Latest / Erstklassisch mit Mischke - Klassik hautnah / Mit Miles Davis per Du: Ein episches Interview mit einer Jazz-Legende
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- Ich dachte immer, ja, aber das kann ja nicht sein, jetzt sind wir schon mehr als zwei Stunden hier. Wer kann schon zwei Stunden mit Mails in seiner Wohnung sitzen und ein bisschen rumlabern, oder? Erstklassisch mit Mischke, der musikalische Podcast des Hamburger Abend. Schönen guten Tag zu einer neuen Folge. Heute haben wir eine doppelte Premiere. Ich habe keinen Klassikgast und ich habe zwei Gäste statt nur einem. Und das Thema ist ein Klassiker des Jazz, Miles Davis. Wir haben Jubiläumsjahr. Am 26. Mai, vor 100 Jahren, wurde Miles Davis geboren. Die ganze Jazz wird wild wohl gratulieren Auch die Elbphilharmonie wird da reinfeiern Mit fünf Konzerten Anfang Mai Geht das da los Und zum Einlesen und zum Einsehen Ist gerade ein ganz besonderer Bildband erschienen Three Days in Malibu Drei Tage lang vom 24. Bis zum 26. Mai 1989 Waren der Hamburger Fotograf und Filmemacher Ralf Quinke Und der Schweizer Journalist Marco Meyer in Kalifornien Um Miles Davis kurz vor seinem 63. Zu interviewen Und zu fotografieren Das Ergebnis erschien damals als Spezialausgabe des damals legendären Kulturmagazins Du. Ich hatte das damals aufgehoben und sicher wegsortiert und warum auch immer noch nicht wiedergefunden. Das aktuelle Buch hilft dagegen, da ist nicht nur der Text von damals drin, sondern auch noch weitere Porträts von Miles Davis. Und jetzt sind wir hier zu dritt, um über diese drei ganz besonderen Tage zu sprechen. Also moin und grüezi. Hallo. Hallo, moin. Vielen Dank, dass das geklappt hat. In dem Buch damals oder in dem Magazin damals steht der Satz, Dieser Besuch bei Miles Davis in Malibu war schon etwas sehr Besonderes. Warum denn? Ja, ich meine, es war besonders, weil wir wussten, dass er ein schwieriger Mensch ist irgendwo. Und ich persönlich hatte großen Respekt vor dieser einmaligen historischen Figur des Chess. Aber wir waren einfach fest entschlossen, wir wollten das. Und es gab ein Prinzip des Chefredakteurs, wenn wir monografische Hefte machen, dass der Porträtierte irgendwas persönlich beitragen muss. Entweder ein Interview mindestens oder vielleicht sogar einen schönen Beitrag auch mit Kunst oder mit Fotografie. Also es war ein absolutes Muss. Für mich war es etwas Besonderes. Ich war zwei Jahre vorher schon mal in Malibu. Ich habe einen Film gemacht für den Norddeutschen Rundfunk über Miles Davis. Und der NDR hatte einen hohen Geldbetrag an das Management von Miles Davis vorab überwiesen. Kann man sagen, wie hoch? Es waren 10.000 Dollar, jetzt nach 37 Jahren kann man das, glaube ich, sagen. Und wir standen da mit Kamerateam vor der Tür, das waren auch Three Days in Malibu. Wir standen drei Tage vor der Tür, sind immer wieder hingefahren, haben geklingelt und es hat niemand aufgemacht. Und deswegen war das für mich auch sehr speziell, dort nochmal hinzufahren. Also er wohnte inzwischen in einem anderen Haus, auch in Malibu. Ich weiß jetzt nicht, wie weit es entfernt war. Und bei mir fuhr dann auch immer so die Angst mit, mach diesmal jemand auf. Bei diesem zweiten Anlauf, nachdem er dann tatsächlich die Audienz gewährt hatte und die Tür sich öffnete, hat irgendjemand, ob nun er oder jemand von seiner Entourage, dann gesagt, Mensch... Irgendwie habe ich Ihren Namen schon mal gehört. Kann das sein, dass wir schon mal verabredet waren oder war das gar kein Thema? Das hat niemanden weiter interessiert? Nein, das war kein Thema bei uns, es hat auch niemanden interessiert und ich habe jetzt in den letzten Tagen seine Autobiografie, die es damals noch nicht gab. Nochmal gelesen. Und da steht drin, dass er 1986, 87 einen Manager hatte, den Namen weiß ich nicht mehr, habe ich nicht mehr präsent, der wohl viel Mist gebaut hat, also auch viel Geld für sich abgezweigt hat. Und meine Vermutung, das war die Vermutung auch damals schon, ist eigentlich immer gewesen, dass das Geld nie bei Miles Davis angekommen ist und dass er eigentlich gar nichts davon wusste. Das ist aber eine Vermutung, die ist auch nicht nachweisbar. Klingt nicht unplausibel. Wenn man sich für so ein Interview tatsächlich vorbereiten möchte, man könnte ja auch hingehen und sagen, Sie kommen mir bekannt vor, was machen Sie so beruflich, wäre aber jetzt in dieser Situation, glaube ich, nicht so gut. Aber sich auf so einen Termin vorzubereiten, wie gründlich war denn das und wie viel hat das am Ende gebracht, dann vor Ort? Das ist ein ganz spezieller Punkt. Ich war nie ein Spezialist des Jazz. Ich habe viel Jazz gehört, ich habe das alles gekannt. Aber ich wusste ganz genau, ich muss das machen, weil ich bin der verantwortliche Redakteur dieser Zeitschrift. Und ich hatte die Zeit, ihm lange nachzureisen, bis er endlich zugestimmt hat. Und da hatte ich einen Crashkurs gemacht bei einem der berühmtesten Schweizer Jazz-Kritikern, Peter Rüdy. Der hat mich eine ganze Nacht, also von abends fünf bis am Morgen um sechs