Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Menschliches, Allzumenschliches I - Neuntes Hauptstück - 506-522
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- 0:00Unterkapitel 506, Vertreter der Wahrheit Nietzsche spricht hier
- 0:06darüber, wann Menschen bereit sind, die Wahrheit zu sagen oder
- 0:09für sie einzutreten. Er stellt fest, dass es nicht
- 0:12die Gefahr ist, die Menschen davon abhält, die Wahrheit zu
- 0:15vertreten, wenn es gefährlich ist, die Wahrheit zu sagen,
- 0:19finden sich immer noch einige wenige mutige Menschen, die es
- 0:22tun. Das eigentliche Problem ist die
- 0:25Langeweile, wenn eine Wahrheit langweilig ist.
- 0:28Findet sie fast niemanden, der sie vertritt.
- 0:31Die Menschen wollen lieber etwas Spannendes oder Aufregendes
- 0:34erzählen, selbst wenn es nicht ganz wahr ist.
- 0:36Als etwas Wahres, das niemanden interessiert.
- 0:40Unterkapitel 507 beschwerlicher noch als Feinde hier vergleicht
- 0:48Nietzsche Feinde mit bestimmten Arten von Freunden oder
- 0:51bekannten, er sagt, dass Feinde für unsere Fantasie und unsere
- 0:55Gedanken oft weniger belastend sind als Menschen.
- 0:58Denen wir uns verpflichtet fühlen.
- 1:00Es geht um Personen, von denen wir nicht sicher wissen, ob sie
- 1:03uns wirklich mögen oder verstehen, denen wir aber aus
- 1:06irgendeinem Grund, zum Beispiel aus Dankbarkeit für eine frühere
- 1:10Tat, freundlich begegnen müssen. Wir sind gezwungen, so zu tun,
- 1:14als ob wir sie absolut sympathisch fänden, diese
- 1:17ständige Verstellung und die Unsicherheit in der Beziehung
- 1:20quälen uns mehr als ein offener Feind, bei dem wir wissen, woran
- 1:23wir sind, Unterkapitel. 508 die freie Natur Nietzsche stellt die
- 1:32Frage, warum wir uns so gerne in der freien Natur aufhalten.
- 1:36Seine Antwort ist kurz und treffend, wir mögen die Natur so
- 1:39sehr, weil sie keine Meinung über uns hat, im Gegensatz zu
- 1:43Menschen, die uns ständig bewerten, beurteilen oder
- 1:45kritisieren, lassen uns Bäume, Berge oder Flüsse einfach so
- 1:49sein, wie wir sind, das empfinden wir als erholsam und
- 1:53befreiend Unterkapitel. 509 jeder in einer Sache überlegen
- 2:01in diesem Abschnitt analysiert Nietzsche das menschliche
- 2:03Miteinander in einer zivilisierten Gesellschaft.
- 2:06Er sagt, dass in solchen Verhältnissen jeder Mensch das
- 2:09Gefühl hat, jedem anderen Menschen in mindestens einer
- 2:12einzigen Sache überlegen zu sein, jeder kann irgendetwas
- 2:15besser als der andere, darauf beruht das allgemeine Wohlwollen
- 2:19unter den Menschen, weil jeder weiß, dass er auf einem
- 2:22bestimmten Gebiet etwas Besonderes kann.
- 2:24Ist er auch bereit, sich in anderen Bereichen helfen zu
- 2:27lassen, ohne sich dafür schämen zu müssen?
- 2:30Man kann die Hilfe eines anderen annehmen, weil man weiß, dass
- 2:33man selbst unter anderen Umständen derjenige wäre, der
- 2:36helfen könnte, unter Kapitel 510 Trostgründe ne Nietzsche
- 2:44betrachtet hier den Umgang mit dem Tod und der Trauer, er sagt,
- 2:48Wenn jemand stirbt, suchen die Hinterbliebenen meistens nach
- 2:50Trostgründen. Diese Gründe dienen aber nicht
- 2:54in erster Linie dazu, den heftigen Schmerz wirklich zu
- 2:56lindern. Vielmehr nutzen die Menschen
- 2:59diese Trostgründe, um sich selbst zu entschuldigen, sie
- 3:03wollen sich gerechtfertigt fühlen, wenn sie sich schnell
- 3:05wieder trösten lassen und zum normalen Leben zurückkehren.
- 3:09Der Trost dient also oft dazu, das eigene schlechte Gewissen zu
- 3:12beruhigen, weil man nicht ewig trauert.
- 3:16Unterkapitel 511 die Überzeugungstreuen.
- 3:23Hier unterscheidet Nietzsche zwischen 2 Arten von Menschen
- 3:25und ihrer Treue zu ihren Überzeugungen.
