Latest / Rheinpegel - der Düsseldorf-Podcast / Sommer-Special: Im Einsatz gegen Wohnungslosigkeit - ein Besuch bei Housing First
Transcript
- 0:04Die Zeit fliegt und heute gibt es hier schon das letzte Sommerspecial.
- 0:08Das heißt auch, dass die Ferien sich dem Ende nähern und für viele der Alltag
- 0:11wieder so richtig losgeht
- 0:13und damit auch die regulären Folgen, in denen ihr wie gewohnt von drei Kolleginnen
- 0:17und Kollegen aus der Lokalredaktion hört, was in der Woche so los war in der
- 0:20Stadt, welche Events anstehen und wo es die neuesten Food Trains zu probieren gibt.
- 0:25Heute aber liegt der Fokus noch einmal auf den Menschen und Organisationen,
- 0:28die mit ihrem Engagement dafür sorgen, dass im schönsten Falle alle gesehen,
- 0:32gehört und aufgefangen werden.
- 0:34Ich habe mal wieder mein Aufnahmegerät eingepackt und bin nach Friedrichstadt gefahren.
- 0:38Da war ich zu Gast bei Housing First, der Initiative, die sich darum kümmert,
- 0:41dass Menschen, die ohne festen Wohnsitz sind, wieder die Möglichkeit bekommen,
- 0:45ihre eigenen vier Wände zu beziehen.
- 0:47Mit Hanna Veit und Oliver Ungaro habe ich über ihre Arbeit, die Herausforderungen
- 0:51und den aktuellen Stand der Dinge gesprochen.
- 0:54Davor hört ihr, wie immer, welche
- 0:55Themen in der vergangenen Woche die Lokalredaktion beschäftigt haben.
- 0:58Alexander Esch berichtet, wie es um die Umrüstung der historischen Gaslaternen
- 1:02steht, wie der Ausbau der Radwege vorangeht und warum ein schon lange bestehendes
- 1:07Gartencenter im Norden der Stadt schließen muss.
- 1:09Und damit herzlich willkommen zum Rheinpegel. Hier hört Folge 436 und der Rhein steht bei.
- 1:39Hallo zum Rheinpegel, dem Podcast, in dem wir jede Woche darüber sprechen,
- 1:43was Düsseldorf bewegt, was die Bewohnerinnen und Bewohner umtreibt, kurz und gut, was geht.
- 1:48Mein Name ist Tosja Kormann und diese wirklich schöne Aufgabe darf ich übernehmen.
- 1:53Wenn ihr uns was mitteilen wollt, wenn ihr Veranstaltungen wisst,
- 1:55auf die wir hinweisen dürfen, wenn ihr Themen habt, über die wir sprechen können
- 1:58oder wenn ihr einfach mal was loswerden wollt, Dann könnt ihr das sehr gerne
- 2:02tun unter rheinpegel-post.de oder.
- 2:060160 80 80 844 erreicht ihr uns.
- 2:09Wir freuen uns immer von euch zu hören.
- 2:12Die Umrüstung der historischen Gaslaternen, die überall in der Stadt zu finden
- 2:16sind, hat seit Beschluss derselben für viel Diskussionsstoff gesorgt,
- 2:19sind die Lampen doch ein wichtiges Zeugnis der Geschichte Düsseldorfs als Industriestandort.
- 2:24Dennoch ist eine Modernisierung nötig. Dazu gehört, dass die Leuchtmittel von
- 2:28Gas zu LED-betriebenen Lichtern getauscht werden.
- 2:31Fest steht, dass 220 Laternen im Hofgarten unberührt bleiben.
- 2:34Wie es um die restlichen 12.500 steht und welche Rolle die Kosten von 125 Millionen
- 2:40Euro im langsamer als geplant laufenden Prozess spielen, das erklärt Alexander Esch.
- 2:45Auch langsamer als gedacht geht der Ausbau der Radleitroute und den damit verbundenen
- 2:50Radwegen durch die Viertel voran.
- 2:51Und auch hier spielen Kosten eine Rolle. Alexander kennt die Details und den aktuellen Stand.
- 2:56Aus ihrem Gartencenter in Wittler heraus sorgen Stefanie Ilberts,
- 3:00Windhöfel und ihr Mann Michael für die Bepflanzung sicher einiger Gärten,
- 3:03Terrassen und Balkons in der Stadt.
- 3:05Zum Ende des Jahres geben sie ihr Geschäft allerdings auf. Der Grund,
- 3:09das sanierungsbedürftige Gebäude der Gärtnerei.
- 3:11Da der Verpächter keine weiteren Investitionen tätigt, hat das Paar den Pachtvertrag nicht verlängert.
- 3:17Was die Zukunft bringen kann, auch darüber habe ich mit Alexander gesprochen. Lieber Alex.
- 3:22Hallo Tosja. Hi, wir sind uns, das möchte ich der Transparenz halber hier verlauten,
- 3:28remote zugeschaltet mal wieder. Wie geht's?
- 3:32Ganz gut. Und selbst? Mir geht es super. Ich bin ja bekennende Herbstliebhaberin.
