Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Menschliches, Allzumenschliches I - Neuntes Hauptstück - 545-562
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- 0:00Unterkapitel 545 Selbstgenuss in der Eitelkeit der eitle Mensch
- 0:06will nicht unbedingt wirklich hervorragend sein.
- 0:09Er will sich vor allem so fühlen, um dieses Gefühl zu
- 0:12erreichen, ist ihm jedes Mittel recht, auch der Selbstbetrug,
- 0:16ihm liegt nicht wirklich daran, was andere über ihn denken,
- 0:19sondern ihm ist wichtig, wie er selbst über die Meinung der
- 0:22anderen denkt, er will glauben, dass die anderen ihn toll
- 0:25finden, damit er sich selbst toll finden kann.
- 0:29Es ist ein Spiel mit sich selbst, Unterkapitel, 546,
- 0:34ausnahmsweise eitel. Es gibt Menschen, die
- 0:38normalerweise selbst genügsam sind, also nicht auf die Meinung
- 0:41anderer angewiesen sind. Nietzsche beobachtet aber, dass
- 0:45diese Menschen eitel werden, wenn sie körperlich krank sind,
- 0:48durch die Krankheit fühlen sie sich geschwächt und verlieren
- 0:51sich selbst ein wenig, um sich wiederzugewinnen, brauchen sie
- 0:55dann plötzlich den Ruhm und das Lob von außen als Stütze.
- 1:00Unterkapitel 547 die geistreichen, in diesem sehr
- 1:07kurzen Satz stellt Nietzsche fest, Wer krampfhaft versucht,
- 1:11geistreich, also witzig und schlau zu wirken, der hat keinen
- 1:15Geist. Ein wirklich geistreicher Mensch
- 1:17muss nicht danach suchen, er hat es einfach Unterkapitel 548 Wink
- 1:25für Parteihäupter. Nietzsche gibt einen taktischen
- 1:29Ratschlag für Anführer von Parteien oder Gruppen.
- 1:31Wenn man Menschen dazu bringen kann, sich einmal öffentlich für
- 1:35eine Sache auszusprechen, dann hat man sie meistens gefangen,
- 1:39denn wer sich öffentlich zu etwas bekennt, wird sich
- 1:41innerlich bald auch dazu zwingen, wirklich daran zu
- 1:44glauben. Der Mensch will nämlich
- 1:46konsequent wirken, das heißt, er will, dass seine inneren
- 1:50Überzeugungen zu seinen äußeren Worten passen, so werden aus
- 1:54Mitläufern echte Anhänger, Unterkapitel. 549 Verachtung es
- 2:02ist schmerzhafter, von anderen verachtet zu werden, als sich
- 2:05selbst zu verachten. Nietzsche meint damit, dass
- 2:08unser Selbstwertgefühl stark davon abhängt, wie andere uns
- 2:11sehen, die Verachtung durch andere trifft uns tiefer, weil
- 2:14sie uns unseren sozialen Status raubt.
- 2:18Unterkapitel 550 Schnur der Dankbarkeit Es gibt Menschen mit
- 2:25einer, wie Nietzsche es nennt. Sklavischen Seele diese Menschen
- 2:29können mit Dankbarkeit nicht gut umgehen, wenn ihnen jemand etwas
- 2:33Gutes tut, fühlen sie sich so sehr verpflichtet, dass sie es
- 2:36übertreiben. Sie treiben die Dankbarkeit so
- 2:39weit, dass sie sich damit selbst erdrosseln, das bedeutet, sie
- 2:43machen sich durch ihre übertriebene Dankbarkeit unfrei
- 2:46und ersticken ihre eigene Persönlichkeit, weil sie nur
- 2:49noch damit beschäftigt sind, dem Wohltäter zu danken Unterkapitel
- 2:54551. Kunstgriff des Propheten in
- 3:00diesem Abschnitt beschäftigt sich Nietzsche mit der Frage,
- 3:02wie Wahrsager oder Propheten es schaffen, die Handlungen von
- 3:05Menschen scheinbar vorherzusagen.
