Latest / ntv Wirtschaft / 2,5 Prozent: Was die Zinsentscheidung der EZB für uns bedeutet
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- 0:05Die Inflation ist zurück und mit den Preisen steigen auch die Zinsen.
- 0:09Die EZB hebt den Leitzins an. Wie wird sich das auswirken?
- 0:13Außerdem sorgt ein Milliardenverlust bei Krankenkassen für Ärger.
- 0:17Und wir schauen drauf, wie teuer der Stellenabbau und die nach wie vor unsicheren
- 0:22Werksschließungen für Volkswagen werden könnten. Hallo.
- 0:26In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte,
- 0:31die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat.
- 0:36Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt.
- 0:41Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards
- 0:45geprüft. Viel Spaß beim Zuhören.
- 0:51Die Europäische Zentralbank hat den
- 0:53Leitzins angehoben, um einen Viertelprozentpunkt, auf jetzt 2,5 Prozent.
- 1:00Überraschend kommt der Zinsschritt nicht, denn die Inflation ist wieder voll da.
- 1:05Der Iran-Krieg treibt die Energiepreise in die Höhe und verteuert das Leben in Deutschland.
- 1:10Im August lag die Inflation hier bei uns bei 2,9 Prozent, das hat das Statistische
- 1:15Bundesamt jetzt bestätigt.
- 1:18Einen stärkeren Anstieg, den gab es in Europas größter Volkswirtschaft das letzte
- 1:22Mal im Dezember 2023, also vor fast drei Jahren.
- 1:28Im gesamten Euroraum, da waren
- 1:30die Verbraucherpreise im August 3,3 Prozent höher als vor einem Jahr.
- 1:34Weit weg vom Zwei-Prozent-Ziel der EZB. Und Ökonomen rechnen auch für die nächsten
- 1:40Monate weiter mit ordentlich Teuerung.
- 1:43Das IFO-Institut geht davon aus, dass die Inflationsrate kommendes Jahr sogar auf 3% steigen könnte.
- 1:50Was bedeutet das alles jetzt für uns?
- 1:52Beim Einkaufen, beim Sparen, bei Krediten?
- 1:56Gesa Eberl hat mit Sven Affippe gesprochen. Er ist Wirtschaftskorrespondent
- 2:00für den Stern und Kapital.
- 2:02Herr Affippe, es ist also mal wieder der berühmte Spagatinflation bekämpfen,
- 2:07aber dabei Wirtschaft und Märkte nicht mit zu hohen Zinsen abwürgen.
- 2:11Ist also eine Erhöhung jetzt gerechtfertigt oder dann doch zu gefährlich?
- 2:16Sie ist absolut gerechtfertigt, weil das 2-Prozent-Ziel ist weit entfernt von
- 2:20den Inflationsraten, die wir zuletzt im Euroraum gesehen haben, auch in Deutschland.
- 2:24Das hat natürlich dann auch einen ökonomischen Effekt. Kredite verteuern sich.
- 2:28Und für die Konsumenten bleibt aber offenbar auch das Inflationsniveau erstmal hoch.
- 2:34Insofern ja, ein schmaler Grad, aber eine richtige Entscheidung.
- 2:38Ja, und dann aber trotzdem die Frage, wann merkt denn der Verbraucher dann etwas davon?
- 2:42Und wo zuerst? Beim Kredit, beim Sparen oder womöglich im Supermarkt?
- 2:46Also ich glaube an mehreren Stellen gleichzeitig.
- 2:49Die Banken werden sehr schnell darauf reagieren und ihre Kreditkosten,
- 2:53damit die Zinsen für Kredite nach oben anpassen.
- 2:57Keine Bank verzichtet da freiwillig auf Zinseinnahmen.
- 3:01Und gleichzeitig ist es so, dass die Preise durch die höheren Energiekosten,
- 3:06die wir durch die Sperrung der Straße von Hormuz gerade erleben,
- 3:10an die Verbraucher immer weitergegeben werden.
- 3:12Da haben wir, sagen Experten, die Spitze des Eisbergs noch gar nicht erreicht.
- 3:16Das heißt, wir werden weiter wachsende Inflationsraten sehen,
- 3:19plus höhere Zinskosten für Kredite.
- 3:22Also ein insgesamt ungünstiger Zustand für die Konsumenten, die an beiden Seiten belastet werden.
- 3:32Und worauf wirken sich dann steigende Zinsen noch so aus? Also wie sieht es
- 3:36zum Beispiel aus bei Krediten, Sparzinsen oder auch bei meinem Aktiendepot?
- 3:41Ja, in der Tat. Also die Zinsen zur Geldanlage werden natürlich dann auch steigen.
