Latest / Theater Basel Podcast / In Motion – Folge 1: ‹Eyal/Goecke›
Transcript
- 0:02Speaker 2: Der Podcast
- 0:03Speaker 0: vom Theater Basel.
- 0:26Speaker 0: Herzlich willkommen zu dieser neuen Podcast-Reihe von Ballett
- 0:30Speaker 1: Basel!
- 0:30Speaker 0: Mein Name ist Lea Stadelmann und in dieser Reihe blicken wir gemeinsam hinter die Kulissen, wir sprechen mit Tänzer, Choreografinnen, Dramaturginnen und auch Musikern.
- 0:43Speaker 0: Wie Sie in den beiden Ausschnitten der Musik am Anfang schon gehört haben, geht es in dieser Folge um zwei verschiedene Ballette die beim Doppelabend Eyal Gökke in Basel gezeigt werden.
- 0:55Speaker 0: Was erwartet das Publikum bei diesem Doppellabend, Eyal-Gökke?
- 0:59Speaker 0: Diese Frage habe ich vor der Premiere unserer Ballettdramaturgin Lucy Machang gestellt.
- 1:06Speaker 1: Die Idee hinter diesem Doppelabend ist, zwei sehr unterschiedliche choreografische Welten miteinander in Beziehung zu setzen.
- 1:13Speaker 1: Auf der einen Seite Sharon Eyal's Bedroom Forg mit den elektronischen Beats von Ori Lichtig auf der anderen Seite Marco Gökis Auseinandersetzung mit Stravinsky´s Lissacre du Printon.
- 1:25Speaker 1: In beiden Stücken geht es um das Individuum die Gruppe und die Beziehungen zwischen den beiden.
- 1:32Speaker 1: Le Sacré du Printon wurde in den Ur aufgeführt.
- 1:37Speaker 1: Warum verwenden wir dieses Werk von Stravinsky heute noch?
- 1:41Speaker 1: Weil, bis heute eine unglaubliche Kraft und auch Radikalität besitzt.
- 1:49Speaker 1: Bei der Uraufführung in Paris kam es zu einem Tumult im Publikum.
- 1:54Speaker 1: Die Musik von Stravinsky und die Choreografie von Wastlapnijinski waren für viele damals schlicht zu neu, zu laut, zu körperlich und zu fremd.
- 2:05Speaker 1: Und das war ein Skandal!
- 2:08Speaker 1: Und genau diese Radikalität ist für uns heute noch interessant – was passiert wenn Musik- und Tanz unsere Erwartungen an das, was Ballett sein soll in Frage stellen?
- 2:19Speaker 0: Wir beginnen mit dem Werk von Igor Stravinski «Le Sacre du Prantons».
- 2:24Speaker 0: Vor über hundert Jahren, im Jahr nineteenhundertzehn wurde das Ballett in Paris gut aufgeführt.
- 2:33Speaker 0: Die Premiere ist inzwischen fast schon zu einem Mythos geworden – denn dass was Stravinsky und der Choreograph Waslav Nijinski damals auf die Bühne brachten empfand das Publikum als unglaublich radikal!
- 2:46Speaker 0: Heute, über hundert Jahre später spielt das Sinfonieorchester Basel diese Musik beim Doppelabend Eyal Gökül live.
- 2:55Speaker 0: Die musikalische Leitung übernimmt dabei der gebürtige Basler Thomas Herzog.
- 3:00Speaker 0: Ballettstramaturgin Lucy Machern hat dem Vorfeld mit ihm gesprochen – sie wollte von ihm wissen was die Musik von Stravinsky damals so radikal machte!
- 3:10Speaker 0: Und warum Lysacre du Pranton bei seiner Uraufführung für einen solchen Aufrohr sorgte?
- 3:17Speaker 2: Ja, das ist schwer sich hineinzuversetzen in das Publikum von damals.
- 3:21Speaker 2: Aber wenn wir uns das vorstellen... Wir kennen das Stück seit vielen Jahren und haben es oft gehört.
- 3:28Speaker 2: Wir kennen viel Musik die danach beeinflusst wurde bis heute bis zur zeitgenössischen Musik.
- 3:37Speaker 2: Ich glaube dass das Radikale Wuchtige in dem Werk war damals schon in seiner Ausprägung ganz neuartig.
- 3:53Speaker 2: Ein Beispiel pochender Rhythmen, Schlagzeug viele Taktwechsel kompliziert klingende Akkorde dissonante Harmonik gab es in einzelnen Elementen.
- 4:06Speaker 2: alles vorher auch schon aber in dieser Konzentration war das schon neuartig.
