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Transcript
- Hallo und herzlich Willkommen zu Raumrauschen. Wir erzählen uns hier am digitalen Lagerfeuer persönliche Geschichten und blicken hinter die Texte der AutorInnen. Schön, dass ihr dabei seid. Hallo und herzlich willkommen zum Raumrauschen-Podcast. Hi Annika, schön, dass du da bist. Hallo, danke, dass ich hier sein darf. Wir fangen heute mit einer der Check-In-Fragen an von dem Karten-Set Wertvoll Ich, was ich natürlich wieder in den Shownotes, in den Captions verlinken werde. Übrigens, diese Karten gibt es auch als digitale Fassung. Das heißt, wenn ihr das am Handy brauchen könntet, dann findet ihr den Link dazu auch bei uns in den Shownotes. Liebe Annika, du darfst jetzt eine dieser Karten ziehen, ganz analog. Ich bin aufgeregt. Und dann darfst du mal uns einsteigen lassen hier. Genau, ich bin jetzt gebeten worden, auf der Karte einen Funfact zu nennen, den andere noch nicht von mir wissen. Und den du natürlich mit uns teilen möchtest. Ja, natürlich. Oder? Ich würde sagen, ich bin in einem Karnevalsverein, mittlerweile nicht mehr so aktiv, aber ich bin immer noch angemeldet. Und ich bin länger in diesem Verein, als ich lebe. Was? Wie ist das denn möglich? In dem Jahr vor meiner Geburt gab es so einen, ich weiß nicht, wie man das nennt, es gab so einen Kinderschal. Also für alle Kinder gab es einen kostenlosen Schal. Und meine Familie wollte, dass ich auch einen Schal habe. Und sie haben mich quasi angemeldet, bevor ich geboren wurde. Also bin ich sozusagen eigentlich schon länger in diesem Verein, als ich lebe. Aber krass. Das heißt, du bist ein ganz besonderes Mitglied in diesem Verein. Zumindest höre ich das so raus. Aber das ist ein krasser Funfact. Danke dir für das Teilen. Ja, das lassen wir jetzt einfach mal so stehen. Das macht mich ein bisschen sprachlos, aber wunderbar. Damit würde ich sagen, gehen wir direkt weiter, denn deine Eltern haben dir mal so einen Schal vor deiner Geburt mehr oder weniger geschenkt. Du schenkst uns heute eine weitere Geschichte, die wir auf raumrauschen.de veröffentlichen. Und liebe Annika, wie heißt die Geschichte denn heute? Die Geschichte beziehungsweise das Gedicht, was ich heute mitgebracht habe, ist Veränderung. Veränderung. Dann hören wir mal gemeinsam rein. Veränderung, Dunkelheit, die mich umgibt, Kälte, die ich verspüre, Wege, die ich verlassen habe, Gedanken, die mich überfordern. Ich stehe hier mit einem Gefühl der Leere, denke mir, was wohl wäre, wenn du an meiner Seite stündest und lauthals mir verkündest, du bist hier und verweilst mit mir, die folgende Zeit des Lebens hier. Und ehe ich mich versehe, zu dir blicke und mich nur ganz kurz von dir wegdrehe, stehe ich hier, mit einem Gefühl der Leere, denke mir, was wohl wäre. Wärst du noch hier, bei mir. Ich wünsche mir so sehr, dass die Zeit mit dir zurückkehrt, die Stunden mit dir zu verbringen, Lieder mit dir zu singen, nicht fragen zu müssen, dich noch ein letztes Mal auf die Stirn zu küssen. Ich schreie nach dir, doch niemand ist hier. Mein Herz weint und ich selbst bin mir der größte Feind. Meine Stimme bricht. Ich kann das nicht allein durchstehen, Aber ich werde sehen, dass dort jemand ist, am Ende des Tunnels, der mir trotz des ganzen Rummels hält das Licht und mir zeigt, welcher Weg der richtige für mich ist. Nicht gehofft und nicht geglaubt, dass mir jemand wieder so die Sinne raubt, dass ich jemals wieder fühlen kann. Und zu verdanken habe ich das dem Mann. Dem Mann, der einfach so in mein Leben kam, der