- 3:39Und so langsam, ich weiß, das wollen jetzt ganz viele Leute nicht hören,
- 3:41geht es ja irgendwie los.
- 3:42Am Horizont sieht man schon das goldene Herbstlicht. Die Luft wird so ein bisschen crispy.
- 3:49Das gefällt mir sehr gut. Auch, oder obwohl es jetzt abends dann auch tatsächlich
- 3:54sukzessive immer früher dunkel wird.
- 3:58Was ja nicht so viel ausmacht, weil es gibt ja genug Dinge, die mir den Weg
- 4:02leuchten durch die Stadt.
- 4:04Zum Beispiel unsere Straßenlaternen.
- 4:07Sensationeller Übergang, muss ich sagen. Oder? Ich bin beeindruckt. Ja, pass mal auf.
- 4:15Trotzdem kann der Herbst echt noch auf sich warten lassen.
- 4:19Da sind ja alle geteilter Meister. Bei allen Problemen, die der in diesem Jahr
- 4:23auch mit sich gebracht hat, das kann ich schon auch nachvollziehen.
- 4:25Aber ich finde das schon auch richtig gut, wenn es lange hell,
- 4:29lange warm und so weiter ist. Aber das nur am Rande.
- 4:33Ja, und du bist jetzt aber trotzdem vom Sommer auf die Gaslaternen rübergewandert.
- 4:41Und ja, wir haben ja nochmal jetzt auch ein bisschen die Ferienzeit genutzt.
- 4:45Und dann kann man nochmal so auch so Geschichten einfach so auf Stand bringen,
- 4:48die so laufen in der Stadt. Und die Gaslaternen sind natürlich ein Thema,
- 4:52das uns über Jahre immer wieder beschäftigt hat.
- 4:55Ja, und auch für Zunger gesorgt. Ja, genau, richtig.
- 4:59Also es gab unterschiedlichste Entscheidungsstadien, wie viele denn erhalten bleiben sollen.
- 5:05Vor ein paar Jahren sollten ja eigentlich immer 10.000 wirklich auch stehen
- 5:09bleiben als Denkmal in der Stadt.
- 5:12Das eben auch an die Industriegeschichte Düsseldorfs erinnert,
- 5:16die sehr bedeutend für die Stadt war, diese ganze Röhrenindustrie im 19.
- 5:20Jahrhundert, die der Stadt einen irren Schub gegeben hat.
- 5:24Aber es gab dann eben in der Corona-Zeit oder danach auch einen neuen Beschluss,
- 5:31wonach eben nur noch im Hofgarten 220 Gaslaternen übrig bleiben wollen.
- 5:35Hintergrund war eben auch, dass man viel sensibler für dieses Thema Gas war,
- 5:41Gas sparen und am Ende auch die wirtschaftlichen Berechnungen der Stadt darauf
- 5:47hinaus liefen, dass es eigentlich besser ist.
- 5:50Wir gehen jetzt auf LED, versuchen aber mit möglichst großem Stil das historische,
- 5:57Äußere der Laternen zu erhalten.
- 5:59Das ist ja nämlich die Sache. Und dieser Prozess läuft jetzt.
- 6:03Die werden ja nicht abgesägt und irgendwie weggepackt, sondern es geht ja am
- 6:06Ende in den meisten Fällen um die Leuchtmittel, richtig?
- 6:10Also ob die jetzt mit Gas oder LED betrieben werden. Wir haben neue Laternen,
- 6:13die dann nachgebaut wurden, die dann ersetzt werden.
- 6:16Da wird nicht einfach nur eine neue Birne reingeschraubt oder so,
- 6:19das geht meistens nicht.
- 6:20Aber der Look bleibt erhalten, also dass es sich nicht komplett ändert.
- 6:25Der Look bleibt erhalten, die Gaslichtfreunde sagen natürlich ja,
- 6:28aber eigentlich bleibt es nicht erhalten, weil dieses neue Licht,
- 6:31selbst wenn das warm weiß und so weiter, dieses LED kriegt es nicht hin,
- 6:36dieses besondere Licht.
- 6:39Hast du mal einen Vergleich gemacht? ... eine Sphäre des Gaslichtes herzustellen.
- 6:43Ja, ich habe es mir schon angeguckt. Ich bin da nicht so sensibel für diesen Unterschied.
- 6:49Also man sieht es dann schon, aber es gibt auch dann natürlich jetzt Fortschritte,
- 6:53in dem, wie diese neuen Laternen sein können. Die sind ganz neu,
- 6:56das habe ich mir dann auch noch nicht wirklich im großen Stil angeguckt,
- 7:00wo es das schon gibt. Das müsst ihr auch nochmal tun.
- 7:03Da gibt es ja in Ella beispielsweise schon so Straßenzüge, die umgerüstet sind.
- 7:09Was ist denn jetzt der aktuelle Stand, beziehungsweise das war so ein bisschen
- 7:12der Anlass für dieses Neue nochmal hingucken?
- 7:15Also zum einen die Zahl. Man kommt nicht so schnell voran, wie man das erhofft hätte bei der Stadt.
