Latest / Ausgeglaubt: ein RefLab-Podcast / Summertime-Special 2: «Was ist christlich?» (mit Thorsten Dietz)
Transcript
- 0:00Hier sind wir wieder mit unserem Sommerprogramm. Die ausgewählten Perlen aus über vier Jahren
- 0:09ausgeglaubt Geschichte werden euch da noch mal vorgeführt und heute kommt eine Folge, auch eine
- 0:16sehr frühe Folge aus dem September 2020. Das war eigentlich mitten in der Pandemie drin und da haben
- 0:26wir uns in einem Special die Frage gestellt was ist eigentlich christlich was was ist eigentlich mit
- 0:32diesem eigenartigen Adjektiv wer oder was darf es sich christlich nennen und wir haben das Gespräch
- 0:39nicht nur zu zweit geführt sondern mit einem Special Guest mit Thorsten Dietz ihm selbst und
- 0:47den haben wir gar noch nicht so lange gekannt den haben wir irgendwie ein paar Monate vor zum
- 0:50ersten mal kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen ja jetzt werdet Thorsten immer schon genau
- 0:55genau und jetzt arbeitet er quasi drei Meter von mir entfernt im nächsten Büro Raum aber damals
- 1:03das war eine der ersten Begegnungen und da ist der Thorsten bei uns vorbeigekommen und wir haben
- 1:09das ist vielleicht eine Besonderheit noch dieser Folge wer das mag der kann das auf der
- 1:14Website auch mit Video reinziehen also da haben wir noch ein Video aufgenommen deshalb ist es auch
- 1:20nicht unbedingt Studio Qualität weil wir da im großen Raum an diesem weiß noch an diesem schwarzen
- 1:26Tisch haben wir das aufgenommen hey mir sind verschiedene Dinge hängen geblieben aber was ich
- 1:31nie wieder vergessen werde ist wie schnell und eloquent Thorsten war ich bin mir wirklich
- 1:37vorgekommen wie so ein Sonderschüler der nicht sprechen kann weil Thorsten stand einfach da und
- 1:44hat lauter druckfertige Sätze formuliert ohne erst und und ich habe so gedacht ah man wie geht das
- 1:52nur ja witzig da erinnere ich mich auch dran aber ich erinnere mich auch dran dass wir ein vorgespräch
- 1:59hatten wir haben ihn gefragt du würdest du mit uns wenn du schon hier hier bist könnten wir doch mit
- 2:03dir eine Spezialfolge aufnehmen ja ja gut okay dann haben wir uns so zehn Minuten abgesprochen
- 2:08und dann haben wir uns angeguckt und gesagt ja ready wir nehmen auf was jetzt was das war es mit
- 2:14da war ja schon auch sehr erstaunt dass wir da so schnell zur Tat schreiten und er war aber dann
- 2:20natürlich parat wie ein pirat also wie Thorsten ist genau genau was ist die er inhaltlich
- 2:26hängen geblieben gibt so ein highlight wo du sagst deswegen habe ich die folge ausgewählt ja ich
- 2:31habe die noch mal angehört und fand was ich faszinierend fand ist es gibt wirklich einen
- 2:36erkenntnis fortschritt in der folge es ist wirklich so wir gehen diese frage an und dann
- 2:42schälen sich irgendwie gewisse überzeugungen heraus wir reden darüber dass irgendwie dass
- 2:48es nicht hilfreich sein kann dass christliche einfach über irgendwelche grenzen zu definieren
- 2:54und sagen das hier ist quasi die orthodoxie grenze und alles außerhalb darf nicht mehr als christlich
- 2:59gelten dass es auch problematisch ist stichwort bleistift ja das ist eine genau das ist ein
- 3:05geniales bild das torsten eingeführt hat das haben wir sehr eingeläuchtet er sagt ja ganz ohne
- 3:10grenzen geht es nicht also man kann jede gemeinschaft die irgendwie sich profilieren will oder eine
- 3:16eigene identität gewinnen will muss auch sagen können was sie nicht ist also ganz ohne geht es
- 3:23nicht aber er hat dann diese schöne bild gebraucht man sollte die grenzen mit bleistift ziehen damit
- 3:30man sie jederzeit wieder wieder anpassen kann weil man merkt es verschieben sich die man sich
- 3:36selber verändert und so weiter so knapp drei jahre später würde ich wahrscheinlich sagen ja heute
- 3:43sehe ich das mit dem bleistift als super metapher und wird sogar noch etwas weitergehen und sagen
- 3:48vielleicht ist gerade dieses grenzen ziehen mit bleistift die ich dann wieder ausradieren muss
- 3:53eigentlich die grundtätigkeit von kirche also dass man quasi immer wieder das außen beobachtet
- 4:01erweitert und verschiebt und dazu lernt und sich entwickelt das finde ich für mich mindestens
- 4:08heute ein sehr stimmiges bild ja sehr stark ja sehr stark ein bild für kirche grenzen mit
- 4:14bleistift ziehen in der bereitschaft sie auch wieder zu verändern mir ist doch in den zingekommen
- 4:20dass ich da auch erzählt habe von meinen von meinen meiner sozialisierung in der es enorm
- 4:27wichtig war dass die dinge das adjektiv christlich tragen also da ging es auch ganz viel um medien
- 4:33produkte um konsum um quasi medienkonsum es musste alles es musste wir haben christliche
- 4:39filme geguckt christliches dann bin mark oder genau man musste christliche musik das gar da gab
- 4:45so ein musikversand der hat eigentlich da gab es alles was es in der welt gab gab es auch in
- 4:50christlich und da waren dann die texte christlich und so es war alles ein bisschen getauft und dann
- 4:55war es in ordnung und ich habe ja zeitzeitweise sogar so fresh metal und death metal gehört in
- 5:01dem der quasi bibl texte gebrüllt wurden und und dann war es in ordnung weil es waren ja bibl texten
- 5:11dass da habe ich mich dann beim hören nochmal selbst ein bisschen amisiert also das ist die
- 5:16folge zu zur frage was ist christlich mit torsten dies als special guest ja lehnt euch zurück genießt
- 5:25euren ligestuhl und hört dem wunderbar eloquenten torsten du sagst es immer so schön aber es gibt
- 5:30wahrscheinlich der größere teil unserer höhrer*innen wird wahrscheinlich noch keinen urlaub haben aber
- 5:35wirklich keine ahnung aber dann tut es mir echt leid ich grüße euch eigentlich aus italiens
- 5:41mental ist schon wenn ihr das hört werde ich wahrscheinlich am mehr auf einem ligestuhl liegen
- 5:48ja ob das jetzt hilft also viel spaß ihr lieben und bleibt christlich
- 5:55aus geglaubt der podcast über das was wir nicht mehr glauben und das was uns wichtig bleibt
- 6:06hallo und herzlich willkommen zu einer spezial folge von aus geglaubt wir sind jetzt ganz am
- 6:21schluss der dritten stafel und haben uns großen fragen gewitz mit und eine große frage die immer
- 6:30wieder auftaucht wenn manu und ich uns unterhalten ist du meinst dass wir die kirche noch lange geben
- 6:36hat das irgendwie eine zukunft gut dass wir heute nicht alleine darüber streiten oder sprechen
- 6:43müssen wir haben heute nämlich einen gas der dazu nicht nur ganz viel wissen mitbringt sondern
- 6:50auch eine starke position die er erarbeitet hat in elf tesen in elf provokativen tesen ja manu
- 6:57klären uns doch mal wer sitzt heute mit am tisch wir haben heinz peter hembelmann mit in der runde
- 7:04also in der digitalen runde hallo peter herzlich willkommen hallo peter hallo jetzt bei peter ist
- 7:12ein langjähriger freund von mir und ich habe ihn als theologen und religions philosophen als
- 7:19autor von büchern zuerst kennengelernt er hat schon 60 bücher verfasst und 500 aufsätze zu einer
- 7:27großen bandbreite von themen soziologische themen theologische themen philosophische themen er hat
