Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 1. Theil - 10 - Vom Krieg und Kriegsvolke
Transcript
- 0:00Unterkapitel 10 vom Krieg und Kriegsvolke in diesem Teil
- 0:07wendet sich Zarathustra an jene Menschen, die kämpferisch
- 0:09veranlagt sind. Er nennt sie seine Brüder im
- 0:12Kriege, er sagt ihnen, dass er sie liebt und einer von ihnen
- 0:16ist. Zarathustra beginnt mit einem
- 0:19überraschenden Gedanken, wir sollten nicht wollen, dass
- 0:22unsere besten Feinde uns schonen, wir sollten auch nicht
- 0:26wollen, dass diejenigen uns schonen, die wir von ganzem
- 0:28Herzen lieben. Wahre Liebe und Respekt zeigen
- 0:32sich nicht durch Schonung, sondern durch Ehrlichkeit und
- 0:34Herausforderung. Zarathustra spricht offen über
- 0:37Gefühle, die oft als negativ gelten.
- 0:40Er sagt, er wisse um den Hass und den Neid in den Herzen der
- 0:44Krieger, aber anstatt sich dafür zu schämen, sollen sie groß
- 0:47genug sein, diese Gefühle zu akzeptieren, wenn sie keine
- 0:51Heiligen der Erkenntnis sein können, also Menschen, die reine
- 0:55vollkommene Weisheit besitzen. Dann sollen sie wenigstens die
- 0:58Kämpfer für diese Erkenntnis sein.
- 1:00Diese Kämpfer sind die Vorbereiter und Begleiter für
- 1:03die Wahre Heiligkeit Zarathustra unterscheidet streng zwischen
- 1:07einem Soldaten und einem kriegsmann, er sieht viele
- 1:11Soldaten, aber er wünscht sich mehr echte Krieger, Soldaten
- 1:15tragen eine Uniform, was wörtlich eine Form bedeutet,
- 1:19Zarathustra hofft, dass das, was unter der Uniform steckt, nicht
- 1:22genauso gleichförmig und angepasst ist.
- 1:25Er will individuelle Stärke, keine blinde Masse.
- 1:28Die Krieger sollen Menschen sein, deren Auge immer nach
- 1:31einem Feind sucht, aber nach ihrem persönlichen Feind.
- 1:35Bei manchen Menschen entsteht Hass auf den ersten Blick, und
- 1:38das ist für Zarathustra in Ordnung.
- 1:40Er fordert dazu auf, den eigenen Feind zu suchen und den eigenen
- 1:43Krieg zu führen, dabei geht es vor allem um einen geistigen
- 1:46Kampf, einen Krieg für die eigenen Gedanken und
- 1:49Überzeugungen, selbst wenn ein Gedanke besiegt wird und man
- 1:53unrecht hatte. Soll die eigene Redlichkeit,
- 1:56also die Ehrlichkeit, zu sich selbst, dennoch einen Triumph
- 1:59feiern? Es ist ehrenwerter, ehrlich zu
- 2:02verlieren, als durch Lüge zu gewinnen.
- 2:05Zarathustra gibt eine ungewöhnliche Anweisung zum
- 2:07Thema Frieden, er sagt, man solle den Frieden lieben, aber
- 2:11vor allem als ein Mittel zu neuen Kriegen, er bevorzugt den
- 2:15kurzen Frieden gegenüber dem langen Frieden, denn langer
- 2:18Frieden führt zu Trägheit, errät seinen Anhängern nicht zur
- 2:21gewöhnlichen Arbeit, sondern zum Kampf.
- 2:24Er redt nicht zum einfachen Frieden, sondern zum Sieg.
- 2:28Er sagt, Eure Arbeit sei ein Kampf, euer Friede sei ein Sieg,
- 2:33nur wer stark ist, wer Pfeil und Bogen besitzt, kann wirklich
- 2:37still sitzen und schweigen, wer schwach ist, redet und Zankt,
- 2:42nur um seine Schwäche zu verbergen.
