Latest / BZ am Ohr / Vertrauensbruch an der Uni Freiburg: Der Fall der 800 heimlich gefilmten Frauen
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- Hallo und herzlich willkommen zu BZ am Ohr. Ich freue mich, dass ihr dabei seid. Heute eine Freitagsfolge. Normalerweise erscheinen wir ja immer donnerstags, aber in Ausnahmefällen auch mal an anderen Tagen. Und heute sprechen wir über so einen Ausnahmefall. Wir nehmen diese Folge am Freitag, dem 20. März auf und vor zehn Tagen hat ein Artikel meines Kollegen Frank Zimmermann für Entsetzen, man muss es echt so sagen, in Freiburg gesorgt. Erst einmal herzlich Willkommen Frank. Schönen guten Morgen. Hallo. Danke, dass du heute da bist. Frank, du saßt Anfang März in einem Prozess im Amtsgericht Freiburg hat der stattgefunden und es ging um einen Mitarbeiter der Uni Freiburg. Was wurde oder was wird ihm vorgeworfen? Also worum geht's? Vielleicht kurz noch vorab, dass wir durch die Ankündigung des Gerichts, die wir ja immer als Journalisten vorab bekommen, gar nicht wussten oder hätten wissen können, dass es ein Universitätsmitarbeiter Wir hatten da aber Informationen von anderer Seite vorgeworfen. Wurde ihm in 61 Fällen die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen. Sprich, er hat heimlich Kameras versteckt und filmen lassen. Die Überschrift deines Artikels habe ich jetzt nicht mehr komplett vor Augen, aber es ist auf jeden Fall von mehr als 800 Frauen die Rede. Wie kommen diese beiden unterschiedlichen Zahlen zustande? Also der Angeklagte hat dann auch der Polizei das gesamte Material übergeben und da handelt es sich ja um Speicherdateien über 15 Jahre, von 2009 bis 2024. Und da hat die Staatsanwaltschaft bzw. Die Polizei in mühevoller Arbeit die ganzen Dateien auseinandergenommen. Es gab Unterordner und er hat das sehr akribisch alles abgespeichert, also diese Aufnahmen der Frauen. Und da kam man auf 803 verschiedene Namen, das sind jetzt nicht Realnamen, aber er hat den Namen gegeben und da kam man auf 803 verschiedene Personen. Man geht sogar noch von mehr aus, weil manchmal sind in Unterordnern mehr als eine Person. Also da gibt es zum Beispiel in Unterordner Studentinnen und da sind dann mehr Namen drin. Also es könnten auch mehr sein, aber 803 Namen sind eruiert worden. Und warum wurden dann nur 61 Fälle an diesem Prozestag verhandelt? Das Problem ist tatsächlich bei dem Delikt, was ich gerade schon genannt habe, Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen. Da ist das Problem, dass es eine Verjährungsfrist von fünf Jahren gibt. Das heißt, die Tat flog im Januar 2024 auf. Und so konnte man quasi alle Fälle zur Anklage bringen, die maximal fünf Jahre zurücklagen. Das heißt, alles davor ist ausgeschieden sozusagen für die juristische Aufarbeitung. Wir sprechen also über einen riesigen Spannerskandal an der Uni Freiburg. Um nochmal einen Schritt zurückzugehen, bevor wir über die Fälle sprechen. Es geht um den 57 Jahre alten Peter S., also so nennst du ihn in deinem Artikel. Das ist nicht sein richtiger Name. Was weiß man über ihn oder was hast du im Prozess über ihn gelernt? Also man weiß über ihn eben, dass er an der Uni gearbeitet hat, seit 2003 Soziologie studiert hat und bis 2009 oder 2010 erst einen anderen Arbeitsbereich in der Uni hatte und dann in dieses Servicecenter-Studium gewechselt ist und dort die Funktion eines Studienberaters hatte. Er ist auch in zweiter Ehe verheiratet und hat auch mehrere Kinder. Er hat ja eben von 2009 bis 2024 Frauen in den privatesten Situationen gefilmt. In welcher Beziehung standen denn diese Frauen zu Peter S.? Es waren ja glaube ich Studentinnen, aber auch MitarbeiterInnen dabei. Genau, es ist ganz unterschiedlich. Es gibt tatsächlich mehrere Tatkomplexe, wenn