Latest / BZ am Ohr / Tipps fürs Fernwandern für Frauen - „Den Mental Load hinter sich lassen“
Transcript
- Ein Erste-Hilfe-Set, Regenschutz und leichte Daunenjacke, E-Book-Reader. Das sind drei Dinge, die auf jeder Wanderung von Nina Rühlig dabei sind. Ansonsten wandert die in La lebende Autorin und Wanderexpertin mit sehr leichtem Gepäck. Und zwar alleine und für mehrere Tage und Wochen. Und dazu möchte sie auch andere Frauen motivieren. Und dieses Thema Verantwortung ist einfach, wenn ich jetzt alleine unterwegs bin, habe ich Verantwortung mir gegenüber, aber sonst eben nichts. Und es ist ja gerade, denke ich, immer noch so, dass Frauen oft mehr Verantwortung haben im klassischen Alltag, was jetzt Haushalt angeht, was Kinderbetreuung und so angeht. Und sich da mal eine Zeit lang rausnehmen zu können und diese Verantwortung eben abzugeben an irgendjemand anders, das kann sich sehr frei anfühlen und damit eben auch sehr, sehr leicht. Welche Ängste Frauen davon abhalten, einfach mal loszulaufen? Und warum gerade darin der ganz große Reiz steckt, erzählt Nina mir in diesem Podcast-Gespräch. Sie berichtet, wie sie einmal Angst vor einem Bären hatte und wie sie selbst mit ihren Ängsten umgeht. Aktuell zum Beispiel sind das Herdenhunde. Das ist, glaube ich, das größte Thema, warum Frauen nicht losgehen. Und diese Ängste, die werden bei den meisten Frauen weniger, wenn sie mal losgezogen sind, wenn sie mal was gemacht haben, wenn sie gemerkt haben, sie schaffen das alleine. Es geht um Freiheit, Minimalismus und ums Loslassen. Außerdem hat Nina ganz viel praktische Tipps. Vom richtigen Rucksack über den Schuhkauf bis hin zu Hygieneartikel für Frauen, die ja beim Wandern auch mal ihre Periode bekommen. Was ist für sie der schönste Moment nach einer Mehrtagestour? Und wie klappt es eigentlich, dieses einfach loslaufen? Hört rein. Mein Name ist Gina Kuttkatt und ihr hört BZ am Ohr. Werbung. Du bist unter 30 und willst wissen, was in Südbaden wirklich wichtig ist? Da können wir helfen. Die Badische Zeitung feiert dieses Jahr ihren 80. Geburtstag. Dazu machen wir dir ein Geschenk, wenn du unter 30 bist. Eins von 1000 kostenlosen Digitalabos für ein ganzes Jahr. Solange der Vorrat reicht und ohne Kleingedrucktes. Hole dir dein kostenloses BZ-Jahresabo unter mehr.bz-gratis-Abo oder dem Link in den Shownotes. Werbung Ende. Nina, wir sprechen heute über das Wandern, insbesondere über das Fernwandern für Frauen. Wo warst du denn zuletzt unterwegs? Wie lange und warst du allein unterwegs? Das letzte Mal wirklich wandern war ich in der Bretagne drei Wochen am Stück auf dem Küstenwanderweg. Und warst du allein unterwegs? Da war ich allein unterwegs, da war ich aber nicht nur wandern, sondern auch einen Wanderführer drüber geschrieben. Und ab wann spricht man eigentlich von einer Fernwanderung? Also ab wie viel Kilometer oder ab wann gilt das für dich als Fernwanderung? Ja, das ist immer so ein bisschen eine Frage der Definition. Es gibt Leute, die sagen, irgendwo bei 600, 700, 800 Kilometer oder 1000 Kilometer fängt es erst an. Für mich ist eigentlich alles eine Fernwanderung, was über ein paar Tage rausgeht. Also deswegen sage ich auch oft eigentlich lieber mehr Tagestouren, weil damit halt alles dann erfasst ist. Du bist ja, glaube ich, schon in deiner Kindheit im Allgäu so mit Wandern in Berührung gekommen. Wann hast du denn so diese Mehrtagestouren für dich entdeckt? Gab es da eine bestimmte Tour, wo du gesagt hast, das probiere ich jetzt mal aus? Oder bist du quasi einfach immer weiter und länger gelaufen? Nee, ich habe ein paar Jahre Pause gehabt tatsächlich und bin irgendwann wieder eingestiegen mit so ein, zwei Tagestouren, also so klassische Bergtouren in den Alpen. Und war dann irgendwann mal vor knapp zehn Jahren drei Tage in den Bogese unterwegs. So von Ort zu Ort mit meinem Bruder damals zusammen. Und da habe ich irgendwie das Gefühl gehabt, Mensch, das macht mir so Spaß, ich muss das auf jeden Fall mal länger versuchen. Und das war eigentlich so der Auslöser, dass ich gesagt habe, jetzt gehe ich irgendwann mal los, nehme meinen Rucksack, auch das Zelt mit dazu und gehe los und bin dann in diese Wänden gefahren. Und wie lange warst du da unterwegs und was hast du da für Erfahrungen gemacht? Ja, da bin ich den Germantus Stevenson, also den Stevenson-Weg gelaufen, den dieser schottische Schriftsteller irgendwie ganz ursprünglich mal gelaufen ist, quer durch die Sivanen. Und da war ich dann alleine unterwegs, weil ich es einfach mal ausprobieren wollte. Habe mich da mal sozusagen aussetzen lassen, absetzen lassen nach dem Familienurlaub, und habe gesagt, ich probiere das einfach mal zwei, drei Tage mit Zelt aus. Und das war so schön, dass ich dann einfach acht Tage geblieben bin und hätte ich keine Verpflichtungen zu Hause gehabt, dann wäre ich einfach geblieben und noch weitergewandert. Und die Erfahrung war schön, mein Rucksack war leicht genug, das Wetter war gut, die Leute waren total nett und es hat mir einfach richtig Spaß gemacht, irgendwie sowas alleine zu machen, so von Ort zu Ort zu ziehen, abends das Zelt aufzustellen und morgens wieder weiterzugehen. Über das Alleinsein so auf Touren Dann will ich gleich noch mal ein bisschen mit dir sprechen. Du hast mal gesagt, oder du sagst es, glaube ich, auch in deinem Buch, Fernwandeln ist so für dich der Luxus der Leichtigkeit. Jetzt reden