Latest / ntv Wirtschaft / „Wir haben damit nicht gerechnet“ - Smag-Chef nach dem schwachen Börsendebüt des Rüstungszulieferers
Transcript
- 0:08Rüstung boomt so sehr, dass jetzt sogar die kleinen Zulieferer an die Börse drängen.
- 0:14Bei Volkswagen lässt Vorstandschef Blume die Katze aus dem Sack.
- 0:18Zehntausende Jobs stehen auf dem Spiel.
- 0:22Und ein Mercedes-Werk in Ungarn produziert bald billiger als jedes Deutsche.
- 0:28Hallo und herzlich willkommen.
- 0:32In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte,
- 0:37die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat.
- 0:42Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt.
- 0:47Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards
- 0:51geprüft. Viel Spaß beim Zuhören.
- 1:02Fangen wir mit einer Branche an, die gerade wie kaum eine andere im Aufwind
- 1:06ist. Die Verteidigungsindustrie.
- 1:09Und der Boom, der reicht inzwischen weit über die großen Namen hinaus.
- 1:14Ein Beispiel dafür ist SMAC Mobile Antenna Masts, ein Rüstungszulieferer,
- 1:19der jetzt den Sprung aufs Parkett gewagt hat.
- 1:22Der erste Börsentag lief noch
- 1:23nicht so erfolgreich, wie sich die Unternehmensführung das gewünscht hat.
- 1:28Corinna Wohlfeil sprach mit Ulrich Feind, dem Vorstandsvorsitzenden von SMAC
- 1:33Mobile Antenna Masts. Die Aktie ist zu 46 Euro gekommen. Der erste Kurs war
- 1:38dann bei 35 Euro, ein Minus von über 20%.
- 1:42Haben Sie mit sowas gerechnet oder war das jetzt doch eine herbe Enttäuschung?
- 1:47Wir haben damit nicht gerechnet, ich habe damit nicht gerechnet.
- 1:50Wir freuen uns aber jetzt an der Börse notiert zu sein.
- 1:53Der SMAC Mobile Antenna Masks AG steht sehr profitables Wachstum in den nächsten
- 1:57Jahren bevor und wir sind davon überzeugt, dass davon auch unsere neuen Aktionärinnen
- 2:01und Aktionäre profitieren werden.
- 2:03Wie erklären Sie sich aber diesen scharfen Rückgang?
- 2:05Die Investoren waren ja überwiegend institutionelle Investoren, wenig private.
- 2:11Warum war der Abgabedruck da anscheinend gleich zu Beginn so hoch?
- 2:15Oder war der Ausgabepreis vielleicht zu hoch?
- 2:18Wir haben in den letzten Monaten sehr positive, sehr intensive Gespräche mit
- 2:22vielen Investoren geführt. Das war ein sehr ereignisreicher Prozess.
- 2:26Und jetzt gibt es, glaube ich, auch einfach am Wochenende oder über die Wochenende
- 2:29immer Einflussfaktoren, geopolitisch, die man dann am Ende des Tages oder die
- 2:34wir nicht ganz beeinflussen können.
- 2:35Nichtsdestotrotz ist das jetzt für uns ein Startschuss.
- 2:38Und wir werden alles daran tun, dass wir die Erwartungen erreichen werden.
- 2:42Wobei die Geopolitik ja eigentlich kritischer geworden ist über das Wochenende.
- 2:45Also das müsste ja eigentlich eher die Nachrichtenseite dem Kurs zugutekommen. Aber nun gut.
- 2:51Was passiert mit dem Erlösen, mit dem Sie jetzt hier erzielt haben?
- 2:54Wie investieren Sie das Geld?
- 2:56Wir wachsen. Wir haben eine riesige Chance, sehr stark zu wachsen.
- 3:00Und dabei werden wir in Automatisierungstechnologie investieren.
- 3:03Wir werden unsere Produktionskapazitäten ausbauen, aber auch unseren Vertrieb ausbauen.
- 3:08Denn wir wollen nicht nur in den Märkten wachsen, wo wir jetzt schon präsent
- 3:11sind, sondern auch international unsere Produkte weiter nach vorne bringen.
- 3:15Und wir bleiben beim Thema Rüstung. Aber wir wechseln vom Neuling an der Börse
- 3:19zu einem alten Bekannten, der sich gerade neu erfindet.
- 3:25Deutz kennen die meisten als Motorenbauer aus Köln.
- 3:29Motoren für Baumaschinen, für Landtechnik, für all die Geräte,
- 3:33die schwer heben und schwer arbeiten.
- 3:36Doch jetzt entdeckt das Traditionsunternehmen ein neues Geschäftsfeld für sich. Die Verteidigung.
- 3:42Deutz hat vergangene Woche mit einer milliardenschweren Übernahme auf sich aufmerksam gemacht.
