Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Menschliches, Allzumenschliches I - Neuntes Hauptstück - 523-544
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- 0:00Unterkapitel 523 geliebt sein wollen.
- 0:06Nietzsche bezeichnet den Wunsch, geliebt zu werden, als die
- 0:09größte aller Anmaßungen. Hochmut Es ist eine Forderung an
- 0:13andere, die man eigentlich nicht stellen darf, da Liebe ein
- 0:16Geschenk ist und kein Anspruch Unterkapitel 524
- 0:23Menschenverachtung woran erkennt man, dass jemand Menschen
- 0:28verachtet? Nietzsche sagt, das deutlichste
- 0:31Zeichen dafür ist, wenn jemand andere Menschen nur als Mittel
- 0:34zum Zweck sieht. Wer einen anderen Menschen nur
- 0:37benutzt, um seine eigenen Ziele zu erreichen und ihn ansonsten
- 0:40gar nicht gelten lässt, zeigt damit die tiefste
- 0:43Geringschätzung Unterkapitel 525 Anhänger aus Widerspruch
- 0:51Nietzsche beschreibt hier eine psychologische Reaktion der
- 0:53Masse, wenn jemand die Menschen gegen sich aufbringt und sie zur
- 0:57Raserei treibt. Zum Beispiel durch provokante
- 0:59Thesen oder Verhalten gewinnt er dadurch paradoxerweise immer
- 1:03auch eine Partei zu seinen Gunsten.
- 1:06Es gibt immer Menschen, die aus reinem Widerspruch zu der
- 1:08wütenden Menge dann genau diesen Provokateur unterstützen, der
- 1:12Hass der einen erzeugt, die Anhängerschaft der anderen
- 1:17Unterkapitel 526 Erlebnisse vergessen, hier wird
- 1:24unterschieden zwischen dem Erleben und dem Denken.
- 1:28Wer viel und sachlich denkt, vergisst oft seine eigenen
- 1:31persönlichen Erlebnisse sehr leicht.
- 1:33Das, was ihm passiert ist, verblasst schnell, aber die
- 1:37Gedanken, die durch diese Erlebnisse ausgelöst wurden, die
- 1:40behält er. Das Ergebnis des Nachdenkens ist
- 1:43für ihn wichtiger als das Ereignis selbst.
- 1:47Unterkapitel 527 Festhalten einer Meinung warum halten
- 1:55Menschen an einer Meinung fest? Nietzsche nennt 2 Gründe, die
- 1:58beide auf Eitelkeit beruhen. Der erste hält an seiner Meinung
- 2:02fest, weil er sich einbildet, er sei ganz von selbst darauf
- 2:05gekommen. Er ist stolz auf seine eigene
- 2:08Erfindungsgabe, der andere hält an seiner Meinung fest, weil er
- 2:12sie mit viel Mühe gelernt hat, er ist stolz auf seinen Fleiß
- 2:16und darauf, dass er den schweren Stoff endlich begriffen hat.
- 2:20In beiden Fällen geht es nicht unbedingt um die Wahrheit der
- 2:23Meinung, sondern um den Stolz der Person.
- 2:27Unterkapitel 528 das Licht scheuen Nietzsche vergleicht
- 2:34hier die gute Tat mit der bösen Tat.
- 2:37Er sagt, dass beide Arten von Taten oft das Tageslicht
- 2:40scheuen, also lieber im Verborgenen bleiben wollen bei
- 2:43der bösen Tat ist der Grund offensichtlich, der Täter hat
- 2:47Angst vor der Strafe oder dem Schmerz, der folgt, wenn die Tat
- 2:50entdeckt wird, aber auch die gute Tat versteckt sich oft.
- 2:54Der Grund hierfür ist, dass der Täter sein reines Gewissen und
- 2:58seine Freude an der Tat behalten möchte.
- 3:00Wenn die gute Tat bekannt wird, mischt sich sofort die Eitelkeit
- 3:04ein, Eitelkeit bedeutet hier das Bedürfnis, von anderen bewundert
- 3:08zu werden, sobald man für eine gute Tat gelobt wird, ist die
- 3:12Freude nicht mehr rein, sondern von der Sucht nach Anerkennung
- 3:15verunreinigt, deshalb scheut auch der wirklich gute das Licht
- 3:19der Öffentlichkeit unter Kapitel. 529 die Länge des Tages
- 3:28in diesem kurzen Abschnitt geht es um die Wahrnehmung von Zeit.