- 7:22Aber man ist jetzt noch bei 12.500 Laternen. Also es sind so 1.000 geschafft
- 7:27worden, jetzt nach diesem Entscheid von vor zwei Jahren.
- 7:31Und ja, man sieht, das geht nicht mal so eben, dass man jetzt 12.000 Gaslaternen entfernt.
- 7:42Ja, weil es ja aufwendig ist. Jede einzelne Laterne muss ja angesteuert werden und so.
- 7:47Und das war von vornherein klar oder war das eine Überraschung und hat irgendwie
- 7:51ein bisschen ausgebremst? Oder war klar, das wird auch mit allen Abstimmungen
- 7:54hin und her und dann doch nochmal überlegen oder doch nochmal vielleicht verhandeln.
- 7:58Hier bleibt was stehen oder hier wird doch nicht ausgetauscht.
- 8:01Nee, nee, darum geht es nicht. Es geht einfach um die Umsetzung.
- 8:04Man stellt schon auch fest, dass mehr und mehr Gaslaternen auch Probleme verursachen.
- 8:08Dass dann plötzlich bei Überprüfungen sich herausstellt, ja,
- 8:12da müssen wir jetzt aber zuerst handeln, weil da funktioniert es nicht mehr
- 8:15richtig oder da muss man ran.
- 8:17Und dann werden natürlich auch so Pläne durcheinandergewirbelt,
- 8:19die dann auch noch mal für Verzögerungen sorgen können.
- 8:22Ja, wie ist das kostenmäßig? Also.
- 8:26Wir wissen ja alle, dass es in der Stadt gerade ein bisschen knapp ist.
- 8:29Kommt das auch noch dazu? Oder ist das ein Etat, der, ja, weil er irgendwie
- 8:34schon 2023 beschlossen wurde, unantastbar ist?
- 8:37Das ist natürlich jetzt eine Frage, die zu einer klaren Antwort fühlt,
- 8:41weil sonst würden ja auch andere
- 8:43Etats nicht angefasst. Aber ist da irgendwie, sind die safe, diese...
- 8:47Die zu erwartenden Kosten oder?
- 8:51Ja, die Stadt sagt, die Kosten kommen sowieso, auch wenn man jetzt die Gaslaternen
- 8:54stehen lassen würde. Dann müsste man sie halt sehr aufwendig sanieren.
- 8:58Und man muss ja auch noch, diese Gasart wird ja gerade auch noch umgestellt
- 9:01in der Stadt. Das geht ja auch so peu a peu.
- 9:03Also das würde gar nichts sparen. Aber es ist schon eine immense Summe, wie ich finde.
- 9:08125 Millionen Euro werden es am Ende wohl rund roundabout sein,
- 9:13die es kostet, diese Gaslaternen zu ersetzen, über die Jahre hinweg.
- 9:17Aber klar, das ist schon auch ein Wort und eine Belastung auch für den städtischen Haushalt.
- 9:22Das wird so von Jahr zu Jahr eingeplant. Das geht nicht auf einmal weg,
- 9:26sondern immer das, was pro Jahr dann geplant ist, wird dann auch in einem Haushalt vermerkt.
- 9:33Ja, jetzt komme ich nochmal auf diese Summe von 12.500 ursprünglichen Laternen
- 9:40und dann 220, die irgendwie im Hofgarten bleiben sollen. das ist ja schon eine recht große Schere.
- 9:47Wurde da viel diskutiert? Also wie kam es am Ende zu dieser Zahl?
- 9:51Warum nicht 250? Warum nicht 1.000? Also was ist da?
- 9:56Aber man hat sich einfach einen Bereich genommen, der besonders wertvoll oder
- 9:59besonders prominent in der Stadt ist. Und das ist eben der Hofgarten,
- 10:02auch ein Gartendenkmal mitten in der Stadt.
- 10:05Und dafür hat man sich entschieden, das im Hofgarten zu erhalten.
- 10:09Und da sind es eben 220. Daher kommt die Zahl am Ende.
- 10:13Ob das am Ende so ausreichen wird, da kann man noch ein kleines Fragezeichen
- 10:18machen, weil das ja alles auch genehmigt werden muss. Wie gesagt,
- 10:24die Gaslaternen stehen unter Denkmalschutz.
- 10:28Es war zuletzt so, dass am Ende das Ministerium entscheiden musste,
- 10:34Darf die Stadt hier die ersten 4.000 auch dann ersetzen?
- 10:42Und während dann dieses grüne Licht irgendwann gegeben wurde,
- 10:45gab es gleichzeitig aber schon so eine kleine Hausaufgabe an die Stadt.
- 10:48Ja, aber ihr müsst schon noch mal euer Konzept da überdenken und ein bisschen
- 10:51mehr den Denkmalschutz berücksichtigen.
- 10:54Das ist nicht konkreter geworden, aber man kann so ein bisschen rauslesen,
- 10:58jetzt einfach das so durchzuziehen. Und wenn der Antrag für die nächsten 9.000
- 11:02kommt, dass das Ministerium vielleicht sagt, nee, das reicht uns nicht.