- 3:08Er erklärt, dass dies kein übernatürliches Wissen ist,
- 3:11sondern ein psychologischer Trick, um zu erraten, was ein
- 3:14gewöhnlicher Mensch in der Zukunft tun wird, muss man
- 3:17lediglich davon ausgehen, dass dieser Mensch den Weg des
- 3:19geringsten Widerstands wählt. Das bedeutet, der Prophet geht
- 3:23davon aus, dass der Mensch so wenig geistige Anstrengung wie
- 3:26möglich aufbringen will, um sich aus einer unangenehmen Situation
- 3:29zu befreien. Da die meisten Menschen
- 3:32tatsächlich aus Bequemlichkeit oder Denkfaulheit handeln,
- 3:35trifft die Vorhersage oft zu unter Kapitel 552 das einzige
- 3:42Menschenrecht, nee, Nietzsche stellt hier eine düstere
- 3:46Betrachtung über das Schicksal des Einzelnen in der
- 3:48Gesellschaft an. Er unterscheidet 2 Wege, die ein
- 3:52Mensch einschlagen kann, und beide führen seiner Meinung nach
- 3:55ins Unglück, wenn ein Mensch vom herkömmlichen abweicht, also
- 3:59Traditionen und Normen bricht, wird er zum Opfer des
- 4:03Außergewöhnlichen, die Gesellschaft bestraft oder stößt
- 4:06ihn aus, weil er anders ist. Wenn ein Mensch jedoch im
- 4:10herkömmlichen bleibt, also sich immer anpasst und den Regeln
- 4:13folgt, wird er zum Sklaven dieser Regeln, er verliert seine
- 4:17Individualität. Nietzsche folgert daraus
- 4:20sarkastisch, dass das einzige wirkliche Recht des Menschen
- 4:22darin besteht, auf jeden Fall zugrunde gerichtet zu werden,
- 4:26egal welchen Weg er wählt. Unterkapitel 553 unter das Tier
- 4:33hinab hier kritisiert Nietzsche das hemmungslose, laute Lachen
- 4:38des Menschen, er verwendet das Bild eines wiehernden Lachens,
- 4:43wenn ein Mensch vor Lachen wiehert wie ein Pferd, sinkt er
- 4:46in seiner Würde noch unter das Tier hinab.
- 4:49Während Tiere in ihrer Art natürlich sind, wird der Mensch
- 4:52durch dieses übertriebene gemeine Lachen vulgär und
- 4:55verliert seine menschliche Haltung.
- 4:57Es ist eine Kritik an der Roheit und dem Mangel an Beherrschung,
- 5:02Unterkapitel, 554 Halbwissen Nietzsche spricht in diesem
- 5:09Abschnitt über den Reiz des Unvollkommenen, speziell beim
- 5:12Erlernen von Fremdsprachen. Er beobachtet, dass jemand, der
- 5:16eine fremde Sprache nur ein wenig, also bruchstückhaft
- 5:19spricht, oft mehr Freude daran hat, als jemand, der sie perfekt
- 5:23beherrscht. Derjenige, der sie gut spricht,
- 5:26empfindet die Sprache als etwas alltägliches und
- 5:28Selbstverständliches, der Halbwissende hingegen erlebt das
- 5:32Sprechen als etwas Besonderes, als ein kleines Abenteuer oder
- 5:35Vergnügen, das Halbwissen sorgt hier also für mehr Genuss als
- 5:39das volle Wissen Unterkapitel. 555 gefährliche
- 5:46Hilfsbereitschaft in diesem kurzen Text beschreibt Nietzsche
- 5:51eine manipulative Art der Hilfsbereitschaft.
- 5:53Es gibt Menschen, die anderen das Leben absichtlich schwer
- 5:56machen oder Probleme verursachen.
- 5:59Ihr Ziel dabei ist es jedoch nicht, einfach nur böse zu sein,
- 6:02sie tun dies, um sich anschließend als Retter
- 6:05präsentieren zu können, sie wollen ihre eigenen Lösungen,
- 6:08ihre Rezepte zur Erleichterung des Lebens anbieten.
- 6:12Nietzsche nennt hier als Beispiel das Christentum.
- 6:15Der Gedanke dahinter ist, dass man den Menschen erst ein
- 6:18schlechtes Gewissen oder Leid einredet, um ihnen dann den
- 6:21Glauben als einziges Heilmittel verkaufen zu können.
- 6:25Unterkapitel 556 Fleiß und Gewissenhaftigkeit Nietzsche
- 6:32stellt hier 2 Eigenschaften gegenüber, die wir oft für
- 6:34ähnlich halten, die aber eigentlich Gegenspieler sind,
- 6:38Fleiß und Gewissenhaftigkeit. Fleiß wird oft als der Drang
- 6:42verstanden, schnell und viel zu arbeiten.
- 6:45Gewissenhaftigkeit hingegen bedeutet, Dinge sehr genau und
- 6:48gründlich zu tun. Nietzsche sagt, dass diese
- 6:51beiden sich oft bekämpfen, der Fleiß will die Früchte der
- 6:54Arbeit schnell vom Baum pflücken, auch wenn sie noch
- 6:57sauer und unreif sind, er ist ungeduldig, die
- 7:00Gewissenhaftigkeit hingegen lässt die Früchte zu lange
- 7:03hängen, weil sie auf den perfekten Moment wartet, bis sie
- 7:06schließlich herabfallen und am Boden zerschlagen.
