Latest / BZ am Ohr / Mehr CO2 als Fliegen: Wie Alma Spribille mit Mobilfunk die Welt retten will
Transcript
- Schon als Kind hat sie sich gefragt, warum wir Menschen eigentlich nicht wie die Pflanzen unsere Energie aus der Sonne gewinnen können. Nachhaltigkeit ist seither ihr Lebensthema. Deshalb hat sie in Freiburg den nachhaltigen Mobilfunkanbieter Retail gegründet. Alma Spribille, herzlich willkommen bei BZ am Ohr. Vielen Dank für die Einladung. Mein Name ist Dora Schelz, ich bin Redakteurin bei der Badischen Zeitung. Alma, du bist 1984 geboren, hast Energie- und Umweltmanagement studiert und viele Jahre am Fraunhofer ISE an Solarzellen geforscht. Mittlerweile bist du Gründerin und Geschäftsführerin von Retail und auch Vorständin im Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft. Nachhaltigkeit, das ist ja so ein großes Stichwort. Kannst du vielleicht mal so ein bisschen erklären, beschreiben, was heißt eigentlich Nachhaltigkeit für dich? Also Nachhaltigkeit als Begriff ist ja relativ genau definiert, kommt eigentlich aus der Forstwirtschaft und ich würde sogar heutzutage weitergehen und regenerativ wirtschaften wollen. Das ist das, was mir wirklich am Herzen liegt. Das wusste ich als Kind natürlich noch nicht. Mir geht es darum, einen Beitrag zu leisten, dass die Erde als unser Lebensraum sich erholen kann oder mindestens, dass es nicht schlimmer wird, weil wir Menschen die Ursache dafür sind, wie es dem Planeten gerade geht. Vom Klimawandel über Artensterben. Wir haben wirklich ein Problem mit Biodiversität und allem. Und das liegt daran, wie wir leben. Das heißt, wir verbrauchen unsere Erde. Und ich denke nicht, dass das wirklich das Ansinnen der Menschheit ist, die eigene Lebensgrundlage zu verbrauchen, sondern regenerativ damit umzugehen, sodass auch kommende Generationen gut hier leben können. Und das treibt mich einfach an, mich dafür einzusetzen. Kann man also sagen, dein Ziel ist es, die Welt zu retten? Ein bisschen schon, ja. Ja, dann sprechen wir doch mal darüber, wie du versuchst, die Welt zu retten. Du hast Uytel mit zwei Mitgründern zusammen gegründet. Ihr hattet aber ursprünglich eigentlich eine andere Idee. Habe ich das richtig gelesen? Das stimmt, ja. Wir waren damals alle noch, oder zwei von uns waren noch am Fraunhofer beschäftigt, als SolarzellenforscherInnen. Und wir haben vor allen Dingen uns getroffen und gedacht, wir müssen ein Unternehmen gründen, weil wir damit einen größeren Hebel haben. Wenn man Solarzellenforschung macht, dann ist man auf jeden Fall auf der guten Seite, wie man so schön sagt. Also man entwickelt erneuerbare Energien, aber de facto entwickelt man Solarzellen, misst die, schreibt ein Paper und dann stapelt man sie in Boxen und legt sie in den Keller und da produzieren sie keinen Strom. Und man kann hoffen, dass das in die Industrie überführt wird und das ist auch manchmal passiert, aber irgendwann habe ich gemerkt, ich würde gerne noch mehr Wirksamkeit erreichen, und die Stelle am Fraunhofer war total schön, das war ein toller Lebensabschnitt, also ich will das wirklich nicht schlechtreden, aber ich habe gedacht, ich habe so viel Energie und ich würde mich gerne noch mehr einmischen und wenn man ein eigenes Unternehmen hat, dann kann man auch Lobbyarbeit betreiben, man kann laut sein, man kann für die eigenen Mitarbeitenden, für die Kundinnen sprechen. Und deswegen haben wir gesagt, wir gründen ein Unternehmen und hatten ursprünglich die Idee eher zu so einer Belohnungs-App, wenn man sich CO2-sparend verhält, also zum Beispiel wenn man Bahn fährt, dass man Bonuspunkte bekommt, das kennen ja alle, aber auch wenn ich vegetarisch esse oder wenn ich zu Ökostrom wechsle, zu einer nachhaltigen Bank, all diese Dinge und dann Belohnungspunkte bekomme und das so ein bisschen einerseits gamifiziere, aber auch belohne, wenn man sich nachhaltig verhält. Weil im Moment ist es ja andersrum. Nachhaltig leben kostet mehr Geld als nicht nachhaltig leben, außer bei Strom sparen und Heizung runterdrehen. Aber jetzt Bio-Lebensmittel, Ökostrom ist normalerweise teurer und das wollten sie so ein bisschen gegenwirken. Aber wir waren im Smart Green Accelerator hier vom Grünhof in Freiburg und die haben immer gesagt, super Gründungsteam, aber die Idee, naja. Aber tatsächlich nicht so, nicht so Erfolg oder keine so großen Erfolgsaussichten. Ja, und es funktioniert immer nur, wenn so eine App riesig wird, also extrem viele NutzerInnen hat und das muss man erst mal schaffen. Und dann hatten wir in dem Accelerator irgendwann diese Idee zur nachhaltigen Mobilfunk. Ganz konkret war das, glaube ich, sogar Andreas' Idee. Und das haben wir gepitcht bei dem Accelerator und die haben gesagt, okay, wenn ihr die Idee ausarbeitet, dann kommt ihr bei der Abschlussveranstaltung auf die Bühne, wo die Jury sagt, wer gewinnt und die Gewinner bekommen zwei Arbeitsplätze in der neuen, im Kreativpark Lockhalle. Und dann haben wir das gemacht, haben richtig Gas gegeben, haben den Pitch gewonnen und zwei Arbeitsplätze in der Lockerle gewonnen und haben dann mit der Idee zum Beispiel auch ein Exist-Gründungsstipendium bekommen und ähnliches. Also von daraus ging es immer weiter und da kam eigentlich diese Idee her, auch ganz klar aus dem Bereich, dass wir überlegt haben, welche Lebensbereiche kennen wir und wie leben wir da eigentlich? Und da gab es damals das Fairphone schon und dann kam irgendwann dieses, welchen Vertrag habt ihr eigentlich dazu? Und dann haben wir gemerkt, es gibt gar keinen Mobilfunkanbieter, der wirklich wertebasiert handelt, sondern immer geht es um Preis oder Gigabyte, die enthalten sind. Damals noch sehr viel mit langen Vertragsbindungen, automatischen Vertragsverlängerungen, was jetzt gesetzlich etwas besser geregelt ist mittlerweile. Aber dennoch haben wir gemerkt, dass niemand positiv über den eigenen Mobilfunkanbieter spricht und dann haben wir gedacht, da ist doch eine Lücke, da kann man was machen. Ja, ich habe mich so ein bisschen gefragt, warum ausgerechnet Mobilfunk? Also es gibt irgendwie faire Kleidung, Ökostrom, Fairtrade, Schokolade, Kaffee. Also gibt es