Latest / Die Lage international mit Christian Mölling / Starshield–Affäre: „Die Amerikaner können der Ukraine massiven Schaden zufügen“
Transcript
- 0:06Es ist Donnerstag, der 15. Oktober. Hallo und herzlich willkommen zum Stern-Podcast
- 0:10Die Lage International mit Christian Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler
- 0:14Think Tank European Policy Center.
- 0:16Guten Morgen, Herr Mölling. Hallo, guten Morgen, Herr Gassel.
- 0:19Ich bin Steffen Gassel, diplomatischer Korrespondent des Stern.
- 0:22Herr Mölling, ich glaube, in dieser Ausgabe müssen wir uns,
- 0:25so ein bisschen von Schauplatz zu Schauplatz arbeiten und vielleicht aus dem
- 0:28Prinzip vorgehen, dass was weiter weg ist zuerst und dann kommen wir langsam
- 0:33in größere geografische Nähe.
- 0:35Ich würde gerne starten mit der Lage in Saudi-Arabien.
- 0:39Man hört ja doch Erstaunliches von dort. Die Nachrichten zeigen sozusagen von
- 0:45Tag zu Tag Bilder von neuen Einschlägen von Drohnen, ballistischen Raketen,
- 0:49die von der Houthi-Miliz im Jemen abgeschossen werden.
- 0:53Mal auf Ölanlagen, mal auf den internationalen Flughafen der Hauptstadt und
- 0:58andere Flughäfen, mal auf das Headquarter, also die Zentrale von Saudi-Aramco, der weltweit größten,
- 1:07Ölfirma in Saudi-Arabien.
- 1:10Und dann hört man Erstaunliches über den Kronprinzen und de facto Herrscher
- 1:14Saudi-Arabiens Mohammed bin Salman.
- 1:16Der muss sich nämlich offenbar mit ziemlichem Aufwand an Geheimhaltung von einem
- 1:20verbunkerten Palast zum nächsten begeben und nirgendwo zu lange bleiben,
- 1:25um nicht beim nächsten Houthi-Angriff ein allzu leichtes Ziel abzugeben.
- 1:29Dass sowas jetzt ausgerechnet in Saudi-Arabien passiert, was ja seit Jahrzehnten,
- 1:34massiv in seine Partnerschaft zu Amerika investiert und das womöglich,
- 1:39sogar mehr denn je tut unter dem jetzigen Herrscher, inklusive privater Investitionen
- 1:45im Familienumfeld des amerikanischen Präsidenten von saudischer Seite,
- 1:48das erstaunt ja dann doch.
- 1:51Wird da sozusagen ein Deal, von dem man angenommen hatte, in einem Fall wie
- 1:55diesem, funktioniert er jetzt von amerikanischer Seite nicht eingelöst?
- 1:59Ja, es funktioniert, glaube ich, so wie alle Trump-Deals, nämlich gar nicht.
- 2:04Das heißt, man nimmt das Geld und rennt weg.
- 2:07Die Frage, was bedeutet das langfristig für die Beziehungen?
- 2:11Was bedeutet das für Saudi-Arabien als Land? Und was bedeutet das für alle anderen
- 2:15drumherum, die das gerade mit anschauen, inklusive uns?
- 2:18Ich glaube, das ist der Trump-Regierung total egal. Das ist,
- 2:21glaube ich, die erste Ebene, die man sehen muss.
- 2:24Also die Amerikaner haben, nein, die Trump-Regierung sieht für sich keine Notwendigkeit,
- 2:29da offensichtlich zu helfen oder aber sie sind nicht in der Lage zu helfen.
- 2:33Das gehört ja auch mit dazu, dass die Saudis sich zwar sehr lange mit amerikanischen,
- 2:39Waffensystemen Unterstützung ausgerüstet haben, sie möglicherweise aber auch
- 2:44teilweise gegen den falschen Krieg gerüstet haben.
- 2:46Also das heißt, die Angriffe der Houthis sind offensichtlich von einer anderen
- 2:51Qualität als das, wogegen Saudi-Arabien ja über die letzten Jahrzehnte unendlich
- 2:55viel Geld ausgegeben hat.
