Latest / Augstein & Blome / Ist die CDU dem Untergang geweiht?
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- 0:23Lieber Kollege Augstein, herzlich willkommen zu diesem, unseren Podcast.
- 0:26Wir zeichnen auf am Mittwochmittag und soeben klingelte es die Eilmeldung rauf und runter.
- 0:33Die Bundesregierung hat die Pflegeform nun doch ins Kabinett gebracht,
- 0:37das heißt sie hat sie im Kabinett beschlossen.
- 0:40Jetzt geht sie in den Deutschen Bundestag und so weiter und so fort.
- 0:43Das war nicht immer klar und die Art und Weise, warum das die letzten Tage sich
- 0:47so zugespitzt hat in einem Streit zwischen SPD und CDU, CSU,
- 0:53Die zeigten eine Menge über den Zustand dieser Bundesregierung,
- 0:56die nämlich die beiden Parteien, die Koalitionsparteien, so total unterschiedliche
- 1:01Schlussfolgerungen aus,
- 1:03den Wahlergebnissen in Berlin und in Mecklenburg-Vorpommern gezogen haben.
- 1:09Hallo, lieber Kollege Blume. Ich lausche Ihren Ausführungen,
- 1:15ich hänge an Ihren Lippen.
- 1:18Welche unterschiedlichen Lehren haben die denn aus diesen Wahlergebnissen gezogen?
- 1:24Bitte, Herr Blume. Danke, lieber Kollege Augstein.
- 1:28Wir spielen jetzt so ein bisschen auch, Sie befragen mich und ich bin sehr,
- 1:31sehr klug und Sie sind sehr, sehr neugierig. Ist das okay so?
- 1:34Nein, das machen wir überhaupt nicht, sondern in diesem einen Fall wollte ich
- 1:37jetzt einfach nur, dass Sie weiter sprechen über das Thema, von dem Sie offenkundig
- 1:40mehr verstehen als ich und für das Sie sich vermutlich auch mehr interessieren als ich.
- 1:44Denn ich fürchte, dass auch der Erfolg dieser Pflegereform oder ging es um die
- 1:50Rente, ich habe es schon vergessen, oder die Verkehrspolitik oder Digitalisierung
- 1:53oder es ging um die Pflege, nicht das Schicksal dieser Bundesregierung drehen wird.
- 1:58Aber fangen Sie erstmal an mit der unterschiedlichen... Naja,
- 2:00sagen wir mal so, das Schicksal der Bundesregierung wäre einen weiteren entschlossenen
- 2:03Schritt in Richtung Abpunkt gegangen, wenn man das jetzt nicht hingekriegt hätte,
- 2:08diese letztlich prestigeträchtige, aber eben als Etappe auch wichtige.
- 2:13Moment im Kabinett herzustellen, nämlich dazu beschließen, dass man ein Defizit
- 2:17von irgendwo 8 bis 10 Milliarden Euro im kommenden Jahr in der Pflegekasse schließt.
- 2:23Mit Ausgabensenkungen, Kürzungen, aber auch Einnahmeverbesserungen,
- 2:29Beitragserhöhungen und drittens wahrscheinlich eben auch mit einem staatlichen
- 2:33Darlehen. Und daran sehen Sie, dass der Kompromiss ein bisschen wackelig und
- 2:35faul ist, aber immerhin man hat jetzt was zusammengebracht.
- 2:38Gut und die SPD und die CDU haben, wie Sie eben gesagt haben,
- 2:41unterschiedliche Lehren aus den Wahlergebnissen der letzten Wochen gezogen.
- 2:45Und ich vermute mal ganz kurz. Ich sage noch schnell welche.
- 2:46Entschuldigung, sie hat mich ja nach den Lehren gefragt.
- 2:48Und die SPD hat in den letzten Tagen. Ich komme überhaupt nicht zu Wort heute.
- 2:52Das ist so, wenn man Fragen stellt und Antworten bekommt und dann mitschreiben
- 2:56soll. Also Stifte raus, Diktat, Kollege Augstein.
- 2:59Hat in den letzten Tagen die SPD dann doch also sehr grundsätzliche Fragen, etwas überraschend.
- 3:05Auf den Tisch gelegt zu dieser Pflegereform, zum Beispiel soll man die private
- 3:09Pflegekasse abschaffen und eine Bürgerversicherung
- 3:13im Bereich der Pflege herstellen, so wie das genannt wird.
- 3:16Sehr grundsätzlich, geradezu strukturelle Frage und die CDU verwies dann darauf,
- 3:21ja liebe Kollegen, strukturelle Fragen, hochinteressant wollten wir aber jetzt
- 3:24nicht lösen, dafür haben wir eine Strukturkommission einberufen,
- 3:27die bis zum Jahresende Vorschläge grundsätzlicher Natur machen will.
- 3:32Und darum hat die CDU nie verstanden, warum die SPD das jetzt aufmacht und der
- 3:35einzige Ratschluss war, die glauben, Mecklenburg-Vorpommern,
- 3:40der Sieg von Manuela Schwesig, nicht der Sieg, der Erfolg.
- 3:44Führt sie auf einen Gerechtigkeitspfad, weniger Reformen, weniger das davon,
- 3:51was als Kürzungen wahrgenommen wird und mehr klassische linke Wirtschafts- und Sozialpolitik.
- 3:59Naja, das nennen sie klassische linke Wirtschafts- und Sozialpolitik.
- 4:03Ich finde, dass auch die SPD in dem schwachen Versuch eine Kurskorrektur vorzunehmen
- 4:11nach diesen katastrophalen Wahlergebnissen schon wieder zu kurz springt.
- 4:14Natürlich wäre eine solidarische Bürger-Sozialversicherung, die Pflege,
- 4:20Krankheit und Rente miteinander kombiniert, ein tolles Projekt,
- 4:26ein Projekt der Erneuerung von Solidarität, von Solidargemeinschaft,
- 4:31vielleicht auch ein Projekt von Erneuerung von...
- 4:34Demokratie und Mitte in diesem Land, aber dafür hat die SPD ja nicht mal die
- 4:37Kraft, das zu fordern, geschweige denn hätte die CDU Lust, das zu machen.
- 4:42Das heißt, man murkelt und wurstelt weiter vor sich hin in der sogenannten Mitte,
- 4:48die irgendwie immer leerer wird.
- 4:50Darüber werden wir heute vielleicht ein bisschen reden, über diesen Begriff
- 4:54der Mitte und wie er sich verändert. Denn früher war es ja so,
- 4:57dass sich alles in der Mitte gedrängt hat. In der Mitte gewinnt man Wahlen, hieß es früher.
- 5:02Oder heute hat mich das Gefühl, dass man in der Mitte Wahlen verliert,
- 5:06weil in der Mitte ein Loch klafft in diesem Land und daran sind beide großen Volksparteien schuld.
- 5:11Ich will das jetzt keineswegs nur der CDU aufhalten. Also, okay,
- 5:15Herr Augstein, über die Frage, ob man in der Mitte Wahlen verliert oder gewinnt,
- 5:19werden wir gleich noch reden.
- 5:20Mein Eindruck, kleiner Spoiler, ist, in dem Maße, wie die AfD,
- 5:25zumindest in Sachsen-Anhalt, in die Mitte vorgedrungen ist, hat sie diese Wahl auch gewonnen.
- 5:31Insofern hat sie eben genau das getan, was immer richtig ist.
- 5:35Man gewinnt Wahlen in der Mitte oder man bleibt eine randständige Partei,
- 5:39die dann 20, vielleicht auch ein bisschen mehr Prozent machen kann,
- 5:41aber eben niemals über die 30 oder gar über die 40 kommt.