- 3:48Was dahinter steckt, das erklärt der Mann an der Spitze am besten selbst.
- 3:52Isabel Körner sprach mit Sebastian Schulte, dem Vorstandsvorsitzenden von Deutz.
- 3:57Und über das Geschäft mit Rüstung sprechen wir jetzt mit Dr.
- 4:00Sebastian Schulte. Er ist CEO der Deutz AG. Das ist der älteste Motorenhersteller
- 4:05der Welt. Und der wiederum will übernehmen, übernimmt jetzt das Unternehmen FFG.
- 4:10Das wiederum stellt Militärfahrzeuge her. Sie sagen, das ist ein Game Changer für Deutz.
- 4:15Schön, dass Sie da sind. Was versprechen Sie sich von diesem Deal?
- 4:18Ja, freut mich hier zu sein. Ja, auf jeden Fall. Es ist für uns allein von der
- 4:21Größenordnung ein Game Changer.
- 4:23Das Unternehmen FFG wird im nächsten Jahr knapp über eine Milliarde Umsatz,
- 4:26hoch profitablen Umsatz erzielen.
- 4:28Aber es ist eben für uns auch der konsequente Schritt in der Umsetzung unserer
- 4:31Strategie vom reinen Antriebshersteller zu einem letztlich einem kompletten
- 4:35Systemanbieter eben auch im Bereich der Rüstung und insofern ganz klar Game Changer.
- 4:39Was war für Sie der ausschlaggebende Punkt für diese Übernahme?
- 4:42Ja, wir haben uns natürlich sehr konsequent die Frage gestellt,
- 4:46wie können wir in diesem Bereich einfach noch größer, noch erfolgreicher sein
- 4:49und eine Übernahme bot sich da an und wir haben mit FFG ein ideales Unternehmen
- 4:53gefunden, was einfach überall zu uns passt, was für,
- 4:56einen Antriebshersteller wie uns wichtig ist, weil die FFG eben aus dem Bereich
- 5:00der Instandhaltung kommt, aber eben in den letzten Jahren den Schritt zu einem Fahrzeughersteller.
- 5:07Geschafft hat und insofern ist das für uns,
- 5:09passen zwei Unternehmen zusammen, die sich überall ideal ergänzen.
- 5:12Nun heißt es, dass Sie dadurch auch zu einem sogenannten Systemhaus werden.
- 5:16Und das ist ja für die Bundeswehr auch nicht ganz uninteressant.
- 5:19Was bedeutet das konkret?
- 5:21Ja, mit der FFG werden wir für die Bundeswehr, aber auch für andere NATO-Kunden,
- 5:25komplette Fahrzeuge, Panzerfahrzeuge, Module anbieten.
- 5:29Und wir werden das gemeinsam eben sehr stark auch mit dem Fokus auf den Standort
- 5:31Deutschland schaffen. Die Lieferkette
- 5:34ist fast komplett hier zu Hause in Deutschland, ein bisschen in Europa.
- 5:37Und das ist ja ganz entscheidend heutzutage im Hinblick auch auf die Resilienz.
- 5:40Und insofern ist es wichtig, dass wir alles aus einer Hand anbieten und das
- 5:44eben aus der Position der Stärke heraus.
- 5:46Das finde ich jetzt sehr interessant, dass Sie gesagt haben,
- 5:48die Lieferkette fast ausschließlich in Deutschland oder in Europa,
- 5:51das ist unter dem Stichwort Souveränität auch ganz, ganz wichtig.
- 5:55Das heißt, woher beziehen Sie die kritischen Städte?
- 6:01Also wenn FFG ihr Fahrzeuge baut, ist bis auf ein oder zwei Komponenten alles
- 6:07in Haus bzw. alles in Deutschland. Und wir versuchen das natürlich mit unseren
- 6:10Antrieben analog darzustellen.
- 6:13Und wir können uns eben nicht mehr durchweg auf andere Länder,
- 6:17auf Parteien außerhalb gerade Europas immer wieder ausschließend verlassen.
- 6:21Und insofern ist es ganz entscheidend, dass wir hier diese Souveränität abbilden.
- 6:24Jetzt muss ich nachhaken, diese ein, zwei Komponenten. Was sind das für Komponenten
- 6:27und woher kommen die? Eine Komponente ist zum Beispiel die Kette.
- 6:31Aber jetzt kommt nichts aus kritischen Ländern. Also insofern aus Ländern in
- 6:35Asien, da kommt nichts aus.
- 6:38Die vollständigen Interviews gibt es wie immer in der Mediathek auf ntv.de zu
- 6:43sehen. Und noch viel mehr.
- 6:45Im Geldanlage-Check geht es heute auch um ETFs auf europäische Rüstungsaktien.
- 6:51Und im Zertifikate-Check geht es um ein Index-Zertifikat zum Thema.
- 6:56Also, es lohnt sich, auf unserer Webseite vorbeizuschauen.
