Latest / Rambo Zambo – Der Merz-Podcast / Merz und Trump – Beziehung im Stresstest
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- Um ehrlich zu sein, finde ich diese Linie schon fast wieder zu rational für so einen irrlichternden Menschen wie Trump. Ich glaube nicht, dass man irgendeine Regel aufstellen kann. Und die Regel, harte Jungs mag er, ist auch nur eine Regel, solange bis sie gebrochen wird. Deshalb, ja, kann sein, dass Merz da ein kalkuliertes Risiko eingeht und es kalkulieren kann und auch heil aus der Sache rauskommt. Es kann aber auch schief gehen. Wir haben diese Bundestagswahl 2025 gewonnen. Jetzt darf auch mal Rambo Zambo im Adler. Das ist Rambo Zambo, der März-Podcast. Das Format, das ihr vielleicht nie wolltet, aber jetzt braucht. Mit euren Hosts Carlotta Richter und Julia Emrich. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Rambuzambo, dem Podcast, in dem wir immer einmal in der Woche über unseren Bundeskanzler Friedrich Merz sprechen und mit euch gemeinsam durch das gehen, was in dieser Woche bundespolitisch eigentlich so wichtig war. Und in dieser Folge wieder mit mir, Carlotta und zum Glück auch mit Julia. Wir sind in diesem Podcast wieder vereint. Stimmt, wir haben jetzt mehrere Folgen mit jeweils anderen Partnern aufgenommen. Partnerinnen. Sehr schön, dich auch wieder hier vor mir zu haben. Finde ich auch. Und es war ja auch schon wieder einiges los. Und du warst auch unterwegs noch Ende der vergangenen Woche mit Friedrich Merz in Norwegen. Erzähl mal, worum ging es bei dieser Reise? Ja, es ging um sehr viel. Ich habe im Nachhinein ein bisschen das Gefühl gehabt, vor allem wenn man Merz' Insta-Feed zu sich so anguckt, dass es im Grunde nur darum ging, krasse Bilder von Merz im Flecktarn bei einem NATO-Manöver, in einem Militärflugzeug, im Cockpit mit Soldaten, mit Panzern im Hintergrund, über seinem Kopf Drohnen und so weiter zu zeigen. Also das ist so ein bisschen das, was Social dabei rübergekommen ist. Tatsächlich hatte die Reise natürlich in sehr, sehr ernstem Hintergrund mehrere, um ganz ehrlich zu sein. Wir waren in Nordnorwegen, also in der Arktis, jenseits des Polarkreises, also wirklich ganz, ganz weit oben. Und dort oben gibt es, das ist eigentlich hochinteressant, ist ein bisschen untergegangen. Ich fand es eigentlich sehr spannend. Gibt es eine Abschussrampe für orbitale Raketen? Also Raketen, die Satelliten ins All befördern können. Und die Deutschen versuchen sozusagen ihren Platz im All auf diese Weise zu sichern, denn das ist gar nicht so leicht. Man sieht ja so Musk und so weiter, Starling, die besetzen den Raum und die Deutschen wollen da mithalten und die haben mit den Norwingern eine Kooperation, die machen das dort ab. Das ist hochspannend. Das ging ein bisschen unter, weil die starken Bilder dann von dem zweiten Schwerpunkt dieser Reise eher kamen, nämlich es gibt da ein NATO-Manöver, Cold Response. Wie können wir die westliche Welt gegen natürlich Putin am Nordkap verteidigen? Also da, wo es im Winter nicht hell wird, wo so viel Schnee liegt, dass man auch mit ganz anderen Fahrzeugen und so weiter operieren muss. Und dort gab es dann das Treffen der Guten. Denn der kanadische Ministerpräsident Mark Carney war da, der Norweger, der norwegische Ministerpräsident Störe als Gastgeber und Merz. Und die drei sind natürlich im Moment auch so ein bisschen so eine Anti-Trump-Koalition und haben das da auch sehr stark gemacht. Denn, du hast gerade gesagt, es war Ende letzter Woche, Reise von Donnerstag auf Freitag und als Freitagmorgen März in Norwegen aufwachte, hatte Trump schon mal wieder Dinge getan. Und im Grunde, im Nachhinein kann man sagen, dieser Freitagmorgen in Norwegen war der Auftakt für eine ziemlich harte Woche für März. Die ja auch stark durch die Ereignisse im Nahen Osten geprägt war, du hast gerade schon gesagt, er ist aufgewacht am Freitagmorgen mit der Nachricht, dass Donald Trump wieder etwas gemacht hat. Konkret ging es darum, dass die USA angekündigt haben, dass zeitweise wieder russisches Öl gekauft werden