Latest / heute journal - der Podcast / AfD auf Platz 1? Das politische Beben aus Sachsen-Anhalt. Mit Max Schneller „maximal.demokratisch”
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- 0:09Herzlich willkommen zu einer besonderen Folge, das Heute-Journal-Podcast,
- 0:13heute an einem ganz besonderen Ort.
- 0:15Wir sitzen nicht wie sonst im Mainzer Podcast-Studio, sondern wir sitzen draußen
- 0:20vor einem der weltweit berühmtesten Gebäuden der modernen Architektur,
- 0:25vor den Bauhausgebäuden in Dessau.
- 0:27Das heißt, wir sitzen auf und vor UNESCO-Welterbe und einem Symbol für eine moderne, offene Welt.
- 0:35Und genau das ist aktuell bedroht.
- 0:38Das hängt mit der Wahl hier in Sachsen-Anhalt zusammen. Die steht kurz bevor
- 0:42und wird im ganzen Land verfolgt, sogar im Ausland, mit einer gewissen Anspannung.
- 0:47Wir wollen heute herausfinden, welche politischen Folgen diese Wahl hat.
- 0:52Was würde ein Sieg der AfD bedeuten? Wie können, müssten oder sollten etablierte
- 0:57Parteien mit den neuen Machtverhältnissen umgehen?
- 1:01Und steckt darin vielleicht sogar eine Chance. Und dazu begrüße ich ganz herzlich
- 1:06unsere Gäste. Neben mir sitzt Max Schneller, auch bekannt als maximal demokratisch.
- 1:12Er ist einer der jüngsten und reichweitenstärksten politischen Aktivisten aus Ostdeutschland.
- 1:17Und er sagt, dass er mit aller Kraft dagegen kämpfen will, dass die AfD in Sachsen-Anhalt
- 1:23zum ersten Mal einen Ministerpräsidenten stellt. Hallo Max. Hallo, danke.
- 1:28Und neben dir wiederum sitzt Prof. Dr. Christian Stecker.
- 1:32Er kommt auch aus Sachsen-Anhalt und lehrt heute Politikwissenschaft an der TU Darmstadt.
- 1:39Er hält die Brandmauer für gescheitert und undemokratisch.
- 1:43Sie würde der AfD mehr helfen als Schaden.
- 1:47Hallo Herr Stecker, freue mich mit Ihnen darüber gleich diskutieren zu können
- 1:50in dieser Runde. Und natürlich auch Dunja Hayali ist auch dabei,
- 1:54Moderatorin des Heute-Journals. Hi Dunja.
- 1:57Hallo, freue mich. Und das ist echt mal eine tolle Kulisse. Also nichts gegen
- 2:00unser Studio, aber das ist schon echt richtig schön.
- 2:04Max, du kämpfst gegen Rechtsextremismus, du gehst auf die Straße,
- 2:08bist Mitglied der Linkspartei, du engagierst dich, bist laut und das obwohl
- 2:12du ja selber mit 17 noch gar nicht mitwählen kannst,
- 2:16und du zahlst auch einen wirklich hohen Preis für dein Engagement,
- 2:21du bekommst nämlich Morddrohungen.
- 2:24Einfach mal die Frage, warum tust du dir das an und warum bist du für AfD-Anhänger so ein Hassobjekt?
- 2:30Also ich glaube, in erster Linie ist es gut, dass du erwähnt hast,
- 2:33dass ich mich gegen Rechtsextremismus engagiere.
- 2:35Ich finde, man muss dann nochmal unterscheiden zwischen der politischen Ausrichtung
- 2:39rechts und dem Extremismus.
- 2:41Und ja, mein Kampf ist ja gerade bei den Sachsen-Anhalt, glaube ich,
- 2:44das größte Problem der Rechtsextremismus ist. Auch eben der Kampf gegen Rechtsextremismus,
- 2:48aber auch für Demokratie und für
- 2:50den Erhalt aller Menschenrechte und der Freiheit eines jeden Einzelnen.
- 2:54Und ich glaube, warum ich so zum Hassabberg gewonnen bin, ich meine,
- 2:57ich bin ja letztes Jahr damit aufgefallen, dass ich auf einer Querdenken-Demo
- 2:59gesprochen habe in Bad Dürrenberg, in meiner Heimatstadt.
- 3:03Und das mögen vielleicht 30 Leute sein. Und vor diesen 30 Leuten habe ich meine
- 3:07Meinung kundgetan und offenkundig aber auf so viel Widerstand gestoßen und so
- 3:12viel Widerstand, so viele Nerven getroffen, die einfach für Widerstand gesorgt
- 3:15hatten, dass am Ende natürlich neben dem ganz vielen Zuspruch,
- 3:17den es gab, auch etliche Hasskommentare und Morddrohungen zum Teil auch kamen.
- 3:21So weit, dass ich eine Woche lang während meiner Abschlussprüfung nicht zu Hause
- 3:24geschlafen habe, auf Rat der Polizei.
- 3:26Und auch jetzt derzeit gibt es ja massive Bedrohungen, dass nachts bei mir zu
- 3:31Hause geklingelt wird und ähnliches.
- 3:33Und ich glaube, ich bin schon ja recht gut kontaktet mit dem Staatsschutz.
- 3:38Also ich glaube, die sehe ich sogar schon öfter als meine eigene Familie, würde ich behaupten.
- 3:43Und ja, wir haben jetzt in drei Tagen Wahl und in drei Tagen geht es halt um alles.
- 3:48Und da geht es nicht nur darum, ob halt eine Partei, die offenkundig in Sachsen-Anhalt
- 3:53völkisch-nationales Gedankengut vertritt und eben nicht auf dem Boden der Verfassung
- 3:56steht, dass diese eben erst mal zum Ministerpräsidenten stellen könnte.
- 4:00Und dagegen muss es mit jeder Kraft auch eine Chance geben, das zu verhindern.
- 4:04Und das ist das, was ich mache.
- 4:06Ja, weil du das auch noch mal sagst, den Unterschied zwischen rechts und rechtsextrem mit der AfD,
- 4:11könnte hier zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik eine Partei
- 4:15in einem Bundesland die absolute Mehrheit erreichen, die dort vom Verfassungsschutz
- 4:20als gesichert rechtsextrem eingestuft wird.
- 4:25Und wenn man sich mal diese Umfragen, die wir ja in den letzten Wochen und Monaten
- 4:29wirklich rauf und runter gehört und gelesen haben, genauer anschaut,
- 4:33in denen die AfD mit Abstand vorne liegt, fast doppelt so stark wie die CDU, die danach kommt,
- 4:39dann messen da und beobachten da Wahlforscher eine enorme Polarisierung.
- 4:45Und zwar die, die so stark wie selten sei. Es gibt diese große Distanz zwischen
- 4:49Anhängern der AfD und den Anhängern von allen anderen Parteien.
- 4:53Dunja, du hast heute Abend, deswegen bist du auch hier, eine Sendung,
- 4:57das Heute-Journal, das nehmt ihr hier vor Ort auf, ein sogenannter Anchor on Location.
- 5:02Und du hast auch hier in Sachsen-Anhalt gedreht die letzten Tage.
- 5:06Hat sich dir ein gespaltenes Land präsentiert?
- 5:10Ja, also das Heute-Journal kommt heute Abend aus Dessau und da freue ich mich
- 5:13auch drauf, weil wir auch die Hoffnung haben, dort nochmal vor Ort mit Bürgern
- 5:16und Bürgerinnen auch kurz nochmal ins Gespräch zu kommen.
- 5:19Und das habe ich in den letzten Tagen hier gemacht und ich, also es wäre jetzt
- 5:23vermessen zu sagen, ich habe jetzt hier die totale Ahnung über Sachsen-Anhalt
- 5:27und kann jetzt hier für alle Bürger und Bürgerinnen sprechen,
- 5:30aber mit denen, mit denen ich gesprochen habe,
- 5:32da war das schon, dass das sehr polarisiert ist und kein Aufeinanderzugehen mehr möglich.
- 5:37Also ich habe ja auch so ein bisschen, verfolge diese Devise,
- 5:41wir leben alle in einem Land, wir müssen miteinander klarkommen.
- 5:44Jeder darf hier seine politische Meinung vertreten.
- 5:47Da kann es auch mal hart zur Sache gehen. Mord, Drogen, egal in welche Richtung,
- 5:51egal gegen wen. Auch Gewalt ist nicht in Ordnung, das ist ja klar.
- 5:54Aber wir brauchen den Diskurs, wir brauchen diesen Austausch.
- 5:57Wir müssen miteinander im Gespräch bleiben.
- 5:59Und da haben mir wirklich sehr viele gesagt, auf gar keinen Fall.
- 6:03Das ist hier vorbei. Wir reden nicht mit denen, das sind Neonazis etc.
- 6:08Und wenn man dann mit denen, also mit der AfD-WLAN redet, die haben ein ähnliches,
- 6:14abwertendes Bild dann von all den anderen.
- 6:18Sehe ich ehrlich gesagt schwarz. Und was mir schon auch zu denken gegeben hat,
- 6:23und das muss ich auch medienkritisch vielleicht an der Stelle mal erwähnen,
- 6:27wir sind natürlich aus Gründen sehr viel mit dem Fokus und der Berichterstattung auf und über die AfD.
- 6:32Aus Gründen, die Sie gerade gesagt haben, möglicherweise Alleinregierung, absolute Mehrheit etc.
- 6:39Vom Verfassungsschutz so eingestuft, wie du es gerade genannt hast.
- 6:43Also es gibt viele Gründe, warum wir auf die AfD schauen.
- 6:46Die Menschen hier haben aber das Gefühl, dass die anderen 60 echt hinten rüberfallen,
- 6:52dass wir eben da gar nicht hingucken. Was gibt es für Initiativen?
- 6:55Was gibt es für Organisationen?