- 5:45Aber vielleicht noch eine Sekunde bleiben bei den Schlussfolgerungen.
- 5:48Also der Bundeskanzler hat ja ganz klar gesagt, wir machen das jetzt einfach
- 5:53weiter, wir ziehen das jetzt durch und in dem Sinne war es eben so wichtig.
- 5:58Mit der Pflegereform, zumindest mit dieser Defizitschließung ins Kabinett zu
- 6:03kommen, um zu zeigen, der Takt bleibt hoch, wir ziehen das durch, wir machen das jetzt.
- 6:08Und die SPD sieht es grundsätzlich anders und wollte jetzt schon Strukturfragen
- 6:13klären, die man eigentlich erst später klären wollte
- 6:16und ob die Bürgerversicherung, also alle Zahlen in einen Topf ein und es gibt
- 6:20keine Differenzierung mehr zwischen privat und gesetzlicher Versicherung, ob das so clever ist.
- 6:25Ich glaube, es ist nicht so clever, es ist wahrscheinlich auch nicht verfassungsfest,
- 6:29einfach in deren Kasse reinzulangen, also in die Kasse der Privat-Sich-Versichernden.
- 6:35Aber das wird man ja sehen im Laufe der Zeit. Trotzdem...
- 6:39Hat man an dieser Phase jetzt, wie wohl sie glücklich im Kabinett geendet hat
- 6:43erst einmal, gesehen, wie weit diese beiden Lager eben doch auseinander sind.
- 6:48Und das zeigt auch, wie breit die Mitte in Wahrheit ist, wie unterschiedlich
- 6:52man es sehen kann, die Dinge weltanschaulich betrachten kann,
- 6:56obwohl man SPD wie CDU, CSU zur sogenannten Mitte gehören.
- 7:01Vielleicht sind die gar nicht so mittig, vielleicht haben die eben doch totale
- 7:05Unterschiede Und dann wäre es auch vollkommen schnurz, was die AfD zur Pflegeversicherung
- 7:10denkt, weil sie eh keinen Plan hat. Die weiß noch nicht mehr mal, dass sie existiert.
- 7:14Blobe, was Sie gerade machen, das nennt man auf Französisch,
- 7:17glaube ich, Haare in vier Teile schneiden.
- 7:21Was soll das denn jetzt? Sie sagen jetzt, ich habe gerade gesagt,
- 7:23die Mitte ist leer, es gibt sie nicht.
- 7:25Früher hat man gesagt, da werden Wahlen gewonnen, heute werden Wahlen verloren.
- 7:28Jetzt sagen sie, nein, die Mitte, die ist viel breiter und es braucht gar keine Extreme.
- 7:33Ich glaube, das ist mir jetzt hier ein zu wirrer Begriffssalat.
- 7:37Lassen wir uns mal zu den Fakten zurückkommen. Die Fakten sind,
- 7:39dass die Volkspartei SPD ist schon im Arsch und die Volkspartei CDU ist gerade
- 7:43auf dem Weg, den gleichen Weg zu gehen.
- 7:45Und ob die jetzt diese Reform hinkriegen oder nicht, ich finde es gut,
- 7:49dass sie das machen. Ich halte die Reform für falsch und wie gesagt für zu wenig.
- 7:52Aber es ist doch schön, wenn die Regierung noch funktioniert und Gesetze machen
- 7:54kann und so, dann läuft der Laden wenigstens.
- 7:56Nur, da werden Sie mir doch jetzt auch zugeben, in Wahrheit ändert das schon gar nichts mehr.
- 8:01Die Stimmung im Land ist miserabel, die Stimmung in der CDU ist miserabel und
- 8:06die Stimmung in der Öffentlichkeit über die CDU ist miserabel und niemand kann
- 8:12sich vorstellen, dass das mit der bestehenden Truppe noch gedreht wird.
- 8:16Und das Einzige, der Deus Ex Machina, der praktisch Münchhausen-mäßig das Land
- 8:22am eigenen Zopf aus dem Sumpf ziehen könnte, wäre das Wirtschaftswachstum.
- 8:26Das heißt, alle sitzen jetzt da, beißen die Zähne zusammen oder die Arschbacken,
- 8:31je nachdem, und warten aufs Wirtschaftswachstum.
- 8:33Und wenn das nicht kommt, dann ist diese Bundesregierung im Eimer,
- 8:38vollkommen egal, ob sie jetzt noch gute oder schlechte Reformpakete durchbringt. Verstehen Sie das?
- 8:45Ja, ich verstehe, was Sie sagen wollen. Ich glaube nur, diese Reformen sind,
- 8:51zentrale Bedingungen für Wachstum.
- 8:54Von der Bürokratie, dem Bürokratieabbau bis hin zum in den Griff bekommen eines,
- 9:00in den letzten Jahren eben stark ausgeuferten Sozialstaats,
- 9:04der halt den Faktor Arbeit und die Unternehmen über Gebühr belastet.
- 9:10Zumindest könnte man sie da entlasten, wenn man sie von Energiepreisen vielleicht
- 9:13nicht so gut entlasten kann, aus diversen Gründen, die unter anderem in Moskau
- 9:18und in Washington zu suchen sind. Das heißt...
- 9:23Sie müssen in diesem Reformtakt kommen, um auch nur die Hoffnung zu haben,
- 9:27dass das Wachstum anhebt, was es im Moment gerade tut.
- 9:31Also das Wirtschaftswachstum Deutschlands ist ja deutlich in der Prognose hochgesetzt
- 9:35worden und liegt jetzt über dem EU-Durchschnitt, immerhin.
- 9:38Ich weiß nicht, ob wir, das Land, Sie und ich und vor allen Dingen der Bundeskanzler
- 9:45so viel Zeit haben, wie Sie da jetzt implizieren mit Ihren Worten.
- 9:50Denn selbst wenn diese Reformen wirken, werden sie nicht so schnell wirken,
- 9:53dass Merz es bis dahin schafft.
- 9:55Das ist ja das Problem. Wenn Sie jetzt mal zurückgehen an den Punkt, wo er Kanzler wurde.
- 10:00Er wurde Kanzler auf einer Welle der Unzufriedenheit mit der alten Ampelregierung,
- 10:04an die man sich kaum noch erinnert, obwohl das noch gar nicht so lange her ist.
- 10:07Das ist ja irgendwie auch ein ganz merkwürdiger Prozess der politischen Wahrnehmung
- 10:12bei uns allen. Das ist ganz kurz her und trotzdem haben alle das im Prinzip schon vergessen.
- 10:17Also er wurde auf einer Welle der Unzufriedenheit Kanzler getrieben von der
- 10:23Kraft seiner eigenen großen Versprechungen.
- 10:27Und er hat vom ersten Tag an seine Versprechungen nicht gehalten,
- 10:31vielleicht auch nicht halten können, aber er hatte sie halt gemacht.
- 10:34Und hat dann ein Erwartungsmanagement, auch ein Wort aus seinem Wortschatz.
- 10:39Benutzt, um sozusagen uns alle bei der Stange zu halten, um die Öffentlichkeit
- 10:43bei der Stange zu halten. So jetzt der nächste Sommer wird der Sommer der Zufriedenheit,
- 10:47der Herbst wird der Herbst der Entscheidung.
- 10:49Und dann geht es immer so weiter und dann kommt das Frühjahr des ich weiß nicht was und so.
- 10:52Und jetzt sind wir schon wieder im nächsten Herbst und es geht immer nur weiter
- 10:55runter und die AfD ist nicht halbiert, sondern verdoppelt.