wir heute auch über das Wandern speziell für Frauen. Kannst du diesen Luxus der Leichtigkeit mal versuchen, so in Worte zu fassen? Also was gehen da so für Gefühle mit dir durch, wenn du so alleine mit einem leichten Rucksack unterwegs bist? Und was ist daran der Luxus? Und ursprünglich habe ich es immer nur aufs Gepäck gezogen. Also als ich diesen Satz das erste Mal formuliert habe, diesen Luxus der Leichtigkeit, habe ich eigentlich wirklich nur an Rucksack gedacht, weil es das halt einfach macht, körperlich einfach. Und weil es das auch sehr, sehr leicht macht, finde ich, wenn man einfach nicht viel hat, weil man merkt, dass man auch sehr wenig braucht und habe dann aber irgendwann festgestellt, so im Laufe der Zeit, dass das nicht nur das Gepäck ist, also nicht nur dieses tatsächliche Gewicht, das ich mit mir rumtrag, sondern dass es eigentlich auch zwei andere Aspekte noch sind, die da dazuspielen oder da dazukhören und das ist einmal dieses Thema Verantwortung und das andere ist. Erwartungshaltungen und dieses Thema Verantwortung ist einfach, wenn ich jetzt allein unterwegs bin, habe ich Verantwortung mir gegenüber, aber sonst eben nichts. Und es ist ja gerade, denke ich, immer noch so, dass Frauen oft mehr Verantwortung haben im klassischen Alltag, was jetzt Haushalt angeht, was Kinderbetreuung und so angeht. Und sich da mal eine Zeit lang rausnehmen zu können und diese Verantwortung eben abzugeben an irgendjemand anders, das kann sich sehr frei anfühlen und damit eben auch sehr, sehr leicht. Und das Zweite, denke ich, ist schon diese Erwartungshaltung, die man im Alltag ja oft an sich selber hat oder eine gesellschaftliche Erwartungshaltung, die es gibt von der Gesellschaft an ein oder die man halt gefühlt hat und da ist man beim Wandern einfach komplett draußen, so dieses, ja, was ziehe ich an, wie sehe ich aus, das ist alles, einmal ist es egal und das Zweite ist, dass man auch gar keine Wahl hat, weil ich habe halt nur meine Wanderhose und ich habe halt nur ein T-Shirt zum Wechseln, dann ist das, weiß ich nicht, rot oder blau, aber mehr Möglichkeiten habe ich nicht. Und auch das macht es einfach viel leichter, es macht es sehr leicht, wenn man einfach frei ist von ganz vielen Dingen, die sonst halt auf einen einströmen. Man ist viel stärker halt in dieser Situation und vor Ort einfach präsent. Mit deinem ersten Punkt hast du ja gleich mal was Riesengroßes angestoßen, also so dieser Mental Load, von dem ja, ja wissen wir ja einfach eben, vor allem Frauen betroffen sind. Schaffst du es denn wirklich so Mental Load, so in diesem Zusammenhang den ganz auszuschalten, wenn du unterwegs bist? Also kannst du das? Ja, voll. Also es dauert immer ein bisschen. Also das ist für mich auch ein Riesenunterschied von Tages- oder ein-, zweitagestouren zu längeren Wanderungen hin. Dass ich so am ersten halben Tag, wenn ich unterwegs bin, merke ich immer, da nehme ich meinen Alltag mit. Und das geht dann so langsam weg, das verschwindet so nach und nach. Wenn ich aber nur ein oder zwei Tage unterwegs bin, dann kommt ja spätestens am Nachmittag oder am nächsten Mittag schon wieder alles zurück. Denke ich, oh, jetzt fahre ich wieder nach Hause und dann kommt das alles wieder auf mich zu. Und wenn ich länger weg bin, also je länger ich unterwegs bin, umso weiter weg bin ich davon auch. Das muss halt gesichert sein, dass zu Hause alles funktioniert. Ich habe jetzt keine kleinen Kinder mehr, da ist es dann nicht mehr so relevant. Aber in so einem Fall muss man natürlich irgendwo diese ganze Struktur zu Hause funktionieren, damit man sich davon auch so wirklich frei und damit auch leicht fühlen kann. Und jetzt hast du ja eben das Buch geschrieben, Fernwandern für Frauen. Und da lädst du eben Frauen ein, sich mit Mut und Freude auf den Weg zu machen. Was hast du denn für Veränderungen bei Frauen, die du kennst, die du auch für dieses Buch befragt hast? Weil da kommen ja auch verschiedene Frauen zu Wort. Oder vielleicht auch bei dir selber. Verändern dich diese Wanderungen auch? Also wenn du dann wieder zurück in diesem Alltag bist mit Mental Load, mit Kindern, die vielleicht nicht mehr ganz so klein sind, aber die ja trotzdem auch noch deine Verantwortung irgendwie brauchen. Nimmt man dann den Alltag irgendwie auch besser hin? Kann man das irgendwie so sagen? Eine Zeit lang sicher. Also die meisten Veränderungen kenne ich natürlich von mir, auch wenn ich jetzt auch mit anderen Frauen spreche. Ich glaube, was alle eint, die länger unterwegs sind, das ist einmal dieses ganze Thema Vertrauen und Selbstvertrauen, das steigert sich einfach deutlich. Das wird immer größer, je länger man unterwegs ist, wenn man ja merkt, was man eigentlich kann, was man aus eigener Kraft schafft, auch Dinge, die man sich vorher vielleicht gar nicht zugetraut hat. Das gibt Mut und. Zu sehen, zu merken, was der eigene Wille eigentlich ausmacht oder was der bewirken kann. Und ich glaube, das ist etwas, was man ganz stark auch in den Alltag mitnehmen kann und was einem auch oft Gelassenheit schenkt in Situationen, die man vorher vielleicht schwieriger fand oder die einen irgendwie stark gefordert haben. Und was ich von anderen Frauen oft höre oder immer wieder mal höre, ist ja dieses Thema Ängste. Das ist, glaube ich, das größte Thema, warum Frauen nicht losgehen. Und diese Ängste, die werden bei den meisten Frauen