Latest / Gin And Talk / Michael Brandner über Prägung, Heimat und Erinnerungen
Transcript
- 0:00Speaker 0: Ich kann einfach nicht sagen, dass ich irgendwas gelernt habe aus dem was mir so passiert ist.
- 0:05Speaker 0: Das kann ich nicht sagen.
- 0:05Speaker 0: wirklich sonst echt nicht so oft wirklich auf die Schnauze
- 0:09Speaker 0: gefallen.".
- 0:10Speaker 0: Der größte Aufstand war im Ruhrgebiet als das Geld überwiesen wurde.
- 0:15Speaker 0: Das kannten ja nicht!
- 0:17Speaker 0: Es wurden ja in Solontöten ausgezahlt und plötzlich wurde es überwiesen.
- 0:20Speaker 0: Erstens wusste die Frau genau wie viel Geld es gab und zweitens musste man Wusste man es irgendwie quasi über die Bank verwalten?
- 0:29Speaker 0: Das war der Niedergang.
- 0:30Speaker 0: Ich weiß noch, mein Vater hat geschimpft wie ein Rohrspaz.
- 0:33Speaker 1: Herzlich willkommen!
- 0:35Speaker 1: Mein Name ist Daniel Fürg und ich freue mich sehr euch heute zu einer Gin & Talk-Episode begrüßen zu dürfen, die wir endlich mal wieder an unserer Bar in München aufzeichnen konnten.
- 0:43Speaker 1: Bevor wir aber gleich in das Gespräch starten möchte ich euch kurz unseren heutigen Gast vorstellen.
- 0:49Speaker 1: Michael Brandner isst Schauspieler.
- 0:51Speaker 1: Er hat in mehr als zweihundert Filmen und Fernsehproduktionen mitgewirkt, zählt hierzulande zu den meistbeschäftigten Vertretern seiner Zunft.
- 0:58Speaker 1: Mit Kerl aus Koks hat Michael nun seinen ersten Roman veröffentlicht.
- 1:03Speaker 1: In der Geschichte rund um Paul Brenner verarbeitet er nicht zuletzt seine eigene Bewegte und nicht immer einfache Kindheit und Jugend zwischen Bayern und dem Ruhrpott.
- 1:12Speaker 1: Ich wollte von ihm wissen, wie es für ihn war all die Erinnerungen für den Roman noch einmal aufleben zu lassen und wie er die teils harten Jahre zwischen Kriegsnachwähnen und Wirtschaftswunder erinnert.
- 1:22Speaker 1: Jetzt aber viel Spaß beim Zuhören – schön dass ihr alle wieder mit dabei seid!
- 1:38Speaker 1: Herzlich willkommen
- 1:40Speaker 0: zu einer neuen Folge Gin & Talk.
- 1:44Speaker 0: Mach es dir gemütlich, lehne dich zurück und tauche
- 1:47Speaker 1: ein in die verrucht düstere Atmosphäre unserer Studio-Bar!
- 2:00Speaker 1: Lieber Michael ich freue mich sehr dass wir uns heute hier in München an der Bar treffen können und unter anderem über dein neues Buch Kerl aus Koks sprechen können.
- 2:10Speaker 1: herzlich Willkommen
- 2:11Speaker 0: Hallo.
- 2:11Speaker 0: Hi
- 2:12Speaker 1: Du hast einen Buch geschrieben.
- 2:14Speaker 1: Du hast das Buch Kerl aus Koks geschrieben.
- 2:16Speaker 1: Du hast darin große Teile auch deiner eigenen Kindheit, deine eigenen Jugend verarbeitet.
- 2:23Speaker 1: Wie kamst denn überhaupt dazu?
- 2:24Speaker 1: Also wann war der Moment, dass du gesagt hast die ganzen Geschichten ich da erlebt habe?
- 2:29Speaker 1: Die möchte ich jetzt mal so ein Stück weit aufschreiben und dann auch noch so verpacken, dass es ja keine direkte Autobiografie ist sondern du hast dir quasi Paul ausgeliehen ihn in viele deiner Geschichten gesteckt und auch noch so ein bisschen was drum herum gestrickt.
- 2:47Speaker 0: Ja, Paul war ein wunderbares Vehikel für die Geschichte.
- 2:52Speaker 0: Wir haben ja diese.
- 2:53Speaker 0: Kerlkoks ist ja den meisten Leuten nicht geläufig.
- 2:56Speaker 0: das ist ja nicht dieses weiße Pulver sondern es ist eine vergütete Kohle die sehr leicht ist.
- 3:01Speaker 0: mit der kann man sich bewerfen und es tut nicht weh.
- 3:04Speaker 0: und trotzdem ist sie ultra hoch erhitzbar.
- 3:07Speaker 0: Und das ist ein schönes Synonym für die Figur Paul, die nicht nur ich bin sondern das ist Extended Version.
- 3:16Speaker 0: Es ist eigentlich nicht mal wie Paul es auch die ganze Zeit treibt.
- 3:20Speaker 0: Ist es nicht einmal wirklich eine Absicht gewesen dieses Buch zu schreiben?
- 3:24Speaker 0: Sondern Ich bin da auch wieder so ein bisschen ran gespült worden an so einer Idee.
- 3:28Speaker 0: meine Agentinnen haben öfter mal bei den Geschichten, die ich so erzählt habe.
- 3:32Speaker 0: Wenn wir zusammen saßen und gesagt haben, das hört sich einfach so an als müsste man eigentlich aufschreiben.
- 3:39Speaker 0: Macht es doch mal!
- 3:40Speaker 0: Und irgendwann habe ich es tatsächlich gemacht.
- 3:42Speaker 0: und Sie haben es dann an einem Literaturagenten gegeben und der fand die Idee gut.
- 3:47Speaker 0: Er hat sie einfach in die Ausschreibung gegeben und ins Bieterverfahren und dann hat der Listverlag einfach zugeschlagen.
- 3:56Speaker 0: So war's.
- 3:57Speaker 0: Da ist es jetzt erschienen.
- 4:00Speaker 0: selber erstaunt es tatsächlich geschrieben zu haben muss ich sagen.
- 4:04Speaker 0: Ich hätte nicht gedacht, dass sich die Sitzfleisch habe und das
- 4:08Speaker 0: durchzuhalten.".
- 4:09Speaker 1: Wie war das für dich all diese Geschichten nochmal in dir aufleben zu lassen?
- 4:15Speaker 1: Es sind ja nicht nur einfache Geschichten da drin sondern es ist auch durchaus viel schwermütiges sehr teilweise sehr tragisches auch fast schon darin enthalten.
- 4:25Speaker 1: also wie Da macht man gerne mal einen Deckel drauf irgendwann als erwachsener Mensch und sagt so ein bisschen, naja das gehört zu mir.
- 4:33Speaker 1: Das bin ich.
- 4:33Speaker 1: aber ich möchte jetzt auch nicht jeden Tag irgendwie dran denken und es nochmal in mir durch erleben sozusagen Wie ging's dir damit?