- 6:57Was ist das Wahlprogramm der anderen Parteien? Was haben die hier liegen lassen?
- 7:01Sondern dieser starke Fokus eben auf diese Partei.
- 7:04Und das waren jetzt schon so zwei Sachen, muss ich sagen, die mir zu denken gegeben haben.
- 7:11Wobei das mit dem Vergesst uns nicht, das haben mir schon Leute vor zehn Jahren in den.
- 7:16Bundesländern im Osten unseres Landes gesagt, als ich da als Reporterin unterwegs
- 7:21war, da war ganz oft, bitte vergessen Sie uns nicht, bitte differenzieren Sie,
- 7:25bitte scheren Sie hier nicht alle über einen Kamm.
- 7:28Also das verfolgt mich schon länger und habe es jetzt hier eben,
- 7:31sorry für die sehr lange Antwort, aber nee, weil das bewegt einen ja auch.
- 7:35Also das, vor allen Dingen auch das nicht mehr aufeinander zugehen.
- 7:40Max, das ist auch das, was ich bei dir ganz oft schon gehört und gelesen habe,
- 7:43das kritisierst du auch, dass zu oft über diese 40 Prozent AfD-Wählenden,
- 7:49gesprochen und berichtet wird und eben nicht über die 60 Prozent,
- 7:52also über die Mehrheit, die keine AfD-Regierung möchte.
- 7:56Naja, wir müssen auch mal festhalten. Also ich glaube, wenn wir uns auch den
- 7:59Sachsen-Anhalt-Monitor vom letzten Jahr anschauen, da ist prognostiziert worden,
- 8:03dass weniger als 10 Prozent ein gefestigt rechtsextremes Weltbild hier in Sachsen-Anhalt haben.
- 8:09Und ich finde, gerade wenn wir über diese 40 Prozent reden, das sind ja nicht
- 8:12alles Neonazis oder das sind ja auch nicht alles überzeugte Rechtsextreme.
- 8:15Also ich glaube, das ist ein großer Fehler, der gemacht wird,
- 8:18dass wir sofort mit diesem Label und mit diesem inflationären Verwenden von
- 8:21den Begriffen Nazi und Faschist um uns werfen.
- 8:23Weil gerade diese Menschen sind ja wirklich Menschen mit echten Sorgen und Ängsten.
- 8:26Und ich meine, ich komme aus dem Saale-Kreis und im Saale-Kreis steht das Chemiedreieck Leuna.
- 8:31Und Leuna ist eines der größten Chemiedreiecke hier in Mitteldeutschland,
- 8:35Ostdeutschland kann man fast sagen.
- 8:37Und dieses Chemiedreieck stottert gerade. Dieses Herz stottert,
- 8:41weil eben Firmen insolvent gehen. Natürlich wollen die Menschen darauf Antworten haben.
- 8:45Und leider ist das Problem, dass die AfD halt sehr stark und sehr schnell diese
- 8:47Antworten gibt. Natürlich sehr einfach und eben ohne großen Lösungsansatz.
- 8:52Sondern halt eben mit sehr einfachen Begriffen und Feindbildern.
- 8:55Und die anderen Parteien kommen halt gar nicht erst dazu, das zu tun.
- 8:57Und das ist ein Problem, was ich sehe und weshalb wir eben auch wirklich darum
- 9:01kämpfen müssen, diese 40 Prozent irgendwie wieder zurückzugewinnen.
- 9:04Professor Schnecker, Sie sitzen hier natürlich als der politische Analyst,
- 9:08als der Wissenschaftler, aber es ist ja auch Ihre Heimat, über die wir hier sprechen.
- 9:13Wie blicken Sie auf diesen Graben.
- 9:18Zwischen diesen 60 und den 40 Prozent? Wie tief ist der? Und sehen Sie gerade,
- 9:22dass es auch Räume oder Formate, Bestrebungen
- 9:25gibt, die irgendwie wieder zusammenzubringen, Brücken zu bauen?
- 9:30Nee, da bin ich gerade sehr skeptisch und das ist eigentlich auch die größte
- 9:33Sorge, die ich derzeit habe und die hat sich schon auch realisiert,
- 9:35bevor irgendeine Wahl stattgefunden hat.
- 9:37Also, dass diese beiden Lager, wenn man es jetzt mal zuspitzen möchte,
- 9:40das AfD-Lager und das Anti-AfD-Lager enorm polarisiert sind und ein tiefer Graben
- 9:44durch die Gesellschaft geht.
- 9:46Die eine Seite ruft Menschenfeinde, Demokratiefeinde über die Brandmauer,
- 9:50die andere Seite ruft Volksverräter zurück.
- 9:53Und auf dieser Basis ist ein Austausch über ganz konkrete inhaltliche Probleme,
- 9:58Sorgen, Nöte auch gar nicht mehr möglich.
- 10:00Weil das alles auf so ein freundfeindschema reduziert ist.
- 10:03Und das ist aus meiner Sicht auch ein Stück weit ein politisches Elitenversagen.
- 10:07Wir haben 1933, erzählen wir uns die Geschichte, dass das große Elitenversagen
- 10:12darin bestand, Adolf Hitler sozusagen den Steigbügel zu erhalten.
- 10:15Aus meiner Sicht besteht Elitenversagen heute darin, dass diese Polarisierung
- 10:18auch so geschürt wurde, weil das ein Stück weit auch ein.
- 10:23Echo ist, wie Spitzenkräfte miteinander umgehen. Also dass auf der einen Seite
- 10:27die AfD als Wiedergängerin des Nationalsozialismus bezeichnet wird,
- 10:30was sie aus meiner Sicht nicht ist und auf der anderen Seite die Parteien,
- 10:34die ein anderes Weltbild vertreten, die Volksverräter sind.
- 10:37Und da möchte ich dir auch wirklich Respekt aussprechen, dass du,
- 10:41obwohl du so unter Druck stehst von einem Teil, der aus meiner Sicht irgendwie
- 10:45auch zur AfD gehört, vielleicht nicht repräsentativ dafür ist.
- 10:49Bereit bist, das auch zu differenzieren.
- 10:51Weil dieses alle über einen Kamm scheren, das ist nicht nur Sachsen-Anhalt und
- 10:55es geht um die 60 Prozent versus die 40 Prozent, sondern es geht auch um die
- 10:5840 Prozent und es geht auch um die Frage,
- 11:00wofür diese Partei genau steht, welche legitimen Interessen sie anspricht und
- 11:04wo sie das eventuell übertreibt.
- 11:07Und dann kann man auch noch die Frage stellen, warum sie es eventuell übertreibt.
- 11:09Also die AfD ist ja ein Stück weit auch Produkt dieser Auseinandersetzung,
- 11:13die ja auch sehr rabiat durchaus mit schon der frühen Lucke AfD betrieben wurde.
- 11:19Sie vertreten da ja auch die These, dass man themenabhängig durchaus auch mit
- 11:24dieser Partei zusammenarbeiten sollte im politischen Betrieb.
- 11:28Da können wir später auch noch verschiedene Szenarien durchgehen,
- 11:32weil Sie da viel zu geforscht haben.
- 11:34Ich habe mal eine Frage, weil Sie ja gerade, und das finde ich auch richtig,
- 11:37dass man über Inhalte sprechen soll.
- 11:40Über wofür stehst du, was willst du? Wir hören ja immer wieder,
- 11:43es gibt diesen Frust natürlich über die Politik in Berlin. Ich glaube,
- 11:47das teilen übrigens ziemlich viele Wähler und Wählerinnen.
- 11:50Auch abseits der AfD? Ja, das meine ich. Also jetzt ganz pauschal auf alle Parteien,
- 11:57Parteianhänger, Wähler, Wählerinnen.
- 11:59Dann gibt es natürlich nochmal diese Systemkritik und ähnliches.
- 12:02Wenn ich mir aber hier zum Beispiel diesen Wahlkampf auch angucke,
- 12:06worüber es dann inhaltlich ging, ist dieses Fakten gegen Emotionen.
- 12:10Und da frage ich mich, wie will man denn dann mit den Wählern,
- 12:15aber auch mit den Politikern da wirklich in den Diskurs gehen,
- 12:19um sachorientiert, lösungsorientiert Antworten zu bekommen.
- 12:23Also wenn man weiß, in diesem Bundesland ist ja nicht alles schlecht.
- 12:26Also ich meine, ich habe einiges gesehen mit Leerstand.
- 12:29Das ist nicht schön, kennt man, wenn man aus dem Ruhrgebiet kommt.
- 12:32Da haben wir das auch, die Infrastruktur, die Jugend geht weg.
- 12:36Das haben wir aber als Jugendliche. Damals sind wir auch weggegangen und dann
- 12:39vielleicht wiedergekommen.
- 12:39Also hier gibt es ein paar Probleme, aber es gibt ja auch Dinge,
- 12:42die irgendwie ganz gut gelaufen sind. Also das verfügbare Einkommen ist gestiegen,
- 12:46die Lebenserwartung ist gestiegen, Kriminalität ist runtergegangen,
- 12:49Arbeitslosigkeit ist runtergegangen.
- 12:51Der Spitzenkandidat der AfD sagt dann, ja, ja, aber das geht an dem Gefühl der
- 12:55Bürger und Bürgerinnen vorbei.
- 12:57Und da frage ich mich dann ja, also wie können wir denn versachlicht diskutieren,
- 13:02wenn andere, egal jetzt wer, über Emotionen kommen? Dann wird es halt echt schwierig.
- 13:09Ich teile Ihre Diagnose, ich würde sie aber sozusagen als beidseitig bezeichnen. Ja.
- 13:17Richtig, Ulrich Siegmund sagt, alles ist möglich. Wir wissen alle,
- 13:20auch die Anhänger von Ulrich Siegmund, dass wohl alles in dieser Welt nicht
- 13:22möglich ist, sondern dass es bestimmte Realitäten, Zielkonflikte gibt und bestimmte
- 13:25Dinge geschehen sind, die keine Regierung jemals hätte ändern können.