mit viel Alkohol durch die ganze Geschichte von Miles Davis geführt. Und ich habe mir da Notizen gemacht und fand, ja, ja, ich glaube, ich kann das, ich gehe da mal hin. Und ich wusste, als wir uns entschieden haben, mit Ralf Quinke das zu machen, von dem ich nicht mehr genau weiss, wie wir aufeinandergekommen sind. Ich weiss es auch nicht mehr. Ich glaube, ich habe ein Buch gesehen, wo du… Ich sehe diese Bilder mit den weissen Punkten von Miles. Das war irgendwo. Hast du ein Buch schon gemacht? Nein, das Buch ist erst 1992 erschienen. Aber die Bilder sind irgendwo anders veröffentlicht worden. Und es gab damals eine Schweizer Zeitschrift, eine riesengroße Zeitschrift, die hieß Jazz. Und die haben sehr viele Fotos damals von mir veröffentlicht. Und vielleicht auch das Miles Davis. Das war von dem Interview, was ich dann mit ihm in Köln gemacht hatte. Da hat es dann geklappt, 1987. Und da habe ich hinterher ihn noch fotografiert. und von da sind diese Fotos. Ja, und der Punkt ist da, ich wusste, dass ich einen Fotografen dabei habe, der spezialistisch im CS ist und das hat mich beruhigt. Aber das war dann teilweise auch ein bisschen schwierig da, weil wir ja zwei Dinge im Sinn hatten. Wenn du da beim Els im Haus bist, der eine will gute Bilder machen, der andere will mit ihm reden und wir kannten uns eigentlich nicht und es ging genial. Du weisst nicht, was das für zwei Persönlichkeiten sind. Ich habe schon mit Fotografen die absolute Katastrophe erlebt, weil es sind völlig andere Aufgaben, gute Bilder und guten Text zu machen. Aber das Gemeine an dieser Situation ist ja doch, dass das im Prinzip wie eine Audienz beim Papst ist. Man kommt dann so durch die Tür und da war, glaube ich, der Neffe erst, der aufgemacht hat und irgendwann ist man dann im Allerheiligsten und dann ist dann Mr. Davis da. Dann begrüsst man sich und versucht irgendwie halbwegs entspannt zu wirken. Und dann soll die Glocke ja werden. Und dann die berühmte oder berüchtigte erste Frage, mit der man alles verreißen kann oder womöglich auch die Tür weiter aufbekommt. Das gab es genau den Moment. Und zwar, weil wir da reinkamen und dann hing von oben, vom oberen Stock, das war zweistöckig, ein Riesenbild, vielleicht zweieinhalb auf drei Meter. Und das sah aus wie ein Kandinsky, so ein bisschen ein karibischer Kandinsky. Und ich habe gesagt, was ist denn das? Miles. Er sagte, that's a picture, I did that. Und da war irgendwie völlig gelb, war irgendwie der Bann gebrochen, dass ihn diese schnöden, weißen Journalisten nicht von Anfang an mit irgendwelchen apokryphen Fragen aus dem Jazz belasten. Ich habe im Interview oder in dem Buch auch gelesen, im Vorfeld, es gab da ja offensichtlich nicht nur ein, zwei oder drei Anfragen für das Interview, sondern jede Menge und immer wieder gab es Körbe und irgendwann gab es mal dieses Fax, dass Miles Davis is leaning towards doing this interview. Das ist dann ja ein schöner Moment, aber wie viele Anläufe waren das? Es ist noch ungefähr klar, wie oft dann es hieß, tut uns leid, aber gehen Sie weg? Also ganz genau, zuerst habe ich in Montrö versucht, da kam ich nicht einmal Backstage, obwohl ich eigentlich Knops kannte, Claude Knops. Dann war ich in Mailand, da gab es keine Tickets mehr. Dann ging ich nach Brescia und da hat es geklappt, aber da stand der Gordon Melser, sein Bodyguard, in der Tür und er liess mich nicht Backstage. Und dann habe ich wenigstens gesagt, ich gebe dir ein Heft über Garcia Marquez. Das war mein erstes Heft bei Du, auch ein monografisches. Gib das bitte mal und sage ihm, dass wir ihn gerne für ein Heft gewinnen möchten. Und dann schliesslich ging ich noch nach Manchester. Ich hörte ja nichts mehr natürlich. Und in Manchester wollte ich wieder Backstage, dann wieder diesen Gordon Halser da und habe mich abgewiesen. Dann habe ich nur so Beiläuf gefragt, in welchem Hotel ist Miles. Und der hat mir das dann gesagt. Dann ging ich an die Rezeption und habe gesagt, könnten Sie Miles Davis telefonieren? Ich muss bei ihm kurz vorbeischauen. Der telefoniert und sagt, hello. Hallo, I'm a Swiss journalist. I would like you got this magazine. Yeah, come up. Und dann kam ein ganz süßer, schwarzer Typ runter, ein Junge, und sagte, come on, I want to see you. Und dann war ich da und dann hat er gesagt, dann war der Gordon Melser auch da, der musste raus, ich schickte ihn raus und sagte, er wolle mit mir jetzt reden und sagte, du sprichst jetzt mit meiner Produzentin und dann wird das klappen. Und gab es dann da, das ist ja heute gerne gemacht, dass es dann Ansagen gibt vom Management oder von irgendwelchen PR-Menschen, dass es heißt, aber bitte keine Fragen zu Privatleben, zu Drogen, zu Geld, zu was weiß ich, gab es keinerlei Programme? Gar nichts, gar nichts, gar nichts, nie irgendwas gehört. Wie geht man als Fotograf da dran, einen der ikonischsten Musiker, einen der ikonischsten Jazzmusiker fotografieren zu wollen? Das war jetzt schon tief in seiner Karriere drin, wie gesagt, kurz vor dem 63. Er hatte gefühlt 120 Platten draußen und