Latest / Rambo Zambo – Der Merz-Podcast / "Scholz-Update" wird zu "Rambo Zambo"
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- Ich bin so, wie ich bin. Das Scholz-Update, der Kanzler-Podcast der Funke Mediengruppe. Herzlich willkommen, mein Name ist Lars Heider. Es ist jetzt gut dreieinhalb Jahre her, dass dieser Podcast, das Scholz-Update, begann. Es begann damals eigentlich als Marketingmaßnahme für ein Buch, was ich über Olaf Scholz geschrieben hatte und hat sich dann verselbstständigt, kann man sagen. Immer mit der Hoffnung, dass das möglichst lange dauert und es hätte fast bis zum Ende der Legislaturperiode gedauert, aber heute ist der Tag, der letzte Tag des Scholz-Updates, weil in der nächsten Woche am 5. Mai hat Olaf Scholz seinen letzten Tag als Bundeskanzler, wird dann verabschiedet mit einem großen Zapfenstreich und dann übernimmt, wenn dann alles so läuft, wie es laufen soll, der neue Bundeskanzler, der Mann, den Olaf Scholz nicht besonders gut mag, Friedrich Merz. Und mit Friedrich Merz geht dieser Podcast in neue Hände und bekommt einen neuen Namen. Und ich freue mich sehr, dass wir heute so eine Art Staffelübergabe machen können mit meinen lieben Kolleginnen Julia Emrich und Carlotta Richter aus der Zentralredaktion von Funke in Berlin, mit denen ich heute an diesem historischen Tag verbunden bin, ihr beiden. Wunderbar. Bevor wir tatsächlich natürlich wieder über Politik sprechen, über das, was da gerade in Berlin passiert, müsst ihr erstmal sagen, was ihr vorhabt und ihr habt einen wunderbaren Namen euch relativ schnell gesichert, Julia Carlotta, für diesen Podcast, der natürlich nicht mehr das Scholz-Update heißen wird, sondern wie wird er künftig heißen? Hallo Lars, vielen Dank für die netten Worte. Klar, der Titel ist ein bisschen wilder als deiner. Der heißt Rambo Zambo, der Merz-Podcast. Rambo Zambo, das ist dieser Begriff, den Friedrich Merz im Wahlkampf stark gemacht hat. Nicht wirklich erfunden hat, aber doch sehr stark geprägt hat. Rambo Zambo, eine seltsame Abwandlung von Ramba Zamba. Aber das Ding lief und die Union schmückt sich bis heute mit diesem Ding. Und wir fanden diesen Titel einfach super passend. Und du merkst auch schon, dass damit ein bisschen anderer Ton, ein bisschen andere Farbe im neuen Kanzler-Podcast auftauchen wird. Dein wunderbaren Scholz-Update-Podcast kann man sowieso nicht kopieren. Deshalb haben wir gesagt, wir machen von vornherein was ganz anderes. Auch an diesem Titel sieht man, dass es ein bisschen anders wird. Und ich muss ja auch sagen, der Titel muss ja immer zu der Person passen. Und das Scholz-Update ist ja fast schon zu prosarisch gewesen für diesen Bundeskanzler im Nachhinein. Ihr seid zu zweit. Das wird ja für alle, die diesen Podcast gern gehört haben und gern hören, interessieren. Wie geht es weiter? Weiter in dem Wochenrhythmus? Weiter mittwochs? Weiter als Audio? Gibt es auch Video? Was werdet ihr anders machen, als es in den vergangenen dreieinhalb Jahren war? Ja, hallo auch noch mal von mir. Schön, dass wir heute bei dir in deinem letzten Scholz-Update sein dürfen. Und ja, es wird diesen Podcast weiter wöchentlich geben. Es wird die meiste Zeit Folgen geben, in denen wir einfach beide darüber sprechen, was da gerade so passiert, was unser sehr, sehr wahrscheinlich neuer Kanzler Friedrich Merz so macht. Und es wird diesen Podcast in Zukunft auch als Videopodcast auf YouTube zu finden geben und natürlich auch mehr in den Sozialen Medien. Stark. Und dann steigen wir gleich mal ein, weil ja meine Idee damals war ja, okay, ich kannte Olaf Scholz irgendwie zehn Jahre, hatte viel mit dem zu tun und dachte, das muss ich jetzt mal ausnutzen, diese zehn Jahre mit Olaf Scholz, in denen sich ja niemand außerhalb Hamburgs für Olaf Scholz interessiert hatte. Das muss man ausnutzen. Ihr müsst natürlich erst mal erzählen, wie ist euer Verhältnis zu Friedrich Merz? Wie gut kennt ihr Friedrich Merz? Weiß Friedrich Merz, dass ihr einen Podcast über ihn macht? Und was sagt er dazu? Also wir haben es ihm noch nicht gesagt. Und ich glaube, es ist auch eine gute Idee, es ihm erst mal nicht zu sagen, denn das ist auch Teil der Art, wie Friedrich Merz unterwegs ist. Ich glaube, er hat es nicht so leicht mit solchen eher leichten Formaten. Ich glaube, dass er schon weiß oder aber gelernt hat, oder es ist ihm gesagt worden, dass er sich mit diesen Formaten ein bisschen auseinandersetzen muss. Aber er fremdet ein bisschen damit. Und deshalb werden wir ganz selbstbewusst unseren Podcast machen und er wird ihn schon bemerkt. Er wird ihn bemerkt und er wird auch kommen. Wir können gleich mal, der Titel ist natürlich super, Rambo Zambo. Was ich mich immer noch frage, ist das eigentlich schon ermittelt, wusste er wirklich nicht, dass es Rambazamba heißt oder hat er das extra so gemacht, ich finde Friedrich Merz ich persönlich würde denken, Friedrich Merz nee, der wusste es einfach nicht, oder? Ja, ich bin nicht ganz sicher. Es gibt Leute, die nochmal ein bisschen tiefer eingestiegen sind und das wäre vielleicht auch nochmal eine Recherche in Richtung Hamburger Rechercheure. Es gibt wohl einen alten Lindenberg-Song oder so, wo auch Lindenberg schon über Rambo-Zambo spricht. Also vielleicht gibt es eine uralte Quelle und vielleicht gibt es eine uralte Verbindung im Hirn von Friedrich Merz und dem Hirn von Udo Lindenberg, die wir an dieser Stelle wahrscheinlich noch nicht vertieft kriegen. Aber der Begriff Rambo-Zambo ist keine