weniger, wenn sie mal losgezogen sind, wenn sie mal was gemacht haben, wenn sie gemerkt haben, sie schaffen das alleine. Und das ist oft so, wenn ich irgendwas kennenlerne und mal gemacht habe und weiß, dass es funktioniert, dann reduziert sich einfach diese Angst. Und das finde ich einen Riesenschritt eben, wenn man das nachher merkt. Und das ist schon eine ganz große Veränderung. Und das ist auch eine, die ich gerne eigentlich bewirken will mit so was wie diesem Buch oder auch mit Vorträgen, die ich halt, dass Frauen sich trauen und das dann auch erfahren. Jetzt hast du gerade schon was ganz Zentrales angesprochen, nämlich das Thema Ängste. Also das ist auch ein großes Kapitel in deinem Buch. Was sind denn so Punkte, die Frauen dir genannt haben oder die du auch einfach weißt? Also was sind die wichtigsten Dinge, warum Frauen sich nicht trauen, loszulaufen? Es sind verschiedene Sachen. Manche haben einfach Angst davor, alleine zu laufen, weil sie es einfach nicht kennen, glaube ich, auch mal alleine zu sein oder alleine Sachen zu bewältigen. Viele haben Angst vor dem Alleine-Übernachten draußen. Es sind natürlich ganz oft auch Ängste vor unschönen Begegnungen mit Menschen. Ich habe es im Buch genannt, übergriffige Männer, um da eben zu differenzieren. Das war mir ganz klar, ein Buch zu schreiben, wo es nicht darum geht, dass Männer gefährlich sind, aber dass es einfach Situationen gibt oder dass Frauen Angst davor haben, dass es Situationen gibt, in denen sie sich mit manchen Männern unwohl fühlen. Das ist sicher oft ein Punkt. Und dann aber auch so ganz gefühlt einfache Dinge wie Weg finden oder eine Sprache, die vor Ort gesprochen wird. Oder auch irgendwie, ich meine, du erzählst ja auch, dass man sich wirklich vorher. Im Kopf durchgehen muss, wann komme ich an die nächste Wasserstelle, wo finde ich Essen. Also das wäre jetzt zum Beispiel meine größte Angst, dass ich einfach so lange zum Beispiel unterwegs bin, dass ich keine Menschenseele irgendwie treffe und, jetzt verhungern ist dann glaube ich so die größte Angst, aber dass man einfach vielleicht schlecht geplant hat oder so, also weil wir Frauen sind ja auch so, Planungsfanatikerinnen, nicht alle, Aber, dass man da einfach so ein bisschen auch vertrauen muss, spielt das auch eine Rolle bei den Ängsten? Also das Vertrauen bringt natürlich sehr viel, aber ich glaube, das ist halt gerade, wenn man am Anfang Angst hat vor irgendwas, ist das Vertrauen ja noch nicht da. Das kommt dann bei der zweiten, dritten, vierten Tour irgendwann schon, weil man halt merkt, was funktioniert. Oder vielleicht merkt man ja auch nicht nur, was funktioniert, sondern auch, wo man einfach noch irgendwo ein Defizit hat, wo man irgendwie noch stärker mit seinen Ängsten arbeiten muss. Aber ich glaube, mit einer guten Planung kann man schon ganz, ganz viel Ängsten begegnen. Und nicht nur mit einer guten Planung, sondern auch mit dem, dass ich vorher gucke, was tut mir eigentlich gut oder was habe ich für eine Angst. Und viele Ängste kann man ja im Vorfeld einfach ausschalten oder ausscheiden, einfach dadurch, dass man sagt, keine Ahnung, ich habe Angst davor zu verhungern, zum Beispiel, dann nehme ich eine Tour, die halt regelmäßig durch Ortschaften geht, das gibt es ja durchaus, man muss ja nicht immer durchs Gebirge laufen, und wenn ich Angst davor habe, dass ich einen Weg nicht finde, dann nehme ich halt einen Weg, der gut begangen ist, auf dem viele Menschen unterwegs sind oder einen Weg, bei dem ich weiß, dass er sehr gut ausgeschildert ist, und das sind ja alles Möglichkeiten vorher zu gucken, dass ich sage, oh die Angst, die ich habe, die trifft mich unterwegs eigentlich gar nicht, weil sie gar nicht mehr relevant ist. Wenn ich jetzt Angst habe davor, alleine zu bivakieren, dann gehe ich einfach erstmal anders los. Dann bivakiere ich halt nicht alleine, sondern nehme mir ein Zimmer oder gehe auf Campingplätze. Also man kann mit ganz, ganz vielen Ängsten, glaube ich, im Vorfeld durch die Planung, also diesen Ängsten einfach schon vorher begegnen. Es gibt aber ja auch Ängste, die dann vielleicht erst irgendwie in der Situation auftauchen. Du hattest zum Beispiel, da bist du den GR10 gelaufen, hattest du nachts in einer Hütte Angst vor Bären, wie bist du in dem Moment mit deiner Furcht umgegangen? Ja, das war sehr lustig. Da habe ich eigentlich bis zu dem Moment ja oder bis zu dem Nachmittag gar nicht gewusst, dass ich Angst vor Bären habe. Da lag ich in der Hüte und habe irgendwie durch den Krach draußen befürchtet, dass draußen ein Bär unterwegs ist und habe dann gemerkt, ich kriege wirklich richtig Angst. Und ich war dann einfach so ein bisschen wie paralysiert in dem Moment. Also ich habe eigentlich gar nicht mehr reagiert. Das ist so eine Situation auf die habe ich mich auch nicht irgendwie vorbereitet weil ich damit gar nicht gerechnet habe, ich glaube mit vielen Dingen kann man sich vorher beschäftigen, also wo ich immer wieder merke, dass ich so ein bisschen unsicher werde ist zum Beispiel das Thema Herdenschutzhunde aber wenn ich halt weiß, dass ich durch ein Gebiet mit Herdenschutzhunden komme, dann kann ich mir vorher kann ich mich informieren, wie gehe ich mit diesen Tieren um, oder wie gehe ich mit Kuhherden um oder so weiter, aber mit diesen Bären hatte ich mich halt nicht beschäftigt. Und das sind dann Momente, da hilft, glaube ich, nur