- 3:46Und die anderen, die Kreditvergabe, die Zinsen, die man dann aufnimmt oder Kredite,
- 3:53die man aufnimmt für Bauzinsen, Baufinanzierung, die steigen ebenfalls.
- 3:58Also ich glaube, an verschiedenen Enden wird es sich bemerkbar machen,
- 4:04aber eben auch positiv in der Geldanlage, das stimmt schon.
- 4:07Und damit zu einem Thema, das viele Beitragszahler ärgern dürfte.
- 4:11Krankenkassen sollen enorme Verluste gemacht haben.
- 4:14Mit riskanten Geldanlagen.
- 4:17Es ist schon ein ausgewachsener Skandal. In Zeiten, wo unser Gesundheitssystem
- 4:22ja harte Einschnitte erfährt.
- 4:24Krankenkassen und kassenärztliche Vereinigungen haben in windige Immobiliendeals
- 4:30und riskante Fonds investiert und damit viel Geld verloren.
- 4:34Jetzt gibt es auch erstmals eine Zahl. Auf Anfrage der Grünen beziffert das
- 4:38Bundesamt für soziale Sicherung den Schaden auf 1,1 Milliarden Euro.
- 4:44Und Schätzungen zufolge könnten noch mehrere hundert Millionen Euro dazukommen.
- 4:49Denn regionale Kassen sind mit ihren Fehlinvestments noch gar nicht berücksichtigt.
- 4:54Dabei sind unsere Krankenkassen eh schon klamm und dürfen Geld eigentlich nur risikoarm anlegen.
- 5:01Der Finanzanalyst Stefan Leupfinger hat das Ganze im Gespräch mit GESA eingeordnet.
- 5:06Herr Leupfinger, wie groß ist dieser Skandal, gerade vor dem Hintergrund der
- 5:10klammen Kassen und jüngsten Einschnitte in unser Gesundheitssystem?
- 5:14Also schätzen Sie uns das doch bitte einmal ein.
- 5:17Also dieser Skandal ist im Grunde gigantisch vom Ausmaß, weil er...
- 5:22Eigentlich nicht sein dürfte, wenn ein paar Leute ihren Job richtig gemacht hätten.
- 5:28Das Sozialgesetzbuch sieht ausdrücklich vor, dass Investitionen von Krankenkassen
- 5:33und krankenkassenärztlichen Vereinigungen
- 5:35nur gemacht werden dürfen, wenn ein Verlust ausgeschlossen erscheint.
- 5:41So steht es wortwörtlich im Gesetz.
- 5:43Und diese Regelung wurde bei diesen Anlagen mit den Veriosfonds massiv missachtet.
- 5:50Und dazu hätte man nur einmal ein bisschen hinter die Kulissen schauen müssen,
- 5:54was da letztendlich mit dem Geld getan werden soll.
- 5:57Worin genau hat man denn da investiert?
- 6:00Das ist eine sehr gute Frage. Eigentlich müssten diese Frage ja die Krankenkassenmanager
- 6:05beurteilen und beantworten.
- 6:06Aber ich kann sie Ihnen beantworten. Diese Investitionen von den Krankenkassen
- 6:11gingen in ein Luxemburger Finanzvehikel.
- 6:15Dieses Finanzvehikel wiederum investierte in Immobilienprojektentwicklungen in Deutschland.
- 6:22Und diese Immobilienprojektentwicklungen waren sozusagen mit dem Geld der Krankenkassen mittelbar finanziert.
- 6:28Und das Geld ist, man nennt das als Messaninkapital, zur Verfügung gestellt worden.
- 6:35Das heißt also, es wurde im Grunde Eigenkapital ersetzt, um die Banken,
- 6:42die halt nur erstrangige Kredite geben, dann entsprechend zu schützen. Und das ist.
- 6:49Ein Anlagevehikel, das eigentlich nicht sein dürfte. Und die Zinssätze,
- 6:54jetzt halten Sie sich fest, die da vereinbart wurden, waren 15 bis 18,5 Prozent.
- 7:00Und jeder normale Mensch weiß, was das bedeutet für das Risiko.
- 7:04Und vor allem, welche Folgen hat das für die Beitragszahler?
- 7:07Also zahlen die oder zahlen wir also am Ende über höhere Kassenbeiträge für diese Verluste mit?
- 7:13Ja, anders geht es ja nicht. Das Geld fällt nicht vom Himmel.
- 7:16Und diese Milliarde muss ja irgendwo wieder herkommen. Und die kann nur dort
- 7:21herkommen vom Beitragszahler, der halt letztendlich das alles immer finanziert und bezahlt.
- 7:27Oder theoretisch wäre es auch über Leistungskürzungen refinanzierbar und ausgleichbar.