darf. Hintergrund ist die Blockade der Straße von Hormuz. Das ist ja eine Meerenge zwischen Iran und Oman, durch die ein großer Teil der weltweiten Ölexporte läuft. Aktuell ist die quasi nicht befahrbar, weil es iranische Drohungen gibt, Schiffe zu bombardieren, die da durchfahren. Wir sehen das unter anderem an den Energiepreisen und Trump hat dann angekündigt, beziehungsweise die amerikanische Regierung hat angekündigt, zeitweise zu gestatten, russisches Öl zu kaufen. Und das hat wiederum März ziemlich aufgeregt, oder? Ja, weil natürlich die unmittelbare Folge dieser Lockerungen bedeutet, dass Putin mehr Spielraum hat. Und mehr Spielraum für Putin bedeutet im Umkehrschluss weniger Spielraum für die Ukraine. Das heißt, es ist eine unmittelbare Schädigung der Ukraine im Krieg und damit konterkariert Trump im Grunde das, was Merz die ganzen letzten Wochen und Monate ja oft ja sogar zusammen mit Trump versucht hat, nämlich in irgendeiner Weise diesen Ukraine-Krieg zu beenden. Jetzt ist Putin erstmal wieder gestärkt dadurch. Merz ist sauer, nicht nur Merz, sondern die Europäer insgesamt, die natürlich versuchen, Putin mit wirtschaftlichen Einschränkungen derart zu beeinflussen, dass er eben bereit ist zu verhandeln. Das ist konterkariert dadurch, was Trump da macht und das ist für März ein massiver Rückschlag. Aber es ging noch weiter. Das war im Grunde nur der erste Tiefschlag an diesem Freitagmorgen. Es ging weiter am Wochenende mit den nächsten Tiefschlägen. Da ging es dann um die Frage, wie möglicherweise wieder Schifffahrt durch diese Straße von Hormuz ermöglicht werden soll. Und Trump hat die NATO aufgefordert, mitzuhelfen beim Schutz von Schiffen, die Öl durch diese Passage transportieren sollen. Und er hat dann angekündigt in der Financial Times, beziehungsweise gedroht, falls die NATO bei der Sicherung von Öltransporten in der Straße von Hormuz nicht helfe, werde sie vor einer sehr schlechten Zukunft stehen. Das ist eine Drohung und er hat bewusst natürlich nicht gesagt. Was er konkret damit meint, ob er damit meint, dass in einem Angriffsfall die USA ebenfalls ihre Verpflichtungen dann nicht einlösen würden, ob es andere Drohmittel gibt und so weiter. Er hat das sehr schön vage gelassen und das ist natürlich eigentlich nichts, was man unter Partnern macht. Unter Partnern droht man sich nicht und schon gar nicht öffentlich. Es hätte jetzt theoretisch natürlich als Reaktion ein Einlenken geben können, aber Merz, wie eigentlich auch alle anderen NATO-Staaten, haben eine sehr klare Position in diesem Iran-Krieg. Die sagen, das ist nicht der Krieg, in den wir in der Planung eingebunden waren. Das ist nicht der Krieg, den wir im Augenblick für klug halten. Und das ist nicht der Krieg, bei dem wir uns verpflichtet sehen, jetzt den Amerikanern und den Israelis zur Seite zu stehen. Es ist... Es hat keine Perspektive, es gibt keinen Plan, es gibt keine Strategie. Es wäre maximal unklug, da jetzt sich zu beteiligen. Auch wenn natürlich Merz sieht, dass die Blockade, du hast es gerade erklärt, die Blockade dieser Meerenge dazu führt, dass wir möglicherweise in eine weltweite Wirtschaftskrise reinrutschen. Das ist die Lage. Und Merz hat aufgrund dieser ganzen Überlegung eigentlich sehr hart und sehr klar reagiert und hat gesagt, man kann eine Lösung jetzt nicht herbeibomben, man kann jetzt da nicht als Deutsche ebenfalls mit in den Krieg ziehen. Also ein klares Nein, Herr Trump, ein klares Stoppschild. Das kam dann am Montag von März. Und Trump hat reagiert, wie er reagiert. Er ist ebenfalls ziemlich sauer geworden und hat dann wiederum seine Reaktion mit einer Umdrehung mehr geliefert und hat eben erklärt, das sei ein sehr dummer Fehler, der Länder, die er angesprochen hat, ihm nicht zu helfen und hat Merz nicht wörtlich, aber doch sehr offensichtlich, persönlich adressiert, indem er gesagt hat, dass auch dieses deutsche Oberhaupt, in Klammern, Friedrich Merz, deutscher Kanzler. Einen großen Fehler machen würde, wenn er sich nicht beteiligt. Das hat Merz aber bislang nicht dazu bewogen, anders