noch ruhig bleiben, durchatmen und hoffen. Dass es bald vorbei ist. Und jetzt hast du gerade die Herdenhunde angesprochen. Hast du noch vor anderen Dingen Angst, wenn du jetzt heutzutage losläufst oder hat sich das eben durch deine Erfahrung schon komplett gegeben? Die meisten Dinge haben sich gegeben, also ich war so vor den ersten Touren ganz alleine mit Zelt, auch ein bisschen unruhig, also nicht bei der ersten Tour mit Zelt, aber bei der ersten Tour mit Zelt, bei der ich wirklich vorhatte, nur draußen zu übernachten, also nur wild zu campen, weil da ist man dann ja wirklich alleine. Und das hat sich gegeben einfach durch dieses regelmäßige Machen. Das wird dann einfacher, wenn man halt auch Geräusche kennt oder die ganze Situation kennt. Was immer da ist, natürlich ist sowas wie Gewitter oder sowas. Da merke ich einfach, da bin ich unsicher. Das ist natürlich auch gefährlich. Und da überlege ich dann schon immer wieder, wie kann ich es vermeiden? Oder überlege mir dann vorher, wie gehe ich damit um, wenn ich in so eine Situation komme? Aber sonst habe ich eigentlich zum Glück, sonst würde ich so Touren, glaube ich, auch nicht machen, wenig Ängste. Und empfiehlt es sich, wenn man jetzt zum Beispiel sagt, ich will das mit dem Zelt mal ausprobieren, das tatsächlich auch mal auszuprobieren? Also zu Hause, bevor man jetzt auf eine Zehntagestour irgendwie losläuft? Ich glaube, wenn man sich es zutraut, nicht, dann würde ich einfach sofort die Zehntagestour machen und einfach losgehen. Vielleicht mit der Möglichkeit zu sagen, oh, wenn es mir doch nicht taugt unterwegs, gehe ich halt mal auf einen Campingplatz oder verlege die Route so, dass ich an Campingplätzen vorbeikomme und wenn man sich das nicht zutraut, einfach zu sagen, zu Hause im Garten oder im Garten von Freunden irgendeinen geschützten Raum mal zu nehmen und zu gucken, ob man das da schafft oder man macht mal eine 2-3-Tagestour so von Freundin zu Freundin, die im besten Falle noch einen Garten hat, und probiert das da mal aus, dann merkt man mal ob dieses Zelten einem überhaupt gefällt oder ob man Angst hat nachts draußen. Und gleichzeitig merkt man dann auch, ob das, was man im Rucksack mitträgt, passt oder nicht. Ob es viel zu viel ist, ob es unnötiges Zeug ist. Hat gleich mal die ganze Ausrüstung ausprobiert, bevor man überhaupt loszieht. Und nachher vielleicht bei einer 10- oder 14-Tagestour merkt, oh, das ist eigentlich viel zu viel oder mir fehlt irgendwas ganz, ganz Wichtiges. Super Stichwort. Anfängere neigen ja, glaube ich, oft dazu, zu viel einzupacken, wenn sie zum ersten Mal so eine Tour sich vornehmen. Gibt es irgendwie so ein paar Dinge, die wir Frauen oft mitschleppen, die aber eigentlich total unnötig sind? Hast du da eine Liste? Nee, eine Liste habe ich nicht, aber ich sehe tatsächlich, glaube ich, draußen öfter Männer mit zu großen Rucksäcken als Frauen. Gut. Aber ich glaube, fast immer ist es wirklich das Thema Kleidung. Ja. Also wenn ich Rucksäcke sehe, die groß sind, also ich habe mal einen gesehen, der hat eine Gitarre und einen Kaffeefilter dabei gehabt, das ist dann schon extrem. Aber ganz oft sind es wirklich dann halt, ja, es ist nicht ein Wechsel-T-Shirt, es ist nicht eine Wechselunterwäsche. Das sind dann halt vier, fünf, sechs T-Shirts, weil man ja 14 Tage unterwegs ist. Und das braucht es oft einfach gar nicht. Oder das braucht es eigentlich nie. Das braucht es vielleicht zu Hause, aber nicht, wenn man irgendwo auf einer Wandertour ist. Ja. Und gibt es drei Dinge, die deiner Meinung nach unbedingt mitmüssen? Also was hast du immer dabei? Jetzt abgesehen von Kleidung mal, also der richtigen Kleidung und dem guten Rutsack und den Wanderschuhen. Da kommen wir da ja auch noch drauf zu sprechen. Aber so drei Dinge, die bei dir nicht fehlen dürfen? Also nicht fehlen dürfen, weil ich es wichtig finde, ist das Erste-Hilfe-Set. Das habe ich immer dabei. Zum Glück noch nie gebraucht. Ich habe immer was gegen Kälte und Regen dabei. Finde ich auch sehr, sehr elementar. Ist auch ein Sicherheitsthema. Und das Dritte ist kein Muss, aber ist für mich einfach wichtig. Ich habe immer einen E-Book-Reader dabei, weil ich einfach sehr gerne lese. Also vor allem abends, wenn ich zelten bin oder wenn ich allein unterwegs bin, und einfach nicht genug Bücher mitnehmen kann und die halt auch schwerer sind. Ja, also so ein bisschen, ja, ist jetzt vielleicht in Anführungszeichen ein unnötiger Luxus, ist dann quasi für dich der E-Book-Reader, den du dann in Kauf nimmst, quasi den zu schleppen. Aber ist immerhin leichter als irgendwie drei Bücher oder so. Ja, sogar leichter als ein Buch. Und das ist so ein Teil, das könnte ich natürlich noch wegrationalisieren. Ich bin ja auch nicht ultraleicht unterwegs. Ich habe Leute, die mit viel leichteren Rucksäcken noch laufen als ich. Aber das sind einfach so Dinge, die ich gerne dabei habe. Und das, was ich gerade gesagt habe, so ein Wind- und Wetterschutz, ich habe eigentlich auch immer diese Daunenjacke dabei. Auch wenn ich weiß, dass ich es wahrscheinlich nicht brauche. Aber vielleicht ist es dann abends doch mal kalt und ich friere einfach nicht so gern. Und dann kommt es einfach mit. Und warum ist so ein Regenschutz auch zum Thema Sicherheit wichtig? Also kannst du das nochmal erklären? Sobald es regnet und ich nass werde, besteht halt auch die Gefahr, dass ich auskühle. Und