Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Die fröhliche Wissenschaft - Buch 3 - 134-141
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- 0:00Unterkapitel 134 die Pessimisten als Opfer in diesem Kapitel
- 0:07vergleicht Nietzsche philosophischen Pessimismus,
- 0:10also die Lehre, dass das Leben im Grunde schlecht ist mit einer
- 0:13Krankheit, die durch eine falsche Ernährung verursacht
- 0:16wird. Er stellt die humorvolle These
- 0:19auf, dass die weite Verbreitung des Buddhismus in Indien nicht
- 0:22nur philosophische Gründe hatte, sondern auch an der einseitigen
- 0:25Ernährung mit Reis lag. Diese habe zu einer allgemeinen
- 0:29Trägheit und Lebensmüdigkeit geführt, was die Menschen
- 0:32empfänglich für eine pessimistische Lehre machte.
- 0:35Für Europa hat er eine ähnliche Erklärung parat, die
- 0:38Unzufriedenheit und der Pessimismus der modernen Zeit
- 0:41könnten eine Spätfolge des Mittelalters sein, damals sunice
- 0:46war Europa dem Alkohol verfallen, das ganze Zeitalter
- 0:50sei eine Alkoholvergiftung Europas gewesen.
- 0:54Die spezielle Form der deutschen Unlust am Leben führt er
- 0:57ironisch auf 2 weitere Ursachen zurück.
- 1:00Zum einen sei es eine Art Wintersiechthuhm, auch eine
- 1:03durch die langen, dunklen Winter verursachte Schwermut, zum
- 1:07anderen sei es die Wirkung der Kellerluft und des Ofengiftes in
- 1:11deutschen Wohnräumen. Er meint damit die schlechte
- 1:14Luft in den Überheizten, schlecht gelüfteten Stuben, die
- 1:17Kernaussage hinter diesen spöttischen Beispielen ist ernst
- 1:21gemeint. Unsere körperliche Verfassung
- 1:24und unsere Lebensumstände haben einen massiven Einfluss auf
- 1:27unsere philosophischen Überzeugungen.
- 1:30Ein ungesunder Körper oder eine ungesunde Lebensweise erzeugt
- 1:33oft eine ungesunde, Lebensfeindliche Philosophie.
- 1:38Unterkapitel 135 Herkunft der Sünde Nietzsche behauptet hier,
- 1:46dass das Konzept der Sünde, wie es im Christentum verstanden
- 1:49wird, eine rein jüdische Erfindung ist.
- 1:52Er sieht es als ein spezifisch jüdisches Gefühl, das durch das
- 1:55Christentum über die ganze Welt verbreitet wurde, mit dem Ziel,
- 1:58die Welt zu verjüdeln. Als Gegenbeispiel nennt er das
- 2:02griechische Altertum. Die Griechen Sunice lebten in
- 2:06einer Welt ohne Sündengefühle wenn ein Grieche etwas falsches
- 2:10Tat, war dies vielleicht ein Vergehen an einem Gott, eine
- 2:14Verletzung seiner Ehre, aber es machte den Menschen nicht von
- 2:17Grund auf schlecht oder sündig. Es ging darum, die Ehre des
- 2:21Gottes wiederherzustellen, nicht um eine tiefe persönliche
- 2:24Schuld, die am eigenen Wesen nagt.
- 2:27Das jüdische Gefühl sei anders, es betrachte das natürliche, die
- 2:32Triebe des Menschen als etwas unwürdiges.
- 2:35Eine Tat wird nicht nach ihren natürlichen Folgen für die
- 2:37Menschheit beurteilt, sondern nur als Vergehen gegen Gott,
- 2:42Gott und Menschheit sind hier radikal getrennt.
- 2:45Die Griechen Sunnitsche hatten sogar das Bedürfnis, dem Frevel,
- 2:49also der schrecklichen Tat, eine gewisse Würde zu verleihen.
- 2:53Dafür erfanden sie die Tragödie in den tragischen Stücken werden
- 2:57selbst furchtbare Taten wie der Diebstahl des Prometheus oder
- 3:01der Wahnsinn des Ajax nicht einfach nur verurteilt, sondern
- 3:04in ihrer ganzen tragischen Größe gezeigt.
- 3:08Diese Kunst im Schrecklichen noch eine Form von Erhabenheit
- 3:11zu finden, sei dem jüdischen Geist, der nur Sünde und Strafe
- 3:14kenne, völlig fremd geblieben. Unterkapitel 136 das auserwählte
- 3:21Volk in diesem Kapitel erklärt Nietzsche seine Sicht auf das
- 3:26jüdische Selbstverständnis als auserwähltes Volk, er sieht
- 3:31darin eine psychologische Meisterleistung, die Juden, sagt
- 3:34er. Sind die moralischen Genies
- 3:36unter den Völkern, weil sie den Menschen tiefer verachtet haben
- 3:40als jedes andere Volk, um dieses Gefühl der Auserwähltheit zu
- 3:44erklären, benutzt er einen Vergleich mit dem französischen
- 3:47Adel zurzeit des Sonnenkönigs Ludwig des 14.