nicht offensichtlichere Baustellen beim Thema Klimaschutz? Warum Mobilfunk? Es gibt auf jeden Fall offensichtlichere Baustellen. Alleine wenn man sich so einen Fußabdruck von einer Privatperson anschaut, einen CO2-Fußabdruck, dann ist Mobilfunk wirklich nicht der größte Bauschein einerseits. Andererseits gab es da einfach keine Alternative. Das heißt, es ist eine ganze Branche, die gar nicht herausgefordert wird von einem Akteur, das wirklich anders zu machen. Und ich setze mal, wenn man das in Skaleneffekten anschaut, die Telekommunikation heutzutage verursacht mehr CO2-Äquivalente als der Flugverkehr weltweit. Das ist fast niemandem klar, weil wir irre viel digital kommunizieren. Das ist nicht nur Mobilfunk. Mobilfunk ist nur ein Teil davon. Auch Internet, Streaming, zählt das dann auch damit rein? Ja, also das Streaming selber ist nochmal extra, aber alle Telekommunikationen, die wir machen, das heißt alle E-Mails, alle Videokonferenzen, das ist natürlich ein großer Batzen. Und wir haben einfach auch gemerkt, dass Mobilfunk, neben dass es keine nachhaltige Alternative gab oder auch überhaupt kein wertebasiertes Agieren in unseren Augen, das heißt, da ist noch Platz für eine Revolution in dem Markt, ist es auch unsere heutige Form der Kommunikation. Und neben diesem Nachhaltigkeitsaspekt haben wir auch gemerkt, was uns fehlt als Gesellschaft, ist im Moment eine Einigung darüber, wie wir eigentlich in die Zukunft gehen wollen. Und da brauchen wir einen gesellschaftlichen Kompromiss, der dann auch tragfähig ist und der sich nicht alle vier Jahre ändert oder drei, je nachdem, wann wir wieder wählen, sondern das auch Planungssicherheit beinhaltet. Und das muss nicht genau meiner Meinung entsprechen, das ist ein Kompromiss in der Demokratie, aber der muss tragfähig sein. Und da ist Kommunikation total essentiell. Und deswegen sagen wir auch, eigentlich ist unser Kerngeschäft Kommunikation und gar nicht nur Mobilfunk, denn wir sprechen auch darüber, wie man es anders machen kann. Ja, deshalb bist du ja auch heute hier. Über die Politik sprechen wir auch gleich noch. Vielleicht bleiben wir gerade erstmal sozusagen bei eurer Geschäftsidee und bei dem Markt. Ich habe mich so ein bisschen jetzt auch gefragt, die großen Mobilfunkanbieter werben ja jetzt auch irgendwie mit Nachhaltigkeit und sie verwenden irgendwie Ökostrom und so. Braucht es Retail überhaupt noch? Auf jeden Fall braucht es uns noch. Es wird viel mit Nachhaltigkeit geworben. Nicht alles davon, glaube ich, sehen wir nächstes Jahr noch, wenn die Emco-Richtlinie, also die Empowering-Consumers-Richtlinie, die nochmal klärt, mit was man eigentlich werben darf draußen. Wenn die wirklich in Kraft getreten ist, dann werden wir manche Claims sicher nicht mehr sehen. Das ist eine Richtlinie der EU? Der EU, genau, die jetzt in nationales Recht umgesetzt werden muss. Ich denke, da fallen einige dieser Claims, weil das auch einklagbar ist vor Gericht, weil es VerbraucherInnen-Täuschung ist ansonsten. So, Greenwashing. Ja, und dann muss man auch ganz klar sagen, es wird viel mit Ökostrom geworben und ganz oft werden in Wirklichkeit Ökostrom-Zertifikate aus sehr günstigen europäischen Zertifikatehandeln für Ökostrom-Zertifikate gehandelt und die kommen zum Beispiel aus Norwegen, weil beispielsweise NorwegerInnen alle denken, sie haben ja mehr als 100 Prozent Ökostrom, was de facto stimmt. Norwegen produziert mehr Ökostrom, als die BewohnerInnen brauchen. Aber sie brauchen die Zertifikate nicht, weil ganz wenig Leute de facto einen Ökostrom-Vertrag haben. Das heißt, die Zertifikate dafür können separat von der Kilowattstunde vermarktet werden. Und das wird getan und die kosten wenige Cent und die ändern nichts am Energiemix in Deutschland oder Europa. Und damit kann man trotzdem Werbung machen, weil es ist ja nicht falsch, dass es Ökostrom ist, aber es ist auch nicht das, was Menschen denken, was Ökostrom ist. Also es ist nicht so, dass die Betreiber Solarparks und Windfarmen hier in Deutschland betreiben, was sie könnten, was aber teurer wäre und deswegen machen es ganz viele dann doch nicht so konsequent, wie sie eigentlich könnten. Und jetzt nochmal ganz konkret, inwiefern ist jetzt mein Mobilfunkvertrag bei Retail nachhaltig oder andersrum gefragt, inwiefern imitiere ich Klimagase, wenn ich jetzt einen Mobilfunk bei einem anderen Mobilfunkanbieter habe? Also das Offensichtlichste ist das Mobilfunknetz. Das braucht sehr viel Strom. Also auch die Infrastruktur besteht natürlich aus Hardware, die einen Klima-Footprint hat. Aber das meiste ist eigentlich der Strom, der verbraucht wird, der eben aktuell nicht klimaneutral ist bei den großen Netzbetreibern. Wir benutzen das Netz der Vodafone. Das heißt, wir berechnen, wie viele, in unserem Fall Scope-3-Emissionen nennen sich das, durch das Netz der Vodafone runtergebrochen auf die Anzahl unserer Kundinnen anfällt. Dazu gibt es öffentliche Studien, wie man das berechnet. Das ist auch nicht geheim. Wir kommunizieren auch ganz transparent darüber. Rechnen wir runter auf unsere Kundinnen und sagen, okay, wir machen einen Sicherheitsfaktor drauf, weil ganz genau kann man es nicht wissen. Und diese CO2-Äquivalente kompensieren wir in Pflanzenkohle hier in Deutschland oder Zentraleuropa. Weil Pflanzenkohle hat zwei Vorteile oder mehrere muss man sagen. Das eine ist, der Kohlenstoff aus den Pflanzen, also das C aus dem CO2, ist bereits gebunden und Pflanzenkohle ist über Jahrhunderte sicher in der Erde. Und es wird normalerweise im Biolandbau untergemischt, erhöht die Biodiversität, die Wasserspeicherkapazität vom Boden, also hat viele positive Nebeneffekte. Und das andere ist, Pflanzenkohle rechnet sich die Bundesregierung aktuell nicht auf ihre eigenen Klimaziele an. Wenn ich einen Solarpark baue, rechnet sich das die Bundesregierung immer an, weil die genau wissen, wie viele Erneuerbare gebaut werden. Und damit werden die Klimaziele von Deutschland erreicht oder nicht erreicht, aber es wird darauf angerechnet. Und Pflanzenkohle hat eine sogenannte Zusätzlichkeit, weil sich das aktuell niemand anrechnet. Heißt