mir half und wegnahm das Gefühl meiner Scham und mir zeigte, dass ich es kann. Dass ich es schaffe, weiterzugehen. Ich bereit bin, mich auch mal umzudrehen, aber ich erkenne, dass der nächste Tag mir täglich gibt den besten Rat. Für mein weiteres Leben. Ohne dich und doch mit dir. Und ich gehe hier den neuen Weg neben dem, der einst für dich bestimmt war. Und plötzlich wird mir wieder ganz klar, mein schlimmster Gedanke wurde wahr. Aber ich stehe hier nicht mehr mit diesem Gefühl der Leere, das mich umgibt in der Dunkelheit, in der Hoffnung, dass du irgendwann wiederkehrest und mir sagst, du seist bereit, bereit, mit mir den Weg zu gehen, über Berge und über Seen, bis hin zum Wald und zum Meer. An unseren Ort, zu flüchten, einfach fort. Zu atmen die frische Luft, zu überbrücken die Kluft, die uns nun umringt. Und in der Ferne dann erklingt Zufriedenheit, die jetzt danach schreit, Hoffnung, die mich umgibt, Liebe, die ich verspüre, Wege, die ich neu entdecke, Gedanken, die ich nun sortiere. Vielen Dank, Annika, für diese Geschichte, für dieses Gedicht, wie ich jetzt von dir ja gehört habe. Mich würde interessieren, wie du an dieses Gedicht rangegangen bist, an den Text, wie es dir beim Schreiben vielleicht auch ergangen ist, wie schwer oder wie leicht so ein Prozess ist, damit die Hörerin oder der Hörer ein Gefühl dafür hat, wie du schreibst, wie du ins Schreiben kommst. Da wäre ich dir sehr dankbar, wenn du das mit uns teilen könntest. Sehr gerne. Ich hatte damals tatsächlich in der Uni eine mündliche Prüfung. Und für diese mündliche Prüfung müssten wir einen Text, ein Buch, Zitat oder ein Gedicht, irgendwas Literarisches vortragen. Und dann wurde unsere Stimme, unsere Körperhaltung und so weiter bewertet. Und irgendwas in mir drin hat gesagt... Schreib ein Gedicht, schreib einen eigenen Text, nimm diesen eigenen Text mit in diese Prüfung und lies ihn vor oder trag ihn vor. Und dann saß ich am Wochenende, bevor die Prüfung stattfinden sollte, tatsächlich in meinem Bett und habe gedacht, ja, ich schreibe jetzt einfach drauf los. Und da gab es dieses große Gefühl in mir, was diesem Titel entspricht, nämlich Veränderung. Ich wusste den Namen des Gedichts, bevor ich überhaupt den Inhalt kannte. Für mich war klar, dieses Gedicht heißt Veränderung. Und dann habe ich einfach darüber nachgedacht, wie ich irgendwas in Worte fassen kann und habe angefangen zu schreiben. Und das war vielleicht ein Tag oder so, wo ich geschrieben habe, beziehungsweise immer wieder geguckt habe, okay, wie passen meine wunderbar hochqualifizierten Reimworte gut zueinander? Und wie passt das alles für mich und wie ist das stimmig und wie kriege ich das hin, dass ich eine Dynamik in diesem Gedicht habe, das dem Titel entspricht. Und ja, so habe ich das Gedicht geschrieben. Also ich höre raus, dass dieses Gedicht neben der Tatsache, dass die Überschrift so herausgekommen ist als erstes, dass das ja schon in dir schlummerte, weil das war ja von dem Prozess, so wie ich ihn jetzt wahrgenommen habe. Relativ klar, wie als ob er immer schon da gewesen sei. Nur, dass er eben auf Papier oder eben in den digitalen Medien, auf dem Tablet oder sonst wo geschrieben werden müsste. Oder? Ich finde, das ist eine spannende Sichtweise, aber eigentlich schon irgendwie. Also wenn ich darüber nachdenke, was ich eigentlich in diesem Gedicht ausdrücke oder was ich eigentlich dort hineingelegt habe, etwas, was nicht unbedingt jetzt daraus zu lesen ist, was bei mir passiert ist, dann glaube ich schon, dass das einfach sehr klar