Merz-Erfindung. Ich glaube schon, dass es in dem Moment, als er es das erste Mal gesagt hat, dass es ihm da einfach rausgerutscht war. Ich glaube nicht, dass es in dem Moment eine bewusste Entscheidung war, jetzt zu sagen Rambo-Zambo. Ich glaube, es ist ihm eingefallen und er hat es einfach gesagt und hat danach dann verstanden, dass die Leute das lustig fanden und das aufgegriffen haben. Und danach, er hat es ja nicht nur einmal gesagt, mehrmals mittlerweile, hat er es wirklich bewusst aufgegriffen. Aber ich glaube, beim allerersten Mal war das unbewusst. Und ich meine, der Begriff Rambo ist natürlich, da könnte man jetzt tiefenpsychologisch anfangen herauszufinden, warum Friedrich mehr so gerne Rambo sagt. Er sagt es gerne. Sagt er gern Rambo? Naja. Auch ohne Zambo? Sieht der in sich den Rambo der deutschen Politik? Ich glaube, er wäre gerne einer. Ja, also ich glaube, sagen wir mal so, lieber Rambo als Schnecke. Also ich glaube, es ist immer die Frage, was die Alternative wäre. Aber ich glaube, der hat schon das Selbstbewusstsein eines, Mannes, der im Zweifel einsam vorangeht, wenn du ihn fragst, wie er etwa jemandem wie Trump begegnen will oder so, kommt kein schüchternes Jahr, wollen wir mal gucken, sondern da kommt auf Augenhöhe und Stirn zeigen und klare Ansagen machen. Rambo ist ein großes Wort, aber das ist kein schüchterner Junge aus der letzten Reihe. Das stimmt und der ist auch jemand, der sich was traut. Ich habe noch mal nachgehört in den Podcast-Folgen und habe eine Folge gefunden, ich weiß nicht mehr, wer da war, da haben wir über die Beliebtheit von Olaf Scholz gesprochen. Das war irgendwie so, das ist schon ein bisschen hier, eineinhalb Jahre her. Da sanken die Beliebtheitswerte von Olaf Scholz unter 50 Prozent. Und mein Gast sagte, wir sprachen damals über Friedrich Merz, der das nutzte als Gelegenheit und sagte, wenn der Bundeskanzler eine Beliebtheit von unter 50 Prozent hat, wenn also die Hälfte des Volkes nicht mehr hinter ihm steht, dann ist es Zeit für Neuwahlen. Was heißt das jetzt genau für Friedrich Merz, der glaube ich, ich weiß gar nicht, Julia Carlotti, ihr wisst es besser als ich, Liegt dir überhaupt noch über 30% Zustimmung dem Volk, das ihn gewählt hat? Also eine Zustimmungswerte in dieser Größenordnung, bevor man überhaupt Kanzler wird, das dürfte in der Geschichte der Brüssel wie Deutschland auch einmalig sein. Das hieß ja, dass wir bald Neubauern haben. Ja, genau. Was absurd wäre. Schöner Witz jetzt für diese Runde, aber natürlich, wenn wir mal einen Schritt zurücktreten, es ist dramatisch. Es ist dramatisch, dass wir einen Bundeskanzler bekommen, der so eine geringe Zustimmung hat. Die schwankt und so weiter, aber sie ist, du hast vollkommen recht, sie ist auf jeden Fall kontinuierlich unter 50 Prozent. Und das halte ich für dramatisch. Umgekehrt muss man sagen, dass natürlich auch alle Alternativen zur Zeit der Bundestagswahl unter 50 Prozent landeten. Also es gab keinen anderen, der nun eine höhere Zustimmung gehabt hätte oder eine weit höhere Zustimmung. Aber ja, und das ist natürlich verknüpft mit den ebenfalls massiv dramatischen Ergebnissen für die Union insgesamt. Es ist ja nicht nur eine brillant beliebte Partei und ein brillant schlechter Bundeskanzler, sondern es ist insgesamt ein dramatisches Bild. Und das sollte uns zu denken geben, denn auf der anderen Seite sehen wir, welche Partei stattdessen stark geworden ist. Das ist die AfD und das kann keinen hier beruhigen. Das stimmt. Wir haben eine neue Umfrage. Heute habe ich gesehen, die AfD bei 26 Prozent, die CDU bei 24 Prozent. Aber ein bisschen muss ich sagen, ist das nicht auch selbst gemacht. In meinem Freundes- und erweiterten Bekanntenkreis sind einige, die sich jetzt so nach und nach als, ist ja nicht schlimm, als Mehrheitswähler outen. Aber warum outen sie sich, weil sie so enttäuscht sind? Weil sie sagen, okay, bei Scholz, der hat wenigstens das gemacht, was er gesagt hat. Und umgekehrt, wir haben am Ende nicht mehr verstanden, warum er es gemacht hat. Und er konnte es uns nicht erklären, aber er ist sich wenigstens treu geblieben. Und sie sagen, dieser Merz hat uns Dinge vor der Wahl versprochen, die er alle schon kassiert hat, bevor er gewählt ist. Da muss man sich natürlich fragen, da darf man sich nicht wundern, dass die Beliebtheitswerte so sind, wie sie sind. Und dass die Werte für die CDU so sind, wie sie sind. Ich frage mich vor allen Dingen auch, warum war das Friedrich Merz nicht bewusst? Also er ist ja rausgegangen in den Wahlkampf mit diesen Ankündigungen, wir machen jetzt alles anders, an die Schuldenbremse wird nicht rangegangen. Zumindest war das meistens der Tenor. Jetzt versucht er sich herauszureden mit den paar Malen, in denen er gesagt hat, naja, wir könnten vielleicht doch über die Schuldenbremse reden. Aber trotzdem hat er ja meistens so richtig draufgehauen im Wahlkampf. Und große Ankündigungen gemacht und. Ich denke mir, eigentlich muss ihm da auch schon zu einem Teil bewusst gewesen sein, dass er diese Ankündigung so nicht wird umsetzen können, weil er in eine Koalition gehen muss. Er kann nicht alleine, die Union kann nicht alleine regieren, sie muss eine Koalition bilden und die wird sehr wahrscheinlich, damals, das wusste man auch schon im Wahlkampf, mit der SPD stattfinden und dann wird er ganz vieles von dem, was er im Wahlkampf angekündigt hat, nicht mehr umsetzen können. Also ich frage mich, warum hat er da einfach nicht so weit