- 3:32Nietzsche meint, dass die Länge eines Tages davon abhängt,
- 3:35wieviel man hineinsteckt, wenn ein Mensch viele Ideen, Taten
- 3:40und Erlebnisse in einen Tag packt, dann hat dieser Tag
- 3:43sprichwörtlich 100 Taschen, das bedeutet, er bietet unendlich
- 3:47viel Platz und Möglichkeiten, wenn man sie nur nutzt,
- 3:51Unterkapitel. 530 Tyrannengenie Nietzsche beschreibt hier, wie
- 3:58ein sogenanntes Tyrannengenie entsteht.
- 4:01Er erklärt, dass dazu gar keine besonders große angeborene
- 4:04Begabung nötig ist. Wichtiger sind 2 andere
- 4:08Eigenschaften, erstens eine unbesiegbare Lust, sich gegen
- 4:11andere durchzusetzen, also ein starker Wille zur Macht,
- 4:15zweitens ein inneres Feuer, das niemals ausgeht, also eine
- 4:19beständige Energie, wenn diese beiden Dinge.
- 4:22Der Wille zur Macht und die dauerhafte Energie
- 4:25zusammenkommen, dann wirkt selbst ein Mensch mit nur
- 4:28geringem Talent am Ende wie eine gewaltige Naturgewalt.
- 4:31Er wird unwiderstehlich und zwingt andere unter seinen
- 4:33Willen, ähnlich wie Politiker oder Künstler, die durch pure
- 4:37Beharrlichkeit groß werden, Unterkapitel 531 das Leben des
- 4:44Feindes hier geht es um die Beziehung zu einem Gegner.
- 4:50Nietzsche sagt, dass jemand, der seinen Lebensinhalt daraus
- 4:53zieht, einen bestimmten Feind zu bekämpfen, eigentlich ein
- 4:56Interesse daran haben muss, dass dieser Feind am Leben bleibt,
- 5:00wenn der Feind verschwindet, verliert der Kämpfer seine
- 5:02Aufgabe und damit seinen Lebenssinn.
- 5:06Unterkapitel 532 wichtiger der Mensch neigt dazu, Dinge falsch
- 5:14zu bewerten. Nietzsche stellt fest, dass wir
- 5:17Dinge, die dunkel, geheimnisvoll und unerklärt sind, oft für
- 5:20wichtiger halten als Dinge, die hell, klar und verständlich
- 5:24sind. Wir verwechseln Unklarheit mit
- 5:26tiefe Unterkapitel, 533, Abschätzung erwiesener Dienste.
- 5:35Nietzsche beobachtet, wie wir Gefallen oder Dienstleistungen
- 5:38bewerten, die uns jemand erweist.
- 5:41Wir beurteilen den Wert dieser Dienste oft nicht danach,
- 5:44wieviel sie uns tatsächlich nützen.
- 5:47Stattdessen bewerten wir sie danach, wieviel Wert derjenige
- 5:50darauf legt, der uns den Dienst erwiesen hat, wenn es für den
- 5:53anderen wichtig oder anstrengend war, schätzen wir es höher ein,
- 5:57auch wenn der tatsächliche Nutzen für uns vielleicht gering
- 5:59ist. Unterkapitel 534 Unglück ne.
- 6:07In diesem Abschnitt spricht Nietzsche über das Unglück als
- 6:10eine Art Auszeichnung. Viele Menschen empfinden es als
- 6:13etwas gewöhnliches oder flaches, einfach nur glücklich zu sein.
- 6:17Unglück hingegen wirkt tiefgründig und besonders, das
- 6:21zeigt sich daran, dass Menschen oft protestieren, wenn man zu
- 6:24ihnen sagt, aber wie glücklich sie sind, sie wollen nicht als
- 6:28oberflächlich glücklich gelten, sondern lieber als jemand, der
- 6:32ein schweres, bedeutungsvolles Schicksal trägt, Unterkapitel.
- 6:37535 Fantasie der Angst Nietzsche beschreibt die Angst, hier mit
- 6:43einem bildhaften Vergleich. Er nennt die Fantasie der Angst,
- 6:47einen bösen Effischen Kobold, dieser Kobold, springt dem
- 6:50Menschen genau dann auf den Rücken, wenn er ohnehin schon
- 6:53schwer zu tragen hat. Das bedeutet, wenn wir schon
- 6:56Sorgen oder Probleme haben, kommt unsere Vorstellungskraft
- 6:59hinzu, malt sich schreckliche Dinge aus und macht die Last
- 7:03noch schwerer, als sie eigentlich ist.
- 7:06Unterkapitel 536 Wert abgeschmackter Gegner manchmal
- 7:14bleiben wir einer Sache oder einer Meinung nur deshalb treu,
- 7:17weil ihre Gegner uns unsympathisch sind.