man es so nennen will. Also zum einen hat er eine große Wohnung im Rieselfeld besessen, die er an Studentinnen vermietet hat, also eine WG gewesen. Und das waren kurioserweise nur Erstsemester-Studentinnen, die alle so ein ähnliches äußeres Erscheinungsbild hatten. Also junge Frauen. Junge Frauen, ähm. Die waren auch befristet auf ein Jahr. Er wollte also immer neues Material, in Anführungszeichen bitte nur verstehen. Ja, sieht man da dein Podcast nicht, aber ja, du hast Anführungszeichen gemacht. Wollte immer haben und deshalb war das immer auf ein Jahr befristet. Und das war sozusagen eine betroffene Gruppe, die Studentinnen. Da gab es dann eben auch einen regen Wechsel. Das ist eine Siebener WG, also das war eine große WG. Und dort stand eine Kamera im Badezimmer, versteckt in einem Akku. Und die war tatsächlich ausgerichtet auf Toilette und Dusche vor allem. Also er hat sie wirklich in den privatesten, intimsten Situationen gefilmt. Das muss man sich wirklich einfach mal vorstellen. Über mehrere Jahre hinweg viele verschiedene junge Frauen, die zum Studium wahrscheinlich nach Freiburg gezogen sind und einfach auf Wohnungssuche waren. Es haben ja auch einige Studentinnen im Prozess ausgesagt. Was haben die denn so erzählt? Haben die schon vermutet, dass es da irgendwie komisch zugeht in der Wohnung? Also sie haben schon beschrieben, dass es irgendwie ein komisches Gefühl gab, schon bei den Wohnungsbesichtigungen. Kann ich jetzt aber nicht sagen, ob das dann eher so retrospektiv ist, mit dem Wissen, was man jetzt von heute hat. Aber sie haben zumindest das so geschildert, dass sie ihn irgendwie seltsam fanden. Eine Studentin, die auch quasi die Kamera entdeckt hatte, die hat beschrieben, dass sie von ihm bei der Wohnungsbesichtigung so gescannt worden sei, also ihr Körper sei gescannt worden. Und sie fand es schon ein bisschen strange, also ein bisschen seltsam und unangenehm. Sie hat dann aber quasi kurz nachdem sie die Wohnung verlassen hatte zur Besichtigung schon eine Zusage bekommen und hat sich riesig gefreut. Sie kam aus Berlin und wir alle kennen die Wohnungs- und die WG-Zimmernot in Freiburg und da war sie natürlich erstmal glücklich. Sie fand ihn schon seltsam und seltsam war dann auch, dass im Mietvertrag eine Klausel stand, dass sie jederzeit für Reparatur und Sanierungsarbeiten die Wohnung betreten dürfe. Das haben sie am Anfang nicht so ernst genommen. Er hatte also einen Schlüssel zu der Wohnung. Ja, und es hat sich dann hinterher herausgestellt, dass es doch ein großes Problem auch für sie wurde. Am Anfang haben sie es eben so ein bisschen abgetan. Ja, ja, der wird schon nicht so oft kommen. Aber das wurde dann relativ schnell ein Riesenproblem. Also der kam dann immer öfter einfach auch rein und hat quasi so getan, als würde er was reparieren müssen. Genau, also der tatsächliche Grund war, dass er eben Akkus und Speicherkarte gewechselt hat im Badezimmer. Aber ansonsten waren das irgendwelche vorgeschobenen Gründe, wie jetzt eine kaputte Glühbirne wechseln oder ein Messgerät, Strommessgerät überprüfen und solche Dinge. Also es war sehr fadenscheinig und das fiel den Studentinnen auch bald sehr unangenehm auf. Und sie haben dann auch sogar darauf angesprochen, dass ihnen das nicht so recht ist. Dann hat er aber so gesagt, ja, aber das ist mein Recht. Also er hat das so ein bisschen von oben herab gesagt. Und man konnte sich dann immerhin darauf einigen, dass er ankündigt, wann er kommt. Also nur, wenn sie da sind und auch den Grund nennen. Aber er kam weiterhin. Und wie ist er dann eigentlich schlussendlich aufgeflogen? Weil bis dahin fanden sie ihn ja einfach nur ein bisschen komisch und aufdringlich und vielleicht auch ein bisschen übergriffig, aber