Latest / Schwarze Akte - True Crime / #306 An dieser Stadt klebt der Tod - Der Missoula Mauler
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- Diese Episode enthält explizite Details über einen wahren Kriminalfall. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung. Der 11. April 1974 ist ein kalter Tag. Es ist Gründonnerstag, also der Tag vor Karfreitag. Und damit steht also das Osterwochenende kurz bevor. Es ist frühe Abend in Missoula, im Bundesstaat Montana. Im Vorort West Riverside stehen Einfamilienhäuser mit Vorgärten und gepflegten Einfahrten. Kurz vor 18 Uhr biegt Harvey in genau so eine Straße ein. Harvey arbeitet bei einem Herrenausstatter in der Stadt. Seine Frau Donna ist wahrscheinlich schon zu Hause bei den drei Kindern. Sie arbeitet halbtags in einem kleinen Buchladen. Als Harvey zu Hause ankommt, sitzt seine zwölf Jahre alte Tochter Kathy mit einer Freundin im Wohnzimmer vor dem Fernseher. Harvey kann den Fernseher bis in den Flur hören. Ansonsten ist es im Haus aber ruhig. Er legt die Mädchen starren auf den Fernseher und blicken gar nicht auf, als Harvey den Kopf durch die Tür steckt und Hallo sagt. Er hat sich schon fast wieder umgedreht, als Kathy fast nebenbei von einer seltsamen Unordnung in ihrem Zimmer erzählt. Irgendwelche Seile auf dem Bett und auch in anderen Zimmern. Verwundert fragt Harvey nach. Wieso? Aber Kathy zuckt nur mit den Schultern. Harvey will mal nachsehen und geht die Treppe hinauf. In Kathys Schlafzimmer liegen tatsächlich Seile auf dem Bett. Sieht aus wie eine Wäscheleiner. Auch der Teppich ist verrutscht. Hier ist nichts mehr so, wie es heute Morgen noch ausgesehen hat. Auch in den anderen Zimmern findet Harvey weitere Seiler. Sie sind mit Knoten an Bettpfosten befestigt. Auch im Badezimmer liegen sie herum, wurden über Scharniere gelegt und teilweise umwickelt. Harvey bleibt für einen Moment im Flur stehen. Unten läuft noch immer der Fernseher. Aber sonst ist nichts zu hören. Keine Schritte, keine Stimmen aus einem anderen Zimmer und auch kein Geräusch aus der Küche. Er starrt auf die verknüpften Seile. Erst denkt er an einen Streich von seiner Tochter und ihrer Freundin. Aber danach hat Kathy nicht geklungen. Das würde aber bedeuten, dass irgendjemand die Seile mitgebracht hat. Jemand hat sie dort platziert. Jemand war im Haus. Oder ist es vielleicht sogar immer noch? Harvey geht die Treppe wieder hinunter, schneller als eben. Kathy und ihre Freundin sitzen noch im Wohnzimmer. Er schickt die Mädchen erstmal zu den Nachbarn. Nicht erst, nachdem die Sendung im Fernsehen vorbei ist, sondern jetzt, sofort. Die beiden Mädchen stehen schließlich auf und gehen zur Tür. Erst als sie draußen sind, geht Harvey mit klopfendem Herzen wieder nach oben. Diesmal schaut er genauer hin. Im Elternschlafzimmer liegt ein einzelner Schuh auf dem Boden. Harvey hält den Atem an. Auf dem Bett selbst liegt ein leeres Holster einer Waffe. Harvey kennt es, denn es gehört ihm. Aber normalerweise liegt es sicher verwahrt. Und normalerweise ist es auch nicht leer. Sein Blick wandert zurück zum Boden. Dort sieht er Unterwäsche, zerrissene Unterwäsche und auf dem Teppich ein blutverschmierter Hygieneartikel. Spätestens jetzt ist klar, dass hier nicht einfach jemand ein bisschen Chaos im Haus angerichtet hat. Es muss etwas Schlimmes passiert sein. Harvey steht wie angewurzelt in dem Haus, das ihm eigentlich so vertraut ist und erkennt es plötzlich nicht wieder. Jemand war hier, vielleicht vor einer Stunde, vielleicht vor ein paar Minuten. Oder vielleicht ist dieser jemand noch immer hier, hinter einer Tür, unten im Keller, irgendwo im Haus. Harvey geht zur Kellertreppe. Er schaut hinunter, hinein in die tiefe Dunkelheit. Er tastet nach dem Lichtschalter. Er geht mit vorsichtigen Schritten hinunter, Stufe nach Stufe. Und als er seine Frau Donner sieht, stolpert er zurück. Er rennt nach oben und um 17.59 Uhr ruft Harvey die Polizei. Und damit ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Schwarzen Akte mit Anne Luckmann und mit Patrick Strohbusch. Hallo! Wir befinden uns heute in Missoula. Das liegt im US-Bundesstaat Montana. Dort, wo Harvey mit seiner Familie lebt, ist die Stadt 1974 noch nicht allzu groß. Aber es ist auch kein Ort, an dem gar nichts los ist. Etwa 30.000 Menschen leben dort in den 70ern, heute sind es fast 80.000. Die University of Montana liegt direkt in der Stadt, die Rocky Mountains sind nicht weit entfernt und rund um das Zentrum gibt es viele Wohngebiete, kleine Geschäftsstraßen und dahinter viel offenes Land. Viele Leute, die dort geboren werden, bleiben in der Gegend. Man geht gemeinsam in den Kindergarten und zur Schule, heiratet, gründet Familien und trifft sich zwischendurch beim Einkaufen. Zu der Zeit war Richard Nixon noch Präsident im Weißen Haus. Der Watergate-Skandal, der ihn nur wenige Monate später zum Rücktritt zwingen wird, läuft aber längst. In Missoula ist das vielleicht ja auch Thema beim Einkaufen, zum Beispiel im Herrenausstatter, wo Harvey Anzüge, Krawatten, Hemden und Mäntel verkauft. Im christlichen Buchladen, wo Harveys Frau Donner arbeitet, stehen vermutlich viele Bibeln, Andachtsbücher und religiöse Kinderbücher. Aber 1974 lesen viele Leute »Der weiße Hai« oder »Unten am Fluss«, bevor die als Filme in die Kinos kommen. Harveys und Donners Tochter Kathy könnte an jenem April-Tag 1974 im Fernsehen eine Gameshow oder Seifenoper geschaut haben. Der Fernseher läuft oft einfach mit. Wie das Radio, wo Hooked on a Feeling oder Benny and the Jets gespielt wird. Der 11. April 1974 ist erstmal ein ganz normaler Tag, an dem nichts Außergewöhnliches passiert. Außer im Keller von Harvey und seiner Familie. Dort ist etwas Schreckliches passiert. Als Harvey um 17.59 Uhr die Polizei verständigt, wissen die Einsatzkräfte erstmal nur, dass es sich um einen Notfall in einem Wohnhaus handelt. Erst als die ersten Beamten das Haus betreten, wird klar, dass sie es hier nicht mit einem normalen Einsatz zu tun haben. Oben finden die Polizisten das, was Harvey ihnen schon beschrieben hat. Seile auf den Betten, teilweise um die Bettpfosten gewickelt und mit Knoten befestigt. Die Beamten gehen von Zimmer zu Zimmer. Eine Sache fällt direkt auf. Es gibt keine offenen Schränke, keine durchwühlten Schubladen und auch sonst keine offensichtlichen Spuren für einen Einbruch. Es sieht alles so aus, als wäre jemand mit einem klaren Plan durchs Haus gegangen. Neben den Seilen fallen viele kleine ungewöhnliche Dinge auf. Wie die Gitarre von Harvys Sohn, die mitten auf dem Bett liegt, wo sie noch nie gelegen hat. Zu diesem Zeitpunkt wissen die Ermittler noch nicht, wo Harvys Frau Donner ist. Erst als sie in den Keller gehen, wird aus dem merkwürdigen Bild von oben ein Tatort. Und der Anblick muss auch für die erfahrenen Ermittler schrecklich gewesen sein. Denn im Keller sitzt Donner auf einem Stuhl. Sie ist gefesselt und sie wurde mit mehreren Schüssen in den Hinterkopf getötet. Ab hier verändert sich der Einsatz. Aus einem Notruf wird eine Mordermittlung. Das Grundstück wird abgesperrt und immer mehr Polizisten kommen ins Haus. Die Spurensicherung, Kriminalbeamte und später auch die Detektives. Noch am selben Abend beginnen die ersten Befragungen in der Nachbarschaft. Beamte