- 7:20Nietzsche nennt diese Gegner abgeschmackt, was so viel wie
- 7:23geschmacklos oder dumm bedeutet, weil wir diese Gegner nicht
- 7:27mögen, wollen wir ihnen nicht recht geben und bleiben deshalb
- 7:30bei unserer eigenen Meinung, selbst wenn wir vielleicht schon
- 7:34Zweifel daran haben. Unter Kapitel 537 Wert eines
- 7:40Berufes Nietzsche sieht in einem Beruf einen großen Vorteil, aber
- 7:46nicht unbedingt den, den man erwartet.
- 7:49Der Wert eines Berufes liegt darin, dass er uns gedankenlos
- 7:53macht, das ist hier positiv gemeint, ein Beruf ist wie eine
- 7:57Schutzmauer, wenn wir allgemeine Sorgen oder Bedenken haben,
- 8:01können wir uns hinter unsere Arbeit zurückziehen.
- 8:04Der Beruf gibt uns eine feste Aufgabe und erlaubt uns, die
- 8:07schwierigen Fragen des Lebens für eine Weile zu vergessen.
- 8:11Unterkapitel 538 Talent Nietzsche bemerkt, dass das
- 8:19Talent mancher Menschen kleiner wirkt, als es eigentlich ist.
- 8:22Der Grund dafür ist, dass diese Menschen sich immer Aufgaben
- 8:25stellen, die zu groß für sie sind, weil sie an diesen
- 8:28riesigen Aufgaben scheitern oder sich schwer tun.
- 8:31Sieht man nicht, dass sie für etwas kleinere Aufgaben
- 8:33eigentlich sehr begabt wären. Unterkapitel 539 Jugend
- 8:42Nietzsche hat eine kritische Sicht auf die Jugend, er sagt,
- 8:45die Jugend sei unangenehm, der Grund dafür ist, dass sie in
- 8:48keinem Sinne produktiv, also schöpferisch oder vernünftig
- 8:52ist. Jugend ist eine Zeit der
- 8:54Unreife, die noch keine wirklichen Ergebnisse
- 8:57hervorbringt, Unterkapitel. 540 zu große Ziele hier warnt
- 9:05Nietzsche davor, sich öffentlich zu große Ziele zu setzen.
- 9:08Wenn jemand merkt, dass er zu schwach ist, um diese Ziele zu
- 9:11erreichen, hat er oft nicht die Kraft, dies öffentlich zuzugeben
- 9:15und die Ziele zu widerrufen. Stattdessen tut er so, als ob er
- 9:18sie immer noch verfolgt, dadurch wird er zwangsläufig zum
- 9:22Heuchler, also zu jemandem, der etwas vortäuscht, was nicht wahr
- 9:26ist. Unter Kapitel. 541 im Strome
- 9:34Nietzsche verwendet hier das Bild eines Flusses.
- 9:37Starke Wasserströmungen reißen alles Mögliche mit sich, wie
- 9:40Steine und Gestrüpp, genauso ist es mit starken Geistern, also
- 9:44sehr intelligenten oder einflussreichen Menschen, sie
- 9:47ziehen oft viele dumme und verworrene Köpfe an, die ihnen
- 9:50folgen, ohne sie wirklich zu verstehen.
- 9:54Unterkapitel 542, Gefahren der geistigen Befreiung.
- 10:01Wenn ein Mensch ernsthaft versucht, seinen Geist zu
- 10:03befreien, also unabhängig und vernünftig zu denken, lauern
- 10:07Gefahren. Nietzsche sagt, dass im Stillen
- 10:10auch die Leidenschaften und Begierden dieses Menschen
- 10:13hoffen, ihren Vorteil daraus zu ziehen.
- 10:15Sie hoffen, dass, wenn der Verstand die Kontrolle lockert
- 10:18oder sich neu orientiert, sie freie Bahn haben, um sich
- 10:22auszuleben. Unterkapitel, 543 Verkörperung
- 10:28des Geistes. Geistiges Arbeiten hat
- 10:32Auswirkungen auf das Aussehen wenn jemand viel und klug denkt,
- 10:36verändert das nicht nur seinen Gesichtsausdruck, sondern seine
- 10:39ganze Körperhaltung. Er bekommt ein a kluges
- 10:42Aussehen, das Innere prägt also das äußere Unterkapitel 544
- 10:50schlecht sehen und schlecht hören Nietzsche unterscheidet
- 10:55hier zwischen den Auswirkungen von Schlechtem Sehen und
- 10:58Schlechtem hören. Wer schlecht sieht, sieht
- 11:01einfach weniger. Die Welt wird für ihn kleiner,
- 11:04wer aber schlecht hört, erlebt etwas anderes, er hört auf Dinge
- 11:08dazu, die gar nicht gesagt wurden, er ergänzt das Fehlende
- 11:11durch seine Phantasie, das schlechte Gehör ist also in
- 11:15gewisser Weise kreativer, aber auch täuschender.