Latest / ntv Wirtschaft / Krieg in Nahost lässt Kurse rutschen: Was Anleger wissen müssen
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- Der DAX rauscht am vierten Tag des Iran-Kriegs nach unten. Öl und Gas schießen nach oben. Tanker stecken in der Straße von Hormuz fest. Und plötzlich zeigt sich, manche Länder trifft das kaum, andere direkt ins Mark. Und im Nahen Osten sitzen zehntausende Urlauber fest. Reiseveranstalter starten die Rückholung und hoffen gleichzeitig auf Planbarkeit. Hallo. In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte, die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat. Text und Stimme der Sprecherin wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt. Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards geprüft. Viel Spaß beim Zuhören. Der Schock sitzt heute ganz sichtbar auf den Kurszetteln. Der DAX rutscht ab und fällt zeitweise sogar mehr als 1000 Punkte. Auch der Eurostox 50 verliert deutlich. Und der Euro gibt zum US-Dollar nach. Im Hintergrund steht überall dieselbe Sorge. Der Krieg im Nahen Osten schürt die Angst vor einer Energiekrise. Bei 80 Euro und mehr liegt der Rohölpreis. Beim Gas fast 60 Euro je Megawattstunde, der höchste Stand seit genau drei Jahren. Analysten halten bei einem längeren Konflikt auch Ölpreise von über 100 Dollar pro Barrel für denkbar. Und in Deutschland sieht der ADAC weiter steigende Benzin- und Dieselpreise. Halsöl zieht ebenfalls an. Gleichzeitig hat die Inflation im Euroraum schon vor dem Iran-Krieg überraschend angezogen. Im Februar stiegen die Preise für Waren und Dienstleistungen im Schnitt um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, meldet Eurostat in einer ersten Schätzung. Experten hatten mit einer Stabilisierung auf dem Vormonatsniveau von 1,7 Prozent gerechnet. Stattdessen geht es spürbar nach oben. Und das dürfte jetzt zumindest auch kurzfristig so weitergehen. Wie Anleger jetzt mit all dem umgehen, darüber hat Nancy Lanzendörfer an der Frankfurter Börse mit Christopher Rosbach gesprochen, Chefanlagestratege bei Jay Stern & Co. Auf der einen Seite soll man sich keine Sorgen machen, sagt die Wirtschaftsministerin Reiche, auf der anderen Seite warnt die Wirtschaftsweise Grimm vor einem Energieschock. Was soll ich daraus machen, was machen Sie daraus? Ich denke, dass man in einer solchen Situation langfristig denken muss. Wir haben ja schon Verwerfungen gesehen. Es wird darauf ankommen, wie lange der Konflikt dauern wird. Aber er bahnt sich ja auch schon länger an. Es gibt Energiereserven und viele der Auswirkungen sind im Augenblick kurzfristig. Ja, viele Investoren machen sich aber Sorgen, wenn ich auf den DAX schaue, der heute Morgen unter die 24.000er Marker gefallen ist, oder? Ja, der DAX ist ja ein Index. Das hat aber damit zu tun, was für Unternehmen im DAX sind. Die sind viel anfälliger für diese kurzfristigen Verwerfungen, für einen Anstieg in den Energiekosten, wie sie ja stattfinden und auch zu erwarten sind. Wie auch möglicherweise für Inflation, wie auch für eine Unterbrechung der Supply Chains. Das hat aber mit den Unternehmen selber zu tun. Wenn Sie sich zum Beispiel die USA anschauen, dann war es dort viel resilienter. Es ist auch in anderen europäischen Märkten resilienter und es kommt darauf an. Was meinen Sie, wie weit kann es denn nach unten gehen? Es kann kurzfristig natürlich auch noch weiter runtergehen, aber wie gesagt, schlussendlich kommt es darauf an, wie lange es dauert. Wir hoffen, dass es friedlich beigelegt wird, sobald wie möglich, sowohl im Iran wie auch für den breiteren Mittleren Osten. Es hat sich in den vergangenen Krisen gezeigt, dass dies mittelfristig stattfindet, weil es der Konjunktur im Grunde genommen gut geht, in den USA wie in Europa. Und weil die Unternehmen auch in der Lage sind, dort durchzukommen. Deshalb kann es zwar noch runtergehen, aber man muss das sich langfristig anschauen. Sie haben schon Konjunktur und auch Inflation angesprochen. Ein steigender Ölpreis, den wir jetzt ja auch sehen in diesen Tagen. Inwieweit wirkt sich der wiederum auf die Inflation aus? Also je länger der Konflikt dauert, umso schlimmer? Ja, sicherlich. Wir sehen die Anstiege ja schon auch in den Spritkosten, wie sie stattfinden. Andererseits hat Philipp Lehn, der Chefökonom der EZB, gestern davon gesprochen, dass die europäische Wirtschaft im Grunde genommen in ihrem Potenzial wächst, dass die Inflation zwar erhöht