- 10:59Also worauf ich hinaus will ist, und das sage ich gar nicht,
- 11:01weil ich was gegen den Mann habe oder weil ich das mir wünsche,
- 11:04weil ich die Zerstörung will und die Disruption wie so manch freidrehender,
- 11:10Pseudo-Rechtsintellektueller in diesem Land, sondern weil ich es einfach nüchtern beobachte.
- 11:14Ich glaube, dass die...
- 11:19Der Strömungsabriss ist bereits erfolgt und diese Regierung und dieser Kanzler
- 11:23sind jetzt in einem Sinkflug, der sich nicht mehr aufhalten lässt,
- 11:26auch nicht durch noch so viele Pflegereformen, lieber Kollege Blome.
- 11:31Und ich meine, vielleicht sollten wir darüber jetzt mal reden,
- 11:34über das Ende der politischen Mitte.
- 11:36Augstein, Strömungsabriss, schönes Bild. Danach geht man übrigens nicht in den
- 11:40Singflug über, sondern man stürzt ab.
- 11:43Das leert die Fluggründe. Aber das Bild ist ja gut.
- 11:47Also gibt es in der Mitte überhaupt noch Dinge, die fliegen.
- 11:55Weil die Mitte sie trägt, die Menschen noch genügende sind, die in der Mitte
- 11:59wählen wollen und eben nicht nach links außen ins Extreme oder nach rechts außen
- 12:04bis sogar ins Rechtsextreme gehen wollen.
- 12:08Und ich glaube daran, dass es doch diese Leute gibt, die inzwischen vielleicht
- 12:12was anderes wählen, aber die man, sagen wir mal so, mit dem,
- 12:18was halt Regierungshandwerk heißt, schon noch gewinnen kann.
- 12:23Weil doch jetzt in Sachsen-Anhalt vor allen Dingen, für die AfD und wahrscheinlich
- 12:29womöglich in Berlin für die Linkspartei, für die Linke, sichtbar werden wird,
- 12:36dass man die zwar wählen kann, aber man kriegt halt hinterher keine Regierung.
- 12:38Und wenn man eine Regierung kriegt, dann keine regierungsfähige.
- 12:41Und wenn man eine regierungsfähige Regierung bekommen würde,
- 12:44bekäme man plötzlich Politik, die man eigentlich gar nicht haben will.
- 12:47Und das heißt doch in dem Maße, wie zumindest die Mitte der CDU-Kanzler,
- 12:54die SPD-Koalitionspartner weiter einfach ihr Ding machen in Ruhe,
- 13:00Aber wenn Sie das könnten und täten,
- 13:02glaube ich, können Sie die Mitte weiter ausfüllen und weiter attraktiv halten.
- 13:09Das Problem ist doch, dass die, also wir kommen gleich auch im weiteren Verlauf
- 13:13unserer kleinen Sendung auf die Dokumentation des ZDF inside CDU zu sprechen, die übrigens ein,
- 13:19bisschen zu lang geraten ist, wenn ich das leicht kritisch ansagen darf,
- 13:22aber es lohnt sich trotzdem hin und wieder mal so rein zu gucken.
- 13:25Da gibt es eine Szene vom Wahlkampf der CDU in Mecklenburg-Vorpommern,
- 13:29wo traurige, versprengte CDU-Wahlkämpfer in diesem zunehmend blau werdenden
- 13:35Land oder wo eben blau und rot gegeneinander standen und schwarz eine schlechte,
- 13:41Position hatte, rumlaufen, um Fischbrötchen zu verteilen mit dem Slogan,
- 13:48warum verteilen wir Fischbrötchen, weil das Beste in der Mitte ist.
- 13:52Okay, das ist so mecklumburgischer Humor. Nein, nein, stopp.
- 13:55Das ist einfach totaler Schwachsinn.
- 13:57Wer so eine Kampagne macht, fliegt zu Recht aus dem Landtag.
- 14:01Finden Sie, mögen Sie keine Fischbrötchen? Ich komme auch von der Küste und von der Wartaghand.
- 14:05Wissen Sie ja. In der Ex sieht ein Jung mit dem Tüdelband in der anderen Hand.
- 14:09Es will er nicht. Er mag es nicht, wenn ich singe. Entschuldigung.
- 14:12Richtig. Bauchstein, das haben Sie seit 15 Jahren sehr, sehr,
- 14:15sehr gut erkannt. Entschuldigung.
- 14:17Ich mag es nicht, wenn Sie singen. Ich mag ganz viele Sachen nicht,
- 14:19aber wenn Sie singen... Fischbrötchen.
- 14:22Sie können doch nicht im Ernst als bürgerliche Partei, die ernst genommen werden
- 14:26möchte, weil sie ja möchte ja auch gewählt werden, die auch Regierungsverantwortung
- 14:29in diesem Land getragen hat, mit einem Fischbrötchen Wahlkampf machen und sich
- 14:33dann wundern, dass die Leute sie nicht wählen. Jetzt finde den Fehler in diesem Satz.
- 14:37Komisch, die haben mich gar nicht gewählt. Ich verstehe überhaupt nicht,
- 14:40wir hatten doch ein Fischbrötchen. Es ging mir um was anderes.
- 14:43Bei den Fischbrötchen, ich wollte, mein Witz war besser. Stopp,
- 14:46es geht darum, dass die Mitte sich natürlich auch selber so lächerlich machen
- 14:49kann, dass sie einfach verschwindet.
- 14:51Aber mein Witz war noch, ich wollte das gar nicht als Witz nehmen,
- 14:54sondern tatsächlich als aussagekräftige Metapher, denn die CDU,
- 14:58im Wahlkampf bietet den Leuten in Mecklenburg-Vorpommern wenigstens ein Fischbrötchen
- 15:02an, wo in der Mitte tatsächlich was Leckeres ist, wenn man das denn mag,
- 15:06so ein Bismarck-Hering oder so. Mochte ich früher übrigens ganz gerne,
- 15:09habe ich häufiger gegessen.
- 15:10Jetzt schon lange nicht mehr gibt es in Berlin. Kaum gut zu kaufen, egal.
- 15:14Die Politik tut das aber nicht. Das ist doch genau das Problem.
- 15:17Deshalb auch nochmal hier die Pflegereform, die Rentenreform.
- 15:21Wir versuchen ein überkommendes Sozialstaatsmodell irgendwie zu retten
- 15:27in eine Zeit, in der das offenkundig nicht mehr funktioniert,
- 15:30aus vielen verschiedenen Gründen, wegen der Demografie, wegen der Veränderung
- 15:33der Arbeitsgesellschaft, auch wegen der Veränderung der Einkommensquellen von
- 15:36Leuten, der Einkommensverteilung, der Vermögensverteilung und so weiter und so weiter
- 15:41und das Erstaunliche ist, dass weder die CDU noch die SPD in der Lage sind.
- 15:46Die Form von Disruption umzusetzen, die notwendig wäre, um diesen Sozialstaat
- 15:51zu retten. Das heißt, man muss ihn total verändern, um ihn zu retten und das können die beide nicht.
- 15:56Deshalb habe ich ja eben gesagt, was man natürlich bräuchte,
- 15:58wäre eine große allgemeine steuerfinanzierte Sicherungssystem,
- 16:04was die Last vom Faktor Arbeit wegnimmt, komplett wegnimmt.
- 16:08Wir machen das aber nicht, sondern in Wahrheit ist das immer noch das Problem,
- 16:11dass bei uns der Faktor Arbeit übermäßig belastet wird.
- 16:14Und das ist ein Fehler, der ist im System drin.
- 16:17Und die SPD hat auch nicht die Kraft, das zu ändern, die CDU auch nicht.
