Latest / heute journal - der Podcast / Merz im Visier: Wie gefährlich ist Iran? Mit Roderich Kiesewetter und Diba Mirzaei
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- 0:08Eine iranische Todesliste macht in dieser Woche Schlagzeilen und darauf steht
- 0:12neben anderen Staats- und Regierungschefs auch der deutsche Bundeskanzler.
- 0:17Friedrich Merz und andere Politikerinnen und Politiker als Ziel des iranischen Regimes.
- 0:22Sicherheitsbehörden bei uns in Deutschland, die nehmen die Bedrohung ernst und
- 0:25wir wollen deswegen darüber sprechen in dieser Folge des Heute-Journal-Podcasts.
- 0:29Ich bin Philipp Wortmann, Moderator beim ZDF und darf Helene Reiner in dieser Woche vertreten.
- 0:34Und ich sitze hier natürlich nicht alleine im Studio, sondern mit Anne Gelinek,
- 0:39Moderatorin des Heute-Journals.
- 0:41Vor allem bist du aber Nachrichtenchefin des ZDF und stellvertretende Chefredakteurin.
- 0:45Schön, dass du da bist. Hallo Philipp.
- 0:48Also wir haben uns ein spannendes Thema heute vorgenommen, holen gleich noch
- 0:51zwei spannende Gäste dazu.
- 0:53Wir zeichnen diese Folge übrigens auf am Donnerstag, den 16. Juli um 13.50 Uhr.
- 1:01Diese Todesliste, die taucht ja nicht im luftleeren Raum auf,
- 1:04deswegen müssen wir kurz über die aktuelle Lage sprechen. Hintergrund ist natürlich
- 1:08der US-israelische Angriff auf Iran.
- 1:11Dabei wurde am 28. Februar unter anderem auch der oberste Führer Ali Khamenei
- 1:16getötet, also am Beginn des sogenannten Iran-Krieges.
- 1:19Vor einem Monat haben die USA und Iran ein Rahmenabkommen, man könnte auch sagen,
- 1:25eine Art Absichtserklärung unterzeichnet, als Grundlage für Verhandlungen.
- 1:29Seit vergangener Woche greifen die USA aber wieder Ziele in Iran an.
- 1:34Auslöser soll der iranische Beschuss von Tankern in der Straße von Hormuz gewesen sein.
- 1:40Das iranische Regime, das greift seitdem auch wieder Ziele in der Golfregion
- 1:43an, unter anderem US-Stützpunkte.
- 1:46Und der oberste Führer Mojtabah Khamenei, also der Sohn von Ali Khamenei,
- 1:51der hat mit Vergeltung gedroht.
- 1:52Es sieht also gerade wieder eher nach Eskalation und weniger nach erfolgreicher
- 1:57Diplomatie aus. Aber wir wissen alle, was heute aktuell ist,
- 2:01das kann morgen wieder überholt sein.
- 2:04Anne, dieses Was gilt denn jetzt?
- 2:07Das ist eine Frage, die sich natürlich viele stellen, die wir uns auch stellen,
- 2:11in einer Nachrichtenredaktion. Wie gehen wir damit um?
- 2:15Ja, wir sind ja täglich damit konfrontiert, was ist eigentlich neu und was ist
- 2:19jetzt eine neue Wendung und was ist nur, sag ich mal, heiße Luft.
- 2:24Und ich plädiere da bei unseren Nachrichtenredaktionen für eine Wiederentdeckung
- 2:29der Langsamkeit und nicht sofort jede Meldung für bare Münze zu nehmen.
- 2:34Also Zeit nehmen, in Ruhe, Informationen zusammentragen, Kontext liefern.
- 2:38Das ist auch wichtig bei dem Thema, das wir uns für die heutige Folge vorgenommen
- 2:41haben. Und wir wollen es eben nicht zu zweit besprechen, sondern mit zwei Gästen
- 2:46und zwar mit der Iran-Forscherin Diba Mirzaei, die uns jetzt zugeschaltet ist.
- 2:50Schön, dass Sie bei uns sind. Vielen Dank für die Einladung.
- 2:53Und auch mit dem Außenpolitiker Roderich Kiesewetter von der CDU.
- 2:57Hallo Herr Kiesewetter. Hallo, danke für die Einladung.
- 3:00Also es geht um folgende Liste, man könnte auch sagen um folgende Fotomontage.
- 3:06Ich will das hier einmal im Studio in die Kamera halten.
- 3:09Es gibt einige von euch, die hören uns jetzt auch ohne Video,
- 3:13deswegen will ich es gerne einmal beschreiben.
- 3:14Also es ist ganz offensichtlich eine Montage. Man könnte auch sagen oder vermuten,
- 3:19dass es auch mit KI generiert wurde. Darauf sehen wir eben Porträts in orangefarbener Häftlingskleidung.
- 3:27Wir haben ja gestern auch in der Redaktion darüber gesprochen.
- 3:29Anne, das Orange, diese Kleidung, das dürfte kein Zufall sein.
- 3:32Ja, löst natürlich gleich eine Kette von Assoziationen aus. Diese orange Häftlingskleidung
- 3:36erinnert mich und ich glaube, das ist auch gewollt, alle an Guantanamo,
- 3:40an das Lager auf Kuba, was die Amerikaner dort betreiben und was nach.
- 3:47Den Terroranschlägen vom 11.
- 3:49September eingerichtet wurde und wo Terroristen oder Menschen,
- 3:53die die Amerikaner, die USA für Terroristen halten, gefangen gehalten wurden.
- 3:57Und das ist offenbar die Assoziation, die die iranische Propaganda da mit beabsichtigt.
- 4:03Jetzt sehen wir ganz oben eben auf dieser Liste, auf dieser Fotomontage Donald
- 4:07Trump, den US-Präsidenten und den israelischen Premier Benjamin Netanyahu mit
- 4:12einem Fadenkreuz auf der Stirn.
- 4:14Darunter unter anderem den US-Verteidigungs-
- 4:17oder wie er sich selber nennt Kriegsminister Pete Hexeth.
- 4:20Wir sehen Meloni aus Italien, Macron aus Frankreich, Stama aus Großbritannien
- 4:24und eben auch den deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz. Und oben drüber steht
- 4:28übrigens, wenn man das ins Deutsche übersetzt, Vergeltung ist unausweichlich.
- 4:33Die Verbrecher werden den Wunsch nach einem friedlichen Tod mit ins Grab nehmen.
- 4:39Veröffentlicht wurde dieses Bild, diese Liste übrigens online und zwar von der
- 4:44iranischen Hamshari-Zeitung, die von der Teheraner Gemeindeverwaltung herausgegeben wird.
- 4:49Am Montag wurde dieses Bild, diese Montage übrigens aber schon wieder offline genommen.
- 4:56Frau Mirzai, wenn diese Zeitung, die wie gesagt von der Teheraner Gemeindeverwaltung
- 5:01rausgegeben wird, so etwas veröffentlicht, können wir dann davon ausgehen,
- 5:05mit Kenntnis oder sogar im Auftrag des Regimes?