- 7:34als dozent in verschiedenen hochschulen gearbeitet auch in der evangelischen kirche als studienleiter
- 7:41auch als professor er ist ein untriebiger mensch jetzt in einem sehr aktiven ruhestand seit seit wie
- 7:50vielen jahren peter seit einem jahr seit einem jahr ja immer noch bist du landauf landab in
- 7:59referaten jetzt eher digital aber an verschiedenen themen dran und man kann schon sagen du hast
- 8:07dein ganzes leben in theologie und auch in kirche investiert deshalb ist es vielleicht umso
- 8:15bemerkenswerte dass du jetzt vor kurzem an die öffentlichkeit getreten bist über die theologischen
- 8:21beiträge das ist eine zeitschrift die du über jahre auch selber verantwortet hast als herausgeber
- 8:28und du hast da ein ess veröffentlicht zur fehlenden zukunft der kirche 11 provokationen die erklären
- 8:38warum kirche keine zukunft hat peter ich spiele jetzt grad schon mal dem bal zu das ist ein text du
- 8:47sagst selber am anfang das ist ein wuchtiger text es ist so quasi ein text der den du mit dem
- 8:52zwei händer verfasst hast der aufräumt mit der zukunft hoffnung der kirche man kann das ganz
- 9:02verschieden lesen aber ohne die jetzt etwas unterschieben zu wollen gebe ich dir mal das
- 9:07wort warum peter dieser text weil ich mal ein etwas anderen beitrag leisten wollte zur frage nach
- 9:16der zukunft der kirche die steffan ja am anfang aufgeworfen hat wird es kirche noch lange geben
- 9:21hat sie noch zukunft und über jahrzehnte habe ich diese kirchen theoretischen debatten verfolgt
- 9:27war auch wieder eingeladen dazu ein beitrag zu leisten und habe gedacht wir brauchen vermutlich
- 9:33jetzt einfach mal eine andere gattung an der stil denn das was wir bisher tun das ist typisch
- 9:39protestantisch auf hohem niveau vollzieht sich in differenzierung führt aber in der regel nicht
- 9:46in die tat und um es im bild zu sagen wir sehen ganz ganz viele äste bäume können wir alle
- 9:53unterscheiden aber wir sehen im grund den wald nicht mehr und das ist das das problem ich
- 9:59mach es mal an einer an einem beispiel deutlich wir versuchen die noch vorhandenen theologien
- 10:06und theologen auf die verschiedenen parochien zu verteilen das netz dünnt sich immer weiter
- 10:12aus das gelingt alles auch fantastisch administrativ sind wir gut aber die frage ob es dieses paar
- 10:18auch jahrelinnetz überhaupt noch braucht wie sinnvoll das ist ob das noch den lebensnotwendigkeiten
- 10:24der menschen entspricht die wird nicht mehr gestellt man könnte viele andere beispiel nennen
- 10:29immobilien ja wir versuchen also gerade jetzt auch in den landeskirchen in deutschland kirchen zu
- 10:36schließen und die vorhandenen bestände gerecht zu verteilen brauchen wir überhaupt kirchliche
- 10:43immobilien brauchen wir steine brauchen wir nicht ein haus der lebendigen steine wie gehen wir mit
- 10:49unseren finanzen um in knapper werdenden zeiten also die frage nach dem gesamtbild das hat mich
- 10:55sehr beschäftigt und hier mal ein etwas anderen weg zu gehen im wissen darum dass wir differenzierungen
- 11:03natürlich brauchen aber wir brauchen eben auch ergänzende gattung ich hatte so ein bisschen das
- 11:10gefühl dass du ja manu hat jetzt gesagt der den zwei händer hättest du ausgepackt ich würde
- 11:16gar nicht sagen zwei händer sondern ich glaube es kann man gut so verstehen als ein versuch jetzt
- 11:21mal wirklich ungeschön die karten auf den tisch zu legen um eine auslegeordnung zu machen und
- 11:27etwas was dich ja als ein wissenschaftler auch der stark von der lebensweltforschung herkommt
- 11:33der überlegt wie ticken menschen was brauchen menschen was treibt sie an was interessiert sie
- 11:38was was du da ganz stark gemacht hast ist ja eigentlich diese idee hey leute wir stehen
- 11:44gar nicht mehr in beziehung als kirche zu diesen menschen also ich glaube das ist die erste tese
- 11:49wo du sagst ja kirche hat keine zukunft weil sie hat ihre kommunikative anschlussfähigkeit
- 11:55verloren das ist ja noch mal was anderes als das was man oft hört dass man sagt ja werden so eine
- 12:00gute Botschaft aber wir sagen es halt nicht so richtig wir müssen das irgendwie besser sagen
- 12:05da sagst du nein leute wir haben die kommunikativ haben wir die anschlussfähigkeit verloren können
- 12:11wir die zurückgewinnen und was heißt das wenn man die anschlussfähigkeit verliert peter ja das ist
- 12:17in der tate eine der zentralen tesen ich gehe da aus von der kirchlichen miljöforschung die die
- 12:24sinus das sinus-milieu-modell zugrunde legt und da gibt es interessante untersuchungen dass kirche
- 12:31kommunikativ eine reichweite hat von zwei bis drei im katholischen bereich drei bis vier maximal vier
- 12:39milieus im protestantischen bereich und alles was jetzt fortschrittlich modern oder gar postmodern
- 12:48pluralistisch geprägt ist das versteht die kirchliche kommunikation die kirchlichen äußerung
- 12:55und so weiter überhaupt gar nicht mehr ich kann es auch noch mal anders ausdrücken wir wir haben es
- 13:01fantastisch geschafft uns in einem prä modern traditions orientierten milieu eine kultur zu
- 13:07schaffen in der menschen sich sehr sehr wohl fühlen wir haben es auch noch geschafft uns mit
- 13:13der kritischen moderne zu arrangieren da haben wir kommunikationsmöglichkeiten geschaffen aber das
- 13:19was unser gesellschaft vor allen dingen treibt was die menschen treibt die nach vorne denken die sie
- 13:25beeinflussen und gestalten nämlich das was ich gerne das postmodern pluralistische die postmodern
- 13:32pluralistische einstellung das mindset nenne da ist kirche weitgehend sprachlos man könnte es auch
- 13:40noch mal so sagen wir haben eine kontextualisierung der bodschaft prä modern und modern einigermaßen
- 13:48hinbekommen aber kirche hat weitgehend verschlafen die wahrnehmung dass es da auch noch eine völlig
- 13:57neue nicht unkristliche aber achristliche christlich nicht geprägte mentalität gibt die wir im regelfall
- 14:07prä modern wie auch modern einfach nur verurteilen weil wir meinen dass sie das sie nicht christlich
- 14:13sei und von der wir eigentlich von diesen menschen erwarten wir eigentlich nur dass sie uns dass
- 14:18sie sich auf uns einstellen mit dem riesen problem dass man eigentlich eine doppelte
- 14:23bekehrung erwartet also erst mal müssen die leute prä modern oder maximal modern werden und dann
- 14:29können sie auch noch einen zugang zum christlichen glauben finden hier sehe ich auch auf dem theologischen
- 14:35punkt gebracht die zentrale herausforderung ja aber peter wenn du jetzt sagst prä modern und modern
- 14:41da sind wir eigentlich ganz gut vertreten in den milieus dann ist doch schon mal gar nicht schlecht
- 14:45also kirche versucht auch seit 50 jahren immer wieder modern zu werden was fehlt ihr denn jetzt also
- 14:51was fehlt uns denn jetzt damit wir in der gegenwart ankommen sage ich mal so was ist der
- 14:56unterschied zwischen modern und postmodern die moderne mentalität lebt von den leitwerten der
- 15:04kritik zum beispiel und hat immer auch noch normative überzeugung und kirche auch etwa in
- 15:12ihren liberal protestantischen in ihren kirchen leitenden äußerung ist dadurch immer auch noch