- 16:20Und deshalb kommen ja eben die anderen Parteien mit ihren Disruptionsvorstellungen,
- 16:24weil ich glaube, und das ist jetzt echt eine These, können Sie sich jetzt mal
- 16:26was dazu sagen, ich glaube, die Menschen im Land merken, dass wir Fundamentale,
- 16:32nicht Reformen, sondern Erneuerungen brauchen.
- 16:34Keine Reform, sondern Erneuerungen. Das ist was anderes, das ist eine andere Idee.
- 16:37Und diese beiden Mitte-Parteien haben dazu nicht die Kraft. Augstein,
- 16:42jetzt mal ein bisschen die Emotionen runtergenommen, jetzt nicht so aufwallend
- 16:46sein, weil sie gehen, in beiden übrigens, linksextrem wie rechtsextrem,
- 16:51gleichermaßen auf die Leimrute.
- 16:53Was die Disruption nennen, das Gefühl, wir können das da oben alles wegsprengen
- 16:58und dann wird es alles besser, passt überhaupt nicht zu ihren Vorschlägen,
- 17:01zumindest nicht, was die AfD anlangt.
- 17:04Die macht vielleicht disruptiven Kulturkampf, aber Sozialstaatsmodell bzw.
- 17:10Rentenpolitik oder Pflege, wenn sie überhaupt ein Angebot haben,
- 17:13ist total kontinuierlich, ist total, wenn man so will, links, sehr sozial.
- 17:18Die wollen einfach alle Sozialleistungen verdoppeln und noch ein paar neue erfinden.
- 17:22Das heißt, da kommt gar keine Disruption, da kommt auch gar keine Erneuerung,
- 17:25da kommen noch nicht einmal Reformen.
- 17:28Und die Frage ist wirklich, müssen wir den Sozialstaat erst einmal komplett in die Luft sprengen?
- 17:34Ich glaube, nein. Richtig ist, den Sozialstaat würde man so,
- 17:38wie er jetzt ist, nicht noch einmal bauen.
- 17:41Aber die Frage, wenn man von null anfangen könnte heute, kann man aber nicht.
- 17:45Darum stellt sich nur die Frage, was können wir maßgeblich daran ändern?
- 17:49Und das ist ja auch schon in der Vergangenheit geglückt. Also von Rente mit
- 17:5367, einer sehr großen Rentenreform, Verlängerung der Lebensarbeitszeit,
- 17:57bis hin zu Hartz IV und dann meinetwegen am Ende Bürgergeld immer wieder Arbeitsmarktreformen,
- 18:03manchmal in die richtige, oftmals in die falsche Richtung.
- 18:06Die haben das Leben von zig Millionen Leuten massiv verändert und auch plötzlich
- 18:12eine Trimmung hergestellt im Sozialstaat, das ja finanzierbar war.
- 18:16Und das muss es halt jetzt nochmal geben. Ich glaube, es wird große Reformen
- 18:19brauchen, aber sie müssen das Ding nicht in die Luft sprengen.
- 18:23Das können sie auch gar nicht, aber sie müssen es eben auch gar nicht.
- 18:26Sie können es reformieren, so wie die Mitte immer.
- 18:29Die Mitte Parteien von SPD, links außen, bis CDU, CSU, rechts außen,
- 18:35das war ja das damalige Spektrum, es immer, immer gemacht hat und immer,
- 18:40immer auch hingekriegt hat.
- 18:41Ich verstehe ihren Pessimismus nicht und diese Neigung, die Sie gerade eben
- 18:45ja noch gegeißelt haben.
- 18:47Jetzt muss es aber mal so richtig knallen. Warum denn? Blume,
- 18:50vielleicht reden wir aneinander vorbei. Ich versuche es nochmal.
- 18:53Eines der zentralen Felder...
- 18:56Wo die Leute, die das Vertrauen in die Politik verlieren, ist die Zukunft des Sozialstaats.
- 19:02Diese Regierung versucht mit Flickwerk, Reformchen, daran herumzufisseln und
- 19:10sieht nicht, und ich glaube, das ist inzwischen eigentlich offensichtlich,
- 19:13dass das so nicht funktionieren kann, weil man in die Prinzipien sozusagen.
- 19:18Auf denen der Sozialstaat aufbaut, daran möchte man nicht rühren.
- 19:21Und das ist vor allen Dingen die Arbeit. Ich weiß, auch über Steuern wird viel
- 19:25finanziert und so, aber im Wesentlichen funktioniert das ganze System darüber,
- 19:29dass Arbeit belastet wird auf der Seite der Arbeitnehmer und auf der Seite der Arbeitgeber.
- 19:34Und das ist das falsche Prinzip. Wenn ich sage Erneuerung, ich bin nicht so
- 19:38doof, ich will nicht die Form von Disruption, die die Linken wollen oder manche
- 19:42Verrückten im Springer Verlag oder so. Offensichtlich will ich das nicht.
- 19:45Ich glaube aber, dass dieser Sozialstaat von Grund auf erneuert werden müsste
- 19:49und die Parteien haben dazu nicht die Kraft.
- 19:51Sie haben deshalb nicht die Kraft, weil in der SPD fehlt es glaube ich an Zukunftsvisionen
- 19:56und in der CDU fehlt es überhaupt an dem Gefühl dafür, dass da eine Gerechtigkeitslücke
- 20:01sich aufreißt in diesem Land, die ja inzwischen sogar die CDU Wähler nervt.
- 20:04Ich meine, Merz hat ja neulich so eine Art Ahnung davon gegeben,
- 20:07dass es auch bei ihm angekommen ist, das Thema Gerechtigkeit.
- 20:10Ist ja lustig, wenn so ein Kanzler dieses Wort plötzlich in den Mund nimmt.
- 20:13Aber sorry, too little, too late.
- 20:16Deshalb nochmal, diese Mitte-Politik hätte die Chance, das Land zu retten und
- 20:21zu drehen und auch zu retten vor den Extremisten von rechts,
- 20:25aber sie nutzt diese Chance halt nicht. Und das finde ich so tragisch.
- 20:29Darauf können wir uns vielleicht einigen, dass es spitz auf Knopf steht,
- 20:32ob diese Koalition, wenn man sie dann Mitte nennt, es hinkriegt, das Land zu retten.
- 20:42Da schwanke ich von Tag zu Tag, gebe ich zu. Im Moment habe ich das Gefühl,
- 20:44doch, das könnte Ihnen gelingen.
- 20:47Bei allen Schwierigkeiten gibt es ja einen ersten Hinweis, deutlichen Hinweis
- 20:52darauf, dass das Wachstum anzieht. Also alle Institute haben ihre Prognosen
- 20:56schlichtweg verdoppelt für das Jahr.
- 20:59Schlichtweg verdoppelt in der Mitte des Jahres. Als hätten sie nichts kommen sehen.
- 21:05Und das könnte dann auch manches Problem beim Haushalt lösen,
- 21:09zum Beispiel, um nochmal praktisch zu werden, auch ein ganz großes Problem für
- 21:13diese Koalition. Wo sparen wir, was sind unsere Prioritäten,
- 21:16wie sehr machen wir neue Schulden.
- 21:19Das werden die alles durchdeklinieren müssen bis in den November hinein,
- 21:21wenn sie diesen Haushalt beschließen müssen. Da könnte ihnen aber zu Hilfe kommen.
- 21:24Verstärktes Wachstum bedeutet ja auch immer mehr Steuereinnahmen,
- 21:27vielleicht schließt sich das Loch dann irgendwann in Teilen, sogar von selber.
- 21:31Also die Mitte hat alles in der Hand. Sie kann das lösen.
- 21:36Es ist nur die Frage, und jetzt kommen wir an den Anfang zurück,
- 21:40haben die noch die Kraft, beziehungsweise haben sie noch eine deckungsgleiche
- 21:45Schlussfolgerung aus den vergangenen Wahlen, wo ja nur so ein paar hunderttausend
- 21:49Leute abgestimmt haben.
