Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Die fröhliche Wissenschaft - Buch 4 - 341-342
Transcript
- 0:00Unter Kapitel 341 das größte Schwergewicht dieses berühmte
- 0:06Kapitel führt einen der zentralsten Gedanken in
- 0:09Nietzsches Philosophie ein, die ewige Wiederkunft.
- 0:13Es ist als ein Gedankenexperiment formuliert,
- 0:16stell dir vor, so beginnt Nietzsche, ein Dämon schleicht
- 0:19sich eines Tages oder in einer Nacht in deine einsamste
- 0:22Einsamkeit und sagt zu dir, dieses Leben, so wie du es jetzt
- 0:27lebst und gelebt hast wirst du noch einmal und noch unzählige
- 0:31Male leben müssen. Es wird nichts Neues daran sein,
- 0:35sondern jeder Schmerz, jede Lust, jeder Gedanke und jeder
- 0:39Seufzer deines Lebens wird in derselben Reihenfolge
- 0:42wiederkehren, selbst diese Spinne und dieses Mondlicht
- 0:46zwischen den Bäumen und sogar dieser Augenblick und ich
- 0:49selbst. Der Dämon sagt weiter, Die ewige
- 0:53Sanduhr des Daseins wird immer wieder umgedreht und du mit ihr,
- 0:57du Stäubchen vom Staube. Nietzsche stellt dann die
- 1:00entscheidende Frage. Wie würdest du auf diese
- 1:04Botschaft reagieren, würdest du dich zu Boden werfen, mit den
- 1:08Zähnen knirschen und den Dämon verfluchen oder so?
- 1:12Die Alternative hast du vielleicht schon einmal einen
- 1:15ungeheuren Augenblick erlebt, in dem du dem Dämon antworten
- 1:19würdest? Du bist ein Gott und nie hörte
- 1:23ich göttlicheres, wenn dieser Gedanke der ewigen Wiederkunft
- 1:27macht über dich bekäme. Würde er dich verwandeln und
- 1:30vielleicht sogar zermalmen? Die Frage, willst du dies noch
- 1:34einmal und noch unzählige Male würde wie das größte
- 1:38Schwergewicht auf all deinem Handeln lasten.
- 1:41Die Reaktion auf diesen Gedanken wird zum ultimativen Test.
- 1:45Wie sehr müsstest du dich selbst und das Leben lieben, um nach
- 1:48nichts mehr zu verlangen als nach dieser letzten ewigen
- 1:51Bestätigung und Besiegelung deines Lebens, genauso wie es
- 1:55war mit all seinen Höhen und Tiefen.
- 1:58Dieses Konzept ist die extremste Form der Lebensbejahung, die
- 2:02Nietzsche sich vorstellen kann. Es bedeutet, jeden einzelnen
- 2:05Moment seines Lebens so vollkommen zu bejahen, dass man
- 2:08bereit wäre, ihn unendlich oft wieder zu erleben.
- 2:12Unterkapitel 342 Incipit, Tragoedia dieses Kapitel dient
- 2:20als eine Art Überleitung zu Nietzsches späterem Hauptwerk,
- 2:23Also sprach Zarathustra. Der Titel Incipit Tragödia ist
- 2:28lateinisch und bedeutet hier beginnt die Tragödie.
- 2:32Nietzsche erzählt in einer kurzen Parabel vom Beginn der
- 2:35Reise Zarathustras als Zarathustra 30 Jahre alt war,
- 2:39verließ er seine Heimat und ging in die Berge.
- 2:42Dort lebte er 10 Jahre in Einsamkeit und genoss seinen
- 2:46Geist. Doch schließlich wurde sein Herz
- 2:48verwandelt, eines Morgens trat er vor die Sonne und sprach zu
- 2:53ihr, er verglich sich mit der Sonne.
- 2:56Was wäre dein Glück, fragte er, wenn du nicht die hättest, denen
- 3:00du leuchtest 10 Jahre lang sei die Sonne zu seiner Höhle
- 3:03gekommen und er, sein Adler und seine Schlange hätten auf sie
- 3:08gewartet und ihren Überfluss empfangen.
- 3:11Jetzt aber, so Zarathustra, ist er seiner eigenen Weisheit
- 3:15überdrüssig geworden, so wie eine Biene, die zu viel Honig
- 3:19gesammelt hat, er spürt das Bedürfnis, seine Weisheit zu
- 3:22verschenken und auszuteilen. Bis die Weisen unter den
- 3:26Menschen wieder Freude an ihrer Torheit und die Armen wieder
- 3:29Freude an ihrem Reichtum gefunden haben.
- 3:32Um das zu tun, muss er in die Tiefe steigen, genau wie die
- 3:36Sonne, die abends hinter dem Meer untergeht, um der Unterwelt
- 3:40Licht zu bringen, er muss, wie er es nennt, untergehen, diesen
- 3:45Begriff verwendet Nietzsche, um zarathustras Abstieg von der
- 3:48Einsamkeit der Berge hinab zu den Menschen zu beschreiben.
- 3:52Zarathustra segnet die Sonne und den Becher, der Überfließen,
- 3:55will, damit sein Wasser golden wird und den Glanz der Sonne
- 3:58überall hinträgt. Er sagt, dieser Becher will
- 4:02wieder leer werden und Zarathustra will wieder Mensch
- 4:05werden. Das Kapitel endet mit dem Satz,
- 4:09also begann Zarathustras Untergang, dieser Untergang ist
- 4:13also kein Scheitern, sondern der bewusste Beginn seiner Mission,
- 4:17seine Weisheit unter die Menschen zu bringen.
- 4:20Es ist der Anfang seiner Tragödie, weil er weiß, dass
- 4:23dieser Weg voller Missverständnisse, Ablehnung und
- 4:26leiden sein wird.