hatten nichts vorzuweisen. Wie ist das Ganze dann aufgeflogen? Also dieses Gefühl der Bedrängnis durch Ihren Vermieter, das hatten Sie schon immer stärker. Es gibt auch eine Studentin, die ist relativ schnell wieder ausgezogen oder es können auch mehrere gewesen sein, sodass das schon... Sehr unangenehmes Gefühl war, aber gleichzeitig standen die Frauen unter einem großen Druck wegen der Wohnungsnot. Also es findet sich dann auf die Schnelle auch nichts. Und tatsächlich hat eine Studentin im Bad dann auch diese Kamera entdeckt, weil das Akku-Gerät, in dem sie war, die Kamera, das hat so gesurrt. Und dann hat sie sich das mal genauer angeguckt und hat die entdeckt und dann auch die Polizei gerufen. Und dann ist quasi dieser ganze Fall ins Rollen gekommen. Die Polizei hat, hast du ja am Anfang schon erzählt, diese ganzen Aufnahmen gefunden. Was haben denn die Frauen im Prozess gesagt? Das ist ja wirklich, da fällt man ja aus allen Wolken. Das kann man gar nicht nachempfinden, wenn sowas aufgedeckt wird. Was hat das mit den Frauen gemacht? Was haben die so aus ihren Erfahrungen berichtet? Also das waren schon ganz schlimme Erfahrungen. Also man muss sagen, im Prozess ausgesagt hat man, hat nur eine Studentin, und zwar die, die die Kamera entdeckt hat, aber es wurde betont, dass sie stellvertretend für andere betroffene Frauen spricht. Es waren auch zwei andere Studentinnen, Nebenklägerinnen im Prozess und sie hat erzählt, dass sie wirklich auch Probleme hatte danach. In ihrem Verhältnis zu Männern, speziell auch zu älteren Männern in diesem Altersbereich. Aber auch so hat es Beziehungen belastet. Eine andere Studierende hat ja auch erzählt in einem Gespräch mit der Baden-Zeitung, dass die Beziehung sogar mit ihrem Freund zu Bruch ging. Also das heißt, es hat die Entspanntheit, die man hatte vorher in Beziehungen, die ist dann schon verloren gegangen dadurch. Das ist so ein großer Grund. Und dann gibt es auch bei den Frauen seitdem Ängste, zum Beispiel in öffentlichen Bädern, wo man sich umzieht oder in Toiletten, dass man dem wieder gewahr wird und vielleicht auch guckt, ist hier was oder so. Also eine große Unsicherheit hat das auch ausgelöst und so ein Verlust des Selbstvertrauens schon auch. Ja, weil es ist ja einfach der intimste Ort, der Safe Space, das Zuhause, wo man sich eigentlich wohlfühlen sollte. Und da wurde man eben über Wochen, Monate, je nachdem, wie lange sie dort gewohnt haben, einfach gefilmt. Und eben die eine Zeugin hat ja auch gegenüber der BZ gesagt, dass sie seitdem in Therapie ist, Panikattacken hat, also richtig schlimme Folgen. Wie war es denn dann im Prozess? Hat Peter S. alles zugegeben? Wie hat er sich zu den Vorwürfen geäußert? Und vor allen Dingen, was hat er auch mit den Aufnahmen eigentlich gemacht? Also die Aufnahmen, das hatte er versichert und das hat die Polizei so gut es geht überprüft. Hat er tatsächlich nur für den eigenen, wieder in Anführungszeichen, Gebrauch genutzt. Also er hat sie nicht ins Netz gestellt. Zumindest gibt es dafür keine Anhaltspunkte. Aber natürlich war das eine große Sorge der betroffenen Frauen, dass das irgendwo im Netz ist. Er hat das wirklich nur für sich und seine sexuelle Befriedigung benutzt, weil er angab, eine Sechssucht zu haben, die inzwischen auch therapeutisch behandelt werden würde, so seine Aussage. Es gibt da auch therapeutische Gutachten, die dem Gericht vorgelegt wurden. Also es ist auch tatsächlich so, dass er in sexualtherapeutischer Behandlung ist. Also er hat es nur quasi für sich verwendet und nicht irgendwie weitergegeben an andere. Das kam heraus im Prozess. Es kam allerdings auch heraus bei der Sichtung des Bildmaterials, dass auch so Kolleginnen betroffen waren. Er war zum