war seit Jahrzehnten Miles Davis. Durchfotografiert, also schon dreimal durchfotografiert in allen Phasen, die es von ihm gab. Dann noch zu sagen, so, ich hole jetzt, oder der Anspruch, ich möchte jetzt Bilder machen, die gab es noch nicht. War das so? Ja. Und wie ist dann dieser Druck auszuhalten, den man nicht selber dann macht, um zu sagen, ich habe alle Bilder von Miles schon achtmal gesehen, ich will aber trotzdem welche machen, die neu sind oder anders oder beides? Naja, ich komme ja nicht hin und sage, ich will Bilder machen, die anders sind, die neu sind, Sondern ich bin immer offen, also ich gehe auch wenn ich Filme mache, ich gehe immer offen hin und gucke, was ist da. Ich kannte das Haus vorher nicht, du kanntest es auch nicht, du wusstest nicht, wie es von innen aussieht. Und ich bin da, was ich auch eigentlich immer mache, ich bin sehr zurückhaltend rangegangen. Also ich habe nicht sofort, als ihr geredet habt über Kandinsky und Kunst, habe ich nicht sofort rumgeknipst und sowas, sondern ich habe mich erstmal im Hintergrund gehalten. Und als das Gespräch in ein Flow kam, er sich niedergelassen hat, dann habe ich angefangen zu fotografieren und freundlich gefragt, aber mich wirklich immer zurückgehalten. Und irgendwann kam dann mal der Punkt, wo ich so das Gefühl hatte, ich brauche jetzt ein paar mehr Fotos. Das habe ich dann Marco auch gesagt. Und das fandst du, glaube ich, erst mal nicht so gut. Ja, das fand ich einen schwierigen Moment. Aber es ist mir so absolut im Sinn noch. Du kamst zu mir, irgendwie mal es ging, glaube ich, schnell hoch, um ein Bild zu holen, dieses Bild von seiner Familie, weil ich fragte ihn um einige Bilder für unser Leben und Werk im Heft. Dann kamst du zu mir und sagst, du musst einfach irgendwie noch reden, wir müssen irgendwie noch, ich brauche einfach noch Stoff, oder wir müssen ihn mal an den Flügel bringen, vielleicht nimmt er mal die Gitarre in die Hand und vielleicht die Trompete. Ich kann mir ja auch vorstellen, dass Miles Davis dem Posieren nicht grundsätzlich abgeneigt gegenüberstand. Das hat sich dann irgendwann mal eingestellt, dass er auch Spaß daran bekommen hat und auch gemerkt hat, ich habe jetzt hier auch noch eine Kamera im Raum, ich könnte jetzt auch noch ein bisschen mehr machen, außer nur reden. Ja, klar, das sieht man ja auch im Buch, also er steht in seiner Küche mit seiner Trompete, mit seiner roten Trompete, gut die Fotos sind schwarz-weiß, man sieht nicht, dass sie rot ist, und natürlich steht er normalerweise nicht mit seiner Trompete in seiner Küche. Und er hat auf seinem Auto, auf seinem Ferrari, auf seinem silbernen Ferrari Testarossa posiert, Und wir haben die Fotos, er hatte so einen ziemlich schäbigen Backyard, also so einen Hinterhof, wo so ein Boxding, wie heißen die? Ein Punching Ball. Punching Ball hing, er hat da geboxt, was er sonst sicherlich auch nicht gemacht hätte. Also er hat dann doch schon ziemlich viel posiert, wobei ich mich aber auch sehr zurückgehalten habe. Es gibt ja dieses eine Bild, das ist eine Doppelseite in der Küche und man sieht dahinter in der Küche sieht es ziemlich unaufgeräumt aus, freundlich gesagt. Und als wir das Buch gemacht haben, fragte der Verleger, hast du nicht noch ein paar Detailfotos davon und so, möchte man doch vielleicht sehen. Und ich habe mich ehrlich gesagt nicht getraut, da noch Detailfotos zu machen, weil ich Angst hatte. Dass Miles dann kommt und sagt, die wollen mir hier zeigen, dass ich ein Messie bin oder sonst was, sollen doch bitte mal gehen die Herrschaften aus Europa. Und deswegen gibt es diese Fotos nicht. Also es gibt viele Fotos, die ich vielleicht gerne noch gemacht hätte und die ich bei anderen Personen auch gemacht habe, wo ich dann Home-Stories gemacht habe, die gibt es bei Miles nicht. Aber dieses, das ist schon fantastisch, dieses eine, ich finde es ein bisschen schade, das haben wir schon falsch gemacht im Du und er hat es im Buch auch wieder falsch gemacht. Es ist gerade im Schnitt drin, wo der Miles da vor seiner Küche steht und in der einen Ecke siehst du tausend Medikamente und irgendeine Kelloggs-Büchse und unter all diesem Schnackschnick hatte er die Trompete. Ich habe gesagt, hey Miles, wo sind deine Trompeten? Ich habe gedacht, da sind 20, 30 Trompeten. Ich habe nur zwei und zieht eine aus diesem Dreck raus, eine rot. Another one, a black one. Ich hatte mal das Vergnügen, die Ehre, Harry Belafonte zu treffen, mit einem Fotografen zusammen. Und da waren wir beide, glaube ich, also der Fotograf und ich, waren starstruck erst mal, weil einem dieses Charisma so voll gegen das Gesicht donnert. Wie lange hat das denn gebraucht, um zu merken, das wird jetzt vielleicht auch dann doch ein so entspanntes Interview, wie wir es gerne hätten. Also dieser, man sitzt ja nicht nur dem Gegenüber gegenüber, sondern man sitzt ja, sagen wir mal, naja, 30 Jahren Jazz-Geschichte gegenüber und einem Ego, das durch keine Tür passt. Das kommt ja noch dazu. Also der hatte ja nicht den Ruf, dass er der umgänglichste Mensch