- 11:06Also vielleicht kommen doch noch zwei, drei andere Gebiete in der Stadt dazu.
- 11:09Das ist jetzt aber reine Spekulation.
- 11:11Ja, das grüne Licht oder das warm-weiße Licht, je nachdem.
- 11:16Ich habe dazu nämlich auch eine Frage zu den Stadtteilen, beziehungsweise zu den Bereichen.
- 11:21Wenn man so jetzt zu dem aktuellen Stück, wenn man da so ein bisschen drin rumliest
- 11:25oder auch so, sind ja bislang irgendwie Bereiche, die so ein bisschen nicht
- 11:30unbedingt im Stadtzentrum sind.
- 11:32Also es ist Ella, es ist Hassels, Herd, Lörig, Flingern, Süd,
- 11:36also alles ein bisschen eher am Rand.
- 11:38Ist das, ja, weil klar ist, dass im Stadtkern auch nochmal mehr für Diskussionen
- 11:44vielleicht gesorgt ist, weil es da noch präsenter ist oder ist das einfach,
- 11:47man arbeitet sich sozusagen von außen nach innen,
- 11:50weil in der Stadt im Kern eh so viel los ist, wenn man da jetzt auch noch Laternenbaustellen,
- 11:56kreiert, dann ist es vielleicht ein bisschen Overkill?
- 11:59Ja, das kann ich ehrlich gesagt nicht beantworten. Das weiß ich nicht,
- 12:02ob das auch eine strategische Überlegung ist bei der Stadt im Hintergrund.
- 12:06Also am Ende geht es, glaube ich, eher darum, wie läuft diese Gasumstellung
- 12:11gerade in der Stadt und wo muss man sowieso Laternen anfassen und geht danach.
- 12:18Okay, das heißt, da geht es einfach weiter, langsamer als gedacht,
- 12:24vielleicht als von manchen gewünscht.
- 12:26Ich meine, die Leute, die sich wünschen, dass diese Laternen erhalten bleiben,
- 12:29denen kommt das ja vielleicht ganz entgegen, dass das dann noch ein bisschen
- 12:32dauert. Dann hat man noch länger was davon.
- 12:35Man kann ja immer alles von beiden Seiten sehen. Die Stadt sagt so 2035 wäre noch ein Ziel.
- 12:38Das halte ich schon auch für relativ sportlich, wenn man das bis dahin geschafft haben will.
- 12:46Aber ja, das ist so ein grober Zeitrahmen, in dem wir uns bewegen.
- 12:49Also wir werden noch sehr lange Zeit auch Gaslaternen auch in ein bisschen größerer
- 12:54Zahl in Düsseldorf haben als nur die 220 im Hofgarten.
- 12:57Ja, diese Gaslaternen zum Beispiel im Hofgarten leuchten ja auch entlang der
- 13:02Radwege, über die man sich durch die Stadt bewegen kann.
- 13:05Es waren jetzt hier so viele, im wahrsten Sinne des Wortes, Vehikel,
- 13:08Alex, also ich hätte mich jetzt langheilen können an den beleuchteten Radwegen,
- 13:12an den Projekten, die gerade in der Stadt noch.
- 13:16An den Stadtteilen, die man verbindet durch die Radwege. Wir sprechen wieder
- 13:21mal über die Radwege in dieser Stadt, weil es ja tatsächlich ein.
- 13:26Wichtiges und auch irgendwie nicht enden wollen oder sollen das Thema ist und
- 13:32dass der Bau irgendwie etwas langsamer auch da vorangeht als gedacht.
- 13:35Ist klar, es werden weniger Kilometer gemacht.
- 13:38Du schreibst in dem Stück dazu auch, es gibt ja die ein oder andere Ausbremsung,
- 13:44Also ich bin hier nicht die Einzige mit den Wortwitzen.
- 13:50Ja, immerhin muss man andersrum auch sagen, da waren schon auch Tiefpunkte erreicht
- 13:54in den letzten Jahren, wo sehr, sehr, sehr wenig passiert ist.
- 13:57Also wo man faktisch noch nicht mal einen neuen Kilometer an Radwegen geschafft
- 14:01hat und das überhaupt gar nicht mehr in irgendeiner Form übereinzubringen war
- 14:06mit den Zielen, die man ja eigentlich auch politisch und auch als Stadt vereinbart hatte.
- 14:12Insofern ist das jetzt ein bisschen besser geworden. Also es war jetzt einmal
- 14:15eine Bilanz des letzten Jahres und auch ein Ausblick, was kommt denn jetzt als nächstes.
- 14:20Und insofern kommt man jetzt doch auf einige Kilometer, die da neu sind.
- 14:26Duisburger Straße zum Beispiel ist so brandneu. Und natürlich auf diesen beiden
- 14:30großen Radleitrouten ist ja schon auch einiges passiert.
- 14:34Hansaallee entlang und so, wie auch viele Parkplätze weggefallen sind,
- 14:38dass diese Ost-West-Verbindung und aber auch diese Nord-Süd-Achse vom Landtag
- 14:44aus vor allem bis hin dann so ein Südring.
