Latest / Immer wieder Deutsch | Learn German (B1 - C1 Intermediate) / #75: Deutsches Oktoberfest "die Kirmes" | Learn German Listening Practice
Transcript
- 0:00Ben: Hallo und herzlich willkommen zurück bei Immer wieder Deutsch.
- 0:04Ben: Heute reden wir über Oktoberfeste, also deutsche Feste im Oktober.
- 0:14Ben: Jeder kennt wahrscheinlich das Oktoberfest in München.
- 0:19Ben: Es gibt ja viele Videos davon in den sozialen Medien.
- 0:25Ben: Oder vielleicht war der ein oder andere von euch schon einmal dort.
- 0:32Ben: Aber ich finde besser als das Oktoberfest in München, die kleineren Feste, die es überall in Deutschland gibt, in dieser Zeit im Oktober.
- 0:47Ben: Ich erzähle euch heute, wie das für mich war, als Kind in meinem Dorf, in Thüringen, dieses Fest zu feiern.
- 1:03Ben: Also in meinem Dorf.
- 1:06Ben: Es ist ja kein super kleines Dorf.
- 1:12Ben: Es gibt eine kleine Stadt in der Nähe mit ungefähr, ich glaube, 30.000 Einwohnern.
- 1:21Ben: Das Dorf, in dem ich gewohnt habe, hatte vielleicht 1000 Einwohner.
- 1:29Ben: Vielleicht sogar ein bisschen weniger.
- 1:31Ben: Und dort gab es Kirmes.
- 1:35Ben: Die Kirmes ist ja so was ähnliches wie ein Oktoberfest.
- 1:42Ben: In dem Dorf, in dem ich lebe oder gelebt habe, gibt es das schon seit mittlerweile 800 Jahren, soweit ich weiß.
- 1:54Ben: Also es hat eine sehr lange Tradition.
- 1:57Ben: Das passiert immer am Ende des Sommers, am Anfang, am Herbstbeginn, wenn die Erntezeit vorbei ist, also am Ende der Erntesaison in Deutschland.
- 2:21Ben: Das heißt, früher hatten die Bauern ein bisschen Zeit, gemeinsam mit den Familien und den anderen Dorfbewohnern zu feiern, zu tanzen, gemeinsam zu trinken und zu essen.
- 2:38Ben: Genau, und dieser Name Kirmes, so heißt das in meiner Heimat.
- 2:44Ben: In anderen Regionen heißt das zum Beispiel Kirchweih oder Kerwa oder ja, es gibt viele verschiedene Namen dafür, je nach Region, aber es ist eigentlich ein kirchlicher Feiertag.
- 3:03Ben: Also das kommt von dem alten Kirchenkalender.
- 3:09Ben: Und der eigentliche Grund war auch Erntedank.
- 3:14Ben: Das heißt, nach der harten Arbeit auf den Feldern danken die Leute dafür den Bauern und auch irgendwie der Natur, dass es eine gute Ernte gab.
- 3:34Ben: Also man hofft natürlich auch, dass es das nächste Jahr auch wieder eine gute Ernte gibt und es gibt viele Lebensmittel und ja, es gibt viel Brot und hoffentlich viel Bier.
- 3:52Ben: Kommen wir zu meiner Kirmes-Erfahrung in meiner Jugend.
- 3:59Ben: Typischerweise ist die Kirmes an einem Wochenende, also Freitag, das ist der Kirmes Freitag, so nennen wir das jedenfalls.
- 4:11Ben: Das ist meistens abends.
- 4:14Ben: Also es gibt ein Zelt im Dorf, ein großes Zelt, in dem sich alle Leute treffen und gemeinsam trinken und es gibt Musik, es spielen Bands.
- 4:27Ben: Aber Freitagabend ist erst ja der Anfang, also noch nicht der richtige eigentliche Kirmesabend.
- 4:38Ben: Denn am nächsten Tag, am Samstag, am Kirmes-Samstag, wird die Kirmes-Tanne aufgestellt.
- 4:47Ben: Eine Tanne, also ein Tannenbaum, das ist zum Beispiel der Baum, den wir an Weihnachten aufstellen.
- 4:58Ben: Also ein Tannenbaum.
- 5:00Ben: Er ist sehr schön grün, er riecht gut und typischerweise stellen wir einen großen Tannenbaum in der Mitte des Dorfes auf.
- 5:14Ben: Meistens am Marktplatz.
- 5:17Ben: Und jeder kann es sehen.
- 5:21Ben: Jeder, der vorbeifährt, der durch das Dorf fährt, kann diese Tanne sehen.