- 13:28Also wie zum Beispiel die Wiedervereinigung gelaufen ist, die Abwanderung,
- 13:31die ja auch letztlich Grundlage für Entwicklungshürden für das heutige Sachsen-Anhalt ist.
- 13:36Aber auf der anderen Seite heißt es dann nicht, alles ist möglich,
- 13:39sondern wenn die rankommen, ist das irgendwie eine Art Staatsstreich und dann
- 13:42geht unsere Demokratie unter.
- 13:44Also wir haben schon lange den Raum von wenigstens einem minimalen,
- 13:48rationalen Diskurs verlassen, den unsere Demokratie doch eigentlich immer ein
- 13:52Stück weit auch geschafft hat. Also Wahlkämpfe sind natürlich immer Zeiten von
- 13:55parolenhafter Zuspitzung. Das ist auch völlig okay.
- 13:58Die Wähler müssen ja irgendwie so ein bisschen verstehen, worum es geht.
- 14:01Aber mittlerweile ist das, wie gesagt, in dieses Freund-Feind-Schema ausgeartet,
- 14:06was es gar nicht mehr erlaubt, über Inhalte zu sprechen.
- 14:08Und ich glaube, die Fehler liegen wirklich dann auch relativ früh,
- 14:12dass man eventuell hätte anerkennen können, dass die AfD,
- 14:15auch eine Reaktion auf politische Entscheidungen, die eben nicht alle befürwortet
- 14:20haben, wie zum Beispiel die Grenzöffnung 2015 oder auch die Energiepolitik.
- 14:24Ich muss einmal, die Grenzen sind nicht geöffnet worden, die Grenzen waren offen
- 14:27und sie sind nicht geschlossen worden. Aber ich weiß trotzdem, was Sie meinen.
- 14:30Also ich meine tatsächlich die Zuwanderung und auch da will ich Ihnen gerne
- 14:34den Punkt konzidieren, ob das hätte anders laufen können, ist eine ganz andere Frage.
- 14:38Und was es dann für Bilder gegeben hätte und ob diese Öffentlichkeit dahinter
- 14:41gestanden hätte, wenn man eben nicht diese Zuwanderung erlaubt hätte.
- 14:44Aber das ist dann auch so ein bisschen das unhintergehbare Spiel von Demokratie.
- 14:49Diejenigen, die regieren, sind letztlich für alles verantwortlich zugespitzt,
- 14:52auch wenn das mit der Realität gar nicht so viel zu tun hat.
- 14:55Wir nennen das dann politikwissenschaftlich den fundamentalen Attributionsfehler.
- 14:58Also irgendwie brauchen wir jemanden, mit dem wir auf den Finger zeigen können
- 15:02und sagen, der ist dafür verantwortlich.
- 15:04Und Akteure aus der Opposition und besonders eben aus der Fundamentalopposition
- 15:07haben die Möglichkeit, die Gegenerzählung zu erzählen.
- 15:10Mit uns wäre es anders gelaufen und mit uns wird es künftig besser laufen.
- 15:13Und genau in diesem Mechanismus ist gerade auch dieser politische Wettbewerb gefangen.
- 15:17Max, du hast gerade skeptisch den Kopf geschüttelt.
- 15:22Naja, ich glaube, es geht um die Sache von, ich bin noch bei dem Satz hängen
- 15:25geblieben, wir sollten vielleicht auch Mehrheiten mit der AfD suchen.
- 15:28Ich glaube, wir vergessen ganz oft, dass wir hier über eine AfD von 2026 sprechen
- 15:31und von keiner AfD aus 2016.
- 15:34Wenn wir uns anschauen, das ist ja auch meine Kritik am Spiegel gewesen,
- 15:37inhaltlich haben sie aufgedeckt, mit welchem Netzwerk Herr Sigmund arbeitet,
- 15:41welche Leute dahinter. als Cover den Spitzenkandidaten der AfD,
- 15:45Ulrich Siegmund, der gefährlichste Mann Deutschlands, genau. Präsentiert hat.
- 15:48Und wir haben ja aufgedeckt bekommen, mit welchem Netzwerk er zusammenarbeitet.
- 15:51Das ist uns nicht unbekannt. Ich komme auch aus dem Saale-Kreis.
- 15:53In Schuppau hat die Identitäre Bewegung ihren Hauptsitz, kann man sagen.
- 15:56Und auch die Akteure, die dort leben, arbeiten mit Herrn Siegmund sehr eng zusammen.
- 15:59Das Filmkunstkollektiv, Herr Kaupert und alle anderen Akteureinnen und Akteure.
- 16:03Und ich glaube, wir müssen hier differenzieren, dass wir mit so einer AfD,
- 16:07wie sie gerade auch in Sachsen anhand polarisiert, wie sie leibt und lebt,
- 16:10Dass man eine Zusammenarbeit in keinster Art und Weise irgendwie ebnen sollte,
- 16:15auch nicht bei irgendwelchen Fragen, um sich Mehrheiten zu beschaffen.
- 16:17Also wäre ein Netzwerk von Neonazis, von Menschen, die völkisch-national denken,
- 16:22die andere Menschen ausgrenzen, die dieses Seitmenschen von Margot Friedländer
- 16:26zum Beispiel den anderen Menschen ausgrenzen.
- 16:28Auch beispielsweise mehr Migrationsgeschichte, bin ja nicht rein deutsch, absprechen würden.
- 16:33Ich glaube, mit solchen Leuten darf es niemals gemeinsame Sache geben.
- 16:36Und das ist etwas, was ich manchmal schon sehr fragwürdig finde.
- 16:39Klar müssen wir über die Ursache sprechen, warum die AfD so stark ist.
- 16:41Aber ich finde nicht, dass es irgendwann die Legitimation gibt,
- 16:44solche Menschen auch irgendwie auch noch ein Stück Macht zu geben.
- 16:47Ja, dann lasst uns da doch direkt einsteigen, weil das ist ja eine interessante
- 16:51These, Herr Stecker, die Sie da vertreten.
- 16:54Dazu kurz erklärt, wenn wir über das Szenario, also wir haben ja schon gesagt,
- 16:58es ist möglich, dass zum allerersten Mal die AfD in einem Bundesland die absolute Mehrheit erhält.
- 17:03Das kommt natürlich auch stark, wird es davon abhängen, wie viele andere kleinere
- 17:09Parteien noch in den Landtag gewählt werden und es über die 5-Prozent-Hürde schaffen.
- 17:14Sollte sie die absolute Mehrheit nicht bekommen und einfach alleine durchregieren
- 17:19können, dann ist es natürlich umso spannender, wie viel die zweitstärkste Partei,
- 17:23die CDU, an Stimmen erhält und ob sie mit anderen Parteien zusammen eine Mehrheit bilden könnte.
- 17:29Und wenn sie das nicht schafft, dann könnte es sein, dass sie auf die Unterstützung
- 17:32der Linkspartei oder der AfD angewiesen ist. Das beißt sich mit dem Unvereinbarkeitsbeschluss.
- 17:39Da hat die CDU ja beschlossen auf dem Parteitag, dass sie weder mit der Linken
- 17:43noch mit der AfD zusammenarbeiten wird.
- 17:47Und außerdem gibt es ja noch die Brandmauer, die würde damit einstürzen.
- 17:52Und Herr Stecker, für Sie ist dieser Sturz der Brandmauer gar kein Schreckensszenario,
- 17:58sondern im Gegenteil, kann man das sagen?
- 18:01Ne, also so ein Grundtenor ist für mich auch, dass wir mit allem ziemlich spät dran sind.
- 18:07Im Sinne von, wir haben uns jetzt eigentlich spätestens seit 2015 in einen enormen,
- 18:13polarisierten Wettbewerb begeben, der auch mit verschiedenen Eskalationsspiralen
- 18:16immer intensiver geworden ist und ich würde sagen, wenn jetzt die Brandmauer fällt,
- 18:20sogar machtpolitisch über eine absolute Sitzmehrheit, dann wäre das ja sozusagen
- 18:24die größte Katastrophe von all denjenigen, die die Brandmauer erfunden haben,
- 18:27weil das ja die Idee war, die AfD von der Macht fernzuhalten.
- 18:30Die AfD ist hinter der Brandmauer aus den von mir so ein bisschen skizzierten
- 18:33Mechanismen so ein bisschen zu so einem Scheinriesen rangewachsen,
- 18:36weil alle ihre Konzepte niemals an der Realität auch nur ansatzweise getestet
- 18:40werden mussten, beziehungsweise auch nicht mal klar ist, ob diese Partei einigungsfähig ist.
- 18:44Also da gibt es Leute, die streiten sich über den Umgang mit Trump.
- 18:47Über Putin, was sie jetzt genau unter Remigration verstehen.
- 18:50Und in der Opposition kann man alles. In der Opposition ist,
- 18:53um mit Sigmund zu sprechen, ist alles möglich.
- 18:55Aber wenn es dann wirklich mal die Möglichkeit gibt, dass man zu konkreten Entscheidungen
- 18:59beitragen kann oder eben nicht, erst dann kommt es zum Schwur und wir sehen,
- 19:02wofür die AfD dann eventuell tatsächlich steht oder eben nicht steht.
- 19:06Aber in der Tat, ich hätte mir gewünscht,
- 19:09Ich habe zumindest die Hoffnung, dass es noch nicht zu spät ist,
- 19:12dass nach wie vor so ein Arrangement möglich wäre, wo Parteien anfangen,
- 19:15diese enorme Polarisierung herunterzubrechen auf die Auseinandersetzung in einzelnen Themen.