- 3:28Zuerst beschreibt er Menschen, die sehr viel zu tun haben, wer
- 3:32sehr beschäftigt ist, behält seine allgemeinen Ansichten und
- 3:36Standpunkte meist einfach bei, ohne sie groß zu verändern, er
- 3:40hat schlicht keine Zeit, sie zu hinterfragen, dann beschreibt er
- 3:43Menschen, die im Dienst einer Idee arbeiten, also zum Beispiel
- 3:47für eine politische oder religiöse Sache tätig sind.
- 3:51Auch diese Menschen prüfen ihre Idee nicht mehr.
- 3:54Sie haben keine Zeit dafür, aber noch wichtiger, es würde gegen
- 3:58ihr eigenes Interesse verstoßen, da sie von dieser Idee leben
- 4:02oder ihre Arbeit darauf aufbauen dürfen, sie gar nicht darüber
- 4:05nachdenken, ob die Idee vielleicht falsch ist.
- 4:08Sie müssen Sie für Undiskutierbar halten, um
- 4:10weitermachen zu können unter Kapitel 512, Moralität und
- 4:16Quantität. Nietzsche vergleicht die
- 4:20Moralität, also das sittliche Handeln verschiedener Menschen.
- 4:24Er behauptet, dass das, was wir als höhere Moral bei einem
- 4:28Menschen im Vergleich zu einem anderen ansehen, oft nur an der
- 4:31Menge, also der Quantität der Ziele, liegt.
- 4:35Ein Mensch mit höherer Moral hat oft einfach nur größere,
- 4:38weitreichendere Ziele im Auge, zum Beispiel das wohl vieler
- 4:42Menschen, der andere Mensch hingegen beschäftigt sich mit
- 4:45dem Kleinen mit einem engen Kreis von Dingen.
- 4:49Diese Beschäftigung mit dem Kleinen zieht ihn nach unten und
- 4:52lässt seine Moral geringer erscheinen, obwohl der
- 4:54Unterschied oft nur in der Größe der Aufgabe liegt.
- 4:59Unter Kapitel 513 das Leben als Ertrag des Lebens der Mensch
- 5:07versucht oft, Erkenntnisse zu gewinnen, die weit über ihn
- 5:10selbst hinausgehen, er möchte die Welt objektiv verstehen,
- 5:14also so, wie sie wirklich ist, unabhängig von ihm selbst.
- 5:18Nietzsche sagt jedoch, dass der Mensch sich noch so sehr
- 5:20anstrengen kann. Am Ende trägt er als Ergebnis
- 5:24all seiner Bemühungen doch nichts anderes davon, als seine
- 5:27eigene Biografie. Alles, was er erkennt, ist
- 5:30letztlich nur ein Spiegel seiner eigenen Lebensgeschichte und
- 5:34seiner persönlichen Erfahrungen, er kann nicht aus seiner eigenen
- 5:37Haut heraus Unterkapitel 514 die eherne Notwendigkeit.
- 5:46Der Begriff eherne Notwendigkeit meint etwas, das unverrückbar
- 5:50feststeht wie ein Ehernes, also metallenes Gesetz, das zwingend
- 5:54so sein muss und nicht anders sein kann.
- 5:57Nietzsche sagt dazu, dass die Menschen im Laufe der Geschichte
- 6:00erkennen, dass diese angeblich feste Notwendigkeit gar nicht so
- 6:04fest ist. Es ist weder ehern,
- 6:06Unzerbrechlich, hart noch notwendig.
- 6:10Viele Dinge, die wir für unveränderliche Gesetze des
- 6:12Lebens halten, sind eigentlich veränderbar und von Menschen
- 6:15gemacht oder eingebildet. Unterkapitel 515 aus der
- 6:22Erfahrung Nietzsche stellt hier fest, dass die Unvernunft einer
- 6:27Sache, also die Tatsache, dass etwas unlogisch oder sinnlos
- 6:31erscheint, kein Beweis dafür ist, dass es diese Sache nicht
- 6:34gibt, im Gegenteil. Oft ist die Unvernunft geradezu
- 6:38eine Bedingung dafür, dass etwas existiert.
- 6:41Viele menschliche Dinge, Institutionen oder Überzeugungen
- 6:45existieren gerade deshalb weiter, weil sie nicht rein
- 6:47vernünftig sind, sondern Gefühle oder Irrwege bedienen,
- 6:52Unterkapitel 516 Wahrheit in diesem sehr kurzen Abschnitt
- 6:59bemerkt Nietzsche trocken, dass heutzutage niemand mehr an
- 7:02tödlichen Wahrheiten stirbt. Früher mochte eine enttäuschende
- 7:06Wahrheit jemanden so tief treffen, dass er daran zugrunde
- 7:09ging. Heute, so Nietzsche, gibt es zu
- 7:12viele Gegengifte, das bedeutet, die Menschen haben so viele
- 7:16Möglichkeiten, sich abzulenken, sich Dinge schönzureden oder
- 7:20andere Sichtweisen einzunehmen, dass keine Wahrheit sie mehr
- 7:23vernichten kann. Unterkapitel 517 Grundeinsicht
- 7:31Nietzsche formuliert hier eine harte Einsicht.
