anderen Betroffenen zu helfen. Sein persönliches Motto, das ihn
- 20:12antreibt, lautet, aus allem schlechten in seinem Leben etwas
- 20:16Gutes zu machen, das war wirklich ein tiefer Einblick in
- 20:19ein Komplexes, oft schmerzhaftes Thema, die vielleicht wichtigste
- 20:23Botschaft heute ist. Wenn du oder jemand, den du
- 20:26kennst, von dieser doppelten Belastung betroffen ist, suche
- 20:29dir Hilfe, die beide Aspekte sucht und Essstörung im Blick
- 20:33hat und sei nachsichtig mit dir selbst.
- 20:36Mitgefühl ist auf diesem Weg keine Schwäche, sondern deine
- 20:39allergrößte Stärke. Absolut.
- 20:41Und als einen letzten Gedanken möchten wir dir mitgeben.
- 20:44Du hast jetzt viel über diesen Kampf gehört, diesen Krieg gegen
- 20:47den Körper. Vielleicht nimmst du dir einen
- 20:50Moment Zeit und fragst dich. Gibt es vielleicht einen winzig
- 20:54kleinen Schritt, den du heute gehen könntest?
- 20:56Nicht um weiter zu kämpfen, sondern um einen Hauch von
- 20:59Frieden mit deinem Körper zu schließen.
- 21:02Es muss nichts Großes sein, vielleicht nur ein anerkennender
- 21:05Gedanke, einfach ein Anfang. Vielen Dank, dass du dir die
- 21:09Zeit genommen und zugehört hast. Pass gut auf dich auf und bis
- 21:12zum nächsten Mal.