- 15:18geprägt und wir nehmen nicht wahr dass es sehr sehr viele vor allen Dingen junge menschen in
- 15:25die nachwachsenden generationen gibt die mit diesem ganzen ton zum beispiel überhaupt nichts
- 15:29anfangen können also man muss nur mal gucken wie der leitwert der autentizität oder auch
- 15:37des individualismus wie der in modern und prä modern mentalitäten kritisch anläsiert wird
- 15:44und für postmoderne mentalität ist das der leitwert individuell sein persönlich sein autentisch
- 15:51sein gerade nicht in einer mehr oder weniger uniformen gemeinschaft aufgehen das beginnt mit
- 15:59so banalen dinge wie goddess diensteiten ja also ich muss versuchen alle leute auf einen leisten
- 16:06zu bringen alle müssen zur selben zeit am selben ort sein und das ganz regelmäßig als ich mit
- 16:12meinem sohn vor einiger zeit der ist sehr postmodern geprägt eher so hedonistisch ein bisschen
- 16:17darüber sprach sagt der papa das ist das ist ja nur ätzend immer dasselbe zur selben
- 16:23zeit am selben ort und der meinte einen sehr guten goddess dienst aus meiner ein bisschen prä modern
- 16:28perspektive heraus es kommt schon ästhetisch nicht an wir reden noch gar nicht über die inhalte
- 16:34du hast ja in deinen elf tesen oder provokation dann auch ein düsteres bild gemalt im blick auf
- 16:46die zukunfts aussichten des kirchlichen personals das ist eine tese gewesen die kirche bildet die
- 16:54falschen leute aus und bildet sie falsch aus und ist auch noch stolz darauf also du hast das
- 17:01glaube ich auch auf diese milieverhaftung bezogen so die die kirche kommt zieht auch ihren nachwuchs
- 17:08aus einem ganz bestimmten segment der gesellschaft deshalb hast du keine hoffnungen dass sich an
- 17:15dieser milieverengung auf in nächster zeit etwas ändert ja also grundsätzlich muss man glaube
- 17:24ich sehen dass man mit den menschen am besten kommunizieren kann die so ticken wir man selber
- 17:28und wenn unsere gesellschaft mental fragmentiert ist wenn wir mit sehr vielen unterschiedlichen
- 17:35lebenswelten zu tun haben dann müsste die eine kirche die sagt wir wollen alle erreichen
- 17:41im prinzip auch mit arbeiter aus allen milieus haben und das was wir aber auch empirisch
- 17:49nachweisbar sehen ist dass mindestens in der generation bis 55 also 50 55 plus es eine
- 17:59einen nahezu 90 prozentige prägung des farbpersonals durch ein postmaterielles milie gab mit allen
- 18:09kommunikationsschwierigkeiten die damit zusammenhängen also wenn die etwa im ländlichen bereich auf
- 18:14traditions orientierte stoßen das ist wie feuer und wasser oder wenn sie auf hedonistische
- 18:20jugendliche stoßen wir reden dann von den problemen mit dem konfomantenunterricht statt
- 18:25uns zu überlegen wie können postmateriell geprägte farren mit hedonistisch geprägten
- 18:31jugendlichen kommunizieren das geht letztendlich um ein kommunikationsproblem in dieser sache
- 18:36ja und dann stellt man halt noch ein paar jugendreferenten ein aber das ist nicht die sache zu der zum
- 18:43ausbildungsproblem gehört noch ein ein weiteres was ich kurz andeuten möchte wir ich schätze die
- 18:50fähigkeit hebräisch und griechisch im original lesen zu können alt hebräisch alt griechisch das
- 18:56sind fantastische dinge aber das ist nicht das einzige was eine kirche in unserer gesellschaft
- 19:02braucht sie braucht entrepreneure sie braucht performas sie braucht leute die aufbrechen und
- 19:08wir haben im wesentlichen eine eine prägung in unserer hauptamtlichen mannschaft die jetzt eben
- 19:15den schwerpunkt auf auf bildung legt bildung ist wichtig aber sie reicht nicht wir brauchen zusätzliche
- 19:22qualifikationen du hast in dieser analyse die von diesen lebenswelten und von der wahrnehmung
- 19:29der einzelnen menschen auch ausgeht die du dann in gruppen zusammenfasst auch festgestellt dass
- 19:35ich viele christen und christin schämen würden zur kirche zu gehören ich habe mich da etwas
- 19:41ertappt gefühlt weil ich spürte immer so zwei seelen in meiner brust also wenn es so ist dass
- 19:48ich rein intellektuell ohne empirische erfahrung quasi über kirche nachdenke dann fühle ich mich
- 19:54unheimlich verbunden mit ihr und ich liebe sie ganz heiß bis ich sie erlebe und wenn ich sie erlebe
- 20:00dann habe ich dieses scham gefühlt dass ich nur noch in fremdscham umwandeln kann und denke oh nein
- 20:06das bin ich dich damit habe ich nichts zu tun hoffentlich sieht mich da keiner würdest du sagen
- 20:11dass das gar nicht so sehr an meinem schlechten charakter liegt sondern mehr damit zu tun hat
- 20:16dass ich milieumäßig nicht abgeholt werde steffan wenn du einen schlechten charakter auf
- 20:24grund dieses ein grund ist das dann gehören wir da mindestens zusammen in eine gruppe nein
- 20:30scherz beiseite ich glaube wirklich dass dass wir hier ein feineres sensorium für die estetische
- 20:38distanz haben die die junge menschen auch junge christin und christin zur kirche besitzen und
- 20:45das lässt sich an ganz vielen dingen festmachen also es gab neulich eine befragung unter unter
- 20:51konfirmanten warum sie kirchliche gebäude scheuen und mit einem satz ausgedrückt war das ergebnis
- 21:01was ich jetzt popularisiere in kirchliche gebäude geht man nicht also da gibt es einfach eine eine
- 21:09innere distanz oder mit der miljöforschung kirchliche immobilien sind unorte genauso wie
- 21:16wir wahrscheinlich eher nicht in einer diskothek in berlin die man nur durch ein guli erreicht
- 21:23anzutreffen wären genauso wenig kämen die aller meisten jungen menschen auf die idee am
- 21:30sonntag morgen einen goddessdienst zu besuchen also das estetische ist ist ganz ganz wichtig
- 21:35dazu kommen aber auch moralische dinge die traditions verhaftung es ist einfach ein ein
- 21:41klubalter doch unbeweglicher überzeugung den man in der kirche sieht ich weiß dass man das
- 21:48differenzierter ausdrücken muss und das dritte was vor allen dingen nachdenkende jüngere
- 21:55christin und christin sehen ist dass eigentlich der moralisch ton mit dem protestanten in unserer
- 22:04kirche immer noch auftreten und anderen predigen durch die geschichte der kirche nicht abgedeckt
- 22:12ist bis in die neuere zeit hinein da kann man sich nur fremdschämmen wenn wir an die nicht nur
- 22:17die katholische kirche betreffenden missstände etwa im punktosexualmoral und sexuelle praktis
- 22:24denken und dann treten wir auf mit dem moralischen zeigefinger und meinen anderen die in diese
- 22:31gesellschaft hinein predigen zu sollen ich glaube dass kirche an dieser stelle weitgehend
- 22:36das recht verwirkt hat so aufzutreten wir brauchen eine demütige boostwertige kirche
- 22:43jetzt finde ich nachvollziehbar ich selbst habe im kontext wo ich jetzt aufgewachsen
- 22:49bin das so reformiert schweizer landeskirche habe ich da kirche jetzt nicht sehr anstößig
- 22:55erlebt ehrlich gesagt also das war jetzt eher so ja es geht eigentlich fast alles wenn du es
- 23:00verantworten kannst und fragt dich doch ob du es verantworten kannst also da ist die jetzt bei
- 23:05mir gar nicht so angeeckt was was ich jetzt eher mit dem kirchgemeindehaus verbinde ist dass es