- 7:34Es gibt keine Garantie dafür, dass die Wahrheit und das wohl
- 7:36der Menschheit zusammenpassen. Viele Menschen glauben an eine
- 7:40prästabilierte Harmonie, das ist der Glaube, dass alles von
- 7:44Anfang an so eingerichtet ist, dass das gute und wahre am Ende
- 7:47auch nützlich und Glückbringend für alle ist.
- 7:50Nietzsche widerspricht dem, es kann sein, dass die Wahrheit
- 7:54schädlich für das Wohlbefinden der Menschen ist und dass das,
- 7:57was den Menschen gut tut, auf einer Lüge oder einem Irrtum
- 8:00beruht. Unterkapitel 518 Menschenlos
- 8:08dies beschreibt das Schicksal des tiefdenkenden Menschen.
- 8:12Wer wirklich tief über die Welt nachdenkt, weiß, dass er immer
- 8:15im Unrecht ist, egal wie er handelt oder urteilt.
- 8:19Da unsere Handlungen und Urteile oft auf unvollständigem Wissen
- 8:22oder Instinkten beruhen, kann man nie vollkommen richtig
- 8:25liegen, der Tiefdenkende erkennt diese Unzulänglichkeit und weiß,
- 8:29dass Irrtum ein Teil des menschlichen Handelns ist.
- 8:33Unterkapitel 519 Wahrheit als Circe Circe ist eine Zauberin
- 8:41aus der griechischen Mythologie, die Menschen in Tiere verwandeln
- 8:44konnte. Nietzsche nutzt dieses Bild für
- 8:47einen spannenden Gedanken, er sagt, der Irrtum hat aus Tieren
- 8:51Menschen gemacht, damit meint er, dass all die Illusionen,
- 8:55Religionen, moralischen Vorstellungen und Fantasien, die
- 8:58wir uns aufgebaut haben, uns erst zu dem gemacht haben, was
- 9:02wir den Menschen nennen. Sie haben uns über das tierische
- 9:04Hinausgehoben nun, fragt Nietzsche, könnte die Wahrheit
- 9:09dazu in der Lage sein, uns wieder in Tiere
- 9:11zurückzuverwandeln, wenn wir alle unsere schönen Illusionen
- 9:15und Irrtümer durchschauen und zerstören, bleiben wir dann
- 9:18vielleicht als bloße triebgesteuerte Tiere übrig?
- 9:22Unterkapitel 520 Gefahr unserer Kultur Nietzsche warnt davor,
- 9:31dass unsere Kultur in Gefahr ist und zwar nicht durch äußere
- 9:34Feinde, sondern durch die Mittel der Kultur selbst.
- 9:38Das bedeutet, dass die Werkzeuge, die wir geschaffen
- 9:40haben, wie Wissenschaft, Kritik und ständiges Hinterfragen, so
- 9:44mächtig werden könnten, dass sie die Grundlagen unseres
- 9:47Zusammenlebens zerstören. Wir könnten an unserem eigenen
- 9:50Fortschritt zugrunde gehen. Unterkapitel 521 Größe heißt
- 9:58Richtung geben. Hier definiert Nietzsche, was
- 10:02wahre Größe ausmacht. Er vergleicht einen großen Geist
- 10:05mit einem Fluss, ein Fluss ist nicht deshalb groß und reich,
- 10:09weil er aus sich selbst heraus so viel Wasser hat, er ist groß,
- 10:13weil er so viele Nebenflüsse aufnimmt und weiterführt,
- 10:17genauso ist es bei großen Geistern, es kommt nicht darauf
- 10:20an, ob jemand von Geburt an Reich oder on arm an Begabung
- 10:24ist. Entscheidend ist, dass dieser
- 10:26Mensch eine Richtung vorgibt. Wenn die Richtung stimmt, werden
- 10:30ihm viele andere Zuflüsse, also Ideen, Menschen und Energien,
- 10:34folgen und ihn groß machen. Unterkapitel, 522 schwaches
- 10:42Gewissen Nietzsche beobachtet eine Diskrepanz bei Menschen,
- 10:47die sich selbst sehr wichtig nehmen, Menschen, die oft davon
- 10:50sprechen, wie wichtig sie für die Menschheit oder die
- 10:53Allgemeinheit sind, haben oft ein schwaches Gewissen, wenn es
- 10:56um alltägliche Ehrlichkeit geht. Im gemeinen bürgerlichen Leben,
- 11:00also im normalen Alltag, halten sie sich oft nicht so genau an
- 11:04Verträge oder versprechen. Sie glauben vielleicht, weil sie
- 11:07Großes tun, müssten sie sich an die kleinen Regeln der
- 11:10Anständigkeit nicht so streng halten.