das kann einfach gefährlich werden. Und wenn dann noch Wind dazu kommt, dann verstärkt sich das einfach mit dem Auskühlen nochmal ganz stark. Und wenn ich dann eine halbe Stunde später in eine Unterkunft komme, ist das egal. aber wenn ich noch ein paar Stunden Gebirge vor mir habe oder vielleicht sogar draußen übernachten muss, dann kann Unterkühlung einfach ganz schnell gefährlich sein. Jetzt hast du gerade gesagt, du hast eher Männer mit zu großen Rucksäcken gesehen, aber worauf müssen denn Frauen achten, wenn sie einen Rucksack kaufen? Oder wie sollten sie da vorgehen? Generell immer, denke ich, in den Laden, also in den Fachgeschäften, wenn man es probieren kann. Wenn man einfach gucken kann, ein Rucksack, das ist so wie bei Schuhen, der muss einfach zum Körper passen, der muss zur Rückenlänge passen, der muss irgendwie zum Körperbau, zur Figur passen. Das ist ganz wichtig, dass man sich die Sachen vor Ort anguckt. Und dann gibt es eben einfach Frauenrucksäcke, die ein bisschen anders geschnitten sind, die am Beckengurt ein bisschen anders gebaut sind, die einfach auf die Anatomie von Frauen abgerichtet sind oder dafür halt hergestellt wurden. Das ist eigentlich das Wichtigste. Ein Rucksack muss sitzen und dann finde ich es auch schon wichtig, dass der Inhalt leicht ist, aber dann kommt es nicht auf ein halbes Kilo hin oder her an. Also wenn ich dann Leute sehe, wo der Rucksack wirklich so auf den Schultern sitzt und alles eigentlich an den Schultern hängt, dann kann der beste Rucksack eigentlich, taugt da nichts. Und in deinem Buch erklärst du ja auch, wie man zum Beispiel so einen Rucksack richtig packt. Das finde ich irgendwie auch ganz interessant. Wo die schweren Sachen hinkommen, wo die leichte Kleidung hinkommt, wo man eventuell noch den Schlafsack irgendwie dranhängt, damit es sich eben einfach gut, glaube ich, verteilt auf das Körpergewicht und man eben jetzt nicht leidet, wenn man wandert. Weil das soll ja, glaube ich, eben das geringste Problem sein. Ja, und so ein Rucksack, der halt zu schwer ist oder nicht richtig sitzt oder zu schwer ist, weil er vielleicht auch nicht richtig sitzt, der kann halt so eine ganze Tour eigentlich auch, ja, der kann die Freude an so einer Tour einfach kaputt machen. Und wenn ich einen Rucksack habe, der gut gepackt ist, der im Gleichgewicht ist, der gut auf der Hüfte nachher sitzt mit dem Beckengurt, dann spüre ich diese 5, 6, 7, 8, 9, 10 Kilo nicht ganz so arg, wie wenn sie wirklich auf der Schulter hängen. Und was ich auch in deinem Buch noch gelesen habe, man sollte sich Wanderschuhe eher nachmittags oder abends anprobieren. Warum das denn? Weil die Füße einfach dicker werden im Laufe des Tages. Und der Schuh muss einfach am Ende von einem Wandertag auch noch passen und vor allem am Ende von vielen Wandertagen. Also da neigen die Füße einfach dazu, sich so ein bisschen breiter und dicker und größer anzufühlen. Und ein Schuh, der morgens passt, der ist halt im Allgemeinen am Nachmittag einfach schon zu eng. Und dann tut es weh, es ist unbequem, die Füße tun weh und die Gefahr von Blasen steigt halt ganz deutlich. Du hast in deinem Buch ja auch verschiedene Frauen befragt, ich habe es vorhin schon mal angesprochen, die eben auch Erfahrungen auf Wanderung alleine gemacht haben. Und da ist mir so ein bisschen aufgefallen, dass die meistens, jetzt glaube ich nicht alle, aber so die 30 überschritten hatten. Manche sind auch irgendwie mit über 70 losgelaufen. Also auch kommt totaler Respekt. Ist Wandern irgendwie etwas für einen gewissen Lebensabschnitt oder war das jetzt nur mein Eindruck? Ich glaube, dass es Wandererinnen in allen Lebensabschnitten gibt. Das ist ein bisschen wahrscheinlich der Tatsache geschuldet, dass ich jetzt etwas über 50 bin und die meisten Leute in meinem Umfeld einfach in dem Alter oder älter sind, ganz viele davon. Und ich habe das dann bei der Umfrage am Anfang gemerkt, ich habe ja am Anfang bevor ich das Buch geschrieben habe, eine Umfrage gemacht bei vielen Frauen, um einfach die Themen nochmal abzuklären, ob ich da so auf der richtigen Spur bin und da habe ich dann gemerkt, dass ich so einen Schwerpunkt so um die zwischen 50 und 60 habe und habe dann geschaut, dass ich einfach noch Frauen aus meinem erweiterten Umfeld finde, die einfach jünger sind, und da bin ich halt so in dieser Altersgruppe 30, 35 jetzt noch fündig geworden und habe einige befragt, aber ich kenne durchaus auch Leute zwischen 16 und 25, also gerade junge Frauen, die auch schon wandern gehen, die auch schon gerne fernwandern gehen. Also ich glaube auch in der Generation vorhanden und ich glaube, es wird sogar noch mehr. Mhm. Ja, habe ich auch den Eindruck. Und auch gerade dieses Alleinewandern, du hast es ja gesagt, dass du das total genießen kannst, aber gibt es zum Beispiel auch irgendwie Typen, also muss man das Alleinsein irgendwie können? Lernt man das auf so einer Wanderung? Gibt es auch Frauentypen, für die das irgendwie gar nicht geeignet ist? Wahrscheinlich müssen es viele lernen weil man es aus dem Alltag einfach oft nicht kennt das ist ja egal, ob ich jetzt beruflich, privat, man hat ja oft viele Kontakte und viele Menschen um sich rum und ich glaube, vielen Menschen ist so dieses wirklich alleine sein mit sich, gar nicht mehr so richtig vertraut und man ist dann ja wirklich alleine, man läuft rum also man sitzt auch nicht