ist, aber im Grunde genommen moderat, dass die Einkommen steigen, was ja gut ist, weil die Schere sich dann wieder schließt, unter der viele Verbraucher gelitten haben. Es wäre nicht gut, wenn es anhält, wenn diese Spritkosten und anderen Energiekosten dann zu Verwerfungen sowohl für Verbraucher wie für Unternehmen führen. Es kann aber auch noch eine Weile andauern, aber im Augenblick sind die Ausschläge ja noch moderat. Es gibt insgesamt Reserven, die jetzt auch angepasst werden. Besprochen werden können, um das abzudecken. Aber es wird darauf ankommen, wie lang es dauert. Und vielleicht auch nochmal ein Stichwort Notenbanken. Wie evaluieren die das? Was könnte das jetzt für die weitere Zinsentwicklung bedeuten, was ja wiederum auch interessant für die Aktienmärkte ist? Absolut. Und das sehen wir ja sowohl in den USA wie auch mit der EZB, dass es insgesamt zu einer Erniedrigung der Zinsen kommt. Das heißt, das Zinsniveau hat sich jetzt eingependelt und wird im Zweifelsfalle noch weiter fallen. Die EZB hat gerade gestern gesagt, dass sie im Grunde genommen keine Begründung sieht, um die Zinsen jetzt noch weiter fallen zu lassen. Andererseits ist der Inflationsdruck aber auch nicht zu groß. Und diese kurzfristige Inflation, also die Non-Core Inflation im Vergleich zur Core Inflation, die sich dann wirklich durchschlägt, da schaut auch die Notenbank durch. Ich denke deshalb nicht, dass es kurzfristige Reaktionen gibt, sondern im Gegenteil Maßnahmen, um die Märkte zu stützen und auch um Vertrauen aufrechtzuerhalten. Vielen Dank für Ihre Einschätzung. Damit gehen wir zurück. Weil am Ende gerade vieles am Öl hängt, landet der Blick automatisch bei einer einzigen Engstelle. Der Straße von Hormuz. Da stecken Dutzende Tanker fest. Wie lange, bleibt unklar. Und genau dieses Nadelöhr macht die Frage plötzlich so konkret. Wer hängt eigentlich wie stark am Öl aus dem Nahen Osten? Und wer hat Puffer? Europa wirkt auf den ersten Blick überraschend unabhängig. Der Nahe Osten liefert rund 5 Prozent der europäischen Rohölimporte. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn bei Kraftstoffen hängt Europa deutlich stärker an der Region. Sie liefert besonders viele Mitteldestillate, also Produkte wie Diesel und Kerosin. Die USA haben ihre Abhängigkeit drastisch reduziert. Sie sind heute selbst der weltweit größte Öl- und Erdgasproduzent. Die Importe aus den Golfstaaten lagen im vergangenen Jahr bei weniger als 0,9 Millionen Barrel pro Tag, bei einem Gesamtbedarf von über 20 Millionen Barrel. Und als führender LNG-Exporteur beziehen die Vereinigten Staaten fast kein Flüssigerdgas aus dem Nahen Osten. Ganz anders China. Der größte Rohölimporteur der Welt bezieht rund die Hälfte seiner Lieferungen aus dem Nahen Osten. Und die Volksrepublik gilt außerdem als wichtigster Abnehmer von iranischem Öl. Analysten schätzen Chinas strategische Reserven auf rund 900 Millionen Barrel. Das deckt den Importbedarf von knapp drei Monaten. Auch Indien steigert zuletzt wieder den Anteil von Öl aus dem Nahen Osten. Auf 55 Prozent, weil Raffinerien weniger russisches Öl abnehmen. Beim LNG wirkt Indien ebenfalls verwundbar. Etwa zwei Drittel des Bedarfs deckt das Land in Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Oman. Nicht nur Tanker stecken fest. Auch Menschen sitzen im Nahen Osten fest. Nur eben nicht auf See, sondern an Flughäfen. Jetzt starten etwa die Reiseanbieter Dertours und TUI die Rückholung ihrer Urlauber aus der Region. TUI-Chef Sebastian Ebel sagt bei NTV, das dauert voraussichtlich einige Tage. Tempo und Ablauf hängen an der Sicherheitslage. Seriös lasse sich das nicht genau vorhersagen. Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands sind rund 30.000 Kunden deutscher Reiseveranstalter betroffen. Und die Unsicherheit geht über die aktuelle Rückholung hinaus. Die höheren Ölpreise, mehr Beratungsaufwand und womöglich fällt mit Dubai und Doha ein wichtiges Drehkreuz zumindest zeitweise als verlässliche Route weg. All das dürfte über kurz oder lang auch für steigende Reisepreise sorgen. Und die diesjährige Tourismusmesse ITB in Berlin prägen, die heute gestartet ist. Und das nicht nur, weil am BER gerade keine Flugzeuge aus dem Nahen Osten landen. Israel hat seine Teilnahme abgesagt, ebenso die Airline Emirates. Unser Reiseexperte Ralf Benke hat mit dem Präsidenten des Deutschen Reiseverbands gesprochen, Albin Leudl. Jetzt fragt man sich natürlich, wie groß können