Beispiel auf einer Tagung mit Kolleginnen aus dem Service Center Studium in Konstanz und er war so nett und hat den Kolleginnen gesagt, ich miete uns mal eine Airbnb-Wohnung an. Er war ein sehr beliebter Kollege, es war ein sehr freundschaftlicher Umgang in der Abteilung und er hat dann diese Airbnb-Wohnung gemietet für insgesamt sich und vier Kolleginnen und er hat dann irgendeinen Grund gefunden, er muss nach Konstanz vorausfahren, ein paar Stunden, also es war jetzt kein großer Vorsprung, den er da hatte, aber es hat genügt, um quasi diese Wohnung und auch dort das Badezimmer zu präparieren, auch wieder mit einer versteckten Kamera. Das kam noch heraus. Das hat er alles zugegeben. Er hat auch erzählt, dass er bis 2009 gefilmt hat. Er hat ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er hat nichts zurückgehalten. Er hat der Polizei sogar Material ausgegeben, was die Polizei beim Durchsuchen nicht gleich gefunden hatte. Er hatte nicht nur in seiner eigenen Wohnung Material versteckt, sondern auch im Keller dieser WG-Wohnung im Rieselfeld. Also er hat wirklich alles ausgehändigt und war da dann schon, wie die Polizei gerne sagt, kooperativ. Und wir haben jetzt eben über die Kolleginnen gesprochen, über die Studentinnen. Du hast ja gesagt, er war Mitarbeiter im Servicecenter in der Uni Freiburg und war da auch als Berater, glaube ich, tätig. Und da hat er, glaube ich, auch mitgefilmt, oder? Genau, das kam auch tatsächlich erst den Prozess zur Sprache. Das war auch nicht Teil der Anklage, weil es sich da wohl auch um ältere Bilder handelt, die schon verjährt sind. Aber da kam heraus, dass er auch in der Toilette, in der Damen-Toilette des Service-Center-Studiums gefilmt haben muss. Schlussfolgeriert, dass das aus der Auswertung des Bildmaterials auch zu erkennen ist. Und dass es wohl auch Aufnahmen gab unterm Schreibtisch im Servicebereich, was jetzt nicht nur wegen der, das heißt, da kommt noch ein ganz anderer Bereich dazu, nämlich dass auch vertrauliche Gespräche unter Umständen aufgezeichnet wurden. Auch mit Ton wahrscheinlich dann, oder? Genau, denn diese Gespräche sind ja teilweise höchst vertraulich in der Studienberatung. Da geht es ja auch mal darum, dass einer Prüfungsangst oder irgendwelche Probleme hat und so. Und von daher war das schon auch eine heikle Situation. Aber als die Polizei die Räume im Service Center Studium ein paar Wochen nach der Anzeige durch die Studentin durchsucht hat, Und da waren keine Kameras mehr. Die Aufnahmen gibt es. Die Aufnahmen gibt es. Er hat es auch zugegeben, dass es da auch Aufnahmen gab. Um nochmal auf die Frauen zu sprechen zu kommen. Die haben sich ja, glaube ich, teilweise die Studentinnen auf jeden Fall untereinander vernetzt. Die sich eben über diese Wohnung da kannten. Was ist denn mit den Frauen, die auch noch unter diesen 800 dabei sind? Wissen alle davon oder werden die kontaktiert? Also tatsächlich sind da ganz viele Menschen. Ich sage sogar der überwiegende Teil, nicht identifiziert bislang. Das ist, glaube ich, eine Heidenarbeit. Ich weiß gar nicht, ob man da vielleicht KI einsetzen kann oder so. Aber natürlich haben sich jetzt durch die Berichterstattung Frauen gemeldet. Bei mir haben sich zum Beispiel auch Kolleginnen gemeldet, die mal irgendwann mit ihm zusammengearbeitet haben. Und die Angst ist einfach groß, dass sie da drauf sein könnten. Und sie können sich jetzt an die Polizei wenden, an die Kriminalpolizei und die wird dann versuchen, das mit ihnen zu klären. Aber da weiß ich nicht genau Bescheid, auf welche Weise das erfolgt und in welchem Zeitrahmen. Gehen wir mal zu dem Urteil. Richter Andreas Leipold hat den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Und es gab dann so einen relativ großen