gedacht? Hat er einfach im Wahlkampf nicht gedacht, okay, nee, ich hau jetzt hier richtig schön drauf und einfach gedacht, na, ist mir egal, was danach der Wahl ist. Also eigentlich hätte er da schon nochmal ein bisschen weiterdenken können und sich überlegen können, dass das vielleicht nicht so schlau ist, hier mit Maximalforderung knallhart in den Wahlkampf zu gehen, wenn man danach alles einkassieren muss. Also ja, ich würde sagen, er hat sich da so ein Stück weit dieses Grab selbst geschaufelt. Wobei ich möchte es vielleicht nicht gerade sagen, es ist vielleicht zu pessimistisch. Aber er ist zu einem Teil selbst daran schuld, dass die Menschen jetzt natürlich sagen, dafür habe ich dich nicht gewählt und ich kann dir irgendwie nicht vertrauen als Kanzler, weil irgendwie macht er jetzt nach der Wahl eine ganz andere Sache, als er angekündigt hat im Wahlkampf. Merz selber erklärt das ja mit dem Oval Office Schock, also geänderte Bedingungen, verschärfte Bedingungen, eine Lage, bei der er plötzlich wirklich keinerlei Ausweg mehr sah, als er sah, okay, jetzt müssen wir all in gehen, jetzt müssen wir die, weiß ich nicht, Triple Bazooka rausholen oder was auch immer da für Bilder einem einfallen. Die Amerikaner sind weg, wir stehen alleine da, wir müssen kümmern. Im besten Fall mit den Europäern zusammen versuchen, Sicherheit selbst zu organisieren. Da können wir jetzt nicht kleckern, jetzt müssen wir klotzen. Also so würde er diesen 180-Grad-Schwenk erklären. Da ist eine gewisse Plausibilität drin, aber natürlich muss man auch sehen, Trump war bereits vorher im Amt und wir wussten ungefähr, in welche Richtung Trump geht. Deshalb hat das Argument so eine mittlere Reichweite für mich. Und all die Sachen, Carlotta hat eben gesagt, dieses Gefühl, dass der Mann die Sachen nicht zu Ende denkt, auch wenn er sagt, die Amerikaner sind weg und wir müssen uns auch für uns alleine sorgen und so. Das ist ein Schritt nach dem anderen. Erstens sind die Amerikaner nicht weg, zweitens können wir nicht für uns alleine sorgen und drittens muss man vielleicht einen Weg finden, dass es in fünf bis zehn Jahren so ist, aber dass man das so schnell macht. Das deutet wieder auf das, was Olaf Scholz ja immer im Wahlkampf gesagt hat. Er sagt, Vorsicht, Vorsicht, der Mann hat das noch nie gemacht und er denkt die Sache nicht zu Ende. Ich habe mich gefragt, ob der Mensch, der am größten enttäuscht ist, das wisst ihr viel besser als ich, von Friedrich Merz Carsten Linnemann ist? Oder warum ist er sonst nicht in die Regierung gegangen? Du hast es, finde ich, in einem wunderbaren Kommentar sehr gut beschrieben, Julia. Letztendlich sind jetzt die drei Menschen, die drei durchschlagkräftigsten Typen, die die CDU so hat, die Union so hat, Markus Söder, Carsten Linnemann und Jens Spahn, sind alle nicht in dieser Regierung. In dieser Regierung sind Leute, Entschuldigung, ich weiß nicht, wie es euch geht, deren Namen ich gestern, also am Montag, als sie bekannt wurden, zum ersten Mal gehört habe. Und ich frage mich, was sagt das? Was sagt das des Carsten Linnemann, der nun sich das hätte ausuhnen können? Warum geht der nicht in diese Regierung? Gehört er zu den Enttäuschten, der auch sagt, ey, das war alles ganz anders besprochen, als du Friedrich Merz es jetzt umsetzt? Also, zu Carsten Linnemann, ja, der Mann ist tief enttäuscht. Er hat sehr klar gesagt, ich möchte Arbeit und Soziales machen, ich möchte diese Wirtschaftswende vom Bürgergeld, von einer neuen Sortierung der Arbeit in Deutschland hier denken. und ich will sie durchsetzen, ich will mein Versprechen halten. Dazu brauche ich dieses Ressort, als das an die SPD ging, aus dem Grund. Weil Merz viel lieber noch das Außenamt haben wollte, als dieses Ressort, also die SPD ging, war für Carsten Linnemann klar, ich mache jetzt nicht irgendwas, nur um was zu werden. Das glaube ich ihm sogar. Das ist der eine Teil der Geschichte. Der andere Teil der Geschichte ist, aber die Frage ist ja, wo überhaupt Machtzentren einer solchen Regierung sind. Sind die im Kabinett oder sind die nicht an anderen Orten? Und mein sehr, sehr klarer Blick darauf sagt mir, das ist da, wo Markus Söder sitzt und das ist der Koalitionsausschuss. Und im Koalitionsausschuss natürlich, Merz ist als Kanzler dort und die Partei kann auch noch durch den Generalsekretär dort vertreten sein. Das heißt, Carsten Linnemann kann im eigentlichen Machtzentrum sitzen. Genauso wie der Fraktionschef. Jens Spahn, du hast ihn schon angesprochen. Das heißt, die harten Jungs von Merz sind da, wo im Zweifel und im Konflikt, weil Macht gespielt wird. Das ist das Ergebnis dieser Mannschaftsaufstellung. Ist es klug von Friedrich Merz, Jens Spahn zum Fraktionsvorsitzender zu machen? Wenn man sich umhört in Berlin und rumhört durch alle Podcasts und jeden, den man über Jens Spahn anspricht, sagen alle, naja, der hat ein großes Ziel, der wird eines Tages selbst Kanzler werden. Hat er auch gesagt. Und nun hat Friedrich Merz ihn an einer Stelle, die sehr prominent ist und wo auch Jens Spahn im Zweifel sich vielleicht sogar freut, wenn es nicht so gut läuft mit Friedrich Merz, weil dann vielleicht beim nächsten Mal er dran ist. Wir haben gestern Abend am Rande des Parteitags Thorsten Frey zum Interview bekommen, der ja Kanzleramtschef werden will. Und den haben wir genau danach gefragt. Wir haben gefragt, bedeutet die Personalie Jens Spahn an der Fraktionsspitze Ärger? Er hat ganz klar gesagt, nein, das muss er