das, wenn Deutschland sein Klimaziel erreicht und wir aber ganz viel Pflanzenkohle trotzdem zusätzlich machen, dann haben wir das Klimaziel übererreicht in Deutschland. Und das ist unser Bestreben. Das ist das eine, was wir machen. Und das andere ist, wir bauen tatsächlich in Deutschland so viele Solaranlagen und Windparks gemeinsam mit Partnern, dass wir in Summe mehr Ökostrom herstellen, als unsere Kunden eigentlich bräuchten für die Telefonie. Aber wie gesagt, denen rechnet sich schon jemand an. Aber als Beispiel, wir sind auch bei den Windrädern hier auf dem Rosskopf investiert, was wirklich eine schöne Sache ist. Wir haben jetzt gerade Repowering gemacht und größere Windräder gebaut. Da sind wir zum Beispiel auch beteiligt. Und jetzt runtergebrochen auf einen Menschen. Wie viel Solarstrom muss ich erzeugen, um klimaneutral telefonieren oder Mobilfunk nutzen zu können? Ungefähr für den Netzbetrieb so 25 Kilowattstunden im Jahr. Also im Vergleich zum Haushaltsverbrauch ist es wirklich auch gar nicht so viel. Ihr habt dann 2020 offiziell Retail gegründet, hier in Freiburg. Ist Freiburg dann ein guter Ort, um zu gründen? Die offizielle GmbH-Gründung war sogar 2019. 2020 sind wir an den Markt gegangen. Ich würde sagen, für mich ist es ein guter Ort zum Gründen. Natürlich gibt es größere Startup-Ökosysteme in Berlin, Hamburg, in den Großstädten halt, ganz klar. Aber für die Größe der Stadt gibt es eine sehr gute Infrastruktur. Einer durch sowas wie den Grünhof, aber auch durch das Gründungsbüro von der Uni Freiburg. Da gab es insgesamt sehr viel Unterstützung, fand ich. Und gleichzeitig haben wir gemerkt, dass uns deutschlandweit, wo wir aktiv sind, immer wieder entgegen schlägt. Natürlich kommt der nachhaltige Mobilfunk an wieder aus Freiburg. Woher denn auch sonst? Das ist schon witzig. Andererseits ist es für die Lobbyarbeit, die wir auf Bundesebene betreiben, schon auch sehr anstrengend, so weit weg von Berlin zu wohnen. Da ist man dann lange unterwegs, das glaube ich. Und so im Gründungsprozess, was würdest du sagen, welche Fehler habt ihr gemacht, die euch am meisten weitergebracht haben? Ich glaube, wir hatten teilweise eine gesunde Naivität, die man als Gründungsteam so braucht. Einerseits hatten wir uns vorgestellt, dass wir jetzt, also sechs, sieben Jahre später, schon viel weiter sind und vielleicht die nächste Idee gegründet haben. Das war auf jeden Fall ein bisschen naiv. Und das ist, glaube ich, auch gut so. Hätte ich gewusst, wie viel Arbeit das ist, bin ich mir nicht sicher, dass ich das gemacht hätte. Aber das ist, glaube ich, das eine, was auch hilfreich ist. Und wir haben immer wieder auch Sachen unterschätzt, wie schwer es ist, zum Beispiel eine Netzanbindung an eins der Mobilfunknetze zu bekommen. Da dachten wir, das wäre deutlich einfacher, weil wir relativ am Anfang schon eine Anbindung an die Telekom hatten über einen Partner. Die haben sich dann aber getrennt. Und damit war auch unsere Anbindung erst mal verloren, weil die Telekom gesagt hat, so jemand Kleines wie euch nehmen wir gar nicht erst auf. Und auch in dem Prozess, wie wir dann an Vodafone die Netzanbindung bekommen haben, waren wir durchaus naiv und manchmal etwas, ich würde sagen, dreistmutig, um das hinzubekommen. So hatten wir zum Beispiel einen Termin bei Vodafone vor Ort und der Ansprechpartner hat eigentlich gesagt, ihr könnt gerne vorbeikommen, die sitzen ja in Düsseldorf, aber die Antwort ist nein und wir haben gesagt, wir müssen es probieren, das ist vielleicht die letzte Chance, wir haben nichts zu verlieren und haben über LinkedIn. Kollegen von ihm aus dem Marketing und aus dem Nachhaltigkeitsbereich eingeladen zu dem Termin. Da haben tatsächlich welche zugesagt, der damals einen Nachhaltigkeitsmanager von der Vodafone und die waren dann mit im Termin und die haben ganz klar gesagt, auf jeden Fall, den nachhaltigsten Anbieter überhaupt, den wollen wir in unserem Netz haben, das ist auch für uns gut, fürs Image und genau. Das war irgendwie mutig dreist, fand ich, aber im Nachhinein hat es auch gestimmt, wir hatten nichts zu verlieren und es hat uns ja auch was gebracht. Und wenn jetzt so schwierige Momente kommen, wo vielleicht auch mal was nicht klappt, also das war jetzt ein Beispiel, wo ihr einfach mal gemacht habt und dann hat es sich ausgezahlt, aber wenn eben auch mal was nicht klappt. Was ist denn für dich persönlich das, was dich dann motiviert weiterzumachen? Was treibt dich dann an in solchen Momenten? Ja, ich denke, zwei Hauptdinge fallen mir da immer wieder ein. Das eine ist, dass es für mich gar nicht so eine richtige Alternative gibt im Leben, als mich weiter dafür einzusetzen, dass wir zukunftsfähig wirtschaften. Das ist wie so ein innerer Antrieb einfach. Und dann ehrlich gesagt auch die Resonanz in der eigenen Bubble. Also manchmal ist es ja schön rauszukommen, aber manchmal ist es auch schön zu sehen, wie viele andere Leute sich auch einsetzen für ein ähnliches Ziel in anderen Branchen. Und das gibt immer wieder Energie, weil auch sehr viel Zuspruch ist. Wir haben zum Beispiel letztes Jahr oder Ende letzten Jahres gerade versucht, den Retail Hub an den Start zu bringen. Also eine Alternative für Mail, Kalender, Cloud, vielleicht sogar Online-Office zu den üblichen Verdächtigen, die normalerweise US-Big-Tech sind, um auch europäische Souveränität voranzutreiben. Und wir hatten wahnsinnig viel Resonanz da drauf. Ja, da gibt es viele Leute, die das gerne hätten, da unabhängig werden von den US-Konzernen. Sagt man so, aber wir haben eine Crowdfunding-Kampagne gemacht und ich sage mal, die finanzielle Resonanz war wirklich sehr überschaubar und deswegen machen wir es nicht. Und das ist schon ganz schön frustrierend, weil wir haben, also einen besseren Zeitpunkt hätte es fast nicht gegeben in meinen Augen, das war überall in den Medien, da sind ständig Skandale passiert und trotzdem dieser Moment einfach im Crowdfunding, ab 12 Euro konnte man mitmachen und. Und mitzumachen war dann doch sehr überschaubar, vielleicht weil die Bequemlichkeit hoch ist oder weil es dann doch schwer verständlich ist, was