- 4:11Speaker 2: Und gleichzeitig, finde ich auch wenn wir uns heute mit dem Stück befassen hat es immer noch was wahnsinnig packendes direktes so körperliches und ich glaube dass war wenn man sich vorstellt da wurde ja noch Lesil-Feed gegeben am gleichen Abend also was das überhaupt für eine Welt war auch in der Ballettwelt in der Tanzwelt was dafür andere Stücke vom neunzehnten Jahrhundert noch so in Mode waren dann ist das natürlich schon ein sehr radikaler Schnitt.
- 4:43Speaker 1: Jetzt sind wir doch auch ganz schön im Stück drin, es ist ja aufgeteilt in zwei große Teile beginnt mit dem Teil der Anbetung der Erde übertitelt und geht dann über den Teil des Opfers.
- 4:56Speaker 1: Ganz am Anfang erklingt dieses Diese berühmte Fagott-Sequenz, wo man das Gefühl hat hier erwacht die Natur und dann geht es über von dem ruhigeren Teil in die Extase.
- 5:09Speaker 1: Was ist so ... Die Idee dahinter.
- 5:11Speaker 1: möchtest du uns ein bisschen aus deiner musikalischen Sicht klären?
- 5:16Speaker 2: Ja, das ist faszinierend wie beide Teile sich von ganz ruhig aufbauen bis zu ja bis zur Explosion bis zu richtig bis zu rohen Ja, Rohngewalt und Erschöpfung auf jeden Fall.
- 5:36Speaker 2: Also schon der allererste Takt war für damalige Ohren was vollkommen Neues weil man hat auch Stravinsky gesagt ein Vergott kann gar nicht so hoch spielen.
- 5:46Speaker 2: also das vergot spielt ja so eine ursprünglich litauisches Volkslied aber abgewandelt verziert unglaublich hoch und es ist heute natürlich für Fagottisten einen eine Probespielstelle und ein Paradebeispiel, aber das muss man sich auch vorstellen.
- 6:23Speaker 2: Das war damals wirklich neu und garantiert nicht so leicht auszuführen.
- 6:30Speaker 2: also schon dieser unüberwohnte
- 6:34Speaker 1: Klang
- 6:36Speaker 2: ganz am Anfang.
- 6:41Speaker 2: was mich sehr fasziniert ist dass das Bildliche was doch in der Musik drin ist Diese ganzen Naturlaute, die Vögel, wie er das alles raffiniert mit Lisandos und Flascholettes.
- 6:56Speaker 2: Mit den Holzbläsern... Und bis an der erste Tanz kommt!
- 7:41Speaker 2: Das sind ja vielleicht fünfzehn Minuten der Erste Teil.
- 7:44Speaker 2: Nach einem Durchatmen in dem zweiten Teil wieder ganz ruhig beginnt mit dieser unheilvollen, unheimlichen getragenen Musik und wo auch wieder dieses Gesangshafte reinkommt Und dann peitscht es sich dann am Schluss wirklich bis zum Todestanz hoch.
- 8:03Speaker 2: Also diese Dramaturgie der beiden Teile, die hat sowas unglaublich Stringentes und das sind ja auch viele lyrische liethafte Momente also wo er auf diese Volkslieder zurückgreift und auch unglaublich zart und leise und er schreibt an Stellen mit viel Ausdruck und sehr gesanglich mit diesen solistischen Bratschen und den Hörnern.
- 8:30Speaker 2: Also es hat ja wirklich sehr, sehr zarte empfindsame Abschnitte und das macht natürlich den Kontrast dann noch größer.
- 8:41Speaker 2: zum brutalen
- 9:02Speaker 1: Du hast letztes Jahr die Neuinterpretation von Markus Nussknacker begleitet als musikalischer Leiter.
- 9:12Speaker 1: Das war natürlich für uns auch ganz speziell die erste Uraufführung, die Marco hier in Basel gemacht hat.
- 9:19Speaker 1: Und jetzt gehst du ran an den Sacre.
- 9:22Speaker 1: Sacre besteht bereits in einer neuen Szenierung von Marco Göcke.
- 9:26Speaker 1: Letztes Jahr hat er das in München am Gärterplatz Theater gemacht und arbeitet es hier für Basel auf.
- 9:33Speaker 1: Wie siehst du diese Zusammenarbeit, wie ist auch deine Rolle als jemand der ja quasi zwischen Bühne und Graben vermittelt?
- 9:41Speaker 1: Möchtest Du uns hier auch ein bisschen Deine Eindrücke erzählen.
- 9:46Speaker 2: Ja ganz grundsätzlich ist es natürlich eine spannende Rolle wie Du sagst diese zwei Welten zusammen zu bringen.
- 9:53Speaker 2: also vor allem wenn wir dann wirklich auf der Büh ne sind bin ich die ja das visuelle Bindeglied zwischen den Tanzenden im Orchester.