- 2:57Die haben ja wirklich bei den Amerikanern, auch bei den Europäern ganz, ganz viel eingekauft.
- 3:02Das hilft aber jetzt nicht gegen das, was die Houthis sich offensichtlich ins
- 3:05Arsenal gestellt haben und jetzt damit verschießen.
- 3:09Und es zeigt, glaube ich, dann die inhärente Schwäche oder die großen Widersprüche, den großen Bias.
- 3:16Wo man sich fragen muss, trifft das auf viele andere Golfstaaten im Grunde genommen
- 3:20auch zu, dass sie eigentlich eher, also bei uns hieß es eigentlich immer,
- 3:24das ist wahrscheinlich bis heute noch, Bling Bling gerüstet haben.
- 3:27Also wirklich schönes, shiny Stuff, also wirklich gut aussehende Rüstungsgüter,
- 3:34die aber mit dem Gegner, der eben keine große formierte Armee ist,
- 3:39eigentlich nichts zu tun haben und dagegen gar nicht helfen.
- 3:42Sie haben gerade schon angesprochen, was das, was dort passiert,
- 3:45womöglich auch mit uns zu tun hat, weil es eben darum geht, um die Frage der
- 3:50Verlässlichkeit, womöglich auch der eingeschränkten Fähigkeit der Amerikaner.
- 3:54Es gibt ja einen wesentlichen Unterschied.
- 3:57Würde man aus europäischer Sicht zumindest gerne annehmen. Wir haben ja hier eine NATO.
- 4:02Das heißt, es gibt ein sozusagen formal besprochenes Verteidigungsbündnis,
- 4:07das dann im Zweifelsfall füreinander einstehen soll.
- 4:10Sowas haben die Saudis nicht. Die Saudis sind sozusagen ein besonderer Partner außerhalb der NATO.
- 4:16Den Status haben wahrscheinlich so eine Handvoll Länder, unter anderem auch
- 4:20weitere Länder in der Golfregion.
- 4:21Aber eine NATO gibt es da nun nicht. Was können wir trotzdem davon lernen?
- 4:26Wie groß ist der Unterschied? Oder um es mal auf die Spitze zu treiben,
- 4:29wie viel nützt es denn noch, US-Alliierter zu sein?
- 4:32Naja, ich glaube, die wesentliche Antwort ist in Ihrer Frage.
- 4:37Wir wissen es nicht. Und das alleine bedeutet ja schon, dass sie sich besser
- 4:40nicht darauf verlassen. Wir erleben in Europa.
- 4:45Das Gegenteil oder Varianten des Gegenteils. Also alle nehmen die Amerikaner
- 4:51als unzuverlässig wahr.
- 4:54Aber das Beherzte, okay, dann müssen wir uns darauf jetzt einstellen,
- 4:59weil jeder Staat, Deutschen, Franzosen, die Polen, haben ja eine Verpflichtung
- 5:04ihren Bürgerinnen und Bürgern vor allen Dingen als erstes gegenüber,
- 5:06nämlich deren Sicherheit sicherzustellen.
- 5:09Und da gibt es weiterhin so ein Prinzip,
- 5:13so Augen zu und hoffen, also wirklich das Prinzip Hoffnung, dass die Amerikaner
- 5:17kämen, obwohl es ja gar kein, wenn wir uns nicht die Amerikaner,
- 5:22sondern die derzeitige Trump-Regierung angucken, es überhaupt gar keinen Grund gibt zu glauben,
- 5:29dass die,
- 5:31sich selbst und ihre politische Klientel in Gefahr bringen würden.
- 5:34Nicht, weil sie sterben würden, sondern weil sie private Geschäfte in Gefahr
- 5:39bringen oder private Interessen in Gefahr bringen, dadurch, dass sie sich in Krieg involvieren.
- 5:46Es sei denn, sie machen es aus...