zu denken, denn er ist da sehr klar, sein Koalitionspartner, die SPD, ist, ich würde sagen, fast noch klarer. Boris Pistorius, Verteidigungsminister, sagt, das ist nicht unser Krieg. Vielen Dank. Das ist der Krieg der Amerikaner und der Israelis und wir halten ihn für falsch. Aber es ist ja schon spannend, wenn man sich jetzt Merz' Position in Richtung Trump anschaut und die Klarheit, mit der er jetzt Trump entgegengetreten ist. Wenn man im Hinterkopf noch das Treffen im Oval Office hat, das ja auch noch gar nicht so lange her ist. Wo Merz eben nicht klar Position gegen Trump bezogen hat, Sondern im Gegenteil, als der Krieg in Iran begonnen hat, hat Merz ja noch gesagt, es sei jetzt nicht der Moment, unsere Partner und Verbündeten zu belehren. Was ist denn jetzt da in der Zwischenzeit passiert, dass es jetzt ja offensichtlich auch bei Merz ein Umschwenken gab? Ich glaube, dass Merz nach Washington geflogen ist und in gutem Glauben war, dass er spätestens dort von den Amerikanern hört, was der Plan ist. Was der Plan im Iran ist, was passieren soll, wenn das erste Bombardement erfolgreich ist und die erste Garde der Mullah-Führung weg ist. Und ich glaube, dass dieser Washington-Besuch bei März zu der bitteren Erkenntnis geführt hat, die Amerikaner haben keinen wirklichen Plan oder der Plan, den vielleicht Trump mal hatte, geht gar nicht auf, weil der Iran liegt nicht zwölf Stunden nach dem ersten Bombardement in Schutt und Asche und die Mullahs übergeben und plötzlich ist eine demokratische Regierung, die mit Trump Geschäfte macht. Nein, hat nicht geklappt. Es gab eben auch keinen Plan B oder einen Plan C. Es gab einfach keinen Plan. Und diese Erkenntnis ist bei Merz, glaube ich, immer weiter gewachsen. Und je sichtbar er gemacht hat, dass wir eine Strategie brauchen, dass er gerne hätte, dass Trump ihm erklärt, wie es denn weitergehen soll und dass dann sicherlich auch Überlegungen der Unterstützung relevant werden. Also die Frage, wie kann man denn ein neues Regime dort absichern oder wie kann man internationale Schifffahrtswege aufnehmen. Dass das aber alles Fragen sind, die erst dann relevant werden. Wenn man weiß, wohin das Ganze führen soll. Und ich glaube, das hat Merz wirklich entsetzt, dass da keinerlei wirkliche Strategie hinter ist. Und ich glaube, dieser Sinneswandel, den du gerade beschreibst und den wir alle beobachtet haben, lag genau daran, dass er, ich sage jetzt mal, gutgläubig war, bevor die US-Administration einen Krieg beginnt, werden die sich überlegen, wo der Krieg hinführen wird, bis zu der bitteren Erkenntnis, Zumindest Trump ist blank an der Stelle. Gleichzeitig aber durchaus auch ein Risiko, das Merz jetzt da eingeht. Weil ich meine, er war ja noch einer der europäischen Staats- und Regierungschefs und Chefinnen, der jetzt aktuell zumindest ein ganz gutes Verhältnis zu Trump hatte. Im Oval Office waren sie ja noch sehr kumpelhaft, freundschaftlich irgendwie miteinander. Jetzt hat Merz da ja schon auch den Bruch riskiert. Also meinst du, es könnte da wirklich zu einem Bruch dieses transatlantischen Verhältnisses kommen oder kommt er damit jetzt quasi noch weg und Trump regt sich jetzt erstmal so ein bisschen auf und dann kommt man aber auch wieder miteinander ins Gespräch? Sehr gute Frage. Ich glaube, man muss sogar noch einen Aspekt dazunehmen, bevor wir uns sozusagen eine Antwort nähern. Das Risiko ist ja nicht nur der Bruch zwischen Merz und Trump, deren Verhältnis ja für eine gewisse Stabilität gesorgt hat. Es gibt auch noch das rein ökonomische Risiko. Deutschland ist sehr abhängig von den Energielieferungen aus den USA. Nachdem wir uns vom russischen Gas getrennt haben, beziehen wir Flüssiggas in großen Mengen aus den USA. Wir beziehen auch Öl in großen Mengen aus den USA. Das heißt, Trump hat durchaus auch Druckmittel. Und es gibt ein durchaus nicht geringes Risiko, dass da auch, sagen wir mal, Strafsituationen jenseits von Zöllen, das kennen wir ja schon in das Thema, aber auch ganz unmittelbar wirkende Energiestopps möglicherweise im Raum stehen