war in mir drin und einfach nur noch in Worte gepackt werden musste oder konnte, wollte. Das Gedicht heißt ja Veränderung und ich verstehe Veränderung so, dass man von der einen Situation zur anderen Situation kommt und dazwischen gibt es so eine Phase des Übergangs. Und ich würde gerne mit dir nochmal kurz die Zeit nutzen, um ja diesen Prozess auch nochmal in eigene Worte mitzunehmen, denn du fängst das Gedicht mit der Dunkelheit an. Also wir kommen hier in den Bereich, in dem nächsten Vers heißt es Kälte, der erstmal sehr negativ konnotiert ist. Also die Ausgangslage ist eine, ich sag mal in eigenen Worten, sehr düstere. Magst du uns da nochmal mitnehmen in diese erste Phase, wo du da gerade stehst oder wo du sagst in diesem Gedicht, das ist der Kern des Punktes? Und das Spannende an diesem Text ist ja, dass der Text sozusagen eine, ich nenne es jetzt mal, Fortführung ist von einem Text, den ihr schon kennt, nämlich Du bist überall und doch nicht hier. Hört euch gerne auch diese Folge an. Schaut einfach mal bei den üblichen Podcast-Kanälen oder auf raumrauschen.de und sucht Du bist überall und doch nicht hier. Ähnlich wie dort handelt dieses Gedicht auch von dem Verlust eines geliebten Menschen. Das ist so ein bisschen die Ausgangslage, wenn ich davon erzähle, mit negativen Worten oder negativen Gefühlen erst mal irgendwie da zu stehen. Es ist die Suche nach, wie führe ich mein Leben weiter ohne diesen geliebten Menschen, wie kann ich überhaupt Freude empfinden in Tagen, in denen ich eigentlich so viel Trauer und ja auch Angst irgendwie empfunden habe. Und der Moment, beziehungsweise in der Zeit, in der ich dieses Gedicht geschrieben habe, da gab es einen Moment, wo ich genau diesen Wendepunkt erlebt habe, den ich versucht habe, in diesem Gedicht irgendwie darzustellen. Und ich war damals in Rom, ich erzähle kurz diese Anekdote, ich war damals in Rom und bin auf den Petersdom oben, auf die Kuppel sozusagen gestiegen und ich war voller Angst, dort hochzugehen. Es war so hoch und irgendwie wurde alles immer enger und so viele Menschen und ich wollte keine Menschen zur Last fallen und ich bin trotzdem Stufe für Stufe hoch und habe alle anderen Begleitungen schon weggeschickt und habe gesagt, ich schaffe das, ich kriege das hin und bin dann Stufe für Stufe hoch, hab immer wieder tief durchgeatmet und dachte, alle sind schon weg. Und dann stand da aber trotzdem immer noch dieser eine Mensch, der auch in diesem Gedicht irgendwie nochmal erwähnt wird, der auf mich gewartet hat und der mich nicht alleingelassen hat und der mir auch nicht das Gefühl gegeben hat, gerade zu viel zu sein oder irgendwie in der Last zu sein. Und dann standen wir da oben auf der Kuppel des Petersdoms und der Himmel war strahlend blau und ich konnte in die Berge, in die Ferne sehen. Und ich habe mich dieser geliebten Person, die verstorben ist in meinem Leben, Noch nie so nah gefühlt oder ich habe mich in diesem Moment dieser Person so nah gefühlt. Ich habe mich in diesem Moment Gott so nah gefühlt. Ich hatte das Gefühl, ich bin in den Wolken. Das klingt jetzt alles auch sehr komisch, aber ich hatte das Gefühl, ich bin in den Wolken und kann meine Hand ausstrecken und dann ist da irgendwas. Und dieser Moment hat mir so viel Frieden geschenkt. Und den Moment geschenkt zu bemerken, hier verändert sich jetzt was. Ich kann all diese negativen Gefühle der Trauer und der Angst und der Unsicherheit in etwas Positives jetzt umwandeln. In eine Hoffnung, in etwas, was vor mir liegt. In etwas, was mich bestärkt und