- 5:09Das ist schwierig zu sagen. Ich glaube, es ist wichtig, einmal zu erklären,
- 5:13wer die Medien im Iran kontrolliert.
- 5:15Und das sind eben zu großen Teilen die Ultra-Hardliner. Und diese Zeitung,
- 5:19die dann eben dieses Bild gedruckt hat, diesen Artikel gedruckt hat,
- 5:23die gehört eben auch zu diesen Ultra-Hardlinern.
- 5:26Was interessanter für mich ist, ist, dass es eben nicht in der Printausgabe
- 5:29erschienen ist, also wirklich nur online.
- 5:31Und dass es dann eben nach einigen Tagen wieder offline genommen wurde.
- 5:35Und das zeigt eben durchaus, dass es da ein gewisses Kräfteringen gibt im System,
- 5:42wie man vorgeht, was gibt man nach außen, was nicht.
- 5:45Und ich glaube, in diesem Fall haben zum Beispiel die Pragmatiker,
- 5:48die reformorientierten Kräfte im Land, die für Diplomatie sind,
- 5:51für Verhandlungen sind, die haben sich dann durchsetzen können und dafür eben
- 5:54gesorgt, dass dieser Artikel aus dem Internet verschwindet.
- 5:59Frau Mesa-I, wie reagieren denn die Leser oder die User.
- 6:05Auf so eine Propagandaveröffentlichung? Verstehen die, dass das Propaganda ist?
- 6:10Nehmen die das ernst oder finden die das gut?
- 6:14Haben sie darüber Erkenntnisse? Naja, solche Artikel und auch diese Rhetorik,
- 6:19die wir von diesem Regime hören, die gilt ja nicht nur für das Publikum im Außen,
- 6:24also außerhalb Irans, sondern es gilt vor allem auch der Zielgruppe im Land
- 6:28selbst und das sind die eigenen Unterstützer.
- 6:29Und denen muss man eben auch signalisieren, wir lassen so etwas nicht unbeantwortet,
- 6:33also diesen Krieg, aber eben auch die Tötung der obersten Führung,
- 6:36unter anderem eben auch des Revolutionsführers Khomeini.
- 6:40Wir lassen das nicht unbeantwortet und werden darauf reagieren.
- 6:43Also vieles, im Grunde geht es auch sehr häufig darum, die eigenen Unterstützer
- 6:47zu besänftigen und klarzumachen, dass man weiterhin in der Lage ist,
- 6:51auch brutal auf Dinge zu reagieren und Dinge nicht unbeantwortet zu lassen.
- 6:56Also Herr Kiesewetter, jetzt haben wir gehört von Frau Miesaie,
- 6:58das ist natürlich Kommunikation nach innen, auch Propaganda nach außen.
- 7:02Trotzdem an Sie die Frage, wie ernst als deutscher Politiker muss man sowas nehmen?
- 7:08Es ist ja keine Neuigkeit. Das Neue ist jetzt, dass es gegen Spitzenpolitiker,
- 7:14Staats- und Regierungschefs geht, Herr Wortmann.
- 7:17Aber wir haben in diesem Jahr bereits Morddrohungen gehabt gegen den Präsidenten
- 7:22des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, und gegen den Vorsitzenden
- 7:26der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, gegen Volker Beck.
- 7:30Das zeichnet sich schon ab, dass da jetzt etwas eskaliert.
- 7:34Auch Hanna Neumann, die sich als Europaparlamentarier sehr stark gegen transnationale
- 7:40Repressionen, eben nicht nur aus China, sondern auch aus Iran einsetzt,
- 7:44ist bedroht worden und war eine Zeit lang unter Schutz.
- 7:48Also wir sehen jetzt, dass bewusst kognitive Kriegsführung gemacht wird.
- 7:52Ich glaube nicht, dass Staats- und Regierungschefs, die ja besonders geschützt
- 7:55sind und Chefinnen, dass die bedroht sind, sondern dass die zweite und dritte
- 8:00Reihe sich Gedanken machen muss.
- 8:02Denn es gibt tausende Unterstützer des iranischen Systems auch in Deutschland.
- 8:07Aber wie ist denn die Einschätzung in der Bundesregierung, Herr Kiesewetter,
- 8:10könnten die iranischen Geheimdienste solche Attentate überhaupt verüben?
- 8:16Ich meine, wir haben ja jetzt gesehen, dass seit vier Monaten die Amerikaner
- 8:20alle möglichen sicherheitsrelevanten Behörden, Institutionen bombardieren.
- 8:26Sind die eigentlich überhaupt nicht mehr schlagkräftig?
- 8:30Wir haben eine Reihe von Unterstützern im Ausland.
- 8:35Die Hisbollah in Deutschland, die Hisbollah-Unterstützer sind bei etwa 1.000.
- 8:39Wir haben einen Unterstützungsverein, der hat etwa 1.300 Mitglieder.
- 8:43Zwar ist die Hisbollah inzwischen gelistet, auch die einen oder anderen sogenannten
- 8:47ehrenamtlichen Unterstützervereine, aber eine bestimmte Moschee in Neukölln,
- 8:52eine schiitische Moschee ist immer noch nicht geschlossen.
- 8:55Das Islamische Zentrum in Hamburg ist zwar geschlossen, aber nach Ankündigung,
- 8:59also war auch große Verdunkelung möglich.
- 9:02Und wir haben immer noch in Deutschland eine Reihe von Iran-Unterstützern,
- 9:07die Dual-Use-Güter beschafft haben, die teilweise erkannt wurden,
- 9:12teilweise auch in Haft sind oder vor Gericht stehen.
- 9:15Aber wir dürfen nicht unterschätzen, dass der Iran seit 1979 hier ein sehr intensives
- 9:21Netzwerk aufgebaut hat, das weit jenseits der religiösen Gruppen geht, sondern.
- 9:29Auch wirtschaftliche Interessen verfolgt, insbesondere im Bereich der Nukleartechnik,
- 9:33im Bereich des Maschinenbaus und vielem mehr Zentrifugen gewirkt hat.
- 9:37Und Deutschland war bis vor kurzem der stärkste europäische Handelspartner des Iran.
- 9:41Es gab immer ein großes Interesse daran, mit dem System auszukommen.
- 9:46Und das hat man natürlich in dem Schatten dieses System gegenüber positiv aufgestellt
- 9:52zu sein und nicht die Opposition zu unterstützen.
- 9:55Da ist natürlich auch ein ökonomisches Netzwerk entstanden und das wiederum
- 9:59auch die politischen Unterstützer des Systems im Iran genährt hat.
- 10:04Also die Gefahr ist groß, dass es zu Anschlägen kommt gegen jüdische Einrichtungen,
- 10:08aber auch gegen Politikerinnen und Politiker in der zweiten oder dritten Reihe.