Aufschrei in Freiburg, weil viele das Urteil für zu schwach empfinden. Jetzt hast du aber ja gerade schon so ein bisschen erzählt, dass er sehr geständig war im Prozess. Deswegen, wie beurteilst du das Urteil? Welche juristischen Gründe gibt es, dass es so ausgefallen ist? Also man muss ja so ein bisschen unterscheiden zwischen der moralisch, Aus ethischen Sicht auf das Urteil, da stimme ich zu, das ist sehr milde, da kommt er eben ganz gut weg, er muss nicht ins Gefängnis. Allerdings, wenn man juristisch das betrachtet, gibt es schon auch Punkte, die der Richter auch genannt hat, die dafür sprechen, dass es entlastende Gründe gab, um dieses Urteil abzumildern. Insofern, ich kann mal einige aufzählen, da ist zum Beispiel eben die Tatsache, dass ein Großteil der Fälle einfach verjährt ist, das mag natürlich Betroffene oder überhaupt uns alle empören, aber es ist halt juristisch einfach so, es ist einfach Gesetz, dass es dann eine Fünfjahresfrist gibt. Das ist ein Grund. Der ihn ein bisschen im juristischen Sinne entlastet. Da natürlich auch wirklich sein wirklich umfassendes Geständnis. Also es war jetzt nicht nur so, dass er hat ein Geständnis vorlesen lassen durch seinen Anwalt, ohne Nachfragen zuzulassen, das kommt sehr häufig vor, sondern er stand wirklich im Verfahren Rede und Antwort und hat wirklich alles beantwortet, Und was die Anwälte, die Staatsanwältin und der Richter gefragt haben. Also da gab es keine Tabus. Das muss man schon auch zu seinen Gunsten auslegen. Dann hat er eben auch, wie ich schon angesprochen hatte, Material rausgegeben, was gar nicht so leicht zu finden war. Das heißt, er hat jetzt nichts irgendwie versteckt, kaschiert oder abzuschwächen versucht. Dann hat er sich auch schon lange vor dem Prozess mit betroffenen Frauen in Verbindung gesetzt und hat 30 Frauen bislang eine Entschädigungszahlung gezahlt, ich glaube jeweils von 3500 Euro. Das heißt, man kommt da aber schon auf 105.000 Euro und er hat gesagt, dass er auch weitere Frauen entschädigen wird, die mit ihm in Kontakt stehen. Also da gibt es wohl Verhandlungen mit dem Anwalt und da ist noch nicht alles abgeschlossen. Das heißt, da kann noch eine große Summe dazukommen, also er ist da total bereit. Er hat auch an den gemeinnützigen Verein was gespendet. Also hat er ein schlechtes Gewissen? Er hat ein schlechtes Gewissen, er hat Reue, was für die Richter immer ganz wichtig ist. Hat der Angeklagte Reue, ist er so gleichgültig, ist es ihm egal. Er hat Reue, er hat Wiedergutmachung gezeigt. Er hat sich entschuldigt und er war in meinen Augen schon auch glaubwürdig in dieser Reue. Also er hat wirklich gezittert, geweint, die Verhandlung musste unterbrochen werden. Er ist wirklich fix und fertig gewesen, was natürlich seine Tat nicht entschuldigt. Aber es gibt oft Geständnisse, wo man so sagt, das hat er jetzt gut vorbereitet. Also das war jetzt hier nicht der Fall. Also es klang nicht nach einem Schauspiel oder es klingt jetzt so, wie du es fährst, nicht nach einem Schauspieler. Es geht aber jetzt noch weiter in dem Fall. Die Staatsanwaltschaft hat Berufung eingelegt und hatte eben auch schon von Anfang an eine Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren gefordert. Wie realistisch ist es denn, dass das Erfolg hat? Wie realistisch das ist, kann ich im Moment gar nicht abschätzen, muss ich ehrlich zugeben. Aber tatsächlich, die Staatsanwältin hat da eine wesentlich drastischere Strafe, eben ohne Bewährung gefordert. Bewährung ist auch nur für Haftstrafen bis zwei Jahre möglich, danach nicht mehr. Ja, da wird sich das Landgericht als nächste Instanz mit befassen, wie schlüssig ist das Urteil, wie schlüssig sind die belastenden, entlastenden Argumente im Urteil, was ja noch nicht