- 19:20Und das würde dann eben so aussehen, dass man im Sachsen-Anhaltinischen Landtag
- 19:23mal schaut, wer kann bei kostenloser Kita-Speisung, Zuschüssen für Führerschein bei Azubis,
- 19:29wer kann bei Migrationspolitik, wer hat da irgendwie Schnittmengen,
- 19:33die er dann auch im Interesse seiner Wählerinnen und Wähler nutzen kann.
- 19:36Und interessanterweise gibt es da Schnittmengen. Und ich gebe Ihnen recht,
- 19:41gerade aus Sicht von Linken sind viele Positionen der AfD völlig unvertretbar.
- 19:46Aber tatsächlich dieses Projekt, kostenloses Schulessen, Kita-Essen,
- 19:51Führerschein, Zuschüsse, das ist auch ein linkes Anliegen.
- 19:54Und dann wäre die Frage, naja, können wir nicht anerkennen, dass wir über viele
- 19:59Dinge tief zerstritten sind und dass sich das in Koalitionen gar nicht mehr bearbeiten lässt.
- 20:03Weil Koalition bedeutet ja, alles zusammen zu machen, sind wir nicht bereit,
- 20:08mal zu gucken, wo wir über eine thematische Zusammenarbeit und eine thematische
- 20:12Konfrontation so langsam mal wieder anfangen, das Land zu versöhnen.
- 20:16Weil Joachim Gauck wird nicht vorbeikommen und jetzt irgendwie alle versöhnen.
- 20:19Das muss die Spitzenpolitik schon irgendwie selber hinbekommen.
- 20:22Und vielleicht sehen die Bürgerinnen und Bürger, dass die jeweils andere Seite
- 20:26vielleicht doch nicht nur die Menschenfeinde und Volksverräter sind,
- 20:29sondern eben Bürger mit ganz bestimmten Interessen und auch bestimmten Nöten.
- 20:34Diese Brandmauerdiskussion ist ja, finde ich, schon immer noch ganz interessant,
- 20:38wenn man über Inhalte kommt und dann heißt es ja, naja, lasst sie doch mal machen,
- 20:42dann werden wir mal sehen, was,
- 20:44hier zum Beispiel in Sachsen-Anhalt passiert, wenn wirklich kulturfremde Fachkräfte,
- 20:48was auch immer und wer auch immer damit genau gemeint ist, wirklich das Land verlassen muss.
- 20:52Dann sagen ja auch viele Ärzte hier aus Sachsen-Anhalt, dann bricht hier das
- 20:56ganze System zusammen etc.
- 20:58Also da kann man dann mal gucken, wenn die Realität auf Versprechen trifft.
- 21:06Ich frage mich nur und das habe ich den Pfarrer gefragt in Weißenfels,
- 21:10wo ich am Wochenende war die Kirchen haben sich ja hier auch sehr deutlich positioniert
- 21:13ungewöhnlich deutlich gegen die AfD und ich habe ihn auch gefragt,
- 21:18das ist ja eine Form von Ausgrenzung,
- 21:21wie ist das für eine Kirche, wenn man sich so äußert und so und da sagt er,
- 21:24naja man kann über Inhalte sprechen, wollen wir hier eine Ampel oder einen Kreisverkehr
- 21:28oder soll der Mindestlohn hoch oder runter aber die stehen einfach diametral
- 21:33zu den Werten, die wir hier vertreten.
- 21:35Also Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Menschenbild, Vielfalt und vieles andere.
- 21:41Und das haben ja auch dann Menschen erzählt auf diesem Stadtfest,
- 21:44die die AfD nicht wählen. Und die sagen, da kommen wir nicht zusammen.
- 21:48Da können wir nicht mit dieser Partei, ich gebe jetzt wieder,
- 21:51was ich gehört habe, das geht einfach nicht. Da können wir nicht über Kreisverkehr
- 21:56sprechen und ähnliches, sondern da geht es um was ganz Grundsätzliches anderes.
- 22:01Also deswegen die Frage mit dieser Brandmauer, ob der Begriff jetzt so klug
- 22:05ist oder nicht, aber dass eine CDU...
- 22:09Eine christlich-demokratische Partei sagt, also das überschreitet einfach auch
- 22:15unser Menschenbild, unsere Werte, mit denen können wir nicht.
- 22:22Ich habe mich das auch gefragt, Herr Stecker, weil bei Ihrem Vorschlag,
- 22:25dass man zum Beispiel eine Minderheitsregierung hat, die sich dann je nach Thema
- 22:30einfach wechselnde Mehrheiten im Parlament sucht.
- 22:34So, da sagen sie ja, das sollte man machen, weil das die neuen politischen Realitäten
- 22:40sind und damit würde man oder hätte man das vielleicht sogar schon früher gemacht,
- 22:43hätte man eventuell die AfD klein halten können.
- 22:46Wählt man aber bei einer Partei nicht auch so eine Art Gesamtpaket,
- 22:51man kann es ja vielleicht auch Weib nennen oder eben Wertevorstellung und muss
- 22:55dann sagen, nein, das geht einfach nicht mit dem, was wir vertreten zusammen.
- 22:59Wie soll das funktionieren?
- 23:01Ja vielleicht zwei Sachen dazu. Also ich glaube der Ausgangspunkt von repräsentativer
- 23:05Demokratie ist die Anerkenntnis, dass wir nicht bei Wünsch dir was sind.
- 23:10Daran scheitern, die Gegenseite von unserer Meinung zu überzeugen.
- 23:13Und wir sind alle so ein bisschen Populisten und Antipluralisten.
- 23:16In dem Sinne, wir haben uns doch alle unsere Meinung sehr gut überlegt.
- 23:18Also wir haben Studien gelesen mit Leuten, das so ein bisschen abgeglichen.
- 23:22Wir sind der Überzeugung, dass wir das Richtige politisch denken und wollen.
- 23:27Und dann treffen wir jedes Mal auf Leute, die teilweise das Gegenteil denken,
- 23:30mit derselben Überzeugung. Und die Aufgabe von repräsentativer Demokratie ist
- 23:34genau das zu organisieren und friedlich in Kompromisse zu überführen.
- 23:39Was ist die Alternative? Ist, dass wir uns wieder die Köpfe einschlagen.
- 23:42Und das, was Sie sagen, die Konflikte in Werthaltung, dass aus Sicht der Union
- 23:47die AfD grundsätzlich anderes Menschenbild vertritt, das wirft die AfD sozusagen
- 23:53und vor allen Dingen eben auch ihre Wähler zurück.
- 23:55Und das müssen wir anerkennen, dass das unüberwindbar ist und dass damit wir
- 23:59aber auch irgendwie umgehen müssen.
- 24:01Und Sie hatten ja auch darauf hingewiesen, wenn wir das mal so ein bisschen von den Wählern denken.
- 24:05Also ich sehe völlig ein, dass die Partei nochmal was anderes ist als die Wähler
- 24:09und dass da vielleicht auch bestimmte Radikalisierungsprozesse stärker bei den
- 24:13Mitgliedern und bei den Funktionären eine Rolle spielten.
- 24:17Aber Sie hatten ja den Sachsen-Anhalt-Monitor genannt und es gibt auch andere Umfragen.
- 24:20Es gibt hier wie da so ungefähr 10 Prozent der Menschen mit einem geschlossenen
- 24:25rechtsextremistischen Weltbild.
- 24:26Aber die AfD werden in diesem Land von etwa 30, 40 Prozent und mehr der Leuten gewählt.
- 24:31Also anzuerkennen, dass das vielleicht doch auch Demokraten sind,
- 24:35die aber bestimmte politische Überzeugungen haben mit Einwanderungen,
- 24:39Energiewende, die auch zum Pluralismus gehören und die sozusagen irgendwie inkludiert
- 24:43werden müssen. Letzter Satz dazu.
- 24:45Ich würde sagen, wir brauchen eine Brandmauer in einem pluralistischen Arrangement
- 24:49überhaupt nicht, weil solange keine Partei eine absolute Mehrheit hat für ihre
- 24:53eigenen Überzeugungen, wird sie immer Kompromisse eingehen müssen.
- 24:55Und bisher war es auch immer so, dass die AfD Kompromisse hätte eingehen müssen.
- 25:00Wir meinen dafür halten eben außerhalb von Koalitionen in wechselnden Mehrheiten
- 25:04und erst die Brandmauer etwas zugespitzt, führt die AfD jetzt eventuell ins
- 25:08Fähren, dass sie nicht mehr mehr Kompromisse eingehen muss.
- 25:10Sie baut ja selbst eine eigene Brandmauer. Sie möchte ja auch nicht.
- 25:13Sie schließt ja jeder Minderheitsregierung nach der Wahl auch aus.
- 25:16Herr Siegmund hat ja gesagt, auch mit der CDU und dem BSB wird es keine Gespräche
- 25:19geben. 45 Prozent plus X sind sein Ziel.
- 25:23Und ich glaube, also ich habe auch das Thema Migration wurde ja angeschnitten.
- 25:26Wir reden immer von, also manchmal habe ich das Gefühl, wir reden von utopischen Zahlen.
- 25:30Die Migrationsquote dann sagt es bei ca. 8%. Also ich weiß nicht,
- 25:34warum man Migration zum Thema Nummer 1 hier macht, obwohl die Menschen gar nicht.
- 25:38In Berührung mit diesem Thema groß eigentlich kommen.
- 25:41Und das ist ein Problem, was ich halt gerade sehe und was mich in dieser Debatte
- 25:44immer so stört, wir beleuchten ja auch vor allem bei Migration immer die negativen Migrationen.
- 25:49Also wieso können wir nicht die positiven Beispiele mal erwähnen oder die positiven
- 25:52Beispiele auch hervorheben?
- 25:54Und das ist ein Thema, was, glaube ich, auch zur Polarisierung der Gesellschaft
- 25:57voranschreitet, wenn auch eine Partei, die ihre Wählerschaft gerade bei 40 Prozent
- 26:01hat, eben auch immer dieses einseitige Bild halt produziert und das machen sie bewusst.