was mir einfach noch neue Kraft schenkt. Ich finde das ganz spannend, wie du das jetzt so sagst in den Ausführungen. Wir haben vorher noch kurz über dieses Gedicht gesprochen und da war einfach so dieser Moment der Wende. Ich habe ihn auch so für mich herausgefunden, dass das in der Begegnung mit den Menschen war. Hier steht jetzt der Mann und das war ja auch jetzt mit der Anekdote, er schließt sich mir nochmal ein bisschen mehr. Und ich glaube, da nochmal ergänzen zu können, dass die Veränderung eben nicht nur bei einem selber passiert und nicht nur abhängig ist von einem selber, sondern durch Begegnung möglich ist. Und dass dadurch eben, wie du es hier danach so schön schreibst, eben dieser Wendepunkt da ist und dass Dinge anders werden können. Und ich finde es gar nicht so pathetisch, dieses Gefühl in den Himmel greifen zu können, ist doch ein wunderbar passender Begriff, um zu sagen, hier passiert etwas, was vorher unbegreiflich war, dass ich da einen Pack anzuhabe, das mir ermöglicht, das zu verarbeiten und weiterzumachen. Und mit einem Guten, im Guten damit auch weiterzumachen. Von daher, glaube ich, ist diese Petersdombegegnung da gar nicht so verkehrt zu sagen. Annika, gibt es denn für dich in diesem Gedicht so eine Zeile, die du der HörerInnen oder auch den LeserInnen so sehr ans Herz legst, dass du sagst, der sollte am besten Falle hängen bleiben, unabhängig davon, dass jeder und jede das anders sieht. Aber was wäre so dein ganz subjektiver Blick an deine Herzensstelle vielleicht? Ich finde die Frage sehr schwierig, würde aber eigentlich bei dem Satz bleiben, Hoffnung, die mich umgibt. Weil es etwas ist, was oder wonach ich immer strebe und immer daran glaube, dass selbst an den dunkelsten Tagen immer irgendwo das Licht scheint. Und das ist etwas, was ich in meinem Leben so tief verankert habe, dass ich immer daran glaube, es wird wieder gut oder es wird anders werden, aber es wird weitergehen. Und diese Hoffnung ist so ein ganz körperliches Gefühl bei mir. Und das ist nicht nur etwas, was irgendwie in meinem Verstand passiert, sondern etwas, was ich spüre. Das ist etwas, wenn ich diese Geschichte von Peterstum erzähle, dass ich wieder dieses Kribbeln habe und diese Aufgeregtheit und dieses, oh mein Gott, dieser Moment, der war wirklich, der war ein Wendepunkt in meinem Leben. Und diese Hoffnung ist etwas, was ich mir immer wieder wünsche, dass auch andere Menschen erfahren können. Dann hoffen wir sehr, dass das auch durch diese Gedichtzeilen irgendwie auch deutlich wird für die HörerInnen oder auch den LeserInnen. Annika, vielen lieben Dank fürs Teilen deiner Geschichten. Jetzt haben wir ja mit den Check-In-Karten angefangen. Jetzt habe ich eine Check-Out-Frage. Auch wieder ein kleines 6 Karten. Ich lade dich ein, da einfach mal loszuziehen. Das nehme ich mir vor. Ich nehme mir vor, meine Hausarbeit jetzt zeitnah zu schreiben und abzugeben. Das ist ein sehr guter Vorsatz. Dann wünsche ich dir auf jeden Fall viel Erfolg damit und gutes Durchhaltevermögen. Dankeschön. Und danke, dass du nebenbei es schaffst, auch noch eine so tolle Geschichte, so ein tolles Gedicht mit uns zu teilen. Von daher wünsche ich dir jetzt alles Gute, allen Zuhörerinnen und Zuhörern auch und bis zum nächsten Mal. Macht's gut. Ciao. Den Blog und die Geschichte findet ihr unter www.raumrauschen.de Folgt uns auf Instagram unter raumrauschen-ac. Raumrauschen ist ein Angebot der Berufungspastoral im Bistum Aachen. Musik Robert Niegel, Produktion, Social Media und Podcast Agentur Kunden fokussiert.