- 14:48Die ist mehr oder weniger auf weiten Teilen ja auch fertiggestellt worden.
- 14:52Das waren auch große Strecken.
- 14:54Also da ist schon auch ein bisschen was passiert, aber ja, also auch zum Beispiel
- 14:57Moldgestraße, das wird seit Jahren immer wieder weitergeschoben.
- 15:01Es gibt weiterhin, läuft die Umsetzung träger, als eigentlich die Beschlusslagen sind.
- 15:07Was jetzt noch erschwerend dazukommt, sind tatsächlich die Finanzen,
- 15:10über die wir gerade schon gesprochen haben.
- 15:12Das hat die Stadt sehr betont, dass viele Projekte wirklich einfach jetzt unter
- 15:16finanziellem Vorbehalt stehen und man sehen muss, was lässt sich da eigentlich,
- 15:21von dem, was man noch vorhat, umsetzen.
- 15:25Ja, was ich mich gefragt habe, und das sind dann vielleicht auch immer nur,
- 15:29kürzere Zeiträume, Arbeit, ob die trotzdem reinhauen ist, wenn es so,
- 15:34unfassbar heiß ist, wie es in den letzten Wochen, Monaten einfach mal war und
- 15:38da dann vielleicht auf Baustellen pausiert wird, also kommt sowas auch dazu
- 15:41oder ist das verschwindend gering der Arbeitsausfall, der dann da sozusagen vonstatten geht.
- 15:46Also das habe ich schon mitbekommen an so ein paar Stellen in der Stadt,
- 15:50wo ich dann auch mal nachgefragt habe, dass da irgendwie Bauarbeiten verständlicherweise
- 15:55und wahrscheinlich auch völlig richtigerweise pausiert wurden,
- 15:58einfach weil es zu heiß war.
- 15:59Aber macht sowas auch was aus? So ein bisschen unberechenbare Faktoren?
- 16:04Oder ist das einfach gar nicht so gewichtig?
- 16:08Ich glaube, es spielt am Ende nicht so eine große Rolle. Die Probleme liegen
- 16:11da schon an anderer Stelle.
- 16:15Und da gab es eher Umsetzungsprobleme bei der Verwaltung, struktureller Art.
- 16:20Also insofern kann das im Einzelfall natürlich mal eine Rolle spielen.
- 16:25Aber jetzt nicht so ausschlaggebend? Nee.
- 16:28Genau. Und du sagst gerade, also es gibt irgendwie ja Probleme und die Beschlüsse
- 16:34sind da und es wird langsam umgesetzt. Das ist ja jetzt auch schon seit einer
- 16:39Weile so. Trotzdem geht es ja voran.
- 16:41Wenn wir jetzt mal ein bisschen auf die positive Seite gucken,
- 16:44hört ihr, hörst du auch in deiner Rolle von RadfahrerInnen, die irgendwie glücklich
- 16:50sind über diese Wege. Also kommt
- 16:51das, was es gibt, gut an? Wird das gut genutzt? Funktioniert das gut?
- 16:55Auch im restlichen Straßenverkehr sind die AutofahrerInnen sich bewusst.
- 17:00Ich zum Beispiel fahre auf der Duisburger Straße tatsächlich fast jeden Tag lang.
- 17:03Ich finde super. Ich fühle mich sicherer tatsächlich. Ich fühle mich da ein
- 17:06bisschen, aber auch ein bisschen, ich werde manchmal ein bisschen forsch,
- 17:10weil ich denke, nee, nee, das ist hier meine Strecke. Wie auf der Fischerstraße
- 17:14ja auch oder dann hinten zum Freilichgradplatz und so.
- 17:17Fährt sich angenehmer und man hat irgendwie so seinen Platz.
- 17:20Also sind das Rückmeldungen, die dann aus der RadfahrerInnen-Community kommen?
- 17:27Oder gibt es auch noch da irgendwelche Mängel oder so? Das wird eine spannende
- 17:31Frage sein im Hinblick auf den nächsten, wie heißt der denn,
- 17:35Fahrradklimaindex, glaube ich.
- 17:37Also da gibt es ja mal Umfragen, die der ADFC macht, wo ganz verschiedene Dinge abgefragt werden.
- 17:43Und da hatte die Stadt sich eigentlich auch mal zum Ziel gesetzt,
- 17:46sich deutlich zu verbessern in diesen Umfragen.
- 17:48Und das war bei den letzten Umfragen, glaube ich, die sind alle zwei Jahre,
- 17:51bin ich ganz sicher, sind die durchgeführt worden und hat aber es nicht so richtig
- 17:56zu Verbesserungen geführt.
- 17:58Das wird spannend sein, ob da wirklich,
- 18:03bei den Fahrradfahren das auch ankommt und ein anderes Gefühl auch entsteht.