- 10:13An einen März wird man nicht reichen, aber durchaus die einen oder anderen,
- 10:19die ich auch vorhin genannt habe.
- 10:21Ja, also wir hören raus bei Ihnen, Herr Kiesewetter, Sie nehmen die Lage sehr ernst.
- 10:25Diese Einschätzung teilt beispielsweise auch das Bundesinnenministerium,
- 10:28hat gegenüber, ein Sprecher hat gegenüber dem Handelsblatt gesagt,
- 10:31ich will das einmal kurz zitieren,
- 10:33die Bundessicherheitsbehörden beobachten die Entwicklungen im Zusammenhang mit
- 10:36der Lage im Nahen und Mittleren Osten weiterhin sehr genau und gehen verschiedenen
- 10:40Hinweisen zu mutmaßlichen Ausspähungen oder Vorbereitungen zu möglichen Anschlägen nach.
- 10:46Frau Miesaie, wenn wir nochmal den Blick richten auf das Regime und eine mögliche
- 10:52Strategie dahinter, wie würden Sie die erklären?
- 10:56Also zuerst einmal, wir kennen das seit Jahrzehnten, dass es diese Rhetorik
- 11:00gibt. Also wir sehen das seit Jahrzehnten, dass Israel-Flaggen,
- 11:02US-Flaggen verbrannt werden.
- 11:04Jetzt aktuell auch, dass Bilder von Donald Trump oder Benjamin Netanyahu verbrannt
- 11:09werden, dass immer wieder mit Vergeltung gedroht wird. Das sehen wir.
- 11:12Ich glaube, es ist wichtig hier zu sagen, dass von der politischen,
- 11:15militärischen Führung keine Liste genannt wurde, keine einzelnen Personen genannt wurden.
- 11:20In der Rede vom aktuellen obersten Führer Mushtaba Khomeini.
- 11:27Gab es einen kurzen Abschnitt, wo es darum ging, wir werden Vergeltung nehmen
- 11:31und da hieß es dann auch, und ich glaube, das ist wichtig, sie zu erwähnen, da hieß es dann auch,
- 11:35und es ist unabhängig davon, ob wir da sind oder nicht da sind,
- 11:39sondern es wird rechtschaffende Menschen geben, die das machen werden.
- 11:42Und das macht es, glaube ich, eigentlich gefährlicher, ob es da konkrete Pläne
- 11:46von iranischer Seite gibt oder nicht, da mal dahingestellt.
- 11:49Aber man weiß, man hat Unterstützer überall auf der Welt und es gibt ja auch
- 11:54dieses Phänomen des einsamen Wolfes, der so etwas dann nimmt und dann vielleicht
- 11:57so einen Anschlag verübt.
- 11:58Und da ist, glaube ich, das Risiko viel höher, als das jetzt wirklich von der
- 12:01Islamische Republik selbst konkrete Angriffe auf Politiker, SpitzenpolitikerInnen
- 12:07in Deutschland oder auch in Europa und im Westen ausübt, meiner Meinung nach.
- 12:11Bei der Rückreise von Donald Trump, wir erinnern uns, in der vergangenen Woche
- 12:14war der NATO-Gipfel in Ankara. Donald Trump bzw.
- 12:19Die US-Regierung hatte ja ein Flugzeug geschenkt bekommen von Katar.
- 12:23Das wurde dann umgebaut zur neuen Air Force One.
- 12:26Trump wollte unbedingt mit der schönen neuen Kata Air Force One zurückfliegen,
- 12:32weil die so schön luxuriös ist und der Geheimdienst hat gesagt, es ist zu gefährlich.
- 12:36Der hat offenbar nicht die gleichen Abwehr-Raketen-Abfang-Vorrichtungen wie die alte Air Force One.
- 12:45Genau, aber Frau Mesee, weil Sie gerade sagten, möglicherweise sind die Pläne
- 12:49gar nicht so konkret und wir kennen das schon lange, deutet sowas nicht dann
- 12:53doch eher vielleicht auch auf das Gegenteil hin, also dass es da dann doch auch Pläne gab?
- 13:00Die doch konkreter waren? Also nach meinem Kenntnisstand hat ja vor allem der
- 13:04Mossad, also der israelische Geheimdienst, davor gewarnt, dass es diese Anschläge gibt.
- 13:09Israel ist definitiv kein neutraler Partner in dieser ganzen Geschichte,
- 13:12sondern hat ein gewisses Interesse, dass dieser Krieg weitergeht und dass diese
- 13:15Waffenruhe brüchig wird. Deswegen würde ich jetzt auf Israel da gar nicht so
- 13:18sehr vertrauen, bei diesen Berichten, um ehrlich zu sein.
- 13:21Es reiht sich einfach in eine Serie von Drohungen, auch Morddrohungen,
- 13:26die wir aus Iran kennen. Dass der US-amerikanische Präsident...
- 13:30Ein großes Ziel für Anschlagspläne ist, nicht nur aus iranischer Seite,
- 13:34sondern auch von ganz vielen anderen Akteuren. Das halte ich für sehr wahrscheinlich.
- 13:39Das würde mich gar nicht verwundern.
- 13:40Ich frage mich einfach nur, ob es aus iranischer Seite wirklich konkrete Pläne
- 13:43gibt, den US-amerikanischen Präsidenten umzubringen.
- 13:47Vor allem, wenn wir gerade sehen, das Land ist inmitten eines Krieges.
- 13:50Es gibt wieder eine weitere Eskalation.
- 13:52Und viele in diesem Land sind weiterhin dafür, dass ein diplomatischer Weg gefunden werden muss.
- 13:58Und da kommt sowas eben nicht wirklich zugute, dass man eben jetzt diese große
- 14:03Aufregung hat mit diesen Morddrungen.
- 14:05Ich glaube, dass dieser Artikel zum Beispiel zurückgerufen wurde,
- 14:08diente auch dem. Also ganz klar zu sagen, wenn wir das jetzt diese Schiene weiter
- 14:12bedienen, dann könnte das schwierig werden bei den Verhandlungen.
- 14:15Und es gibt noch eine andere Sache, die auch in den letzten Tagen geschehen
- 14:19ist. Es gab nämlich ein Lego-Video. Es gibt ja diese bekannten iranischen Lego-Videos,
- 14:23die aus Propaganda oder zu Propagandazwecken genutzt werden.
- 14:26Und in einem dieser Videos tatsächlich wurde angedeutet, dass Lindsey Graham,
- 14:32der vor einigen Tagen gestorben ist, der US-amerikanische Politiker,
- 14:35dass er umgebracht wurde.
- 14:37Dieses Video wurde auch sofort wieder runtergenommen. Und das zeigt für mich
- 14:40eben durchaus, dass die größte Fraktion in diesem System immer noch dafür ist,
- 14:46dass man so etwas nicht macht und versucht wirklich zu deeskalieren.
- 14:49Auch wenn es wirklich ganz kleine Signale sind, die man da sendet.
- 14:52Aber ich würde das nicht unterschätzen, dass eben dieser.
