Latest / Hamburg-News – der aktuelle Nachrichten-Überblick um 17 h / Hamburg-News: Olympia – in Hamburg sagt man Tschüss
Transcript
- Willkommen zu deinem täglichen News-Update. Dies sind die Themen vom 1. Juni. Olympia. In Hamburg sagt man Tschüss. Anders als 19 deutsche Städte hat sich Hamburg eindeutig gegen eine Bewerbung für olympische Sommerspiele ausgesprochen. Das sagt Peter Tschentscher am Tag danach. Was ist in Hamburg anders als in Köln, München, Kiel und den insgesamt anderen 19 deutschen Städten, die sich zum Teil sehr deutlich für eine deutsche Olympia-Bewerbung ausgesprochen haben? Damit beschäftigen wir uns in der Redaktion, nachdem rund 56 Prozent der Teilnehmer am Referendum zu Sommerspielen in der Stadt mit Nein gestimmt haben. Ein Ergebnis, das weder von den größten Olympia-Gegnern noch von den pessimistischen Olympia-Befürwortern so erwartet worden war. Fest steht, Hamburg hat sich aus dem Rennen um die Spiele in den Jahren 2036, 2040 und 2044 selbst herausgenommen. Und damit eine klare Botschaft an den Senat gesendet. Eine Mehrheit der Menschen in dieser Stadt möchte offensichtlich nicht, dass Hamburg mehr ist, als es ist. Die zweitgrößte Stadt Deutschlands, die schönste Stadt der Welt aus Sicht vieler, die hier leben, das reicht. Die dabei deutlich hinter Berlin, München oder Frankfurt liegt, scheint viele Hamburgerinnen und Hamburger nicht zu stören. Im Gegenteil. Sie möchten anscheinend nicht, dass die Stadt bekannter wird, dass sie versucht, eine Weltstadt zu werden. Sie möchten vielleicht sogar nicht, dass noch mehr Touristen hierher kommen oder Hamburg weiterwächst. Diese Mehrheit möchte, dass sich der Senat zuallererst um die aktuellen Probleme der Bürger kümmert. Während in Weddel, Kleiner Grasbruck, Steinwerder 77,7 Prozent und in Altona Altstadt 71,4 Prozent gegen eine Bewerbung Hamburgs stimmten, waren auf der anderen Seite in der Hafencity 62,2 Prozent und in Nienstetten 61,4 Prozent dafür. Unterm Strich kann man sagen, dass die Menschen in ärmeren Stadtteilen mit einem hohen Anteil von Mietwohnungen eher dagegen, die in reicheren Viertel hingegen dafür waren. Und die Zustimmung unter jüngeren Hamburgerinnen und Hamburgern war am größten, gleichzeitig war deren Wahlbeteiligung am niedrigsten. Hamburgs erster Bürgermeister Peter Tschentscher, SPD, sagte heute bei der Nachlese der Entscheidung, dass die, die sich engagiert hätten, enttäuscht seien. Wir auch. Dem Senat sei klar gewesen, dass die Abstimmung auch schief gehen könne. Gleichwohl war es wichtig, die Entscheidung in die Hände der Bürgerinnen und Bürger zu legen, so Tschentscher. Die großen Projekte der Stadt würden weiterverfolgt. Tschentscher musste selbst lächeln, als er im Rathaus sagte, wir bleiben mit und ohne Olympia die schönste Stadt der Welt. Und vielleicht hat der liebe Kollege Matthias Iken in seiner Analyse der Ereignisse recht, wenn er schreibt, dass diese Einstellung eines der Kernprobleme Hamburgs ist. Der Satz von der schönsten Stadt der Welt ist für Hamburg das, was für den HSV lange die Bundesliga-Uhr im Volksparkstadion war, die die Dauer der Zugehörigkeit zur ersten Liga anzeigte. Hielten sich die Linken mit solchen Forderungen zurück. Was würde ein Rücktritt bringen, fragte Heike Sudmann, Co-Fraktionsvorsitzende der Linkspartei in der hamburgischen Bürgerschaft. Der Senat müsse nun allerdings hinterfragen, ob er überhaupt mitbekomme, was die Bürger wollen und müsse seine Politik dementsprechend ändern. Interessant. In den vergangenen Jahren hat die Bevölkerung bei Bürgerbefragungen tatsächlich sehr oft gegen den rot-grünen Senat gestimmt. Schleswig-Holsteins Innenministerin Magdalena Finke, CDU, bedauert es, dass es nun keine gemeinsamen Spiele von Hamburg und Kiel geben kann. Es ist schade, dass sich die Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger gegen eine Olympia-Bewerbung ausgesprochen hat. Sie betonte aber, unser Ziel bleibt ganz klar. Wir wollen die Spiele mit dem Segelstandort und weiteren Sportarten zu uns nach Schleswig-Holstein holen. Und dafür werben und arbeiten wir gemeinsam mit der Stadt Kiel mit ganzer Kraft. Ein Beispiel von vielen ist ein Kommentar in der FAZ, in dem es heißt, die selbsternannte Active City wird jetzt im üblichen Trott weitermachen. Beachvolleyball, Triathlon, Radrennen, dazu hier eine renovierte Halle, da eine neue Bewegungsinsel und bestimmt gibt es bald wieder eine Hockeymeisterschaft und 2027 dann abermals Tennis am Roten Baum und Reiten in Großflottbeck. Damit bleiben dem DOSB für die Entscheidung am 26. September die Bewerber Berlin, München und Köln, Rheinruhr. Berlin besitzt international die größte Strahlkraft, München hat den größten Rückhalt bei den Menschen und Köln und Co. Versprechen den höchsten finanziellen Gewinn. In Hamburg aber sagt man Tschüss, um mit Heidi Kabel zu sprechen. Und beim Blick in die Ergebnisse bekommt man den unschönen Trend geliefert, den man auch aus der Landes- und Bundespolitik kennt. Die normalen Menschen fühlen sich offenbar abgehängt und von der Politik nicht gesehen. In einer Sonderfolge von 040 Hamburg streng vertraulich sprechen Matthias Iken und ich natürlich über die Olympia-Entscheidung, mögliche Gründe dafür und die Konsequenzen. Zu hören unter www.abendblatt.de-podcast. Das war dein tägliches News-Update, erstellt mithilfe von künstlicher Intelligenz. Wenn dir diese Episode gefallen hat, abonniere unseren Podcast.