irgendwo und, kann sich ein Video angucken und beschäftigt sich eigentlich mit nichts, außer mit sich selber, und das ist schwer. Ja, das ist vielleicht für manche schwer. Ich finde es sehr leicht, ich finde es auch gut und ich glaube, dass es jedem Menschen, egal ob es Mann oder Frau ist, gut tun würde, das kennenzulernen, weil es einem wahnsinnig viel gibt, wenn man es schafft, mit sich selber einfach zufrieden und glücklich zu sein. Gibt es trotzdem dann irgendwie so bestimmte Tageszeiten, wo es dir dann irgendwie zäh vorkommt? Oder hast du das wirklich komplett hinter dir gelassen? Also kannst du das wirklich komplett von morgens bis abends das Alleinsein genießen mittlerweile? Ich genieße das schon meistens, aber es gibt natürlich Momente, wo ich dann denke, oh, jetzt mal eine schöne Aussicht mit jemandem zu genießen, irgendein Erlebnis zu teilen. Oder wenn Situationen mal so ein bisschen kritisch sind, da merke ich dann schon, dass manche Dinge auch in Gesellschaft natürlich leichter sind, wenn man sich mal absprechen kann, wenn man, keine Ahnung, wenn man körperlich mal nicht mehr kann und irgendjemand da ist, der sagt, komm, jetzt haben wir noch eine halbe Stunde, dann kommt die nächste Hütte. Das macht es schon auch manchmal leichter. Aber ich bin ja oft, wenn ich alleine unterwegs bin, ich treffe ja auch mal Leute. Ich rede mal mit jemandem, ich esse in einer Hütte abends, wenn eine kommt. Da sitze ich dann mit Menschen am Tisch. Also ich habe ja immer so eine Kombi und auch wenn ich mal zwei, drei Tage komplett für mich bin, ist das schön. Ich kann aber jederzeit oder fast überall in Europa eigentlich ausweichen und sagen, oh, jetzt habe ich auch mal wieder ein, zwei, drei, vier Abende Gesellschaft. Und das genieße ich schon auch sehr. Und hast du für so Momente, wo du zum Beispiel deinen Glücksmoment teilen willst, hast du ein Handy immer dabei und könntest deine Familie anrufen? Ich habe immer ein Handy dabei, aber ich habe es normalerweise tagsüber im Flugmodus. Also ich verschicke jetzt nicht sofort irgendein Bild, weil ich irgendwas schön finde. Und das mache ich auch ganz bewusst nicht beim Wandern, weil ich mich da einfach rausnehme, aus diesem Vorort halt irgendwo zu sein. Und wenn du jetzt zum Beispiel 930 Kilometer unterwegs bist, hast du eine typische Wanderroutine oder ist jeder Tag so ein bisschen anders? Wie viele Kilometer läufst du zum Beispiel pro Tag? Das kommt wahrscheinlich auch immer auf dein Körpergefühl drauf an, aber hast du da so ein bisschen Anhaltspunkte für uns? Ja, also im Prinzip ist jeder Tag eigentlich gleich. Also ich stehe auf, baue mein Zelt ab, packe meinen Rucksack und laufe los. Irgendwann esse ich und irgendwann komme ich an und baue auf und gehe schlafen nach dem Essen. Also diese Routine, die stellt sich relativ schnell ein. Also dieses Rucksackpacken und so, das wird ja immer schneller. Man muss ja auch nie überlegen, was mache ich heute oder wie mache ich es. Man läuft ja einfach nur in Anführungszeichen. Was ich ja oft nicht plane, ist, wie weit ich laufe, weil ich nie weiß, auf was habe ich Lust, wie bin ich heute drauf, was kann ich, was möchte ich. Und das können mal 12, 13 Kilometer sein und genauso können es aber auch 30 sein. Also das ist total unterschiedlich. Ich würde jetzt aber einer Anfängerin. Keine Etappen von 25, 30 Kilometern täglich empfehlen, wenn sie noch nie gelaufen ist, weil dann einfach vielleicht auch diese Freude an der ganzen Sache schnell weg ist. Und was wäre da so eine gute Einheit, die Anfänger so pro Tag gut schaffen könnten? Kommt ein bisschen aufs Gelände an. Also ich würde mal sagen, bei so klassischen Fernwanderungen, die jetzt nicht im Gebirge sind, die technisch nicht so schwierig sind, denke ich mal, dass man, wenn man anfängt mit 15 oder 20 Kilometer am Tag, gut zurechtkommt, weil man ja auch das über den ganzen Tag verteilen kann. Man hat dann auch entsprechend noch Zeit für Pausen und ist dann auch am dritten, vierten, fünften Tag meistens noch fit. Im Gebirge ist das auf jeden Fall weniger. Also wenn man wirklich eine Mehrtagestour macht durch die Berge, viele Steigungen hat, schwierigere Wege, also dann könnte es auch ganz schnell mal nur neun oder zehn Kilometer sein. Aber das sind dann wirklich anspruchsvolle Touren und das sind meistens Sachen, die jetzt von der Anfängerin eher nicht gegangen sind. Und du schreibst, glaube ich, in deinem Buch auch, wenn man eher unterwegs ein bisschen Leute treffen will, also vielleicht Angst hat, irgendwie komplett allein unterwegs zu sein, dann soll man sich, glaube ich, eher bekanntere Wanderrouten aussuchen. Die erkennt man zum Beispiel daran, dass sie einfach viele Google-Treffer zum Beispiel haben, so sagst du es, glaube ich, in deinem Buch. Und was muss man zum Beispiel bei diesen Hütten wissen? Also wenn man jetzt nicht im Zelt übernachten will, muss man sich da vorher anmelden, muss man die reservieren, kommt es auch wahrscheinlich auf die Jahreszeit drauf an? Was muss man da bedenken? Ja, das ist nicht so ganz einfach. Das ist in den letzten Jahren immer schwieriger geworden mit den Hütten. Also in den Alpen ist es tatsächlich so, dass die Buchungszeiträume irgendwie jetzt Anfang der Saison aufgehen und dann die Hütten oft durchgebucht sind schon bis in die Sommerferien rein, also baden-württembergische Sommerferien oder zumindest mal bis