- 14:57Ja durchaus das wirklich einen großen Grund zur Sorge gibt für dieses System,
- 15:01dass da eben jetzt wirklich in westlichen Staaten gedacht wird und eben auch
- 15:04vom US-Präsidenten, dass da wirklich konkrete Anschlagspläne bestehen.
- 15:08Wir sprechen gleich auch nochmal über das iranische Regime, schauen nochmal
- 15:11nach Iran. Ich würde trotzdem einmal gerne ganz kurz bleiben bei möglichen Anschlagsplänen,
- 15:18wie die dann auch ausgeführt werden könnten, also viel Konjunktiv.
- 15:23Seit ein paar Jahren nutzt Iran nämlich auch eine Methode, die wir zunächst von Russland kannten.
- 15:29Die Rede ist da von sogenannten Wegwerfagenten. Was es damit auf sich hat,
- 15:34das hat sich unsere Kollegin Gundula Gause mal genauer für uns angeschaut.
- 15:44Der Begriff Wegwerfagent stammt nicht aus der klassischen Geheimdienstsprache.
- 15:49Sicherheitsbehörden bezeichnen damit sogenannte Low-Level-Agenten.
- 15:53Menschen, die meist für einzelne Aufträge von Geheimdiensten oder von Mittelsmännern
- 15:59angeworben werden und leicht ersetzbar sind.
- 16:02Ihre Aufgaben sind oft klein und klar begrenzt.
- 16:06Sie beobachten Personen, fotografieren sensible Objekte oder verüben Sabotageakte,
- 16:12ohne den größeren Zusammenhang zu kennen.
- 16:15Danach werden sie fallen gelassen.
- 16:18Die meisten sind keine ausgebildeten Agenten und wissen oft nicht einmal,
- 16:22wer tatsächlich hinter ihrem Auftrag steht.
- 16:25Sie erhalten meist nur eine geringe Vergütung, tragen aber das volle rechtliche Risiko.
- 16:31Im schlimmsten Fall drohen Ermittlungen wegen Spionage oder geheimdienstlicher Agententätigkeit.
- 16:37Für Auftraggeber wie den iranischen Geheimdienst ist das ein Vorteil.
- 16:42Wird ein Wegwerfagent entdeckt, lässt sich die Verbindung zu den eigentlichen
- 16:46Hintermännern oft nur schwer nachweisen. Genau das macht diese Personen auch
- 16:51für die deutschen Sicherheitsbehörden so schwer zu identifizieren.
- 16:59Herr Kieser-Wetter, jetzt haben Sie gerade schon gesagt, um den deutschen Bundeskanzler
- 17:03Friedrich Merz machen Sie sich weniger Sorgen, weil er eben sehr gut geschützt ist.
- 17:09Anne, vielleicht an dich die Frage, du hast Friedrich Merz schon mehrfach interviewt.
- 17:13Wie muss man sich das vorstellen? Wie kommt er zu einem Termin,
- 17:19in diesem Fall dann zu einem Interview?
- 17:21Da gibt es immer ein Vorauskommando des Bundeskriminalamtes,
- 17:25meistens zwei oder drei Beamte und die gucken sich den Ort der Aufzeichnung
- 17:30und den Laufweg des Kanzlers von seiner Limousine,
- 17:34in dem Fall rein ins Hauptstadtstudio, ins Studio.
- 17:38Wo geht der in die Maske? Was sind da für Wege?
- 17:40Was könnten da für Gefahren sein? Das gucken die sich an.
- 17:44Und wenn die, die kommen immer so eine Stunde oder eine bestimmte Zeit vorher,
- 17:50und prüfen sozusagen, ob es da irgendwelche Gefahren im Hinterhalt gibt.
- 17:56Und wenn die okay geben, dann kommt er und hat natürlich auch immer Personenschützer dabei.
- 18:02Ich würde gerne mit Ihnen nochmal auf die Ebene, Herr Kiesewetter,
- 18:05Sie haben es genannt, die Ebene darunter schauen. Also ein Bundeskanzler ist
- 18:08sehr gut geschützt von Beamten des Bundeskriminalamts. Wenn wir auf Landespolitikerinnen
- 18:12und Politiker schauen, dann werden die vom LKA geschützt, haben auch Personenschutz dabei.
- 18:16Wir haben auch schon gesprochen über Josef Schuster, den Präsidenten des Zentralrats der Juden.
- 18:22Dem bin ich auch schon mehrfach begegnet. Auch der hat immer Personenschutz dabei.
- 18:27Sie haben richtigerweise aber auch darauf hingewiesen, dass es eben auch Politikerinnen,
- 18:31auch Exil-Iranerinnen, Iraner oder Aktivisten gibt, die diesen Schutz eben nicht
- 18:37haben und trotzdem möglicherweise im Visier des Regimes sind.
- 18:41Und sind unsere Sicherheitsbehörden darauf vorbereitet? Haben die das auf dem
- 18:45Radar, dass diese Menschen auch einer Gefahr ausgesetzt sind?
- 18:49Sie könnten das gar nicht leisten. Das Bundeskriminalamt oder die Landeskriminalämter,
- 18:53die dafür zuständig sind, machen Gefährdungsanalysen.
- 18:57Beispielsweise Abgeordnete auf Landes- oder Bundesebene können sich an die jeweiligen
- 19:01Einrichtungen wenden und werden dann auch beraten.
- 19:05Allerdings würde das insgesamt das überfordern, weil ja unklar ist,
- 19:09wann und wo so ein möglicher Anschlag stattfindet.
- 19:13Genauso gravierend ist es beispielsweise Diskreditierung im Internet zu leisten,
- 19:17Fake-Videos oder ähnliche Dinge zu machen.
- 19:19Oder schlichtweg kleinere Sabotageakte wie Haustüren beschmieren oder Autos
- 19:25beschädigen und so weiter, was nur schwer zuzuordnen ist.
- 19:28Also es ist niedrigschwellig, es ist vielfältig und deshalb kann man sich dagegen auch nicht schützen.
- 19:34Die Gefahr ist natürlich, dass
- 19:36man verstummt, dass viele eben leise werden oder sich nicht mehr äußern.
- 19:40Wir haben ja auch Fälle gehabt, wo Kollegen Brandanschläge auf ihre Wahlkreisbüros hatten und so weiter.
- 19:46In Halle war so ein Fall bei einem SPD-Kollegen.
- 19:50Wir müssen uns generell auf solche Dinge einstellen, insbesondere auch Politikerinnen
- 19:55und Politiker, die sich für Menschenrechte einsetzen, dann eben nicht ausschließlich
- 19:59nur für ein Land, sodass eben unklar ist, aus welcher Richtung es kommt.
- 20:03Und wir wissen beispielsweise sehr klar, dass China ganz massiv in Deutschland
- 20:06mit transnationaler Repression aktiv ist. Hinzu kommt, dass der Iran ja nicht
- 20:11isoliert ist. Iran gemeinsam mit
- 20:13China, Nordkorea und Russland führen den Angriffskrieg gegen die Ukraine.