auch sagen. Klar, wir hatten nichts anderes erwartet. Aber da hat er einen sehr interessanten Halbsatz gesagt. Er hat gesagt, ich werde sehr gut mit Jens Spahn zusammenarbeiten, Wenn, jetzt kommt es, wenn jeder seine Rolle spielt, dem ist schon klar, du, Jens, machst bitteschön Fraktion, ich im Kanzleramt und der Carsten-Linnemann-Partei kenne deine Grenzen, bedeutet dieser Halbsatz. Also zumindest in meiner Deutung. Das heißt, die Wahrnehmung, dass das nicht ganz unheikel ist, ist auch im Kanzleramt. Ja. Ja, aber genau. Aber am Ende hast du dann eine Regierung, wo du denkst, also die muss ja eigentlich vom ersten Tag an funktionieren. Und da hätte man sich natürlich gewünscht, dass so starke Menschen wie Carsten Linnemann oder auch Markus Söder sicherlich nicht, der hätte es nicht gemacht, oder auch Jens Spahn dabei ist. Und jetzt sind da Menschen drin, wo man denkt, die brauchen wahrscheinlich ein bisschen Zeit. Ich weiß nicht, wie lange man braucht, um sich daran zu gewöhnen, insbesondere wenn man wieder neue Digitalminister aus der Wirtschaft kommt, sich an dieses System zu gewöhnen. Die Zeit haben die Leute ja nicht. Ist das Friedrich Merz bewusst, dass er ein großes Risiko eingeht, als jemand, der ja selbst relativ unerfahren ist, mit einigen sehr unerfahrenen Menschen und sei es nur unerfahren in der Politik. Es ist ja ein großer Unterschied, ob du ein Unternehmen leitest, indem du einfach sagst, so machen wir das und wird das so gemacht oder ob du in einem komplizierten System bist, wo man eben nicht von oben nach unten durchregieren kann. Also ich frage mich das tatsächlich auch, weil ich es nicht so genau weiß, wie bewusst ihm es eigentlich ist und wie viel da auch möglicherweise ein bisschen Selbstüberschätzung ist, weil man hätte ja auch irgendwie erwarten können, dass er als Kanzler mit oder beziehungsweise ohne Regierungserfahrung sich jetzt Leute in die Ministerien holt, ins Kabinett holt, die viel Regierungserfahrung haben. Er hat aber, es ist ja sehr durchmischt, es gibt welche, die haben Regierungserfahrung und es gibt welche, die sehr wenig Regierungserfahrung haben. Ich glaube, bei ihm spielt da ganz viel dieses mit, dass er es jetzt anders machen möchte als die Ampel und dass er jetzt nicht mehr die Leute holen möchte, die schon jahrelang in der Politik waren, die jahrelang im Bundestag waren, sondern dass er jetzt für seine Bände, die er ja unbedingt haben möchte, dass er da jetzt Leute von außen holt und sagt, so jetzt machen wir es anders. Und irgendwie ein bisschen diese Hoffnung hat, dass die Leute bei einer die von außen holt, dass die dann irgendwie mit einer anderen Arbeitseinstellung da rangehen möglicherweise und näher, schneller verändern. Aber ich würde sagen, das ist eine sehr, sehr riskante Wette, die auch schief gehen kann. Zumal das, was du jetzt sagst, ich bin ja komplett bei dir, zum Beispiel auf den Bildberger, auf den CEO passt. Aber viele andere Minister, und das ist ja auch das, was Lars gerade gesagt hat, sind. Einfache Abgeordnete gewesen oder kommen aus den Ländern, die haben jetzt nicht mal die andere, die Management-Erfahrung, wo man sagen kann, okay, die sind schon mal Chef eines Riesenkonzerns gewesen und die haben Transformationen hingelegt und so weiter. Nee, also ich muss ehrlich gestehen, den Landwirtschaftsminister hatte ich bislang überhaupt nicht auf dem Schirm und habe mal gegoogelt, Metzgermeister, eher ein voller Job, keine Frage. Der kennt sein Handwerk in jeder Hinsicht, hat aber nicht als Landwirtschaftsexperte performt bislang, sondern war Haushaltfinanzexperte. Also da merkt man auch, oha, das ist jetzt eine Markus-Söder-Entscheidung gewesen. Aber auch da denke ich, okay, ich finde dieses Argument, lass mal die Fachleute ran, an sich sehr sympathisch. Aber es kommt ja noch was anderes dazu. Es ist ja nicht nur das raue Berliner Klima und Bundespolitik und harter Wind, sondern die sitzen SPD-Profis gegenüber, die nichts anderes machen als regieren seit sehr vielen Jahren und die es einfach können und die genau wissen, wie es geht. Würde ich jetzt pro SPD sprechen, würde ich sagen, das ist ein leichtes Fressen für die. Würde ich jetzt pro Union sprechen, würde ich sagen, zieht euch warm an, Leute. Insgesamt wünschte ich mir natürlich jetzt mal als beobachtende Bürgerin, dass sowas gar keine Rolle spielt. Aber natürlich spielt es eine Rolle. Und das ist das viel größere Wagnis bei diesem Kabinett, das sich da jetzt gerade zusammengebaut hat. Man muss doch sagen, es muss schon sehr, sehr, sehr, sehr, sehr viel Gutes zusammenkommen, damit das funktioniert. Also klar, wenn tatsächlich der Ukraine-Krieg jetzt in den nächsten zwei, drei Wochen zu Ende sein sollte, was wir alle hoffen, wovon man auch nicht ausgehen kann, dann hat es Friedrich Merz leichter. Wenn aber die Bedingungen so bleiben, wie sie sind, dann würde ich sagen, dann wird Friedrich Merz ähnlich enden wie Olaf Scholz mit dem, was er bisher getan hat. Also klar. Mein Eindruck ist nichts, dass da irgendwas dabei ist, was wirklich Aufbruch verspricht und zwar einen schnellen Aufbruch verspricht. Das einzige, worauf ich hoffen muss, ist, dass sich die Probleme, denen sich die Ampelregierung gegenüber sah, möglichst schnell von selbst lösen. Oder seht ihr das anders? Oder seht ihr da jetzt die große Chance, dass Deutschland in ein tolles neues Zeitalter aufbricht mit Leuten? Das darf man mir gar nicht vorwerfen. Aber die sicherlich brauchen ein bis