- 18:09Das ist ja gar nicht gering zu schätzen. Es geht am Ende darum,
- 18:12dass sich die Menschen auch sicher fühlen, wenn sie aufs Fahrrad steigen in
- 18:15der Stadt. Solange sie das nicht tun,
- 18:19werden sie auch das Fahrrad nicht nutzen. Und dass man insgesamt als Stadt und
- 18:25auch eigentlich durch die Bank,
- 18:28bis auf die AfD muss man sagen, aber sonst eigentlich alle Parteien das wollen,
- 18:31dass mehr der Umweltverbund, der sogenannte, genutzt wird, also dass mehr zu
- 18:34Fuß gegangen wird, mehr der ÖPNV, mehr Fahrradfahrer.
- 18:39In der Stadt, mehr diese unterschiedlichen Mobilitätsformen genutzt werden,
- 18:44weil eben nur Autofahren dazu führt, dass man hier wirklich an Infrastrukturgrenzen gerät.
- 18:52Insofern ist es natürlich schon wichtig, dass die Leute sich auch sicher fühlen
- 18:55und auch mehr Leute am Ende aufs Rad steigen. Wie ist das eigentlich?
- 19:00Sind diese E-City-Roller auch, sind es für die auch die Radwege?
- 19:06Ja. Sind ja auch zwei Räder. Also die, ja, das ist...
- 19:09Die sind auf Radwegen genutzt und können ja auch nur 20 fahren, sind ja da gedeckelt.
- 19:15Andererseits, das ist ja nochmal eine ganz andere Debatte, das zeigt sich ja
- 19:18doch sehr stark, dass die Unfallrisiken,
- 19:22oder das höhere Unfallrisiken mit diesem Verkehrsmittel verbunden sind als beispielsweise
- 19:25mit einem Fahrrad und da jetzt ja auch neue Pflichten auch kommen werden bei
- 19:29der Nutzung von E-Scootern.
- 19:32Also das heißt auch da, ähnlich wie bei den Gaslaternen, die Routen sind gelegt.
- 19:38Das kann weitergehen, aber es dauert einfach ein bisschen aus den Gründen,
- 19:42die wir gerade genannt haben. Aber es gibt jetzt keine Riesen...
- 19:45Ja, und das Geld muss da sein.
- 19:47Das ist das große Fragezeichen jetzt am Ende bei all dem, was jetzt noch kommen
- 19:52soll an nächsten Projekten.
- 19:55Wenn wir schon beim Thema Geld sind, das ist ja nicht nur bei der Stadt manchmal
- 20:00knapp, sondern auch bei Privatpersonen oder Unternehmen.
- 20:06So jetzt eine Nachricht aus dem Düsseldorfer Norden. Da ist das Geld knapp geworden.
- 20:11Das tatsächlich recht beliebte, würde ich sagen, Gartencenter in Wittler,
- 20:16Böhmann-Elwatz, muss schließen.
- 20:18Du hast gesagt, dass du da mehrfach warst. Ja, da haben wir früher immer oder
- 20:20jetzt auch noch für die Terrasse, für den Garten irgendwie Pflanzen gekauft.
- 20:24Also ich sage mal so, an mir lag es nicht.
- 20:27Es ist ja auch nicht so, das klang jetzt ein bisschen durch,
- 20:30als ob die jetzt quasi insolvent wären oder so oder da zu wenig Kunden waren.
- 20:35Das Problem war ein bisschen anders gelagert. Am Ende lag es vielleicht wahrscheinlich
- 20:38auch am Geld, aber es war eben so, dass der Verpächter des Grundstücks nicht
- 20:43bereit war zu investieren.
- 20:44So hat das zumindest der Familienbetrieb Böhmann-Ilberts dann dargestellt.
- 20:51Und der Sanierungsaufwand ist aber so groß, dass man jetzt nicht am nächsten,
- 20:57pachtvertrag der nächsten fünf oder zehn jahre schließen wollte und konnte man
- 21:01sagt so geht es einfach auf dauer nicht weiter sondern hier regnet schon durchs dach und so weiter.
- 21:07Und wenn der investor hier aber nicht bereit ist zu investieren dann können
- 21:11wir hier unseren kunden nicht mehr gerecht werden das ja die,
- 21:15Wenn du sagst, hier den Kunden und Kunden nicht mehr gerecht werden,
- 21:19das säht ja ein bisschen Hoffnung, dass es vielleicht woanders weitergeht.
- 21:24Das wäre ja auch nicht der erste Ortswechsel dieses Betriebes. Doch.
- 21:30Also das ist schon ein Problem. Also die haben auch nach anderen Standorten
- 21:33gesucht, haben aber nichts gefunden.
- 21:35Also es ist ein bisschen fraglich, ob das wirklich weitergeht,
- 21:39weil die ihren Mitarbeitern das ja auch gesagt haben, die werden alle sich neue
- 21:42Jobs suchen jetzt und so weiter.
- 21:44Also dieses Comeback halten die eigentlich nicht für möglich.
- 21:48Was es mal gab, ist das Samengeschäft in der Altstadt am Marktplatz,
- 21:53Dülmann-Ilberts. Das ist eben auch so,
- 21:57eigentlich der Ausgangspunkt für diese Familienunternehmensgeschichte.
- 22:02Irgendwann in den 30er Jahren gegründet.