- 10:07Speaker 2: In der Oper ist es ein bisschen anders, weil die Singstimmen ja gehört werden im Orkester also dass das Orchester auch ein Stück weit reagieren kann und interagieren kann.
- 10:22Speaker 2: Beim Tanz muss das Orkestern mehr vertrauen und die Bühne natürlich auch Dass das richtig zusammen kommt Also Tempo Anfänge, Schlüsse usw.
- 10:37Speaker 2: Also es ist eine Vermittlerrolle, eine Koordinierrolle Das ist so das Interpretatorische wenn wir dann da wirklich zusammen sind Was auf der anderen Seite ganz was anderes ist und unglabisch spannend ist der Prozess davor.
- 10:55Speaker 2: also du hast jetzt den Nussknacker erwähnt.
- 10:57Speaker 2: Da durfte ich dabei sein bei der Kreation Und das fand ich natürlich unglabbig spannend zum ersten mal mit Marco zu arbeiten und auch es ist ja in weiten Teilen ein Nummernballett, denn so genanntes der Nussknacke.
- 11:11Speaker 2: Also da mussten wir den musikalischen Ablauf und die Tempi und das mussten wie neu erstellen und das war wirklich spannend dabei zu sein.
- 11:24Speaker 2: also jeder Choreograph macht das anders.
- 11:30Speaker 2: Da war auch so viel Spontanität dabei.
- 11:33Speaker 1: Ja, und ich glaube das Orchester hatte ja beim Nussknacker unglaublich viel Spaß!
- 11:37Speaker 1: Und es ist bei Le Sacre du Printon, denkst Du auch so?
- 11:40Speaker 1: Dass das Orkestor sich darauf sehr freut?
- 11:42Speaker 1: Das ist ein Stück, dass er sehr gerne gespielt hat?
- 11:45Speaker 2: Ich denke schon... Also Sacre ist ja so'n, man könnte sagen, Show-Stück also eigentlich für alle Orchester und auch Dirigenten, dass wer so'nen Stück auf der Shortliste was man einmal im Leben gespielt oder dirigiert haben möchte.
- 12:01Speaker 1: Dann freuen wir uns das gerne drauf!
- 12:22Speaker 0: Der andere Teil des Abends, der in der Chronologie und in der Produktion den Beginn bildet untermalen elektronische Klänge.
- 12:30Speaker 0: Bedroom Fork von der stilprägenden Choreografin Sharon Eyal mit ihrem künstlerischen Partner Guy Bahar wurde am Netherlands Dance Theatre Uhr aufgeführt.
- 12:42Speaker 0: Lucy Machan beschreibt diesen so...
- 12:45Speaker 1: Bedroom Fork ist ein Stück von Charoneal und Guy
- 12:47Speaker 1: B.H.,
- 12:48Speaker 1: das sich an die Club- und Performancewelt anlehnt.
- 12:52Speaker 1: Die Tänzerinnen und Tänzern bewegen sich dabei fast wie ein einziger Organismus, mich fasziniert daran besonders, wie wenig es manchmal braucht eine kleine Geste, eine Gewichtsverlagerung einen Puls und plötzlich entsteht daraus eine unglaublich starke kollektive Energie.
- 13:11Speaker 1: Dass wir dieses Stück zum ersten Mal in Basel und überhaupt in der Schweiz zeigen, hat auch damit zu tun dass wir diese Verbindung zwischen Tanz Musik und Klubkultur erfahrbar machen möchten.
- 13:24Speaker 1: Es ist auch für das Ensemble etwas ganz besonderes unterschiedliche Stile zu tanzen.
- 13:29Speaker 1: Charonneal war eine Woche vor Ort um den Tänzerinnen und Tänzern den letzten Schliff zu geben.
- 13:37Speaker 1: Uri Lichtig´s Musik ist dabei nicht einfach eine Begleitung zur Choreografie.
- 13:42Speaker 1: Sie ist ein ganz wesentlicher Teil des Stückes, sie gibt den Tänzerinnen und Tänzern einen Rhythmus auf den sie körperlich reagieren und schafft einen Raum in dem Bewegung und Musik miteinander
- 13:54Speaker 1: verschmelzen.".
- 13:56Speaker 0: Auch mit Uri Liechtig hat Lucy Machern vor der Premiere gesprochen – und ihn auf Englisch gefragt?
- 14:01Speaker 1: Ja, eine Person.
- 14:03Speaker 1: Weil du auch sehr bekannt bist in deinem Land wie ein DJ und jemanden der in der Musik-Szene ist.
- 14:10Speaker 1: Könntest du dir etwas über dich erzählen?
- 14:16Speaker 1: Dein Arbeit, deine Profession und deinen Passion?
- 14:23Speaker 3: Ich weiß nicht, ob ich sehr bekannt bin, aber danke!