- 5:48Ja, aus Dummheit. Denn das, was wir jetzt zur Zeit sehen, hat ja seinen Anfang
- 5:52genommen im Angriff auf den Iran, wo man wirklich sagen muss,
- 5:57das war absehbar, dass das zumindest nicht klappt, dass es so katastrophal endet,
- 6:02wie es jetzt endet oder wie es jetzt steht.
- 6:05Das wusste sicherlich keiner, aber wir sind immer noch in der Zeitlupenniederlage,
- 6:12der Amerikaner im Nahen und Mittleren Osten, aber auch darüber hinaus als Allianzpartner.
- 6:17Können wir uns auf die Amerikaner verlassen? Diese Frage stand Anfang dieser
- 6:20Woche auch in Warschau im Raum als Alexis Grinkiewicz, da die Bühne bei der
- 6:25polnischen alljährlichen Sicherheitskonferenz betrat.
- 6:28Alexis Grinkiewicz, über den haben wir hier im Podcast schon bei verschiedenen
- 6:31Gelegenheiten gesprochen. Das ist ein Vier-Sterne-General der US-Armee und er
- 6:35ist der SACUR, also der Supreme Allied Commander Europe, der oberste NATO-Befehlshaber in Europa.
- 6:42Der hat sich da am Montag hingestellt und eine kurze Rede gehalten,
- 6:46um seine, wie er es nannte, Theory of Victory, also seine.
- 6:51Theories, wie er sich vorstellt, in Europa im Fall des Falles einen erfolgreichen
- 6:55Abwehrkrieg gegen einen Angriff auf NATO-Gebiet führen zu können.
- 6:59Darüber hat er gesprochen. Es gab da drei Buzzwords in dieser Rede.
- 7:04Block, blunt, break, also abwehren, Schwächen, zerschlagen.
- 7:09So hat er das beschrieben, die drei Stufen, in denen er in so einem Fall vorgehen wolle.
- 7:13Und er hat einen Satz wiederholt. We got this, was man, glaube ich,
- 7:17mit so viel in etwa so übersetzen kann.
- 7:20Verlasst euch drauf, wir stehen hier gut da.
- 7:24Herr Mölling, was haben Sie da mitgenommen von dieser Rede?
- 7:29Sehr vielschichtig. Also auf der einen Seite ist es, glaube ich,
- 7:32der Versuch, die Europäer zu beruhigen. Es gab so seit einem,
- 7:37Seit einem Dreivierteljahr die Diskussion, um was ist eigentlich die Theory
- 7:42of Victory der NATO und der Europäer?
- 7:45Und das muss man, glaube ich, voneinander trennen, weil wir haben,
- 7:48und daran sind wir sicherlich nicht ganz unbeteiligt, eine Diskussion losgetreten
- 7:52über European Way of War, der bedeutet, wenn die Amerikaner nicht mehr da sind.
- 7:57Wie würden wir denn dann eigentlich den Krieg führen?
- 7:59Und dazu gehört natürlich immer, das vermischt sich dann auch mit der deutschen
- 8:02Debatte um Kriegstüchtigkeit, nämlich die Siegfähigkeit, dass es bedeutet,
- 8:07wenn sie in der Armee sind, dann wollen sie siegreich vom Platz gehen,
- 8:11weil wer den zweiten Platz hat, das ist der Verlierer.
- 8:14Deswegen ist diese Theory of Victory natürlich total wichtig.
- 8:18Was Gríkowicz jetzt gemacht hat, ist, er hat eigentlich eine dargestellt,
- 8:21die aus der Vergangenheit kommt, die nämlich auf der Annahme beruht,
- 8:25dass die Amerikaner auf alle Fälle da sind.
- 8:28Was dann eben auch bedeutet, es ist eine sehr komfortable Theory of Victory,
- 8:33Die davon ausgeht, dass wir innerhalb von wenigen Wochen einen solchen Angriff
- 8:38tatsächlich neutralisieren können und,
- 8:41den Gegner in die Niederlage zwingen können.
- 8:45Das heißt, er verschwindet von unserem Territorium und greift auch nicht mehr an.
