Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Menschliches, Allzumenschliches I - Neuntes Hauptstück - 483-505
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- 0:00Unterkapitel 483, Feinde der Wahrheit Nietzsche stellt hier
- 0:06eine überraschende Behauptung auf.
- 0:08Er sagt, dass feste Überzeugungen gefährlichere
- 0:11Feinde der Wahrheit sind als Lügen.
- 0:14Wenn jemand lügt, weiß er eigentlich, was wahr ist und
- 0:17versteckt es nur, wenn jemand aber eine feste Überzeugung hat,
- 0:21glaubt er die Wahrheit bereits vollständig zu besitzen, er hört
- 0:25auf zu suchen und zu fragen. Dadurch wird der Weg zur echten
- 0:29Wahrheit blockiert. Unter Kapitel 484 verkehrte Welt
- 0:38in diesem Abschnitt kritisiert Nietzsche, wie Menschen auf
- 0:40Denker reagieren. Normalerweise kritisieren wir
- 0:43einen Denker besonders scharf, wenn er etwas sagt, das uns
- 0:46unangenehm ist. Nietzsche findet das
- 0:49unvernünftig, er meint, wir sollten genau das Gegenteil tun.
- 0:53Wir sollten einen Denker dann besonders kritisch prüfen, wenn
- 0:56uns sein Satz angenehm ist. Denn oft stimmen wir Dingen nur
- 0:59zu, weil sie uns gefallen oder trösten nicht, weil sie wahr
- 1:03sind. Unter Kapitel 485,
- 1:08Charaktervoll. Nietzsche beobachtet, was
- 1:12Menschen als Charaktervoll bezeichnen, oft nennen wir einen
- 1:17Menschen charakterstark, wenn er immer nach seinem Temperament
- 1:20handelt. Also nach seiner natürlichen
- 1:22Laune und Wesensart. Wir verwechseln das aber oft,
- 1:26wir denken dann fälschlicherweise, dieser Mensch
- 1:29würde immer nach festen Prinzipien handeln, in Wahrheit
- 1:32folgt er nur seinen Trieben und Gefühlen, nicht seinen
- 1:35Grundsätzen. Unterkapitel 486 das eine, was
- 1:43Not tut hier spricht Nietzsche darüber, was ein Mensch
- 1:48unbedingt braucht, um das Leben zu meistern.
- 1:51Er sagt, man muss eine Sache haben.
- 1:53Entweder hat man von Natur aus einen leichten Sinn, also eine
- 1:57fröhliche und unbeschwerte Art, oder wenn man das nicht hat,
- 2:01muss man sich einen erleichterten Sinn durch Kunst
- 2:03und Wissen aneignen, das bedeutet, man nutzt Bildung und
- 2:06Kultur, um das Leben nicht so schwer zu nehmen.
- 2:10Unter Kapitel 487 die Leidenschaft für Sachen.
- 2:18Nietzsche erklärt hier, wie man seine Gefühle steuern kann.
- 2:21Wer seine ganze Leidenschaft auf sachliche Dinge richtet, zum
- 2:24Beispiel auf Wissenschaft, das wohl des Staates, kulturelle
- 2:28Interessen oder die Kunst, der kühlt seine Leidenschaft für
- 2:32Personen ab. Das gilt selbst dann, wenn diese
- 2:35Personen für die Sache stehen. Wer sich also voll auf ein Thema
- 2:39konzentriert, verliert das feurige, oft schmerzhafte
- 2:42emotionale Engagement gegenüber einzelnen Menschen Unterkapitel.
- 2:47488 die Ruhe in der Tat, Nietzsche verwendet hier ein
- 2:53Bild aus der Natur, er vergleicht eine große Tat mit
- 2:56einem Wasserfall, bevor der Wasserfall in die Tiefe stürzt,
- 3:00ist das Wasser wild und stürmisch, im Fall selbst wirkt
- 3:03es aber oft langsamer und schwebender.
- 3:06Genauso ist es bei einem großen Menschen.
- 3:08Vor der Tat hat er eine stürmische Begierde und Unruhe.
- 3:12Aber während er die Tat vollbringt, handelt er oft mit
- 3:15einer großen inneren Ruhe und Konzentration.
- 3:19Unterkapitel 489 nicht zu tief dieser Abschnitt warnt davor,
- 3:27Dinge zu tief zu ergründen, wenn man sie behalten will.
- 3:30Nietzsche sagt, dass Personen, die eine Sache in ihrer ganzen
- 3:33Tiefe verstehen, ihr selten für immer treu bleiben.
- 3:36Der Grund ist, dass wer etwas tief ergründet und ans Licht
- 3:39bringt, sieht dabei oft auch viel schlimmes und Unangenehmes,
- 3:42das vorher verborgen war. Diese tiefe Einsicht kann zur
- 3:46Enttäuschung führen, Unterkapitel 490 Wahn der
- 3:51Idealisten Nietzsche kritisiert hier die sogenannten Idealisten,
- 3:57das sind Menschen, die an hohe, reine Ziele glauben, diese
- 4:00Menschen bilden sich ein, dass ihre guten Ziele wesentlich
- 4:03besser sind als alles andere in der Welt.