- 4:42Speaker 1: Dass alles noch einmal auch nochmal in komprimierter Form sozusagen in konzentrierter Form nochmal aufleben zu lassen und durchzugehen.
- 4:50Speaker 0: Ach das war eigentlich sehr angenehm muss ich sagen weil ich habe nicht das Riesenproblem zu sagen, ich hatte jetzt irgendwie eine tragische Kindheit oder so.
- 5:00Speaker 0: Ich muss ehrlich sagen, dass ich mit meiner Zeit eigentlich immer auf der Augenhöhe war.
- 5:06Speaker 0: Mir hat das immer ein Riesenspaß gemacht.
- 5:08Speaker 0: Ich war gerne also Kind im Ruhrgebiet, ehrlich muss ich sagen, weil die ganzen Gegebenheiten waren halt so unperfekt, dass man da auch reinwachsen konnte.
- 5:18Speaker 0: Das heißt, du hast nicht so Betonstrukturen gehabt, die geschlossen waren.
- 5:23Speaker 0: Es war immer eine relativ offene Gesellschaft für alles und das macht es einfach.
- 5:29Speaker 0: Das war für mich ne wunderbare Grundlage, die verschiedensten Charaktere kennen zu lernen und auch zu genießen.
- 5:36Speaker 0: ernsthaft Natürlich, es gibt immer die eine Person mit der man sich reibt.
- 5:43Speaker 0: Das war in diesem Fall halt meine Mutter aber die hat ja nun auch wir beide hatten unsere Geschichte miteinander und alles war gut.
- 5:51Speaker 0: also ich bin da rausgegangen ohne das Gefühl zu haben dass mir jemals unrecht geschehen ist und deswegen konnte ich das auch wunderbar wieder aufleben lassen und hatte richtig großen Spaß daran die Figuren zu erinnern die mich wirklich beeindruckt haben im laufe der Jahrzehnte.
- 6:09Speaker 0: Das war ein schönes Vergnügen und ich ihn nochmal so einen Auftritt zu geben in einem Buch.
- 6:14Speaker 0: Das war gut, das war für mich einfach noch mal so ein Sahnehäubchen
- 6:18Speaker 0: obendrauf.".
- 6:19Speaker 1: Ich kenne das ein Stück weit von mir selbst dass man irgendwann an so einen Punkt kommt oder auch reflektiert und sagt naja der Kindheit war jetzt sicherlich nicht alles in Ordnung und vieles war auch gar nicht in Ordnung und auch ein bisschen schräg und schief.
- 6:38Speaker 1: Aber am Ende des Tages, ohne irgendjemandem damit verzeihen zu wollen oder ähnliches.
- 6:44Speaker 1: Für sich selbst sagt man dann irgendwann zu sich, naja aber wenn ich das alles so nicht erlebt hätte, wäre ich wahrscheinlich heute auch nicht der, der ich bin.
- 6:53Speaker 1: Ging es dir da ähnlich?
- 6:54Speaker 1: Dass du irgendwann mal reflektiert hast und gesagt hast, na ja irgendwie... Es war jetzt nicht immer alles einfach, aber irgendwie hat es mich auch zu dem gemacht was ich heute bin.
- 7:02Speaker 0: Ja ich habe mir zu der Haltung aus Schaden mit Manchluck hab' ich eine sehr kritische Meinung weil wenn das wirklich so wäre sehe die Geschichte der Menschheit anders aus.
- 7:13Speaker 0: Also tatsächlich, das ist eine nette Annahme die vielleicht ein Stück weit funktioniert.
- 7:19Speaker 0: Aber was passiert ist wenn man erkannt hat dass da einen Schaden war?
- 7:23Speaker 0: Man versucht sich dagegen zu wappnen völlig dummer Nummer weil man versucht nach vorne etwas auszurichten was hinten passiert ist und nimmt sich schon wieder ein Stück von der Aufmerksamkeit für die Zukunft.
- 7:35Speaker 0: Das heißt du bist längst deine, was dich genau in die Situation gebracht hat.
- 7:40Speaker 0: Die vorher war nämlich dass du einfach nicht aufmerksam warst und hast einfach Dinge verbaselt und Bums hat es geknallt in irgendeiner Form wie auch immer Und dann versuchst du also genau dir dafür eine Rüstung zuzulegen.
- 7:53Speaker 0: das kostet Energie Es lenkt ab von der vom hier und jetzt, das heißt du bist nicht da wo du bist.
- 7:59Speaker 0: Sondern hast schon wieder die Ängste vor dir herzutragen, die du ja genauer wieder erkennen willst.
- 8:05Speaker 0: Du hast eine Brille auf, die dich schon wieder hindert einfach zu sehen sondern die schon wieder ganz klar Farben oder Schlitze hat durch die man guckt.
- 8:14Speaker 0: Das ist einfach dumm!
- 8:15Speaker 0: Und deswegen ich kann einfach nicht sagen dass ich irgendwas gelernt habe aus dem was mir so passiert ist.
- 8:23Speaker 0: Das kann ich nicht sagen wirklich sonst Nicht so oft wirklich auf die Schnauze gefallen.
- 8:30Speaker 0: Klar, es hat einfach zu meiner Geschichte gehört aber ich kann nicht mal sagen, dass ich stolz darauf bin.
- 8:35Speaker 0: Ich kann nur sagen das ich sehr verwundert bin und dass ich immer noch lebe.
- 8:38Speaker 0: Das ist eine andere Geschichte.
- 8:43Speaker 1: Würdest du im Hinblick auch auf deine Mutter einen speziellen im Rückblick heute sagen, du kannst ihr Verhalten stückweit nachvollziehen.
- 8:51Speaker 1: Auch aus der Zeit heraus damals in den Jahren nach dem Krieg war ja alles nicht so einfach.
- 8:57Speaker 1: sie waren nicht verheiratet als du zur Welt kamst.
- 9:00Speaker 1: Der Vater ist hier wahrscheinlich direkt abgehauen.
- 9:04Speaker 0: Das war wirklich das muss ich das klar vorstellen dass es eine Hinrichtung Das ist für eine Frau, es war später auch noch so.
- 9:13Speaker 0: Also heute noch so dass das Frauen mit die alleinerziehende Frauen auch ein Stigma haben obwohl sie inzwischen Legionen sind.
- 9:21Speaker 0: aber für die damalige Zeit war das ne Hinrichtung also die Ortstruktur.
- 9:26Speaker 0: da musste sie raus um mich in einem anderen Ort in einer anderen Stadt zur Welt zu bringen.
- 9:33Speaker 0: dann stand sie da, hatte ein Kind das sie nicht wollte.
- 9:38Speaker 0: Von einer Beziehung die nicht mehr existierte.
- 9:42Speaker 0: und dann lauf mal los in so einem Alter wo du denkst jetzt ist das ganze Leben für mich schon im Arsch um es mal klar zu sagen.
- 9:51Speaker 0: also ich verstehe das voll.
- 9:52Speaker 0: Also keine Frage was wir an Graben kämpfen hatten bestand aus dieser Situation heraus aus den Emotionen die wir einfach beide hatten Und dass muss man einfach sagen So ist es halt.