- 20:18Der Iran erhält sehr viele Zieldaten von chinesischen Satelliten über Russland
- 20:22oder auch unmittelbar, zum Beispiel was amerikanische Schiffe angeht oder amerikanische
- 20:27Einrichtungen in den Golfstaaten.
- 20:30Trump hat ja versucht mit seinem 14-Punkte-Plan den Russen und Chinesen entgegenzukommen,
- 20:35indem er bei 13 der 14 Punkte Zugeständnisse machte und das hat nicht gewirkt.
- 20:40Also wir müssen uns darauf einstellen, dass ja der Staats-, wenn man so will,
- 20:43der Mullah-Führer ermordet würde.
- 20:48Oder getötet wurde und dass natürlich der Iran für sich in Anspruch nimmt,
- 20:52dasselbe mit Repräsentanten von Staaten, die Israel oder die USA unterstützen, zu tun.
- 20:58Und wenn sie die erste Ebene nicht erreichen, dass die Gefahr ist,
- 21:01dass Sabotageakte oder tatsächlich auch Anschläge oder einfach nur Zerstörungen
- 21:07im Umfeld solcher Leute stattfinden, darauf müssen wir uns einstellen.
- 21:11Also in kurzer Antwort, nein, wir sind nicht darauf eingestellt,
- 21:14weil wir gar nicht das Personal haben und unsere Nachrichtendienste auch nicht
- 21:18die Überwachungsmethoden haben.
- 21:19Ein Stichwort, was Sie gerade genannt haben, die sogenannte transnationale Repression,
- 21:23will ich vielleicht noch einmal ganz kurz erklären, weil es auch ein Begriff
- 21:25ist, den die Bundesregierung mittlerweile benutzt.
- 21:28Kann man sich vielleicht erschließen, aber gemeint ist, wie eben autoritäre
- 21:32Staaten versuchen, Kritiker auch außerhalb ihrer eigenen Grenzen einzuschüchtern
- 21:36und dann auch unter Druck zu setzen.
- 21:38Frau Mirzaeh, jetzt haben wir gerade von den Kiesewetter gehört,
- 21:40er sieht die deutschen Behörden da bisher nicht drauf vorbereitet.
- 21:44Was hören Sie denn von denen, die das betrifft? Also von Regimekritikern,
- 21:49von Exil-Iranerinnen und so weiter?
- 21:52Da höre ich dasselbe, dass sie sich nicht geschützt fühlen, schon seit Jahren
- 21:55nicht geschützt fühlen.
- 21:57Und ich denke, daran wird sich jetzt auch nichts ändern. Also ich teile die
- 21:59Einschätzung von Herrn Kieselwetter.
- 22:00Das wäre ja eine massive Aufgabe, mit denen die Sicherheitskräfte da zu tun haben.
- 22:07Und jede einzelne Person, die aktivistisch unterwegs ist und im iranischen Kontext
- 22:12sind das eben wirklich sehr, sehr viele.
- 22:14Da irgendwie personell zu schützen mit der Polizei, das ist einfach nicht machbar.
- 22:19Und das ist natürlich schwierig für diese Aktivistinnen und Aktivisten,
- 22:22die sowieso schon, selbst ohne konkrete Morddrohungen, immer wieder sich unsicher
- 22:27gefühlt hatten, nicht wussten, werden sie verfolgt, werden sie nicht verfolgt.
- 22:30Und für die ist das Leben jetzt natürlich noch etwas unsicherer,
- 22:32weil sie nicht wissen, ob sie jetzt wirklich konkret auf Listen stehen.
- 22:35Es gab ja genügend Demonstrationen, wo Menschen sehr offen sich gezeigt haben,
- 22:40ihre Antipathie gegenüber die Islamische Republik sehr klar gezeigt haben.
- 22:43Und da stellt sich natürlich schon die Frage, inwieweit werden diese ganzen
- 22:46Videos überhaupt durchleuchtet von den iranischen Sicherheitskräften?
- 22:50Wie viele Menschen stehen bereits auf Listen?
- 22:53Und was muss man eigentlich konkret machen, auf so einer Liste zu landen?
- 22:56Also so vieles ist halt gerade so willkürlich und unklar, dass ich glaube,
- 23:00dass das keine guten Nachrichten sind für iranische Aktivistinnen und Aktivisten.
- 23:06Ja, man muss auch, glaube ich, ganz klar sagen, dass dieses System der Wegwerfagenten,
- 23:11dass das iranische Regime von Russland kopiert hat, dass das eben auch eine
- 23:15unheimlich perfide Art ist, Druck auszuüben, dem man kaum auf die Spur kommen kann.
- 23:21Schauen wir vielleicht mal nach vorne auf die Frage, was denn daraus folgen
- 23:25könnte, folgen sollte aus dieser Propaganda, diesen Drohungen,
- 23:29über die wir jetzt gesprochen haben.
- 23:31Wir müssen natürlich davor erstmal darauf schauen, an wen die sich denn richten
- 23:35würde, wenn wir jetzt auch beispielsweise über Sanktionen sprechen.
- 23:40Da stellt sich die Frage, wer gerade in Iran die Macht hat. Frau Miesa,
- 23:45wir haben es schon angesprochen, Sie haben skizziert da.
- 23:48Scheinen auch verschiedene Kräfte mit unterschiedlichen Interessen am Werk zu sein.
- 23:52Trotzdem, wie würden Sie die Frage beantworten, wer regiert da gerade das Land?
- 23:56Es ist nach wie vor so, dass wir sehr unterschiedliche Kräfte im Land sehen.
- 24:00Allerdings können wir durchaus sagen, dass wir eine Machtverschiebung zugunsten
- 24:04der Revolutionsgarden sehen seit diesem Krieg und vor allem seit der Tötung
- 24:10von Romine Senior, also dem obersten Revolutionsführer.
- 24:13Und das ist etwas, was ich glaube, ohne diesen Krieg und ohne den Tod von Romain
- 24:18nicht so schnell möglich gewesen wäre.
- 24:20Obwohl es in der Vergangenheit durchaus Berichte gab oder auch Analysen,
- 24:24dass wir so eine Machtverschiebung in Zukunft sehen werden, weil die Revolutionsgarde
- 24:27eine so wichtige Institution im Land geworden ist über die letzten Jahrzehnte.
- 24:31Also politisch eine sehr wichtige Institution. Sie besetzt sehr viele politische Posten.
- 24:35Sie kontrolliert sehr große Teile der Medien. Sie ist der größte Wirtschaftsplayer
- 24:39im Land. Also er hat durchaus auch ein Interesse zum Beispiel,
- 24:41dass es Sanktionen gibt, weil sie eben dadurch davon profitieren.