zwei Jahre, bis sie drin sind. Und dann ist die Hälfte der Legislaturperiode vorbei. Und wir befinden uns schon wieder sozusagen im Sinkflug auf die nächste Bundestagswahl 2029. Also ich würde sagen, jetzt zumindest der Unionsteil, den wir schon kennen, das ist kein Aufbruchskabinett. Also am ehesten ist diese Chance vielleicht möglicherweise noch den Menschen da, die jetzt von außen reinkommen, die möglicherweise einen anderen Blick haben. Aber man muss ja auch dazu sagen, dass zum Beispiel ein Carsten Wildberger nicht nur keine Erfahrung hat als Minister, er muss ja auch noch ein komplett neues Ministerium aufbauen. Er hat nicht mal ein Ministerium, er hat eigentlich gar nichts, er fängt bei null an. Er muss jetzt erstmal herausfinden, wie man eigentlich als Minister so klarkommt in dem Berliner Betrieb und gleichzeitig muss er ein ganz neues Ministerium aufbauen, was dann auch noch ganz viel möglichst schnell verändern muss, weil wir in der Digitalisierung ja schon seit wahrscheinlich Jahrzehnten irgendwie hinterher sind in Deutschland. Also, ja, aber ich glaube, dass diese Personen, die von außen reinkommen, vielleicht sogar noch die höchste Chance haben als Aufbruch. Aber an anderer Stelle hat er ja einfach Leute zurückgeholt. Dobrindt zum Beispiel. Einfach alte Menschen, also nicht alt vom Alter her, sondern Menschen, die schon mal in Regierungen saßen, einfach zurückgeholt. Das, finde ich, verspricht auch nicht unbedingt Aufbruch. Wobei, wenn du Dobrindt ansprichst, also in der März-Logik ist das natürlich ein Pfund, Weil Dobrindt macht das Innenministerium, macht damit die versprochene Asylwende. Auf den kann er sich 100 Prozent verlassen. Und da, ja, das war ja ein ganz, sagen wir mal, strategisch kluger Move zu sagen, wir nehmen das Innenministerium und wir nehmen das Außenministerium. Das ist ja ungewöhnlich, dass beide Häuser eine Farbe haben. Das heißt, der versprochene große Schwenk in der Migrationspolitik kann gelingen auf diese Weise. Das ist im ehesten Punkt, wo diese Regierung auch der AfD am Ende das Wasser abgraben kann. Denn, und das ist das, was ich, wollte ich eben schon sagen, ich teile natürlich eure Skepsis, aber lasst uns auch da nochmal diesen Schritt zurückgehen und sagen, die sind noch nicht im Amt, wir haben denen noch nicht mal die üblichen 100 Tage gegeben und sind hier uns alle drei ehrlich schon einig, wird nichts. Ich glaube, darin liegt auch eine Gefahr. Denn klar, wir wollen, jemand hat es mal sofortismus genannt, wir wollen eigentlich die neue Regierung, wir wollen, dass sie Ergebnisse hat und dass sie wiedergewählt wird. Und das eigentlich bis morgen Abend. Ich glaube, dass wir damit auch ein... Immensen Druck erzeugen, bei dem Scheitern fast programmiert ist. Und ich glaube, ab und zu muss man sich das auch mal fragen. Welchen Anteil wir auch daran haben, dass Dinge sehr schnell zerredet sind und sehr schnell kaputt sind, bevor sie überhaupt angefangen wurden. Ja, das kann man so sehen, aber ich denke jetzt mal zurück an den Beginn der Ampel. Da gab es die Diskussion so nicht. Und interessanterweise, obwohl Christian Lindner nichts ausgelassen hat, auch in diesem Podcast immer wieder zu betonen, dass er mit denen eigentlich nicht zusammen regieren wollte. Aber es war, Kaufbuchstimmung ist vielleicht auch ein großes Wort, aber wir erinnern uns an das Selfie. Man hatte das Gefühl, da entsteht was Neues und man ist ganz optimistisch in diese Zeit reingegangen. Wir wussten noch nichts von dem Krieg in der Ukraine, aber ich finde ja dieses, man möchte ja, dass es gut wird. Also ich persönlich möchte, dass es gut wird, aber mit jeder neuen Nachricht denkst du, nee, das ist nicht wahr. Also es geht los mit der Diskussion um die Schuldenbremse, es geht los mit dem Sondervermögen. Dann sagt jemand wie Carsten Linnemann, der eine entscheidende Figur war, ich will in dieser Regierung gar nicht mitmachen. Jetzt kommt dann die Regierung zustande, wo man das Gefühl hat, ja, das sind so auch alte Buddies, also nichts gegen Herrn Wadepuhl, der macht das bestimmt gut, nichts gegen Wolfram Weimar, aber die sind das am Ende geworden, weil Friedrich Merz ihn halt komplett vertraut. Und es gibt so wenig Dinge, aber du hast ja recht, wenn wir mal was Positives sagen. Immerhin ist es gelungen, das hätte man für dich Merz ja auch nicht zugetraut, weil er zwischendurch mal gesagt hat, man darf auch die Frauen da nicht überfordern, hat er nicht gesagt, aber man tut den Frauen auch keinen Gefallen, wenn man sie sozusagen in so eine Regierung zwängt. Tatsächlich Parität, das ist doch schon mal was Positives. Hilf uns, wo siehst du Parität? Wir haben gestern alle rauf und runter gezählt. Haben wir eh gar nicht Parität, habe ich mich verzählt? also wenn man den Kanzler rausnimmt, dann ist es nicht genauso viel, bei der CDU genauso viel Frauen wie Männer. Nee, also wenn du die 10 nimmst, dann hat es leider nicht geklappt. Ich habe gestern auch kurz gedacht, wenn jetzt das Landwirtschaftsressort mit einer Frau besetzt wird, was eine Zeit lang ja eine Rolle gespielt hatte, dann hätte es geklappt. Aber nein, es ist keine Karikäle. Das muss jetzt die SPD bringen. Ich habe tatsächlich jetzt nur die CDU-Leute gezählt. Aber es ist wieder eine schlechte Nachricht. Und die nächste schlechte Nachricht, was ich nicht verstehe, ist, warum haben die jetzt nicht, wenn sie sagen, wir wollen das gemeinsam machen, warum hat denn der Bundeskanzler nicht einfach an einem Tag