- 10:05Speaker 0: Ich meine, da ist jetzt nichts dran zu rütteln und wir haben beide aber sind da rausgegangen und waren auch tatsächlich fertig damit.
- 10:12Speaker 0: also das war irgendwie nichts wo ich sagen muss Gottes Willen!
- 10:16Speaker 0: Ich wünsche niemand so eine Mutter.
- 10:18Speaker 0: Es war alles okay.
- 10:20Speaker 0: Wir haben uns gegenseitig verdient Und ich hatte ja einen guten Ausgleich mit meinem Stiefvater.
- 10:25Speaker 0: Also was soll's?
- 10:26Speaker 0: Das war alles so wie es sein sollte.
- 10:28Speaker 1: Umso beeindruckender eigentlich, dass gerade im Bezug auf dich ganz persönlich deine Verwandten in Bayern also deine Tante insbesondere gesagt hat.
- 10:39Speaker 1: Das Kind kann ja nichts dafür.
- 10:41Speaker 1: Also tun wir jetzt alles um ihm irgendwie da auch ein gutes Leben.
- 10:47Speaker 1: die ersten dreieinhalb Jahre war es ungefähr deines Lebens da auch einen gutes Leben zu ermöglichen?
- 10:53Speaker 0: Ja!
- 10:54Speaker 0: Eindeutig.
- 10:58Speaker 0: Die Kinder aus diesen Beziehungen sind dann, wenn sie mit der Mutter zusammenbleiben ein Problem.
- 11:04Speaker 0: aber für sich alleine natürlich das kann man... die haben mich ja quasi adoptiert.
- 11:09Speaker 0: Das war irgendwie, die hatten selber nur ein Mädchen wollten, wollten auch noch einen Jungen und dann war ich da und es war alles wunderbar.
- 11:17Speaker 0: Bis meine Frau Mama auf die Idee kam ich doch nochmal aus der Passage gutzuholen.
- 11:23Speaker 0: Okay, so ist es halt gelaufen.
- 11:24Speaker 0: Aber ich weiß das für meine Tante und auch für mein Onkel ein Riesenverlust war.
- 11:30Speaker 1: Wie bewusst erinnerst du das noch?
- 11:32Speaker 1: Also hast du gar keine Erinnerung.
- 11:34Speaker 1: wahrscheinlich oder?
- 11:35Speaker 1: Genädigerweise!
- 11:36Speaker 0: Es gibt ja so... Ich gebe es ja staunlicherweise.
- 11:38Speaker 0: Gibt's Leute die sich an Dinge erinnern, die unter fünf Jahren liegen.
- 11:42Speaker 0: Das ist glaube ich nicht unbedingt ein Segen.
- 11:46Speaker 0: also Gerade weil natürlich, wenn man selber Eltern ist oder wurde weiß man dass die Anfangssituation einfach auch die sind wo man die meisten dummen Fehler macht.
- 12:02Speaker 0: Und wenn sich daran spielt dann was geht noch erinnern?
- 12:04Speaker 0: Ist das nicht besonders gut!
- 12:06Speaker 0: Und glaub ich, da gibt es schon eine gnädige Einrichtung.
- 12:10Speaker 0: Dass die Erinnerungen später einsetzen.
- 12:12Speaker 1: Jetzt bekommen man ja ganz viele Werte auch in der Erziehung mit den Kindesjahren mit und auch so.
- 12:19Speaker 1: ein Gefühl wie Heimat ist ja etwas was man irgendwie als Kind mitbekommt um so einen Gefühl dafür zu entwickeln was das eigentlich ist.
- 12:27Speaker 1: oder dieses Zuhause-Fühlen dieses Gefühl von Geborgenheit uns weiter.
- 12:32Speaker 1: Jetzt hört es sich ja so ein bisschen an, als hätte auch deine Mutter dazu so ein gewisses zerrüttertes Verhältnis gehabt zu Heimat.
- 12:40Speaker 1: An sich eben auch ausgrund der ganzen Historie heraus.
- 12:44Speaker 1: und du mit den ersten dreieinhalb Jahren in Bayern dann wieder zurück.
- 12:49Speaker 1: jetzt bist Du wieder hier gelandet in München.
- 12:53Speaker 1: Wie würdest du denn dein Verhältnis zu Heimat bezeichnen?
- 12:56Speaker 1: Du hast ja auch geschrieben in deinem Buch, man kann ja nicht zwei Heimaten haben.
- 13:01Speaker 1: Es gibt irgendwie so das Worten nur als
- 13:02Speaker 0: Singular.
- 13:02Speaker 0: Im Deutschen gibt es nur ein Singular, richtig!
- 13:05Speaker 0: Das ist so und das ist auch das Empfinden dass ich bei den meisten Leuten habe, wenn du Leute triffst die über Heimat reden dann tun sie das nur deshalb in verklärter Form weil sie meist nicht mehr da leben.
- 13:17Speaker 0: Ja, das heißt die ist in einer bestimmten Entfernung.
- 13:21Speaker 0: Weil ich weiß natürlich genau wenn du sie aufeinander groß wirst und ich weiß auch von meiner Verwandtschaft dass es auch ein sehr, sagen wir mal enger Kragen ist.
- 13:29Speaker 0: Du musst das wirklich mögen Und wenn du da reinwachsen willst und bist mit allem zufrieden hast ein gutes Leben Aber wenn du dort Zweifel hast gehts dir einfach auf lange Sicht dreckig.
- 13:40Speaker 0: Das ist so.
- 13:41Speaker 0: Für eine Jugend auf dem Land musst du zum Beispiel auch starke Nerven haben weil du bist ständig beobachtet.
- 13:46Speaker 0: Das ist halt so, die Gemeinschaft, es gibt ja diesen dummen Spruch.
- 13:49Speaker 0: Um ein Kind zu erziehen braucht das ein ganzes Dorf.
- 13:52Speaker 0: Das tun die dann meistens auch.
- 13:54Speaker 0: also da nimmt man die Gelegenheit auch gerne wahr.
- 13:57Speaker 0: wir sind ja im Volk von Erziehungsberechtigten und in diesem Fall ist es einfach so dass ich sage für mich war Heimat gerade im Ruhrgebiet, dass nun wirklich so multikulturell war wie nur irgendetwas und das auf eine vollkommen selbstverständliche Art und Weise Weil man halt Geld verdienen musste, weil man wusste genau hier ist der Platz wo es geht und hier richtet man sich ein.
- 14:21Speaker 0: Und das hat man auch auf eine sehr selbstverständliche Art und Weise getan.
- 14:23Speaker 0: Das heißt, ich habe in meiner Kindheit schon Situation erlebt für die, für die man heute so Plätze wie New York oder so lobt weil da so viele Nationen aufeinander stoßen.
- 14:34Speaker 0: Meine Gut bei uns sind jetzt keine Kinesen oder Japaner rumgelaufen aber der Rest Europas war schon da!
- 14:41Speaker 0: Man muss schon sagen also wir haben viele, viele Nationalitäten die da versucht haben klarzukommen und alle auf auch eine Art Heimat los.