könnten. Aber du fragst ja zu Recht danach, ob März da eigentlich ein großes Risiko eingegangen ist. Das ist nicht wirklich leicht zu beantworten, weil wir sehen, dass... Trump es schon auch ganz cool findet, wenn jemand hart für die Interessen seines eigenen Landes eintritt. Das haben wir in der Vergangenheit gesehen. Das haben wir auch bei Leuten wie Giorgio Meloni, der italienische Ministerpräsident, gesehen. Er findet es schon cool, wenn Leute klare Führungspersönlichkeiten sind und so ein bisschen härter, selbstbewusster in auch so eine Auseinandersetzung gehen. Er mag das. Er mag keine Kriecher oder so. Insofern gibt es viele, die sagen, das Verhältnis zwischen den beiden ist auf dieser Buddy-Ebene stabil und daher kann sich Merz das auch mal leisten. Um ehrlich zu sein, finde ich diese Linie schon fast wieder zu rational für so einen irrlichternden Menschen wie Trump. Ich glaube nicht, dass man irgendeine Regel aufstellen kann. Und die Regel, harte Jungs mag er, ist auch nur eine Regel, solange bis sie gebrochen wird. Deshalb, ja, kann sein, dass Merz da ein kalkuliertes Risiko eingeht und es kalkulieren kann und auch heil aus der Sache rauskommt. Es kann aber auch schief gehen. Wir nehmen jetzt am Donnerstagmittag auf. Es kann sein, dass es in wenigen Stunden Dinge passieren, die wir jetzt alle noch nicht absehen können. So ist es eben bei Trump. Und in der Bundesregierung gibt es eben viele, die sagen, wir wissen bei Trump einfach null, was er will, wohin er steuert. Es gibt einfach keine Sicherheit. Das würden Sie vielleicht nicht jetzt sagen. Im On so sagen, aber das ist eine klare Haltung so, ja. Wie schauen denn jetzt die anderen europäischen Staaten auf Merz-Haltung und Merz-Klaren-Kurs in Richtung Trump, die er aktuell ja führt? Weil ich meine, wenn wir an den Besuch in Washington denken, dann haben wir ja alle noch diese Situation im Kopf, wo er die Spanier ja so ein bisschen gegen sich aufgebracht hat, weil er sie eben in dieser Pressekonferenz im Oval Office nicht direkt in Schutz genommen hat, als Trump die Spanier angegangen ist. Jetzt wiederum sind sich die Europäer ja sehr einig. Alle sagen, nee, das ist nicht unser Krieg. Wir wollen uns daran nicht beteiligen. Und Merz vertritt diese Linie in Richtung USA ja auch sehr deutlich. Also kommt das bei den Europäern dann gut an? Also ich glaube, dass die allermeisten Regierungen in Europa am Ende pragmatisch genug sind, um zu wissen, dass in dieser Situation, wo es wirklich darum geht, dort eigene Leute hinzuschicken, Truppen hinzuschicken oder so etwas. Dass es da wichtig ist, wirklich geschlossen aufzutreten. Im Moment, auch da wieder, Stand Donnerstagmittag, aktuell Takt, ein EU-Gipfel, ist diese Einigkeit in dem Punkt gegeben. Und ja, die Spanier waren verschnupft, kann man auch verstehen. Mein Eindruck ist, dass man da dann auch priorisieren kann und sagen kann, worum geht es jetzt wirklich. Merz sagt übrigens nicht, dass er dort als Bundesregierung gar nicht reingehen wird in diesen Konflikt, sondern er sagt, natürlich sind wir bereit, dort zu sichern. Minen zu bergen und die Schifffahrt wieder möglich zu machen. Nach einem Krieg. Also er signalisiert den Amerikanern immer wieder, kommen wir vielleicht gleich noch auf die Regierungserklärung, die er gestern gehalten hat. Er signalisiert, es ist nicht, wir sind nicht raus aus dem Spiel, macht euer Ding alleine, sondern nur, wir beteiligen uns nicht an einem Krieg. Das ist die Position. Du hast gerade schon das Stichwort Regierungserklärung gegeben. Die hat Merz am Mittwoch gehalten im Bundestag. Und natürlich wurde da im Vorfeld jetzt auch mit Spannung drauf geschaut, weil man sich eben gefragt hat, so wird er sich äußern in Richtung USA, in Richtung Trump. Wird er was zum Iran-Krieg sagen? Und das hat er auch getan. Also Friedrich Merz ist da ja doch relativ deutlich geworden, gerade beim Thema Iran. Also es war natürlich auch noch ein bisschen so eine grundsätzliche, ich hatte das Gefühl, es war so ein bisschen eine europäische Motivationsrede, die er da gehalten