wirklich der Unterschied ist. Oder es ist ja vielleicht auch so ein bisschen so eine abstrakte Bedrohung zu wissen oder Bedrohung, keine Ahnung, wenn Trump jetzt Apple sagt, ich brauche jetzt mal alle Daten von allen NutzerInnen in Deutschland. Einerseits, ja, andererseits würde ich sagen, letztes Jahr wurde der Chefankläger in Den Haag, dem hat Microsoft das E-Mail-Konto gesperrt. Das ist ein Berufs-E-Mail-Konto. Das muss man sich mal vorstellen. Also bei dem Chefanklänger von Internationalen, Strafgerichtshof, das ist wirklich verrückt. Der hat den wieder freigegeben bekommen, aber das ist doch wirklich ein Moment, wo man sagen muss, dieses Unternehmen agiert nicht unabhängig. Es ist abhängig von dem aktuellen Präsidenten und wird es auch vom nächsten Präsidenten sein. Und da wäre eine europäische Alternative, die einem anderen Wertekanon folgt, einfach super zentral. Und es gibt ja auch Bestrebungen in Deutschland und Europa, so ist es ja nicht. Und wir hatten gehofft, wir könnten dazu beitragen. Jetzt müssen wir uns halt was anderes überlegen. Aber du lässt dich davon nicht unterkriegen, von solchen Momenten. Es gibt dann schon schwierige Tage und schwierige Phasen. Da ist es immer gut, nicht alleine zu sein, also als Team gegründet zu haben und auch im Unternehmen sehr viel Rückhalt zu haben von den Mitarbeitenden, die dann auch da so ein bisschen auffangen und sagen, hey, wir haben es probiert. Wir sind auch nicht dafür zuständig, allein die Welt zu retten. Wir haben es probiert, es war ein Angebot. Wenn die Nachfrage nicht da ist, können wir es auch nicht unbedingt machen als Unternehmen. Das hilft dann viel. Aber mir hilft es zum Beispiel auch, das einfach zuzulassen und sich in dem Moment einfach zu ärgern und zu sagen, das ist einfach frustrierend. Wir haben da viel Energie und Herzblut reingesteckt und die Resonanz war wirklich Mittel, zumindest was die Beteiligung angeht. Und da darf man auch mal zwei Tage richtig frustriert sein, um dann wieder rauszukommen und zu sagen, gut, weiter geht's, dann überlegen wir uns halt was anderes. Ja, auf jeden Fall. Wie groß ist denn Retail jetzt heute? Also gemessen an Mitarbeitenden, Kundinnen und auch Umsatzzahlen, wenn ihr die nennt, öffentlich? Das ist alles öffentlich tatsächlich. Wir veröffentlichen sogar unseren ganzen GmbH-Jahresabschluss. Wir sind 26 Menschen gerade, haben so knapp 30.000 Kundinnen ungefähr. Ich glaube 30 Prozent davon sind Geschäftskundinnen. Teilweise auch große, die man kennt in Freiburg. Die Ärzte-Diozese Freiburg ist zum Beispiel bei uns. Das fand ich wirklich beeindruckend. Sehr wertebasierte Entscheidung. Die sind ja zuständig für halb Baden-Württemberg, also wirklich ein großer Player, die haben knapp 1000 Mobilfunktarife, glaube ich, bei uns. Dürfen wir offen drüber sprechen, weil die eben auch drüber sprechen. Jahresumsatz letztes Jahr waren, oh, jetzt habe ich den Jahresbericht gerade letztes Wochen gelesen, weil ich glaube, sowas wie viereinhalb Millionen, also es gibt den Mobilfunkumsatz und den eigentlichen Umsatz, weil Mobilfunkumsatz ist ein großer Teil, das geben wir ja weiter an Vodafone. Und ich glaube, der Eigenunternehmensumsatz war so bei zweieinhalb Millionen ungefähr. Genau. Aber den Jahresabschluss kann man tatsächlich nachher nachlesen, weil er ist einfach mit unserer Webseite zum Download verfügbar, wenn er fertig ist. Okay. Jetzt haben wir eben schon ein bisschen über die digitale Wirtschaftslage sozusagen gesprochen. Wenn wir jetzt mal vor allem auf Deutschland oder auch Europa gucken, auf die Wirtschaftslage, die Industrie schwächelt, überall ist von künstlicher Intelligenz die Rede, es verändert gerade massiv viel in der Wirtschaft. Wenn du so vor allem auf die deutsche Wirtschaft blickst und ihre Zukunft, machst du dir da Sorgen? Einerseits ja, andererseits ist so ein Umbruch auch immer eine große Chance. Also ich schwank da tatsächlich selber immer wieder, wenn wir sehen, es gibt ja immer diesen Vergleich mit der industriellen Transformation, wo wir auch gedacht haben, also wo die Menschheit auch gedacht hat oder die deutsche Bevölkerung hat auf jeden Fall gedacht, alle werden arbeitslos, weil wir plötzlich Maschinen haben, die unsere Arbeiten machen, das ist nicht passiert. Der Wohlstand ist extrem gestiegen und wir haben andere Sachen gearbeitet, weniger gearbeitet. Damals hat man sogar gedacht, dass wir 100 Jahre später viel weniger arbeiten, als wir es aktuell tun. Deswegen ist immer so die Frage, können wir das in echten Wohlstand transformieren? Und auch finden wir einfach andere Berufe? Das ist das eine. Allerdings muss ich auch sagen, wir sollten uns schon auch überlegen, was wir eigentlich mit künstlicher Intelligenz machen wollen. Also was wollen wir Menschen denn eigentlich machen in unserem Leben? Also wenn wir anfangen, dass die Künstliche Intelligenz die Musik schreibt, die Bücher, einerseits werden dann KünstlerInnen arbeitslos, aber auch, die machen das ja gerne. Also das ist ja was Sinnstiftendes, Kunst zu schaffen. Wollen wir wirklich, dass das der Computer übernimmt? Warum? Also was ist der Mehrwert, wenn der Computer das übernimmt? Das muss man sich schon überlegen, bevor man das macht. Dann gibt es natürlich Tätigkeiten, die kann man gerne automatisieren, wie... Keine Ahnung, im medizinischen Bereich fallen einem viele Dinge ein, würde ich sagen, wo Leute, zum Beispiel Dokumentation, während man Patienten behandelt, wenn das automatisch nebenher läuft und man deswegen mehr Zeit für Patientinnen hat, super. Und da sollten wir uns überlegen, was wollen wir wirklich und was wollen wir auch nicht haben. Und ich denke, ein großes Thema hier in Baden-Württemberg ist natürlich die Automobilindustrie. Mein Mitleid hält sich in Grenzen, muss ich ehrlich sagen. Weil wir haben unter Merkel das ungefähr, ich habe es noch nicht nachgeguckt, ich glaube 2015 sollten eigentlich die Grenzwerte für Verbrenner, oder für Fahrzeugflotten in Europa gesenkt werden. Das war, wie man so schön sagt, ein Dunn-Deal. Es war nur noch die formelle Abstimmung stand aus. Und an dem Abend vor der