- 21:50Also alles, was Manuela Schwesig im Rücken hat, sind, glaube ich,
- 21:54350.000 bis 360.000 SPD-Wähler, die in Mecklenburg-Vorpommern für sie gestimmt
- 22:00haben. Naja, so ist es. Moment, Moment.
- 22:04Und daraus wollen wir dann ableiten, wie für 84 Millionen Bundesbürger das Land zu führen sei?
- 22:11Woraus wollen Sie es denn sonst ableiten? Ich verstehe Sie nicht.
- 22:14Stimmungen sind halt diffus.
- 22:16Stimmungen lassen sich nicht richtig messen und auch nicht objektiv quantifizieren.
- 22:21Stimmungen lassen sich aber aufnehmen und ehrlich gesagt ist dann interessanterweise
- 22:26auch an den Stimmungen, wenn sie einmal als solche erkannt worden sind,
- 22:30nicht mehr zu zweifeln und sie sind eben auch schwer zu drehen.
- 22:33Deshalb jetzt zum Thema Inside CDU, diese Dokumentation des ZDF,
- 22:39die ich ein bisschen bizarr finde. Ich gebe zu, die läuft schon ganz lange.
- 22:43Ich habe aber jetzt erst mitgekriegt, dass es sie überhaupt gibt.
- 22:45Das ist vielleicht auch mein Problem, weil ich jetzt nicht immer die Mediathek
- 22:48so täglich so durchpflüge. So, was gibt es Neues in der Mediathek des ZDF?
- 22:52Mache ich gar nicht. Sollte ich vielleicht machen. Also viel,
- 22:55zweite Staffel der Serie Inside CDU, da habe ich auch gedacht,
- 23:00Moment, zweite Staffel, vielleicht zweite Folge.
- 23:02Nein, es ist die zweite Staffel, das ist praktisch wie bei den Sopranos oder
- 23:06Modern Family oder so. Also eine vielstaffeligere Reihe über die CDU.
- 23:11Entschuldigung, Sie merken, ich finde es auch ein bisschen lustig,
- 23:13weil auf die Idee wäre ich zum Beispiel nicht gekommen, das zu machen oder in Auftrag zu geben.
- 23:17Aber à la Bonheur, nur wenn sie sich das angucken, dann denkt man vor allen
- 23:22Dingen, als CDU wäre ich auch nicht auf die Idee gekommen, da mitzumachen.
- 23:28Und deshalb ist das eigentlich meine allergrößte Frage.
- 23:32Warum um alles in der Welt haben die sich das angetan? Ganz großes Fragezeichen.
- 23:39Dazu muss man ein bisschen mehr beschreiben, was diese Serie ja transportiert
- 23:42aus Inside CDU und das ist natürlich zu einem erheblichen Anteil,
- 23:48auch das miefige, biedere, spießige an der bürgerlichen Partei namens CDU.
- 23:55Also wenn Sie sich die Bilder anschauen, wo dann im Foyer des Konrad-Adenauer-Haus,
- 24:00und das ist ein sechsstöckiges,
- 24:01hohes Atrium, also ein wirklich, wirklich sehr hoher Raum, dann da so eine Art
- 24:06Rentner-Disco, also Mitarbeiter-Disco veranstaltet wird und der Disc-Jockey
- 24:10ist hart an der Pensionsgrenze und für Disc-Jockeys würde ich sagen,
- 24:14ist er ungefähr 40 Jahre über der Pensionsgrenze.
- 24:18Das heißt übrigens gar nicht mehr Disc Jockey, aber okay, also er sieht halt
- 24:20aus wie ein Disc Jockey aus den 70er Jahren, der halt immer noch macht und zwar
- 24:23mit den selben Liedern, dann hat das was, beinahe was zum Fremdschämen.
- 24:28Und mir geht es ja darum, und wir wollten ja nicht über die CDU,
- 24:31wenn man so will, über diese Folge und beziehungsweise die Serie reden,
- 24:36sondern über die CDU. Also kann man in diesem Zustand das Land noch führen?
- 24:41Kann man das Land zum Aufbruch bringen, wenn man zumindest in diesen Bildern
- 24:47so vollständig verschnarcht rüberkommt oder eben so komplett aus der Zeit gefallen?
- 24:52Ja, ich will sie da nicht unterbrechen, tu es aber trotzdem.
- 24:54Aus der Zeit gefallen ist ja das richtige Stichwort.
- 24:58Wenn Sie sich mehrere Folgen davon angucken, von der Serie, dann bekommt man
- 25:01schon ein ganz gutes Gefühl, wie diese Partei funktioniert, wie sie aufgestellt
- 25:06ist. Das Biedere übrigens finde ich gar nicht so ein Problem.
- 25:09Ich meine, ich glaube die meisten Menschen sind Bieder.
- 25:11Das ist übrigens die Definition dieses Wortes.
- 25:14Das ist irgendwie so die Mitte, der Durchschnitt der Leute ist halt Bieter, das meint man damit.
- 25:17Und das war die CDU immer, ist ja ganz offensichtlich keine Partei der jungen
- 25:21Revolutionäre. Ich glaube, so war das auch nicht gedacht, die christlich-demokratische Union.
- 25:25Das ist also nicht das Problem. Das Problem ist eher, dass man den Eindruck
- 25:28hat beim Gucken dieser Serie, dass die Partei den Kontakt zu den Leuten so verloren hat.
- 25:34Dass es so schwer fällt, den Wahlkämpfern ins Gespräch zu kommen mit den Leuten auf der Straße.
- 25:40Dass ihnen so viel Unmut entgegenschlägt, Verachtung, Desinteresse,
- 25:45Misstrauen und so weiter.
- 25:47Und ich könnte mir vorstellen, dass das bei CDU-Wahlkämpfern nicht immer so
- 25:51war. Ich kann mir vorstellen, dass die Grünen das oft erlebt haben,
- 25:55in manchen Landesteilen sicherlich auch die Linken.
- 25:59Aber die CDU als so Fremdkörper behandelt zu sehen, in so einer bürgerlichen,
- 26:08Einkaufsstraße, ja, irgendwo, das fand ich schon krass als Beobachtung, ehrlich gesagt.
- 26:14Ah, Augstein, ich weiß nicht, ob es das ist, ob die wirklich nicht wissen, wie die Leute ticken.
- 26:19Ich glaube, die kennen sich in ihren eigenen Milieus durchaus noch gut aus und vertreten die auch.
- 26:26So wie man halt seine Milieus, seine Wählergruppen vertritt.
- 26:29Das Problem, was die in der Fußgängerzone haben und das sogar auch bei den eigenen
- 26:32Leuten, ist doch die Glaubwürdigkeit letztlich der Führungsetage.
- 26:37Also jeder CDU-Wahlkämpfer vom Kommunal-Stadtrats-Wahlkampf bis hoch zum Bundestagswahlkampf,
- 26:44muss gegen Friedrich Merz antreten.
- 26:47Denn Rückenwind aus Berlin kriegen die schon lange nicht mehr.
- 26:50Diese Regierung, dieser Bundeskanzler ist in einer Form in Bierfaschiss geraten,
- 26:55zu Recht oder zu Unrecht, aber das ist mal eine Realität, jetzt echte Realität,
- 26:58in Bierfaschiss, Vertrauensverlust, Abneigung, Hass,
- 27:03geraten wie keine zweite vor ihr.
- 27:06Noch nicht einmal die Ampel, als sie kurz davor war, an Altersschwäche oder
- 27:10welcher auch immer inneren Zermorschtheit auseinander zu kippen,
- 27:14war so unbeliebt wie diese Regierung.