- 14:31Speaker 3: Meine Arbeit... Die letzten zwanzig Jahre habe ich meist komponiert.
- 14:37Speaker 3: für dünne Performenzen und in den letzten Jahren auch viel moderner Circus arbeiten mit Circa, Australian Circus Company.
- 14:50Speaker 3: Und andere Choreografer und Performenzeichen auch mit einer Band called Avac, die ich Drams in gespielt habe.
- 15:01Speaker 3: Mein Background ist Techno DJ
- 15:04Speaker 1: Und
- 15:04Speaker 3: es ist noch etwas, was ich mache.
- 15:07Speaker 3: Nicht viel, aber es ist sicherlich
- 15:30Speaker 1: etwas, das in meiner DNA von der Weise, wie ich Musik kreiere.
- 15:40Speaker 1: Das ist auch das, wo Danzen und Musik
- 15:45Speaker 3: verbinden sind.
- 15:48Speaker 3: Viele times I get questions like, I'm not sure it's in your list but the connection between clubs and at stage.
- 15:56Speaker 3: We need to think about the coin so obvious we don't even...it is like the post..we started moving, making music.
- 16:06Speaker 3: It´s the dawn of culture.
- 16:07Speaker 3: since we came to senses that what were doing The connections there got lost sometimes maybe in a culture But its very interlinked.
- 16:16Speaker 3: you don't have explain.
- 16:18Speaker 1: Für Uri Lichtig ist Rhythmus mehr als nur ein musikalisches Element, er ist Ausdruck von Kultur.
- 16:24Speaker 2: Als
- 16:25Speaker 1: DJ geht es ihm darum Menschen auf der Tanzfläche in Bewegung zu bringen.
- 16:30Speaker 1: Bei Bedroom Forking gegen ist die Situation eine andere.
- 16:33Speaker 1: hier weiß er natürlich von Anfang an dass die Musik für Tänzerinnen und Tänzern auf der Bühne entsteht und das sie unmittelbar mit deren Körper verbunden sein wird.
- 16:44Speaker 1: Fasziniert hat mich daran, dass Uri Lichtig in seiner Zusammenarbeit mit Charon Eyal sein komplettes DJ-Pult und Produktionsstudio in den Ballettsaal verlegt hat.
- 17:06Speaker 3: Wir haben alle die DJ-Aquipment in dem Studio begonnen und starten dann sehr organisch und natürlich gesagt, vielleicht probieren wir das.
- 17:21Speaker 3: Und ich dachte mir, dass es so fit wäre.
- 17:23Speaker 3: Dann habe ich ihn geblendet.
- 17:26Speaker 3: und was war der Song, den ich dir gegeben habe?
- 17:29Speaker 3: Dann haben wir das gemacht und langsam, langsam, das Set beginnt zu bauen und alles ist rekordiert, weil wir alle.
- 18:03Speaker 0: Nach dem Gespräch zwischen unserer Dramaturgin Lucy Machan und Uri Lichtig habe ich sie gefragt, was ihr von den beiden Gesprächen und der Vorbereitungszeit am meisten in Erinnerung geblieben ist.
- 18:15Speaker 1: Mit Thomas Herzog war ich in der Paul-Sacher-Stiftung in Basel und durfte dort die Originalpartitur von Le Sacré du Printon mit Einschriften von Igor Stravinsky einsehen.
- 18:28Speaker 1: Das war wirklich ein unglaublich eindrückliches Erlebnis, und ich glaube – ich werde diesen Moment immer mit dieser Produktion in Verbindung bringen!
- 18:36Speaker 1: Und mit dem Gespräch mit Ori Lichtig ist mir am meisten eine Erinnerung geblieben wie körperlich Ori über Musik spricht.
- 18:44Speaker 1: Für ihn ist Musik nichts, was einfach im Hintergrund läuft.
- 18:47Speaker 1: Sie soll einen bewegen und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.
- 18:51Speaker 1: Ja und vielleicht ist genau das auch eine schöne Verbindung zwischen den beiden Stücken dieses Abends.
- 18:57Speaker 1: Bei Stravinsky wie bei Orelichtig ist der Rhythmus etwas dass man nicht nur hört sondern körperlich spürt.
- 19:03Speaker 1: Die Musik bringt die Tänzerinnen und Tänzern Bewegung Und irgendwann wird aus Musik und Bewegungen etwas Gemeinsames.
- 19:11Speaker 0: Das war die erste Folge unserer neuen Podcastreihe vom Ballettbasel.
- 19:16Speaker 0: Wir würden uns freuen, wenn wir sie bald bei einer Vorstellung begrüßen dürften!
- 19:20Speaker 0: Bis dahin sage ich Come for the Dance Stay For The Conversation.