Ende August. Und dass viele Berghütten inzwischen, also in Deutschland und in Österreich, schon sagen, man muss eigentlich reservieren. Das macht es so ein bisschen schwieriger, flexibel zu gehen. Und dazu kommt halt noch, dass man jetzt in Österreich und Deutschland nicht einfach zelten darf neben den Hütten. Also da würde ich immer empfehlen, vorher zu buchen. Weil man in Frankreich unterwegs ist, kommt es ein bisschen darauf an, auf die Gegend. Ich glaube, immer in Gegenden, die stark frequentiert sind, muss man auf jeden Fall Hütten vorher buchen. Wenn man in Ortschaften übernachtet, ist es einfacher, weil es dann halt meistens mehr Auswahl hat. Dann gibt es Hotels, dann gibt es irgendwelche kommunalen Unterkünfte, je nach Land. Es gibt Privatzimmer noch, die man finden kann. Da ist man dann flexibler. Ich buche ungern vorher. Ich mache es am liebsten flexibel, aber ich versuche auch außerhalb der absoluten Haupturlaubszeiten zu gehen. Und aber das machst du schon auch unterwegs, dass du dir auch mal ab und zu noch mal ein Zimmer irgendwie gönnst. Ist das so ein Luxus? Und was gehört zum Beispiel dann noch für dich dazu, wenn du so sagst, oh, jetzt bin ich drei Tage hier durchgewandert ohne Dusche, ohne Zimmer? Worauf freut man sich dann so? Ach, das Bett und die Dusche. Bett, Dusche, eine normale Toilette. Das sind so ganz banale Dinge. Oder vielleicht in einem Laden mal wieder irgendwas zu kaufen, was man nicht hat. Ein frisches Stück Obst zum Beispiel. Was man ja, wenn man jetzt irgendwo außerhalb der Ortschaften unterwegs ist, nicht bekommt und auch nicht so wirklich gut im Rucksack mitnehmen kann. Das sind oft so kleine Dinge dann. Ja, das schreibst du auch im Buch, dass die Ansprüche halt dann auch so sinken, je länger man unterwegs ist und dass man sich dann über die kleinen Dinge umso mehr freuen kann. Das ist ja bestimmt ein total schönes Gefühl. Ja, das ist super. Also diese Glücksschwelle, die sinkt ja immer weiter und, man freut sich über alles. Und ich höre das ja auch oft, wenn ich mit Leuten spreche. Die sehen dann meinen Campingkocher und sagen, oh Gott, wie kannst du von sowas leben? Das ist ja fürchterlich, das könnte ich nicht. Da kann ich immer nur sagen, also wenn ich nach so einem ganzen Tag dann irgendwo sitze und ich habe ein schönes Bergpanorama und mein Campingkocher steht da, dann schmeckt das alles. Und das sind so wirklich so Glücksmomente, die man, glaube ich, nicht hat. Wenn man solche Touren oder dieses einfache Leben gar nicht kennt. Und wenn du dann zurück nach Hause kommst, kannst du dann diese Glücksgefühle noch ein paar Tage so in deinen Alltag integrieren oder bist du auch schon mal nach so einer Tour komplett in ein Loch gefallen. Ja, das ist jetzt ein bisschen schwierig. Ich glaube, so dieses Wahrnehmen von dem, was man hat alles, was alles vorher selbstverständlich war, das hält sich schon ein paar Tage. Oder das wird mir auch immer wieder bewusst, wenn ich darüber nachdenke. Ich halte ja auch Vorträge übers Wandern, das heißt, ich spreche auch immer wieder über solche Themen oder schreibe auch immer wieder mal drüber. Ich glaube, deswegen ist mir das schon ziemlich präsent. Aber die Gefahr ist groß, dass es im Alltag auch ganz schnell wieder verloren geht, dass es halt alles selbstverständlich wird. Und das andere ist ja dieses Ankommen wirklich im Alltag wieder. So komme ich wieder in diesen geregelten Alltag rein, mein Wecker klingelt, ich gehe zur Arbeit, ich muss wieder irgendwelche Dinge, ich habe wieder Termine. Das ist, glaube ich, nochmal ein anderes Punkt, dieses Ankommen und da nicht in ein Loch zu fallen. Da muss man glaube ich ein bisschen aufpassen dass man diesen, ja diesen Schwenk zurück auch schafft irgendwie also mir ging es gerade nach dieser Pyrenäentour nach den sieben Wochen so dass ich die ersten Wochen wirklich Probleme hatte mit der Geschwindigkeit hier im Alltag, auch mit den Lautstärken die halt überall präsent sind mit diesen vielen Außenreizen die auch einströmen wenn man das wochenlang nicht hat. Ja ist das einfach wieder ungewohnt erstmal, Und wie ist es? Du hast ja am Anfang gesagt, dass du gerade beruflich auf einem Wanderweg unterwegs warst. Läufst du den dann anders, wenn du weißt, du wirst darüber auch schreiben? Hast du dann irgendwie auch ein iPad dabei oder wie machst du deine Notizen, wenn du beruflich jetzt so eine Wanderroute abläufst? Ja, also wenn ich einen Wanderführer schreiben will, dann nehme ich einfach das Handy mit und diktiere mir tagsüber drauf, was ich wissen muss. Also das kann Wegbeschreibung sein oder wenn mir irgendwelche anderen Gedanken zur Region oder zum Weg kommen oder auch Fragen, die unterwegs auftauchen zu der Region oder zu dem Weg. Und das höre ich mir einfach abends alles nochmal an und mache das wahrscheinlich viel zu kompliziert in Zeiten der KI, aber ich schreibe mir das dann halt ab und je nachdem, wie ich wandere, habe ich entweder ein Tablet dabei oder wirklich einfach nur einen Block und einen Stift, und notiere mir das dann alles nochmal. Aber es ist schon ein anderes Unterwegssein, wenn ich nochmal anders hinschaue, und mir die Gegend einfach nochmal anders angucke. Ja, das kann ich mir vorstellen. Ich würde jetzt gerne für den letzten Abschnitt nochmal auf das Thema Menstruation, wenn man unterwegs ist, eingehen. Da hast du ja am Anfang geantwortet, du nimmst