gehen von Haus zu Haus und fragen, ob jemand irgendwas gesehen hat. Vielleicht hat jemand etwas gehört. Ein Auto, Stimmen oder Schüsse. Vielleicht hat jemand ja eine fremde Person gesehen. Gleichzeitig versuchen die Ermittler, Donners letzten Tag zu rekonstruieren. Wann ist sie nach Hause gekommen und wer hat sie zuletzt gesehen? Die Ermittler finden heraus, dass Donner an diesem 11. April 1974 am frühen Nachmittag nach Hause gebracht wurde. Eine Freundin hat sie abgesetzt. Das war laut John Koston, der das Buch To Kill and Kill Again über den Fall geschrieben hat, gegen 13.30 Uhr. Was in den Stunden danach im Haus passiert ist, kann aber niemand mit Sicherheit sagen. Darauf gibt es nur Hinweise. Zum Beispiel ein Fund außerhalb des Hauses. Auf einem Weg, der zu einem nahegelegenen Trailerpark führt, findet die Polizei einen Latex-Handschuh. Er ist hellbraun und voller Blut. Auch im Haus selbst sammelt die Polizei Hinweise. Die Seile, das Waffenholster und die zerrissene Unterwäsche. Fremde Fingerabdrücke finden sie allerdings nicht. Das spricht dafür, dass der Täter tatsächlich Handschuh getragen haben muss. Vielleicht ja die hellbraunen aus Latex. Für die Ermittler ergibt sich daraus langsam aber sicher ein Zusammenhang. Vieles spricht dafür, dass Donner ihrem Angreifer zuerst im Schlafzimmer begegnet ist. Dort finden die Ermittler die meisten Spuren. In der Wand finden sie auch ein Projektil. Das heißt, dass hier ein Schuss abgegeben wurde, bevor Donner in den Keller gebracht wird. Ob jemand gezielt auf Donner geschossen hat oder vielleicht ein Warnschuss abgefeuert wurde, das wissen die Ermittler aber nicht. Normalerweise wird Harveys Waffe an einem geheimen Ort im Haus aufbewahrt. Die Frage ist, ob der Täter sie zufällig gefunden hat oder wusste, wo sie versteckt ist. Auch die Seile nehmen die Ermittler natürlich genauer unter die Lupe. Es ist eine weiße Wäscheleine, die mehrfach geknotet wurde. Sie stammt aber nicht aus Harveys und Donners Haushalt. Also geht die Polizei davon aus, dass der Täter die Leine mitgebracht hat und etwas Bestimmtes damit vorhatte. Aus diesen Indizien entsteht nach und nach ein mögliches Szenario. Donner kommt am frühen Nachmittag nach Hause. Irgendwann trifft sie im Haus auf ihren Mörder, wahrscheinlich im Schlafzimmer, denn dort wurde geschossen. Laut den Ermittlern wird Donner so unter Kontrolle gebracht und mit den mitgebrachten Seilen ans Bett gefesselt. Die weiteren Spuren und die Autopsie von Donner zeigen, dass es aber nicht dabei bleibt. Donner wird auch vergewaltigt. Irgendwann löst der Mörder Donners Fesseln. Die Ermittler glauben, dass sie zu diesem Zeitpunkt noch lebt. Donna wird in den Keller gebracht und wieder gefesselt. Schließlich wird sie mit fünf Schüssen in den Hinterkopf ermordet. Mit Kugeln aus der Waffe ihres Ehemanns. Die Waffe selbst wird nicht gefunden. Wann genau das alles passiert, lässt sich nicht auf die Minute festlegen. Die Polizei vermutet ein Zeitfenster zwischen 13.30 Uhr und 15.30 Uhr. Wobei es seltsam ist, dass niemand in der Nachbarschaft die insgesamt sechs Schüsse gehört haben will. Es ist auch unklar, wie lang der Täter wirklich im Haus war. Aber er hatte lange genug Zeit, um auch in andere Räume zu gehen, um zum Beispiel weitere Seile zu verknoten und die Gitarre aufs Bett zu legen. Aber wer würde so etwas machen und warum? Die Ermittler richten jetzt den Blick auf die Menschen, die alle Zugang zum Haus haben. Damit steht automatisch auch Ehemann Harvey im Mittelpunkt. Ihm gehört schließlich ja auch die Tatwaffe. Und er hat für den entscheidenden Zeitraum an diesem Tag kein eindeutiges Alibi. Er war zwar bei der Arbeit, hatte aber eine Mittagspause. Was er in diesen 45 Minuten genau gemacht hat, das weiß niemand. Dafür gibt es keine Zeugen. Die Ermittler prüfen auch die Beziehung zwischen Donner und Harvey, um herauszufinden, ob er überhaupt ein Motiv für die schreckliche Tat gehabt hätte. Und es gibt tatsächlich Hinweise darauf, dass Harvey zwar keine richtige Affäre, aber offenbar Interesse an einer anderen Frau gehabt haben könnte. Das reicht, um einmal genauer gegen ihn zu ermitteln. Harvey wird intensiv befragt, seine Aussagen werden anschließend überprüft und sein kompletter Tag rekonstruiert. Das ist zwar auch Routine, aber trotzdem können wir uns kaum vorstellen, wie Harvey das aushält. Oder die Kinder, die gerade ihre Mutter verloren haben und deren Vater jetzt unter Verdacht steht. Auch für die Nachbarschaft und die Stadt selbst ist die Tat ein Schock. Gerade weil nur wenige Wochen zuvor ein anderes Verbrechen in Missoula passiert ist. Auch in einem Wohngebiet. Dabei ist ein fünf Jahre altes Mädchen auf dem Weg nach Hause verschwunden. Ohne irgendeine Spur. Ihr Name ist Siwon. Die kleine Siwon ist Anfang Februar 1974 sich zu Besuch bei einer Freundin. Das ist nur wenige Wochen vor dem Mord an Donner. Siwon wohnt im Norden von Missoula und ihre Freundin nur ein paar Blocks von ihr entfernt. Am späten Nachmittag ruft Siwons Mutter an und sagt, dass sie zum Abendessen nach Hause kommen soll. Die kleine Siwon verabschiedet sich und macht sich auf den Weg. Es ist schon dunkel draußen, ein früher Februarabend, aber Siwon kennt den Weg. Sie ist oft dort unterwegs. Ihre Freundin begleitet sie noch ein Stück, aber dann trennen sich ihre Wege. Es sind nur noch wenige Straßen bis zu Shivons Zuhause, aber dort kommt sie nie an. Ihre Mutter muss sich schreckliche Sorgen machen, als ihre kleine Tochter abends nicht nach Hause kommt. Sie ruft sofort die Polizei. Innerhalb kürzester Zeit ist die mit einem Großaufgebot vor Ort. Polizisten und später auch das FBI sprechen mit sämtlichen Nachbarn. Es ist eigentlich ein überschaubares Wohngebiet, wo sich alle kennen. Aber niemand hat die fünfjährige Siobhan gesehen. Zwei Tage später wird sie dann gefunden. Ein Autofahrer entdeckt ihren Körper an einer Landstraße in der Nähe eines Abwasserkanals unter der Straße. Sie liegt im Schnee. Das kleine Mädchen ist tot. Die Polizei vermutet, dass sie nicht dort angegriffen, sondern dorthin gebracht wurde. Am Fundort entdecken die Ermittler eine Blutspur, die von der Straße bis zur Stelle führt, an der Chivon liegt. Wir schließen daraus, dass jemand sie mit einem Auto dorthin gefahren haben könnte. Allerdings gehen in den ersten Stunden viele Polizisten über das Gelände, um den Tatort zu sichern. Sie trampeln durch den Schnee. Und später wird klar, dass dabei wichtige Spuren zerstört worden sind. Spuren, die möglicherweise Hinweise auf den Täter gegeben hätten. Bei der Obduktion stellt sich heraus, dass Siobhan an Stich- und Kopfverletzungen gestorben ist. Und dass sie sexuell missbraucht wurde. Der Fall sorgt in Missoula natürlich für einen großen Schock. Es ist für die Anwohner einfach unfassbar, dass so etwas in ihrer kleinen, friedlichen Stadt passiert ist. Normalerweise macht sich hier niemand Gedanken, wenn die Kinder nach dem Spielen abends allein nach Hause gehen. Jetzt aber schon. Als wenige Wochen später dann im April donnerbrutal ermordet wird, ist Chivones Fall noch immer ungelöst. Und nach wie vor in den Köpfen der Menschen präsent. Bei der Polizei werden die Ermittlungen in beiden Fällen erstmal aber getrennt behandelt. Es gibt zu diesem Zeitpunkt keine