- 27:16Ein Bundeskanzler war noch nie so unbeliebt wie dieser Bundeskanzler.
- 27:21Und das zieht die CDU wie ein Senkblei nach unten, darüber haben wir schon mal
- 27:26gesprochen, der Bundeskanzler selber, der Parteichef, CDU-Chef Friedrich Merz,
- 27:30hängt seiner Partei um den Hals wie ein Mühlstein.
- 27:33Ja, aber das ist das Personal, das sage ich doch, weil in dieser Serie sehen
- 27:37sie dann ja auch Gordon Schnieder, Rheinland-Pfalz.
- 27:40Das ist zum Beispiel so ein CDU-Politiker von altem Schrot und Korn,
- 27:44das ist so ein richtiger Landespolitiker, dem glaubt man das sofort,
- 27:47der wirkt auch auf dem Bildschirm ganz anders. Da habe ich sofort das Gefühl,
- 27:50okay, ich verstehe, wofür der steht. Ich check das, das ist die CDU.
- 27:54Ich verstehe, warum Leute den wählen, warum man dem vertraut.
- 27:57Der hat auch eine körperliche Präsenz, darf man auch echt nicht unterschätzen,
- 28:00finde ich, in diesem Geschäft.
- 28:02Der ist ja auch ein großer, schwerer Mann, aber jetzt nicht,
- 28:05weil er irgendwie dick oder korpulent ist, sondern er hat einfach eine Präsenz
- 28:09im Raum, die sozusagen von innen kommt. Man nennt das, glaube ich, auch Ausstrahlung.
- 28:13Und ehrlich gesagt, wenn Sie sich dann die Figuren angucken aus der Berliner
- 28:18Zentrale und deshalb ist so eine Serie dann doch manchmal ganz gut,
- 28:21sich das anzugucken, dann denkt man so, wow, krass, was für ein extremer Kontrast.
- 28:26Vielleicht war das immer so, vielleicht muss das auch so sein,
- 28:28aber ich sehe das selten. Aber was sind das für...
- 28:32Also stromlinienförmige, in die gleichen Anzüge hineingepresste junge Männer,
- 28:41mit ordentlichen Frisuren,
- 28:43artige junge Frauen, die irgendwie so mit so leicht kickzenden Stimmen immer
- 28:47das Richtige sagen und so, wo sie denken, Leute, ihr könnt bestimmt total gut
- 28:51so eine Kraftfahrzeugzulassungsstelle leiten oder eine Versicherung oder irgend sowas.
- 28:56Aber eine Partei, die so ein Land in so einer Situation führen soll,
- 29:01das ist so überhaupt keine, keiner von denen hat irgendein Charisma,
- 29:05keiner hat irgendeine Form.
- 29:07Von spannender, gewinnender oder meinetwegen auch nur kontroverser,
- 29:11kann ja auch sein, woran man sich reiben kann, so Ausstrahlung,
- 29:14total null, sill und das finde ich, das geht nicht, das kann man nicht machen.
- 29:20Ich glaube, dass das ein echtes Problem ist und es wird zu einem massiven Problem,
- 29:24wenn diese Leute dann versuchen, sich in den sozialen Medien zu präsentieren,
- 29:28können sie auch sehen auf dieser Serie, wie das dann ist, wenn die das machen,
- 29:32dann wird es natürlich wirklich zum Fremdschirm.
- 29:34Wenn die dann plötzlich so, hey, es ist total toll, dass ihr hier seid und wir
- 29:39gehen jetzt hier zusammen zum Landesparteitag in Rheinland-Pfalz und da wollen
- 29:43wir mal gucken, was so passiert.
- 29:44Dann denkst du so, Alter, das geht so derartig in die Hose. Dann guckt man sich
- 29:49freiwillig lieber einen AfD-Spot an und das meine ich jetzt echt ernst.
- 29:53Liebe Hörerinnen und Hörer, wenn Sie das Gefühl haben, ich sei zwischenzeitlich
- 29:56abwesend gewesen, dann haben Sie recht. Ich war draußen, habe ein Auto lackiert,
- 30:01zwei Bäume gefällt und noch meine Kinder quasi in die Schule gefahren. Groß gezogen.
- 30:06Und bin aber jetzt wieder rechtzeitig da, wo der Kollege Augstein fertig ist
- 30:09mit Reden. Ist doch schön.
- 30:10Ich möchte zurück an einen Punkt in seiner Ausführung, nämlich Politiker,
- 30:15an denen man sich reiben kann. Und dann komme ich zu Jens Spahn,
- 30:18mal weg von dieser komischen Doku.
- 30:20Jens Spahn, das war ja ein Politiker, an dem man sich reiben konnte.
- 30:23Aber den hat die eigene Basis jetzt weggeschossen.
- 30:27Weil er offenkundig überzogen hatte, weil er nicht bieder genug war,
- 30:31weil er nicht normal genug war, weil er natürlich über die Stränge geschlagen
- 30:36hatte, sich einen schweren, schweren, wie soll man sagen,
- 30:40Fall von Wasserpredigen und Weinsaufen geleistet hatte und es im kleineren Maßstab
- 30:46nochmal nachgeholt hat, jetzt vor kurzem mit einer Reise in die Ferien und am
- 30:52Bundestag hat er gesagt, er sei krank oder könne nicht.
- 30:54Das verstehe ich nicht. Das müssen Sie mir mal erklären. Ganz kurz.
- 30:56Halt mal jetzt auch mal für alle Zuhörerinnen und Zuhörer, die das nicht so
- 30:59im Detail verfolgt haben. Ich habe es nämlich nicht gecheckt.
- 31:02Erklären Sie mir mal, ohne Witz, was ist da genau passiert mit Spahn,
- 31:06Sardinien und seinem Posten im Haushaltsausschuss?
- 31:10Es gab eine Sitzung im Haushaltsausschuss, sehr, sehr wichtiger Ausschuss muss
- 31:14man wissen, weil da wird das Geld verteilt, beziehungsweise darum gerungen, wie man es verteilt.
- 31:19Also da kennt sich auch Jens Spahn blendend aus, der war Staatssekretär bei
- 31:23Wolfgang Schäuble im Finanzministerium, der ist ein Fachmann,
- 31:26der kann das und da ist er wirklich gut auch.
- 31:28Ich glaube, das würde auch die Gegenseite sagen, die eine andere politische
- 31:32Meinung hat, aber den Handwerker und den Fachmann, den Experten durchaus zu schätzen weiß.
- 31:37Also, da ist er nicht schlecht aufgehoben, inhaltlich, aber hat sich entschuldigt
- 31:44abgemeldet von einer oder zwei Sitzungen, weil sein Kind krank sei,
- 31:48wenn ich es richtig gelesen habe.
- 31:51Turns out, es gab ein Foto von ihm an einem dieser Fehltage,
- 31:56für die er übrigens auch noch einen Ersatz aus einem anderen Politiker organisiert
- 32:00hat, damit sein Stuhl nicht leer bleibt, gab ein Foto von ihm auf einem Flughafen in Sardinien.
- 32:06Also war er offenkundig in einer Art Urlaubssituation. Dieses Foto,
- 32:11wahrscheinlich von privater, von einem anderen Touristen gemacht,
- 32:14kam ganz kurz auf die Website der Bild-Zeitung, verschwand dann ganz schnell wieder.
- 32:18Aber es hatte gereicht, dass er
- 32:19damit aufgefallen, um nicht zu sagen aufgeflogen war. Und das war es dann.
- 32:24Ganz hübsche Formulierung, offensichtlich eine Urlaubssituation auf dem Flughafen,
- 32:28in Sardinien, in Olbia. Da war ich übrigens auch mal sehr schön.