- 8:49Die Vermutung ist, dass wir eigentlich in Europa, gerade dadurch,
- 8:52dass die Amerikaner weniger zur Verfügung stellen wollen und uns auch weniger
- 8:56von ihren Systemen geben, also das Beispiel Tomahawk, dass diese Theory of Victory,
- 9:01so möglicherweise gar nicht funktionieren wird.
- 9:04Er hat ja etwas Zweites gesagt, was so ein bisschen untergegangen ist.
- 9:08Ich wollte das gerade mal zitieren aus der Rede. Das kam zum Ende hin.
- 9:13Kroenkewitsch sagt da, bei der Umsetzung dessen, was ich dargelegt habe,
- 9:16streben wir nicht danach, dem Gegner eine strategische Niederlage zuzuführen.
- 9:21Das müssen wir auch nicht. Vielmehr wollen wir lediglich jedem Angriff zum Stehen
- 9:25bringen und dem Gegner die Fähigkeit nehmen, unser Territorium zu erobern und zu halten.
- 9:30Dafür müssen die gegen uns eingesetzten Streitkräfte taktisch und operativ besiegt
- 9:34werden, aber nicht mehr. Ja, was soll das denn?
- 9:38Also er signalisiert ja letztlich einem angreifenden Gegner und jedem war klar,
- 9:43von wem die Rede ist, nämlich von Russland.
- 9:45Er signalisiert, okay, wenn ihr uns angreift, denkt nicht, dass wir uns nicht
- 9:49wehren, das tun wir und das werden wir auch wirkungsvoll machen,
- 9:53aber ihr müsst dann doch nicht allzu sehr viel befürchten von uns, weil sozusagen,
- 9:58größeren Schaden euch zufügen, das haben wir gar nicht vor.
- 10:03Was soll das, wie soll man das verstehen? Ja.
- 10:06Und ich glaube, das ist der vielleicht fehlgeschlagene Versuch,
- 10:10den Russen zu sagen, ihr müsst euch keine Sorgen um den Weiterbestand eures Regimes machen.
- 10:16Das heißt also, ein Angriff, der nicht erfolgreich ist, bedeutet nicht,
- 10:19dass wir die Gelegenheit nutzen würden, Putin aus dem Weg zu räumen oder die,
- 10:24die danach kommen. Und das ist natürlich ein Problem.
- 10:27Also es ist ein klassisches Dilemma. Die einen sagen, okay, man muss den Gegner,
- 10:33in Unsicherheit halten darüber, was passiert, wenn es schief geht.
- 10:36Und die anderen sagen ja, aber nicht zu viel, weil sonst könnte es sein,
- 10:39dass er weiter eskaliert und er im Grunde genommen uns Kosten aufzwingt,
- 10:44die auch für uns dann immer höher werden.
- 10:46Dann sind wir in der Nuklearoption eigentlich drin.
- 10:49Jetzt ist die Frage, hat er sozusagen uns damit gestärkt oder hat er uns im
- 10:55Grunde genommen damit geschwächt, weil man sagt, naja, Putin kann es halt versuchen.
- 10:58Es passiert ihm aber nichts.
- 11:00Ich glaube, man kann auch zwischen dieser Position und der von Grinkowitsch
- 11:04nochmal einen Mittelweg wählen, wo man sagt, naja.
- 11:08Also natürlich werden wir nicht auf Moskau marschieren oder wir werden Moskau
- 11:12nicht einnehmen, aber dass wir uns einen Sicherheitspuffer dann schaffen bei
- 11:16einer solchen Gelegenheit von einer Tiefe von 300 Kilometern,
- 11:20das würden wir uns dann schon vorbehalten, so etwas zu machen.
- 11:22Also ich glaube, dass man auch diese Rede sehen muss als eine,
- 11:26wie immer, eine Kommunikation in drei Richtungen. eine Kommunikation in Richtung der USA.
- 11:30Liebe Leute, wir müssen hier mit dabei bleiben. Die Europäer sind für uns als
- 11:34Amerikaner auch wichtig, weil wir haben kein Interesse daran an einem schwachen Europa.