Hinweise darauf, dass beide Morde miteinander zu tun haben könnten. Noch nicht. Aber einzelne Details fallen trotzdem auf. Bei den Ermittlungen zu Chivones Verschwinden stößt die Polizei darauf, dass ein Mann am selben Tag von Chivons Verschwinden versucht hat, ein anderes Mädchen in der Gegend anzusprechen und von der Straße wegzulocken. Das Mädchen kann sich aber befreien. Sie beschreibt den Mann später als etwa 18 bis 20 Jahre alt, mittelgroß und mit auffällig rotem, lockigem Haar. Und eine ähnliche Beschreibung taucht auch in Donners Fall auf, zwei Monate später. Als die Polizei die Nachbarschaft befragt, melden sich mehrere Zeugen, denen eine Person am 11. April 1974 rund um das Haus von Harvey und Donner aufgefallen ist. Eine Nachbarin sagt, sie habe einen jungen Mann im Garten von Harvey und Donner gesehen. Eine andere berichtet, dass sie gesehen habe, wie ein Mann das Haus verlassen hat. Er trug eine schwarze Sporttasche bei sich und lief in Richtung des nahegelegenen Trailerparks. Also in etwa die Richtung, in der die Polizei auch den blutigen Latexhandschuh gefunden hat. Die Beschreibungen ähneln sich alle schon mal in einem Punkt. Es soll sich um einen jüngeren Mann handeln. Es geht also nicht mehr nur um den Ehemann Harvey, sondern um jemanden, der sich am helllichten Tag in der Nachbarschaft bewegt hat und am Tatort gesehen worden ist. Wer passt auf diese Beschreibung und wer hat überhaupt einen Bezug zu diesem Haus? Denn die Ermittler wissen zu diesem Zeitpunkt schon, dass sich der Täter offenbar im Haus auskannte. Er hat ja Harways Waffe gefunden und es gibt ja keine Spuren eines Einbruchs und möglicherweise wusste der Täter auch, wo Harvey seine Pistole, also die Mordwaffe, aufbewahrt wurde. Also schauen sich die Ermittler das Umfeld der Familie genauer an. Wer kennt die Familie? Wer war schon einmal im Haus? Wer hat Zugang oder zumindest die Möglichkeit, sich dort unauffällig zu bewegen? Dabei stoßen sie relativ schnell auf einen Namen, Wayne. Wayne ist 18 Jahre alt, geht noch zur Highschool und kennt Harveys und Donners Sohn. Er war schon oft bei ihnen zu Besuch. Und noch etwas würde passen. Wayne lebt nämlich im Tamarack Trailer Park. Dorthin gelangt man, wenn man den Weg weitergeht, den ein Zeuge, den Mann mit Sporttasche hat, gehen sehen und wo später auch der blutverschmierte Latexhandschuh gefunden wurde. Damit ist Dwayne natürlich nicht automatisch der Täter, aber er ist einer der ersten konkreten Namen, der in den Ermittlungen auftaucht. Jemand, der zur Beschreibung passt, der in der Nähe wohnt und der das Haus kennt. Und außerdem hat Dwayne rote, lockige Haare. Während die Polizei Infos über Dwayne sammelt, verändert sich nach den zwei brutalen Morden die Stimmung in der Stadt. Viele Gerüchte machen die Runde. In John Costons Buch To Kill and Kill Again wird beschrieben, wie in der Gegend immer wieder Geschichten über Satanismus, Rituale und verstümmelte Tiere die Runde machen. Es gibt keine Belege dafür, aber die Erzählungen verbreiten sich schnell. Und in dieses Bild passt für einige Menschen eben auch Wayne. Der 18-Jährige ist in der Schule ziemlich auffällig. Lehrer und Mitschüler beschreiben ihn als intelligent, aber auch als exzentrisch und manchmal sogar unberechenbar. Es gibt Geschichten darüber, dass er sich mit okkulten Themen beschäftigt hat. Dass er sich zum Beispiel selbst ein Pentagramm in den Arm gebrannt oder geritzt haben soll. Dass er in der Schule immer ein Messer dabei hat. Es gibt sogar das Gerücht an der Highschool, dass er als Jugendlicher schon davon gesprochen hat, jemanden zu töten. Ob das ernst gemeint war oder einfach dumme Angeberei, das lässt sich nur schwer sagen. Aber sowas bleibt natürlich hängen. Wayne wächst in einfachen Verhältnissen auf. Sein Vater ist Trucker und seine Mutter arbeitet als Kellnerin. Er hat drei Geschwister und wird in einem Umfeld groß, in dem viel sich selbst überlassen bleibt. Als Wayne 13 Jahre alt ist, wird sein Vater bei einem bewaffneten Raubüberfall festgenommen. Auch wenn er relativ schnell wieder auf Bewährung aus dem Gefängnis kommt, kann man sich vorstellen, welchen Einfluss das auf Wayne gehabt haben muss. Die Ermittler im Fall Donner versuchen nun herauszufinden, ob Wayne der Mörder von Donner sein könnte. Als sie ihn befragen, da gibt er an, am 11. April 1974 nicht in der Schule gewesen zu sein, sondern zu Hause an einem Projekt gearbeitet habe. Und dass er zwischendurch in der Gegend von Harveys und Donners Haus war. Er ist ja schließlich auch mit ihrem Sohn befreundet und war deswegen schon öfter zu Besuch. Laut einigen Quellen soll Harveys Sohn seinen Kumpel Wayne dabei auch die Waffe von seinem Vater gezeigt haben. Damit wüsste Wayne also, wo die Pistole versteckt war. Und er kennt sich im Haus aus. Die Polizei geht deshalb noch einen Schritt weiter und beantragt einen Durchsuchungsbeschluss. Sie wollen sich Waynes Zimmer genauer ansehen. Dort stoßen die Ermittler gleich auf mehrere Dinge, die ihnen bekannt vorkommen. Sie finden unter anderem eine schwarze Sporttasche. Zeugen hatten ja einen Mann gesehen, der mit einer solchen Tasche von Harveys und Donners Haus weggegangen ist. In der Tasche finden die Polizisten Waffenmunition und Hülsen. Und zwar vom selben Kaliber, wie auch von der Tatwaffe, mit der Donner erschossen wurde. In einer Schublade entdecken die Beamten außerdem noch ein Kleidungsstück mit einem Blutfleck. Der Stoff wurde zwar gewaschen, aber den Fleck kann man immer noch erkennen. Im Labor kann sogar bewiesen werden, dass es menschliches Blut ist. Aber man kann nicht mehr genau zuordnen von wem. Dafür hat Waynes Mutter die Kleidung zu gut gewaschen. Damit gibt es auf jeden Fall einige Indizien, die für Wayne sprechen, aber eben keine klaren Beweise. Es gibt zwar ein einzelnes kleines Haar, das die Spurensicherung in Donners und Harveys Schlafzimmer findet, aber das geht im Laufe der Ermittlungen leider verloren. Und auch die Tatwaffe kann die Polizei nicht finden. Wayne und auch Donners Ehemann Harvey machen schließlich beide einen Lügendetektortest. Beide sagen, dass sie nichts mit dem Mord zu tun haben. Bei Harvey ist das Ergebnis unklar. Wayne sagt laut Ergebnis die Wahrheit. Das bringt die Ermittler jetzt nicht wirklich weiter. Es gibt zu wenig, um jemanden für Donners Mord anzuklagen. Der Fall und auch der Mord an der kleinen Chivonne bleiben leider nach wie vor offen. Und dann vergeht die Zeit. Zeit, in der in Missoula so etwas wie ein Alltag zurückkehrt. Die Gerüchte rund um Satanismus und Co. verschwinden zwar nicht komplett, aber es werden immer weniger. Vielleicht versuchen viele Menschen, die schrecklichen Mordfälle hinter sich zu lassen, aber die Ruhe hält nicht lang an. Denn zwei Jahre später, wieder rund um Ostern, wird in Missoula erneut eine Frau tot in ihrem eigenen Zuhause gefunden. Am 18. April 1976, ziemlich genau zwei Jahre nach den Morden an Siwon und Donna, stirbt in Missoula die junge Lehrerin Werner. Es ist Ostersonntag und Werner hätte an diesem Tag eigentlich zum Osteressen bei ihrer Mutter sein sollen. Als sie dort nicht auftaucht, ruft ihre Mutter voller Sorge die Polizei. Die verspricht, bei Werner nachzusehen. Dort machen die Einsatzkräfte dann eine Entdeckung, die an das