- 23:12nicht so gut duftet und dass es etwas langweilig ist also dass es nicht so ist dass ich da was erlebe
- 23:19und nicht merke so als als typ ich erlebe wahnsinnig gern dinge und das müssen nicht die
- 23:24spektakulärsten sachen sein also es kann bei mir wirklich auch ein waltspaziergang sein und
- 23:29dann bricht das licht irgendwie schön hinein und so und das das finde ich dann schon ganz toll
- 23:33aber in der kirche habe ich immer das gefühlt dass ich so wie sinnlich abgestellt bin dass das
- 23:39da nichts passiert was was etwas mit mir macht ja auch daran stimmen wir selbstverständlich
- 23:46überein wobei wir beide wahrscheinlich ohnehin demselben milieu mehr oder weniger zuzuordnen
- 23:52sind das wäre jetzt noch mal eine ganz interessante private frage das abzugleichen aber wie viel mehr
- 23:57mag es jüngeren menschen gehen die die spezifisch erlebnisorientiert sind und diese erlebnisorientierung
- 24:06ist ja für postmaterielles bewusst dann als solches schon ein riesen mangel weil man hier
- 24:12unterstellt dass es nicht reflektiert genug menschen lassen sich zu sehr durch ihre gefühle
- 24:16leiten sie sind hedonistisch orientiert das ist ja das allerschlimmste überhaupt so dass man dem
- 24:23eigentlich nur mit in der mit in der verurteilungsweise begegnet statt zu überlegen was kommt hier an
- 24:32orientierung auf uns zu was auch das evangelium ganz neu aufschließen könnte was was könnte
- 24:39so was sein weil also ich finde es total super wie du sagst und ich würde das glaube ich selbst
- 24:46gerne erleben aber ich habe gerade keine idee wie das gehen würde also ich ich nenne mal ein ein
- 24:53beispiel noch die die schelte einer individualistischen orientierung übersieht doch völlig das in
- 25:03keiner anderen religion abgesehen vielleicht mal vom judentum der mensch so sehr als individu
- 25:10umwert geschätzt wird wie im christlichen glauben wir sind handarbeit Gottes mensch für
- 25:16mensch individuelle gedanken gott wir müssten eine wenn friedrich nitsche im spätwerk sagt
- 25:24dass individuum ist etwas absolutes dann zucken moderne theologen im regelfall zusammen und sagen
- 25:30das geht überhaupt nicht es gibt nur einen absoluten das ist gott und die logische antropologie
- 25:39einfach dadurch bereichern zu lassen dass man sagt ja aber wir sind Gottes eben wir sind eben
- 25:44bilder Gottes und es gehört zu einer welt zugewandten theologie dass wir menschen in ihrer
- 25:50individualität natürlich auch als gemeinschaftslesen aber das sagen wir so oft das muss ich jetzt
- 25:55nicht auch noch mal betonen dass wir menschen in ihrer individualität wertschätzen dass wir
- 26:00ganz anders auf die höhere auf sie zugehen das ist natürlich unglaublich mühsam aber es wäre
- 26:08wäre wichtig was das jetzt im konkreten bedeuten würde wäre etwa auch ich nenne ein beispiel
- 26:15über das wir auch geforscht haben der musikstil musik hat für menschen jüngere menschen heute
- 26:22eine nicht zu überschätzende bedeutung in ihrem leben und wenn wir uns dann einmal anschauen
- 26:30wie die normalen Gottesdienste nach wie vor gestaltet sind es gibt immer noch eine prävalenz
- 26:35der orgel musik es gibt immer noch eine prävalenz älterer musik und wenn wir in der kirche von
- 26:42moderner in deutschland von modernen lied gut sprechen dann meinen wir die tekste der 70er
- 26:4880er jahre die damals auf kirchentagen gesungen worden sind kavaillom heißt das bei uns kavaillom
- 26:54heißt das liedbuch ja gut also peter du hast ja zu diesen ganzen themenbereichen lebenswelten
- 27:03zinusmilieusen so hast du jahrelang jetzt geforscht du hast mehrere bücher verfasst dazu hast auch
- 27:10dafür gekämpft diese milieu befangenheit der kirche aufzusprengen ist jetzt dein statement die
- 27:18kirche hat keine zukunft die kirche hat den kontakt zu den menschen verloren ist das auch ein
- 27:25bisschen ein frust darüber dass diese gedanken irgendwo nicht angekommen sind oder nicht
- 27:31genügend umgesetzt werden weil die probleme sind ja doch irgendwo erkannt oder würdest du das
- 27:38bestreiten also ich du hast mehrere dinge angesprochen man kann es nicht natürlich mit
- 27:45solchen kritischen rückfragen sehr sehr einfach machen und wer das will kann dieses niveau dann
- 27:51auch erklimmen oder er kann heruntersteigen und sagen da arbeitet jemand ja nur seine
- 27:56persönlichen frustrationen auf ob man damit dann die fragestellung in der sache ernst nimmt mag
- 28:03jeder selber entscheiden natürlich gibt es bei mir biografische hintergründe aber ich kann
- 28:10mich auf der anderen seite um zu deinem zweiten punkt zu kommen über ein echo über ein anhaltendes
- 28:15echo aufgerichtliche miljöforschung und die tesen überhaupt nicht beklagen ich kann es auch
- 28:21biografisch festmachen eigentlich hatte ich vor mich schon vor mehreren jahren wieder auf dem
- 28:27bereich der religionsphilosophie und auch der naturphilosophie ganz anders zu stürzen das
- 28:32nämlich meiner hauptarbeitsgebiete und ich komme von diesem thema nicht weg weil ich anhaltend
- 28:38eingeladen werde und weil immer neue landesgirchen sich auch für diese fragestellung öffnen aber
- 28:45insgesamt gesehen herrscht doch nach wie vor ein ein exklusives mindset vor dass sich ohne es
- 28:56ohne es zu merken im grund versperrt gegenüber diese fragestell gegenüber dieser fragestellung
- 29:03weil man den weil man instinktiv spürt kirche müsste sich fundamental umgestalten wenn sie
- 29:12dieser herausforderung genügen würde das heißt die fragestellung wird sogar aufgenommen aber
- 29:18sie wird in ihrer radikalität nicht wirklich verstanden also das weit das problembewusstsein
- 29:26ist ein stückweit vorhanden würde es zu sagen aber die reformwilligkeit nicht unbedingt ja und
- 29:34das hängt eben auch mit den eingefahrenen strukturen und und denkt muss dann zu sagen
- 29:40die wir über Jahrhunderte im Grunde geprägt haben. Ich geht da überhaupt nicht auf. Auch das
- 29:47wäre eine Unterstellung, ich wäre hier resigniert oder so etwas. Ich habe sehr deutlich gemacht,
- 29:53dass ich ja nach wie vor an diesen Dingen arbeite. Aber dieser Aufsatz ist jetzt kein
- 30:00Urteil in einem logischen Sinne, dass man sagt, welche hat keine Zukunft, sondern ist eher der
- 30:07Versuch eines Weckrufes noch einmal anders deutlich zu machen, die Qualität der Reformbereitschaft
- 30:14reicht noch nicht, wenn diese Institution eine Zukunft haben will in einer spezifisch veränderten
- 30:22Gestalt. Peter, das ist ja eigentlich so ein bisschen ein Double-Bind, wenn man so will. Oder
- 30:29auf der einen Seite diagnostizierst du, die Kirche ist veränderungsunfähig. Sie ist ein
- 30:35geschlossener System, das sich nicht wirklich bewegt. Das ist quasi die eine Gefahr, die wir
- 30:41haben als Pol. Und dann den anderen Pol haben wir aber auch. Das sagst du, dass sie ihre Zukunftsfähigkeit
- 30:48verspielt, indem sie die Ressourcen für deren Reflexion aufbraucht. Also eigentlich einerseits
- 30:54eine Kirche, die ihre Anpassung an die Umwelt nicht schafft, das nicht kapiert, das nicht
- 31:00auflösen kann. Und auf der anderen Seite eine Kirche, die sich ständig um sich selbst dreht,
- 31:05weil sie mit der Reflexion dessen beschäftigt ist, dass ihr das nicht gelingt. Was wäre die
