Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Menschliches, Allzumenschliches I - Achtes Hauptstück - 470-471
Transcript
- 0:00Unterkapitel 470 der Wolf, hinter dem Schafe versteckt in
- 0:05diesem Unterkapitel verwendet Nietzsche eine Fabelmetapher, um
- 0:08das Verhalten von Politikern zu beschreiben.
- 0:11Er vergleicht den Politiker mit einem Heißhungrigen Wolf und
- 0:14einen ehrlichen Mann mit einem Schaf.
- 0:17Nietzsche sagt, dass fast jeder Politiker unter bestimmten
- 0:20Umständen einen ehrlichen Mann so dringend braucht, dass er in
- 0:23dessen Bereich einbricht, so wie der Wolf in den Schafstall.
- 0:27Aber der Politiker tut dies nicht, um den ehrlichen Mann zu
- 0:30vernichten oder zu fressen, wie es der Wolf mit dem Widder tun
- 0:34würde. Stattdessen nutzt der Politiker
- 0:37den ehrlichen Mann als Deckung, er versteckt sich hinter dessen
- 0:40Wolligem Rücken, das bedeutet, ein machthungriger Politiker
- 0:44nutzt den guten Ruf und die Integrität eines ehrlichen
- 0:47Menschen, um seine eigenen, vielleicht rücksichtslosen Ziele
- 0:50zu verfolgen, ohne dabei sofort erkannt zu werden.
- 0:54Er nutzt die Ehrlichkeit des anderen als Maske für seine
- 0:56eigenen Absichten. Unterkapitel 471 Glückszeiten
- 1:03Nietzsche setzt sich hier mit der Vorstellung eines Goldenen
- 1:06Zeitalters oder einer dauerhaften glücklichen Zeit
- 1:09auseinander. Er argumentiert, dass ein
- 1:12solches glückliches Zeitalter gar nicht möglich ist.
- 1:15Der Grund liegt in der Natur des Menschen selbst.
- 1:18Die Menschen wünschen sich zwar Glück und Ruhe, aber sie wollen
- 1:21sie nicht dauerhaft haben. Nietzsche beobachtet, dass jeder
- 1:25Einzelne, sobald er einmal wirklich gute, ruhige Tage hat,
- 1:28schnell anfängt, sich zu langweilen und sich förmlich
- 1:32Unruhe und Elend herbeibetet der Mensch braucht die
- 1:36Herausforderung und den Schmerz, um das Glück überhaupt spüren zu
- 1:39können. Das Schicksal des Menschen ist
- 1:42laut Nietzsche auf glückliche Augenblicke eingerichtet, nicht
- 1:45auf glückthof glückliche Zeiten. Das Leben hat Höhepunkte,
- 1:49sogenannte glückliche Momente, aber kein dauerhaftes Plateau
- 1:52des Glücks. Trotzdem bleibt die Idee eines
- 1:56dauerhaften Glücks, als dass jenseits der Berge in unserer
- 1:59Phantasie bestehen, das ist ein Erbstück unserer Vorfahren.
- 2:04Nietzsche erklärt diesen Begriff historisch, in uralten Zeiten
- 2:08war der Mensch durch Jagd und Krieg extremen körperlichen
- 2:10Anstrengungen ausgesetzt, wenn er sich danach ausruhte, empfand
- 2:14er diese Ruhe als höchstes Glück.
- 2:17Er streckte die Glieder und hatte das Gefühl, die Fittige
- 2:19des Schlafes um sich Rauschen zu hören.
- 2:22Der Fehler, den wir heute machen, ist folgender, wir
- 2:26stellen uns vor, wir könnten diesen Zustand des tiefen Glücks
- 2:29und der Ruhe dauerhaft haben, ohne vorher die gewaltige
- 2:32Anstrengung, die Not und die Mühsal durchgemacht zu haben.
- 2:37Wir wollen das Ergebnis, das Glücksgefühl der Entspannung
- 2:40ohne die Ursache, die vorherige Qual.
- 2:43Nietzsche sagt, dass Glück in entsprechender Intensität und
- 2:46Dauer nur möglich ist, wenn man auch die entsprechenden ganzen
- 2:49Zeiträume der Not erlebt hat, ohne den Kontrast des Leidens
- 2:53gibt es kein intensives Glück.