- 2:44Dann stellt Zarathustra eine der bekanntesten moralischen
- 2:47Vorstellungen auf den Kopf, die Menschen sagen oft das eine gute
- 2:51Sache, also ein guter Zweck. Sogar den Krieg heiligt oder
- 2:55rechtfertigt Zarathustra. Aber sagt der gute Krieg ist es,
- 2:59der jede Sache heiligt. Damit meint er, dass die Art und
- 3:03Weise, wie man kämpft, mutig, ehrlich und entschlossen
- 3:07wichtiger ist als der abstrakte Grund des Kampfes, der Krieg und
- 3:11der Mut haben laut Zarathustra mehr Großes in der Welt bewirkt
- 3:14als die Nächstenliebe, nicht das Mitleid hat die Unglücklichen
- 3:18gerettet, sondern die Tapferkeit der starken Zarathustra fragt.
- 3:23Was ist gut? Er antwortet nicht mit einer
- 3:26sanften Moral, sondern sagt Tapfersein ist gut, er spottet
- 3:31über die Vorstellung, dass Gutsein bedeutet, hübsch und
- 3:35rührend zu sein, so wie kleine Mädchen reden, das ist eine
- 3:39Absage an eine weiche, mitleidige Moral.
- 3:42Er spricht auch die Gefühlskälte an, man nennt die Krieger oft
- 3:46herzlos, aber Zarathustra sagt, Euer Herz ist echt.
- 3:51Er lobt es, wenn man seine Herzlichkeit zurückhält und sich
- 3:54ihrer schämt, anstatt sie offen zu zeigen.
- 3:57Das zurückhalten von Gefühlen aus Stärke ist ihm lieber, als
- 4:00wenn man sich schämt, weil die Gefühle versiegen wie bei einer
- 4:04Ebbe, wenn die Krieger sich hässlich fühlen, sollen sie sich
- 4:08das Erhabene umhängen, das Erhabene ist hier eine Art
- 4:12geistige Größe und würde, die das äußerliche unwichtig macht,
- 4:16wenn die Seele groß und stark wird, wird sie oft übermütig und
- 4:20stolz. In dieser Erhabenheit liegt auch
- 4:23eine gewisse Bosheit, die Zarathustra anerkennt.
- 4:26Er vergleicht den Übermütigen mit dem Schwächling und stellt
- 4:29fest, dass sie sich oft missverstehen, obwohl sie sich
- 4:32in ihrer Bosheit ähneln können. Ein wichtiger Punkt für
- 4:35Zarathustra ist der Umgang mit Feinden, man darf nur Feinde
- 4:39haben, die man hassen kann, aber niemals Feinde, die man
- 4:43verachtet, den Feind muss man respektieren, man muss stolz auf
- 4:48seinen Feind sein können. Denn dann sind die Erfolge des
- 4:51Feindes auch die eigenen Erfolge.
- 4:54Zarathustra spricht über Gehorsam und befehlen, er sagt,
- 4:58dass Auflehnung, also Rebellion, die Eigenschaft von Sklaven ist
- 5:02für den vornehmen Menschen, den Krieger, ist Gehorsam eine
- 5:06Auszeichnung, sein Befehlen soll selbst eine Form des Gehorchens
- 5:09sein, nämlich das gehorchen gegenüber einer höheren Sache
- 5:13oder dem eigenen Gesetz. Einem guten Krieger klingt das
- 5:16Wort Du sollst angenehmer als das Wort, ich will alles, was
- 5:21ihm lieb ist, soll er sich erst noch befehlen lassen, die Liebe
- 5:25zum Leben soll sich auf eine höchste Hoffnung richten.
- 5:28Diese höchste Hoffnung ist der höchste Gedanke des Lebens, und
- 5:32dieser höchste Gedanke lautet, der Mensch ist etwas, das
- 5:36überwunden werden soll, das ist der Kern von Nietzsches Lehre in
- 5:40diesem Buch. Der Mensch ist kein Endziel,
- 5:43sondern eine Brücke zum Übermenschen.
- 5:46Die Krieger sollen leben, um diesen Übergang zu schaffen
- 5:49durch Gehorsam und Kampf. Zarathustra schließt dieses
- 5:53Unterkapitel ab, indem er sagt, dass er seinen Brüdern im Kriege
- 5:56nicht rät, sich zu schonen. Er sagt, ich liebe euch von
- 6:01Grund aus und gerade deshalb fordert er sie heraus, anstatt
- 6:06sie zu verhätscheln.