- 11:38Eine Kommunikation in Richtung der Alliierten,
- 11:41Wir sind da, wir haben auch einen Plan, wir wissen, wie es funktioniert und,
- 11:46seid euch gewiss, ohne Kommunikation in Richtung Moskau.
- 11:49Und da ist, glaube ich, eine Passage total wichtig, wo er irgendwo in der Mitte
- 11:53sagt, wir haben Entscheidungssouveränität oder Überlegenheit.
- 11:57Das ist interessant, weil sie natürlich immer sagen, mit 32 Leuten,
- 12:00wenn alle sich entscheiden müssen, ist es ein bisschen schwierig.
- 12:03Es stimmt aber für seine militärische Ebene, weil das, was er meint,
- 12:06ist, wir haben so gute Aufklärungsfähigkeiten, dass wir in der Lage sind,
- 12:09bevor der Gegner sozusagen auf unserem Territorium steht mit großer Masse,
- 12:15dass wir das alles sehen werden.
- 12:17Dass da 20 Nasen ohne Hoheitsabzeichen da sein könnten, das ist immer noch was,
- 12:23was zurzeit ja hier und da passiert, weil über Belarus irgendwelche grünen Männchen.
- 12:29Einschweben, die dann gefunden werden und wieder rausgeschmissen werden.
- 12:32Aber das Große und Ganze, ich glaube, das ist das, worum es hier zurzeit geht,
- 12:37auch einzusortieren, was ist in den letzten Wochen und Monaten passiert.
- 12:40Es gibt eine größere Sorge, dass die Russen einen kleinen Versuch wagen.
- 12:45Und ich glaube, darum ging es hier zu signalisieren, wir reagieren auch bei
- 12:49einem kleinen Angriff auf die NATO.
- 12:52Und zweitens, einige werden sich vielleicht erinnern, wir haben hier einen Podcast über,
- 12:57über etwas geredet, was ich, glaube ich, damals als Abschreckungsoperation bezeichnet habe.
- 13:00Es haben wirklich ganz wenige nur mitgekriegt, dass die NATO vor einigen Wochen,
- 13:05über mehrere Tage gehende.
- 13:08Nicht nur Aufklärungsoperationen rund um Kaliningrad betrieben hat,
- 13:12die ganz offensichtlich ein ganz klares Signaling in Richtung Moskau war,
- 13:16nämlich zu sagen, wir sehen genau, was ihr da tut und wir sind in der Lage und
- 13:20bereit, dem ein Ende zu bereiten.
- 13:23Und das ist, glaube ich, was Grinkowitsch versucht zu bestärken.
- 13:26Widersprüche des amerikanischen Präsidenten hervorzubringen.
- 13:30Und das ist seine diplomatische Mission.
- 13:33Also nicht einfach, aber er hat ja auch vier Sterne. Stichwort Aufklärungsfähigkeit
- 13:37bringt uns zum letzten Schauplatz für heute, nämlich zur Ukraine.
- 13:41Die Ukraine und die ukrainische Armee sind ja sehr abhängig von amerikanischer
- 13:46Kooperation in Sachen Aufklärung, Geheimdienstinformationen.
- 13:50Und Präsident Zelensky hat sich in den letzten Tagen mehrfach öffentlich darüber
- 13:54beklagt, dass Warnungen vor russischen Angriffen, die bisher immer kamen,
- 13:59in den letzten Tagen nicht mehr gekommen sind.
- 14:01Außerdem wurde dann publik, dass ein System namens Starshield,
- 14:05was man glaube ich nicht verwechseln darf mit dem Starlink, was man ja kennt,
- 14:10der Musk-Firma, dass dieses System, das für Teile dessen, was die ukrainische
- 14:16Armee tut, offenbar ziemlich neuralgisch, ziemlich entscheidend ist.
- 14:21Dass das auf einmal unangekündigt nur noch eingeschränkt funktionierte.
- 14:25Herr Mölling, vielleicht, wenn Sie das einmal auseinandersortieren könnten,
- 14:28was ist Star Shield, was ist Star Link und wofür ist dieses Star Shield so wichtig
- 14:34und was geht jetzt nicht mehr? Ja, genau.