zusammen mit Lars Klingbeil alle Ministerinnen und Minister vorgestellt? Du hast es, glaube ich, auch geschrieben. Du hast es geschrieben. Das ist eine vertane Chance, oder? Ein Wunsch aus, genau das ist war gestern mein Kommentar, denn das wäre ein Bild gewesen. Wir haben uns gestritten, wir haben miteinander gerungen, wir haben ein Koalitionsverstand. Das ist die Mannschaft, das sind wir und da steht irgendwie schwarz-rot, schwarz-rot oder so die Minister nebeneinander und ja, vertane Chance. Ja, klar. Es gab einen Parteitag, es gab eine Bewegung dahin, die sagen, wir müssen irgendwie den Delegierten ein bisschen Show bieten und Show geht über Namen, geht über Figuren. Aber ich fand es schade. Aber vielleicht nochmal ganz kurz zurück zu dem Punkt, den du ja auch angesprochen hast, dass wir jetzt nicht direkt alles schlecht reden sollten. Ich glaube, wir tendieren ja auch häufig dazu, auch in Deutschland erstmal alles ein bisschen schlecht zu reden. Aber vielleicht ist auch genau das jetzt gerade die Chance dieser Regierung. Also die Ampel ist ja mit extrem hohen Erwartungen gestartet und hat Aufbruch und alle waren Es war so eine Aufbruchsstimmung auch im Land und alle waren euphorisiert. Das Kabinett war total motiviert und euphorisiert. Und dann ist es aber hinten raus komplett schief gegangen. Also vielleicht ist das jetzt auch die Chance dieser neuen Regierung, dass sie mit wirklich ganz, ganz niedrigen Erwartungen starten. Aber es kann nur besser werden. Umso leichter ist es jetzt für sie, die Menschen in Deutschland vielleicht auch von was anderem zu überzeugen. Also vielleicht liegt gerade darin auch die Chance, die diese Regierung jetzt hat, dass sie wirklich mit null Erwartungen startet und deswegen, wenn sie jetzt tatsächlich mal ins Handeln kommt und wegkommt von dem Reden jetzt einfach nur darüber und Posten verkünden und hier Koalitionsvertrag unterschreiben, sondern wirklich jetzt anfangen zu arbeiten in der Regierung, möglicherweise auch da wieder eine etwas bessere Stimmung im Land erzeugen kann und vielleicht sogar die Menschen überzeugen kann. Also es wäre zumindest bei der Hoffnung. Die Hoffnung, das sehe ich, ich habe die Hoffnung, Entschuldigung, Julia. Entschuldige, ja, ergibt sich Zeit bis Sommer. Also wenn wir es bis Sommer schaffen, langsam die Stimmung zu drehen, wenn wir in der zweiten Jahreshälfte merken, das eine oder andere passiert und die Leute merken es auch, dann haben wir den Turnaround geschafft. Das heißt, wir sollten uns hier im September nochmal verabreden und draufgucken und sagen, und? Ich halte das für realistisch, aber es ist natürlich auch bitter, deine Analyse stimmt total, Karl Otter, nur wenn wir jetzt schon hoffen müssen, dass es eben so ein bisschen aus dem Tal rausgeht, ist das natürlich verdammt wenig für möglicherweise die letzte Chance der Demokratie. Ich will da nicht so unken wie Markus Söder und hier ständig mit der Weimar-Nummer durch die Gegend laufen. Aber ja, 26 Prozent, die sind im Moment stärkste Partei in Deutschland. Insgesamt nicht im Osten, nicht in Bautzen, sondern bundesweit. Und wir dürfen nicht vergessen, wir nehmen uns mal an den Wahlkampf zurück, dass die Leute, die suggeriert haben, wenn der Wechsel kommt, dann wird alles ganz schnell wieder gut. Weil so schlecht, wie die Ampel regiert hat, so viel schlechter kann man doch gar nicht sein. Das ist ja so, als ob du mit einer Fußballmannschaft gegen eine Mannschaft antrittst, die die letzten 30 Spiele verloren hat. Und eigentlich musst du nur ein Spiel gewinnen. Man hat den Eindruck gerade, dass diese Regierung, diese neue große Koalition, zumindest mit dem Unionsteil, die schließt nahtlos an die Performance der Ampel an. Es geht immer weiter nach unten. Wo ist denn dieses Gefühl? Durchatmen, endlich ist der alle Scholle weg. Jetzt haben wir. Jetzt geht es, aber es geht immer ein Ruck. Das ist ja das, was Sie suggeriert haben. Wenn dieser komische Kanzler erstmal weg ist, der emotionslose Kanzler, der ist nicht. Wir erinnern uns an Friedrich Merz, Sie können es nicht, Herr Scholz, Herr Bundeskanzler. Aber im Gegenteil, wir sind jetzt schon ein bisschen her, die Wahl wieder. Aber es ist ja nicht so, dass sich die Stimmung gedreht hätte in dem Gefühl, dass die Ampel weg ist, sondern im Gegenteil, wachen jetzt viele Leute auf und sagen, Moment mal, wird das eigentlich besser? Vielleicht muss man so ein bisschen Zeit reingehen, aber weil der Vergleich, also weil es so einfach wäre, besser als die Ampel zu sein, ist es doch umso fataler, dass die Werte der Union eben nicht mal stabil bleiben, sondern noch runter geht. Aber sie haben bisher ja auch nichts gemacht. Also ich finde, das muss man ihnen zumindest zugutehalten. Sie hatten ja auch jetzt noch nicht die Chance, irgendwie wirklich was zu beschließen, ins Regieren zu kommen, ins Arbeiten zu kommen. Diese Zeit zumindest würde ich ihnen noch geben, dass sie jetzt mal starten und mal was machen. Sie haben ja schon was gemacht. Sie haben ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro aufgenommen und sie haben gesagt, für die Bundeswehr geben wir so viel Geld aus, whatever it takes. Also, aber auch das hat ja keine Wirkung. Ich verstehe schon, was ihr meint. Aber nochmal, bis man die Auswirkungen dieses Sondervermögens merkt, ist 2029 lange vorbei. Richtig, aber vielleicht müssen wir auch da alle miteinander wieder lernen, dass Prozesse Prozesse sind und wir eben nicht in einem absolutistischen