- 32:33Ich verstehe das Problem immer noch nicht. Denn was ich nicht checke ist,
- 32:37er musste zurücktreten wegen dieser Geschichte mit dem Kind. Okay, weiß ich nicht.
- 32:42Dann war er eine Weile weg, ehrlich gesagt gar nicht so fürchterlich lange,
- 32:45ein paar Wochen, ein paar Monate.
- 32:47Und dann kam er zurück in diesen Ausschuss, wo man denkt, ja das ist dann eben
- 32:50das Comeback, leitet sich jetzt ein. Jens Spahn, wichtiger Nachwuchskraft der
- 32:55CDU, kann sich nicht darauf verzichten. Er ist im Haushaltsausschuss.
- 32:59Und dann schmeißen die ihn raus, weil er in Ferien war, obwohl er sich abgemeldet
- 33:05hatte und für einen Ersatz gesorgt hat. Ich meine, where is the fucking problem?
- 33:10Das checkt ja dann wirklich niemand mehr.
- 33:12Naja, das Problem ist glaube ich darin, dass er offenkundig,
- 33:16wenn es stimmt, was berichtet wird.
- 33:20Und seiner Partei und den anderen in diesem Ausschuss suggeriert hat,
- 33:24das Kind sei krank und deswegen müsse er daheim bleiben. Was ja okay ist.
- 33:28Gut, er hat also genau das gleiche gemacht, was alle jungen Eltern hin und wieder
- 33:31machen, nämlich die eigenen Kinder als Vorwand nehmen, um irgendwas zu tun,
- 33:35was man nicht will oder was man gerade besonders gerne will.
- 33:37Wer kennt das nicht, kann ich dann nur sagen. Die einen nennen es Homeoffice,
- 33:40die anderen blau machen.
- 33:42Ja, aber das ist eben halt schlecht, wenn sie sowieso schon echt on the watch
- 33:47list sind und auch richtig schlecht, wenn sie das mit in einem öffentlichen
- 33:51Amt machen. Das ist ein Bundestagsmandat, sogar ein ziemlich öffentliches Amt.
- 33:55Ist doch klar, dass da die Klappe fallen kann, nicht fallen muss.
- 33:59Die Leute hatten in seinen eigenen Reihen offenkundig die Nase voll von ihm.
- 34:03Und das ist doch der eigentliche Vorgang. Sie hatten die Nase voll von ihrem
- 34:07wichtigsten, potenziell wichtigsten Mann, der eine Zeit lang das zentrale Scharnier
- 34:12dieser Koalition war und das funktionierte auch gut.
- 34:16Und er ist mit 46 Jahren, zwar schon seit 25 Jahren im Bundestag,
- 34:21aber natürlich noch Führungsnachwuchs. Das heißt, der könnte auch noch Kanzler werden.
- 34:24Und den schießen sie ab. Ja, aber das ist ein Zerrüttungs- und deshalb reden
- 34:27wir jetzt auch drüber und deshalb hat das auch was mit unserem Thema zu tun.
- 34:30Inside-CDU, Verlust der Mitte.
- 34:32Das ist ein Zerfallsprozess von innen heraus, denn man versteht ja ihn nicht,
- 34:38warum er in so kurzer Zeit es sich wieder so verscherzt mit seinen Leuten.
- 34:42Also hat er so wenig Gespür?
- 34:44Also wir haben eben gesagt oder ich habe gesagt, die CDU-Politiker haben kein
- 34:47Gespür mehr für ihre Wähler.
- 34:48Offensichtlich haben dann die CDU-Politiker nicht mal mehr ein Gespür für ihre
- 34:52eigenen Fraktionskollegen.
- 34:53Also gar kein Gespür mehr für irgendwas, weil er dann nicht gemerkt hat,
- 34:57dass er das sich vielleicht jetzt im ersten Jahr im Haushaltsausschuss nicht
- 35:01leisten sollte, sondern es vielleicht besser wäre, da mit solchen Sachen,
- 35:04die wahrscheinlich komplett normal sind, die da alle Leute machen,
- 35:07vielleicht ein bisschen warten soll. Also so eine Art von Sensibilität.
- 35:11Erster Punkt. Zweiter Punkt, die Leute, seine Kollegen, sind die alle schon
- 35:15so wundgescheuert, dass sie ihn jetzt tatsächlich deswegen rauswerfen und jetzt,
- 35:19glaube ich, wird es schwer für ihn zurückzukommen, weil ich meine,
- 35:21zweimal so rauszufliegen in so kurzer Zeit,
- 35:23weiß ich nicht, ob man dann nochmal ein drittes Mal zurückkommt,
- 35:26kann ich mir jetzt im Moment nicht so richtig vorstellen.
- 35:28Das heißt also, die verzichten also auch freiwillig dann auf so einen Mann,
- 35:32den sie ja in Wahrheit brauchen. All das sind Schwächeanzeichen.
- 35:36Und ich glaube, das verbindende Element dafür sind, und das nervt sie jetzt,
- 35:40wenn ich das sage, es sind natürlich die sozialen Medien.
- 35:43Diese Leute sind getrieben von den sozialen Medien.
- 35:45Sie denken in Kategorien der sozialen Medien und können sich davon gar nicht
- 35:50mehr befreien. Und ich glaube, das wird für unsere Politik zusehends zu einem echten Problem.
- 35:56Prozessualen Problem. Der Laden läuft nicht mehr richtig, die Maschine funktioniert
- 36:01nicht mehr richtig in der Bedingung der sozialen Medien.
- 36:05Ach lieber Augstein, von den vielen Sachen, für die dieser Rücktritt,
- 36:08diese Stolperei, dieser Glaubwürdigkeitsverlust von Jens Spahn als Person steht,
- 36:14würden mir die sozialen Medien ehrlich gesagt als letztes einfallen.
- 36:19Die triggern oder beschleunigen vielleicht die Reaktion, die Wutereignen Basis,
- 36:24die ihn beim ersten Mal bei der Leihmutterschaftsgeschichte weggeschwemmt hat, ja.
- 36:29Aber interessanter ist doch, dass die Mitte, also die CDU, wundgescheuert ist.
- 36:34Wundgescheuert von schlechten Umfragen, von schlechtem Regierungshandwerk,
- 36:38von einem Bundeskanzler, dem sie nichts mehr zutrauen und schon gar nicht mehr
- 36:41die Wiederauferstehung zutrauen.
- 36:44Und das projiziert sich jetzt in das Binnenleben.
- 36:47Das heißt, die Lunte aller Beteiligten in der CDU ist viel, viel kürzer geworden.
- 36:53Und das hat Jens Spahn offenkundig nicht mitgeschnitten oder nicht mitkriegen
- 36:56wollen. Oder er hat gesagt, ist mir jetzt langsam auch egal,
- 36:58ihr Idioten, dann macht doch euren Scheiß alleine.
- 37:01Das ist der Vorgang. Die Lunte ist viel kürzer geworden und wie kriegt man es
- 37:05hin, dass eine bürgerliche Partei...
- 37:09Auch wieder mal ein bisschen Ruhe ausstrahlt und Souveränität und Stamina und Gelassenheit.
- 37:17Die sind ja ein so aufgescheuchter Haufen, wie die Linkspartei es immer war.
- 37:22Oder die Grünen mit ihren missionarischen, ich weiß nicht was,
- 37:27Binnenflügel-Diskussionen, wo sie ganze Parteitage versenkt haben.
- 37:32Also was ist es, dass die Konservativen und Bürgerlichen das verlieren lässt,
- 37:39was sie immer unterschieden hat, nämlich die Ruhe, Gelassenheit,
- 37:42das Augenmaß und die Kuhlnis in Wahrheit.