auf dem Planeten ist. Und entsprechend verängstigt wäre ich vielleicht gewesen am Anfang. Ein falsches Wort und zack, er ist weg. Lou Reed ist mir mal weggerannt. Da war ich aber schon eine Viertelstunde mit ihm zu Gange und das war, glaube ich, noch ein guter Schnitt. Aber das schwingt ja im Hinterkopf immer mit, diese Angst, jetzt bloß nichts falsch machen, sonst Rauswurf. Bei Lou Reed hast du dann länger geschafft als ich. Ich habe es, glaube ich, fünf Minuten gesagt. Aber beim Hals ging das eigentlich relativ schnell, dass da so ein Flow kam und dass man das auch spürte, dass dieser Flow da war. Ich frage mich eben wirklich bis heute, was es denn letztendlich war. Das Spannende ist gewesen, es war in gewisser Weise ein dauernder Eiertanz von uns zwei. Nein, schon. Es blieb bis am Ende. Ich dachte immer, ja, aber das kann ja nicht sein. Jetzt sind wir schon mehr als zwei Stunden hier. Wer kann schon zwei Stunden mit Miles in seiner Wohnung sitzen und ein bisschen rumlabern, oder? Aber irgendwie hat es ihm dann gepasst, dieses Quer, ein bisschen wieder von Keith Jarrett, ein bisschen über die Trompete, ein bisschen über seine verschiedenen Quintette und hin und her. Und ich hatte den Eindruck, wie du vorhin gesagt hast, er kam plötzlich in den Flow, sich auf ganz andere Weise darzustellen. Und ich muss schon sagen, du hast im Einstieg gesagt, es gibt viele Bücher über ihn, aber so private Bilder gibt es sehr wenige. Hat sich eigentlich der Blick mit den Ohren auf die Musik durch die persönliche Begegnung mit ihm verändert im Nachhinein? Oder war es vielleicht so, dass ihr jetzt gesagt habt, naja gut, okay ja Trompete, aber. Geht so? Ja, ich hatte eine für mich prägende Erfahrung. Ich war nicht wahnsinnig Fan am Anfang von der Amandla, dieser letzten CD oder Platte. Und dann aber so redend mit ihm, wenn man ihn fragt, wie orientierst du dich? Hörst du denn all den Schnickschnack, alles, was da so läuft im Kosmos? Sagt er, no, I'm in the cosmos. Er müsse nichts hören. Er sei angeschlossen an den musikalischen Kosmos. Und er sagte dann, er hätte gern noch einen Track gemacht mit Prince. Und da habe ich dann gedacht, jetzt verstehe ich, was er da versucht hat mit der Mandla. Er hat irgendwie noch eine nähere Dimension Richtung Funk, Jazz und Pop gesucht. Ich glaube, das wäre vermutlich auch noch zustande gekommen, wenn noch ein bisschen älter geworden wäre. Das war ja auch eine schwierige Zeit, künstlerisch. Wenn ich mich jetzt nicht täusche, war davor zeitlich war das Album You're Under Arrest. Ja. Das war kommerziell erfolgreich, kriegt aber nur Dresche von der Kritik, wegen der Coverversion von Time After Time, von Cindy Lauper. Human Nature, ja. Human Nature von Michael Jackson. Und dann kam Tutu mit den Samplern und den Drumcomputern und so. Also das war ja schon eine Abkehr von der vermeintlich reinen Lehre. Darüber wollte er nicht reden? Habt ihr darüber nicht in dem Sinne so gesprochen? Oder war das so ein Minenfeld, wo sich keiner lieber reintraute? Also ich würde sagen, es hat sich einfach nicht ergeben. Ja, weißt du, bis heute, ich glaube, ich habe eines der Bändchen, das waren ja noch die kleinen Büchsen da, oder? Habe ich nicht mehr gefunden. Ich erinnere mich schon, dass wir sprachen über die vielen Stilwechsel in seinem Leben. Und dann, dass er eigentlich gesagt hat, für sich selbst, sagt er, das sei typisch für ihn als schwarzafrikanischer Musiker, dass er permanent ganz vorne mit dabei sein will. Und dass er all diese 50 Jahre oder mehr permanent versuchte, einfach sich zu verändern. Und dann, ich kann es sich erinnern, haben wir ja gefragt, ja, aber es gibt doch viele, die das auch machen. neben zum Beispiel Keith Jarrett und so, dann hat er gesagt, he doesn't like changes. Also, das war eigentlich spannend. Er reflektierte das. Gab es denn Themen, die beim Interview zur Sprache kamen, die dann aber sich zur Sackgasse entwickelten? Also sowas wie, weiß ich nicht, Drogen, der Ärger mit der Polizei, Rassismus, wo er vielleicht dann gesagt hat, dazu sage ich nichts, Motherfucker, geh weg damit. Oder sind solche Dinge zum Thema geworden, aber im Nachhinein wieder durch irgendeine Management-Sichtung rausgenommen worden? Wahrscheinlich ja nicht. Da hat kein Management drauf gesehen und gesagt, das fliegt aus dem Text raus. Aber gab es solche Themen, die er vermeiden wollte? Dazu muss ich, das ist noch wichtig zu sagen, das sieht man dem Buch natürlich nicht an, das siehst du aber im Du. Das Du ist ja eine Compilation von etwa 20 Artikeln. Da sind diese Geschichten natürlich alle drin. Da wusste er nicht, was da alles drinsteht. Und ich habe mir wirklich vorgenommen, ich will ihn, das wäre auch ein Kleinkarier gewesen, ihn jetzt mit seiner Aggression gegenüber Frauen, teilweise in Schlägereien, seine Drogengeschichten. Wir haben kurz über Cicely Tyson geredet. Das war ein kurzer Moment, so die persönliche Geschichte. Aber eigentlich haben die die Themen bewusst umschifft. Also, weil der hätte uns rausgeschmissen, glaube ich, auch. Und