- 31:10befreiende Tat? Oder gibt so was vielleicht noch gar nicht? Müssen wir einfach mal schweigen und
- 31:15das aushalten? Also vielen Dank Stefan, das wäre jetzt genau mein erster Impuls, dass man anders
- 31:21als mein Kollege Michael Herbst nicht versucht, durch ein literarischem Befreiung schlagte sich
- 31:26von diesem Provokation mal erst wieder zu befreien, sondern einfach mal aushalten. Ich hatte einen
- 31:32Kollegen, der im zweiten Anlauf sagte, ich bin durch deine Thesen einfach durchgegangen. Ich
- 31:40habe sie auf mich wirken lassen und ich habe nicht versucht, man kann ja alles kritisieren,
- 31:45man kann auch sehr leicht diese ganzen Überlegungen infrage stellen. Der Witz oder das, was ich gerne
- 31:51wollte, war, dass man sich das einfach mal gefallen lässt, sich so infrage stellen zu lassen. Also
- 31:58von daher diesen letzten Impuls von dir wollte ich noch mal ausdrücklich unterstreichen. Ein Beispiel
- 32:03für die, du hast von Doublebind gesprochen. Ich erlebe in Süddeutschen Landeskirchen, wo ich
- 32:11intensiv Projekte berate, wie wir statt in die Reform von Kirchen reinzugehen und da gibt es ganz
- 32:19viele Leute, die das wollen. Im Wesentlichen beschäftigt sind mit vor allen Dingen zwei Fragen. Ich
- 32:27kann das auch verstehen, aber diese Fragen verbrauchen alle Ressourcen, nahezu alle Ressourcen,
- 32:34die wir haben. Das eine ist die Frage, wie gehen wir mit unseren Immobilien um, dieser relativ gesehen
- 32:40viel zu hohen Anzahl von Gemeindenhäusern und Kirchen und die zweite Frage ist, wie gehen wir mit
- 32:47den immer knapper werdenden, immer geringer werdenden Zahl von Fahrstellen um und hier entbrennt
- 32:54vor Ort auch das für mich nachvollziehbar im Grunde ein Verteidungskampf ohne Ende und sämtliche
- 33:01kirchlichen Gremien bis auf die Basis heruntergebrochen, ist auf Jahre damit beschäftigt und in dem
- 33:09Moment, wo der eine Fahrplan abgearbeitet ist, kommt schon wieder der nächste. Und da wäre dann mein
- 33:14Rat zum Beispiel erstens zu sagen, mach doch mal Fahrpläne, die auch 20, 30 Jahre halten und die
- 33:22nicht dazu führen, dass nach 10 Jahren genau die Nummer zwei oder die Nummer drei dann eigentlich
- 33:29dran ist. Oder noch mal Radikaler, am Beispiel der Immobilien, ich werde einen Aussatz veröffentlichen,
- 33:34wo ich das auch sehr deutlich sage, die niederländische reformierte Kirche macht es uns vor. Die haben
- 33:41so wenig Geld, dass sie eigentlich überhaupt Immobilien gar nicht mehr unterhalten können,
- 33:45das ist nämlich der Witz, das wissen nur sehr wenige Leute, der Ankauf in Immobilien ist ja gar nicht
- 33:50so teuer relativ gesehen, sondern der Unterhalt selber, vor allen Dingen wenn es dann ältere
- 33:56Immobilien sind. Die reformierte Kirche hat keine Immobilien mehr, sie mietet Immobilien an. Das
- 34:02gibt nun zum Beispiel eine ungeheure Flexibilität, wenn man einen neuen Schwerpunkt der Arbeit irgendwo
- 34:07hat, kann man sich dann hier im Grunde neu engagieren, man kann etwas mieten oder wenn man merkt,
- 34:14ein Schwerpunkt verschwindet, dann kann man eben auch ein Mietverhältnis wieder auflösen. Also das
- 34:19wäre jetzt mal ein konkreter Punkt, aber ich bin sehr gespannt, was passieren wird, wenn ich so etwas
- 34:25auf breiter Ebene dann vorschlage. Es gibt ja von Eric Flöcke dieses Büchlein, das er,
- 34:32ich weiß gar nicht mehr, das war anderthalb Jahre oder so, es ist glaube ich her, weil er gesagt hat,
- 34:36hey irgendwie diese 3% verhauen eigentlich unsere ganze Kohle und werden da bespaßt in diesen
- 34:45teuren Gebäuden mit Veranstaltungen, die eigentlich kaum besucht werden, jetzt abgesehen aber von
- 34:51diesen 3%. Jetzt gibt es ja aber auch und ich finde auch mit einem irgendwo auch nachvollziehbar so
- 34:59die andere Tendenz, die sagt naja aber das sind die Leute, die wir noch haben, die kommen noch,
- 35:03also die finden das ja auch schön, sich da in die Kirche zu setzen und wenn wir jetzt die noch
- 35:08aufgeben, diese Kirchen, die quasi ja unsere Leuchttürme sind im Dorf und in der Stadt,
- 35:12dann gute Nacht, dann kann der Letzte das Licht löschen. Ja und genau mit weil wir dieser
- 35:20Logik gefolgt sind, stehen wir heute da, wo wir stehen. Also auch da ein kurzer jetzt notwendiger
- 35:26Weise holzschlötartiger Beitrag der kirchliche Milieufforschung, dass groh der Gottesdienstbesucher
- 35:33kommt aus zwei bis drei Milieus, vor allen Dingen die Traditionsorientierten machen das groh der
- 35:40Gottesdienstbesucher aus. Das ist aber gleichzeitig das Milieu, das dramatisch schrumpft. Vor vor zehn
- 35:47Jahren war es noch der stärkste Milieun unserer Gesellschaft mit über 20% und wir die Voraussagen
- 35:55kündigen an, dass wir in etwa fünf Jahren bei vier oder fünf Prozent der Bevölkerung liegen.
- 36:00Also mit anderen Worten, wer sich, wer dieser Logik folgt und das ist ja auch ein artikulationsstarkes
- 36:08Milieu, dass sich eben dagegen wehrt, dass Gottesdienstzeiten verändert werden, dass
- 36:13Liturgien verändert werden und so weiter, der verurteilt Kirche wirklich zum Untergang. Also
- 36:21wenn man jetzt schon quantitativ redet, muss man sagen, ja in der Vergangenheit ist das eine
- 36:28Gruppierung gewesen, eine Lebenswelt gewesen, die kirchliches Leben sehr stark getragen hat,
- 36:35aber wir werden uns auf Dauer, wenn wir wirklich Volkskirche sein wollen, nicht darauf konzentrieren
- 36:42dürfen, sondern wir brauchen dann auch Beipässe. Jetzt du gehst ja in deinen Thesen noch einen
- 36:49Schritt weiter, du machst ja deutlich, es gibt nicht nur ein Kommunikationsproblem, es gibt nicht
- 36:56nur eine Milieuverengung, es gibt auch ein Problem, das viel tiefer geht, nämlich an die Substanz
- 37:02oder an die Identität der Kirche selber. Also die Kirche, sagst du, hat ihre Identität ein Stück
- 37:09weit verloren, sie hat ihren Unique Selling Point verloren, sie weiß nicht mehr, wer sie ist,
- 37:15sie schämt sich sogar für das, was sie ist oder sein sollte. Peter, was sollte Kirche denn sein
- 37:25und inwiefern ist sie das nicht mehr? Ja, das ist in der Tat wahrscheinlich der Kernschaden. Ich
- 37:35nehme mal Begriffe auf von Wolfgang Huber oder Michael Welke, also führenden Kirchentheoretikern,
- 37:41die auch von der Selbstbagatellisierung oder Selbstbanalisierung von Kirche sprechen, die dann
- 37:49eintritt, wenn wir im Grunde Anliegen vertreten, die andere in dieser Gesellschaft, gesellschaftliche
- 37:58Eliten postmaterieller Prägung ohnehin vertreten. Ich weiß, dass das jetzt ein bisschen heiß und
- 38:04warm wird, also ich bin für Gleichberechtigung und die Gender Thematik ist für mich ein Hauptarbeitsgebiet,
- 38:12ich bin gegen Diskriminierung und so weiter und so weiter, ich bin für, dass wir dafür,
- 38:18dass für die Frage der sozialen Gerechtigkeit die Armutsproblematik viel stärker,
- 38:23gesamtgesellschaftlich artikulieren. Aber wenn Kirche ihr Propreum darin sieht,
- 38:29dann ist die Reaktion von Gebildeten wie Nichtgebildeten, das hören wir doch an allen
- 38:35Orten auf schon und wir hören es, pardon, vielfach reflektierter und differenzierter und kundiger.