Staat leben, wo ein absolutistischer Herrscher sagt, der Scholz ist weg, jetzt ist der Merzler und es ist alles anders. Das ist Demokratie, Demokratie dauert, Demokratie ist eine Geduldsfrage. Wir sind prozessorientiert und es muss tatsächlich, da bin ich bei Carlotta, es muss tatsächlich erst regiert werden. Natürlich hat sich für die Leute nichts geändert bislang, kann aber auch nicht. Also da müssen wir ehrlich genug sein zu sagen, so funktioniert Demokratie. Nicht durch eine angekündigte Regierung ist die Inflation weg. Wenn das so wäre, wären wir irgendwo im Querdenker-Bereich, denn das ist nun mal leider irrationales Wünschen. Insofern müssen wir vielleicht an der Stelle auch mal wieder aushalten lernen, Geduld lernen und wir müssen glaube ich alle die Daumen drücken, dass es klappt. Aber weißt du, was interessant ist, wer genau diese Worte in diesem Podcast vor etwa sieben Wochen gesagt hat, acht Wochen, nee, bisschen länger her schon, Olaf Scholz. Also und das war ja dann, was auf die CDU hingearbeitet hat, war doch, das Problem ist einfach, eigentlich ist alles ganz einfach, der Scholz muss weg und die Ampel muss weg und dann bringen wir das Ding wieder auf Vordermann. Aber die Wahrheit ist doch, nein, genau wie du es sagst, das wird dauern, das wird dauern und man kann nur hoffen, dass man das innerhalb der nächsten ein, zwei, drei Jahre spürt und die Wahrscheinlichkeit, dass man es spürt, steigt damit, dass die äußeren Faktoren, dass sich Trump beruhigt, dass die Wirtschaft wieder anspringt, dass der Krieg in der Ukraine zu Ende ist, das ist die Hoffnung, die man haben muss. Das bleiben aber diese äußeren Faktoren, würde ich sagen, wird es unglaublich schwer mit diesem Kanzler, mit dieser Regierung und mit dem, was sie jetzt im Koalitionsvertrag stehen haben, weil das sind halt nicht die großen Reformen, das ist nicht der große Wurf, der da angekündigt worden ist, sondern das ist ein weiter so mit unglaublich viel Geld, was man zur Verfügung hat, oder? Was wäre die Alternative? Das muss man sich an der Stelle dann ja auch fragen. Der große Wurf, die harte Wende, in welcher Konstellation wäre das möglich und würden wir diese Konstellation wollen? Gewählt haben wir sie offensichtlich nicht. Also es gibt jetzt keine absolute Mehrheit für die Union. Das heißt, die Union müsste sich andere Koalitionspartner suchen außer der SPD. Gäbe es mehr als technisch nur die AfD. Würden wir das wollen? Nein, das würden wir nicht wollen. Aber ich hätte erwartet, ehrlich gesagt, dass die CDU sich viel stärker durchsetzt als Gewinner dieser Wahl. Und ich hätte auch erwartet, dass man, wenn man, das ist ja so ein bisschen so, wenn man so ein bisschen schon mal in den Abgrund guckt, ja, also ist immer noch im Vergleich zu vielen anderen Ländern ist das kein Abgrund. Aber wenn wir gucken, dass man dann sagt, okay, jetzt ist der Moment, es ist einfach die Zeit, harte Reformen auch wirklich anzugehen. Und davon wurde ja gesprochen. Wir erinnern uns, wie Friedrich Merz vorher gesagt hat, wir brauchen nicht mehr Geld. Wir müssen erst mal gucken, geben wir das Geld, was wir haben, vernünftig aus. Was können wir verändern? Was sind mit so Themen wie Bürgerversicherung, gesetzliche, private Versicherte? Was ist mit der Krankenhausreform? Ist das alles auf dem richtigen Weg? Was ist mit der Steuergesetzgebung? Und, und, und, und, und. Und bei all diesen Dingen hat man jetzt das Gefühl, ach so groß sind die Probleme hier und da und dort mal ein bisschen. Ich befürchte nur, wenn die Bedingungen drumherum so bleiben, wie sie sind, dann wird das nicht reichen. Dann führt das Ganze nur dazu, dass die Schulden steigen und irgendwann eure und meine Kinder sich fragen, wer hat das eigentlich zurück? Das ist jetzt die Worst-Case-Variante. Ja, bin ich bei dir. Ich bemühe mich immer, in Alternativen zu denken. Also was wäre denn, wo hätte es denn Spielräume gegeben, die in diesem Fall Friedrich Metz nicht genutzt hat? Hätte es den Spielraum gegeben, die SPD an die Wand zu verhandeln? Ich bin nicht sicher. A, weil er keine Alternative hatte, wenn man die AfD ausschließt. Und B, weil die SPD, das hatten wir eben schon mal, echt gute Verhandler sind. Absolut. Die Merz-Truppe manches dann doch erst lernen muss. Und wir haben auch, glaube ich, wieder das gleiche Problem, über das wir vorhin ja auch schon gesprochen haben, beziehungsweise Merz hat dieses Problem, dass jetzt einfach das, was er angekündigt hat im Wahlkampf, auf das clasht, was in der Realität möglich ist. Und natürlich gewinnt man keinen Wahlkampf, indem man sagt, wir machen eine Arbeitskoalition und wir machen das alles ganz pragmatisch, keine großen Wänden, keine großen Veränderungen. Natürlich gewinnt man damit keinen Wahlkampf, aber möglicherweise hätte er sich trotzdem ein bisschen Gedanken darüber machen müssen, wie er das dann wieder einholt nach der Wahl, weil das ist ja jetzt sein Problem. Jetzt sagt er ja Arbeitskoalition, jetzt sagt er das ja, es ist eine Zweckehe, das muss funktionieren, wir sind jetzt da ganz pragmatisch, wir gehen da pragmatisch ran, wir machen das dann besser, aber alles ganz ruhig und pragmatisch und wir lieben uns jetzt nicht, aber wir kriegen das schon irgendwie hin. Aber vielleicht hätte er sich halt irgendwie im Wahlkampf auch noch ein bisschen überlegen müssen, wie er diese ganzen riesen Ankündigungen, diese riesen Wörter, mit denen er da um sich geworfen hat, wie er das wieder einfängt. Und es