erinnert, was zwei Jahre zuvor schon Donner angetan wurde. Die Polizei findet Werner in ihrem Bett. Sie ist nackt. In ihrer Brust steckt ein Messer. Es gibt keine Einbruchsspuren, dafür aber Hinweise darauf, dass Werner ihrem Täter die Tür vielleicht selbst geöffnet hat. Ihre Hausschuhe stehen nämlich noch im Flur. Vielleicht ist sie überrascht worden, kurz nachdem sie jemanden hereingelassen hat. Die Spuren deuten darauf hin, dass Werner erst angegriffen, dann sexuell missbraucht und schließlich getötet wurde. Wie auch im Fall Donner gibt es wieder keine brauchbaren Fingerabdrücke. Es werden zwar Spuren gesichert, unter anderem Sperma, aber zu diesem Zeitpunkt gibt es forensisch noch nicht die Möglichkeit, das eindeutig einer Person zuzuordnen. Missoula hat zu dem Zeitpunkt innerhalb von nur zwei Jahren mehrere ungeklärte Gewaltverbrechen erlebt. Der Mord an der kleinen Chivonne, an Donna und jetzt auch noch Werner. Dazu kommt ein weiterer Fall aus demselben Jahr, der zunächst aber ganz anders eingeschätzt wird. Denn im Februar 1976 wird eine Frau erschossen in einem Haus aufgefunden. Also zwei Monate vor dem Tod von Werner. Zuerst gehen die Ermittler von Suizid aus. Erst später wird klar, dass es sich wahrscheinlich um ein Tötungsdelikt handelt. Für viele Menschen verschwimmen diese Fälle zu einem Gesamtbild. Irgendwas stimmt nicht in dieser Stadt. Aber niemand kann genau sagen, was. Im Buch To Kill and Kill Again schreibt der Autor, wie in dieser Zeit die Gerüchte wieder zunehmen. Immer wieder tauchen Erzählungen über satanische Gruppen und Rituale auf. Zwei Wissenschaftler beschäftigen sich später sogar mit diesen Gerüchten. Sie beschreiben das als eine Art Selbstverstärkung. Eine Geschichte wirkt glaubwürdig, weil viele Menschen sie weitererzählen und nicht, weil es Beweise dafür gibt. Für die Ermittler stellt sich aber auch die Frage, ob es denn einen Zusammenhang zwischen den Morden geben könnte. Werner ist wieder eine Frau, die in ihrem Zuhause rund um Ostern ermordet wird. Wenn diese Fälle zusammenhängen sollten, dann rückt automatisch wieder der Fall Donner in den Mittelpunkt. Und mit ihm auch die beiden Verdächtigen, die damals im Fokus standen. Ehemann Harvey und Wayne. Harvey lebt noch in der Gegend, steht aber nicht im Verdacht, etwas mit den zwei neuen Todesfällen zu tun zu haben. Wayne hingegen ist gar nicht mehr in Missoula. Er war 1974 mit der Schule fertig und ging kurz danach zur Navy. Als die Ermittler zwei Jahre später im Fall Werner ermitteln, da ist der mittlerweile 20-Jährige also gar nicht mehr im Ort. Damit fällt er als Täter raus. Trotzdem verschwindet Waynes Name nicht vollständig aus den Akten. Denn die Frage bleibt im Raum, könnte einer von beiden doch etwas mit den neuen Taten zu tun haben? Oder handelt es sich um jemand ganz anderen? Für die Ermittler wird klar, dass sie mit den bisherigen Methoden nicht weiterkommen. Es gibt zu viele offene Fragen, zu viele ungeklärte Fälle und zu viele mögliche Zusammenhänge. Deshalb wird schließlich ein ungewöhnlicher Schritt eingeleitet. Eine sogenannte Grand Jury soll sich 1976 mit Donners Fall beschäftigen. Das ist kein normaler Gerichtsprozess. sondern eher eine Art Prüfung. Eine Jury aus Bürgern hat die Aufgabe, sich die bisherigen Ermittlungen eines Falls anzusehen. Die Grand Jury soll aber nicht klären, wer schuldig ist. Sie soll nur eine einzige Frage beantworten. Gibt es genug Hinweise, um überhaupt Anklage zu erheben und den Fall vor Gericht zu bringen? Die Grand Jury ist also fast so etwas wie ein letzter Versuch. Die Ermittler kommen allein nicht weiter. Aber der Fall ist zu groß, um ihn einfach liegen zu lassen. Also werden im Sommer 1976, zwei Jahre nach dem Mord an Donna, noch einmal alle wichtigen Personen für die Grand Jury vorgeladen. Insgesamt sagen mehr als 100 Zeugen aus. Auch Ehemann Harvey und Wayne. Harvey wird erneut befragt und sein Tagesablauf wird nochmal genau durchgegangen, so wie seine Aussagen überprüft. Es gibt weiterhin Ungereimtheiten, vor allem, weil er kein klares Alibi für den entscheidenden Tatzeitraum hat. Aber am Ende ergibt sich nichts, was für eine Anklage ausreicht. Und dann ist da ja noch Wayne, mittlerweile 20 Jahre alt und, wie ihr schon wisst, gar nicht mehr in Missoula ansässig. Kurz nach dem Mord an Donna ist er ja zur Navy gegangen. Als die Grand Jury einberufen wird, ist er gerade in San Diego und wird dort zum Elektroniker ausgebildet. Für die Anhörung wird er extra eingeflogen, und zwar auf Kosten des County. Wayne sagt gleich mehrmals aus. Insgesamt verbringt er mehrere Stunden vor der Grand Jury. Er wird mit den Vorwürfen konfrontiert, mit Zeugenaussagen und auch mit Details vom Tatort. Ihm werden auch Tatortfotos gezeigt. Berichten zufolge reagiert er darauf kaum. Auch sein Alibi wird noch einmal überprüft. Wayne erzählt wieder von seinem Schulprojekt, für das er zu Hause war. Ein Lehrer bestätigt sogar, dass es dieses Projekt wirklich gab und dass Wayne dafür eine gute Note bekommen hat. Allerdings stellt sich heraus, dass das Projekt gar nicht zu dem Zeitpunkt stattgefunden hat, an dem Donna ermordet wurde, sondern schon ein Jahr zuvor. Wayne hat also kein richtiges Alibi. Er hat auch noch gelogen. Und trotzdem bleibt es dabei. Es gibt keinen eindeutigen Beweis, dass er der Täter ist. Am Ende präsentiert die Grand Jury deshalb ein Ergebnis, das damals viele Leute enttäuscht. Denn es wird gegen niemanden Anklage erhoben. Weder gegen Donners Ehemann Harvey, noch gegen Wayne. Der Fall Donner und auch die anderen drei offenen Mordfälle bleiben damit ungelöst. Vorerst. Nachdem die Grand Jury entschieden hat, wird es wieder ruhig in Missoula. Es gibt keine neuen Verdächtigen und auch keine Durchbrüche bei den Ermittlungen. Die Fälle verschwinden langsam aus den Schlagzeilen. Für die Ermittler bleiben sie offen, aber für viele Menschen rücken sie Stück für Stück in den Hintergrund. Donners Ehemann Harvey hält es irgendwann nicht mehr in der Stadt aus. Er zieht weg, verlässt Montana und beginnt im Bundesstaat Washington ein neues Leben. Aber Wayne kommt zurück. Er ist erstmal noch bei der Navy, kommt aber Ende 1977 nach Missoula zurück. Das ist anderthalb Jahre nach der Grand Jury und dreieinhalb Jahre nach Donners und Siobhans Tod. Wayne ist jetzt 22 Jahre alt. Seine Karriere bei der Navy hat er aber nicht freiwillig beendet. Er wurde entlassen, nachdem bei ihm Drogen, gestohlene Gegenstände und verbotene Waffen gefunden wurden. Er wurde mehrfach suspendiert, seinen Militärrang herabgesetzt und schließlich wurde er ganz entlassen. Zurück in Missoula zieht der 22-Jährige wieder zu seiner Familie. Er lebt mit seinem Vater in einem Haus an der Minnesota Avenue. Nach außen wirkt es so, als würde Wayne sein Leben in den Griff bekommen. Er schreibt sich am College der University of Montana ein und besucht dort Kurse. Er ist sogar ganz gut, bekommt gute Noten und arbeitet nebenbei, um sich so über Wasser zu halten. Aber dann kommt ein entscheidender Einschnitt. Denn im April 1980 stirbt seine Mutter bei einem Autounfall. Sie fährt nach einem Streit mit Waynes Vater mit ihrem Auto gegen einen Baum. Es gibt keine Bremsspuren. Für die Polizei ist ihr Tod ein Suizid. Der mittlerweile 25-jährige Wayne bricht