hat. Sehr schön, ja unbedingt. Er hat gesagt, also manchmal kriegt er dann so, Merz schreibt seine Reden ja nicht komplett selber, das muss man immer sagen. Aber manchmal sind seine Redenschreiber dann so, dass sie ihm auch so sehr pathetische Formulierungen reinschreiben. Aber er trägt die vor und man merkt schon, das ist schon auch so sein Stil. Also er sagt, das ist die Zeit für größere Selbstachtung. Es wächst der Wille, sich zu behaupten. Also das ist schon so dieses europäische Schulternbreitmachen. Ich habe das Gefühl, er sagt eigentlich am liebsten immer ich und wir und meint die Deutschen. Und dann fällt ihm im letzten Moment ein, dass er das natürlich im europäischen Zusammenhang legt. Aber man merkt nicht, dass er eigentlich ich sagen möchte. Mir platzt hier gleich der Kragen und ich habe keinen Bock mehr, dass uns der Trump immer uns hat. Also es ist schon sehr viel Ego, Merz. Aber bitte in diesen Zeiten schau. Ist es vielleicht ganz gut, dieses klare Selbstbewusstsein auch da zu formulieren. Interessant, nur weil du es ja eben nochmal auch angesprochen hast, ist es eigentlich riskant, wie er sich da dem Trump gegenüber fällt. Er hat selbst darauf in der Regierungserklärung was gesagt. Wir dürfen nicht einfach zuschauen, was die Partner machen, ohne uns dazu zu positionieren. Wir dürfen auch sagen, dass wir was anders sehen. Und dann kommt es, das muss die Partnerschaft aushalten. Im Umkehrschluss hielte sie das nicht aus, ist es eben auch sehr schlecht bestellt mit dem deutsch-amerikanischen Verhältnis. Genau, er ist relativ konkret geworden bei Iran in Richtung USA. Also er hat gesagt, über Jahre und Jahrzehnte hat das iranische Regime die Welt mit Terror überzogen. Deswegen trage Teheran die Verantwortung für die derzeitige Krise in der Region. Aber er hat dann eben auch gesagt, die Bundesregierung habe klargemacht, dass wir Fragen zu diesem Krieg haben. Also das, was du ja auch gerade schon erläutert hast, dass es eben kein überzeugendes Konzept gäbe bisher, wie dieser Krieg eigentlich weitergehen soll und wie er eben dann auch beendet werden soll. Das hat er auch in der Regierungserklärung nochmal gesagt. Was eigentlich das Ziel ist. Genau. Das ist ja die ganz große Frage. Und bevor man nicht weiß, was eigentlich das Ziel ist, hilft es ja auch fast noch gar über eine Strategie nachzudenken, weil es ist ja offensichtlich, dass Trump nicht mal richtig genau weiß, was er da eigentlich will. Oder schlimmer noch, alle fünf Minuten was anderes will. Ja und dann kam bei Merz so der Satz, der wahrscheinlich dann am deutlichsten wurde. Er hat dann gesagt, Washington hat uns nicht zurate gezogen und die europäische Hilfe nicht für notwendig erklärt und man hätte davon abgeraten, diesen Weg so zu gehen, wie er gegangen ist aktuell. Also hätte die amerikanische Regierung vorher mit Deutschland, mit der Bundesregierung über die Pläne gesprochen, dann hätte die Bundesregierung abgeraten, so in diesen Krieg hineinzugehen, wie es die USA jetzt sind. Zu weit gehört natürlich auch Europa. Selbst wenn es einen solchen Dialog gegeben hätte, ob sich Trump von Merz hätte von irgendetwas abraten lassen. Lassen wir mal dahingestellt. Ich habe meine Zweifel. Ich fand, dass die Regierungserklärung aber noch aus einem anderen Grund wichtig war. Ich habe Merz sehr leidenschaftlich erlebt und sehr impulsiv erlebt, wenn es gegen die AfD ging. Du auch? Ja, und vor allen Dingen fand ich es auch spannend, dass das die Momente waren, in denen er auch am meisten Beifall bekommen hat. Also teilweise auch dann von den Grünen und den Linken, als er wirklich mal so ausgeholt hat gegen die AfD. Ich finde es ganz spannend, weil das ja immer so ein bisschen die Frage ist, inwieweit lässt er sich quasi auf diese Zwischenrufe ein, die da von der AfD kommen. Inwieweit lässt er sich auch davon provozieren und geht darauf ein oder ignoriert es. Ich hatte das Gefühl, jetzt in dieser Regierungserklärung hatte er Puls und hat das dementsprechend auch direkt zum Anlass genommen und ist darauf eingegangen. Es gab zwei