die Auswirkungen sein. Wir wissen ja alle nicht, wie lange es dauert. Auf der anderen Seite wissen wir, dass es schon sehr wichtige Drehkreuze sind, auch mehrere. Und ja nicht nur die Verbindungen in die Emirate betroffen sind, auch nach Asien. Mit welchen Auswirkungen rechnen Sie in den nächsten Wochen? Stand heute können wir dafür noch gar keine Vorhersage machen, weil die Lage noch sehr aktuell ist und auch sehr volatil, wie ich ausgeführt habe. Wir gehen davon aus, dass es sich in einigen Wochen wieder komplett einspielen wird. Jetzt gibt es ja eine Diskussion, die sich auch gebildet hat, zum einen von Seiten des Bundesaußenministeriums, dass man sagte, man habe ja schon länger darauf hingewiesen, dass es da eine Sicherheitsproblematik gibt, auch gewarnt. Auf der anderen Seite gibt es Urlauberinnen und Urlauber, die sagen, naja, sie hätten auch Sorgen gehabt, die letzten Wochen Veranstalter hätten sie nicht rausgelassen aus dem Vertrag. Also das sind zwei Seiten, die wir hier sehen. Was sagen Sie dazu? Wie muss man damit umgehen? Offenbar war da Unklarheit. Ja, wir stehen hier immer im aktuellen Austausch mit dem Auswärtigen Amt. Die das Auswärtige Amt gibt, entweder Reisehinweise oder Reisewarnungen. Bis Freitag existierten Reisehinweise, ab Samstag dann Reisewarnungen. Das ist die Grundlage dessen, dass dann Reiseveranstalter auch ihre Verträge kündigen. Und wir sagen, Reisen können dort nicht mehr stattfinden. Man hat ja den Eindruck, dass jetzt schon länger diese Krise im Raum stand als Möglichkeit. Aber jetzt, wo es dann soweit ist, erst gesucht werden muss, was ist der Plan B, die Leute wieder heimzuholen? Was hätte man daraus lernen können jetzt oder müsste man daraus lernen oder hätte man vorher schon das vorbereiten müssen? Also die Situation, die wir jetzt vorfinden, ist, wie geschildert, sehr komplex. Hatten wir in so einer Dimension auch noch nicht. Und wir sind natürlich durch unsere Krisenstäbe generell kommunikativ immer darauf vorbereitet und versuchen gemeinschaftlich Lösungen zu finden, wie die Urlauber nicht nur an Informationen kommen, sondern schnellstmöglich dann auch das Land unter die Länder verlassen können. Inwiefern könnte das auch Auswirkungen haben jetzt auf neue Buchungen, auf den Sommerurlaub? Bedeutet das, dass dann mehr Mittelmeer gebucht wird? Bedeutet das vielleicht, dass es dann auch, sollte sich die Lage entspannen, dann Rabattaktionen geben kann? Grundsätzlich haben wir solche Krisensituationen schon häufiger in unserer Branche. Es zeigt sich, dass für die jeweiligen Regionen dann eine kleine Buchungsstelle entsteht oder auch eine größere. Aber es zeigt sich auch, dass der deutsche Reisemark resilient ist. Der Deutsche möchte in Urlaub, er hat auch ein Recht, in Urlaub zu fahren. Und infolgedessen gehen wir nach wie vor sehr positiv Richtung Sommer 2026. Jetzt gibt es ja viele Leute, die sich auch Sorgen machen, wie es weitergeht, gerade wenn Sie vor Ort sind. Was ist die Botschaft als Deutscher Reiseverband an die Leute? Was können Sie da signalisieren? Da ist immer unsere Botschaft, informieren Sie sich über Ihren Reiseveranstalter auf die jeweiligen Webseiten des Auswärtigen Amtes, um da die aktuellsten Informationen erhalten zu können. Vielen Dank, Herr Lodl. Gerne. Zum Schluss noch was ganz anderes. Denn während Krieg und Inflation gerade von außen auf die Preise drücken, streitet Deutschland bei einem innenpolitischen Thema weiter. Es geht um die Arbeitszeit. Die Teilzeitquote in Deutschland erreicht 2025 ein Allzeithoch von knapp 40 Prozent. Das zeigt eine Berechnung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, kurz IAB. Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten stieg im Vergleich zu 2024 leicht auf knapp 17 Millionen. Die der Vollzeitbeschäftigten ging leicht zurück auf gut 25 Millionen. Vor allem die Union verbindet das mit Konjunkturschwäche. Friedrich Merz und andere fordern Mehrarbeit. Das IAB zeigt aber auch, Teilzeitbeschäftigte arbeiteten 2025 im Schnitt pro Woche sogar ein kleines bisschen mehr als im Vorjahr. Und damit bleibt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit aller Beschäftigten stabil, bei 30,4 Stunden. Angst vor zu wenig Arbeitsstunden ist also unbegründet. Und mit diesem Learning schließen wir unseren Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den Moment. Wir hören und lesen uns wieder bei NTV, in der App, im TV oder hier im Podcast. Bis dahin.