- 24:44Und das ist etwas, das wir jetzt gerade sehen. Nein, davor hatten wir durch Romainé,
- 24:51eine Autoritätsperson in diesem Land, die in der Lage war, diese unterschiedlichen
- 24:55Fraktionen, Rivalitäten, die es gab, etwas unter Band zu halten. In der Lage war.
- 25:03Es zu ermöglichen, dass das alles nicht überhand nimmt und jetzt ist er eben
- 25:06weg und wir haben gerade keine Person in diesem System, die so viel Macht hat
- 25:12und in der Lage wäre, da wieder alles unter Kontrolle zu bringen.
- 25:16Und trotzdem ist es mir auch wichtig zu betonen, dass wir, also wir sehen natürlich
- 25:21Rivalitäten hier und da, gewisse Machtkämpfe, aber ich hätte durchaus mehr erwartet tatsächlich.
- 25:26Ich bin sehr überrascht davon, wie geeint sie trotzdem noch sind und immer noch
- 25:30auf der Lage sind, mit einer geeinten Stimme zu sprechen.
- 25:33Und dass durchaus verstanden wird, dass dieser Krieg gerade so zentral ist und
- 25:37man eben nicht diese Rivalitäten vermittelt.
- 25:39Außer Rand und Band geraten lassen darf, sondern wirklich eher versuchen muss,
- 25:44das jetzt erstmal klein zu halten und nach einem Kriegsszenario,
- 25:47also wenn wieder eine Ordnung einkehrt, dann denke ich, werden wir da viel mehr davon sehen.
- 25:51Aber jetzt aktuell ist alles unter Kontrolle und wir sehen ein gewisses,
- 25:55schon eine geordnete Struktur aktuell.
- 25:58Herr Kiesewetter, in dieser Situation, die Frau Mirzaida gerade beschrieben
- 26:02hat, im Land, in der iranischen Machtstruktur, Architektur,
- 26:08was kann, was muss denn da diplomatisch jetzt folgen aus dem,
- 26:12über das wir jetzt die ganze Zeit gesprochen haben?
- 26:15Nun Frau Mirzey hat ja sehr klar die Kontur gezeichnet, dass der Iran sich im
- 26:21Grunde genommen über Jahre auf das vorbereitet hat, was wir in den letzten zwei Jahren erlebt haben.
- 26:27Führungsebenen wurden bis zur vierten Ebene vierfach nachbesetzt,
- 26:31sodass also auch bei der Tötung der zweiten und dritten Reihe eine vierte bereits vorbereitet war.
- 26:38Aber Diplomatie alleine sehen wir ja auch, war nicht wirkungsvoll,
- 26:43als die Verhandlungen in Pakistan waren.
- 26:46Für uns Europäer ist es auch ein Zeichen, dass wir, wenn wir ausschließlich
- 26:51auf Diplomatie setzen, da irgendwo ins Leere laufen.
- 26:54Einmal, weil die Amerikaner Diplomatie nicht in der Form ernst nehmen,
- 26:58sondern immer mit einem seltsamen Deal verknüpfen und teilweise unberechenbare Härte zeigen.
- 27:04Das heißt also, als Verhandlungspartner ist Trump unberechenbar und wir haben
- 27:09die Chance, die Golfstaaten.
- 27:12Wie soll ich sagen, nicht enger an uns zu binden, aber die Golfstaaten zu überzeugen,
- 27:15dass es vielleicht besser ist, mit einem verlässlichen, berechenbaren Europa
- 27:19zusammenzuarbeiten. Das ist der letzte Punkt.
- 27:22Wir geben der iranischen Zivilbevölkerung kaum Raum. Die alte Bundesregierung
- 27:26und auch die jetzige gibt der iranischen Opposition kein Gesicht.
- 27:30Sie arbeitet weder mit der Nobelpreisträgerin zusammen, auch nicht als sie mal in Deutschland war.
- 27:35Noch hat sie auch nur in Ansätzen mit dem Schar-Sohn Gespräche geführt.
- 27:40Es wird grundsätzlich der Opposition kein Gesicht gegeben.
- 27:43Glücklicherweise auch nicht den etwas seltsamen Truppen, die da immer vor dem
- 27:48Bundestag stehen, den Volksmutschahidin.
- 27:50Aber wir nutzen es nicht, der iranischen Opposition ein Gesicht zu geben,
- 27:54VPN-Server zu geben, mitzuhelfen, dass der Iran nicht zerfasert.
- 27:59Kurden, die unter Chemiewaffen standen, ein früherer iranischer Botschafter
- 28:05in Deutschland, hat Chemiewaffen gegen die kurdische Bevölkerung eingesetzt.
- 28:09Wir haben ihn trotzdem gewähren lassen.
- 28:10Wir weisen iranische Diplomaten nicht aus. Wir erhöhen den Druck nicht.
- 28:15Also es gibt so viele Möglichkeiten, die wir machen könnten und da sind wir
- 28:19aus meiner Sicht sehr unambitioniert.
- 28:22Wir haben uns das zwar parlamentarisch schon mal auf die Tagesordnung geschrieben,
- 28:26aber wir erwarten hier mehr auch von der jetzigen Bundesregierung.
- 28:29Das wäre tatsächlich meine Frage noch gewesen, Herr Kiesewetter.
- 28:31Warum lassen wir eigentlich zu, dass die iranischen Botschaften hier in Deutschland
- 28:36sozusagen als Brückenkopf der Geheimdienste da agieren? Das versuchen wir ja
- 28:40bei Russland auch einzudämmen. Also die Bundesregierung versucht das.
- 28:44Nicht wir. Naja, die Bundesregierung hat bei der russischen Botschaft dahingehend
- 28:49erreicht, dass die ihre Aktivitäten aufs russische Haus verlagert haben.
- 28:53Und das schließen wir nicht, um Moskau zu signalisieren, man kann mit uns auch reden.
- 28:57Wir lassen es ja auch zu, dass die Afghanen in Deutschland, die ja auch mehrere
- 29:02Millionen Flüchtlinge im Iran haben, dass sie in ihrer Botschaft Menschen austauschen
- 29:07und jetzt Taliban wesentliche Aufgaben übernehmen.
- 29:10Also wir sollten doch aus unseren Fehlern mit dem russischen Haus und dem Umgang
- 29:14mit den Afghanen, die jetzt auf der zweiten Führungsebene Taliban einsetzen,
- 29:18lernen und sehr klar uns positionieren mit Blick auf verschärfte Sanktionen und Ausweisungen.
- 29:25Diplomatische, technische Kanäle gibt es immer, aber wir müssen nicht den Eindruck
- 29:29vermitteln, dass wir das System festigen in der Art und Weise,
- 29:34wie wir mit der Botschaft umgehen. Frau Mesae, Sie wollten noch was sagen?
- 29:37Ich wollte zwei Dinge sagen. Zum einen zur Rolle Europas.
- 29:41Geht für mich persönlich gar nicht darum, ob Europa eine Rolle spielen möchte,
- 29:44sondern ob Europa eine Rolle spielen kann.