- 7:34Aber eine von beiden Stellschrauben muss benutzt werden, weil sonst,
- 7:38wo soll es denn sonst herkommen, das gilt.
- 7:40Der Bund, Herr Leupfinger, prüft ja jetzt Ausmaß und Hintergrund der Fehlinvestitionen.
- 7:45Wird da jemand dafür noch zur Verantwortung gezogen oder versandet das jetzt?
- 7:51Also ich hoffe ganz stark und bin auch überzeugt, dass das noch Konsequenzen
- 7:55haben wird. Es gibt ja auch schon diverse rechtliche Streitigkeiten vor Gericht,
- 8:01also Gerichtsverfahren.
- 8:03Da gehen die Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen unterschiedliche Wege.
- 8:07Manche verklagen ehemalige Manager, die diese Investitionsentscheidungen nicht
- 8:12treffen hätten dürfen, was ich für absolut berechtigt halte.
- 8:14Also diese Klagen halte ich für berechtigt.
- 8:17Andere wiederum verklagen die darin involvierten Asset Manager,
- 8:21die hier offensichtlich auch ihren Job nicht richtig gemacht haben.
- 8:24Wenn man sich mal anschaut, welche zum Teil wirklich schwindeligen und wackeligen
- 8:29Bauträger in Deutschland damals Geld aus diesem Topf bekommen haben,
- 8:34dann muss ich ganz ehrlich sagen, als jemand, der die Branche so ein bisschen
- 8:37kennt, da hätte ich damals, hat mich schon gefroren, wenn ich das gesehen hätte.
- 8:41Also es war erkennbar, das waren sozusagen fast schon Verluste mit Ansage.
- 8:45Zum Schluss müssen wir nochmal auf den großen Umbau bei Volkswagen gucken.
- 8:49Für die mögliche Schließung von vier Werken in Deutschland und den Abbau von
- 8:53zehntausenden Arbeitsplätzen weltweit, da veranschlagt Volkswagen offenbar gerade
- 8:58insgesamt 16 Milliarden Euro.
- 9:01So hat es zumindest ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters bestätigt.
- 9:06Vorher hatte der Spiegel schon über die Summe berichtet, unter Berufung auf interne Dokumente.
- 9:12Für das Auslaufen der Produktion in Emden und Zwickau sollen jeweils Ausgaben
- 9:17von einer Milliarde Euro eingeplant sein.
- 9:20Für die Werke in Neckarsulm und Hannover je zwei Milliarden.
- 9:24Der Autobauer will die Zahlen bis jetzt nicht kommentieren. Aber die IG-Metall-Vorsitzende
- 9:29Christiane Benner hat in Berlin mit Ulrich Reitz über die Lage bei Volkswagen gesprochen.
- 9:35Frau Benner, Volkswagen meldet, der Aufsichtsrat hat sich auf den Zukunftsplan
- 9:402030 geeinigt. Ist das eine Falschmeldung?
- 9:45Teile des Zukunftsplans unterstützen wir mit als Arbeitnehmerseite und haben
- 9:51da auch mit dran gearbeitet.
- 9:52Da sind Forderungen drin, beispielsweise wie Kosten eingespart werden können
- 9:56durch mehr Synergien, die da jetzt drin beinhaltet sind. Da haben wir zugestimmt.
- 10:02Es gibt allerdings Knackpunkte.
- 10:05Da haben wir Themen nur zur Kenntnis genommen und das betrifft insbesondere
- 10:09die Schließung der vier Werke. Da haben wir wirklich noch mal Luft zum Atmen
- 10:15bekommen, um Zukunftsperspektiven herauszuarbeiten.
- 10:18Und auch das Thema des Beschäftigtenabbaus, das kann von uns auch anders dargestellt
- 10:24werden und kann anders erarbeitet werden durch Kostensenkungen.
- 10:28Also es muss nicht unbedingt in den Arbeitsplatzabbau münden.
- 10:32Es ist eine riesige Herausforderung, die in dem Konzern da ist und der Vorstand
- 10:36muss seine Hausaufgaben machen.
- 10:38Aber wir haben dort keine Werkschließungen
- 10:41beschlossen und wir haben auch keinen Abbau von 50.000 bzw.
- 10:4525.000 Beschäftigten in Deutschland beschlossen.
- 10:48Das ist wichtig zu sagen und das ging leider an dem Abend durch die Medien.
- 10:55Wir haben ja lange gearbeitet, einen Kompromiss zu finden, sodass wir sagen
- 10:59konnten mit dem Land Niedersachsen, dass wir einen solchen Konzeptbeschluss mittragen müssen.