Momente, in denen er wirklich sehr direkt geworden ist. Einmal gab es einen Zwischenruf von der AfD und Merz hat direkt zurückgerufen. Ich reise heute Nachmittag zum Europäischen Rat nach Brüssel, wo sie nicht gebraucht werden. Da hat er direkt Applaus bekommen und dann gab es aber noch einen zweiten Moment, in dem Merz über die Ukraine gesprochen hat und die Lage der Menschen in der Ukraine. Da gab es wieder einen Zwischenruf von der AfD und Merz hat dann in Richtung AfD gesagt. Ja, dass Sie andere Erkenntnisse haben, das mag bei Ihren luxuriösen Besuchen in Moskau in der Tat der Fall sein. Das kann ich mir vorstellen, dass Sie andere Erkenntnisse haben. Vielen Dank für diese Zwischenrufe von Ihnen. Aber, meine Damen und Herren, die Lebenswirklichkeit der Menschen in der Ukraine ist eine andere, als die Sie bei Ihren Cocktail-Empfängen in der russischen Botschaft hier in Berlin erleben. Ja, genau. Harte Worte. Ein Kanzler mit Puls sehe ich ganz genauso. Ich habe ja einen Verdacht, dass das nicht nur aus der unmittelbaren Situation im Parlament geboren war, sondern Merz hat natürlich in diesen Tagen auch noch ein anderes AfD-Thema, das, glaube ich, in seinem Hinterkopf ist. Und wo er sicherlich sehr dankbar war, um die Gelegenheit nochmal ganz klar Kante zu zeigen Richtung Rechtsaußen. Es geht um den, man kann schon von Skandal sprechen, in der EVP-Fraktion, also im Europäischen Parlament, hat es eine Form der Zusammenarbeit mit Extremrechten gegeben, die mir jetzt nicht gefallen kann. Genau. Wir können ja vielleicht mal einmal kurz reingucken, wie überhaupt diese Verhältnisse im EU-Parlament sind, dass man sich das mal kurz vorstellen kann. Das ist ja ein bisschen anders als jetzt im Bundestag. Es gibt im EU-Parlament mehrere Fraktionen, zu denen sich immer dann unterschiedliche europäische Parteien zusammenschließen. Und es gibt eben auch drei Fraktionen, die so rechts beziehungsweise rechtsaußen stehen. Und eine dieser Fraktionen ist eben auch die, deren Teil die AfD ist. Und jetzt gab es Recherchen der Deutschen Presseagentur, dass die EVP, also die Parteienfamilie, der auch die CDU und CSU angehören im Europaparlament, eben deutlich enger mit diesen rechten Fraktionen zusammenarbeitet bzw. Kooperiert, als das bisher bekannt war? Genau, es gab eine Chatgruppe, es gab persönliche Treffen. Dazu muss man sagen, dass daran keine Abgeordneten von CDU oder CSU. Direkt beteiligt waren. Aber natürlich ist der Eindruck entstanden, dass zwischen dieser CDU-CSU-Parteienfamilie, EVP und den Rechten nicht der Abstand herrscht, den man erwarten würde, wenn man sieht, wie hartnäckig hier alle die Brandmauer immer hochhalten und sagen, auf gar keinen Fall zusammenarbeiten. Man muss dazu sagen, dass ein CSU-Mann Vorsitzender dieser EVP ist, das ist Manfred Weber, ein Markus Söder-Stellvertreter. Das heißt, das Fingerpointing geht schon auch Richtung eines deutschen CSU-Mannes und dazu muss man ja immer im Hinterkopf behalten, es ist Wahlkampf im Moment. Hat niemand in der CDU in irgendeiner Weise Interesse daran, dass solche Geschichten publik werden, dass in Frage stehen könnte, dass diese Brandmauer hart ist, hoch ist, funktioniert. Und deshalb reagieren natürlich jetzt auch alle maximal sensibel auf diese Vorgänge. Wie schaut man denn in Berlin jetzt auf das Thema? Ich meine, es hat ja immerhin so hohe Wellen geschlagen, dass sich Merz auch selbst dazu geäußert hat. Ganz klar, er hat sich ganz klar geäußert, ist ein Riesenproblem. Und ganz viele Unionsleute haben auch gesagt, muss Konsequenzen haben. Einschließlich etwa der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz, nächsten Sonntag wird dort gewählt, der natürlich genau weiß, was das für seine Wahl möglicherweise bedeuten könnte. Ich habe mit mehreren Unionsleuten auch darüber gesprochen, auch welchen die in Europa aktiv sind, die sagen, das kann uns richtig gefährlich werden, Das kann eine ganz doofe Welle geben. Das passt überhaupt nicht, abgesehen davon, dass sie es auch nicht wollen, dass sie es schlimm finden. Aber es ist