kurz danach das College ab. Wayne sucht sich einen neuen Job. Sein Alltag sieht eigentlich ziemlich normal aus. Er arbeitet tagsüber bei Conlins Furniture, einem großen Möbelhaus in Missoula. Er hilft dort im Lager und liefert Bestellungen aus. Abends jobbt er als Türsteher in der Cabin, einer Bar in der Stadt. Seine Mutter hat dort früher auch gekellnert. Wieder vergehen ein paar Jahre. Wayne ist jetzt Ende 20, kräftig gebaut und ziemlich auffällig durch seine roten Haare und seine Tattoos. Er sammelt Messer, Schwerter und andere Waffen. Er interessiert sich für mittelalterliche Ausrüstung, für Mythologie und okkulte Themen. Werbung Werbung Ende Viele vertrauen ihm. Seit seiner Verwicklung in die Mordermittlungen an Dornar sind mittlerweile über sechs Jahre vergangen. Die Fälle sind nicht mehr so dauerpräsent und werden nicht mehr so häufig besprochen. Das Leben der Menschen ging weiter. Was damals kaum jemand richtig einordnet, ist ein anderer Fall, der sich in dieser Zeit zugetragen hat. Am 27. Februar 1980 entdeckt die Crew eines Güterzugs menschliche Überreste entlang der Interstate an einer Böschung. Die Polizei findet dort die Leiche eines jungen Mädchens. Sie ist schon stark verwest und kaum noch zu identifizieren. Sie liegt an einem Maschendrahtzaun, direkt neben den Gleisen. Die Leiche ist fast skelettiert und trotzdem können die Ermittler noch einige Details erkennen. Die Tote hat helles, leicht rötliches Haar. Die Ermittler stellen fest, dass sie keine Schuhe und keine Unterwäsche trägt. Ihr Kleid ist nach oben geschoben, fast bis zum Hals. An ihrem Körper finden die Polizisten noch Schmuck, zum Beispiel Ohrringe. Laut Gerichtsmedizin ist die Tote durch eine Stichverletzung in die Brust getötet worden. Sie soll gerade mal 15 Jahre alt gewesen sein und wahrscheinlich schon über ein Jahr an diesem Ort gelegen haben. Vielmehr lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Das Merkwürdige ist, niemand in der Gegend hat eine junge Teenagerin als vermisst gemeldet. Sie muss also von außerhalb sein. Die Polizei versucht, die Tote über Gesichtsrekonstruktion zu identifizieren. Aber es gibt keine Hinweise darauf, wer sie ist oder woher sie kommt. Die Ermittler geben der Leiche deshalb einen Namen, der nichts über sie aussagt, sondern nur über den Ort, an dem sie gefunden wurde. Nämlich Betty Beaver Tail, benannt nach dem nahegelegenen Beaver Tail Hill. Und dann gibt es ein paar Monate später noch einen Vorfall, der für die Ermittler später noch interessant werden wird. Im Sommer 1980. Eine Frau kommt nachts nach Hause und findet Seile, die jemand an ihrem Bett befestigt hat. Etwas, das wie eine Wäscheleine aussieht, hängt an den Bettpfosten und am Rahmen. Die Frau findet das zwar komisch, schmeißt das Zeug aber erstmal weg und meldet das erst am nächsten Tag der Polizei. Für sich genommen ist das kein großer Fall, aber ein Ermittler erinnert sich später daran, dass er so etwas schon einmal gesehen hat, und zwar vor sechs Jahren, in Donners Haus. Es bleibt erstmal aber nur ein ungewöhnlicher Vorfall. 1984, zehn Jahre nach den ersten Todesfällen, trifft der inzwischen 29-jährige Wayne eine junge Frau, die sich als Robin vorstellt. Robin ist erst 16 Jahre alt und als Ausreißerin unterwegs. Sie kommt ursprünglich aus Washington State, war aber zuletzt viel in Texas unterwegs. Ende August 1984 wurde sie von einem Trucker in Missoula abgesetzt, ohne Geld und ohne festen Plan. Sie ging da zuerst einmal in eine Bar, in die Cabin. Dort arbeitet Wayne ja als Türsteher. Er spricht Robin an und lädt sie auf ein Bier ein. Wayne bietet ihr schließlich an, bei ihm zu übernachten. Sie nimmt das Angebot an und zieht sogar bei ihm ein. Robin bleibt gleich mehrere Wochen. Wayne erzählt Freunden und bei der Arbeit, dass er jetzt mit Robin zusammen ist. Er spricht über sie, zeigt sie aber kaum öffentlich. Er bringt sie einmal mit zu einer Party am Abend des 28. September 1984 und danach verschwindet Robin, spurlos. Als Freunde und Bekannte später nach Robin fragen, reagiert Wayne kaum. Er sagt, sie sei eben weitergezogen. Einmal erzählt er, sie sei mit einem Trucker mitgefahren. Ein anderes Mal habe Wayne sie zu einer Buschstation gebracht. Die Geschichten sind nicht ganz gleich, aber sie klingen für viele plausibel genug. Niemand fragt genauer nach. Vielleicht, weil Robin nicht aus der Gegend kommt und ohnehin auf der Durchreise war. Was zu diesem Zeitpunkt niemand in Missoula weiß, Robin hat die Stadt nie verlassen. Ein paar Monate später, Weihnachten am 24. Dezember 1984, da wird in der Gegend östlich von Missoula ein grausiger Fund gemacht. Und der hat erstmal überhaupt keinen Bezug zu Robin. Ein Naturfotograf ist an diesem Tag draußen in der Kälte unterwegs, als ihm etwas Ungewöhnliches auffällt. Etwas ragt aus dem gefrorenen Boden heraus. Zuerst sieht es aus wie ein dunkler Ast oder ein Stück Holz. Aber als er näher herangeht, erkennt er, dass es kein Holz ist. Es ist ein menschliches Bein. Schwarz verfärbt und steil fragt es aus dem gefrorenen Boden heraus. Das muss ein furchtbarer Fund gewesen sein. Der Fotograf merkt sich die Stelle, läuft zurück zu seinem Auto und verständigt die Polizei. Als die Ermittler ankommen, da wird schnell klar, dass hier jemand vergraben wurde. Die Bergung ist allerdings schwierig, weil der Boden tief gefroren ist. Es dauert Tage, bis die Überreste vollständig freigelegt werden können. Als die Ermittler schließlich alles gesichert haben, da zeigt sich, dass es sich um eine junge Frau handelt, die offenbar schon seit einigen Monaten dort liegt. Die Obduktion ergibt, dass sie durch mehrere Schüsse in den Kopf getötet wurde. Kugeln finden die Ermittler am Fundort allerdings nicht mehr. Das deutet darauf hin, dass die junge Frau an einem anderen Ort getötet und anschließend verscharrt wurde. Niemand weiß, wer sie ist, wie schon beim Fall von Betty Bevertail, der Leiche, die 1980 gefunden wurde. Und wie schon bei dem Fall geben die Ermittler der Toten einen Namen, der sich nur auf den Fundort bezieht. Debbie Deer Creek. Der Fall Debbie und der Fall Betty werden erstmal nicht miteinander in Verbindung gebracht. Aber im September 1985, ein Dreivierteljahr später, entdeckt ein Jäger menschliche Überreste in einem Waldgebiet südlich von Missoula. Als die Ermittler eintreffen, finden sie ein Skelett, verstreut über ein Hanggebiet in der Nähe eines Bachlaufs. Laut Gerichtsmedizin ist es eine junge Frau, wahrscheinlich zwischen 20 und 25 Jahre alt. Ihre Haare werden als hellbraun beschrieben, dünn und leicht gewellt. In ihrem Schädel finden die Ermittler zwei Einschüsse, einer am Hinterkopf und einer an der Schläfe. Wie die anderen toten, unbekannten Frauen bekommt auch sie einen Namen, Chrissy Crystal Creek. In einigen Quellen wird sie auch als Christy Crystal Creek benannt. Den Ermittlern fällt auf, dass alle drei Leichenfunde geografisch ziemlich nah beieinander liegen. Die Fundorte liegen alle in der gleichen Region rund um Missoula, entlang von Straßen, Flussläufen und abgelegenen Waldstücken. Junge Frauen, abgelegt an Orten, an denen sie lange unentdeckt bleiben können. Das kann kein Zufall sein. Die Ermittler geben diese Fälle auch nicht einfach auf. Immer wieder versuchen sie, die unbekannten