wenn man da als Fotograf sitzt und sich sagt, sich kneift und sich sagt, ich sitze hier tatsächlich mit Miles Davis so nah vor mir, ich kann nahe Aufnahme machen von diesem Gesicht, was ja so ikonisch ist wie ein Plattencover und wie sein Sound, den er hatte. Gibt es da so eine Lähmung im Finger oder war das ein Thema, eine Fotoaufgabe wie jede andere auch dann? Naja, es war definitiv keine Fotoaufgabe wie jede andere. Als ich sehr jung war, habe ich mich mal für ein Volontariat in Kassel bei der damals Hessischen Allgemeinen beworben. Und da wurde ich unter anderem gefragt, wenn du irgendjemanden interviewen könntest, wen würdest du gerne interviewen? Und ich habe sofort gesagt, Miles Davis. Und es hat dreimal geklappt. Und ich war ihm ja, ich saß ihm auch nicht das erste Mal gegenüber. Ich habe ein langes Interview mit ihm gemacht. Gut, das war ein sitzendes Interview in Köln im Hotelzimmer. Das ging über anderthalb Stunden und das war sehr intensiv. Wir haben da auch deutlich mehr über Musik geredet, als ihr das dann habt. Ich habe mich ja wirklich, was die Fragen angeht und so, im Hintergrund gehalten. Ich war da ja nur der Fotograf. Ich habe ihn im Anschluss an dieses Interview in Köln auch ausführlich fotografiert. Wir sind dann auch ins Museum Ludwig gegangen, er hat sich da für die Kunst interessiert. Da habe ich auch noch ein paar Fotos gemacht, wovon eins auch in dem Buch jetzt drin ist. Und ich hatte ihn vorher auch schon mal, das war so ein kleiner Magazinbeitrag für den NDR. Ja, da waren wir mit George Grunz im Studio in New York und da hatte ich ihn auch schon mal vor der Kamera. Also er war definitiv nicht irgendjemand wie jemand anderer, also wie irgendein anderer. Also war für mich immer was Besonderes, aber jetzt, nachdem ich ihn auch schon zweimal vor der Linse hatte, nicht mehr so, wie das vorher war. Aber auch dadurch war es trotzdem so, dass du jetzt für ihn nur ein Weißer mit einer Linse warst. Der hat jetzt nicht gesagt, Ralf, altes Haus. Nein, das schlaube ich aber auch eigentlich, weil er hat sich die Menschen schon gemerkt. Ich glaube er nicht. Denkst du nicht? Nein, ich glaube nicht. Okay. Also ich glaube er, ich weiß es nicht. Ob er mich wiedererkannt hat, keine Ahnung. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, ist nur ein Bild in diesem Band in Farbe, alles andere ist schwarz-weiß. War das eine bewusste, ästhetische Entscheidung? War das mehr oder weniger, ich will nicht sagen Zufall, aber war halt so? Also ich habe eigentlich mein ganzes Leben, als ich Jazz-Fotos gemacht habe, fast immer schwarz-weiß fotografiert. Immer mit dem gleichen Film, immer mit Kodak 3X 400. Und meine Art zu fotografieren war schwarz-weiß. Dann habe ich aber noch am Ende einen Farbfilm angelegt, um Fotos von den Bildern zu machen, die da überall rumhingen. Und nachdem ich die Fotos gemacht habe, also sozusagen das abgearbeitet, davon ist im Du-Heft auch ein ganzseitiges von diesem großen kandinsky, die karibischen Kandinsky, wovon Marco vorhin sprach. Davon ist ein ganzheitliches Foto in der Du. Und danach habe ich dann einfach noch ein paar Fotos, 36 Bilder waren auf dem Film, auch von Miles gemacht. Und dann habe ich eins von dir gemacht, mit Miles und du eins. Eins von mir. Das war so eine schöne Szene. Wir gingen raus hinten gegen das Meer, kurz so ein bisschen spazieren und dann schaute ich runter und sagte, Miles, you have very nice shoes. It's got here. Und dann sagt er, no, you have nice shoes. Und wir schauten beide so runter. Ich hatte irgendwelche schnöden Mokassins, aber er hatte so Schuhe mit so Nägeln oder die silbernen Nägel. Teilweise war er auch extrem witzig, finde ich. Ja, er wollte ja auch meine Uhr haben. Ja, genau. Ich hatte so eine, dänisch ist das glaube ich von so einem dänischen Designer Georg Jensen so eine Spangenuhr und, die hat ihm so gut gefallen also er wollte sie mir irgendwie abschwätzen Tauschen gegen eine Trompete Ne, er wollte sie abschwätzen, Gab es den Ehrgeiz, dass da tunlichst auch ein Foto rausfallen soll das. Magazin-covertauglich ist, aber womöglich sogar auch Plattencover-tauglich, dass man sagt, da habe ich in einem Moment für die Ewigkeit eingefangen? Oder war das, ist es jetzt eher Reportagefotografie gewesen, Porträtfotografie am lebenden Subjekt? Es ist eine Reportagefotografie gewesen, also mit überhaupt nichts im Hinterkopf. Einfach eine Reportagefotografie, gute Fotos zu machen. Und interessanterweise das Foto, was jetzt auf dem Titel ist, das habe ich, glaube ich, euch nie geschickt damals. Also ihr hattet das, glaube ich, nie. Das Ganze ist eine totale Psychologie. Der Dieter Bachmann wollte nicht das, was ich wollte, und der Ralf wollte aufs Kaffel setzen. Das war eins von diesen Bildern, wo er wunderbar so in die Kamera schaut, sehr klar. Hattet ihr das? Habe ich euch das geschickt? Nein, dieses eben nicht. Und ich glaube, wenn es das gewesen wäre mit der Hand, weil das ist ja bei Corbyn so toll, diese Hände. Und ich finde das wirklich auch extrem schön jetzt mit der einen