- 3:51Dieser Adel hatte seine tatsächliche politische Macht
- 3:53verloren und war im Grunde verächtlich geworden.
- 3:58Um dieses Gefühl des Machtverlusts zu kompensieren,
- 4:00brauchte er einen König von überwältigendem Glanz und
- 4:04unerreichbarer Autorität. Nur der Adel hatte Zugang zu
- 4:08diesem König, und indem er sich in dessen Glanz sonnte, fühlte
- 4:12er sich über alle anderen Menschen erhaben.
- 4:14Ganz ähnlich, so argumentiert Nietzsche, hätten die Juden, die
- 4:18oft politisch machtlos waren, ihren Gott zu einer Instanz von
- 4:22unendlicher Königlicher Macht ausgebaut.
- 4:25Indem sie sich als das einzige von diesem Gott auserwählte Volk
- 4:28verstanden, konnten sie sich über ihre oft schwierigen
- 4:31Lebensumstände hinwegtrösten und ein Gefühl der Überlegenheit und
- 4:35Einzigartigkeit bewahren. Sie türmten die Macht ihres
- 4:38Gottes immer höher in die Wolken, um ihre eigene
- 4:41Machtlosigkeit zu kompensieren, Unterkapitel 137 im Gleichnis
- 4:49gesprochen Nietzsche malt hier ein sprachliches Bild.
- 4:54Ein Gleichnis, um zu erklären, warum eine Figur wie Jesus
- 4:57Christus nur im Judentum entstehen konnte.
- 5:00Er beschreibt die jüdische Landschaft als einen Ort, über
- 5:03dem ständig eine düstere und erhabene Gewitterwolke hängt,
- 5:07die Wolke des zornigen Gottes Jehova in dieser permanent
- 5:11bedrohlichen und finsteren Atmosphäre wirkt selbst ein
- 5:14einzelner plötzlicher Sonnenstrahl wie ein
- 5:17unglaubliches Wunder. Dieser Sonnenstrahl Sonitsche
- 5:21ist das Bild für die christliche Botschaft der Liebe.
- 5:24Und der unverdienten Gnade nur in einer Welt, die von der
- 5:28Vorstellung eines strengen und strafenden Gottes beherrscht
- 5:31wird, kann die Idee der bedingungslosen Liebe so
- 5:34revolutionär und wundersam erscheinen.
- 5:37Nur hier konnte Christus von einer Himmelsleiter träumen, auf
- 5:40der Gott zu den Menschen herabsteigt, überall sonst auf
- 5:43der Welt, so schließt Nietzsche, wo das Wetter heller und die
- 5:47Götter freundlicher waren, galten Sonne und gutes Wetter
- 5:51als etwas normales, Alltägliches, die.
- 5:54Dort hätte die Botschaft von der Gnade niemals diese erlösende
- 5:57und wundersame Wirkung entfalten können.
- 6:01Unterkapitel 138 der Irrtum Christi Nietzsche bezeichnet
- 6:08hier die Kernbotschaft von Jesus als einen fundamentalen Irrtum,
- 6:13dieser Irrtum bestand darin zu glauben, dass die Menschen an
- 6:16nichts so sehr leiden wie an ihren Sünden.
- 6:20Für Nietzsche ist dies der Irrtum von jemandem, der sich
- 6:22selbst als Sündlos empfand und dem daher jede persönliche
- 6:26Erfahrung mit dem Gefühl der Sünde fehlte.
- 6:29Jesus habe aus diesem Mangel an Erfahrung heraus ein riesiges,
- 6:33fantastisches Mitleid für ein Problem entwickelt, das für die
- 6:37meisten Menschen gar kein so großes Problem war, selbst bei
- 6:41seinem eigenen Volk, den Juden, die Nietzsche als die Erfinder
- 6:45der Sünde bezeichnet. Sei die Not durch Sündengefühle
- 6:49selten wirklich groß gewesen. Jesus hat also laut Nietzsche
- 6:53seine eigene, sehr spezielle Perspektive auf die ganze
- 6:56Menschheit projiziert. Die Christen, so fügt Nietzsche
- 7:00hinzu, haben es dann aber verstanden, diesen Irrtum ihres
- 7:03Meisters nachträglich zu rechtfertigen, sie bauten ihre
- 7:07gesamte Theologie darauf auf, erklärten die Sünde zum
- 7:10zentralen Problem der Menschheit und machten den Irrtum von Jesus
- 7:14damit im Nachhinein zur Wahrheit.