einfach auch noch ein schlechter Zeitpunkt. Und Gordon Schnieder, der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz, hat uns auch nochmal ganz klar gesagt, er sieht da die EVP-Spitze, sprich Manfred Weber und er sieht auch Konsequenzen. Also da muss was passieren. Das sind immer so diese harten Reaktionen dann, aber man merkt richtig, wie alle sehr nervös geworden sind und ganz klar Sorge haben, dass die Union wieder so eine neue Brandmauer-Debatte wird. Du hast gerade schon Gordon Schnieder angesprochen und die Landtagswahl, die jetzt ansteht am Sonntag in Rheinland-Pfalz. Da ist es ja, wenn man auf die Umfragen aktuell schaut, ziemlich knapp. Also das könnte ein Kopf an Kopf rennen werden zwischen SPD und CDU. Und die erste Landtagswahl in diesem Jahr hat ja schon auch die Bundespolitik sehr beschäftigt. Das ist jetzt die zweite Landtagswahl in diesem Jahr, wo natürlich auch Berlin wieder sehr genau drauf schaut. Und auch Friedrich Merz. Wie schaut denn Merz genau auf diese Wahl? Beim CDU-Parteitag Ende Februar hat Merz sich noch gefreut, weil er dachte, er kriegt zwei neue CDU-Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg. Hat nicht geklappt. Cem Özdemir wird es mit großer Wahrscheinlichkeit. Und in Rheinland-Pfalz. Ist auch nicht klar, ob es klappt. In beiden Fällen lagen zu dem Zeitpunkt seine Leute, die beiden CDU-Spitzenkandidaten, noch weit vor dem jeweiligen Mitbewerber. Dieser Abstand ist geschrumpft. In Baden-Württemberg haben wir alle gesehen, am Ende lagen die Grünen vorne. Und in Rheinland-Pfalz sind es nicht die Grünen, sondern es ist die SPD mit dem dort noch amtierenden Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer. Auch da gibt es gerade diese krasse Aufholjagd. Und ich würde im Moment keine Wette eingehen, wie das da am Sonntag ausgeht. Also es kann sein, dass dieser ganz knappe Vorsprung, den Gordon Schnieder, CDU-Mann, jetzt noch hat, hält. Kann aber genauso gut sein, dass es auf den allerletzten Metern, auch da, du hast diese relativ große Gruppe der Unentschieden, die ganz am Ende sagt, was machen wir denn jetzt? Amtsbonus, SPD, seit über 30 Jahren Regierungspartei dort. Man weiß es nicht und ich glaube, es gibt niemanden seriös, der jetzt sagen kann, was da in den nächsten Tagen noch passiert. Das ist für Merz natürlich bitter. Zweimal so eine Zitterpartie. Beim ersten Mal ist es schon daneben gegangen. Wenn es jetzt wieder daneben geht, ist es natürlich nicht gut. Und gleichzeitig muss Merz aber natürlich auch in seiner Koalition auf Bundesebene mit der SPD ein bisschen zumindest darauf schauen, was das für die SPD bedeuten würde, wenn sie den Ministerpräsidentenposten verlieren, oder? Total. Ich glaube, der CDU-Chef in ihm sagt, Gordon Schnieder, du musst es bringen, wir müssen Rheinland-Pfalz wieder gewinnen. Ich meine, das ist Helmut Kohls Stammland, also so. Das ist der CDU-Chef in ihm. Und dann gibt es den Kanzler in ihm. Und der Kanzler sagt, wenn die SPD, nachdem sie in Baden-Württemberg ja fast aus dem Landtag geflogen wäre, jetzt auch noch ihren Ministerpräsidenten in Rheinland-Pfalz verliert, dann haben wir eine weit wundgeschossene SPD. Was passiert, wenn einer so richtig mit dem Rücken zur Wand steht? Wird er dann stabil, staatstragend, ruhig und souverän? Ja, vielleicht, vielleicht, aber auch drehen die alle durch. Also die Parteispitze kriegt Lack, die Jusos stehen auf, es gibt eine Debatte, wollen wir vielleicht doch wieder ein bisschen linker werden? Sichtbarer zumindest und das kriegt natürlich dann die Koalition in Berlin zu spüren. Das heißt, ich glaube, der CDU-Chef sagt, CDU muss gewinnen und der Kanzler sagt, klammheimlich würde er natürlich niemals öffentlich im Wahlkampf sagen, wenn es anders ausginge, naja, es hätte seine Vorteile, zumindest so. Es ist auf jeden Fall keine einfache Gemengelage. Wir werden auf jeden Fall nächste Woche dann über das Ergebnis sprechen hier im Podcast. Würdest du eine Wette abgeben? Nein. Wir haben ja auch in Baden-Württemberg gesehen, dass man sich nicht sicher sein kann. Die CDU