Hand im Gesicht ich glaube da hätte sich Dieter überzeugen lassen wir hatten da einen ziemlichen Streit und ich fand, ich meine das geht doch nicht, ich gehe mit dem Ralf Quinke, nach Malibu und wir kriegen die tolle Geschichte und dann machen wir ein anderes Cover aber es ist natürlich vermutlich das ikonografischste von Corbein aber ein Anton Corbein Foto auf dem Cover ist ja auch nicht das schlechteste so dass sie es überhaupt gekriegt haben. Und damals war es ja auch noch so, Geld hat keine Rolle gespielt. Also ich habe eins der besten Honorare meiner Geschichte gekriegt. Und 10.000 Schweizer Franken. Ja, und die Reise on top natürlich. Ja, ja, klar. Das waren die Höchsten. Das waren andere Zeiten damals. Und dann habt ihr wahrscheinlich auch noch einen Haufen Geld an Corbyn bezahlt. Also ja, sicher. Wegen die 3.000, 4.000 für dein Bild. Hat sich dieses Heft, das ist die Ausgabe von du, eigentlich besser verkauft als andere? Oder war das eher ein Ladenhüter? Nein, nein, das hat sich sehr gut verkauft. Aber ich habe jetzt die Zahlen nicht alle im Kopf. Ich bin nicht ganz sicher. Ich meinte sogar, wir hätten es nachgedruckt. Und es war eine gewisse Zeit lang in den Antiquariaten bis zu 300 Franken zu kriegen. Na toll, ich habe meins immer noch nicht wiedergefunden. Verdammt. Ich habe gestern eines der Kollegin gebracht noch und habe gefragt, ob du deins noch hättest. Und sie hat gesagt, sie glaube nicht. Gibt es in dieser Bildstrecke, die damals gemacht wurde oder auch jetzt im Buch wieder als Reissue rausgekommen ist, gibt es da ein jeweiliges Lieblingsfoto? Also mein Lieblingsfoto ist das, was jetzt auf dem Titel ist. Ja. Also beim Buch? Beim Buch, ja, ja. Also für mich, es ist ja auch da, all die Fotos, wo er so genau schaut, da saß ich gegenüber mit meinem Scheißgerät und zitterte eigentlich da. Ich habe wirklich, im Grunde genommen wäre es ein Kammerspiel, oder? So zwei blonde, also zwei helle, weiße Lümmel, oder? Und dauernd die Momente und dann, wenn du so kommst zu mir, sagst du, du musst unbedingt kommen, ich hab noch so viel, und diese Spannung und dann Ende, wie sich das entblut, als ich dann noch sagte, und das macht die heute Abend, wir sagten, ja, wir gehen nach Hause. Morgen Abend was, oder? Ich weiß nicht mehr. Nächster oder übernächster Tag, ja, ja. Und dann sagte er, hat Geburtstag und komm zu meiner Part. Ja, das ist das PS, worauf ich noch kommen wollte. Ich meine, eine Audienz bei Miles Davis ist ja schon mal nicht so schlecht. Aber dann zu hören, zu bekommen, ja, ich habe da eine Geburtstagsfeier, da könnt ihr gerne noch mal vorbeischauen. Und dann waren da ja auch zwei bis drei nicht ganz unbekannte anderen Musiker noch da zugegen, offensichtlich. Das ist dann die Zusatzzahl beim Sechser im Lotto. Ja, absolut. Und es war, wir waren auch, da war ja wieder dieser Gordon Meltzer, für den war das sackpeinlich, dass wir da eingeladen sind. und eine Zeit lang dachte man, kommt der überhaupt einmal? Es waren alle da, Tommy Lipuna, Lina Ritchie, Quincy Jones und, und, und. Wir sassen ganz bescheiden irgendwo und dann plötzlich ging der Sound los und dann kam er da rein, wunderschön trappiert in so einem dunkelblau-schwarzen Kleid. Es war ein wahnsinniger Auftritt. Ja, und da habe ich mich überhaupt nicht. Getraut, richtig zu fotografieren Du hast nur ein Bild gemacht Ja, drei, vier Bilder, aber es sind aber keine guten Fotos, deswegen ist da auch ein Foto ganz klein nur im Buch drin und. Vielleicht hätte ich das Paparazzo gehen haben müssen, um da hinzugehen und komm Leute, stellt euch mal hin, vielleicht hätten die auch mitgemacht, Lionel Richie und Quincy Jones und so, vielleicht hätte Miles uns aber auch rausgeschmissen, also ich weiß es nicht, ich war da. Aber bei so einem All-Star-Geburtstag dabei zu sein, ich weiß nicht, wahrscheinlich als einer von wenigen Weißen und dann da in diesem Cast dann da zu sein und zu sehen, wie die alle miteinander umgehen. Ich habe beim Lesen des Buchs und beim Erinnern an die alte Originalausgabe auch immer noch gedacht, verdammt, das ist doch eigentlich, also das ist ja, wieso kriege ich jetzt nicht noch erzählt, wie es da war? Das finde ich, das ist schade, aber vielleicht ist es auch Ladehemmung oder es gab im Vorfeld eben auch, gab aber nicht die Ansage, das ist hier jetzt auf Limits. Ihr könnt euch gerne da hinsetzen und ihr kriegt vielleicht auch ein bisschen was zu essen, aber wehe, ihr schreibt darüber. Das Irre ist, ich habe überhaupt keine Erinnerung mehr an diesen Abend. Ich weiß nicht, wie lange wir da waren. Ich weiß nicht, was ich zu essen gehabt habe. Ich weiß nichts mehr von diesem Abend. Es geht mir genau gleich. Wir waren wie perplex. Wir waren da. Und ich muss ehrlich gesagt sagen, ich fand es toll, dass du eben nicht diese Paparazzi-Geschichte aufgezogen hast. Ich glaube, ich habe gespürt, dass der Meister es auch nicht gewollt hätte. Der hat gedacht, also diese zwei Kollegen da, die Jungs aus drüben, die sollen da kommen und so. Und ich weiß auch nicht mehr, ob er uns