kommt ja hinzu, dass er jetzt ja bis zu 500 Milliarden auf jeden Fall und dann noch ein bisschen mehr für die Bundeswehr hat. Also er hat so viel Geld, davon hat die Ampelregierung geträumt. Seien wir ehrlich, hätte die Ampelregierung dieses Geld gehabt, würden wir wahrscheinlich jetzt hier gar nicht sitzen und das Scholz-Update würde noch weitergehen, zumindest bis September, weil die sich gar nicht so sehr zerstritten haben. Also ich will damit sagen, es gibt wenig Ausreden für Friedrich Merz, dass es jetzt nicht läuft, weil er hat diese unglaublichen Summen. Aber wir wollen ihm natürlich die Chance geben und alles Gute wünschen. Ich würde von euch beiden noch gerne wissen, wie ihr eigentlich so diese Ära Scholz, was bleibt da eigentlich von? Ich habe heute nochmal versucht, Kontakt aufzunehmen, weil ich nochmal Lust gehabt hätte, ihr wahrscheinlich auch ein Interview mit ihm zu machen. Er sagt, er gibt im Moment keine Interviews, hat das alle Anfragen abgelehnt. Es ist um ihn sehr ruhig geworden. Ich finde, er ist, das muss man sagen, vielleicht um etwas Gutes zu sagen, ist ein extrem guter Verlierer. Also so muss man erstmal eine Wahlniederlage wegstecken, sich auch nicht einmischen und vielleicht gibt er deswegen auch keine Interviews. Und ich habe auch keine Ahnung, was er macht. Ich höre nur, dass er in Brandenburg bleiben will und nicht nach Hamburg wieder zurückkommen möchte, dass er dann offensichtlich als Brandenburger Abgeordneter das noch durchzieht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er jetzt großartig ein Buch schreibt. Die letzten Bücher, die über Olaf Scholz veröffentlicht worden sind, sind so lala gelaufen, kann man glaube ich sagen. Da war Friedrich Merz schon besser. Aber auch das ist interessant, dass dann so ein Bücher von Friedrich Merz habe ich jetzt so das bestverkauft. Der liegt glaube ich irgendwie so bei 15.000, 18.000 Exemplaren. Das ist also auch kein Vergleich zu den über 600.000, die Angela Merkel verkauft hat. Aber was in einem Satz Olaf Scholz. Zu früh auch, weil es ist auch noch zu früh, das zu bewerten. Das kann natürlich übrigens auch sein. Ja, also ich habe mich ja schon geoutet als jemand, der gerne auch mal das Gute sieht in den Dingen. Ich glaube, dass das eine Regierung war, die unter wirklich absoluten Ausnahmebedingungen so schlecht am Ende gar nicht war. Krieg, Krise, möglicherweise die Angst vor einem energielosen Winter, all das. Wir sind schnell im Nächsten und sind im Ex-Post-Blick schnell dabei zu sagen, ja, ist doch alles gut gegangen. Aber erinnert euch an Tage, an Wochen, wo wir dachten so, oha, was ist, wenn Oma Erna wirklich kein Gas mehr hat, friert, wenn die Leute auf die Straße gehen, wenn wir hier destabilisieren. Diese Überlegung war nicht total aus der Luft gegriffen. Das ist alles nicht passiert. Deutschland ist gut durch diese Krise gekommen, ganz am Ende. Ja, es gab Verwerfungen und das will ich auch alles nicht wegreden. Aber eine Regierung, die schon sportlich zusammengestrickt war, dann so eine Herausforderung gekriegt hat, am Ende würde ich sagen, ja, die gehen vielleicht nicht als Helden in die Geschichte ein, aber auch nicht als Verlierer. Carlotta? Ich glaube, ich würde dir zustimmen. Also man muss der Ampel wirklich zugutehalten, dass sie viele Krisen abbekommen hat, die einfach nicht absehbar waren, als sie diesen Koalitionsvertrag geschrieben haben. Der Ukraine-Krieg zum Beispiel, bei dem wir wirklich gut durch die Energiekrise gekommen sind. Und sie haben es geschafft, darauf zu reagieren. Und ich glaube, die Ampel wurde an vielen Punkten zu Unrecht wirklich, wirklich schlecht geredet. Auch von der Union, das muss man auch dazu sagen, von Friedrich Merz. Da wurde teilweise ein bisschen zu doll einfach drauf gehauen. Sie haben ja auch wirklich einiges von dem, was sie im Koalitionsvertrag mal reingeschrieben haben, auch umgesetzt. Sie haben möglicherweise ein bisschen zu viel am Koalitionsvertrag noch festgehalten, als sich einfach die gesamte weltpolitische Lage geändert hat. Vielleicht hätte man da auch nochmal sich nach zwei Jahren hinsetzen müssen und überlegen, okay, diese ganzen sozialen, gesellschaftlichen Vorhaben, die wir da drin stehen haben, die sind alle total gut, aber müssen wir uns jetzt nicht vielleicht aktuell auf was anderes fokussieren? Das ist der Ampel ja auch irgendwie so ein bisschen zum Verhängnis geworden, aber ich finde auch, dass man die Ampel im Nachhinein nicht verteufeln darf. Und Olaf Scholz wird natürlich immer so ein bisschen der Kanzler bleiben, bei dem er sich gewünscht hätte, dass er mal ein bisschen mehr rauskommt, dass er mal ein bisschen mehr gerade in diesen Krisen das Wort ergreift. Deswegen haben sich ja alle dann plötzlich gefreut, als er dann im Ampelbruch plötzlich ein Machtwort gesprochen hat gegenüber Christian Lindner. Ich glaube, das wird ihm so ein bisschen anhängen. Vielen, vielen Dank an alle Hörer und Hörer. Das Scholz-Update ist Geschichte, ist Lebe Rambo Zambo mit den lieben Kollegen aus Berlin. Ich wünsche euch viel Erfolg und ihr wisst, es kann vier Jahre lang dauern. Muss aber nicht. Vielen Dank, lieber Lars. Du hast toll vorgelegt und vielleicht magst du mal irgendwann wieder dazukommen. Wir würden uns sehr freuen. Sehr gern. Vielen Dank und bis nächste Woche dann in neuer Rolle und mit neuem Namen. Vielen Dank. Tschüss, tschüss. Tschüss. Tschüss. Ein Podcast von Funke. 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