war sich da ja auch ziemlich sicher mit Manuel Hagel und am Ende ist es anders gekommen. Also ich glaube, wir können aktuell wenig wirklich abschätzen. Und jetzt die Zahl der Woche. Hast du denn zum Ende dieser Folge noch eine Zahl der Woche für uns? Ja, aber die klaue ich mir. Die klaue ich mir von Friedrich Merz. Er hat sie in der Regierungserklärung gesagt und er hat so richtig dicke Hose gemacht. Er hat gesagt, und ich glaube, er lernt an der Stelle wirklich auch von Trump, am Ende geht es um, wer ist stärker, wer hat mehr Manpower und so weiter. Und er hat jetzt wirklich ausgerechnet, was nicht besonders schwer ist. Die Europäer sind einfach mehr als die Amerikaner. Wir sind 100 Millionen Menschen mehr als ihr. Und das hat er ihm so hingelegt und ich dachte im ersten Moment so, oh Gott, also zählen wir jetzt irgendwie durch und wir sind ein paar mehr als ihr. Aber ich glaube, am Ende sind das genau die Reflexe bei denen oder sagen wir mal die Triggerpunkte, mit denen man Leute wie Trump kriegt. Wir sind stark, wir sind groß, wir können uns selber verteidigen und wir sind auch noch mehr. Ich glaube, dann nimmt er die Europäer eher ernst, wenn man sagt, naja, und wir sind auch noch weniger als ihr. Ja, und das passte irgendwie auch in das gesamte Bild dieser Regierungserklärung, die also für mich wirklich so eine europäische Motivationsrede und dann auch in Richtung Europäer zu sagen so, hey, wir sind mehr als die USA, wir sollten uns jetzt nicht immer von denen irgendwie den Takt vorgeben lassen, sondern selbst zu eigener Stärke finden wollen. Passt auf jeden Fall rein. Deine Zahl. Ich habe endlich mal wieder eine lustige Zahl mitgebracht. Man muss sagen, sie kommt auch quasi von Friedrich Merz, nicht ganz. Es ist nämlich 3,5 Millionen. So viel Views hat ein Video bekommen, das Anfang der Woche auf dem Account des Bundeskanzlers gepostet wurde. Du hast es auch gesehen, oder? Ich ahne, ich ahne, wie bist du meinst. Du weißt, über welches Video ich rede. Großartig. Ich glaube, Friedrich Merz hat da unfreiwillig einen viralen Hit produziert. Auf dem Account wurde nämlich ein Video veröffentlicht, in dem es eigentlich um künstliche Intelligenz und die Regulierung von künstlicher Intelligenz gehen sollte. Tatsächlich gesprochen wird aber eigentlich nur über die Hook, also über den Einstieg in dieses Video. In diesem Video ist nämlich zu sehen, Merz, wie er selbst ein Video anguckt, das einen KI-generierten Merz zeigt, der ganz wild tanzt. Und dann, ich war nicht so gut in Turnen, ich glaube so eine Art rückwärts, Flickflack, Backflip, was auch immer, macht. Es sieht auf jeden Fall sehr... Niemand mit 15 kann sowas und mit 70, glaube ich, kann man es definitiv nicht mehr. Richtig. Merz sagt aber dann als Reaktion, nachdem er sich dieses Video angeguckt hat, dieses Video wirkt täuschend echt. Großartig. Und das hat dann natürlich in den Kommentaren zu Belustigung geführt. Das waren ganz witzige Kommentare dabei. Und irgendwie war es so ein bisschen ein netter Moment in dieser ganzen Weltlage, die ja doch oft irgendwie sehr beängstigend ist und in der wirklich wahnsinnig viel passiert. Da hat das Internet mal kurz gelacht. Ich glaube auch gemeinsam mit Merz. Also ich würde mir diese Moves nicht zutrauen, die er da, die KI-generierte Version von ihm da gemacht hat. Also ehrlich, du stellst ihn dir jetzt nachmittags im Kanzleramt immer zehn Minuten lang in so einer Pose vor. Ja, ich finde es schon beeindruckend. Also das zeugt auf jeden Fall von einem großen Selbstbewusstsein, dass er selbst sich das ja offensichtlich zutraut, dass er das genauso, täuschend echt, dass er das genauso machen könnte. Ich dachte, ein bisschen nett, mal wieder abzuschließen mit dieser Folge. Ist doch irgendwie für uns alle auch ganz angenehm. Ansonsten war es wunderbar mit dir, Julia. Vielen Dank auch, dass ihr zugehört habt. Und wenn euch dieser Podcast gefällt, dann lasst uns doch gerne eine Bewertung da. Darüber freuen wir uns sehr. und ansonsten hören wir uns in der nächsten Woche wieder. Tschüss. Tschüss.