- 7:10Beide Extreme sind also fehlerhaft.
- 7:13Unterkapitel 557 Verdächtigen dieser Abschnitt beleuchtet
- 7:20einen psychologischen Schutzmechanismus, wenn wir
- 7:23bestimmte Menschen nicht leiden können, also eine Abneigung
- 7:26gegen sie haben, suchen wir oft krampfhaft nach einem Grund
- 7:29dafür, wir fangen an, sie zu verdächtigen, etwas Schlechtes
- 7:33getan oder geplant zu haben, wir tun dies, um unsere Antipathie,
- 7:37also unsere grundlose Abneigung und.
- 7:40Vor uns selbst oder anderen zu rechtfertigen.
- 7:44Unterkapitel 558 die Umstände fehlen Nietzsche spricht hier
- 7:52über das verborgene Potential in Menschen, er meint, dass viele
- 7:56Menschen ihr ganzes Leben lang darauf warten, ihre gute Seite
- 7:59zeigen zu können. Sie haben die Anlage dazu auf
- 8:02ihre eigene Art gut zu sein, aber die äußeren Umstände oder
- 8:06die passende Gelegenheit ergeben sich einfach nicht.
- 8:09Es bleibt also ein ungelebtes Potential.
- 8:12Unterkapitel 559 Mangel anfreunden wenn jemand keine
- 8:19Freunde hat, liegt das laut Nietzsche oft an 2 negativen
- 8:22Charaktereigenschaften. Neid oder Anmaßung.
- 8:26Wer neidisch ist, gönnt anderen nichts und schreckt potentielle
- 8:30Freunde ab wer anmaßend, also arrogant ist, stellt sich über
- 8:34andere, was Freundschaft unmöglich macht.
- 8:37Nietzsche fügt hinzu, dass manche Menschen nur deshalb
- 8:40Freunde haben, weil sie glücklicherweise keinen Anlass
- 8:42haben, neidisch zu sein. Zum Beispiel, weil sie selbst
- 8:45sehr erfolgreich sind oder keine Konkurrenz spüren.
- 8:49Unterkapitel 560 Gefahr in der Vielheit Nietzsche verwendet
- 8:56hier ein Bild, um die Stabilität von Talenten zu beschreiben, er
- 9:00vergleicht Begabungen mit den Beinen eines Tisches, er sagt.
- 9:04Mit einem Talent mehr steht man oft unsicherer als mit einem
- 9:07weniger. Das klingt zunächst unlogisch,
- 9:10aber er erklärt es mit dem Vergleich eines Tisches.
- 9:13Ein Tisch mit 3 Beinen steht meistens fest und wackelt nicht,
- 9:17ein Tisch mit 4 Beinen wackelt viel eher, wenn der Boden uneben
- 9:21ist. Übertragen auf den Menschen
- 9:23bedeutet das, Wer zu viele verschiedene Begabungen hat,
- 9:26kann innerlich zerrissen oder unsicher werden, während jemand
- 9:29mit einer klaren Ausrichtung fester im Leben steht.
- 9:33Unterkapitel 566 den anderen zum Vorbild.
- 9:39Wenn jemand ein gutes Vorbild nachahmen möchte, zum Beispiel
- 9:43einen tugendhaften Menschen, reicht es oft nicht, nur dessen
- 9:46gute Taten zu kopieren. Nietzsche sagt, man müsse seiner
- 9:50eigenen Tugend einen kleinen Anteil narrheit, also
- 9:53Verrücktheit oder Unvernunft, beimischen, warum, weil man
- 9:59durch diese eigene kleine Verrücktheit nicht nur blind
- 10:01nachahmt. Sondern sich gleichzeitig über
- 10:04das Vorbild erhebt. Man bewahrt sich eine gewisse
- 10:07Überlegenheit und Eigenständigkeit, was den
- 10:09Menschen gefällt, da es ihrer Eitelkeit schmeichelt,
- 10:14Unterkapitel 562 Zielscheibe sein hier tröstet Nietzsche
- 10:21diejenigen, über die schlecht geredet wird, er sagt, dass böse
- 10:25Kommentare oder Lästereien von anderen oft gar nicht wirklich
- 10:28uns als Person meinen. Vielmehr sind diese bösen reden
- 10:32oft nur ein Ventil für den Ärger der anderen.
- 10:35Die anderen sind aus ganz anderen Gründen verstimmt oder
- 10:37wütend, und wir dienen zufällig als Zielscheibe, an der sie
- 10:40ihren Frust ablassen. Es ist also unpersönlicher, als
- 10:44es scheint.