- 37:45Und Blume, darum geht es doch genau hier gerade.
- 37:48Die Nervosität, die Sie da beobachten, dieses mangelnde Selbstbewusstsein,
- 37:53ist das Symptom für den Zerfall der CDU, für den Zerfall der Mitte.
- 38:01Darüber haben wir jetzt hier die ganze Zeit geredet.
- 38:04Es ist das Symptom für die Furcht davor. Die haben Angst.
- 38:09Und Bürgerliche haben eigentlich in dem Sinne, das ist nicht typisch für Bürgerliche,
- 38:13Angst zu haben. Also etwas geht da vor sich.
- 38:15Die sind ja noch nicht weg. Die haben nur Angst davor, dass sie weg sind demnächst.
- 38:20Und sie wissen, dass sie es eigentlich machen.
- 38:23Auch gar nicht verschwinden müssen als Volkspartei, wenn sie es nur ordentlich hinkriegen.
- 38:28Aber sie kriegen es nicht ordentlich hin. Das ist das Unerklärliche.
- 38:32Blume, das wohin Sie uns jetzt geführt haben, nennt sich Aporie.
- 38:35Das können Sie dann mal im Lexikon nachgucken. Die Ausweglosigkeit,
- 38:39die Saarkasse sozusagen, wo es keinen weiter mehr gibt.
- 38:43Ich weiß jetzt nicht ganz genau, wir können jetzt zwei Sachen machen.
- 38:45Wir können jetzt noch reden über Julia Klöckner und ihre Drohung,
- 38:49ganze Fraktionen rauszuwerfen.
- 38:51Auch das hat übrigens was zu tun mit Nervosität der Mitte und mit der Frage,
- 38:56wie geht man mit diesen Krisensymptomen um.
- 38:58Wenn die Bundestagspräsidentin androht, ganze Fraktionen rauszuwerfen,
- 39:03praktisch als Disziplinierungsmittel,
- 39:05weil sie sagt, im Bundestag ist normales Reden und Arbeiten nicht mehr möglich,
- 39:09weil zu viele Leute anfangen, die Bundestagssitzung als Bühne für die Inszenierung
- 39:15von Social Media Reels zu nehmen.
- 39:17Und da sind wir wieder bei dem Thema, was ich eben schon am Wickel hatte.
- 39:20Riesending meiner Meinung nach, Riesending Realität wird nur noch zum Sendungsbestandteil
- 39:26von so Social Media Scheiß gemacht und dadurch vollkommen entwertet.
- 39:30Und Frau Klöckner, die ich cool finde, ich bin total Team Klöckner,
- 39:34schmeißt sich da dagegen und sagt, Leute, ich schmeiß euch notfalls raus,
- 39:37wenn ihr das hier nicht ernst nehmt, was wir machen.
- 39:39Darüber könnten wir reden oder wir könnten uns verabschieden und nach Hause
- 39:44gehen ins Homeoffice, wie Sie möchten. Jetzt entscheiden Sie.
- 39:46Und dann sage ich nochmal zwei Sätze zu Frau Klöckner. Also erstens war der
- 39:51Bundestag glaube ich immer eine Bühne.
- 39:54Er ist natürlich die öffentliche Zelebrierung von politischer Auseinandersetzung,
- 39:59deren Form und Zuschnitt sich im Laufe der Zeit geändert hat.
- 40:02Früher war das sehr, sehr ruppig, als sich da in den 60er, 70er Jahren die Leute angebrüllt haben.
- 40:08Waren Sie damals schon dabei? Wie haben Sie das erlebt? Wie war das für Sie
- 40:11so? Persönlich? Ja. Ja, es war schwer. War nicht so einfach.
- 40:15Also auch Franz Josef Strauß quasi als 40-Jähriger aus der Nähe zu erleben.
- 40:20Also ich meine, ich als 40-Jähriger Franz Josef Strauß aus der Nähe zu erleben,
- 40:24das war schon ein dickes Ding. Also noch einmal, das war schon immer eine Bühne.
- 40:27Gleichzeitig finde ich es... Und Rainer Barzel, an den erinnere ich mich noch,
- 40:30der hat sich immer die Oberlöppel geleckt.
- 40:32Rainer Barzel, der hat versucht, das zu werden, was Helmut Kohl nannte. wurde.
- 40:37Ja, ich glaube die Abstimmung, die ihn dazu hätte bringen können,
- 40:41Misstrauensworte, wurde dann gekauft von der DDR.
- 40:45Das war die Gesichter. Ja, Hauptschuld. Also.
- 40:50Lisa Klöckner gefällt mir auch deswegen so gut, weil sie versucht.
- 40:56Den Anstand, den bürgerlichen Kommand in diesem Parlament aufrechtzuerhalten.
- 41:00Sie finden die auch gut? Ja.
- 41:02Ich finde die nämlich auch gut. Aber die FAZ hat heute einen Kommentar geschrieben,
- 41:05wo sie gesagt hat, das geht jetzt zu weit und das ist nicht ihr Job und im Sinne
- 41:09des Liberalismus. Sie ist die Hausherrin und sie spielt diese Rolle und füllt
- 41:15sie aus. Ich finde sie toll, ich liebe sie, ich finde sie super.
- 41:17Finde ich, macht eine gute Figur, nicht im einzelnen Fall jedes Mal,
- 41:21weil es auch wirklich schwierig ist, dann genau den richtigen Ton zu treffen,
- 41:24wenn es darum geht, Leute von der Linkspartei oder von der AfD oder von wem
- 41:28auch immer zur Ordnung zu rufen.
- 41:30Aber genau das ist ihre Rolle, zur Ordnung rufen.
- 41:33Und es gibt eine Ordnung in der politischen Auseinandersetzung,
- 41:37die zwei Parteien im Deutschen Bundestag, vor allem aber die AfD im Deutschen
- 41:42Bundestag, einfach kaputt machen will.
- 41:44Und diese Frau wehrt sich dagegen und darum hat sie meine volle Unterstützung.
- 41:48Und wenn sie irgendwann einmal die AfD-Fraktion komplett rausschmeißt,
- 41:51braucht sie einen sehr, sehr guten Grund dafür, aber dann wäre ich voll dafür.
- 41:54Ja, ich finde das ja auch und ich finde, wenn ich an wehrhafte Demokratie denke,
- 41:58jetzt mal Spaß beiseite, dann denke ich an Julia Klöckner.
- 42:01Die ist für mich eine wehrhafte Demokratin, weil die kämpft sozusagen mit ihrer
- 42:05Stimme und mit ihrem Körper, mit ihrem ganzen Einsatz sozusagen dafür.
- 42:08Finde ich total super und ich glaube, dieser Spirit, Entschuldigung,
- 42:11das brauchen wir viel mehr.
- 42:12Frau Schwesig jetzt in Mecklenburg-Vorpommern hat genau die gleiche Ausstrahlung gehabt.
- 42:18Dieses Begeisternde für die Demokratie. Das können halt so Frauen.
- 42:23Vielleicht jetzt sind wir soweit. Am Ende dieser Sendung sind wir jetzt soweit.
- 42:27Ich bekenne mich jetzt dazu. Vielleicht gehen wir jetzt doch ins Zeitalter der Frauen.
- 42:33Verstehen Sie? Und die Frauen müssen jetzt übernehmen, weil die Männer sind
- 42:35alle kraftlos und blass und schlapp.
- 42:39Und was wir brauchen, sind die kräftigen Frauen. Was meinen Sie, Bloge?
- 42:44Ich gehe jetzt ins Homeoffice. Okay. Dann bis nächste Woche. Danke und...