- 14:50Speaker 0: Die hatten da plötzlich die Chance zu sagen, okay was mache ich mit der Tatsache?
- 14:56Speaker 0: Da gehe ich eh sowieso so gut wie nicht mehr hin oder ich geh wieder hin und versuche hier das Geld zusammen zu kratzen um es mir leisten zu können.
- 15:06Speaker 0: Aber alle hatten über Jahre die Perspektive sich einrichten zu wollen und das haben sie gemacht.
- 15:12Speaker 0: also es war so.
- 15:14Speaker 0: Das hat sich später ein bisschen geändert, weil es kam dann noch eine große Flotte von Leuten aus den allermsten Gegenden die wirklich nur quasi dargeblieben sind um wieder abhauen zu können wenn sie genug Geld hatten.
- 15:27Speaker 0: Aber die meisten sind einfach dahin geblieben so eindeutig und haben sich's einfach so schön gemacht wie Sie dachten.
- 15:33Speaker 0: das ist in Ordnung.
- 15:35Speaker 0: Es haben natürlich auch noch neue Impulse bekommen.
- 15:39Speaker 0: ich sage dass Vereinswesen im Ruhrgebiet Beispiellos.
- 15:43Speaker 0: die haben einfach so viel wirklich verschiedenstes hochgejetzt zu wirklichen Kultveranstaltungen.
- 15:51Speaker 0: also ich weiß nur.
- 15:53Speaker 0: Taubenzüchter immer schönes Drehbuch geschrieben über Taubenzüchter.
- 15:57Speaker 0: Das ist wirklich eine Klasse für sich, Leute die auf diese Tauben werden und die einkaufen und was da passiert?
- 16:03Speaker 0: Was da in den Wochenenden los ist.
- 16:05Speaker 0: wenn sie dann zu Hause sitzen... ...auf ihrem Dachboden und zittern das diese Taube wiederkommt weil die haben erstens viel Geld für die Taube ausgegeben.. ..und dann noch viel Geld auf sie gesetzt!
- 16:13Speaker 0: Und wenn die nicht wieder kommt weil irgendein Falke die geschlagen hat oder sich das blöde Vieh verirrt hat was tatsächlich auch vorkommt dann war es das.
- 16:23Speaker 0: dann ist eine Menge Geld weg und unten sitzt die Gattin, die natürlich das alles aus dem Haushaltsbuch für streichen musste.
- 16:32Speaker 0: Das Rechtfertigen musste.
- 16:33Speaker 0: ich meine es war schon immer so.
- 16:36Speaker 0: Da der größte Aufstand war im Ruhrgebiet als das Geld überwiesen wurde.
- 16:42Speaker 0: Das kannten ja nicht.
- 16:44Speaker 0: Es wurden ja in Solontöten ausgezahlt und plötzlich wurde es überwiesen.
- 16:47Speaker 0: Erstens wusste die Frau genau wie viel Geld es gab und zweitens Wusste man es irgendwie quasi über die Bank verwalten?
- 16:56Speaker 0: Das war der Niedergang.
- 16:58Speaker 0: Ich weiß noch, mein Vater hat geschimpft wie ein Rohrspatz, dass er das nicht mehr in die Hand bekam.
- 17:03Speaker 0: Wir haben wirklich einen großen Einschnitt in die Männerdomäne.
- 17:09Speaker 0: Das waren echter Einflüsse, denen sie nicht so leicht verkraftet haben.
- 17:12Speaker 0: Weil ich meine muss sich vorstellen bei den Zechen war's ja so und auch bei den Stahlwerken... Du kamst raus aus dem Fabrik-Tor und hattest Straßen vor dir, wo fast an jeder Ecke eine Kneipe war.
- 17:24Speaker 0: Das heißt die mussten jetzt einfach kein Geld mehr in der Tasche kommen da raus wie am Ende der Woche oder in den Hälften Monats und hatten nicht mehr die Möglichkeit mal eben irgendwo rein sondern mussten so... sich Geld von der Bank holen, was uns dann die Frau gemacht, weil sie das nicht konnten und ihnen das in die Hand drücken.
- 17:46Speaker 0: Und das war für die ein Kulturschock eindeutig!
- 17:52Speaker 1: Du bist ja in der Zeit aufgewachsen also auch dann als du wieder zurück warst im Pott.
- 17:58Speaker 1: In der Zeit in der Väter- und Vaterfiguren oftmals eher so anonyme distanzierte Gestalten waren tragische Kriegsvergangenheit hatten, weil sie ein unfassbar hartes Leben hatten um überhaupt irgendwie Geld zu bekommen oder zu verdienen.
- 18:18Speaker 1: Um die Familie um die Runden zu bringen.
- 18:21Speaker 1: Die Beziehung, die du zu deinem Stiefvater beschreibst ist ja aber eine ganz andere.
- 18:27Speaker 1: Die ist ja eine durchaus sehr enge, eine sehr ... Ich würde schon sagen, sehr emotionale auch von beiden Seiten.
- 18:35Speaker 1: Wie erklärst du dir, dass das ausgerechnet auch noch jemand der ja nicht dein leiblicher Vater ist sondern eben auch deinen Stiefvater war.
- 18:42Speaker 1: Dass da so eine enge Beziehung in dieser harten Zeit entstehen konnte?
- 18:46Speaker 0: Ich denke es hat ein bisschen damit zu tun weil er mein Stiefväter war.
- 18:50Speaker 0: Weil ich beschreibe das auch mal zwischendrin.
- 18:54Speaker 0: Das größte Problem zwischen Vätern und Söhnen ist, dass die Söhne sich in irgendeiner Weise an den Vätern messen.
- 19:01Speaker 0: D.h.,
- 19:02Speaker 0: der Vater erwartet, dass man sich an ihm misst Und die Erwartung der Väter gegenüber Söhnen führt sehr oft zu ganz großen Tragödie.
- 19:12Speaker 0: Ich weiß das, weil ich ein paar Freunde auf diesem Weg verloren habe genau dadurch, weil sie immer versucht haben ihren Väter gerecht zu werden – was bei Mütter nie so der Fall ist!
- 19:22Speaker 0: Mütte haben einen anderen Einfluss, getrieben von dieser Beweiskraft.
- 19:28Speaker 0: Und das muss man ganz klar sagen, also die ersten Herointoten, die ich gesehen habe – das waren Söhne aus gutem Hause, die es nicht geschafft haben, das Verhältnis mit dem Vater in die Reihe zu kriegen?
- 19:42Speaker 0: Nicht mit der Mutter!
- 19:43Speaker 0: Es war immer der Vater.
- 19:46Speaker 0: Das war derjenige, der Ansprüche gestellt hatte.
- 19:51Speaker 0: Kann ich kann es nur sagen, also wenn ich mir meinen Schicksal betrachte dann kann nicht eigentlich jedem nur wünschen in einer armen Familie geboren zu werden weil da geht's nur aufwärts.
- 20:01Speaker 0: Wenn du schon mal etwas rechtfertigen musst das Geld aus irgendeiner Vorgeschichte deiner Familie Das ist nicht einfach.