- 29:46Und Europa ist kein verlässlicher Partner. Das wurde jetzt wirklich in den letzten Jahren sehr klar.
- 29:51Von iranischer Sicht ist sehr klar, dass man sich auf Europa nicht verlassen
- 29:54kann. Denn als die USA 2018 einseitig das Atomabkommen aufgekündigt haben,
- 29:59waren die Europäer noch am Tisch. Aber die konnten nichts machen,
- 30:02weil der wichtigste Akteur war die USA.
- 30:04Und das zeigt eben, dass die Europäer nicht die politische Macht haben,
- 30:08wirklich sehr viel zu bestimmen. Wir sehen auch jetzt aktuell,
- 30:11spielen die Europäer keine wirkliche Rolle in diesen Verhandlungen,
- 30:15die laufen in einer potenziellen Nachkriegsordnung.
- 30:17Da spielen sie keine Rolle und das ist eigentlich das, ja das ist sehr schade
- 30:21für Europa, dass das so offensichtlich wurde.
- 30:23Zu der Opposition, ich stimme wirklich zu, dass wir zu wenig getan haben für
- 30:28die iranische Zivilgesellschaft im Land selbst.
- 30:32Und ich will aber dazu auch noch sagen, dass ich nicht glaube,
- 30:34dass wir das mit Sanktionen schaffen, also dass wir mit Sanktionen diese Menschen
- 30:38befähigen, sondern die sind die, die am Ende, vor allem die brauchen ja eine
- 30:41Mittelschicht, die Intellektuellen für so etwas im Land und die sind verarmt
- 30:45durch diese Sanktionen.
- 30:46Die sind ja eine massive Verarmung, die natürlich auch durch Korruption und
- 30:48Missmanagement entstanden ist, aber durch Sanktionen nochmal wirklich verschärft wurde.
- 30:52Und wenn es um diplomatische Beziehungen geht, ich halte es für sehr schwierig,
- 30:56diplomatische Beziehungen komplett zum Stillstand bringen zu wollen,
- 31:00wenn man diplomatische Mittel braucht, um eine Lösung zu suchen und auch den
- 31:04Menschen im Iran zu helfen.
- 31:05Also wenn ich mit Menschen im Iran spreche, dann heißt es sehr klar.
- 31:08Wenn Botschaften geschlossen werden in Europa, dann können wir ja gar nicht
- 31:12mehr das Land verlassen. Wie sollen wir dann eigentlich noch nach Europa kommen
- 31:14und sei es nur für Studieren? Das ist ja ausgeschlossen dann eigentlich.
- 31:17Es ist nicht mehr möglich.
- 31:18Und ich glaube, man sollte eher, wenn man wirklich irgendwas machen möchte für
- 31:21die Zivilbevölkerung, mehr daran denken, schadet man ihnen nicht eigentlich
- 31:24damit, mit dem, was man gemacht hat? Ich würde sagen, in den letzten Jahren,
- 31:27die Politik gefahren wurde, hat ihnen geschadet. Und gleichzeitig glaube ich...
- 31:31Soll es man eben nicht nur auf Aktivistinnen und Aktivisten in der Diaspora
- 31:34hören, die eine gewisse Agenda auch haben.
- 31:36Ich glaube auch nicht, dass der Sabhalawi die Oppositionsfigur ist.
- 31:40Ich finde tatsächlich haben die letzten Monate sehr klar gezeigt,
- 31:43dass er überhaupt keinen Rückhalt hat im Iran, einen nennenswerten Rückhalt.
- 31:47Eine organisierte Opposition, genau, der Sohn des Schahs.
- 31:49Und ich glaube, es ist wirklich fatal, dass er überhaupt noch genannt wird,
- 31:52nach so vielen Monaten, wo er keine Rolle mehr hat und wo auch die Menschen
- 31:55im Iran mittlerweile zunehmend wütend auf ihn sind und sagen,
- 31:59er hat uns nach draußen geschickt, er hat uns gesagt, geht auf die Straßen und
- 32:02Hilfe wird, kommt und ihr werdet befreit von diesem Regime.
- 32:05Und das war eben nicht der Fall. Und das, finde ich, ist so fatal.
- 32:07Und das ist eine Lektion für die Menschen im Iran.
- 32:10Dass sie eben dem Westen nicht trauen können und dass viele Aktivistinnen und
- 32:13Aktivisten eben doch nicht vielleicht ihr Interesse in der Hand,
- 32:16im Herzen hatten oder eben auch nicht wirklich die Netzwerke hatten,
- 32:21um etwas letzten Endes für sie zu ermöglichen.
- 32:23Also wir werden bestimmt noch weiter darüber sprechen.
- 32:27Es bleibt weiter kompliziert. An dieser Stelle machen wir bei diesem Thema hier
- 32:31und heute jetzt einen Punkt, die bei mir sei, war das Iranforscherin und Roderich
- 32:34Kiesewetter, Verteidigungs- und Außenpolitiker der CDU. Vielen Dank an Sie beide.
- 32:39Danke für Ihre Zeit. Danke. Vielen Dank.
- 32:42Anne, bevor wir gleich zu unserem zweiten Thema kommen, das ist ein ganz anderes
- 32:45Thema, ich sage nur Ikimel und MoMA,
- 32:48möchte ich mit dir noch ganz kurz auf einen Aspekt dieses Themas schauen,
- 32:53der für eine Nachrichtensendung wie das Heute-Journal natürlich total wichtig ist.
- 32:57Und zwar die Frage, wie umgehen mit Propaganda.
- 33:02Wir haben gesprochen über dieses Bild, über diese Todesliste,
- 33:05haben auch gesagt, natürlich ist das Propaganda, die da ganz bewusst verbreitet wird.
- 33:10Und ein Stück weit verbreiten wir diese Propaganda ja aber auch,
- 33:14weil wir darüber berichten. Wie gehen wir damit um?
- 33:17Also wir gehen damit so um, dass wir es natürlich nicht unkommentiert zeigen.
- 33:23Auch hier würde ich so ähnlich wie bei Trump für eine etwas zurückgenommene
- 33:30Berichterstattung plädieren.
- 33:32Wir haben in unseren Sendungen diese Fahndungsliste nicht gezeigt.
- 33:36Ich finde aber, wenn man über iranische Propaganda berichtet,
- 33:39dann muss man sie natürlich zeigen.
- 33:44Wir müssen ja das iranische Regime und seine Methoden zeigen,
- 33:47aber eben genau als Methode und mit Einordnung, welche Bedeutung hat das?
- 33:54Und genau mit dem, was Frau Mirzaei uns gerade erzählt hat, dass es eben verschiedene
- 33:58Gruppen gibt, die da gegeneinander stehen im Iran.
- 34:02Ich würde es nicht einfach unkommentiert irgendwie als Nachricht zeigen.
- 34:06Richtig, auch hier wie immer der Kontext. Also, sag dir, Anne, der Name Ikimel was.