- 26:06Aber da würde ich halt sagen, da müssen wir die Bürger als die mündigen Bürger
- 26:10akzeptieren, die irgendwie dann
- 26:11Demokratie auch annimmt und jeder für sich irgendwie selbst entscheidet,
- 26:15was die wichtigsten Themen sind und was er für einen Umfang und auch Art von
- 26:19Einwanderung möchte, inwieweit er bereit ist, vermeintlich wirtschaftlichen
- 26:22Wohlstand gegen Klimaschutzpolitik,
- 26:25sozusagen aufzurechnen.
- 26:26Und das ist ja genau der politische Wettbewerb, dass man dann mit unterschiedlichen
- 26:29Konzepten vor die Wähler tritt und dann dafür bewertet wird.
- 26:32Und ich möchte einen Satz sagen, weil das ja auch ein relativ häufiges Narrativ
- 26:35ist, wenn ich jetzt mal sozusagen polemisch so ein bisschen zuspitzen kann.
- 26:38Was haben die Ossis eigentlich?
- 26:40Da leben ja gar nicht so viele Ausländer. Das stimmt so nicht mehr,
- 26:44auch seit der Flüchtlingskrise und das stimmt vor allen Dingen auch für bestimmte Quartiere nicht mehr.
- 26:47Also wenn ich jetzt in meine Heimatstadt Halle schaue, da gibt es bestimmte
- 26:51Stadtviertel, die durch die Flüchtlingskrise einfach transformiert wurden,
- 26:53weil man gar nicht anders wusste, wo man die vielen Menschen aus Syrien unterbringen
- 26:58sollte, wenn nicht in Halle-Neustadt, wo es einen großen Leerstand gab.
- 27:00Und da ist sozusagen ein ostdeutsches Prekariat, dessen Wohnquartiere sind völlig
- 27:06kulturell transformiert worden.
- 27:08Und das ist auch deren Empfinden und das ist dann auch deren Reaktion, AfD zu wählen.
- 27:11Also wenn wir uns die Wahlkarten von Halle ansehen, dann ist der Innenstadtkern
- 27:15eben auf alle Fälle nicht blau, sondern stärker Anti-AfD, wenn man so will.
- 27:19Und Silberhöhe und Halle Neustadt, also die Großwohnsiedlung,
- 27:22die eben auch besonders migrantisch transformiert wurden, die sind dunkelblau.
- 27:30Also da könnte man sich ja zum Beispiel vom Spitzenkandidaten der CDU,
- 27:34der fünf Jahre hier Wirtschaftsminister war, glaube ich, fünf Jahre,
- 27:38auch mal so eine Frage beantwortet sehen, wie weltoffen muss denn Sachsen-Anhalt
- 27:41eigentlich sein oder bleiben, um dann auch wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben oder zu werden.
- 27:46Da gibt es dann die, die sagen, wir brauchen die Fachkräfte auch von außen,
- 27:49das lässt sich alles nicht. Da will ich aber gar nicht hin, sondern das habe
- 27:52ich jetzt kürzlich auch gelernt, fand ich super spannend. Ich glaube,
- 27:54wir hatten es schon mal besprochen, das weiß ich nicht.
- 27:57Es kommt immer darauf an, wie man die Menschen hier fragt.
- 28:00Und es gibt einige Umfragen, da sind dann fünf, sechs, sieben,
- 28:04acht Themen vorgegeben. Was ist Ihnen wichtig? Und dann kommt Wirtschaft,
- 28:07Sicherheit, Migration, Klimawandel, keine Ahnung, was da alles draufsteht.
- 28:11Das ZDF Politbarometer, kriegen wir heute Abend ganz frische Zahlen,
- 28:15fragt anders, fragt offen, was ist Ihr wichtigstes Thema?
- 28:20Und das finde ich total spannend, denn dann kommt nicht die Migration,
- 28:23dann kommt die Wirtschaft.
- 28:24Und dann kommt noch irgendwas anderes und dann kommt die Migration irgendwann.
- 28:28Also nur mal zu dieser Form, wie fragt man eigentlich?
- 28:31Und ich habe eine Frage an Sie beide, denn das habe ich mich jetzt,
- 28:34als ich hier unterwegs war und mit den Menschen gesprochen habe, auch gefragt.
- 28:38Die einen wählen eine Partei aus Überzeugung und die anderen wählen vielleicht
- 28:43taktisch oder um etwas abzuwehren.
- 28:47Sieht man auch zum Beispiel, welchen Ministerpräsidenten hätten sie lieber,
- 28:51den jetzt von der CDU oder AfD? Da ist der von der CDU vorn,
- 28:54klar, weil sich da dann alle hinter versammeln, die den von der AfD auf gar keinen Fall wollen.
- 28:59Wohin führt das eigentlich in unserer Demokratie, wenn wir, und das haben wir
- 29:03auch bei anderen Wahlen schon gesehen,
- 29:06immer in diesem Denkschema wählen und gar nicht mehr aus Überzeugung hinter
- 29:11der Partei stehen und wählen, die wir eigentlich wollen oder befürworten,
- 29:15sondern gucken, wie verhindern wir jetzt die AfD?
- 29:18Aus guten oder schlechten Gründen, ich will das gar nicht beurteilen,
- 29:21nur an Sie beide, wohin führt das dieses Land?
- 29:25Ich glaube, was ich vielleicht zu Beginn sagen möchte, ich rede ja nicht als
- 29:28Mitglied der Linkspartei. Ich glaube, weil gerade auch dieses taktisch Wählen
- 29:31ja auch der Partei am meisten schadet, würde ich behaupten.
- 29:34Weil ja die Stimmen von Linkspartei zur SPD und zu den Grünen umverteilt werden,
- 29:38um das mal ganz nett zu sagen.
- 29:40Ich glaube, wir schaffen uns mit diesem taktisch Wählen ja vielleicht fünf Jahre
- 29:44mehr Zeit, wenn überhaupt. Ich glaube, am Ende kommt es vielleicht gar nicht
- 29:48mehr aufs taktisch Wählen drauf an.
- 29:49Heute die Umfrage, gut, Insa vertraue ich jetzt nicht, wir sagen mal 40 Prozent
- 29:53vom ZDF, von Forschungsgruppe Wahlen.
- 29:56Wenn halt drei Sitze noch fehlen würden, dann würde ich behaupten,
- 29:59dass bei der CDU diese drei Abtrünnigen vielleicht noch kommen und dann der
- 30:01AfD die absolute Mehrheit verschaffen.
- 30:04Ich glaube, wir müssen da eher drüber nachdenken, ob wir Menschen,
- 30:07also ich finde es an Demokratie schliegen, wenn wir jedes Mal darüber reden,
- 30:10dass wir taktisch wählen und jeden Menschen die Überzeugung eben absprechen.
- 30:14Und dieses taktisch wählen ist halt meistens auch eine Initiative,
- 30:17die klar von einigen Leuten aus dem eigenen Bundesland initiiert wird,
- 30:20aber eher eigentlich aus Berlin oder anderen Bundesländern kommt,
- 30:23die hier vor Ort ja gar nicht verankert sind.
- 30:25Und ich sehe das Problem dahingehend, dass wir dieses taktisch wählen dahingehend
- 30:31verschieben, dass wir unter den progressiven Parteien natürlich die Stimmen
- 30:33hin und her bewegen, am Ende aber auch darüber reden müssen, wie weit es dazu kam.
- 30:38Und ich finde es sehr problematisch, ehrlicherweise, dass wir zum Beispiel zur
- 30:41Wahl der SPD aufrufen, wo die SPD sich eingestehen müsste nach jahrzehntelanger
- 30:45Regierungsbeteiligung im Bund und auch hier im Land, dass sie natürlich mit
- 30:48Verantwortung dazu trägt, dass die AfD bei 40 Prozent eventuell steht.
- 30:52Und da stört es mich sehr der Art, dass genau die jetzt irgendwie als Heilsbringer
- 30:56gelten für diese Verhinderung der Alleinregierung.
- 31:00Und das ist ein Punkt, das ist unehrlich. Das ist wirklich unehrlich.
- 31:04Ich würde gerne, Dunja, wenn ich darf, daran anknüpfen, weil du hattest ja gefragt,
- 31:07wohin führt uns das, wenn wir die Parteien nicht mehr aus dieser Überzeugung wählen?
- 31:14Das führt mich auch zu der Frage, die ich ja anfangs gestellt hatte,
- 31:17nämlich wie sollten die etablierten großen Parteien jetzt mit dieser neuen Realität,
- 31:21mit den verschobenen Machtverhältnissen auch umgehen?
- 31:24Und da habe ich mich gefragt, Herr Stecker, aus Ihrer Sicht,
- 31:27welche der etablierten Parteien hätte eigentlich das größte Potenzial,
- 31:31AfD-Wähler zurückzugewinnen?
- 31:33Oder ist es so, dass Sie sagen, dass diese Menschen sich so sicher sind und
- 31:37so gefestigt sind und aus voller Überzeugung ihr Kreuz bei der AfD machen,
- 31:41dass es sich gar nicht mehr so richtig lohnt, um sie zu kämpfen?
- 31:45Na, es lohnt natürlich immer und das muss ja auch der Anspruch jedes Politikers,
- 31:50jeder Politikerin sein, dass man um die Zustimmung für die eigenen Konzepte
- 31:53wirbt unter den Wählern und sich nicht irgendwie geschlagen gibt.
- 31:57Also es gibt ja jetzt auch zumindest das Gerücht, dass es so einen gewissen
- 32:00Fatalismus in der sachsen-analytischen CDU gibt.
- 32:03Hauptsache, die bekommen irgendwie die absolute Mehrheit, dass wir aus diesem
- 32:06Dilemma irgendwie raus sind.