Frauen zu identifizieren. Es werden Rekonstruktionen erstellt, Gesichter modelliert und Vermisstenanzeigen abgeglichen. In regelmäßigen Abständen gehen die Daten durch die neuen Systeme und Datenbanken. Besonders, als im Zusammenhang mit anderen Serienverbrechen in den USA immer mehr Vermisste zentral erfasst werden. Da hoffen die Ermittler auch in Miss Sula-Auftreffer. Aber lange passiert nichts. Die Namen bleiben erstmal dieselben. Betty Beavertail, Debbie Deer Creek, Chrissy Crystal Creek. Und dann passiert Ende 1985 etwas, das die Aufmerksamkeit der ganzen Region auf sich zieht. Am Morgen des 13. Dezember 1985, nur vier Monate nach dem Fund der letzten Leiche von Chrissy Crystal Creek, wird die Polizei nach Ravalli County gerufen. Das liegt etwa 80 Kilometer südlich von Missoula. Es gibt einen Notruf aus einer kleinen Stadt namens Hamilton. Michael und Teresa leben dort mit ihren drei kleinen Kindern. Michael ist Lehrer und Theresa kümmert sich um den Haushalt. Die Familie ist gerade erst frisch in ihr Haus eingezogen und hat sich kürzlich neue Möbel gekauft. Ein komplettes Wohnzimmerset, das erst wenige Wochen vorher geliefert wurde. Am Abend des 12. Dezember 1985 klopft es gegen 21 Uhr an die Haustür. Der vierjährige Luke düst davon und öffnet. Ein Mann steht vor ihm, tritt ins Haus und noch bevor irgendjemand reagieren kann, sagt der Fremde, Ich bin Conan, der Barbar. Der Mann trägt eine Waffe und ein Messer bei sich. Er will Geld und niemand wird verletzt, sofern alle kooperieren. Doch dann fällt kurz darauf ein Schuss. Teresa wird ins Bein getroffen. Später gehen die Ermittler davon aus, dass der Schuss möglicherweise als Drohung gedacht war. Aber die Kugel trifft sie tatsächlich. Und es bleibt nicht dabei. Es kommt zu einem Kampf. Michael wird überwältigt. Vermutlich wird er zuerst niedergeschlagen und dann gefesselt. Die Spuren deuten darauf hin, dass er mit einem schweren Gegenstand am Kopf getroffen wird, bevor er mit einem Messerstich in die Brust getötet wird. Die Kinder sind währenddessen alle im Haus. Der vierjährige Luke und die zweieinhalbjährige Megan müssen sogar Teile des Angriffs mit ansehen. Luke wird dann zu seinem älteren Bruder ins Zimmer gesperrt. Der Täter bringt Theresa unter Waffengewalt ins Schlafzimmer. Dort setzt er die kleine Megan in ihr Kinderbett. Anschließend fesselt er Theresa mit Händen und Füßen ans Bett. Die Ermittlungen ergaben später, dass Theresa sexuell missbraucht wird, bevor sie ebenfalls erstochen wird. Es ist unfassbar, aber nach dem, was wir wissen, hat die kleine Megan offenbar die ganze Zeit in ihrem Bettchen im selben Zimmer gesessen. Nachdem der Täter das Haus wieder verlassen hat, kehrt er später noch einmal zurück. Er durchsucht alle Räume, nimmt Gegenstände mit und versucht schließlich, das Haus in Brand zu setzen. Mit den Kindern im Inneren. Der Täter zündet Möbelstücke und Magazine an und schließt dann die Tür. Es ist wirklich unglaublich, dass er versucht, auch die Kinder auf so grausame Art und Weise umzubringen. Das Feuer entwickelt sich aber nicht vollständig. Trotzdem füllt giftiger Rauch das Haus. Am nächsten Morgen werden Nachbarn misstrauisch, weil Michaels Auto noch in der Einfahrt steht. Normalerweise ist das schon längst bei der Arbeit. Die aufmerksamen Nachbarn gehen rüber zum Haus, bemerken den Rauch und retten die Kinder. Erst danach entdecken sie die beiden Leichen. Auch für die erfahrenen Ermittler ist das ein extrem brutales Verbrechen. Und der Ablauf ist nicht völlig neu. Es gibt Parallelen zu dem, was fast zehn Jahre zuvor in Missoula passiert ist. Zu einem Haus, zu Seilen und zu einem Täter, der sich Zeit nimmt und sich im Innern des Hauses bewegt, als gehöre er dorthin. Ein Detail fällt dabei besonders auf. Allerdings noch nicht der Polizei. Nur wenige Wochen vor der Tat hatte jemand der Familie die neuen Möbel geliefert. Möbel, die sie bei Conlins Furniture in Missoula ausgesucht und bestellt hatten. Und dort arbeitet jemand, den ihr schon kennt, nämlich Wayne, und zwar als Lieferant. Dass Wayne mit den Möbeln kurz vorher bei Theresa und Michael war, fällt der Polizei zu diesem Zeitpunkt offenbar nicht auf, zumindest nicht als entscheidend. Die Lieferung liegt schon Wochen zurück und das Haus ist weit außerhalb von Missoula, in einem anderen County. Außerdem sind bei solchen Lieferungen oft mehrere Mitarbeiter beteiligt. Wayne ist eigentlich nur einer von vielen Kontakten, die Menschen so in ihrem Alltag haben. Wir lassen so oft Lieferanten ins Haus, lassen sie in unser Wohnzimmer, in unser Schlafzimmer, in unsere heiligen vier Wände. Und genau so bekommt Wayne seit Jahren schon Zugang in unzählige Häuser und Wohnungen. Wayne ist mittlerweile 30 Jahre alt und arbeitet immer noch bei Conlens Furniture. Er fährt Lieferungen aus, trägt Möbel in die Häuser und bekommt dabei einen Einblick in fremde Wohnungen. Seine Kollegen beschreiben Wayne eher als durchschnittlich. Ein wenig charmant, nicht besonders auffällig. Einfach ein normaler Typ, der seine Arbeit macht. Gleichzeitig häufen sich aber Vorfälle, die für sich genommen klein wirken und deshalb nicht wirklich Konsequenzen haben. Aber alle absolute Red Flags. Mehrere Kundinnen beschweren sich nach ihren Möbellieferungen über obszöne Anrufe. Einige von ihnen sind überzeugt, dass ihr Lieferant Wayne dahinter steckt. Solche Geschichten passieren offenbar nicht nur einmal. Aber nichts passiert. Wayne gilt zwar als seltsam, aber eben nicht als gefährlich. Auch im Möbelhaus selbst fällt Wayne auf. Er macht Fotos von Kolleginnen und beobachtet Frauen. Es gibt später sogar Hinweise darauf, dass er irgendwo ein Guckloch eingerichtet haben soll. Dazu kommt etwas, das auf den ersten Blick fast harmlos wirkt und gerade deshalb lange nicht ernst genommen wird. Wayne ist aufmerksam, sehr aufmerksam. Er kennt Geburtstage, Hochzeitstage, bringt an Feiertagen Blumen oder kleine Geschenke mit und merkt sich sehr viele Details aus dem Leben anderer Menschen. Er wirkt fürsorglich und manchmal fast etwas altmodisch. Gleichzeitig beschwert er sich darüber, dass er selbst niemanden findet. Für viele passt das zu dem Bild, das sie ohnehin von Wayne haben. Nett, aber eigenartig. Besonders deutlich wird das bei Chris. Sie ist die Managerin im Möbelgeschäft. Wayne schwärmt ganz offen für sie. Er bringt ihr Blumen, malt ihr Bilder, schreibt ihre Initialen groß an die Wände im Lager und sammelt Fotos von ihr. Nicht nur ein paar, sondern viele. Später wird man sehen, wie systematisch das war. Ausgeschnittene Bilder, sortiert, beschriftet und in Bücher eingeklebt. Notizen mit Liebeserklärungen, kleine Fundstücke aus dem Arbeitsalltag und ihre Unterschrift, ausgeschnitten aus einem Formular. Wenn man das alles hört, fragt man sich schon, wieso er da überhaupt noch arbeitet. Aber offenbar sieht niemand das ganze Bild von Wayne. Man sieht nur einen Mann, der ab und zu zu weit geht und Grenzen nicht wahrt. Im September 1986, ein Jahr nach dem Tod von Theresa und Michael, eskaliert es. Managerin Chris und ihr Ehemann Doug sind an diesem Abend mit Freunden aus. Als sie kurz vor Mitternacht nach Hause kommen, da fällt Doug ein Pick-up auf, der halb auf der Straße und halb auf ihrem Grundstück steht. Er schaut nach, sieht