- 34:14Ehrliche Antwort, bis vor zehn Tagen nein. Aber vor zehn Tagen ist was passiert
- 34:20und gefühlt hat halb Deutschland darüber gesprochen. Und zwar Ikimel,
- 34:24eine sehr bekannte, sehr erfolgreiche deutsche Rapperin aus Berlin.
- 34:29Und sie ist ziemlich erfolgreich mit Texten über Sex, auch über Drogen.
- 34:33Und das eben oft in einer Kombination mit so einem schnellen,
- 34:37typischen Gen-Z-Beat, so würde ich es mal nennen.
- 34:39Und ist eben gerade deswegen auch in der Gen-Z ein Superstar.
- 34:43Viele bezeichnen sie auch als feministischen Superstar und sie war eben,
- 34:47du sagst es, vor zehn Tagen im ZDF zu sehen und zwar bei uns im ZDF-Morgenmagazin.
- 34:54Gegenfrage an dich, du hast moderiert an dem Morgen, wie war es für dich, der Auftritt?
- 34:59Also, ich habe ein paar Tage vorher davon erfahren, dass sie kommt,
- 35:03weil wir natürlich als Moderatoren, ich habe morgens eben zusammen mit Andreas
- 35:06Wun die Sendung moderiert. Und du kanntest sie auch vorher?
- 35:09Ich kannte sie vorher und habe die Übersicht mit den Künstlerinnen und Künstlern
- 35:12bekommen, die wir eben dann zu Gast haben.
- 35:15Die stehen in der Regel in der Woche davor schon fest und habe dann gedacht,
- 35:18okay, Ikime Emoma, das ist irgendwie eine wilde Kombination.
- 35:24Ich habe unseren Chef gefragt, ist das denn gewollt?
- 35:28Wisst ihr, wer das ist? Und er sagte, ja, ganz klar, das ist eine Künstlerin,
- 35:33die gerade total von vielen gefeiert wird.
- 35:36Die bekommt Preise, die ist in den Charts. Vielleicht können wir uns einmal
- 35:39ganz kurz zusammen den Song anhören, den sie dann tatsächlich auch im ZDF MoMA präsentiert hat.
- 36:04Anne, du lachst, was geht in dir vor? Also ich muss ehrlich sagen,
- 36:09ich habe mich total gewundert, welche Reaktionen das hervorgerufen hat.
- 36:14Also es gab ja dieses lustige Reel, in dem die überraschten Zuschauer im Morgenmagazin,
- 36:21immer gegengeschnitten waren.
- 36:23Jetzt muss man auch mal sagen, ich fand die Reaktionen darauf ziemlich übertrieben,
- 36:27weil das MoMA-Café, Ich bin ja natürlich regelmäßige Zuschauerin des Morgenmagazins
- 36:32im ZDF und das MoMA-Café hat ja eine,
- 36:36irre Bandbreite an Leuten, die da auftreten.
- 36:38Das kann eine Indie-Band sein, irgendein klassischer Pianist,
- 36:44eine Schlagersängerin.
- 36:46Also Icky Mel passte da für mich irgendwie in diese Bandbreite rein und deshalb
- 36:51finde ich die ganze Aufregung darum irgendwie total übertreten.
- 36:56Es wurde ja auch viel in den Kommentaren, aber auch in der Berichterstattung,
- 36:59von so einem Schock geschrieben, gesprochen, der da bei den Zuschauerinnen,
- 37:05die da eben bei uns im Studio saßen.
- 37:08Passiert sein soll. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich saß ja wenige Meter vor
- 37:12ihr. Ich habe das nicht so wahrgenommen. Natürlich gab es Zuschauerinnen und
- 37:15Zuschauer, die irgendwie überrascht wirkten.
- 37:19Es gab welche, die wirkten so ein bisschen befremdet.
- 37:22Aber da kann ich glaube ich für das ganze Team sprechen. Wir waren auch alle
- 37:26total überrascht davon, wie sehr das viral gegangen ist. Also ich habe glaube
- 37:31ich jeden Tag in meinem Feed unzählige Reels dazu gesehen.
- 37:35Das ist auf Meme-Accounts gelandet. Es haben andere Medien darüber gesprochen,
- 37:39darüber geschrieben und es ist eben dann auch in dieser Woche viral gegangen in den USA.
- 37:46Und da habe ich wirklich gedacht, okay, jetzt wird es wild.
- 37:49Also das ist jetzt eine Dimension, die ich überhaupt nicht habe kommen sehen.
- 37:53Falls ihr das noch nicht mitbekommen habt, Hintergrund ist oder Auslöser ist, dass die,
- 37:58US-Musikerin und Grammy-Gewinnerin Doji das Video eben von ZDF heute,
- 38:04was Anne gerade angesprochen hat, auf ihrem TikTok-Account geteilt hat.
- 38:09Dementsprechend wurden natürlich auch viele Menschen in den USA darauf aufmerksam
- 38:13und haben dann kommentiert wie I don't understand anything she said,
- 38:17but it sounds good to me oder es schreibt jemand Come to Atlanta.
- 38:23Ja, ich würde mal sagen, eine bessere Werbekampagne für das ZDF-Morgenmagazin
- 38:27kann man sich nicht vorstellen. Ist natürlich alles irre.
- 38:30Und das Irrste daran, finde ich ja, diese Aufregung darüber,
- 38:33ob sowas im öffentlich-rechtlichen Fernsehen stattfinden darf.
- 38:37Meine Antwort darauf ist natürlich ja. Warum nicht?
- 38:41Denn die Frau macht ja nichts anderes als das, was...
- 38:47Ich will sagen, tausende männliche Rapper machen, nämlich über Drogen,
- 38:53über Sex, über Frauen als Objekt der Begierde singen und sie macht es halt genau umgekehrt.
- 39:01Sie nimmt die weibliche Perspektive ein und redet über Männer als Sexobjekte
- 39:06und die Welt steht Kopf und das im Jahr 2026.
- 39:10Das finde ich eigentlich die eigentlich erstaunliche Sache.
- 39:14Vielleicht kann man es dann auch bei diesem Auftritt und bei dieser Aufregung
- 39:18auch belassen. Ich finde, es ist jetzt mal gut.
- 39:22Anne, vielen Dank, dass du mit mir in dieser Folge zusammen,
- 39:26ja, dass du diese Folge zusammen mit mir bestritten hast. Danke.
- 39:29Danke für die Einladung.
- 39:31Ja, und wenn euch diese Folge gefallen hat, dann freuen wir uns natürlich wie
- 39:34immer über eine positive Bewertung und natürlich auch gerne ein Abo und euer Feedback.
- 39:41Das ist auch immer herzlich willkommen. Wünsche, Ideen als Kommentar oder ihr
- 39:45schickt uns eine Mail. Und zwar an heutejournal-podcast.zdf.de.
- 39:50Vielen Dank von mir, vom gesamten Team.
- 39:53Schönes Wochenende und bis bald. Tschüss.
- 40:01Heute Journal, der Podcast, wird produziert von Pool Artists.