formellen Abstimmung gab es so viel Druck aus der deutschen Automobilindustrie oder aus der deutschen Automobil-Lobby, muss man sagen, dass Angela Merkel dafür gesorgt hat, dass diese Abstimmung in der Art nicht stattfindet und dass die Grenzwerte nicht strenger werden. Und das ist nur ein Baustein, der dazu geführt hat, dass wir heute immer noch hauptsächlich Verbrenner bauen in Deutschland. Und die Welt hat sich entschieden. Egal, ob Deutschland Verbrenner baut oder nicht. Das E-Auto ist die Zukunft. Ja, das ist kein dauerliches Geschäftsmodell. Und da sehe ich auch eine Chance, dass jetzt halt der Druck wächst und dass wir wirklich Richtung Nachhaltigkeit uns bewegen. Und als Gesellschaft nochmal anfangen, drüber nachzudenken, was wir denn eigentlich machen wollen mit dem Wohlstand. Wie wäre es denn mal mit Zeitwohlstand, statt immer nur mehr Geld zu haben? Das könnte man sich da schon auch überlegen. Das ist für mich auf jeden Fall auch eine Form von Wohlstand. Und jetzt hast du gerade schon so die gesellschaftliche, politische Perspektive genannt beim Thema Nachhaltigkeit. Wie viel Verantwortung siehst du denn da beim großen Ganzen bei der Politik? Und wie viel Verantwortung tragen einzelne Unternehmen, aber auch einzelne Menschen, einzelne Individuen? Ich sehe das immer aus der Perspektive, dass das alles Menschen sind. Also PolitikerInnen sind Menschen, Unternehmen werden von Menschen geleitet. Wir alle wollen auf diesem Planeten leben. Es gibt niemanden, der nicht will, dass die nächste Generation ja auch noch leben kann, glaube ich. Außer ein paar Leute, die zum Mars wollen. Vielleicht Elon Musk. Ja, ich will da nicht und da ist nicht so schön wie hier. Selbst wenn es technisch möglich wäre, glaube ich, ist es nur ein Spleen, ehrlich gesagt. Also ich finde, jede Person trägt Verantwortung dazu für unterschiedliche Dinge. Die Politik ist zum Beispiel dafür verantwortlich, Planungssicherheit zu schaffen, eine grobe Richtung vorzugeben und auch ganz klar den Kompromiss auszuhandeln, in meinen Augen. Deswegen soll es ja auch öffentliche Debatten in der Politik geben. Wir brauchen einen Kompromiss, weil wir uns darauf einigen müssen, dass am Ende 84 Millionen Menschen sich irgendwie damit abfinden können, dass es so ist. Nicht alle werden begeistert sein, aber wir wissen, wo es ungefähr hingeht. Und das steht gerade zur Disposition, würde ich sagen. Da ist viel zu viel hin und her. Und ein Beispiel, was glaube ich uns noch begleiten wird, ist zum Beispiel das Sondervermögen, diese 500 Milliarden für Infrastruktur und Klimaschutz, so heißt das offiziell, die wesentlich für Investitionen ausgegeben werden. Also da wurde sehr viel aus dem normalen Haushalt verschoben und wenig Extrainvestitionen. Das ist nicht gut fürs Land, weil da haben wir Schulden gemacht. Wenn wir die nicht investieren, sondern ausgeben, konsumtiv, wie man so schön sagt, das ist nicht zielführend und das belastet zukünftige Generationen. Und gleichzeitig machen wir dadurch zu wenig für den Klimaschutz, weil es wird auch nicht klimawirksam eingesetzt. Und damit halten sie sich nicht an so eine Art Generationenvertrag, der sonst immer galt, was schon auch daran liegt, dass viele WählerInnen eher älter sind und eher auf die Rente schauen, denke ich. Und da hat die Politik schon eine große Verantwortung, alle im Blick zu behalten und nicht nur die eigene Legislaturperiode. Da könnte man schon mehr machen, wobei die Parteien sich da auch wirklich sehr unterschiedlich positionieren, in meinen Augen. Bei der Wirtschaft, als Wirtschaft agieren wir innerhalb der politischen Rahmenbedingungen. Da kann man es sich immer leicht machen und sagen, ich halte mich an alle geltenden Gesetze. Das reicht. Gleichzeitig hat man als Unternehmerin, als Unternehmer eine gewisse Macht, muss man zugeben. Und wir haben uns gerade bei der Landtagswahl hier in Baden-Württemberg, aber auch letztes Jahr bei der Bundestagswahl mit sehr vielen anderen Unternehmen zusammen ganz klar positioniert, dass man demokratisch wählen soll, weil unser Wohlstand, aber auch die Art, wie wir wirtschaften, basiert auf der Demokratie, in der wir leben. Wenn wir die gefährden oder aushöhlen, selbst wenn wir sie nicht abschaffen durch einige Parteien, das ist meiner Meinung nach wirklich gefährlich, also brandgefährlich für dieses Land und das würde auch Europa gefährden. Da trägt man Verantwortung und das kann man als Unternehmerin oder als Unternehmer auch wirklich aussprechen. Und die Zivilgesellschaft, ich denke, die sieht auch ihre Verantwortung. Natürlich sollte man wählen, klar, und sich wirklich überlegen, ist das das, was ich richtig finde oder sind das kurzfristige Interessen, was ich wähle und sich auch öffentlich dazu äußern. Und man kann auch ganz viele andere Sachen tun. Also nicht alle Verantwortung sollte von VerbraucherInnen liegen, aber da, wo man die Wahl hat, wenn man kann, sollte man Unternehmen unterstützen, die wertebasiert handeln, nicht nur nachhaltig. Das macht schon einen Unterschied, weil die dadurch mehr Einfluss gewinnen, im Gegensatz zu Unternehmen, die das nicht tun. Und man kann sich auch überlegen, wo man arbeitet. Also früher wollte niemand in der Waffenindustrie arbeiten in Deutschland. Ich glaube, das hat sich ein bisschen geändert. Aber man kann sich schon überlegen, ob man in der fossilen Industrie arbeiten möchte oder nicht oder einfach Unternehmen unterstützt, die zukunftsfähig wirtschaften. Und bei dir persönlich, also du hast vermutlich einen Mobilfunkquatrag von Retail, aber inwiefern lebst du denn ganz persönlich nachhaltig? Also kannst du da mal ein paar konkrete Beispiele nennen? Ja, klar. Ich habe Ökostrom von den Elektrizitätswerken Schönau. Es gibt einige wirklich konsequente Ökostromanbieter, nicht nur die, aber die sind halt hier in der Region. Ich bin bei der GLS-Bankkundin schon lange, auch Genossin, wie man so schön sagt. Ich bin zum Beispiel auch an Green Planet Energy beteiligt, auch eine Genossenschaft im Energiesektor, weil ich es einfach wichtig finde, dass diese Genossenschaften, die ein anderes Wirtschaften propagieren