- 11:05Angeblich war ja Volkswagen vor einer Eskalation, ganz kurz davor,
- 11:10außerordentlicher Hauptversammlung stand im Raum.
- 11:12Wie knapp war man an dieser Grenze?
- 11:15Wir haben sehr lange, es war schon knapp, wir haben lange gearbeitet,
- 11:19damit wir einen Beschluss hinbekommen haben, den wir mittragen konnten.
- 11:25Weil wir schon sehen, dass wir in diesem Konzern an einigen Themen arbeiten.
- 11:29Andere Synergien zwischen den Marken beispielsweise zu holen,
- 11:32kürzere Entwicklungszeiten, da besser zwischen Forschung und Entwicklung,
- 11:37Produktion zusammenzuarbeiten. Das Thema Digitalisierung, weil die Herausforderungen
- 11:41für die Automobilindustrie sind ja komplex.
- 11:43Und für unsere Beschäftigten war das einfach so schwierig, weil die Nachricht
- 11:47einfach war, Werke gehen zu, Beschäftigung wird abgebaut.
- 11:51Und da fragt sich ja jeder, warum stimmt da eine Gewerkschaft und ein Betriebsrat,
- 11:55warum stimmt man dann dazu?
- 11:56Aber können Sie Entwarnung geben, dass es die Werke weiterhin gibt,
- 11:59auch nach 2030, und dass diese 50.000, 60.000 Stellen, die da im Raum stehen,
- 12:05nicht gestrichen werden?
- 12:06Diese Sicherheit können wir im Moment nicht geben, sondern wir haben jetzt Möglichkeiten
- 12:11bekommen. Also bis 2030 haben wir ja ohnehin eine Beschäftigungssicherung durch
- 12:15den Abschluss, den wir Ende 2024 gemacht haben. Wir haben jetzt...
- 12:20Zeit nochmal bekommen, um an Konzepten zu arbeiten, wie wir eine Werkebelegung
- 12:26machen können mit Fahrzeugen oder alternative Konzepte auch entwickeln für industrielle
- 12:32Fortführung, also dass dort die Arbeitsplätze erhalten bleiben.
- 12:35Das ist wichtig, weil wir haben ja 2024 verzichtet, um Zukunft zu sichern.
- 12:41Und deswegen sagen die Beschäftigten, ich habe doch die Ziele in Teilen erreicht,
- 12:45ich habe was gegeben, warum bekomme ich jetzt keine Sicherheit?
- 12:49Und das ist eine echte Herausforderung und ich verstehe die Ängste der Beschäftigten absolut.
- 12:55Und wir werden jetzt daran arbeiten, der Vorstand muss daran arbeiten,
- 12:59dass es diese Planungssicherheit dann für die Beschäftigten wieder gibt.
- 13:03Wie lange ist denn die Zeit? Wie lange haben Sie Zeit? Wir haben uns in diesem
- 13:06Beschluss darauf verständigt, dass wir jetzt intensiv fast ein Jahr an Alternativen arbeiten können.
- 13:14Und selbstverständlich gilt dann immer noch die Beschäftigungssicherung.
- 13:17Aber wir wollen ja, dass die Werke über 20, 30, es gibt unterschiedliche Zeitpunkte
- 13:22dann, bis 34 für Neckarsulm hinaus, dass wir dort auch noch produzieren können.
- 13:27Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass die Werke geschlossen werden und dass,
- 13:31zehntausende Stellen gestrichen werden?
- 13:34Ich meine, heutzutage ist ja irgendwie wenig ausgeschlossen.
- 13:37Aber Sie können davon ausgehen, dass wir alles tun werden und auch den Vorstand
- 13:40in die Pflicht nehmen, alle Alternativen zu rechnen, zu prüfen.
- 13:44Das ist ein Automobilkonzern.
- 13:46Die müssen endlich wieder richtig gute, profitable Fahrzeuge bauen.
- 13:51Die Beschäftigten wollen das auch, die identifizieren sich mit der Marke und
- 13:55dann kann das auch wieder gehen.
- 13:56Aber es ist eine herausfordernde Situation in der Automobilindustrie und deshalb
- 14:01haben wir ja auch diesen Beschluss mitgetragen, weil da auch noch viele andere
- 14:04Maßnahmen drin sind. Sie haben diesen Kompromiss mit Vorstandschef Oliver Blume
- 14:07wesentlich verhandelt, ausgehandelt. Vertrauen Sie dem noch?
- 14:13Vertrauen muss wiederhergestellt werden. Danke, Frau Benner.
- 14:17Das war unser Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den Moment.
- 14:22Wir hören und lesen uns wieder bei NTV. In der App, im TV oder hier im Podcast.