- 4:06Sie wollen nicht wahrhaben, dass auch ihre gute Sache oft
- 4:09schlechte Mittel braucht, um zu wachsen.
- 4:12Nietzsche vergleicht diese schlechten Mittel mit übel
- 4:14riechendem Dünger. Ohne diesen Dünger kann aber
- 4:17auch die edelste Pflanze nicht gedeihen.
- 4:20Unterkapitel 499 Selbstbeobachtung Nietzsche
- 4:27beschreibt den Menschen als eine Festung, die gegen sich selbst
- 4:30verteidigt ist. Wir können uns selbst oft gar
- 4:33nicht richtig beobachten oder verstehen.
- 4:36Wir sehen meistens nur unserem Außenwerke, also das, was wir
- 4:40nach außen zeigen, unser wahres inneres Wesen.
- 4:43Die eigentliche Festung bleibt uns verborgen, wir erkennen uns
- 4:47selbst oft nur dann, wenn Freunde oder Feinde uns verraten
- 4:51und uns sozusagen durch einen geheimen Weg in unser eigenes
- 4:54Inneres führen. Unterkapitel 492 der richtige
- 5:00Beruf. Hier geht es um Selbsttäuschung
- 5:04bei der Arbeit und in der Liebe. Männer üben selten einen Beruf
- 5:08aus, wenn sie sich nicht einreden, dass dieser Beruf
- 5:11wichtiger ist als alle anderen, sie brauchen den Glauben an die
- 5:15Wichtigkeit, um durchzuhalten. Nietzsche sagt, dass es Frauen
- 5:19mit ihren Liebhabern genauso geht, sie müssen glauben, dass
- 5:22ihr Partner etwas ganz Besonderes ist.
- 5:25Unterkapitel 493 Adel der Gesinnung.
- 5:32Nietzsche definiert, was eine vornehme oder edle Gesinnung
- 5:35ausmacht. Für ihn besteht dieser Adel zu
- 5:38einem großen Teil aus Gutmütigkeit und einem Mangel an
- 5:41Misstrauen. Das Interessante ist, genau
- 5:44diese Eigenschaften, Gutgläubigkeit und Vertrauen,
- 5:47sind das, worüber sich erfolgreiche und gewinnsüchtige
- 5:50Menschen oft lustig machen, sie halten diese edle Art für
- 5:53Dummheit, während Nietzsche sie als Adel bezeichnet,
- 5:58Unterkapitel 494. Ziel und Wege in diesem kurzen
- 6:06Abschnitt stellt Nietzsche fest, dass Menschen oft sehr stur
- 6:09sind, wenn es um den Weg geht, den sie einmal eingeschlagen
- 6:12haben. Sie wollen nicht zugeben, dass
- 6:14sie falsch laufen, aber nur sehr wenige Menschen sind hartnäckig
- 6:18in Bezug auf das eigentliche Ziel, die meisten verlieren das
- 6:22Ziel aus den Augen, während sie starrsinnig auf ihrem Weg
- 6:25beharren, unter Kapitel 495. Das Empörende an einer
- 6:32individuellen Lebensart. Nietzsche erklärt, warum
- 6:36Menschen, die ganz anders leben als der Durchschnitt, oft auf
- 6:39Ablehnung stoßen, wenn jemand sehr individuelle Regeln für
- 6:43sein Leben aufstellt, ärgert das die anderen, warum?
- 6:47Weil die anderen sich dadurch herabgesetzt fühlen, sie
- 6:50empfinden die außergewöhnliche Behandlung, die sich diese
- 6:53Einzelne gönnt, als eine Kritik an ihrer eigenen gewöhnlichen
- 6:56Lebensweise. Sie fühlen sich wie gewöhnliche
- 6:59Wesen, die nicht wichtig genug für eine solche Freiheit sind.
- 7:04Unterkapitel 496 Vorrecht der Größe hier spricht Nietzsche
- 7:11über einen Vorteil, den wirklich große Persönlichkeiten haben.
- 7:15Wer Größe besitzt, hat das Vorrecht, andere Menschen schon
- 7:18mit kleinen Gaben sehr glücklich zu machen, weil die Person so
- 7:22bedeutend ist, wird selbst eine kleine Aufmerksamkeit von ihr
- 7:25als etwas sehr wertvolles empfunden.
- 7:28Unter Kapitel 497 unwillkürlich vornehm Nietzsche beschreibt,
- 7:37wie sich ein Mensch verhält, der ohne Absicht vornehm ist.
- 7:40Ein solcher Mensch hat sich daran gewöhnt, von anderen
- 7:43Menschen nichts zu wollen oder zu fordern.