- 20:11Speaker 0: Du musst halt gewissen Status herstellen ohne dass du selber erstmal geworden bist Du hast das hängt schon wie ein Damokles Schwert über dir und du musst damit klarkommen.
- 20:22Speaker 0: Du muss das rechtfertigen, dich rechtfertig für dieses Geld.
- 20:26Speaker 0: Und das ist glaube ich ganz tragisch.
- 20:28Speaker 0: Ich kenne das nur aus den Erzählungen und ich weiß immer dass da ganz tiefe Gräben ausgehoben wurden die nie wieder zugeschmissen werden konnten Und die ziehen sich das ganze Leben.
- 20:42Speaker 0: Dass man überhaupt das Gefühl hat, eine Rechtfertigung für dieses Leben zu haben ist für viele Söhne aus guten Häusern ein Riesenproblem.
- 20:51Speaker 1: Gibt es aber auch aus Familien in denen anfangs nicht... wirklich Geld da war und wo sich die Väter dann mit viel, viel Aufwand hoch gearbeitet haben.
- 21:03Speaker 1: Und eigentlich in so einer ständigen Situation der Überforderung und der Selbstzweifel unterwegs waren und genau diese Selbstzweihe diesen Druck den sie selbst verspürt haben an ihre Kinder weitergeben kann ich gar nicht auch Bücher drüber schreiben.
- 21:21Speaker 0: Es gibt bei uns einen schönen Spruch das Schwein vergisst als erstes dass es auch mal ein Ferkel war Und das ist genau das, was dabei greift.
- 21:28Speaker 0: Das ist das.
- 21:30Speaker 0: Sofort wirklich also... Das ist ja das merkwürdigerweise dass die Leute wirklich nicht mehr... Also die vergessen sofort wenn sie in der Lage waren irgendwie hochzukommen woraus sie hochgekommen sind und wie sie dahin gekommen sind.
- 21:45Speaker 0: da zählt dann nur noch vorne vorne vorne Priorität anderes Wort für den großen Verführer
- 21:55Speaker 1: wenn wir diese, diese Vaterbeziehung auch noch mal so ein bisschen weiterspinnen.
- 21:59Speaker 1: Oftmals kommt man ja dann in so eine Situation wo der Vater eigentlich schon relativ oder auch die Mutter geht ja beides.
- 22:07Speaker 1: Eine relativ klare Vorstellung davon hat was aus dem Sohn oder der Tochter werden soll also entweder das gleiche was die Eltern schon gemacht haben Oder etwas ganz anderes was besseres als man selbst gemacht hat und so weiter und sofort.
- 22:22Speaker 1: jetzt hast du dir ja würde ich jetzt mal, wenn man auf deinem Lebenslauf so ein bisschen blickt, durchaus einiges selbst erlaubt im Sinne von ausprobieren.
- 22:33Speaker 1: Wo die Reise denn eigentlich hingehen soll?
- 22:36Speaker 1: Wie hast du das erlebt?
- 22:38Speaker 1: im Rückblick also war es... Für dich selbst so ein Stück weit Herausforderung erstmal herauszufinden, wo du eigentlich hin willst.
- 22:45Speaker 1: oder war es so ein stückweit gelebte Freiheit?
- 22:47Speaker 1: Oder ist dir selbst zugestandene Freiheit das einfach mal zu testen und zu schauen.
- 22:52Speaker 1: Wo will ich eigentlich hin?
- 22:54Speaker 0: Das würde ich eher sagen weil es gab so Auslöser bei der meine Zeit beim Grenzschutz, wo ich mein Werdienst abgeleistet habe zwangsweise auf die wirklich mit dem Gesicht in den Schlamm, der der Alt-Nazi und Psychopathen Abteilung gedrückt wurde.
- 23:19Speaker 0: Die fast ausnahmslos Situation hergestellt hat dass man sagen kann okay bitte wenn da unsere Rechtsstaatlichkeit endet dann stimmt was nicht.
- 23:31Speaker 0: das hatte ich vorher nicht das Gefühl ich war relativ blauäugig.
- 23:34Speaker 0: vorher muss ich ehrlich sagen also Ich war ja nur noch ein Fernsehkind, das mit den ersten Fernsehstunden groß geworden ist.
- 23:40Speaker 0: Und ich habe das immer sehr genossen muss ich sagen.
- 23:42Speaker 0: Mit meinen alten Herren vor der Glotte zu sitzen und mir halt alles möglich an Tierfilmen oder wir haben ganze Bundestagsdebatten angeguckt weil es einfach so spannend war... ...und dann kommst du plötzlich in so eine klein-teilig durchorganisierte alte Geschichte, die bevor man sagen muss da wir haben ja nicht nur Waffen aus dem Dritten Reich gehackt sondern auch die Köppe zum Teil.
- 24:08Speaker 0: und dann habe ich mir gedacht es ist... Da bin ich erst mal drauf gekommen dass natürlich der alte Bodensatz des Dritten Reiches tatsächlich noch agil war.
- 24:19Speaker 0: Die waren in den Gerichten, die saßen noch in den Kasernen.
- 24:25Speaker 0: Das war für mich ein richtig geiler Schock, muss ich sagen.
- 24:28Speaker 0: Ich hab das am Anfang gar nicht glauben können und dann habe ich danach gesagt okay man da muss mal was tun, da muss man raus.
- 24:35Speaker 0: und das war der erste Schritt zu sagen ok wie kann man das machen?
- 24:38Speaker 0: Und ich bin sofort danach in die Häuserbesetzungszene gewechselt und hab da einfach losgelegt Und das war sehr befreiend für mich, muss ich sagen.
- 24:48Speaker 0: Weil endlich mal wurden die Dinge diskutiert von denen ich wusste dass sie zu diskutieren sind aber einmal gedacht habe dass der Staat sie lösen würde und weil mir klar darüber das passiert nicht.
- 24:58Speaker 0: also müssen wir Impulse setzen.
- 25:00Speaker 0: und das hab' ich dann gerne auch gemacht und hab dazu aber dann ein Leben geführt Das selbstbestimmbar!
- 25:07Speaker 0: Und das hab', ich sehr genossen muss sich sagen
- 25:09Speaker 1: Du bist ja bis heute auch durchaus nicht derjenige, der mit seiner Meinung irgendwie da ruhig bleibt.
- 25:17Speaker 1: Sondern der sich durchaus mal politisch äußert und sich innerhalb der Branche quasi durchaus mal kritisch äussert.
- 25:26Speaker 1: Und sich da auch einsetzt um Dinge zum Positiven zu verändern.
- 25:32Speaker 1: Was hast du denn in all diesen Jahren zwischen... der Hausbesetzer Zeit und der Art und Weise, wie du das heute machst.
- 25:40Speaker 1: Was hat sich denn da verändert?
- 25:42Speaker 1: Also hast Du irgendwie die Mechanismen heute besser verstanden um wirklich eine Wirkung zu erzielen?
- 25:51Speaker 1: oder wie würdest Du sagen bist Du milder geworden oder bist Du immer noch genauso rebellisch wie damals vielleicht?