- 22:05Und dann kam aber irgendwann parallel in den 80er Jahren dann der Standort an
- 22:10der Duisburger Landstraße hinzu, wo dann das Gartencenter eröffnet worden ist. Und ja,
- 22:18das Geschäft in der Altstadt ist
- 22:19aber schon seit ein paar Jahren auch geschlossen. Aber das ja nicht aus,
- 22:24finanziellen Gründen oder so, sondern einfach, weil es sich dann nach Wittler
- 22:27verlagert hat, richtig?
- 22:29Ja, man hat das in Wittler mit aufgenommen, aber das lief ja schon parallel.
- 22:32Also ich glaube, wenn das in der Altstadt noch so richtig gut funktioniert hätte,
- 22:35dann hätte man das vielleicht auch weiter gemacht.
- 22:37Aber das ist wahrscheinlich ja auch ein schwieriger Standort generell,
- 22:41um so ein Geschäft mit so dranhängender Logistik in diesem Maße dann auch umzusetzen weiter.
- 22:48Auch schon vor einer ganzen Weile, also dieses Geschäft ist ja,
- 22:50oder dieses Unternehmen ist in Düsseldorf schon durchaus länger verwurzelt, nicht wahr?
- 22:57Ja, ja, durch das Geschäft eben seit den 30er Jahren. Also das ist schon fast
- 23:01eine 90-jährige Unternehmensgeschichte, Familienbetrieb weiterhin.
- 23:06Also die Enkelin des Gründers führt das Geschäft. Also auch gar nicht so oft,
- 23:12dass es das gibt in der Stadt. Und natürlich schon auch traurig,
- 23:15dass sowas dann unter diesen Umständen zu Ende geht. Das hat man den beiden
- 23:19auch angemerkt, auch im Telefonat.
- 23:21Ja, das zitierst du ja auch, dass sie sagt, also Stefanie Elberts-Windhöfel,
- 23:26dass sie sagt, das geht nicht, ohne ein paar Tränchen zu verdrücken,
- 23:28weil dann ja wahrscheinlich auch bei so einem Familienbetrieb,
- 23:30klar, das Team wahrscheinlich sehr familiär,
- 23:34strukturiert ist und sich alle gut kennen und ja wahrscheinlich auch schon seit
- 23:37sehr langen Jahren da irgendwie.
- 23:40Ja, absolut. Mehrere Jahrzehnte manche, also einer über 30 Jahre wohl.
- 23:45Ja, 24 Mitarbeitende sind, das ist ja jetzt auch nicht ein riesengroßes Team,
- 23:49also da kennt man sich sehr gut und so.
- 23:51Jetzt schreibst du ja das oder sagt sie ja auch, dass natürlich,
- 23:56dass vielleicht für die Leute, die jetzt dann.
- 24:00Gehen müssen oder da ihre Arbeit aufgeben müssen, die Aussichten gar nicht so
- 24:04schlecht sind, weil aufgrund des Fachkräftemängels tatsächlich GärtnerInnen
- 24:09und FloristInnen gesucht sind und gefragt sind.
- 24:11Das ist sogar bei mir schon angekommen. Also ich finde, das liest man relativ
- 24:15oft so, auch an Blumenläden, an Aushängen und so.
- 24:19Also vielleicht anders als in anderen Branchen ist es da dann gar nicht so aussichtslos,
- 24:24wenn man vielleicht auch nach längeren Jahren in einem Betrieb schon einem etwas
- 24:28fortgeschritteneren Alter seinen Job verliert.
- 24:31Die Frage ist, was die Familie jetzt dann macht, also was gerade die beiden
- 24:34machen. Genau, haben die dazu was gesagt?
- 24:37Ja, sie wissen es nicht. Also es ist wirklich offen, das muss ich jetzt in den
- 24:40nächsten Monaten klären, kann ich mir auch vorstellen.
- 24:43Man ist so mittendrin, jetzt dieses Unternehmen auch weiterzuführen,
- 24:46den Mitarbeitern das erstmal mitzuteilen, das jetzt insgesamt öffentlich zu
- 24:51machen mit all den Folgen, jetzt eine Art Ausverkauf dann nach und nach auch
- 24:55zu organisieren. Das ist ja nicht ohne.
- 24:58Insofern kann ich nachvollziehen, dass da das noch völlig offen ist,
- 25:02was die beiden jetzt tun.
- 25:03Denn, genau, das hast du ja gerade schon gesagt, mit Abverkauf und so gibt es einen Zeitrahmen.
- 25:07Und ja, was passiert mit all diesen Pflanzen und so?
- 25:10Also das sind ja, ich kenne ja den Laden, das ist ja riesig.
- 25:14Da gibt es ja wirklich, wirklich, wirklich Fläche um Fläche um Fläche mit irgendwelchen
- 25:18Blumen und Pflanzen ja auch teilweise echt groß und aufwendig.
- 25:21Also genau, was passiert mit denen, die nicht verkauft werden?
- 25:25Haben die dazu was gesagt?
- 25:27Ja, es wird jetzt nach und nach eine Art Ausverkauf geben. Je nach Produktgruppe
- 25:32war die Aussage der Eigentümer oder der Betreiber.