irgendwie begrüsst hat, ob wir ihn, ich glaube, wir haben uns irgendwann aus dem Staub gemacht. Also ich weiß auch nicht mehr. Wir waren wirklich bei Schuhe. Hin und wieder passiert einem das ja, merke ich auch bei Interviews, dass man im Nachhinein sich in den Hintern beißt und sagt, diese Frage, die mir jetzt durch die Rübe rauscht, wieso habe ich die nicht gestellt, als ich die Möglichkeit hatte? Wieso habe ich nicht dieses oder jenes wissen wollen? Gab es das bei euch beiden, dass ihr euch im Nachhinein gesagt habt, ach, verdammt. Da komme ich noch mal auf das, was ich vorhin gesagt habe. Das Heft war ja so voll. Da gab es Texte von Ian Carr, von Amiri Baraka, Leroy Jones, dann gab es von Rüe. Es war wirklich ein volles Panoptikum. Und die wirklichen Fragen, Also, wir haben irgendwie noch aus dem Fenster geschaut. War das ja eigentlich real? Hat er uns doch gezeigt, obensein seine Pferde? Und dann haben wir gefragt, wie die heissen. Hat er gesagt, ein sei Prinz und das andere. Irgendwie auch noch so ein Name. Nein, nein, nein. Das war Gemini und Kind of Blue. Ja, ich habe in Erinnerung Prinz und Kind of Blue. Es gab keine ... Also irgendwann war ich so glücklich, dass es geklappt hat. Ich habe dann irgendwie innerlich abgestellt und fand, es war einfach ... Wir haben es geschafft, jetzt gehen wir nach Hause. Wir mussten noch schreiben. Ist das eigentlich so etwas wie ein Guinness-Buch- Interviewtermin gewesen? Ist es bekannt, ob irgendjemand es länger geschafft hat, mit Miles Davis ohne Rauswurf oder sonstigen Ärger ein Interview führen zu können? Das weiß ich nicht. Keine Ahnung. Weiß ich auch nicht. Nein, würde ich auch nicht beanspruchen. Aber ich glaube, die Intimität war, glaube ich, speziell. Also ich spüre in diesen Fotos heute immer noch diese unglaublich – du hast gesagt, er will die Leute gar nicht wiedererkennen, aber ich fand, er war unglaublich empathisch in dem Moment. Er war sehr zugewandt. Er war ein bisschen verschnupft. Und so gibt er, oder war es das Cox, er zog immer wieder das Nastuch hoch, er hatte am Boden eine Schachtel voll von diesen Nastüchen, aber sonst, er war unglaublich sanft, wirklich fast sanft. Hört ihr die Musik seitdem anders, nach dieser persönlichen Begegnung? Ja, ich bin natürlich völlig, du vielleicht auch. Man denkt immer, wir waren ja mit dem mal ziemlich unterwegs. Und man hört es noch ein bisschen. So das Spiel mit seinen Sidemen, das habe ich besser begriffen. Dieses Reinholen, Rausschiessen. Ich habe also mehrere Amandla-Aufführungen gesehen, wie er dann zum Beispiel Kenny Garrett zu sich holte und so diese Duette machte im Solo-Part. Und wenn es ihm nicht passte, konnte er den einfach wegschieben und sagen, heute bist du scheiße, weg dann. Und dann holt er den Nächsten. Und du musstest da als Sideman permanent, wie im Stierkampf, einfach auf tausend präsent sein. So habe ich das. Und wir waren ein bisschen in der Situation. Immer wieder spüren, will er jetzt, kann er jetzt, könnte er vielleicht noch auf dem Ferrari hocken. Das ist jetzt eine gemeine, große Frage. was macht denn eigentlich Miles Davis oder die verschiedenen Inkarnationen von Miles Davis in den verschiedenen Stilepochen, was macht ihn zu einem Klassiker, nicht nur des Jazz, sondern auch der Musik überhaupt? Naja. Weil du sagtest vorhin, das hat Keith Jarrett ja auch gemacht, der war ganz vorne. An die Frage erinnere ich mich zum Beispiel nicht mehr, die hätte ich ihm nie gestellt, Weil Miles Davis war in verschiedensten Epochen immer ganz, ganz weit vorne und ist nie stehen geblieben, sondern hat sich immer weiterentwickelt und war offen für neue Musikrichtungen, also wie zum Beispiel Prince, ich glaube, wenn er noch ein bisschen länger gelebt hätte, wäre da bestimmt noch was entstanden. Ich glaube, der hat sogar mit Prinz auch mal ein paar Stücke aufgenommen, die aber, noch nie veröffentlicht worden sind. Ich meine, womöglich ist das justiziabel, aber ich glaube, ich habe sogar noch im Regal so einen Bootleg, wo die beiden zusammen im Paisley Park Studio gespielt haben. Irgendwie sowas genau. Genau da verloren und vergraben wurde, dass du, Herr Frau, noch im Original ist. Also, ja, und zum Beispiel, er hat ja zum Beispiel Wyndon Marsalis gehasst. Er hat den auch einmal, ich weiß nicht, wo es war, ich glaube, es war in Vancouver, kann aber auch sein, dass es woanders war, ist er, ist Wynton Marsalis zu ihm auf die Bühne gekommen und wollte sozusagen wie in einer Good Old Jam Session, einsteigen. Und der hat gesagt, komm hier, geh weg. Und das ist eben der große Unterschied. Wynton Marsalis ist sicherlich technisch ein unglaublich guter Trompeter, aber er ist stehen geblieben und Miles Davis ist nicht stehen geblieben. Und das ist das Epochale. Ja, das ist vergleichbar mit Bob Dylan von dem her, oder? Da haben auch die Zuhörerschaft dauernd, wie gesagt, jetzt ist es vorbei. Zuerst mit der normalen Gitarre, dann mit der elektrischen, dann seine christliche Zeit, dann und immer wieder hatte sie und blieb aber doch immer auch bei sich. Und