- 25:59Speaker 0: Ich kann eher sagen, ich bin diplomatischer geworden.
- 26:02Speaker 0: Weil ich habe Begriffen das Demokratie nur so funktioniert dass erst mal alle alles sagen müssen.
- 26:09Speaker 0: es ist schwierig weil man braucht eigentlich für eine Demokratie eigen verantwortliche Menschen und die gibt es so gut wie kaum.
- 26:16Speaker 0: also die meisten wollen dann doch irgendjemand haben deine Verantwortung für sie übernimmt egal an welcher Ecke.
- 26:22Speaker 0: aber Das Modell ist gerade deshalb momentan so ein bisschen unattraktiv, weil es nicht besonders zielorientiert ist und sehr leicht.
- 26:37Speaker 0: in Störvölder gerät.
- 26:38Speaker 0: Das heißt, wir haben ja hier um uns zum Beispiel... In der BPD haben wir jetzt... ...sechzehn Jahre Frau Merkel die natürlich nach außen geglänzt hat aber in politisch eine reine Katastrophe war und zwar einer der übelsten Sorte und dann unter solchen pfeifen... ...sechzehn jahre zu leben wie diese CSU-Verkehrsminister, die uns zweimal zugemutet wurden Die Wahnsinnschaden an den Menschen begangen haben gerade in diesem Lande und die man wirklich eigentlich bei einsperren sollte.
- 27:07Speaker 0: Dafür wirklich auch lange einsperrten sollte, weil sie tatsächlich mit ihrer Kutzpe wirklich Volksschädlinge sind um es mal da um diesen alten Scheißbegriff zu verwenden.
- 27:17Speaker 0: aber das ist so und dann passiert aber nichts.
- 27:19Speaker 0: Es passiert nix!
- 27:20Speaker 0: Es werden.
- 27:21Speaker 0: diese Maskengeschichten die jetzt gelaufen sind laufen an den Gerichten durch und es passiert ihnen nichts denn Bankern ist nie was passiert.
- 27:33Speaker 0: Bürger keine Vertrauen mehr in die Rechtsstaatlichkeit haben, hat fatale Folgen.
- 27:38Speaker 0: Das ist einfach so und ich verstehe sie gut.
- 27:40Speaker 0: Ich versteh das gut!
- 27:41Speaker 0: Wie soll man den Kindern und sich selbst noch das Gefühl von Gerechtigkeit vermitteln wenn sie nichts stattfindet?
- 27:48Speaker 0: Wenn man sich mit dem Geld, das man hat, biegen kann.
- 27:51Speaker 0: Das sehen wir an den großen Plänen auf der Social Media Seite.
- 27:57Speaker 0: Das sind wir überall.
- 27:59Speaker 0: D.h.,
- 27:59Speaker 0: wenn du die Möglichkeit hast, das Geld zu haben dann kommst du überall raus oder du hast die Beziehung und das ist einfach nicht okay!
- 28:07Speaker 0: Das war nicht so in den Wirtschaftswunderjahren jedenfalls nicht so offen Und man muss sich da nicht wundern, wenn das Vertrauen in die Demokratie sinkt und sinkt.
- 28:18Speaker 0: Ich hoffe dass die neue Regierung, die ich zum Teil ganz gut finde leider ist immer noch die FDP dabei was man auch nicht hätte schon vor Jahrzehnten aussterben sollen.
- 28:29Speaker 0: Das ist wie so Unkraut, die kommt immer wieder hoch.
- 28:31Speaker 0: Also dann ginge es schon besser muss ich sagen.
- 28:34Speaker 0: aber Es ist erstaunlich Gut die noch stehen, obwohl da jetzt gerade irgendwie alles über ihn zusammen zu brechen scheint und die Anforderungen einfach extrem sind also wirklich extrem.
- 28:47Speaker 0: Dagegen hat sich Frau Merkel die Raut geschaukelt.
- 28:53Speaker 0: keine Frage aber das ist eine Situation mit der man klarkommen muss.
- 28:57Speaker 0: du musst einfach einsehen, dass die Demokratie nicht anders funktioniert ist.
- 29:01Speaker 0: Und es müssen alle auf eine Augenhöhe gebracht werden und jeder muss da abgeholt werden wo er ist sonst geht das nicht.
- 29:07Speaker 0: also wir können nicht einen Schnitt machen und sagen okay wer dann zu dämlich ist der bleibt ver draußen vor.
- 29:13Speaker 0: obwohl ich wirklich immer wieder erkennen muss dass ganz ganz viele Leute nach Führung betteln und nicht wirklich eigenverantwortlich sein wollen.
- 29:22Speaker 0: die verweigern es.
- 29:23Speaker 0: mit denen muss man natürlich auch umgehen.
- 29:25Speaker 0: aber so ist Demokratie halt langsam.
- 29:28Speaker 0: Sie ist ein einziges Rundschreiben, in dem jeder Mal gesagt haben muss du hast doch auch unterschrieben.
- 29:36Speaker 0: Das war ja nicht nur ich die Auslagerung von Verantwortung das ist die Demokratie gerne auch und deswegen sie ist momentan nicht sehr attraktiv muss man klar sagen
- 29:47Speaker 1: kann denn diese Form des Jeder darf mitsprechen und jeder darf auch irgendwie sich beteiligen?
- 29:51Speaker 1: Und also das ganze führt ihr dazu dass alles sehr viel langsamer Geht und alles sehr viel behebiger ist, dass es auch keine radikalen Veränderungen gibt.
- 30:02Speaker 1: Weil du gerade die FDP angesprochen hast werden grade in der letzten Episode Marie Agnes strack Zimmermann zu Gast.
- 30:09Speaker 1: Und ich habe auch gesagt wir kennen doch so viele Probleme die wir haben schon so lange und sie sind auch unbestritten da.
- 30:16Speaker 1: Da müsste man nochmal irgendwie radikal durchgreifen und mal ein paar Sachen wo Wo man sagen würde, es ist irgendwie common sense dass da ein Problem ist.
- 30:24Speaker 1: Einfach mal radikal verändern und dann hat sie den sehr ernüchternden Satz gesagt mit radikalen Veränderungen macht man nun mal keine Politik.
- 30:34Speaker 1: aber Also müssen wir nicht mal irgendwie mit dieser steigenden Komplexität, von der wir ja alle immer reden.
- 30:40Speaker 1: Diese immer schneller werdende Veränderung stellen wir uns dann nicht eigentlich konstant selber an Bein und stehen uns im Weg die Zukunft zu gestalten?
- 30:50Speaker 0: Ja das ist natürlich klares Weto für autoritäre Systeme klar!
- 30:55Speaker 0: Klar, weil da kann man Entscheidungen stellen und sie durchsetzen innerhalb kürzester Zeit.
- 31:00Speaker 0: Das ist klar dass das in dieser Hinsicht bessere Modell und deswegen findet es ja weltweit mehr und mehr Zuspruch keine Frage.
- 31:09Speaker 0: wenn das Gefühl auftaucht man treibt auf den Abkonsum dann werden die Leute regider und wollen natürlich schreien.