- 32:07Das wäre so eine Art politische Bankrotterklärung. Also es ist nach wie vor
- 32:11natürlich möglich, im politischen Wettbewerb auch AfD-Wähler wieder versuchen
- 32:15anzusprechen. Aber auch da muss man sagen, auch wenn ich mich da wiederhole,
- 32:18wir sind relativ spät dran.
- 32:20Also es gab lange Wanderungsbewegungen von fast allen Parteien,
- 32:25aber vor allen Dingen von der Union, auch von SPD und Linken zur AfD.
- 32:29Von Nichtwählern auch? Von Nichtwählern und vor allen Dingen dann auch,
- 32:32weil das wird der SPD ja auch häufig erzählt, ihr habt übrigens gar nicht so
- 32:34viel zur AfD verloren, sondern das wäre die Union.
- 32:37Tatsächlich, wenn wir uns mal so diese Wanderungsbiografien angucken,
- 32:40ist das dann ganz häufig, man wendet sich enttäuscht ab, dann teilweise schon
- 32:43von der sozusagen Schröder-SPD und der Agenda SPD.
- 32:46Und 2010, das war ja im Osten vor allen Dingen auch ein Grund der SPD von der
- 32:50Stange zu gehen, ist dann enttäuschter Nichtwähler und nimmt dann dieses Angebot der AfD wieder an.
- 32:55Und was man auch anerkennen muss, da gibt es zum Beispiel eine sehr gute Studie
- 32:59von der Universität des Saarlandes, die wirklich mal seit 2014 sich angeguckt
- 33:03haben, die immer selben Leute.
- 33:05Aus welchen Gründen die dann irgendwann mal dann bei der AfD ihr Kreuz machen.
- 33:08Und da hat den größten Effekt tatsächlich eben Sorge um Zuwanderung.
- 33:12Wie genau man das dann ausbuchstabiert und wie genau man das befragt,
- 33:16das ist vielleicht nochmal eine andere Frage, aber die AfD, muss man anerkennen.
- 33:21Hat aus Sicht dieser Wähler eine Repräsentationslücke gefüllt und es ist jetzt
- 33:24eben enorm schwierig, diese Bindungen, die sich ja jetzt neu gebildet haben, wieder aufzubrechen.
- 33:30Also wir sehen das auch, die negative Partei-Identifikation nennen wir das.
- 33:35Der AfD-Wähler ist enorm hoch, soll heißen, wenn ich einmal über diese Brücke
- 33:38gegangen bin zur AfD, brenne ich so ein bisschen die Brücke zu den anderen Parteien
- 33:42ab und lehne besonders intensiv auch die anderen Parteien ab.
- 33:45Das ist dann vis-a-vis auch sozusagen umgekehrt und ich glaube,
- 33:48die Sortierung ist auch so ein bisschen abgeschlossen.
- 33:51So viel Wanderung ist da vielleicht gar nicht mehr möglich, aber wenn es für
- 33:53die AfD das schon irgendwann zur absoluten Mehrheit reicht, dann ist der politische
- 33:58Wettbewerb natürlich auch schief gegangen, vor allen Dingen für die Union.
- 34:02Also es sind ja gerade bei dem Thema, das Sie angesprochen haben,
- 34:05Migration und Flucht, da könnte man jetzt wieder mit Zahlen kommen,
- 34:08die Zahlen sind runtergegangen, die Grenzen,
- 34:11werden völlig anders kontrolliert und wie viele Leute sind eigentlich in Arbeit,
- 34:15in sozialversicherungspflichtigen Jobs und so weiter.
- 34:17Das ist aber gar nicht meine Aufgabe, ich stelle viel lieber Fragen,
- 34:21ich habe nämlich noch eine Frage.
- 34:24Weil es ja immer auch darum geht, wie holt man die wieder zurück und wie kann
- 34:28man die AfD bekämpfen? Ich würde mir ehrlich gesagt mal wünschen,
- 34:31der Fokus, die Parteien, dass sie sich erst mal fragen, was haben wir hier eigentlich
- 34:36liegen lassen? Was haben wir eigentlich versäumt?
- 34:39Wie können wir bessere Politik machen? Und zwar völlig losgelöst von diesem,
- 34:43was macht eigentlich die AfD oder was macht XY?
- 34:47Also wir leben ja in einer parlamentarischen Demokratie mit verschiedenen Parteien,
- 34:51die haben verschiedene Angebote.
- 34:53Und die sollen sich ja auch nicht gegenseitig kopieren oder abschreiben oder,
- 34:57in Schärfe übertrumpfen, sondern auf sich selbst konzentrieren.
- 35:00Und es gibt ja viele Wähler und Wählerinnen, die sich fragen,
- 35:02wofür steht denn diese SPD eigentlich noch?
- 35:04Wofür steht denn diese FDP, die es nicht schafft, hier reinzukommen?
- 35:08Wofür steht so und dass die sich mal, also ist das nicht viel an sie beide jetzt
- 35:12nochmal, also viel wichtiger als immer dieses, was macht eigentlich die AfD?
- 35:17Was machen wir und mit wir meine ich jetzt die anderen Parteien?
- 35:22Was haben wir hier falsch gemacht? Was können wir besser machen?
- 35:24Was brauchen die Leute im Land? Wie geht gute Politik? Wie kommunizieren wir das?
- 35:29So, das ist doch irgendwie, ist das nicht der bessere Ansatz?
- 35:34Das wäre schon fast die Antwort eigentlich gewesen, die ich auch sagen würde.
- 35:38Ich glaube, es geht um die Sache von, die Parteien verlieren ihren Alleinstellungsmerkmal
- 35:44dahingehend. Also die Wahlerren, die wir uns in den letzten Wochen anschauen
- 35:46mussten, im MDR vor allem, aber auch gestern bei RTL, NTV und Radio Brocken.
- 35:51Also eine Partei, die diese Wahlforen dominiert, ist natürlich die AfD,
- 35:54weil alle anderen sich auf die draufspringen. Und ich glaube,
- 35:57das ist ein Problem, was wir jetzt auch in den nächsten Tagen noch feststellen werden.
- 36:00Ich glaube, es wird bei den jetzt kommenden Wahlkampfabschlüssen heute,
- 36:03zum Beispiel auch vom BSW in Halle.
- 36:05Ich glaube, es wird immer darum gehen, also gut, das BSW jetzt nicht,
- 36:09aber alle anderen Parteien, wie können wir sie noch verhindern?
- 36:11Und statt selbst vorzuschlagen, was sie dann anbieten.
- 36:16Sie haben in Ihrer Einführung schon gesagt, jetzt habe ich geduzt,
- 36:18entschuldigt, ich bin so jung, da muss ich das einfach.
- 36:21Du hast ja schon gesagt, dass es diese Alleinstellungsmerkmale,
- 36:24dass die Parteien nur noch über eine Partei sprechen, aber ihren eigenen Inhalt vollkommen verlieren,
- 36:29dass das natürlich auch dazu führt, dass alle Menschen denken,
- 36:30sie sind jetzt automatisch oder das Ziel einer Partei ist immer nur gegen die
- 36:34AfD zu sein, das sehe ich auch und deshalb glaube ich, hat die AfD das einfach
- 36:38so einfach, weil sie eben mit ihren Argumenten oder mit ihren vermeintlichen Inhalten
- 36:42gar nicht vorbrechen kann oder vorbrechen muss, weil alle anderen sich natürlich
- 36:45nur darauf stürzen, dass sie irgendwie
- 36:47irgendein Narrativ haben, was sie dazu bekräftigen können und ja.
- 36:52Also ich würde auch sagen, der Wettbewerb ist ja auch ungleich.
- 36:56Also die Union regiert in diesem Bundesland seit 2002.
- 37:00Die SPD ist eine Dauerregierungspartei, was ja auch sozusagen ein Nebenprodukt
- 37:03der Brandmauer ist, weil man ja durch die wachsende Stärke der AfD dann immer
- 37:06wieder an der Regierung landet.
- 37:07Und sozusagen mal Rekonvaleszenz in der Opposition ist eigentlich notwendig,
- 37:13dass sich Parteien auch wieder erholen können, auch programmatisch vielleicht
- 37:16so ein bisschen erneuern können.
- 37:17Und das funktioniert nicht mehr für Union und SPD. Die haben sich aus meiner
- 37:21Sicht wirklich auch ein Stück weit kaputt regiert, vertreten nach wie vor Konzepte,
- 37:27die durchaus auch ansprechend sind, zum Beispiel für Geringverdiener.
- 37:31Aber man nimmt es der SPD auch aus bestimmten Mechaniken nicht mehr so richtig
- 37:34ab. Sind die wirklich für die Bürgerversicherung? Die haben sie doch nie eingeführt.
- 37:38Sie hatten nie Mehrheiten dafür im Parlament, das stimmt nicht ganz.
- 37:422005, 2013 gab es übrigens rot-rot-grüne Mehrheiten im Parlament,
- 37:45die man auch damals schon thematisch hätte nutzen können.
- 37:48Und ich will noch auf ein anderes Problem hinweisen, was vielleicht auch besonders
- 37:51in Sachsen-Anhalt eine Rolle spielt. Also die SPD hat sich beispielsweise auch
- 37:55habituell soziodemografisch sehr von ihrem Herkunftsmilieu entfernt.
- 37:59Also es ist einfach eine Akademikerpartei.
- 38:02Also die sind alle so eloquent wie,
- 38:06also jetzt ein bisschen selbstlobend wie wir hier am Tisch, aber da entdeckt
- 38:09man sich vielleicht eben nicht wieder, wenn man Straßenbahn fährt,
- 38:12wenn man Mauern hochzieht und das sehen wir auch.