als jetzt Aktienunternehmen, auch eine wirtschaftliche Basis haben. Ja, ich versuche regional und bio einzukaufen, womöglich ich fahre Fahrrad, also ich besitze zum Beispiel selber überhaupt kein Auto. Das macht die Entscheidung leicht, auch wenn es regnet. Ja. Ich fliege weitestens in Sinne kaum, muss man zugeben. Ich versuche das zu vermeiden. Wenn du nach Berlin musst, nimmst du dann den Zug? Immer, klar. Ehrlich gesagt auch aus pragmatischen Gründen. Es gibt eine Direktverbindung, sechseinhalb Stunden. Man setzt sich rein, fängt an zu arbeiten, zwischendurch geht man essen, was mittlerweile wirklich gut geht im Bordbistro, sogar vegan. Ich ernähre mich weitestgehend vegan, vegetarisch, obwohl ich zum Beispiel Ausnahmen mache, weil ich immer versuche nicht dogmatisch zu sein, was so Sachen angeht. Also ich kann Leuten nicht vorschreiben, nicht zu fliegen, wenn ihre Verwandten auf einem anderen Kontinent leben. Was soll man denn machen? Dafür brauchen wir Lösungen. Und es muss auch immer machbar mit einem normalen Leben sein. Und, Da, glaube ich, muss man realistisch sein, aber da versuche ich schon möglichst viel zu machen. Ich habe sehr viele Secondhand-Klamotten an, meistens von meiner großen Schwester. Oder vielleicht viel wichtiger, ich trage die auch einfach, bis die kaputt gehen, weil das macht am Ende wirklich viel aus, dass man Sachen benutzt, solange sie halten und nicht sich neue Sachen kauft, weil andere Farben innen sind oder ähnliches. Genau, da versuche ich insgesamt einfach drauf zu achten. Aber am Ende ist der sogenannte Handprint, also was man arbeitet, je nachdem was man tut, wird sogar größer als der sogenannte Footprint, also das, was ich konsumiere. Und wenn du das jetzt so auch offen nach außen trägst, schlägt dir da auch manchmal Ablehnungen oder sogar vielleicht auch Hass entgegen? Also gerade so Autofahren, Ernährung, das sind ja schon Themen, die auch einfach Reizthemen sind und wo Leute sehr emotional manchmal reagieren. Ich glaube, ich habe da eine ganz gute diplomatische Ader, was das angeht, weil ich nicht so dogmatisch bin. Ich habe damit nicht so große Themen, aber ich stehe auch nicht so sehr in der Öffentlichkeit wie manch andere. Tatsächlich, wo ich wirklich angefeindet wurde, als ich in den Mittelstandsbeirat von Robert Habeck berufen wurde und ich habe das auf LinkedIn geteilt und da gab es wirklich Kommentare, wo ich dachte, was ist denn mit den Leuten los? Und die machen das ja unter ihrem klaren Namen, inklusive ihrer Position, wo sie arbeiten. Zum Glück, wenn man nicht allein ist, kann man das immer noch ganz gut verdauen, weil man in einem Unternehmen ist und andere Leute noch da sind, die auch eine Perspektive dazu liefern und es hat jetzt auch nicht so wahnsinnig Überhand genommen. Also ich bin weit entfernt davon, Shitstorm gehabt zu haben. Das ist, glaube ich, wirklich herausfordernd und deswegen ist es für mich gerade noch recht einfach, würde ich sagen. Ja genau, Stichwort Mittelstandsbeirat, eben unter Robert Habeck in der letzten Bundesregierung. Da hast du eben das Wirtschaftsministerium mit beraten, mit anderen UnternehmerInnen gemeinsam. Wie ist denn so da deine Erfahrung? Wie dick sind da die Bretter, die da gebohrt werden müssen? Also das dickste Brett, was ich gesehen habe, ist diese massive Kampagne gegen Robert Habeck. Das fand ich wirklich krass. Also das habe ich auch teilweise nicht verstanden, weil der sich sehr viel Mühe gegeben hat, Wirtschaftskompetenz aufzubauen, aber sich auch gut beraten zu lassen. Und die hatte er auch in meinen Augen total. Man hat schon gemerkt, dass in diesem Gremium, was sehr divers war, wo man auch ganz klar sagen muss, da gelten so eine Art Chatham House Rules, also man darf sagen, was besprochen wurde, aber nicht, wer was gesagt hat oder welche Meinung vertritt, aber ganz allgemein war es natürlich nicht nur, ich sag mal, progressiv grünes Lager, wo jetzt ich eher drin wäre tendenziell oder das Unternehmen auch, sondern auch Leute, die zum Beispiel sich dafür eingesetzt haben, Sozialabgaben runterzufahren oder Sozialleistungen auch zu kürzen. Das wäre ja sonst auch schlecht, wenn so ein Wirtschaftsminister sich nur von einer Bubble beraten lässt. Der muss ja auch verschiedene Stimmen anhören. Richtig, so war es auch. Es war wirklich sehr divers. Deswegen gab es auch gute Diskussionen. Ich glaube, es ist schon herausfordernd, das wirklich umzusetzen in der Politik, weil man schon an der einen oder anderen Stelle, auch wenn es nicht ganz konkret ausgesprochen wurde, das Gefühl hatte, dass man auch intern an der Koalition einfach nicht weitergekommen ist. Die dann ja auch gescheitert ist. Genau. Und ich glaube, das war schon sehr frustrierend und das hat sich auch manchmal frustrierend angefühlt. Und dann ist es natürlich auch so, der hat mehr als ein Beratungsgremium und viele Berater und wir haben uns zweimal im Jahr getroffen. Das ist natürlich der Einfluss auch überschaubar, aber man konnte schon Perspektiven aus der Wirtschaft einbringen, konkret aus dem Mittelstand, weil sehr große Unternehmen werden sehr viel gehört von der Politik, weil die auch Extra-Lobbyisten beschäftigen. Genau, die haben die nötigen Ressourcen dafür, ja. Genau, und so ein Mittelstandsbeirat, das war schon schön, weil da eben kleine mittelständische Unternehmen drin waren und man mehr so eine Vielfalt hatte und das war schon ein spannender Austausch, glaube ich, der einen Blick in die Breite geboten hat. Genau, insofern Mehrwert, aber natürlich begrenzt. Und wenn du jetzt auf die aktuelle Bundesregierung schaust, so mit Blick auf Energiepolitik, Klimaschutz, Energiewende, was fällt dir dazu ein? Frustrierend. Also man kann das ja nur noch humoristisch verarbeiten. Die einzige Hinsicht, in der unsere aktuelle Wirtschaftsministerin einen guten Job macht, ist, wenn man in der Gaslobby arbeitet. Ich weiß nicht genau, was das soll und aus welchem Aspekt man das sonst machen sollte. Es gibt immer wieder Teilaspekte, in denen sie total recht hat. Also wir müssen die Energiewende so schaffen, dass wir nicht immer an den gleichen Orten