im Auto jemanden zusammengesunken auf dem Vordersitz und denkt erst, dass da einfach jemand seinen Rausch ausschläft. Er beachtet ihn nicht weiter und geht ins Haus. Später möchte Doug aber noch einmal nachsehen. Als er wieder hinausgeht, ist der Truck aber verschwunden. Doug will nur noch schnell den Müll rausbringen und öffnet die Garage, als er draußen plötzlich eine Bewegung in den Büschen wahrnimmt. Als er fragt, wer da ist, springt Wayne plötzlich aus den Büschen. Er behauptet, er habe draußen niemanden Verdächtigen gesehen und fragt Doug nach einer Taschenlampe. Die Erklärung wirkt für Doug offenbar plausibel genug, denn er dreht sich um und geht zurück ins Haus, um die Lampe zu holen. Und in dem Moment schlägt Wayne zu. Doug wird von hinten am Kopf getroffen. Als er wieder zu sich kommt, liegt er blutend im Haus. Wayne steht über ihm. Doug wehrt sich. Seine Frau Chris hört dumpfe Geräusche, als sie ins Wohnzimmer läuft und ihren Mann blutend am Boden sieht. und in diesem Moment erkennt auch sie, wer der Angreifer ist. Wayne zwingt beide mit einer Waffe zurück. Er will Geld. Duck wird gefesselt und im Keller an einen Stützpfosten gebunden. Wayne benutzt dafür wieder Seile, die weiße Wäscheleine. Schließlich sticht er Duck mit einem Messer in die Brust und lässt ihn im Keller zurück. Oben verfrachtet er Chris ins Schlafzimmer. Auch sie wird gefesselt. Alles läuft darauf hinaus, dass Wayne jetzt genau dort weitermachen will, wo andere Taten in den Jahren zuvor bereits hingeführt haben. Aber Doug stirbt nicht. Trotz einer Kopfverletzung, trotz des Messerstichs und trotz des Blutverlusts gelingt es ihm irgendwie sich zu befreien. Im Keller liegt ein Gewehr, an dem er kurz vorher noch gearbeitet hat. Er schafft es, genau eine Patrone zu laden. Mehr Zeit hat er nicht. Er will Wayne von Chris weglocken. Also macht er Lärm, damit Wayne zurück in den Keller kommt. Und der Plan funktioniert. Wayne hört das Geräusch und läuft zur Kellertreppe. Doug wartet dort unten am Treppenabsatz, schwer verletzt und blutend, aber mit dem Gewehr im Anschlag. Als Wayne um die Ecke kommt, schießt Doug. Die Kugel trifft Wayne auch und er taumelt zurück Richtung Schlafzimmer. Doug folgt ihm und schlägt mit dem Gewehr auf ihn ein. Die beiden kämpfen miteinander. Wayne feuert sogar noch Schüsse ab, bricht dann aber schließlich zusammen. Im Buch To Kill and Kill Again gibt es sogar ein Foto von Chris nach dieser Horrornacht. Sie steht mit blutbefleckter Kleidung vor der Kamera. Sie und ihr Mann Doug überleben das Horrorszenario. Wayne wird ins Krankenhaus gebracht, stirbt aber am nächsten Tag an seinen Verletzungen. Und dann erst beginnt das eigentliche Ausmaß klar zu werden. Als die Ermittler im Haus von Chris und ihrem Mann Spuren sichern, stoßen sie auf Details, die ihnen bekannt vorkommen. Die Art, wie Duck gefesselt wurde, die Wäscheleine, diese Knoten, der Ablauf im Haus. Das ist nicht neu. Das haben sie schon einmal gesehen. Bei Michael und Teresa, bei Donna, bei der jungen Frau, die eines Nachts nach Hause kam. Wofür ist Wayne noch verantwortlich? Die Polizei fängt nun an, Waynes Leben komplett aufzurollen. Sie gehen auch in ihren Ermittlungsakten zurück zu alten Fällen und Spuren. Und schnell wird klar, Wayne ist ein Serienmörder. Und zwar schon seit Jahren. Als die Polizei sein Haus durchsucht, da finden sie Dinge, die sie so nicht erwartet haben. Fotos von Chris, Karten der Umgebung, Skizzen von Wohnungen, Fluchtwege und Pläne. Sie finden Hinweise darauf, dass Wayne sich gezielt auf Häuser vorbereitet hat, bevor er zuschlägt. Einige Taten lassen sich relativ schnell mit Wayne in Verbindung bringen. Zum Beispiel die Morde an Theresa und Michael, die Wochen vor ihrem Tod Möbel gekauft haben, die Wayne ihnen geliefert hat. Die Ermittler finden gestohlene Gegenstände seiner Opfer, zum Beispiel eine Elchstatue, die Wayne einfach seinem Vater zum Geburtstag geschenkt hat. In seinem Haus finden die Ermittler auch eine Serie von Bildern aus einem Fotoautomaten, auf denen Wayne zusammen mit einer jungen Frau zu sehen ist. Die beiden küssen sich. Die Frau hat dunkle, leicht rötliche Haare und trägt eine große Brille. Waynes Vater kennt das Mädchen und auch die Barkeeperin in der Cabin Bar erkennt sie wieder. Das ist Robin. Das Mädchen, das eine Zeit lang bei Wayne gewohnt hat und dann spurlos verschwunden ist. Für die Ermittler ist dann klar, Robin und die namenlose Leiche Debbie Deer Creek sind ein und dieselbe Person. Was die Ermittler zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, ist, wer diese Frau wirklich ist. Mehr als den Namen Robin haben sie lange Zeit nicht. Erst Jahrzehnte später, im Jahr 2006, wird Robin, alias Debbie Deer Creek, durch einen DNA-Abgleich identifiziert. Mehr als 20 Jahre später. Ihr richtiger Name lautet Marcella, eine 16-jährige Ausreißerin aus Vancouver in Washington. Sie war von zu Hause weggelaufen und hatte sich durchgeschlagen, bis sie in Missoula auf Wayne traf. Damit bekommt Robin endlich ihren echten Namen zurück. Auch bei einem anderen Fall verdichtet sich der Verdacht gegen Wayne. Schon 1978 verschwand ein 15-jähriges Mädchen in Seattle, Devona. Genau zu dieser Zeit ist Wayne dort ansässig, kurz nach seiner Zeit bei der Navy. Jahre später wird klar, dass Devona die junge Teenagerin ist, die man in Missoula als erste unbekannte Betty Beaver Tail gefunden hat. Die zeitlichen und geografischen Überschneidungen sind auffällig, aber ein eindeutiger Beweis, dass Wayne sie getötet hat, existiert nicht. Aber es ist ein sehr starker Verdacht. Dann ist da noch die dritte unbekannte Frau, Chrissy Crystal Creek. Ihre Überreste wurden ja 1985 gefunden. Auch hier sehen die Ermittler deutliche Parallelen. Jung, allein, abgelegt in derselben Gegend und getötet durch Schüsse in den Kopf. Jahrzehntelang bleibt die Leiche namenlos. Erst 2021 kann sie durch eine DNA-Analyse identifiziert werden. Es ist Janet, 23 Jahre alt, aus dem Bundesstaat Washington. Doch anders als bei Marcella lässt sich Wayne in diesem Fall nicht eindeutig überführen. Er ist der einzige ernsthafte Verdächtige, aber es gibt keinen endgültigen Beweis, dass er auch Janet umgebracht hat. Und dann sind da noch die ganz alten Fälle. Der Mord an Donna, der Tod der kleinen Chivon. Auch hier sehen einige Ermittler Parallelen, vor allem im Verhalten des Täters. Das Eindringen in Häuser und das Fesseln, die roten Haare, die ein Zeuge im Fall Chivon beschrieben hat. Aber diese Verbindungen bleiben nicht ganz sicher. Sie lassen sich nie eindeutig beweisen. Die Polizei ist überzeugt, dass Wayne ein Serienmörder ist. Mehrere Morde lassen sich ihm auch klar zuordnen. Doch viele Fragen bleiben offen. Denn Wayne war ja nicht die ganze Zeit in Missoula. Er war ein paar Jahre bei der Navy unterwegs. In anderen Städten und anderen Bundesstaaten. Was in dieser Zeit passiert ist, das weiß niemand genau. Ermittler vermuten, dass er auch weitere Verbrechen begangen haben könnte. Und genau das macht diesen Fall so beunruhigend. Denn wenn man sich anschaut, wie Wayne vorgegangen ist, dann wird klar, er musste gar nicht einbrechen. Er musste keine Fenster einschlagen. Er wurde einfach reingelassen. Er war der Möbellieferant, Kollege, Bekannte aus der Bar, der