- 7:18Buch 3 Unterkapitel 139 Farbe der Leidenschaften in diesem
- 7:27Abschnitt vergleicht Nietzsche, wie verschiedene Kulturen mit
- 7:30starken Gefühlen und Leidenschaften umgehen.
- 7:33Er stellt dabei 2 Extreme gegenüber, auf der einen Seite
- 7:37steht der Apostel Paulus, den Nietzsche als Vertreter einer
- 7:41jüdisch christlichen Sichtweise sieht.
- 7:43Laut Nietzsche haben Menschen wie Paulus einen bösen Blick für
- 7:47Leidenschaften. Sie sehen darin nur das
- 7:49Hässliche, das zerstörerische und das, was dem Menschen
- 7:53Schmerz bereitet. Ihr höchstes Ziel ist es
- 7:56deshalb, die Leidenschaften komplett zu vernichten oder
- 7:59auszurotten, im Ideal eines reinen Gottes sehen sie einen
- 8:03Zustand ohne jegliche Leidenschaft, auf der anderen
- 8:06Seite stehen die alten Griechen, sie hatten einen völlig anderen
- 8:10Umgang mit ihren starken Gefühlen.
- 8:13Statt sie zu verurteilen, haben Sie ihre Leidenschaften geliebt,
- 8:16sie gefeiert und sogar idealisiert.
- 8:20Sie haben ihre Leidenschaften vergoldet und Vergöttlicht für
- 8:24die Griechen war das Ausleben von Leidenschaft nicht nur etwas
- 8:27glückliches, sondern brachte sie einem göttlichen und reineren
- 8:30Zustand näher als ein Leben ohne diese starken Gefühle.
- 8:34Am Ende stellt Nietzsche die provokante Frage an die Christen
- 8:37seiner Zeit. Habt ihr in eurer Verurteilung
- 8:41der Leidenschaften nicht die griechische Sichtweise komplett
- 8:44aufgegeben und seid stattdessen in Eurem Denken ganz jüdisch
- 8:47geworden? Buch 3 Unterkapitel 140 zu
- 8:53jüdisch dieser sehr kurze Gedankensplitter spitzt eine
- 8:58Kritik am christlichen Gottesbild zu.
- 9:01Nietzsche sagt hier, dass Liebe und Gerechtigkeit im Sinne eines
- 9:04Richters sich gegenseitig ausschließen.
- 9:07Wenn Gott wirklich ein Gegenstand der Liebe sein
- 9:09sollte, also etwas, das man aus freiem Herzen lieben kann, dann
- 9:14dürfte er nicht gleichzeitig ein Richter sein, ein Richter,
- 9:18selbst ein gnädiger, urteilt und verurteilt Liebe, aber, so meint
- 9:23Nietzsche, ist bedingungslos und urteilt nicht.
- 9:27Für Nietzsche hat der Stifter des Christentums diesen
- 9:30Widerspruch nicht fein genug empfunden, weil er in der
- 9:33jüdischen Tradition des Richtenden Gottes verwurzelt
- 9:36war. Damit kritisiert Nietzsche, dass
- 9:38das Christentum die Idee eines Strafenden Gottes beibehalten
- 9:42hat, was der Botschaft der Liebe im Kern widerspricht.
- 9:47Buch 3 Unterkapitel 141 zu orientalisch hier setzt
- 9:55Nietzsche seine Kritik am christlichen Gottesbild fort und
- 9:58bezeichnet es als orientalisch, was er damit meint, ist eine
- 10:02Mentalität, die er mit despotischen Herrschern des
- 10:05Ostens vergleicht. Er fragt, was für ein Gott das
- 10:08sei, der die Menschen zwar liebt, aber nur unter der
- 10:12Bedingung, dass sie an ihn glauben.
- 10:14Wer nicht an diese Liebe glaubt, dem droht er und schleudert ihm
- 10:18fürchterliche Blicke entgegen, diese an eine Bedingung
- 10:21geknüpfte Liebe eines allmächtigen Gottes ist für
- 10:24Nietzsche keine wahre Liebe, sie ist eher eine erpresserische
- 10:29Haltung, die nicht einmal über grundlegende menschliche Gefühle
- 10:33wie verletzte, Ehre und Rachsucht erhaben ist.
- 10:36Als Gegenbild zitiert er den berühmten Satz wenn ich dich
- 10:39liebe, was geht es dich an? Dieser Satz drückt eine Liebe
- 10:44aus, die nichts fordert, nicht besitzen will und völlig
- 10:47unabhängig von der Reaktion des anderen ist.
- 10:50Diese Haltung Sonitsche ist eine fundamentale Kritik am
- 10:54besitzergreifenden und fordernden Wesen der
- 10:56christlichen Gottesliebe.