- 38:42Und wenn Kirche also ihr Propreum darin findet, Anliegen zu unterstreichen, die woanders auch
- 38:50vertreten werden, ich könnte jetzt auch für den traditionellen Bereich reden, wenn Kirche der
- 38:55Raum ist, wo man Geselligkeit findet, ja, Menschen, Kinder, also da gehe ich doch vielleicht lieber
- 39:00in irgendein Verein oder in einen Club, wo ich dann wirklich auf Menschen treffe, die so ticken
- 39:05wie ich, dann verlieren wir die Existenzberechtigung von Kirche, das ist zunächst mal zum Stichwort
- 39:12Unique Selling Point und den müssen wir neu definieren. Ich habe es im Ausdach so formuliert,
- 39:18Kirche hat eigentlich es theologisch über sehr lange Zeit geschafft, nicht immer so,
- 39:24dass wir das heute noch unterstreichen würden, die Lebensnotwendigkeit von Kirche zu begründen,
- 39:33deutlich zu machen, hier geht es um etwas, was nur wir haben und was nur über uns läuft. Und ich
- 39:43denke, um da auch noch einen Hut drauf zu setzen, das ist im Grunde die Botschaft von der Menschenfreundlichkeit
- 39:52Gottes in Jesus Christus, die man natürlich dann in verschiedener Weise ausziehen kann,
- 39:58dass der lebendige Gott, mit dem wir rechnen, ein Interesse an seiner gefallenen Schöpfung hat.
- 40:06Und das ist etwas, was bis hin zur Corona-Krise heute im Grunde Statements erlauben würde,
- 40:14die sehr konkret sind und die von keiner anderen gesellschaftlichen Gruppe in dieser
- 40:18Weise vertreten werden. Jetzt, wenn du das sagst, dann gibt es natürlich eine ganze Reihe von Christen,
- 40:25vielleicht auch gerade Christen in Erwecklichen oder konservativen Gemeinden, die dann mit Freude
- 40:33mitgehen und sagen, ja wohl, wir müssen zurück zum Evangelium und möglicherweise gerade verfehlen,
- 40:40was dir da auf dem Herzen ist, weil es ja nicht nur um einen Rückgang zu einer Botschaft geht,
- 40:47die man früher mal hatte oder zu haben glaubte, sondern um eine Neuentdeckung dessen,
- 40:55was wir eigentlich als Kirche zu sagen haben. Hab ich die da richtig verstanden?
- 41:00Ja, durchaus. Man muss immer gucken, dass man nicht den Beifall von der falschen Seite bekommt
- 41:08und darauf weißt du ein Stück weit hin, dass das, was eine kommunikationsfähige Kirche,
- 41:15eine anschlussfähige Kirche an Zumutung bereithält, erstreckt sich durchaus auch auf den Bereich,
- 41:22den wir eher konservativ benennen und das zeigt sich dann auch. Also ich will das nur wegen
- 41:28des Andeuten, wir sind eben auch in der Formulierung unseres Glaubens, auch in der Organisation
- 41:37unseres Kirche Seins durch ein Ordnungsdenken bestimmt, dass ich so nicht in der Heiligen
- 41:46Schrift finde, sondern dass ganz wesentlich ein griechisch-römischen Hintergrund hat,
- 41:53auch geistesgeschichtlich. Ich weiß nicht, wie weit wir da jetzt ins Detail gehen wollen. Also ich
- 41:59kann es wegen des Kilosophisch noch mal kurz andeuten, unser, die traditionellen Formulierung
- 42:03unseres köstlichen Glaubens sind im Wesentlichen durch die griechische Metaphysik bis hin zu
- 42:10Aristoteles Metaphysik Buch 7 geprägt. Ich merke das immer dann, wenn ich eine klassische herkömmliche
- 42:20Gestalt von Allmacht und Allwissenheit Gottes im Horizont der Theodizee problematisiere,
- 42:29was wir Widerstände da auf einzukommen. Also was wir brauchen ist tatsächlich auch
- 42:36theologisch ein fundamentales Umdenken nicht weg von der Heiligen Schrift, sondern im Sinne
- 42:43einer Neuentdeckung von Aussagen, die wir über sehr, sehr lange Zeit im Westen,
- 42:49in den westlichen Kirchen unterdrückt haben. Peter, jetzt wo wir so bei den theologischen
- 42:56vielleicht Kernthemen sind. Ich möchte auch noch mal bei dem Punkt Einhängen, den Manu jetzt
- 43:02genannt hat. Ich habe noch gut Thorsten Dietz im Ohr, der beim Podcast "Das Wort und das Fleisch"
- 43:08in dieser vollminanten Schlussfolge hat der ein Beispiel gebracht. Der hat gesagt, ich finde
- 43:14das super, dass es C-Watch 4 gibt und politisch unterstütze ich das total. Die Kirche darf
- 43:20nur nicht den Fehler machen, zu denken, dass sie dadurch Mitglieder begeistert oder gewinnt.
- 43:24Weil Joko und Klaas machen das auch, aber die begeistern quasi ihre Community dadurch,
- 43:31dass sie witzig sind und ein Spektakel bieten. Mir hat das total eingeläuchtet, weil ich finde
- 43:37immer so, wenn die Kirche was macht, was ich politisch auch teile, dann finde ich es okay,
- 43:41aber begeistern tut es mich nicht. Irgendwie habe ich doch diese Erwartung, dass die Kirche
- 43:47ein Ort ist, wo mein Glaube wächst, gestärkt wird, irgendwie auch noch mal reflektiert wird. Aber
- 43:55ich meine das jetzt gar nicht nur so bildungsmäßig, also nicht in einem rein religionsphilosophischen
- 44:01Sinn oder so. Und trotzdem, wenn ich jetzt so versuche, etwas holzschnittartig mir die letzten
- 44:08200 Jahre zu vergegenwärtigen, habe ich das Gefühl, unsere Diskussion jetzt steht eigentlich noch mal
- 44:14an einem ganz ähnlichen Punkt, wie wir schon mal waren beim Übergang vom 18. ins 19. Jahrhundert.