- 31:18Speaker 0: umso lauter nachführung führung Führung.
- 31:21Speaker 0: Es ist richtig so klar Aber wir sind immer noch ein gutes Modell, keine Frage.
- 31:28Speaker 0: Wir müssen nur und die Bürger müssen merkweigerweise über ihren Schatten springen weil die Politiker tun es nicht.
- 31:37Speaker 0: Ja, wir müssen die Bürger darauf dazu auffordern zu sagen okay Es ist tatsächlich das einzige System dass mir auf lange Sicht Freiheit lässt Und insofern muss ich ihn kaufnehmen.
- 31:49Speaker 0: Dass da manchmal einfach einfach zu lahmarschig zugeht, ganz klar.
- 31:55Speaker 0: Und es ist natürlich in der Macht der Bürger zu wählen.
- 31:59Speaker 0: aber das ist dann auch der Punkt wo's aufhört.
- 32:02Speaker 0: Es gibt dann so Dinge von denen ich sage dass sie grundlegend geändert werden müssten ist zum Beispiel die Legislaturperiode muss länger sein.
- 32:11Speaker 0: Also vier Jahre sind einfach zu kurz.
- 32:12Speaker 0: Die Leute haben sich nach einem Jahr gerade eingearbeitet, dann versuchen sie in irgendeiner Form auf Touren zu kommen und dann fangen Sie schon wieder an für die nächste Wahl zu denken.
- 32:24Speaker 0: Das heißt also wer als Politiker schon die Wiederwahl im Auge hat kann nicht funktionieren!
- 32:30Speaker 0: Der kann nicht funktionieren, weil er von den Zwingen der Lobbyisten ausgehend bis hin zu den Zwängen sich selbst in irgendeiner Weise zu retten.
- 32:41Speaker 0: In die nächste Legislaturperiode komplett überfordert ist.
- 32:45Speaker 0: Das heißt also da gibt es kaum eine Chance zu sagen wie soll das gehen?
- 32:49Speaker 0: Da wären sechs Jahre die bessere Lösung!
- 32:52Speaker 0: Und dann muss man die Leute halt verantwortlich machen.
- 32:55Speaker 0: Das heißt, du kannst nicht auf Dauer, auf diese Immunität bauen und da müssen die Leute untereinander auch tatsächlich wirklich rigoroser werden.
- 33:08Speaker 0: Wir sehen es ja gerade an den öffentlich-rechtlichen Anstalten.
- 33:11Speaker 0: Wir müssen ganz klar von der Bürgerseite mehr Kontrolle haben über das, was da abläuft weil in sich sagen wir jetzt mal unabhängige Systeme haben immer diesen Drift tatsächlich irgendwann selbstherrlich zu werden Und das sieht man bei den öffentlich-rechtlichen Sendern eindeutig.
- 33:30Speaker 0: Wir haben im Laufe der Jahre Chefredakteure an uns vorbeiziehen lassen, die wirklich gewöhnungsbedürftig waren und sicherlich ihre Macht ausgekostet haben wo selten bescheidene Menschen dabei waren, die mit uns auf Augenhöhe waren.
- 33:46Speaker 0: Das sind kulturell hochstehende Einrichtungen, in denen das schon schief geht.
- 33:50Speaker 0: Und dann muss man sich nicht wundern, wenn das in den Niederungen der Kommunalpolitik und der Landespolitik tatsächlich im rauen Mengen passiert?
- 33:59Speaker 0: Das ist schwierig einfach schwierig.
- 34:03Speaker 0: aber es gibt so ein paar Dinge die also wir müssen halt die Abgeordneten besser kontrollieren.
- 34:11Speaker 0: Wir haben ja Instanzen, die sich langsam rausgebildet haben und die das auch machen könnten.
- 34:15Speaker 0: Und die müssen wir fördern.
- 34:17Speaker 0: Die müssen wir fordern und müssen dafür sorgen dass da Klarheit herrscht.
- 34:21Speaker 0: Das ist...die dürfen keine anderen Jobs machen!
- 34:23Speaker 0: Das ist ausschließlich so.
- 34:25Speaker 0: Sie sind eh schon mit ihrem Salat den sie machen müssen überfordert wenn die nebenbei noch versuchen irgendwo sich für die Wirtschaft schon mal fit zu machen.
- 34:33Speaker 0: Das muss unterbunden werden eindeutig.
- 34:36Speaker 1: Jetzt hast du gerade diese Selbsterlichkeit angesprochen.
- 34:38Speaker 1: Ich hatte gerade letzte Woche da so ein sehr augenöffnendes Erlebnis, ich dachte nämlich immer dass wir in Deutschland schon ganz schlecht darin sind irgendwie so eine gewisse Betroffenheit auch für Themen die so in dieser Welt passieren zu entwickeln und wir eigentlich immer noch so lethargisch irgendwie herum sitzen und nicht wirklich bereit sind irgendwas zu tun geschweige denn irgendwas von unserem Wohlstand einzubüßen um anderen vermeintlich oder auch tatsächlich zu helfen.
- 35:07Speaker 1: Ich war jetzt knappe Woche in London, das erste Mal seit Ausbruch der Pandemie.
- 35:13Speaker 1: was ich da erlebt habe ist eine komplette Abstinenz von Weltproblemen wenn man es irgendwie so sagen
- 35:19Speaker 0: möchte.
- 35:21Speaker 1: also es wirklich Niemand beschäftigt sich dort augenscheinlich niemand beschäftigt, sich dort mit den großen problemen die wir gerade auf der welt haben.
- 35:30Speaker 1: also man hat das gefühl der brexit hat gewirkt wie so eine große mauer die man einmal um die insel gebaut hat und seitdem redet niemand mehr darüber was eigentlich außerhalb passiert.
- 35:40Speaker 1: Und das einzige problem war es alle langsam feststellen ist dass die lieferketten nicht mehr funktionieren.
- 35:45Speaker 1: Und dass das irgendwie man jetzt einen ausweis braucht wenn man in die EU reißt.
- 35:49Speaker 1: also Genau diesen punkt müssen wir eigentlich irgendwie vermeiden oder also auch als europa Als ganzes dass wir nicht irgendwann dastehen und sagen naja bei uns irgendwie alles ist ja noch so einigermaßen okay Und wir wollen von den großen problemen gar nichts wissen.
- 36:04Speaker 1: und dann rennen wir aber auf die ganz ganz große katastrophe sehenden augis irgendwie zu.
- 36:10Speaker 0: ich glaube eins der ganz großen probleme ist das wir in den letzten jahren einfach Komplett, also ich denke mal die Bevölkerung der EU ganz besonders, die nun relativ großen Meinungsumfang hat wo ganz viel Informationen einfach relativ auch sagen wir mal vielfältig an sie herangetragen wird überfordert ist.
- 36:33Speaker 0: Also der Mensch an sich ist mit der Globalisierung glaube ich überforderd worden Mit dem Tempo der Globalisierung plötzlich nicht mehr nur die Probleme im eigenen Land und dem kleinen Umfeld, sondern das Problem Welt vor sich zu haben.