vorliegt. Das schriftliche Urteil wird ja erst noch verfasst. Und erst dann kann man eigentlich sagen, wie gut oder schlecht die Aussichten sind, dass da nochmal das Urteil verändert wird in der zweiten Instanz. Aber heißt jetzt auch, der Peter S. ist jetzt aktuell auf freiem Fuß? Der ist aktuell auf freiem Fuß, weil er ja nicht, er war nicht in Haft. Es gibt ja auch Angeklagte, die quasi aus der U-Haft kommen. Es gab aber keine U-Haft für ihn, war wohl auch keine Fluchtgefahr. Und er ist ja jetzt auch nicht zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Insofern ist er auf freiem Fuß und muss jetzt einfach die weitere Entwicklung abwarten. Und wie gesagt, es gibt auch noch Gespräche über weitere Entschädigungszahlungen. Es gab noch einen Detail an der ganzen Sache. Und das war die Aussage von Peter S., das steht auch im ersten Artikel von dir, nach der er von der Uni Freiburg eine Abfindung erhalten hat. Das hat der Arbeitgeber aber jetzt dir gegenüber wieder verneint. Kannst du das noch kurz erklären? Also das war ein ziemliches Hin und Her. Im Gericht selber hat der Angeklagte auf eine Frage der Nebenklage gesagt, dass er eine Abfindung bekommen habe. und da war die Rede von 25.000 Euro. Und das wurde dann nach einem gewissen Hin und Her, hat die Uni das korrigiert und gesagt, es gab eine Abfindung, aber es gab auch noch andere Zahlungen, wie jetzt zum Beispiel Urlaubsansprüche, Zeitguthabenansprüche. Und die Summe wurde von der Uni heruntergesetzt auf 20.000 brutto Und diese 20.000 enthält einen Abfindungsanteil, aber es ist eben nicht nur die Abfindung. Und die Uni hat sich jetzt auch keinen guten Namen gemacht, weil sie dem Täter wohl schon 2024 fristlos gekündigt hat. Aber viele potenziell betroffene Studentinnen und Mitarbeiterinnen haben erst durch deine Berichterstattung quasi von dem Fall erfahren. Wie reagiert denn jetzt die Uni? Ja, da komme ich gleich zu. Vielleicht kurz vorher noch muss man erklären, also die fristlose Kündigung wurde ausgesprochen. Da fragt sich ja jetzt vielleicht... Fragen sich die Hörerinnen und Hörer, warum dann eine Abfindung. Er hat dann nämlich, als die fristlose Kündigung erfolgte, gab es eine sogenannte Kündigungsschutzklage von ihm und daraufhin wollte die Uni wohl das Thema schnell vom Tisch haben, weil es jetzt nicht weiter war, aber über Monate, inzwischen weiß man ja, als es noch zwei Jahre waren, und hat deshalb einen Vergleich angestrebt und im Vergleich kam es zu dieser Zahlung. Die Universität war, nachdem die Tat aufflog und nachdem es eine Durchsuchung des Service-Centers Studium gab durch die Polizei, war die Universität schon mit dem Umfeld da im Service-Center-Studium in Kontakt. Also die Frauen wussten schon Bescheid. Aber ansonsten ist die Universität nicht an die Öffentlichkeit gegangen bis drei Tage nach der Verhandlung. Und sie hat behauptet, oder sie behauptet bis heute, dass sie quasi von der Tatsache, dass in Toiletten und im Beratungsbereich gefilmt wurde, erst durch den Prozess erfahren habe. Ich habe da natürlich auch nachgehakt und tatsächlich ist es so, dass die Uni unterscheidet zwischen dem Verdacht. Von diesem Verdacht wusste sie nämlich schon seit Anfang 2024, als es die Durchsuchung gab. Da war klar und da hat sie auch bei der Staatsanwaltschaft Akteneinsicht gefordert. Da war der Universität klar, dass es diesen Verdacht mit den Toiletten und dem Beratungsbereich, vor allem mit den Toiletten, schon gab. Aber die Uni hat gesagt, über einen Verdacht informieren wir nicht einen größeren Kreis in der Universität und hat das dann erst nach dem Verfahren gemacht. Und das stößt auf sehr viel Kritik, weil natürlich Frauen sich da nicht geschützt fühlten und nicht informiert fühlten. Es gab eine große