- 44:19Also wir spüren irgendwie, es braucht etwas, das nicht mehr preskriptiv funktioniert, also
- 44:26kann es den Leuten nicht mehr vorschreiben, wie echte Religion geht. Wir müssen etwas haben
- 44:31mit einer Erlebnendimension. Wir brauchen aber auch ein Zentrum, das wir wirklich mit diesem
- 44:36Jesus Christus füllen und wir müssen das an, das zur Sprache bringen, als wir uns das bis jetzt
- 44:42gewohnt sind. Aber ehrlich gesagt, ich habe da kein Land in Sicht. Also ich sehe nicht, wie das so
- 44:52laufen kann, dass es Menschen begeistert und mitreißt, sondern ich sehe das immer nur über
- 44:59Umwege. Also zum Beispiel, weil wir von Gott geliebt sind, sollen wir Menschen aus dem Mittelmeer
- 45:07retten. Weil Gott uns nach seinem Bild geschaffen hat, dürfen wir uns nicht diskriminieren. Es wird
- 45:13irgendwie immer politisch, moralisch, aber dieses Faszinierende, das Geborgenheit ausdrücken kann,
- 45:20das Schönheit hat, das finde ich nicht mehr. Das fehlt mir. Das kann ich nur untersteigen. Und
- 45:28du hast auf Thorsten Dietz rekoriert und das Beispiel mit der Sea-Walt-Spiele, das hatte ich
- 45:33ja genau versucht auch zu sagen mit dem Verlust des Unix-Selling-Points. Oder man könnte auch von
- 45:39Civil Religion sprechen. Also das sind im Grunde wichtige Sachen, aber warum soll ich dafür eigentlich
- 45:44Kirche in Anspruch nehmen? Und ich bin auch ganz bei dir, bei den Markierungen, die du getroffen
- 45:52hast. Wir können den Leuten Religion nicht vorschreiben. Ja, das wäre schon einmal sehr,
- 45:57sehr gut, wenn wir das akzeptieren würden. Im Glauben geht es um Erlebnis und im Zentrum
- 46:02muss Jesus Christus stehen. Wie kriegen wir das hin? Das geht natürlich jetzt deutlich hinaus
- 46:10über eine Kritik an der gegenwärtigen Gestalt von Kirchentum, die wir erleben. Mein Grundsatz wäre
- 46:18vielleicht auch sehr stark biografisch geprägt. Es geht überhaupt nicht darum, dass wir eine
- 46:23gesellschaftliche Funktion wahrnehmen. Sehr provokativ formuliert. Bart sagte vor 100 Jahren etwa,
- 46:31der Faradäne, der es den Leuten recht macht. Das war sein kritischer Punkt. Es geht nicht um
- 46:38gesellschaftsrelevanz. Es geht darum, dass wir unser Leben vor Gott verantworten. Es geht auch
- 46:43nicht darum, dass wir die Menschen bespaßen. Das ist ja etwa auch im erfangenlikalen Raum tatsächlich
- 46:50so ein Konzept, der geistlicher als Entertainer. Ich muss gerne in den Gottesdienst kommen. Das ist
- 46:56doch im Grunde auch umbuchend. Warum soll ich denn gerne in den Gottesdienst? Ich tue doch den ganzen
- 47:05Tag Dinge, die ich gerne tue. Warum soll ich denn gerne in den Gottesdienst gehen? Ich muss in den
- 47:10Gottesdienst gehen. Ich muss Christsein, weil ich das anders nicht kann. Und hier geht es um die
- 47:16zentrale Frage, was bedeutet es eigentlich Christ zu sein? Und aus meiner Sicht, aber das ist
- 47:22jetzt eine sehr persönliche Antwort, aber insofern auch entsprechend postmodern, geht es darum, dass
- 47:28wir unser Leben mit allen seinen Bezügen, von der Partnerschaft, von den Problemen, die ich habe,
- 47:37mit den Menschen um mich herum, in meiner Familie, unter den Kollegen bis hin zu meiner Schwäche,
- 47:43bis hin zu der Tatsache, dass ich ständig merke, dass ich den eigenen Ansprüchen nicht gereicht
- 47:48werde. Also die Existenz mit allen ihren Dimensionen in die Gottesbeziehung hineinnehmen und von daher
- 47:55umgestalten, dass er. Dann habe ich ein Erlebnis-Element, das ich mir stärker überhaupt nicht
- 48:01vorstellen kann. Also ich würde persönlich sagen, mein Leben ist so unglaublich spannend,
- 48:07mehr halte ich gar nicht aus. Es ist an sich schon reich an Herausforderungen, aber dadurch,
- 48:12dass ich versuche, diese Dinge von Gott her zu leben, bekomme ich eine nicht überbietbare
- 48:19Erlebnisqualität. Und die Mitte der Fokus ist damit auch da, dass ich versuche, Bonneau
- 48:27hätte jetzt von Nachfolge gesprochen, aber das ist natürlich auch schon ein sehr alter Begriff,
- 48:31aber dass ich versuche, meinen Glauben aus dieser Mitte herauszugestalten und dann bekomme
- 48:37ich Bedürfnisse. Dann fange ich auch an, mich mit anderen Christen auszutauschen und zu fragen,
- 48:42wie löst du eigentlich dieses Problem? Wie gehst du mit der Theodizee-Frage um? Was machst
- 48:47du, wenn du merkst, du bist schuldig geworden? Und das sind die Fragen, wenn wir die von
- 48:53der Mitte des Christlichen Glaubens her angehen, dann werden wir wirklich relevant, weil wir
- 48:58dann etwas leisten, was niemand anders in dieser Gesellschaft leistet.
- 49:03Oder bin ich ganz bei dir? Ich selbst bin jetzt froh, dass du gesagt hast, wir müssen irgendwie
- 49:10wegkommen von dieser Funktionslogik, also uns zu fragen, was erleichtert der Glaube
- 49:15oder was erleichtert Kirche? Weil ich erlebe so, dass mir mein Glaube sehr oft eigentlich
- 49:22eher ein Strich durch die Rechnung macht. Also gerade als jemand, der eigentlich eine
- 49:27Affinität hat, auch zu postmodernem Denken und darin wirklich auch zu einem Relativismus,
- 49:34also Dinge vor allem in Beziehungen auch zu denken und auszudrücken, merke ich schon,
- 49:39dass es für mich einfacher wäre, wenn ich mich jetzt frage, oh, was soll ich jetzt in
- 49:43dieser Situation tun, das auf eine Entscheidung runterzubrechen, wo ich denke, oh, wie würde
- 49:49ich mich jetzt fühlen, wenn ich das tue oder wenn ich das tue? Das ist für mich einfacher,
- 49:54dass mir zu denken und wie würde es jetzt ausschauen aus einer Perspektive eines Gottes,
- 49:59der den anderen gleich lieb hat wie mich und jetzt ohne das zu moralisieren, sondern
- 50:03wirklich als Empfindung, als Gefühlsempfindung, das so zu denken.
- 50:08Stefan, die Beispiele hätte ich selber nennen können jetzt. Das ist für mich ein Schlüssel
- 50:14in meinem, in dem Versuch, mit anderen umzugehen, dass ich denke, also ich muss doch davon
- 50:19ausgehen, dass Gott diesen anderen Menschen, denen ich vielleicht sogar vorab steuere,
- 50:24also wo ich nur die Ekelschranken hochziehe, denen ich überhaupt nicht verstehe, dass
- 50:28der den genauso lieb für mich. Was ist das für eine, für eine Bombe, für mein eigenes
- 50:36Selbstverständnis, für mein eigenes Handeln? Was ergibt sich daraus an Potenzial auch
- 50:41an Veränderung? Und ich bin ganz bei dir die Frage, was er leichter den Glauben instrumentalisiert.
- 50:49Ja, im Grunde Fräumigkeit schon wieder. instrumentalisiert die Gottesbeziehung. Und als evangelische sind
- 50:55wir eigentlich angetreten, solcher Instrumentalisierung zu wehren. Darum kann es ja gerade nicht gehen,
- 51:01dass wir Gott zum Instrument eines erfüllten Lebens machen. Ich mache eher die Erfahrung,
- 51:07dass da, wo ich versuche, wir können es ja nur versuchen, Gott einen Einspruchsrecht,
- 51:13einen Mitspracherecht in unserem Leben zu geben, dass da das Leben sehr, sehr viel komplizierter
- 51:19und schwieriger wird. Aber daraus ergibt sich dann die ja erwartete Erlebnisdimension.
- 51:25Peter, vielen Dank für die, ich bin froh darüber, dass wir jetzt so auch inhaltlich,
- 51:31substanziell, auch theologisch nochmal tiefer gegraben haben und du da nachgelegt hast.
- 51:37Ich finde das super spannend und anregend. Und das ist ja auch ein bisschen, also jetzt ist ja schon
- 51:44für mich ein Stück, doch ein Stück Hoffnung oder Zukunftsmöglichkeit aufgeblitzt,
- 51:51auch für Kirche, weil deine, deine Thesen kommen natürlich schon so in dieser Wucht und in dieser
- 51:59apodiktischen Art als ein sehr düsterer Text daher. Man könnte fast sagen, du bist so,
- 52:08du bist so ein bisschen der Matrose auf der Titanic, der sagt, der, der Eisfelsen, der
- 52:16Eisberg kommt und es ist zu spät, das Schiff noch zu kehren. Aber man könnte vielleicht noch ein
- 52:23paar Rettungsboote abseilen und ich möchte dir vielleicht die letzte, als letzte Frage stellen,
- 52:29so wo siehst du Möglichkeiten für Rettungsboote oder kannst du vielleicht einfach in aller Kürze
- 52:36so einen doch noch sagen, wo, wo für dich ein, ein, ein, ein noch unentdecktes Potenzial für
- 52:47Zukunft schlummert. Also zunächst noch einmal eine Unterscheidung, die mir auch in dem Aufsatz
- 52:54selber sehr, sehr wichtig ist. Wir müssen unterscheiden zwischen Kirche und Kirchentümer.