- 5:27Ben: Und sie bleibt meistens bis nach Weihnachten stehen, vielleicht bis zum neuen Jahr.
- 5:34Ben: An Weihnachten wird diese Tanne dann ein bisschen anders dekoriert und weihnachtlich dekoriert.
- 5:42Ben: Und zur Kirmeszeit in meinem Dorf haben wir ja viele bunte Bänder an die Kirmes-Tanne gehangen.
- 5:53Ben: Die Jugend, also die, wie sagt man, die Jungs aus dem Dorf, die jungen Männer aus dem Dorf, fahren an diesem Samstagmorgen zusammen in den Wald mit einem großen Anhänger.
- 6:16Ben: Also vorne sind Pferde an diesem Wagen.
- 6:22Ben: Und es fahren vielleicht zehn oder mehr Leute, junge Männer, in den Wald und suchen einen guten Baum aus, eine gute Tanne.
- 6:35Ben: Diese Tanne wird dann gesägt und gefällt, auf diesen Wagen geladen und zusammen mit den Pferden zurück ins Dorf gebracht.
- 6:50Ben: Dort warten dann schon alle am Marktplatz.
- 6:54Ben: Das wird gefeiert, es gibt Musik und die Tanne wird aufgestellt.
- 7:02Ben: In unserem Dorf gibt es ein kleines Loch am Marktplatz.
- 7:09Ben: Das ist extra dort, um diese Kirmes-Tanne aufzustellen.
- 7:16Ben: Dieses Loch wird geöffnet, die Tanne wird von den jungen Männern angehoben und mit langen Holzstäben, also mit sehr großen Holzbalken gestützt und aufgestellt.
- 7:39Ben: Das dauert manchmal ein bisschen, das braucht viel Kraft.
- 7:44Ben: Und manchmal geht das auch schief und die Tanne fällt um.
- 7:49Ben: Manchmal werden sogar Leute dabei verletzt, wenn etwas schief geht.
- 7:55Ben: Das passiert glücklicherweise, aber nur selten.
- 8:00Ben: Genau dann, wenn die Tanne endlich steht, wird sie richtig befestigt in diesem Loch und die jungen Mädchen im Dorf.
- 8:15Ben: Sie tragen typischerweise traditionelle Kleidung.
- 8:22Ben: Trachten sagen wir auch dazu.
- 8:25Ben: Das ist diese traditionelle Kleidung, die man in dieser Zeit trägt.
- 8:32Ben: Die sieht auch je nach Region ein bisschen unterschiedlich aus.
- 8:37Ben: Und es gibt völlig unterschiedliche Stile.
- 8:43Ben: Also in Bayern ist es zum Beispiel ganz anders als in Thüringen.
- 8:48Ben: Aber ja, diese Mädchen, die tanzen um den Baum, alle singen Lieder zusammen und es wird natürlich gemeinsam Bier getrunken.
- 9:00Ben: Das geht dann über den ganzen Nachmittag, wenn die Tanne steht, gehen die jungen Leute ins Zelt und feiern im Zelt weiter.
- 9:13Ben: Es gibt etwas zu essen und natürlich weiterhin viel zu trinken.
- 9:20Ben: Als ich ein Kind war, war für mich das Beste natürlich der Rummelplatz.
- 9:30Ben: Ein Rummelplatz, das ist ja ein Ort mit Fahrattraktionen, also Karusselle zum Beispiel.
- 9:42Ben: Es gab so eine Art Riesenrad, mit dem man fahren kann.
- 9:48Ben: Oder ja, ein Karussell mit Autos, die im Kreis fahren.
- 9:55Ben: Oder eine kleine Achterbahn, die auf und ab fährt.
- 10:00Ben: Ganz berühmt war in meinem Dorf die Berg- und Talbahn, die sehr schnell im Kreis fährt und immer wieder auf und ab.
- 10:10Ben: Als Kind war das wirklich superschön.
- 10:14Ben: Ich habe immer versucht, ein bisschen Taschengeld mir zu verdienen, bevor die Kirmes losging, damit ich sehr viel Zeit mit meinen Freunden auf dem Rummelplatz verbringen kann.
- 10:32Ben: Danach kann man noch was essen.
- 10:39Ben: Es gibt viele kleine, wir sagen dazu Kirmesbuden.
- 10:44Ben: Das sind kleine Häuser, also so kleine Stände.
- 10:48Ben: Dort kann man zum Beispiel Zuckerwatte kaufen oder Schokoladenäpfel oder mittlerweile gibt es alles Mögliche.
- 10:59Ben: Es gibt Schokoladenerdbeeren und Bananen natürlich.
- 11:04Ben: Es gibt gebrannte Mandeln und Erdnüsse und vielerlei Dinge.