noch mehr Solar und Wind bauen, sondern dass wir es dezentral, also überall bauen oder beziehungsweise auch dort, wo der Strom verbraucht wird. Weil man sonst den Strom aufwendig transportieren muss und das wird dann teuer. Das kostet viel Geld, aber dieses Argument, dass daran die Erneuerbaren schuld sind, greift noch ein bisschen kurz, weil ein Atomkraftwerk, Ist ja auch nicht in der Mitte der Stadt, wo der Strom verbraucht wird. Also wir haben auch einfach ein Energiesystem, was auf eine andere Energieform oder andere Energieformen, also Kohlekraftwerke sind ja auch nicht dezentral, ausgerichtet ist. Das ist ja erstmal in Ordnung, so ist es jetzt einfach. Jetzt müssen wir es halt umbauen. Ein großer Beitrag sind Aufdach-Photovoltaikanlagen auf Häusern, Mehrfamilienhäusern in Freiburg, wenn ich mich umgucke, viel zu wenig Solar noch auf dem Dach, obwohl wir eine sehr solarintensive Stadt sind. Und dafür muss man weiterhin die Regularien so machen, dass es einfach ist, für Menschen da rein zu investieren. Und da greifen die Sachen auf jeden Fall zu kurz, beziehungsweise auch einige Sachen, die sie abgeschafft hat, die aus der Vorgangregierung kommen, wo mein Eindruck ist, das ist auch ideologisch, das wurde einfach wieder abgeschafft, weil es von Habeck ist und das ist halt das Feinbild schlechthin. Das große Schlagwort Heizungsgesetz. Ja, zum Beispiel. Man muss sich auch mal anhören, was Expertinnen aus, oder da brauchen wir nicht gendern, das sind meistens Experten aus dem Heizungsgeller dazu sagen. Also Leute, die das wirklich installieren, die sagen, alle, der Drops ist gelutscht, die Diskussion findet bei Hausbesitzern nicht statt. Die wollen alle eine Wärmepumpe. Und Funfact, die Wärmepumpe ist die beliebste, Heizungsform unter AfD-Wählenden. Also, selbst die wollen nicht mal Öl und Gas im eigenen Keller haben, weil es einfach günstiger ist langfristig. Das heißt, wenn man sich leisten kann, wollen alle Menschen eine Wärmepumpe. Warum diskutieren wir das schon wieder öffentlich? Also, und wir brauchen das nicht diskutieren. Es gibt in der Bevölkerung keine Diskussion dazu. Die wurde künstlich geschaffen, in meinen Augen. Und das, ich versuche immer zu verstehen, was ist die Motivation von den Menschen dahinter? Also gibt es vielleicht was, was, ich als sehr nachhaltig geprägte Person auch nicht sehe, was vielleicht aber andere Leute sehr wohl sehen und versuche mich da rein zu versetzen. Und ehrlich gesagt, ich kann es da nicht nachvollziehen. Bei einigen Positionen kann man es ja nachvollziehen, aber da sehe ich es wirklich nicht. Und würdest du sagen, Frauen haben einen anderen Blick auf Nachhaltigkeit? Grundsätzlich würde ich sagen, dass es tendenziell Frauen einen anderen Blick darauf haben. Jetzt haben wir gerade in der Bundesregierung Ein paar Exemplare, die diese These nicht untermauern, aber es ist ja immer eine große Statistik. Also Frauen denken öfter Richtung Soziales auch, was Nachhaltigkeit angeht, also Verteilungsgerechtigkeit, was ein großer Punkt ist. Also wir können keine echte Nachhaltigkeits-Transformation schaffen, wenn wir sie nicht sozial gestalten. Und für mich ist zum Beispiel Nachhaltigkeit auch immer ökologisch, ökonomisch und sozial, muss im Dreiklang funktionieren. Sonst funktioniert es am Ende nicht. Weil wer spürt dann die meisten Auswirkungen von Klimawandel oder Erwärmung? Das sind ja meistens gar nicht die reichen Leute, die eine Klimaanlage haben. Oder im Zweifelsfall die Dachgeschosswohnung. Okay, die ist heiß, aber ich meine jetzt wegen Überflutung oder Ähnlichem. Und das sind immer eher arme Leute oder nicht so wohlhabende Leute, die am meisten darunter leiden. Und die zum Beispiel auch gar nicht ein neues E-Auto kaufen können, weil die sehr teuer sind. Selbst mit Subventionen konnten die das nicht, weil die Subventionen für sehr große Autos sehr hoch waren. Wirklich unverständlich. Deswegen glaube ich, und da haben Frauen einen anderen Blick drauf, weil die insgesamt etwas sozialer denken häufig. Aber genau langfristig, glaube ich, sollte es keinen Unterschied machen, welches Geschlecht man ist. Wenn man jetzt mal so auf die Statistiken guckt, im Startup-Bereich ist es so, dass immer noch deutlich weniger Frauen gründen als Männer. Also 2025 ist der Anteil mit Teams mit mindestens einer Frau sogar noch mal gesunken im Vergleich zu 2024. Da waren es 19 Prozent deutschlandweit. Auch du hast ja mit zwei Männern gegründet. Was glaubst du, warum gründen Frauen so viel seltener? Ich denke, es gibt mehrere Aspekte, die ich sehe. Einerseits sind viele Gründungen schon eher Richtung technisch und die technischen Studiengänge sind einfach immer noch mehr von Männern belegt. Das ist das eine. Und dann ist es, sagt man ja so, dass Männer risikofreundlicher sind oder lieber Risiken eingehen und Frauen eher risikoerwärts sind. Das kann ich mir vorstellen, dass es dazu beiträgt. Und dann ist zum Beispiel so, wir haben gegründet, da waren wir, ich muss mal kurz zurückrechnen, 35. Also ich war 35, Andreas war 35, Nico 33. Das ist die Zeit, wo man auch eine Familie gründet oder schon gegründet hat. Und wenn man die Statistiken kennt, wie viel von der Care-Arbeit von Frauen übernommen wird, gegenüber den eigenen Kindern, aber auch pflegebedürftigen anderen Angehörigen, ist es schon eigentlich klar, warum das passiert, weil Männer einfach mehr Zeit zum Arbeiten haben und Gründen macht man halt selten in Teilzeit, das ist nicht so einfach. Und viele Förderprogramme, inklusive Exist, haben zum Beispiel nichts vorgesehen für Elternzeit oder Mutterschutz, sondern das Stipendium läuft einfach weiter. Man könnte sagen, ja ist doch nett, die kriegen ja weiter Geld. Ja schon, aber die können ja währenddessen nicht arbeiten, das heißt man müsste es eigentlich verlängern. Sie sollten eigentlich auch Mutterschutz und Elternzeit haben und das Stipendium sollte danach länger laufen. Das ist auf jeden Fall ein großes Problem in meinen Augen, dass wir darauf noch nicht ausgerichtet sind und dass wir da auch einfach keine echte Gleichberechtigung haben, dass Männer weniger Elternzeit nehmen, weniger Zeit auf Kinder aufpassen oder andere Angehörige pflegen. Und dann ist es ganz klar so, dass Geld, was in Startups fließt, wird an männliche Teams vergeben. Also die Statistik dazu ist ja... Gruselig. Was sind das? 99 Prozent fließen in männlich dominierte Teams. 