meistens ist immer der Ton, der ist erkennbar durch alle Stile hindurch, oder? Warum habt ihr eigentlich neben Bob Dylan ein Heft gemacht? Haben wir gemacht. Ach, habt ihr gemacht? Ja, habe ich gemacht nachher noch. Aber den haben wir nicht gekriegt, den haben wir nicht zum Interview, da hatten wir auch Down-and-Absagen dann und eins über den Toro Aids, da haben wir auch das Heft gemacht, aber wir kriegen ja auch kein Interview, das waren die zwei einzigen. Welches Miles-Davis-Album ist euer jeweiliges Lieblingsalbum? Kind of Blue wäre jetzt die erwartbare Antwort, aber muss nicht sein. Meins ist, anders als es früher war, Fahrstuhl zum Schafott. Das höre ich heute immer wieder noch gerne und gerne. Und auch oft habe ich auch noch als Platte und das wird öfter mal aufgelegt. Bei mir wäre es Kind of Blues. Ich habe auf jeden Fall die gute alte Bebop-Zeit schon primär. Aber ich habe nie richtig... Elektro gab es eine schwierige Zeit. Da war es teilweise schwierig, finde ich. Und dann... zum, ja. Kann ich noch was sagen? Klar. Es gab ja vor einem halben Jahr oder vor einem Jahr diesen Köln-Konzertfilm. Ja. Kennst du wahrscheinlich auch, hast du bestimmt gesehen. Und da gibt es so eine Szene drin, ist ein Ausschnitt aus dem Miles-Davis-Konzert in Berlin. Stimmt, ja. Wo Vera Brandes oder die Darstellerin nach Berlin gefahren ist, Miles Davis hört und zum Jazz bekehrt wird. Und das ist eine so unglaublich starke, diese Musik hat da eine solche Power. Ich habe hier die erste Vorführung in Hamburg gesehen, also war die richtige Vera Brandes, das ganze Team war da. Und sie sagten alle, und jetzt geht ihr bestimmt alle nach Hause und hört das Köln-Konzert. Ich bin nach Hause gegangen und habe mir erst mal Miles Davis Live Evil aus ungefähr der Zeit angeguckt. Und das hat auch, das ist so 71 ungefähr und das hat auch eine solche Power. Dann bin ich mit meiner letzten Frage schon fast wieder daneben, weil ich noch wissen wollte zum Abschluss, was wäre denn jetzt aus der Sicht von zwei Leuten, die ihn tatsächlich gesprochen haben, ich habe ihn nur live gehört, nie gesprochen, was wäre aus eurer Sicht das Album, mit dem man anfangen sollte, wenn man den Schlüssel finden möchte oder die Tür öffnen möchte in dieses Universum, auf dem Miles Davis steht. Erst recht jetzt zum 100. Geburtstag. Das ist schwierig. Es kommt aufs Alter an. Es kommt aufs Alter an, wer den Einstieg finden möchte. La Sasseur Le Chaffo ist eine gute Idee, finde ich, weil die Verbindung mit dieser Filmwelt, das Europa, weil er ja eigentlich sagte, er hätte nie so Anerkennung gespürt. In den USA nie Anerkennung, sondern in Europa. Nie so gespürt wie in Europa mit Gilles Erkeko. Die Zeit da war für ihn, glaube ich, wirklich sehr wichtig. Und das spürst du in der Musik. Und ich glaube, für Europäer ist das ein guter Zugang. Dann die allerletzte Frage, sich dann voneinander zu verabschieden, wenn man drei Stunden lang, das Buch heißt ja drei Tage in Malibu, aber drei Stunden lang, mehrere Stunden lang auf Tuchfühlung mit jemandem geht. Bei einem gut laufenden Interview ist das ja fast so schwierig, wie sich kennenzulernen, das Auseinandergehen und da wieder einen guten Schlussstrich zu finden. Habt ihr das Gefühl gehabt, der hat euch drei Minuten, nachdem ihr aus der Tür wart, komplett wieder vergessen gehabt oder dass das noch nachgewirkt hat? Es gibt ein schönes Foto von dir, das hast du drin, ein schlechtes Foto, aber ein wichtiges, da ist meine Hand, wo ich ihm Adieu sage und er schaut schon rein. Er steht schon mit seinem Telefon da. Ja, schon weg. Weg, oder? Na gut, aber die Bilder sind noch da, Gott sei Dank. Ich finde übrigens nicht, dass das ein schlechtes Foto ist. Nein, nicht im Sinne, als wäre ein Robert-Frank-Foto. Gut, dass das am Ende steht. Und ich habe auch sehr für dieses Foto am Ende des Malibu-Teils gekämpft. Also Arne Reimer, der Herausgeber, wollte es nicht drin haben. Die Grafikerin wollte es nicht drin haben. Thomas, also der Verleger, weiß ich auch nicht. Und ich habe wirklich darauf bestanden, dass das das letzte Bild ist. Aber das ist ja dann symptomatisch, dass die Interviewer noch nicht ganz aus der Tür raus sind und er ist schon wieder woanders. Ja. C'est la vie, c'est la vie. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Termin. Da kann man nur neidisch sein, auch nach so vielen Jahren noch. Und es gab wahrscheinlich nie wieder einen Termin, der sich dermaßen angefühlt hat wie diese Begegnung und wie alles, was danach kam. Das Buch gibt es nach wie vor. Wie gesagt, es heißt Three Days in Malibu, ist im Verlag Scheidegger und Spieß erschienen, hat 152 Seiten, kostet 68 Euro. Die Konzerte in der App-Philharmonie sind ab dem 5. Mai, Karten sollte es noch geben. Da gibt es diverse Erinnerungsveranstaltungen. Miles Davis und mit großem Ehrgeiz. Also ich kann das nur empfehlen, beides, das Buch, die Lektüre und die Konzerte und ansonsten jede Menge Miles Davis hören. Es gibt ja genügend. Also viel Spaß dabei und dann bis zum nächsten Mal. Herzlichen Dank. Danke.