- 14:37Das Star Shield ist quasi die militärische und damit die regierungsseitige Variante von Star Link.
- 14:44Es macht im Grunde genommen nicht nur die Offensivoperationen der Ukrainer,
- 14:48in einem bestimmten Bereich möglich, nämlich da, wo es darum geht,
- 14:51mobile Ziele zu verfolgen, sondern auch ein Teil der Defensivoperation,
- 14:56also auch der Flugabwehr, laufen offensichtlich über dieses System.
- 15:00Ich will das gar nicht im Einzelnen aufdröseln. Es sind auch Dinge,
- 15:03die ich nicht weiß und die, glaube ich, ganz viele Leute nicht wissen.
- 15:07Und wir haben zurzeit unheimlich viel Spekulation darüber.
- 15:10Aber klar ist, die Ukrainer sind dadurch auf der einen Seite,
- 15:14wenn das System da ist, sind sie erfolgreich. Wenn es nicht da ist,
- 15:19dann haben sie tatsächlich größere Probleme beziehungsweise sie haben Riesenprobleme.
- 15:23Das heißt, sie sind extrem abhängig von diesem System und sie haben bislang,
- 15:27offensichtlich keine Alternative zu Star Shield schaffen können.
- 15:31Was Donald Trump ja besonders geärgert hat und man muss ja davon ausgehen,
- 15:35dass diese Star Shield Unterbrechung eine politische Entscheidung im Trump-Umfeld
- 15:40auf seine Entscheidung zurückgeht.
- 15:42Trump hatte sich ja besonders geärgert über die...
- 15:45Ukrainischen Angriffe im russischen Hinterland, vor allen Dingen auf Raffinerien.
- 15:50Wie wichtig ist Starshield dafür? Gar nicht.
- 15:53Der Unterschied ist, dass Sie das Starshield oder wie auch immer die Satellitenkommunikation
- 15:59insbesondere benutzen, um Ihre Drohnen zu lenken.
- 16:02Das heißt, man muss sich das so vorstellen, Sie sehen entweder aufgrund von
- 16:06anderen Sensoren, andere Drohnen oder was auch immer, da bewegt sich zum Beispiel
- 16:11ein Zug oder ein Lastwagen, fährt auf einer Straße.
- 16:14Das können sie aufklären und sie bewegen dann die Drohne mithilfe von Starlink
- 16:18oder Starshield zu diesem Ziel hin. Das heißt, das versuchen sie alles in Echtzeit
- 16:22zu machen. Dafür brauchen sie im Grunde genommen diese Satelliten oder diese Link-Verbindung.
- 16:28Wenn die nicht mehr da ist, dann können sie halt das Ziel nicht mehr verfolgen.
- 16:31Es geht also darum, mobile Ziele anzugreifen. Und wir erinnern uns vielleicht daran,
- 16:36die gesamte Diskussion in einer sogenannten Midrange-Kampagne seit dem Frühjahr
- 16:40dieses Jahres beruhte eben darauf, dass man so in einem Reichweitenspektrum
- 16:44150, 200 Kilometer in der Lage war, gerade an der Südfront, die Logistik der
- 16:48Russen kaputt zu schießen.
- 16:50Und dafür sind eben diese direkten Verbindungen hin zu den Sensoren,
- 16:56die aufklären und hin dann zu den Drohnen, die in der Lage sind,
- 16:59dann ins Ziel gesteuert zu werden. Dafür brauche ich Starlink.
- 17:03Für das Beschießen von Raffinerien brauche ich das nicht. Da programmiere ich
- 17:09das Ziel ein, dann fliegt das Ding los. Also das heißt, diese Drohnen haben eine Karte im Kopf.
- 17:14Und können im Grunde genommen das Ziel dann einfach finden. Die sind deutlich
- 17:18unabhängiger, deutlich nicht störenfälliger, aber zumindest nicht so abhängig von Starlink.