freundliche Typ, der hilft, schwere Sachen ins Haus zu tragen. Menschen haben ihm ihre Adresse und die Schlüssel gegeben, ihm ihre Wohnungen gezeigt und vertraut. Und manchmal ist er später nochmal zurückgekommen. Und gleichzeitig fragen wir uns, warum? Vielleicht ging es Wayne nie nur um Geld. Vielleicht nie nur um Gewalt. Vielleicht ging es um Kontrolle, um Macht und Fantasien, die er ausgelebt hat. Und das ist vielleicht das Unheimlichste an dieser ganzen Geschichte, dass die größte Gefahr nicht von außen kam, sondern von jemandem, den man selbst hineingelassen hat. Und dabei darf man vor allem nicht vergessen, dass hinter jedem dieser Fälle ein Mensch steht, eine Geschichte und eine Familie. Viele von ihnen haben nie vollständige Antworten bekommen. Also ich habe ja schon erzählt, dass ich kürzlich, wobei es auch schon ein halbes Jahr her, umgezogen bin und da kam es auch ein paar Mal vor, dass Möbellieferanten zu mir gekommen sind. Und du vertraust den Menschen ja total. Du lässt sie ja natürlich in deine Wohnung, weil mir das bestellte Möbelstück, sowas wie eine Waschmaschine, natürlich viel zu schwer wäre. Also ich muss dann ja die Person ins Haus lassen und war auch meistens alleine. Oder ist das nicht eine furchtbare Vorstellung, dass diese Person das dann ausnutzt und erlaubt? Zumindest nicht in dem Moment angegriffen hat, aber eben später wiedergekommen ist, was es natürlich nicht besser macht. Wie gruselig ist diese Vorstellung? Ich finde auch, das ist schon wieder so ein Fall, wo ich so lange nicht darüber nachgedacht habe, dass das halt ein Ding sein kann und es einfach irgendwie so eine komplett neue Angst freischaltet. Aber gleichzeitig versuche ich das halt immer wegzurationalisieren und denke mir, das ist ein Extremfall. 99 Prozent der Möbellieferanten sind ganz normal. Die machen ganz normal ihre Arbeit so. Ja gut, dass du es nochmal sagst. Also wir haben ja gerade in der Folge erzählt, dass einige auch ihre Schlüssel an die Möbellieferanten gegeben haben. Das finde ich auch wild. Ja, das würde ich auch nicht unbedingt machen. Das würde ich auch nicht machen. Wenn man dann nicht zu Hause ist, kann man das ja bestimmt irgendwie anders organisieren. Aber ja, nichtsdestotrotz ist ja, wie du schon sagst, wichtiger Punkt, dass das natürlich ein sehr krasser Ausnahmefall ist und dass alle anderen Möbellieferanten einen ganz tollen Job machen und ganz lieb und nett sind. Klar. Ich finde aber auch gleichzeitig voll krass, auch wenn wir über Wayne so viel heute gesprochen haben, verstehe ich immer noch nicht so ganz, warum er das überhaupt gemacht hat. Ob das wirklich aus so einem Machtverlangen war oder so wie er halt groß geworden ist, sein Vater war ja Teil von einem Raubüberfall, dass er das irgendwie so mitgenommen hat, um zu überleben und das halt sein Weg war, den er gewählt hat, der für ihn sicherer war als so ein Raubüberfall. Da bin ich noch ein bisschen überfragt, um ehrlich zu sein. Vor allem bei der Geschichte mit Donna und Harvey, da war Wayne ja sogar mit deren Sohn befreundet. Also das finde ich macht es nochmal irgendwie krasser, dass er der Familie ja vertraut war und auch mit dem Haus vertraut war und ja, dass er dieses Vertrauen so hart ausgenutzt hat und Donner ermordet hat. Also dass er diesen, ja, diesen Moment genutzt hat, in dem sie ihn erkennt, ins Haus lässt wahrscheinlich, schon mal auf den Sohn warten lässt oder so, dass er sie dann, ja, ermordet und dass er so lange ja damit davongekommen ist, obwohl es ja schon viele Parallelen gab. Allein mit dieser Wäscheleiner. Aber dadurch, dass der halt nicht im Ort war, sondern in seiner Navy-Zeit ja auch woanders, war der halt oft raus. So, ja, der war nicht da, der kann es ja nicht gewesen sein. Ja, aber ich finde auch so rückblickend, also das ist halt auch immer so leicht zu sagen, rückblickend, warum haben sie nicht so darauf geachtet, finde ich das aber trotzdem krass, dass all das ja passiert ist. Nachdem dieses Möbelunternehmen die Möbel ausgeliefert hat. Also ich frage mich wirklich, Warum hat nicht jemand davor schon diese Connection einfach gesehen? Vielleicht hätten wirklich Menschenleben dadurch gerettet werden können. Das kann ich einfach noch nicht so ganz verstehen. Also in diesem ganzen Fall sind mal wieder so viele Punkte, wo ich mir einfach nur so denke, wie traurig, dass das nicht irgendjemand früher gerafft hat, weil einfach Menschenleben gerettet werden könnten dadurch. Aber mehr fällt mir zu dem Fall ehrlich gesagt auch gar nicht großartig ein. Wenn ihr noch weitere Ideen habt, falls ihr euch vielleicht erklären könnt, warum er das macht, Haut das gerne mal in die Kommentare oder schreibt uns bei Instagram und Co. Heißen wir schwarze Aktie, alles klein und zusammengeschrieben. Und ich würde dich jetzt einfach mal fragen, was steht bei dir heute an? Was machst du heute Schönes, damit wir hier einen positiven Abschluss haben? Also heute kann ich dir gar nicht so genau sagen, aber ich kann dir erzählen, was die Woche noch Cooles ansteht. Hau raus. Denn ich gehe mal wieder auf ein Konzert und zwar von Tame Impala. Da freue ich mich schon sehr drauf. Oh, mega geil. Das habe ich zu Weihnachten geschenkt bekommen. Das wird super cool. Ich gehe ja wirklich auf ganz, ganz viele Konzerte und die habe ich noch nie live gesehen. Das wird so mein Highlight der Woche. Geil, mein Highlight der Woche ist, ich habe gerade den Terminkalender gecheckt und ich habe gesehen, dass ich muss zum Zahnarzt, weil... Aber hey, wichtig. Ja, wichtig, wichtig. Ich wollte gerade sagen, wir wollen ja möglichst positiv abschließen, aber weil, du musst wissen, ich habe mir, als ich ganz klein war, wirklich grundschulklein, mal beim Volleyball richtig dumm, den unteren Schneidezahn, da war es rausgehauen. Und immer mal wieder passiert es dann halt, das wird ja dann so nachträglich geklebt und so. Und das ist immer mal wieder dann natürlich rausgegangen. Und jetzt, ich laufe schon seit gefühlt drei Monaten oder so mit so einer kleinen Kerbe unten da halt rum. Und jetzt dachte ich mir so, ach komm, jetzt lass das mal machen. Das ist mein Highlight der Woche, basically. Hey, es ist ja was Positives dann für dich irgendwie. Ja, hoffentlich. Mal gucken, wie lange das hält. Beim letzten Mal ist es leider super schnell schon abgegangen. Irgendwie so ein paar Tage danach und dann hatte ich auch gar keinen Bock, so schnell nochmal da hinzugehen. Egal. Was ist euer Highlight der Woche? Das würde uns auch sehr interessieren. Und damit würde ich sagen, schließen wir die Akte für die Woche und wir hören uns. Wann wieder? Wir hören uns schon am Donnerstag, denn da gibt es, weil es der letzte Donnerstag im Monat ist, wieder eine paranormale Folge hier in der schwarzen Akte. Und ich glaube, ich verspreche nicht zu viel, wenn ich sage, das ist mal eine ganz andere Art von Paranormal. Und wir sind super gespannt, wie ihr diesen ausgewählten Fall findet. Ja, so können wir, glaube ich, verbleiben. Bis dahin. Wir sind eure Hosts Anne Luckmann und Patrick Strohbusch. Redaktion Johanna Müsiger und wir. Schnitt Anne Luckmann. Produktion Nadine Lenfer-Unterweger und Lea Backes. Die schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios. Besonderer Dank geht an Falco Schulte.