eher klassische Hygieneartikel mit auf den Trail oder würdest das empfehlen. Ich finde es erstmal super, dass dieses Thema überhaupt in deinem Buch, oder dass das Thema endlich mal in einem Buch so in Zusammenhang mit Wandern thematisiert wird. Was sind denn deine Tipps, wenn man jetzt sieht, okay, ich habe jetzt meine Tour für Mitte Juli geplant, das fällt jetzt genau auf den Start meiner Menstruation. Was nehme ich mit? Worüber muss man sich Gedanken machen als Frau? Kommt ein bisschen drauf an, glaube ich, wie es einem geht in der Zeit. Es gibt ja viele Frauen, die fühlen sich eigentlich wenig eingeschränkt. Die müssen halt dran denken, genug Geneartikel mitzunehmen. Je nachdem, ob ich jetzt durch Ortschaften komme oder nicht. Vielleicht zu überlegen, ob ich irgendwas anderes brauche in der Zeit. Ich habe zum Beispiel dieses Thema Wärmflasche angesprochen im Buch. Es gibt ja viele Frauen, denen tut Wärme gut. Sich dann einfach zu überlegen, was brauche ich in der Zeit für mich, damit es mir gut geht. Und wenn man weiß, dass man nicht leistungsfähig ist in der Zeit, dass das einfach nicht geht, dann muss man so eine Tour im Zweifel halt vielleicht auch ein bisschen umplanen, dass man sagt, okay, man macht dann kürzere Etappen, bucht vielleicht auch mal eine Unterkunft um und. Verschiebt sie, das ist halt oft schwierig, wenn man dann Urlaub geplant hat und den auch nehmen muss, aber im Zweifel dann auch zu sagen, unterwegs, wenn es zu anstrengend wird oder wenn man sich nicht wohlfühlt, man macht halt einen Ruhetag, man läuft dann insgesamt einfach ein oder zwei Tage kürzer. Einfach auch da, glaube ich, wie bei allem anderen auch drauf hören, was der Körper sagt, was er braucht und was er will. Und ich glaube, dass es vielen Frauen auch gut tut, in der Zeit einfach ein Zimmer zu haben und jetzt nicht irgendwo wild zu bewakieren, wo man sich dann noch um Trinkwasser kümmern muss und auch keine Toilette hat, kein Wasser, um mal wirklich Hände zu waschen und solche Sachen. Ich glaube, dass es das auch noch ein bisschen leichter macht. Und noch weitere Frauenthemen, die so in deinem Buch vorkommen, ist zum Beispiel Wandern auch in der Schwangerschaft, in den Wechseljahren oder zum Beispiel auch, wenn man kleine Kinder hat. Was ist da so deine wichtigste Botschaft an Frauen, die glauben, dass jetzt so in meiner aktuellen körperlichen Phase bin ich eigentlich nicht fürs Fernwandern geeignet. Ich glaube, ein genereller Tipp ist einfach machen. Also wenn man den Wunsch hat, einfach machen. Und dann halt zu gucken, was passt zu der Situation. Es ist ja absolut wurscht, wenn man diesen Wunsch hat zu wandern, ob man drei Tage geht oder vier Wochen. Also es müssen ja nicht immer große Sachen sein. Und wenn man schwanger ist und, Angst davor hat, sich zu stark zu belasten, dann läuft man halt langsam und kurze Etappen. Nimmt sich ein schönes Zimmer und geht vielleicht nur drei, vier Tage. Oder sucht sich eine Tour mit Gepäcktransport, das man einfach nicht so schwer tragen muss. Ich glaube, es gibt immer irgendwas, was zu dem passt, was der Körper kann. Ich glaube, es ist halt wichtig, wenn man vorher immer viel gemacht hat, einfach drauf zu schauen, dass die Bedürfnisse in dem Moment dann anders sind. Dass man nicht das macht, was man immer gemacht hat, sondern das macht, was halt in der Situation stimmt und passt. Und genauso ist es ja mit Kindern auch. Wenn ich vorher jeden Tag 25 Kilometer gegangen bin, geht es halt mit Kleinkind nicht. Dann ist es einfach wichtig zu schauen, was kann und will, was kommt und dann was zu suchen, was für alle passt. Ja, das waren richtig, richtig gute Tipps, Nina. Vielen Dank schon mal dafür. Was ist denn jetzt so bei dir geplant? Hast du schon die nächste Alleinwanderung mit dir selber geplant? Richtig geplant nicht. Ich habe so eine Tour im Hinterkopf, die ich sehr gerne mal machen würde, bei der ich mir aber noch so etwas Zeit freischaufeln muss. Das ist der Hexatrack in Frankreich. Das ist eine Tour, die auf über 3000 Kilometer durch Frankreich läuft. Damit spiele ich zumindest gedanklich die ganze Zeit schon. Ob ich es realisieren muss oder nicht. Das wäre das längste, was du je gemacht hast, oder? Das wäre das längste, auf jeden Fall, ja. Das klingt lang und wahnsinnig ein bisschen, aber... Du wirst es schaffen. Das Wichtigste ist auch da loszugehen. Ich glaube, das ist wirklich das einzig Wichtige. Also klar, eine Vorbereitung und so weiter ist immer wichtig. Aber dieses, sich nicht so von seinen Bedenken und von diesen ganzen Hinderungsgründen immer abhalten zu lassen, sondern einfach zu machen. Und so dieses, ja, jede Frau kann das auf ihre Art und Weise und mit ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten, das finde ich ganz wichtig. Und ich habe es vorher auch schon gesagt, Ich hoffe einfach, dass ich so ein bisschen dazu beitragen kann, dass die eine oder andere Frau nach so einer Lektüre, nach so einem Buch raus sagt, ja, jetzt probiere ich es einfach mal, jetzt gehe ich los. Und das würde mich einfach freuen. Oder noch hören dieses Podcasts. Oder noch hören dieses Podcasts, genau. Ja, auf jeden Fall. Also vielen Dank, dass du heute bei uns zu Gast warst. Viel Erfolg bei deinen Büchern, bei deinen Vorträgen, bei deinen nächsten Wanderungen. Es war wirklich ein ganz tolles Gespräch. Und genau, vielen Dank, Nina. Vielen Dank, Gina.