- 7:46Stattdessen ist er es gewohnt, immer zu geben.
- 7:49Diese Haltung macht ihn unwillkürlich zu einer vornehmen
- 7:52Erscheinung unter Kapitel. 498 Bedingung des Heroentums, um ein
- 8:01Held zu werden, braucht man laut Nietzsche eine Voraussetzung.
- 8:04Man braucht einen würdigen Gegner, er drückt das bildhaft
- 8:08aus, die Schlange muss erst zum Drachen werden, sonst fehlt dem
- 8:12Helden der richtige Feind, ein Held kann sich nur beweisen,
- 8:15wenn die Herausforderung oder der Gegner groß und gefährlich
- 8:19genug ist. Unterkapitel 499 Freund.
- 8:27Ja, Nietzsche korrigiert hier eine gängige Vorstellung von
- 8:29Freundschaft. Man sagt oft, Mitleid mache den
- 8:32Freund aus. Nietzsche sagt dagegen mit
- 8:35Freude, macht den Freund, ein wahrer Freund ist jemand, der
- 8:39sich mit uns freuen kann, nicht nur jemand, der mit uns leidet.
- 8:44Unterkapitel 500 Ebbe und Flut zu benutzen, um Dinge wirklich
- 8:50zu erkennen und zu verstehen. Muss man eine bestimmte Technik
- 8:53anwenden, die Nietzsche mit Ebbe und Flut vergleicht?
- 8:57Man muss sich erst von einer Sache anziehen lassen, Flut, um
- 9:00sie genau zu betrachten, dann aber muss man auch wieder
- 9:03Abstand gewinnen und sich von der Sache vorziehen lassen,
- 9:06Ebbe, um sie objektiv zu sehen, man braucht beide Bewegungen,
- 9:11Nähe und Distanz, Unterkapitel, 501, Freude an sich.
- 9:20Wenn wir sagen, wir haben Freude an der Sache, zum Beispiel an
- 9:24einem Hobby oder einer Arbeit, ist das laut Nietzsche nicht
- 9:28ganz ehrlich. In Wahrheit freuen wir uns nicht
- 9:30über die Sache selbst, sondern über uns selbst.
- 9:34Die Sache ist nur das Mittel, um uns selbst zu spüren und unsere
- 9:37Fähigkeiten zu genießen. Unter Kapitel 502 der
- 9:43bescheidene Nietzsche entlarvt hier eine Form der falschen
- 9:48Bescheidenheit. Es gibt Menschen, die gegenüber
- 9:50anderen Personen sehr bescheiden auftreten, aber oft ist das eine
- 9:54Taktik. Dieselben Menschen zeigen
- 9:57nämlich gegenüber großen abstrakten Dingen wie dem Staat,
- 10:00der Gesellschaft, der Zeit oder der Menschheit eine umso
- 10:03stärkere Anmaßung und Arroganz, sie nutzen ihre Bescheidenheit
- 10:07im Kleinen, um sich im Großen wichtig zu machen, das nennt
- 10:11Nietzsche ihre Rache, Unterkapitel, 503, Neid und
- 10:17Eifersucht. Nietzsche vergleicht Neid und
- 10:21Eifersucht mit den Geschlechtsteilen der
- 10:23menschlichen Seele. Er nennt sie die Schamteile.
- 10:26Das bedeutet, jeder hat sie, sie gehören zur Natur des Menschen,
- 10:30aber man schämt sich ihrer und versteckt sie vor der
- 10:33Öffentlichkeit. Unterkapitel 504 der vornehmste
- 10:39Heuchler zum Schluss dieses Abschnitts beschreibt Nietzsche
- 10:44eine sehr raffinierte Form der Verstellung.
- 10:46Er sagt gar nicht von sich selbst zu reden, ist eine sehr
- 10:49vornehme Heuchelei. Wer schweigt, wirkt edel und
- 10:52zurückhaltend, versteckt sich aber in Wirklichkeit oft nur
- 10:55sehr geschickt. Unterkapitel 505 Verdruss in
- 11:03diesem Abschnitt beschäftigt sich Nietzsche mit dem Gefühl
- 11:06des Verdrusses, also einer tiefen Verstimmung oder
- 11:09Gereiztheit, er beschreibt diesen Zustand nicht als eine
- 11:12rein geistige Laune, sondern als eine körperliche Krankheit.
- 11:16Nietzsche erklärt, dass wir oft glauben, der Verdruss
- 11:19verschwinde, sobald der Grund für den Ärger beseitigt ist.
- 11:22Das ist jedoch ein Irrtum, da der Verdruss wie eine
- 11:26körperliche Erkrankung wirkt, ist er nicht sofort geheilt, nur
- 11:29weil der äußere Anlass zum Beispiel eine unangenehme
- 11:32Situation oder eine ärgerliche Person wegfällt.
- 11:36Die Krankheit des Verdrusses muss erst ausheilen, auch wenn
- 11:40die Ursache schon fort ist.