- 38:17In Befragungen, also zur Kommunalwahl hat sich mal jemand die Mühe gemacht,
- 38:20mal sozusagen die Soziodemografie der Kandidaten von allen Parteien zu erheben
- 38:25und da sehen wir, die AfD holt die Wählerinnen und Wähler auch einfach über ihre Berufe ab.
- 38:30Und ich kann mich als nicht akademisch gebildeter Mensch in einer AfD und in
- 38:35einem Politiker der AfD besser wiedererkennen und ich kann mich auch in Tino
- 38:38Chrupalla wiedererkennen, wenn ihm jetzt gerade keine deutsche Ballade einfällt.
- 38:43Und er trotzdem irgendwie sozusagen aus Sicht der AfD-Wähler dann sein Mann
- 38:45steht und als Malermeister mit Leuten mit Universitätsabschluss debattieren kann.
- 38:53Also das ist auch so ein grundsätzliches Problem, dass das sozusagen so kulturell
- 38:57auch eine Entfremdung zwischen vielen Menschen, die heute AfD wählen und den
- 39:01anderen Parteien stattgefunden hat.
- 39:03Jetzt haben wir schon wieder so viel über die AfD gesprochen,
- 39:05dabei eigentlich war ja die Frage Dunja auch so schön konstruktiv gestellt von
- 39:09dir, was sollten denn die anderen eigentlich besser machen, deswegen ich würde
- 39:13sie nochmal stellen, weil
- 39:14man redet ja auch immer wieder so vom Ende der Volksparteien,
- 39:17könnte man da vielleicht auch sagen, eine Chance auf eine Neuanfang und welche
- 39:21neuen und wirklich mutigen Konzepte bräuchte man da?
- 39:26Ja, das ist wirklich enorm schwierig, weil also...
- 39:29Und offensichtlich gibt es die Patentlösung nicht, im Wettbewerb mit der AfD zu bestehen.
- 39:37Und ich will jetzt auch nicht nochmal diesen Vorschlag herbeten,
- 39:40aber irgendwie die AfD in den thematischen Wettbewerb zu ziehen.
- 39:44Über rote Linien zu definieren, wo man glaubt, was für seine eigenen Wähler
- 39:49dann doch auch mit der AfD herausholen zu können, darüber auch deren Wähler
- 39:52wieder anzusprechen und diesen politischen Wettbewerb wieder zu öffnen.
- 39:55Das wäre sozusagen so ganz global gesagt eine Variante, worüber man ja auch
- 39:59dann wieder vielleicht Brücken zurück zu anderen Parteien baut.
- 40:02Justus Bender hat das so schön auf den Punkt gebracht, was man zur AfD sagt, sagt man eben auch,
- 40:06zu ihren Wählern und was die SPD und die Union zur AfD sagt,
- 40:10ist natürlich zum großen Teil auch stigmatisierend und darüber stigmatisiert
- 40:13man auch die Wähler und macht nicht unbedingt große Lust darauf,
- 40:16sich nochmal mit den Konzepten der SPD oder der Union genauer zu beschäftigen.
- 40:21Also wir brauchen unbedingt eine Depolarisierung und das hoffe ich am ehesten,
- 40:26dass uns das die Parlamente vormachen, indem sie einfach mal,
- 40:30Konfrontationen aus diesen Koalitionen rauslösen und auf einer Sachebene das
- 40:36durchführen und darüber dann vielleicht auch so ein bisschen die Bürger abholen,
- 40:38die ja auch von ihrem Alltagsverstand vieles von dieser Koalitionspolitik nicht
- 40:42sonderlich plausibel finden.
- 40:44Ganz kurz, Justus Bender ist auch ein Journalist, nur das heißt,
- 40:48damit alle wissen, über wen gerade gesprochen wurde.
- 40:50Also weniger Polarisierung, die Menschen besser abholen, vielleicht auch besser
- 40:55erklären, was da eigentlich passiert, was man eigentlich macht im politischen
- 40:58Betrieb, höre ich daraus.
- 41:00Bei der ganzen, bei unserer Diskussion bis hierhin und bei der politischen Beobachtung
- 41:05und auch Analyse, Szenarien durchspielen und so weiter und so fort.
- 41:10Darf man trotzdem nicht die vergessen, über die wir auch am Anfang schon gesprochen
- 41:15hatten, die einfach aktuell auch eine große Angst und Sorge haben vor einer
- 41:19AfD-Regierung, weil das auf sie enorme Auswirkungen hätte.
- 41:24Und das bringt uns auch nochmal zu diesem besonderen Ort, an dem wir hier gerade sitzen.
- 41:29Dr. Barbara Steiner leitet die Bauhausstiftung, die Stiftung Bauhaus Dessau, so rum ist es.
- 41:35Und sie hat in den letzten Wochen ziemlich viele Interviews gegeben,
- 41:39auch internationalen Medien, die sich dafür interessieren, was hier gerade passiert.
- 41:44Unter anderem der Guardian, mit dem hat sie gesprochen und der hat getitelt,
- 41:48es waren die Nazis, die das Bauhaus vertrieben haben.
- 41:51Jetzt führt die extreme Rechte erneut Kriege gegen die Bewegung.
- 41:57Zur Erklärung, die AfD erwähnt das Bauhaus ganz explizit in ihrem Wahlprogramm,
- 42:04dass immer bestrebt gewesen sei, jedes Anzeichen von nationaler Verwurzelung zu vermeiden.
- 42:11Und dem wolle man eine Hashtag-Deutsch-Denken-Kampagne entgegensetzen.
- 42:16Übersetzt kann man sagen, das Bauhaus stehe gegen Patriotismus und deshalb geht die AfD dagegen vor.
- 42:23Wir haben die Bauhausdirektorin gefragt, was sie darüber denkt und was ein Wahlsieg
- 42:28der AfD für sie bedeuten würde.
- 42:31Irritierend ist, dass ein ähnliches Vokabular verwendet wird,
- 42:34also bei den Attacken auf das Bauhaus.
- 42:37Also exakt auch wie das vor 100 Jahren, also dass das Bauhaus undeutsch sei
- 42:43oder auch Ihr Weg der Moderne, das lässt sich sehr genau letztendlich zurückdatieren.
- 42:49Aber ansonsten würde ich sagen, ist der Unterschied, dass das Bauhaus sehr viel
- 42:54Unterstützung erfährt und nicht nur hier in der Stadt, im Land, sondern weltweit.
- 42:59Und das war vor 100 Jahren nicht der Fall. Aber was ich vor allem befürchte,
- 43:03ist ein gesellschaftlicher Umbau des Landes.
- 43:07Und das würde dann auch nicht nur mich Sorgen vollstimmen, sondern das würde
- 43:11ja komplett die Atmosphäre im Land verändern.
- 43:14Und ich befürchte, dass auch viele dieses Land verlassen würden.
- 43:18Vielleicht nochmal ein Satz zu diesem Zurückdatieren, was wir da gerade gehört haben.
- 43:22Also das ist, was sie meint, ist, dass die Nationalsozialisten halt damals das
- 43:27Bauhaus auch schon verfolgt haben und als entartet bezeichnet hatten.
- 43:31Und dann wurde das halt auch geschlossen. Und ich frage mich,
- 43:34diese Politisierung auch von Kunst.
- 43:38Das mit dem Deutschdenken und der Patriotismusformel, die es dann geben soll,
- 43:45wenn die AfD hier regieren sollte und wenn man die dann nicht unterschreibt,
- 43:50als Verein oder was auch immer,
- 43:54dann soll es ja Kürzungen geben bei Förderungen und sowas. Ich meine, was sagen Sie dazu?
- 44:02Also da braucht man sich dann auch keine Illusion machen, wenn von AfD-Seite
- 44:07behauptet wird, es ginge hier darum, staatliche Neutralität eines links-grün
- 44:11durch wirkten Kulturbetriebs wiederherzustellen.
- 44:15Muss man schon feststellen, es geht um den Pendelschlag in die andere Richtung.
- 44:19Also das ist relativ klar, dass die AfD sowohl Erinnerungskultur als auch Kultur
- 44:25als solche ethno-national umdeuten möchte.
- 44:31Und dass Fördergelder, wie sie das dann beschrieben haben, an bestimmte Voraussetzungen,
- 44:37wie eine Erklärung, dass man patriotisch ist, wie immer das dann aussehen soll, geknüpft sein soll.
- 44:43Das ist ganz offensichtlich nicht eine neutrale Kulturpolitik,
- 44:46sondern Kulturpolitik in die andere Richtung.
- 44:47Ich frage mich dann halt an der Stelle, das fällt uns gerade auch immer wahnsinnig
- 44:51schwer zu differenzieren, ob wirklich
- 44:55die Analogie-halbe Gleichsetzung zum Nationalsozialismus da irgendwie,
- 45:02das passende Sprachbild ist oder ob man nicht einfach sagt, das ist eine sehr
- 45:05stark eben nationalistisch aufgeladene Kulturpolitik, die vielleicht auch ein
- 45:09Pendelschlag ist von der Kulturpolitik, die aus Sicht von vielen, die auch AfD wählen.
- 45:16Nicht pluralistisch sind und dann lande ich auch wieder an der Stelle,
- 45:19naja, solange so eine Partei sowas vertreten darf, aber dafür keine absoluten
- 45:25Mehrheit hat, muss sie darüber Kompromisse eingehen.
- 45:28Und wenn alle anderen sich darin einig sind, dass das Bauhaus irgendwie zur
- 45:31Identität Sachsen-Anhalt gehört, dann wird die AfD vielleicht auch dahingehend
- 45:36Kompromisse machen müssen.
- 45:37Und wenn sie es dann eben nicht macht, muss sie ihren Wählern irgendwie auch
- 45:39verkaufen, dass sie doch nur Altparteienbeschimpfung kann und nicht auch im
- 45:45Sinne ihrer Wähler mitgestalten kann.