- 36:48Speaker 0: Das war für die Leute einfach zu viel.
- 36:50Speaker 0: Und ich verstehe gut dass jetzt nach dem Brexit wo man feststellen muss eine Hälfte des Landes hat offensichtlich... Wir haben eine ganz andere Brille auf als der Rest.
- 37:04Speaker 0: Wie kommen wir damit klar, dass sie dann einfach sagen, na gut, dann gucken wir einfach nicht mehr hin?
- 37:10Speaker 0: Machen wir jetzt einfach mal so!
- 37:11Speaker 0: Weil hier sind wir sowieso kein Teil mehr davon und die Amis wollen auch nichts mehr von uns wissen.
- 37:15Speaker 0: also stehen wir jetzt da und machen es einfach weiter.
- 37:18Speaker 0: Jetzt ist dieser durchgeknallte Präsident weg, der Premier weg.
- 37:26Speaker 0: Jetzt wird halt nach Hausmannsart weitergemacht, bis es nicht mehr geht wahrscheinlich.
- 37:32Speaker 0: Und ich kann das sehr gut verstehen und ich kann auch Leuten nur raten, dass sie sich nicht komplett überfordern sollen mit den Anforderungen eines Weltbürgers.
- 37:44Speaker 0: Das war... Es gab eine Bewegung in den Seventiger Jahre, war das noch?
- 37:49Speaker 0: Small is beautiful!
- 37:52Speaker 0: Da ging es darum, dass man politisch einfach sich nur nicht an dem orientiert.
- 37:56Speaker 0: Was man selber gesehen hat und was man also quasi Informationen aus erster und höchstens zweiter Hand weil wir haben inzwischen das ist ja wirklich jeder, jede Halbwahrheit hat ja die Chance in unserem Universum sich auszubereiten.
- 38:14Speaker 0: In einer Art und Weise, dass man einfach das Krausen schütteln muss.
- 38:20Speaker 0: Und diese Überschneidung von was ich von Millionen von halbwahlheiten ist einfach ein Wahnsinnskosmos, indem sich keine Sau mehr zurechtfindet.
- 38:30Speaker 0: Glaubwürdigkeit kann man heutzutage nur noch im Beitstuhl finden.
- 38:38Speaker 0: Aber es ist so wirklich obszön geworden, das Mitteilungsbedürfnis der Leute und die Glaubwürdigkeit hat das auf einer Schutzfahrt.
- 38:50Speaker 0: Das ist schon wirklich extrem!
- 38:52Speaker 0: Und wer das nicht aushält sollte einfach keine Zeitung lesen Sondern sich nur noch das verlassen, was die Leute im Herbst wirklich sieht oder so.
- 39:00Speaker 0: Ich kann es wirklich nur sagen, ich verstehe das sehr gut.
- 39:04Speaker 1: Wenn wir nochmal auch auf deine Kindheit-Jugend zurückkommen... ...ich habe immer das Gefühl aber da kann ich auch völlig falsch liegen,... ...aber in dieser Zeit, also die fünftiger und sechziger Jahre war ja eigentlich... Was ich mich immer frage, wenn wir die Leute, die wir heute haben in dieser absoluten Überforderung leben.
- 39:26Speaker 1: In dieser nicht Existenz von Resilienzleben.
- 39:32Speaker 1: Wenn wir die in die damalige Zeit packen würden... was würdest du sagen?
- 39:36Speaker 1: Ist wer die Überforderungen dann quasi exorbitant groß?
- 39:41Speaker 1: oder verklären wir manchmal den Blick darauf wie schlimm oder wie schwierig es den Leuten damals ergangen ist?
- 39:49Speaker 0: Ich glaube, dass die marginalen Bedingungen seinerzeit sehr bestimmen waren.
- 39:56Speaker 0: Also da waren kleine Schritte schon toll.
- 39:58Speaker 0: Das heißt also der Anspruch an sich selber war noch, würde ich sagen gesund.
- 40:05Speaker 0: Das war so wie das Wachstum auch relativ gesund war und es gab ja nie eine Zeit, in der diese Form von Chancengleichheit hatte wie die Zeit der Sechziger- und Siebzigerjahr muss man eindeutig sagen.
- 40:19Speaker 0: Also ich würde das als Kur empfehlen.
- 40:25Speaker 0: Wenn ich jetzt meine Kinder sehe, würde ich sagen wenn die Zeit noch mal erleben dürfte, dann ist es wie eine Kur.
- 40:29Speaker 0: Ein
- 40:31Speaker 1: bisschen aus sich über die kleinen Dinge wieder freuen und Fortschritte auch wirklich mal wieder wahrzunehmen?
- 40:37Speaker 0: Es sieht ja so aus, dass wir alles besser würden!
- 40:39Speaker 0: Wir dürfen uns nichts vormachen.
- 40:41Speaker 0: Solange die Blockstaaten existierten gab es ja eine ziemlich große Sicherheit.
- 40:50Speaker 0: Die ist ja erst dann komplett zerbröselt, als man gedacht hat die große Freiheit bricht überall aus.
- 40:56Speaker 0: Aber großer Fehler!
- 40:59Speaker 0: Ganz ganz großer Fehler.
- 41:00Speaker 0: Als die Fronten klar waren konnte man leichter leben.
- 41:04Speaker 0: Das ist inzwischen nicht mehr der Fall.
- 41:06Speaker 0: Man weiß nicht mal mehr welche Staaten wirklich freundlich sind und welche nicht.
- 41:10Speaker 0: Also das kann ja jederzeit kippen.
- 41:14Speaker 0: Das ist so.
- 41:15Speaker 1: Es ist richtiger Ein leicht pessimistisches Schlusswort sozusagen.
- 41:21Speaker 1: Aber ich glaube am Ende des Tages müssen wir das Beste aus der Situation heute machen und ich glaub, der erste Schritt dahin ist dass wir erst mal wieder uns darüber bewusst werden wie gut es uns irgendwie eigentlich geht ja und wird das wieder zu schätzen lernen und dann auch bereit sind dafür einzustehen Und nicht nur die Füße auf dem Sofa hochlegen und sagen, naja es wird schon alles so bleiben wie's ist.
- 41:46Speaker 0: Ja wir müssen was tun!
- 41:47Speaker 0: Die Bürger müssen was machen.
- 41:49Speaker 0: Und die, die nichts tun wollen, sind wesentlich kleiner.
- 41:54Speaker 0: Das war mein Frommabwunsch für die Zukunft.
- 41:57Speaker 0: Also das ist dann vom Sofa aus noch mal Kritik üben.
- 42:01Speaker 0: Da kann man sich wirklich sparen.
- 42:04Speaker 1: Ich danke dir sehr für deine Zeit und fürs Vorbeikommen.
- 42:06Speaker 0: War ein großer Spaß.
- 42:08Speaker 1: Danke dir.
- 42:11Speaker 1: Die letzte Runde ist ausgetrunken,
- 42:13Speaker 0: das Gespräch zu Ende.
- 42:15Speaker 0: Vielen Dank fürs Zuhören!