Demo jetzt Anfang der Woche. Genau, es gab eine Demo, es gab große Unsicherheit. Es haben sich auch bei mir mögliche betroffene Frauen gemeldet. Ja, es gibt eine große Kritik, wohl auch im Intranet der Uni ging es ab, sage ich jetzt mal, mit Kritik. Und ja, es ist schon immer der gleiche Tenor, dass weder informiert noch aufgeklärt wurde. Und die Uni hat dann Schutzmaßnahmen schon danach unternommen. Was hat die Uni zum Beispiel gemacht? Ja, sie haben zum Beispiel alle Räume nach Kameras durchsucht und haben schon geguckt, dass sowas nicht wieder passiert. In welcher Regelmäßigkeit sie das tut, könnte ja jetzt jederzeit wieder passieren, das weiß ich nicht. Aber die Uni hat versichert, dass sie da einiges tut in dem Bereich. Jetzt muss man sagen, dass die Uni sich nicht so wirklich mit Ruhm bekleckert hat. Also sogar die Mitarbeiterinnen des Service-Hinter-Studiums, die quasi als Nebenklägerin vor Gericht waren, die sollten Urlaub nehmen für den Prozestag. Und erst durch Intervenieren ihres Anwalts hat die Uni dann doch eine Sonderfreistellung gemacht. Also das spricht ja nicht gerade für Unterstützung von betroffenen Frauen, wenn ich Urlaub nehmen muss, um an einem Prozess als Opfer teilzunehmen. Und die Anwaltskosten mussten sie auch selber vorstrecken, was dann auch jetzt möglich war, aber hätte die Uni ja auch einspringen können, weil zahlen muss das jetzt alles der Angeklagte, also auch die Anwaltskosten der Nebenklägerin. Ja, okay, das klingt wirklich nicht nach mit Rumpekleckern und auch nicht nach einem Safe Space, der ja eine Universität auch sein kann für Frauen. Wie geht es jetzt in dem ganzen Fall weiter, auch für dich als Reporter? Naja, jetzt muss man eben mal abwarten, wie ich sagte, das schriftliche Urteil und dann sehen, ob es zu einer nächsten Instanz, zu einem Verfahren kommt oder zu einer neuen Entscheidung oder ob es dabei bleibt. Da warte ich jetzt ab. Gleichzeitig bleibt natürlich ein Thema, was tut die Uni konkret, auch um immer Ansprechpartner für Frauen zu sein. Also es gibt ja auch Instanzen in der Uni, eine Gleichstellungsbeauftragte etc. Also sie tut ja schon was, aber da gibt es ja Verbesserungsbedarf. Und ich denke, das bleibt ein Thema. Und ein großes Thema bleibt die Kommunikation. Ich denke, das ist ja auch der Hauptpunkt, der eben kritisiert wird. Wie kommuniziere ich mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern? Wie kommuniziere ich mit den Studierenden über sowas Heikles? Da hat sich ja eben die Uni auf diesen juristischen Teil berufen, dass es nur Verdacht war und über Verdacht will sie nicht berichten. Das sind also rechtliche Gründe genannt. Und da muss man einfach schauen. Gleichzeitig recherchiert ein Kollege von mir noch, ob denn die Gesetzgebung für solche Fälle ausreicht. Also wir sind in der Redaktion schon dabei auch zu prüfen, ob diese Strafe vielleicht zu milde ist, weil auch der Gesetzgeber. Sie eben zu milde angesetzt hat, weil natürlich die digitale Welt und die technische Welt, wie hier Kameras, die versteckt sind, die winzig klein sind und die immer nur auf Bewegungsmelder angegangen sind. Also wenn jemand den Raum betritt, geht die Kamera an. Wenn der Raum leer ist, sieht sie dann aus. Also das ist ja eine moderne Technik, die es vor 20, 30 Jahren nicht gab. Das heißt, die Frage ist, ob das alles noch passt zu den Entwicklungen. Und ja, und da wird man gucken, ob es von der Politik Initiativen gibt. Aber das haben wir noch nicht recherchiert. Okay, aber ihr bleibt auf jeden Fall dran. Und das können wir dann alle in der BZ lesen. Und ja, danke, dass du heute bei uns zu Gast warst. Und ja, wir hören uns das nächste Mal bei BZ am Ohr. Danke, tschüss. Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!