- 11:12Ben: Viele, viele verschiedene Dinge, die man dort essen kann.
- 11:16Ben: Es gibt Bratwurst, Steak, alles Mögliche.
- 11:21Ben: Manchmal sogar Fisch.
- 11:23Ben: In den letzten Jahren gab es immer einen Kebabstand, also einen Dönerstand.
- 11:30Ben: Sehr, sehr lecker.
- 11:34Ben: Also jedes Dorf hat auch ein bisschen einen unterschiedlichen Dönerladen mit einer anderen Soße oder einem bisschen anderen Rezept.
- 11:49Ben: Das ist auch super, super lecker.
- 11:54Ben: Und mittlerweile natürlich auch Teil der heutigen deutschen Tradition, obwohl es nicht aus Deutschland kommt, sondern aus der Türkei ursprünglich.
- 12:09Ben: Ich weiß, über diesen Punkt gibt es sehr viel Streit.
- 12:14Ben: Manche Leute sagen: Nein, das wurde in Berlin erfunden, von einem Türken, der in Deutschland gewohnt hat, aber natürlich ist es heute einfach ein Teil der deutschen Tradition, den wir unseren türkischen Mitbürgern zu verdanken haben.
- 12:42Ben: Und ja, ich glaube, jeder Deutsche ist dafür sehr, sehr dankbar.
- 12:48Ben: Ich glaube, es gibt fast keinen Deutschen, der nicht gerne Döner isst.
- 12:55Ben: Ja, das war der Samstag.
- 12:57Ben: Kirmes-Sonntag ist dann ein bisschen ruhiger.
- 13:00Ben: Die meisten Leute, vor allem die Erwachsenen, sind am Samstagabend im Kirmes-Zelt.
- 13:08Ben: Das ist, wo die richtige Party abgeht.
- 13:12Ben: Und das ist so der wildeste Abend des Kirmes-Wochenendes.
- 13:19Ben: Ja, als Kind darf man natürlich noch nicht in das Zelt abends.
- 13:28Ben: Aber ich glaube, das erste Mal war ich dann mit 14 Jahren oder 15 Jahren im Kirmes-Zelt.
- 13:37Ben: Und ab dann trinkt man natürlich jedes Jahr Samstagabend Bier.
- 13:45Ben: Dementsprechend ist man dann Sonntag relativ fertig, relativ müde.
- 13:51Ben: Man hat vielleicht einen Kater.
- 13:53Ben: Der Sonntag, Kirmes Sonntag ist ein bisschen ruhiger, eher für die Familien und für die Kinder.
- 14:00Ben: Und am Montag danach gibt es einen kleinen Umzug, also wie eine Parade im Dorf, wo man sich vielleicht ein bisschen, ja, bei der man sich vielleicht ein bisschen über Politik lustig macht oder über bestimmte Dorfbewohner, über den Bürgermeister.
- 14:29Ben: Es hat viel Humor, ist ein bisschen altmodisch.
- 14:35Ben: Ich finde es nicht immer so 100% meinen Humor, aber es ist interessant.
- 14:47Ben: Und es gehört dazu.
- 14:49Ben: Und ja, ich habe vergessen am Sonntagmorgen, wir essen meistens am Kirmeswochenende ein schönes Sonntagsessen.
- 14:58Ben: Wahrscheinlich in Thüringen mit Rotkrautklößen und einem leckeren Gänsebraten oder welches Fleisch man auch immer mag.
- 15:14Ben: Währenddessen, zu dieser Mittagszeit, geht die Kirmes-Kapelle.
- 15:22Ben: Das sind die Musiker, die Kirmes-Musikanten, gehen durch die Stadt und spielen jedem Dorfbewohner ein Lied.
- 15:33Ben: Und dafür erhalten sie ein bisschen Geld als Dank für die tolle Kirmes.
- 15:40Ben: Ja, sehr viele schöne Erinnerungen.
- 15:45Ben: Wart ihr schon mal auf einer Kirmes?
- 15:47Ben: Gibt es etwas ähnliches in eurem Land, in eurer Heimat?
- 15:53Ben: Wie ist das für euch?
- 15:55Ben: Ich denke, es gibt viele Feste zu dieser Zeit.
- 16:01Ben: Auch hier in Japan gibt es viele Feste im Oktober, viele traditionelle Feste.
- 16:08Ben: Es ist natürlich ganz anders.
- 16:11Ben: Also, das würde mich interessieren.
- 16:14Ben: Ich danke euch fürs Zuhören.
- 16:18Ben: Bis zum nächsten Mal.
- 16:21Ben: Macht's gut.