- 45:47Also den Vergleich, den ich da gerade gezogen habe, der kommt nicht von mir,
- 45:50sondern der kommt von Experten und Expertinnen, die sich damit deutlich besser auskennen.
- 45:54Aber man kann in der Tat einfach in dem Jetzt bleiben. Und wenn selbst der Richard-Wagner-Verband
- 46:00irgendwie sagt, er sehe dann auch die Kunstfreiheit in Gefahr,
- 46:04dann finde ich das schon echt beeindruckend.
- 46:08Ein Satz, den die Bauhausdirektorin auch gesagt hat, ist, sie befürchtet ja,
- 46:12dass eine AfD-Regierung komplett die Atmosphäre im Land verändern würde und
- 46:17dass dann vielleicht auch viele das Land verlassen würden.
- 46:19Man sieht da ja auch immer wieder Umfragen, in denen dann Leute sagen,
- 46:22bei einer AfD-Bundesregierung, ich glaube zuletzt habe ich gelesen,
- 46:25jeder Fünfte würde dann Deutschland verlassen wollen.
- 46:28Das Zentrum für Migrationsforschung hat schon 2024, das kam zum Ergebnis,
- 46:33dass jede vierte Person mit Migrationsgeschichte hypothetisch erwägt,
- 46:36das Land zu verlassen sollte, die AfD regieren.
- 46:38Max, du hast auch eine Migrationsgeschichte. Ich sehe bei dem,
- 46:43was du so tust und bei dem, was ich schon von dir rausgehört habe,
- 46:45du bleibst und du kämpfst auch weiter.
- 46:49Also ich glaube, das Problem, was wir in den letzten Jahren gemacht haben,
- 46:52was ich auch sehr stark kritisiere, ist, dass wir vor allem die ländlichen Räume
- 46:56in Sachsen-Anhalt, aber auch aus Deutschland, aber ich kann halt nur für Sachsen-Anhalt
- 46:58sprechen, gerade, dass wir.
- 47:00Gerade da vor allem weniger geworden sind, dass die Menschen da wegziehen.
- 47:05Weil vielleicht auch der Neonazi im Ort vielleicht noch lauter und mit mehr
- 47:11Leuten auftritt als davor und die Sicherheit der eigenen Familie vielleicht
- 47:14nicht mehr garantiert ist.
- 47:15Aber natürlich auch Perspektivlosigkeit. Ich glaube, das ist eines der größten
- 47:18Probleme, was wir im letzten Raum von Sachsen-Anhalt gerade haben.
- 47:20Und ich verstehe jeden, der sagt, er zieht weg.
- 47:23Aber ich muss halt auch gleich sagen, die Konsequenz am Ende ist,
- 47:26dass wir Menschen, die gerade dort, wo halt keiner mehr ist,
- 47:30die wir eigentlich, also vor allem Neonazis und all jene der extremen Rechten,
- 47:35dass wir denen damit mehr Raum geben und mehr Platz schaffen.
- 47:38Und ich glaube gerade, und das ist das beste Beispiel, was ich mal bringen kann,
- 47:41in Halle hat die Identitärenbewegung jahrelang versucht, ein Hausprojekt zu eröffnen.
- 47:46Das hat sie aufgrund einer aktiven Zivilgesellschaft nicht geschafft.
- 47:48Also wenn vor allem irgendwelche Feste waren, kam einfach keiner hin,
- 47:52weil es genügend Gegendemonstranten gab.
- 47:54Und jetzt haben sie dieses Haus zehn Kilometer entfernt von Halle eröffnet,
- 47:58in Skopau im Saale-Kreis. Und dort fehlt diese Zivilgesellschaft.
- 48:02Die wehrt sich dagegen nicht. Viele von denen wissen das gar nicht,
- 48:04dass es dieses Haus gibt.
- 48:06Und das zeigt nochmal sehr stark, dass wir uns vor allem zu sehr an die Großstädte
- 48:09gewöhnt haben und zu sehr auf diese städtischen Begebenheiten.
- 48:12Und blickst du selbst noch hoffnungsvoll in die Zukunft?
- 48:15Ich glaube, was am Sonntag rauskommen wird, wir werden die stärkste Kraft der
- 48:19AfD nicht verhindern können.
- 48:21Wir werden auch nicht verhindern können, dass es vielleicht am Ende.
- 48:24Also was ich auch gesagt habe, wir wachen in einer neuen Welt auf.
- 48:27Das ist klar, weil wir reden hier nicht von 30 Prozent oder 34 Prozent wie in
- 48:31Thüringen, wir reden jetzt von 40 Prozent.
- 48:32Und das werden ja auch nach Umfragen vielleicht sogar mehr als diese 40 Prozent sein.
- 48:36Und danach geht ja die eigentliche Zerreißprobe los. Und das wird ein Problem
- 48:39sein, was ich bei den anderen Parteien sehe. Wir haben gestern diesen Brief
- 48:42von der CDU aus dem Harz gelesen, wo es darum geht, dass die CDU sich gar keiner
- 48:47Tolerierung der Linkspartei unterwerfen sollte und ähnlichem.
- 48:50Also irgendwie müssen ja Mehrheiten zustande kommen oder wir machen das nach
- 48:53diesem Verfahren, dass wir uns immer wechselnde Mehrheiten suchen.
- 48:56Was ich jetzt ehrlich befürworte, weil wir am Ende irgendwie auch eine gewisse
- 48:58Stabilität haben sollten, die den Menschen irgendwie Sicherheit gibt und dass
- 49:01sich Verfahren ewig lange ziehen.
- 49:04Und das ist ein Problem, was ich sehe. Ich glaube, der 6. September wird,
- 49:07wie Olaf Scholz damals nach dem Ukraine-Krieg sagte, eine Zeitenwende.
- 49:09Das werden wir dort auch erleben, weil am Ende sich natürlich auch jeder Mensch,
- 49:13der hier eben noch aktiv in der Zivilgesellschaft aktiv ist,
- 49:15sich entscheiden wird, ob er jetzt halt in diesem Bundesland weiterleben möchte oder nicht.
- 49:19Und für mich meinen Teil kann ich jetzt schon sagen, ich werde das weiterhin,
- 49:22weil ich das für eine Notwendigkeit halte, dass man gerade dann auch dort bleibt,
- 49:27wo es unbequem ist. Und wir reden ja immer davon, dass der Mainstream in Deutschland
- 49:30irgendwie linksgrün sei. Ich finde das in Sachsen-Hallied so gar nicht.
- 49:34Also wäre vielleicht auch mal schön, wenn das so wäre, wenn man sich mal bestärken könnte.
- 49:38Aber das ist sehr schwer gerade. Und genau.
- 49:42Also die Augen sind auf Sonntag auf den 6. September gerichtet.
- 49:46Noch eine Empfehlung, man kann die Wahl im ZDF verfolgen. Live ab 17.40 Uhr
- 49:51gibt es live Wahlberichterstattungen aus dem Studio Magdeburg und natürlich
- 49:55auch einen Live-Ticker auf ZDF-Heute.de.
- 49:58Die Zeit ist unglaublich schnell vorbeigegangen, oder?
- 50:01Total. Ich wollte noch was zu dieser einen, ja, mit diesen Zahlen.
- 50:04Also ich glaube, jeder kennt das auch aus dem Freundeskreis.
- 50:06Was wäre, wenn? Diese Gedankenspiele, wenn das und das passiert.
- 50:11Zahlen sind Zahlen, was dann daraus wirklich entsteht oder gemacht wird und
- 50:16wer wirklich geht, das musst du dir auch leisten können, also auch finanziell
- 50:20leisten können, einfach mal zu sagen, ich breche alles ab und gehe irgendwie woanders hin und so.
- 50:25Und ich wünschte mir auch, dass, also ich war jetzt hier viel unterwegs,
- 50:28es ist echt ein tolles Bundesland, es hat tolle Ecken, aber wir überall,
- 50:31weil du gerade gesagt hast, da im Dorf,
- 50:34da fehlt es halt auch, ich will jetzt gar nicht über den Bus und die Apotheke
- 50:37sprechen oder die Kneipe, wo man sich abends trifft, also man kann einfach auch
- 50:40viel machen und gestalten,
- 50:42und das finde ich ist auch nochmal wichtig, also jetzt gar nicht hier so einen
- 50:45Pseudo-Optimismus verstreuen, aber jeder und jeder, die hier lebt,
- 50:51kann schon auch ein bisschen was tun, mal festhalten, dass wir aus diesem Katastrophenmodus
- 50:56vielleicht mal rauskommen.
- 50:57Das ist so ein Problem, was in den letzten Wochen sich sehr etabliert hat.
- 51:00Wir reden ja wirklich in einer Warnstimmung, dass morgen die Welt gleich dreimal untergeht.
- 51:06Wir kommen raus aus dem Katastrophenmodus. Mit dem Schlusssatz gehe ich absolut mit.
- 51:12Und am Sonntag ab 17.40 Uhr ZDF gucken. So ist es.
- 51:15An der Stelle sage ich ganz herzlichen Dank an Max Schneller,
- 51:19an Professor Christian Stecker,
- 51:21An dich, Dunja, Dankeschön und auch nochmal vielen Dank an die Stiftung Bauhaus,
- 51:27Dessau, dass wir hier auf diesem ganz besonderen tollen Gelände heute hier unseren
- 51:32Podcast aufzeichnen durften.
- 51:34Vielen Dank. Danke auch fürs Zuhören an euch da draußen.
- 51:38Und wenn euch das gefallen hat, wir freuen uns immer sehr, wenn ihr uns weiterempfehlt
- 51:41oder auch ein Abo dalasst, uns einen Kommentar schickt oder eine Mail.
- 51:44Das geht auch an heute-journal-podcast.zdf.de.
- 51:48Bis nächste Woche.
- 51:56Heute Journal der Podcast wird produziert von Pool Artists.