- 17:24Und Sie müssen sich einfach vorstellen, so eine Raffinerie, die finden wir beide
- 17:28auf der Landkarte. Ist kein Problem. Man muss sich, glaube ich,
- 17:30vorstellen, dass die Treffer, die die Ukrainer machen, zurzeit nicht chirurgisch
- 17:34ein bestimmter Teil der Anlage sind, sondern sie treffen halt irgendwo die Anlage.
- 17:38Und man kann sagen, passt schon. Also ich übertreibe jetzt ein bisschen,
- 17:41aber das ist nicht super präzise.
- 17:44Es reicht aber, weil es eben riesengroß ist und statisch ist,
- 17:47können sie eine völlig andere Art der Bezielung nutzen.
- 17:51Dann muss man aber letztlich, wenn man einen Strich drumherum macht,
- 17:52sagen, was Donald Trump da tut,
- 17:55zahlt auf das Ziel, was er vorgibt zu verfolgen, gar nicht direkt ein.
- 17:59Ihn stört ja der hohe Dieselpreis vor den Midterm-Elections.
- 18:03Er kommt da stark unter Druck und möchte sozusagen ein Signal setzen,
- 18:07ich tue was, damit das mit dem Dieselpreis wieder besser wird.
- 18:12Ergo, ich hindere die Ukraine daran, diese Raffinerien weiter anzugreifen.
- 18:17Das, wenn man Ihrer Erklärung folgt, erreicht er nun damit ja gerade nicht.
- 18:21Schließt sich dann als letzte Frage eben an.
- 18:25Merkt Donald Trump gerade, dass er eigentlich einen viel kleineren Hebel,
- 18:30womöglich noch als zu Beginn seiner Präsidentschaft,
- 18:33heute hat, um die Ukraine dazu zu bewegen, Dinge zu tun, die er möchte oder
- 18:38Dinge zu lassen, die ihn stören?
- 18:41Ja, ich glaube als erstes muss man sagen, der amerikanische Präsident ist nicht
- 18:46auf reale Kausalzusammenhänge angewiesen, um Entscheidungen zu treffen.
- 18:51Ja, das heißt, was in seinem Kopf funktioniert, das macht er dann.
- 18:55Und wenn es da hinten losgeht, dann sind die anderen halt schuld.
- 18:58Das funktioniert offensichtlich in seinem Leben schon länger so.
- 19:01Deswegen muss man sagen, ja, er schafft es nicht. Und es ist hektischer Aktivismus,
- 19:06weil das, was er schon merkt, ist natürlich sozusagen die schlechten Zahlen,
- 19:10die er zurzeit zu Hause hat. Und es sieht so aus, als ob die Midterms ihm um die Ohren fliegen.
- 19:15Aber es ist ihm auch nicht egal. Aber er macht halt dieses A hängt mit B zusammen.
- 19:22Da hat er seine Vorstellung und lässt sich da auch nicht beeinflussen im Grunde genommen.
- 19:26Und deswegen ist das so fatal. Was man aber daraus nicht schließen darf ist,
- 19:30dass die Amerikaner nicht massiven Schaden den Ukrainern weiterhin zufügen können.
- 19:33Denn wir müssen mal davon ausgehen, dass die Geheimdienstzusammenarbeit noch
- 19:38viel größer ist als Starlink.
- 19:39Deswegen kann man den Ukrainern auch möglicherweise noch mehr Schaden zufügen,
- 19:45indem man ihnen weniger Informationen gibt. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Mölling.
- 19:50Das war die Lage international für heute. Wenn Sie, liebe Hörerinnen und Hörer,
- 19:53Hinweise, Fragen oder Anregungen haben, schreiben Sie mir gerne eine Mail an steffen.gassler.de.
- 19:59Die nächste Folge gibt es dann wie gewohnt am kommenden Donnerstag auf RTL Plus
- 20:03und überall sonst, wo Sie gerne Podcasts hören.
- 20:05Dann mit Christian Mölling und meinem Kollegen Moritz Gattmann.
- 20:09Danke für Ihr Interesse und bis bald. Bis bald.