99 Prozent aller Investorengelder in Deutschland, das braucht man auch fast nicht, Gendern-Investoren, fließt in rein männliche Teams. Dann ist ja klar, warum Frauen nicht gründen, weil sie finanziellen Mittel dazu auch gar nicht bekommen und das Leben natürlich anders verläuft. braucht. Ja. Ja, Stichwort Risikobereitschaft. Also ich kann mir vorstellen, es braucht schon einiges an Mut aus einer entfristeten sicheren Stelle, wie bei dir am Fraunhofer Ise, rauszugehen und zu sagen, ich gründe jetzt, ich springe jetzt ins kalte Wasser. Gab es für dich so einen Moment, wo du entschieden hast, okay, ich mache das und wie hast du den Mut dafür gefunden? Den Mut habe ich aus der Verzweiflung rausgefunden. Ich habe, also einerseits war es tatsächlich auch so, dass meine Eltern immer gesagt haben, du kündigst auch keine Entfristung, das ist ja quasi wie verbeamtet sein, das kannst du dein Leben lang machen und für mich war das immer eine gruselige Vorstellung, mein Leben lang einen Job zu machen. Man muss ja sagen, ich habe meine Praxisarbeit und meine Diplomarbeit schon am Fraunhofer geschrieben und wurde direkt danach übernommen und wurde dann relativ zügig entfristet, das heißt, seit ich, 25 war, war ich durch, ging ich beim Fraunhofer Ise und da war für mich immer klar, ich will nicht mein ganzes Leben an einer Institution verbringen. Aber es war auch so, dass ich habe das eine Zeit lang parallel gemacht, dass ich reduziert habe bei Fraunhofer, ich war ja da Gruppenleiterin, Und WeTel auch in Teilzeit mitgegründet habe und mitgeleitet habe. Und irgendwann habe ich halt de facto 150 Prozent, also locker 60 Stunden die Woche gearbeitet. Da war gerade Corona, da ging das gut, man konnte eh nicht so viel machen, alles ging digital. Da konnte man ja auch mal zwölf Stunden am Tag arbeiten, fünf, sechs Tage die Woche. Und dann war ein Jahreswechsel. Also ich habe immer über Weihnachten bis Neujahr oder bis Heilige Drei Könige hier in Baden-Württemberg meistens frei gehabt in meinem Leben. Und das hatte ich auch da und das war für mich immer eine super erholsame Zeit, wo man auch mal drüber nachdenken konnte, wie man eigentlich sein Leben gestalten, so ein bisschen reflektieren richtig, weil so richtige Auszeit ist. Und ich bin aber ein Mensch, der schon immer danach wieder Lust hatte zu arbeiten. Also wenn das neue Jahr losging und dann kam so langsam die Arbeit, dann hatte man vielleicht keine Lust, früh aufzustehen, aber so grundsätzlich hatte ich immer Lust, was zu machen. Und da war, bevor ich wieder angefangen habe zu arbeiten, habe ich gemerkt, ich will das nicht. Ich will, dass das alles nicht wieder anfängt. Ich habe gemerkt, das hat sich angefühlt, wie ich mir vorstelle, sich ein Burnout oder die Vorstufe dazu anfühlt, dass ich richtig gefühlt habe, ich kann das alles nicht mehr. Ich will nicht, dass dieser ganze Druck wiederkommt. Und dann habe ich das mit meinem Partner besprochen, weil der auch sehr gerne Sicherheit hat und diese Infristung für ihn auch eine Sicherheit bedeutet hat. Und dann habe ich direkt, nachdem ich wieder angefangen habe zu arbeiten, beim Fraunhofer einen Termin ausgemacht mit meinem, ich war in der Doppelspitze mit dem Kollegen und meinen beiden Chefs und habe denen gesagt, das ist, wie es mir geht und dass ich das nicht länger machen will. Und dann haben wir ganz schnell Lösungen gefunden, dass ich da auch reduzieren konnte, dass der Druck ein bisschen rausgenommen wurde. Also es war auch wirklich einvernehmlich und sehr unterstützend. Aber es gab schon diesen Moment, wo ich das Gefühl hatte, das bin ich nicht, dieses nicht mehr arbeiten wollen. Das hatte ich noch nie und ich will auch nicht, dass es mir so geht. Also das war der Moment, wo ich entschieden habe, das Kündigen auf jeden Fall sinnvoll ist. War es gar nicht so sehr diese, oh Gott, ich gehe jetzt ins Risiko, vielleicht Angst, sondern eher ein Stück weit auch eine Erleichterung. Ja, da war es Erleichterung, aber es hat sich so lange hingezogen, schon aus diesem Gefühl, ich kündige was, was sehr viel wert ist, was mir auch sehr viel Spaß gemacht hat und gehe in eine Unsicherheit. Das hat mich so lange durchhalten lassen, würde ich sagen. Und das hat halt gut gepasst mit Corona und diesem ehemaligen Zuhause sein können. Aber genau, da ist auch sehr Erleichterung raus. Und das hat sich auch angefühlt wie eine Befreiung tatsächlich. Also das auszusprechen und klar zu haben, okay, das eine geht jetzt zu Ende und ich kann mich voll auf Retail fokussieren, war schon eine große Erleichterung. Und vielleicht abschließend, was würdest du denn anderen Frauen raten, die jetzt erwägen, vielleicht zu gründen? Ja, ich würde ja sagen, mutiger sein, als ich das war. Ja, tatsächlich. Also eine Sache ist immer, wenn man in einer Partnerschaft lebt, das mit einem Partner, Partnerin abzusprechen, dass man sich klar ist, welche Risiken geht man ganz bewusst ein, aber auch sich immer zu überlegen, wie will ich eigentlich leben und was möchte ich vom Leben? Und wenn Gründen was ist, worauf ich Lust habe, was ich mir gut vorstellen kann, dann das einfach auszuprobieren, weil man kann auch später noch was anderes arbeiten, muss man zugeben. Und ein Team suchen. Also egal ob Männer oder Frauen, also meine Jungs sind super unterstützend. Ich finde nicht, dass das ein Manko ist, dass es zwei Jungs sind oder zwei Männer sind, sondern ich habe uns als sehr gutes Team wahrgenommen in der Gründungsphase und auch sehr gegenseitig unterstützend in den aktuellen Lebensphasen. Deswegen sucht euch ein Team und macht das gemeinsam. Ja, Alma, ich danke dir ganz herzlich für diese spannenden Einblicke und dass du bei uns im Studio warst. Sehr gerne. Vielen Dank nochmal für die Einladung. Ja, und euch danke ich natürlich fürs Zuhören, Zuschauen und bis zum nächsten Mal bei PZ am Ohr.