- 52:58Kirchentümer haben keine Ewigkeitsgarantie, haben keine Bestandsgarantie, aber eine Kirche,
- 53:05die sich neu besinnt auf diese Mitte, die sie nicht selbst ist und die sie nicht selbst hat.
- 53:14Eine solche Kirche gewinnt Bedeutung für Menschen automatisch, das geht gar nicht anders. Sie
- 53:21fällt auf, die hat ihren USB und sie wird sich auch umgestalten. Man könnte es jetzt auch wieder
- 53:29mit traditionellen Vokabeln sagen, ich denke, dass wir der, der Frage der Fräumigkeit, der Pietas,
- 53:37der Spiritualität, der Christus-Spiritualität, nicht irgendeiner Spiritualität, der Christus-
- 53:43Spiritualität, neu Raum geben müssen. Und deshalb ja auch dieser Versuch, diese Thesen so zu schreiben,
- 53:50ein Freund von mir sagte, du, das ist aber eigentlich eher eine Gerichtsansage. Damit ist,
- 53:55glaube ich, etwas getroffen. Es geht mir darum, dass wir innehalten, das hat Stefan eben ja auch
- 54:01formuliert, und dass wir, dass wir neu überlegen und dass wir dann in einem zweiten Schritt auch,
- 54:07auch darauf hören, was will eigentlich der Herr der Kirche? Und vertrauen wir darauf, dass er uns
- 54:14in diesen Prozess der Umgestaltung hinein nimmt. Das wird ein sehr, sehr langer Prozess sein. Aber
- 54:20mehr kann man überhaupt nicht fordern und verlangen und anregen, als du sagen, lasst das Allotria
- 54:30und konzentriert euch neu, setzt die Prioritäten neu und gibt diesen dieser Christus-Wirkigkeit neu
- 54:38Raum. Das hat dann Konsequenzen, etwa im Hinblick auf die Milieusensibilität. Das hat Konsequenzen,
- 54:45weil es mir auf einmal zu einem anliegen wird. Was ist denn mit den vielen jungen Menschen oder
- 54:50mit den vielen Menschen, die ganz anders geprägt sind und denen ich mit meiner Prägung im Wege stehe?
- 54:57Sie können das Evangelium von Jesus Christus nicht hören, weil sie Christentum identifizieren mit
- 55:03einer überkommenen kulturellen Gestalt. Das darf mich nicht schlafen lassen. Und da bin ich dann
- 55:11absolut gefordert, um zu überlegen, das ist im Grunde die alte missionsteologische Aufgabe der
- 55:16Kontextualisierung. Wie kann ich denn das Evangelium so leben und ihm auch lebensmäßig ein solch
- 55:22Gestalt geben, dass andere Menschen entdecken, wow, das ist relevant für mich. Also das wäre jetzt mal
- 55:28ein Punkt. Ich werde eine ganze Reihe von Vorschlägen dann auch konkreter Natur vorlegen, aber die Mitte
- 55:36ist hoffentlich markiert. Peter, ich habe gerade ein Bild. Ich habe mir überlegt,
- 55:42als Manu das gefragt hat, man könnte ja sich zwei Rollen denken auf der Titanic, oder? Das eine ist,
- 55:48du verfrachtest die Leute in die Rettungsbote und schickst sie raus. Das andere ist, man spielt
- 55:55noch die schöne Schlussmusik mit der Kapelle, bis es wirklich ganz untergeht und wir alle im Wasser
- 56:00stehen. Ich habe jetzt bei deinem Statement so eine dritte Variante rausgehört. Es könnte auch sein,
- 56:06dass du noch ganz knapp vor dem Eisberg stehst. Weißt, das Schiff wird in den Eisberg hineinfahren
- 56:12und es wird sinken, aber du rennst dann quasi zum Captain und sagst, hey, wenn wir jetzt die Rettungsbote
- 56:19rauslassen, dann kriegen wir sie alle irgendwie noch weg. Aber das würde dann eben heißen,
- 56:25dass verschiedene Leute verschiedene Boote brauchen und der große Dampfer nicht mehr funktioniert.
- 56:29Sehr gerne einverstanden mit diesem Bild. Da fühle ich mich gut verstanden. Wunderbar,
- 56:34dann. Das finde ich schön und dann dürfen wir noch ein bisschen Hoffnung mitnehmen, dass wir vor dem
- 56:41Eisberg noch in die Rettungsbote kommen. Nicht danach. Wichtig und nicht die Existenz dieses Schiffes
- 56:48ist ja doch das Entscheidende, sondern dass Menschen gerettet werden wie auch immer. Entweder
- 56:53kriegen wir die Kurve vorher noch, da müsste man dann das Drehbuch umschreiben oder eben wir gehen
- 56:58in die Boote oder es kommen Hubschrauber. Was auch immer da passieren mag, aber entscheidend ist,
- 57:05dass wir bereit sind, uns umgestalten zu lassen. Peter, ich habe noch nie so gerne in einem
- 57:10theologischen Gespräch den Satz gehört, dass Menschen gerettet werden wie jetzt gerade. Ich
- 57:16bin denen seiner Topfedeutigkeit wunderschön. Ich danke dir für diese Offenheit, auch für
- 57:21dieses persönliche Engagement, was jetzt wirklich sehr erlebbar war auch für mich. Weil wenn man
- 57:27einfach deinen Text liest oder auch deine Analysen in der Milie Studie, die rausgekommen ist mit
- 57:34BodoFlight, dann nimmt man dich sehr analysierend, auch mit einer gewissen Distanz war. Und es hat
- 57:39mir jetzt richtig gut getan, so den Mensch dahinter zu spüren und auch deine Verbundenheit, die
- 57:44du hast mit der Sache. Ich danke dir ganz herzlich für die Zeit, die du dir genommen hast. Wir werden
- 57:50deinen Text natürlich verlinken in den Shownote. Wir werden ihn aber auch auf der Webpage verlinken
- 57:55und wir freuen uns, wenn die Diskussion da weitergeht und entsichert, dass du ein streitender und
- 58:02streitbarer, aber eigentlich ein sehr loyaler und tiefsverbundener Typ bleiben wirst, der hoffentlich
- 58:10alle Rettungsbote ins Wasser kriegt, bevor wir im Eisberg sind. Wie war Stefan? Es hat mir Freude
- 58:17gemacht, mit euch beiden zu reden und auch die Verbundenheit im Anliegen zu spüren. Am Schluss
- 58:24eine Korrektur. Ich bin nicht der, der die Leute in die Rettungsbote bekommt. Aber sonst ganz
- 58:30sein ich. Vielen Dank, Peter, für das Gespräch. Vielen Dank, Peter. Und wir sind gespannt, was
- 58:39ihr dazu meint, aber ihr könnt uns das entweder zum Text dazu schreiben, wenn ihr wollt. Ihr könnt
- 58:44aber auch direkt den Podcast kommentieren und wie immer könnt ihr uns E-Mails schicken, zum
- 58:49Beispiel an manuel.schmed@reflab.ch oder an stefan.jütte@reflab.ch. Und wenn ihr was schreibt,
- 58:57dass Peter mitkriegen soll, dann werden wir das selbstverständlich weiterleiten. Habt
- 59:02eine gute Woche und wir hören uns schon bald mit Staffel 4. Tschüss!
- 59:08Reflab.
- 59:12Reflab.
- 59:15[Musik]