- 7:01Wir müssen aber heute nochmal über Volkswagen sprechen.
- 7:05Da hat Vorstandschef Oliver Blume quasi die Katze aus dem Sack gelassen.
- 7:10Wochenlang hat der VW-Vorstand geschwiegen, während über radikale Sparpläne spekuliert wurde.
- 7:16In einem internen Interview im Volkswagen Intranet sagt er, ohne Veränderung
- 7:21der Arbeitskosten ergäbe sich eine Größenordnung von rund 50.000 Stellen weltweit.
- 7:27Heikel wird es beim Thema Werksschließungen. Blume sagt, in Europa müsse noch
- 7:32eine Überkapazität von einer halben Million Fahrzeuge abgebaut werden.
- 7:37Und für die Werke Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm könne es eng werden.
- 7:44Die Sorge in den Belegschaften, die ist riesig. Und die entlädt sich gerade.
- 7:49Der mächtige Betriebsrat spricht von einem großen Vertrauensverlust und sagt,
- 7:54für die mehr als 40.000 Kolleginnen und Kollegen an den fünf betroffenen Standorten
- 8:00sei die Lage schlicht nicht mehr auszuhalten.
- 8:04Warum dieser Kostendruck bei VW und den anderen so gewaltig ist,
- 8:08das zeigt ein Blick über die Grenze, genauer gesagt nach Ungarn.
- 8:13Ketschgemäht. Das liegt gut 80 Kilometer südöstlich von Budapest, weit weg von Stuttgart.
- 8:20Und trotzdem rollen dort Autos vom Band, die das Geschäft der deutschen Autoindustrie tragen.
- 8:26An diesem Montag bekommt das eine neue Dimension. Mercedes-Benz hat in dieses
- 8:31Werk gut eine Milliarde Euro gesteckt und ist zur größten Autofabrik Ungarns ausgebaut.
- 8:38Die Produktionskosten in Ketschgemäht liegen laut Mercedes-Finanzchef Harald
- 8:42Wilhelm um rund 70 Prozent unter dem deutschen Niveau.
- 8:4670 Prozent. Und Mercedes ist da längst nicht allein.
- 8:51BMW hat im Herbst in Debrecen ein hochmodernes E-Autowerk eröffnet.
- 8:56Audi fertigt in Gür und drumherum hat sich ein ganzes Ökosystem deutscher Zulieferer angesiedelt.
- 9:03Was das für den Standort Deutschland bedeutet und wie weit diese Verlagerung
- 9:08noch geht, das ordnet ein Fachmann für uns ein.
- 9:11Ferdinand Dudenhöfer im Gespräch mit Isabel Körner.
- 9:15Bleiben wir mal ganz kurz noch bei Mercedes. Welche Bedeutung hat denn dieses
- 9:19Werk in Ungarn für das Unternehmen inzwischen? Herzlich willkommen.
- 9:24Also eine sehr große Bedeutung, eine wachsende Bedeutung. Die neue C-Klasse
- 9:29in der elektrischen Version wird dort produziert.
- 9:34Batteriewerke sind drumherum. Batterien sind dort deutlicher zu produzieren als in Deutschland.
- 9:40Die Stromkosten sind in Ungarn deutlich geringer als in Deutschland,
- 9:47deutlich höher als in Ungarn.
- 9:50Kommen andere Dinge dazu. Also es wäre überraschend, wenn in Ungarn weniger investiert würde.
- 9:59Wie weit sind denn deutsche Automobilhersteller inzwischen schon präsent in
- 10:05Ungarn und wie sieht da auch die künftige Investitionsbereitschaft aus?
- 10:09Also ich denke, die künftige Investitionsbereitschaft wird eher steigen.
- 10:15Heute ist es so, wenn Sie schauen, wie Europa aussieht, gibt es eigentlich eine
- 10:19Sandwich-Position und Deutschland nimmt die Sandwich-Position ein.
- 10:24Im Süden haben wir Spanien. Viel mehr wird in der Zukunft in Spanien passieren.
- 10:29Zum Beispiel auch bei Elektroautos, zum Beispiel bei Stellantis,
- 10:33bei Liebmotor und auf der anderen Seite haben wir die osteuropäischen Staaten.
- 10:37Und da ist Ungarn weit an der Spitze. Warum?
- 10:42Körperschaftssteuern. 9 Prozent in Deutschland, über 30 Prozent Arbeitskosten.
- 10:48Dort 18 Euro pro Arbeitsstunde mit Lohnnebenkosten in Deutschland,
- 10:54über 65 Euro Stromkosten, ähnliches.
- 10:59Das kann man fortsetzen. Also Deutschland hat sich selbst ins Aus manövriert.
- 11:04Deutschland muss sich neuer finden, muss attraktiver werden,
- 11:08um nicht in dieser Sandwich-Position zu bleiben.