- 25:38Was konkret an welcher Stelle erfolgt, glaube ich, steht selbst noch gar nicht
- 25:41so fest und auch welche Rabatte da möglich sind.
- 25:45Nur die legen schon auch Wert darauf, dass das Geschäft jetzt auch erst mal
- 25:49weiterläuft bis Ende des Jahres. Also auch den Weihnachtsbaumverkauf soll es weiter geben.
- 25:54Auch das Kürbisfest im Herbst und so weiter. Adventsausstellung,
- 25:57also all das, was man so kennt, wird es auch weiterhin erst mal geben.
- 26:01Und dann muss man sich als Kunde so ein bisschen auch vielleicht dann auch mal
- 26:04informieren, was genau eigentlich dann vielleicht bei dem Ausverkauf dann möglicherweise
- 26:11auch als Schnäppchen drin ist.
- 26:12Ja, und vielleicht abschließend noch, also wenn jetzt da dieses Gartencenter,
- 26:17dicht macht, wie ist eigentlich die Gartencenter-Lage in der Stadt?
- 26:21Also ich kenne tatsächlich das, dann kenne ich noch eins in Vollmerswerth,
- 26:25wo ich jetzt so intuitiv hinfahren würde, wenn ich irgendwie einen Buchsbaum
- 26:28brauche oder so, aber...
- 26:30Und jetzt nicht unbedingt im Baumarkt shoppen will. Ja, genau.
- 26:34In der Flairstraße. Das ist mir auch als erstes eingefallen.
- 26:38Bin ich jetzt nicht so der Experte, der die Lage so im Blick hat?
- 26:43Ich überlege gerade hier live mit irgendwie.
- 26:46Baumärkte sind natürlich zum Teil auch schon so aufgestellt,
- 26:50dass sie zumindest so Gartenhäuschen und Platten und so weiter ja auch alles
- 26:55und Gartengeräte auch anbieten.
- 26:58Aber wirklich die Pflanzen selber.
- 27:00Weiß ich gar nicht. Da müsste man wahrscheinlich die Gärtner,
- 27:03Reihbetriebe Schneider gibt es, glaube ich, in Reißholz. Ja,
- 27:07so ein bisschen dann am Stadtrand.
- 27:10Wie die.
- 27:13Was die so für Bezugsquellen auch haben. Ja, weil das finde ich auch irgendwie,
- 27:17spannend. Also das ist jetzt nichts, was mir in jeder Straßenecke irgendwie
- 27:23einfällt, wie du auch schon sagst. Das stimmt, du hast recht.
- 27:26Aber das heißt, mit der Schließung gibt es dann noch eins weniger.
- 27:30Und wie du ja auch eben schon mich direkt in meiner Hoffnung gestoppt hast,
- 27:35es sieht auch nicht so aus, als würde das nochmal umgedreht werden können.
- 27:38Da heißt es jetzt quasi, ja, unterstützen, solange es noch geht.
- 27:42Und vielleicht als Win-Win-Situation die ein oder andere Pflanze sich da jetzt
- 27:48in den nächsten Monaten noch besorgen und der ein neues Zuhause geben.
- 27:53Und wenn die InhaberInnen was Neues planen oder irgendwo doch nochmal neu eröffnen
- 28:00wirst du, werdet ihr uns ja sicher darüber auf dem Laufenden halten,
- 28:03nicht wahr? Jawohl. Wunderbar.
- 28:05Lieber Alex, ich danke dir für dieses Gespräch. Ich freue mich,
- 28:09wenn wir uns bald wieder von Angesicht zu Angesicht gegenüber sitzen und keine
- 28:14Computerbildschirme und Kopfhörer zwischen uns haben.
- 28:17Bis zum nächsten Mal. Bis bald, tschüss. Danke dir, tschüss.
- 28:37Seit 2021 sorgt Housing First dafür, obdachlose Menschen in feste Wohnungen zu bringen.
- 28:42Private Eigentümerinnen und
- 28:43Eigentümer, Investorinnen und Investoren sowie Wohnungsbaugesellschaften
- 28:47können dafür Wohnraum zur Verfügung stellen, den das Team des Vereins dann vermittelt.
- 28:52Darüber hinaus kümmern sich die Mitarbeitenden um alle Belange und Hilfestellungen,
- 28:56die in einem solchen Prozess vonnöten sind.
- 28:58In den Büroräumen auf der Herzogstraße habe ich mit Hanna Veit und Oliver Ungaro
- 29:03gesprochen, über ihre Arbeit, ihr Engagement, die Herausforderungen und auch
- 29:07schönen Momente in ihrem Arbeitsalltag.
- 29:09Wieder einmal bin ich auf mein Fahrrad gestiegen und durch die Stadt gefahren
- 29:14und bin erneut in einem Hinterhof gelandet, was ich ja immer ganz besonders schön finde.
- 29:21Ja, und auch heute habe ich zwei wunderbare Gäste. Und wie ich immer sage,
- 29:26es ist ja viel einfacher und auch sinniger, wenn ihr euch selber vorstellt,
- 29:30weil ihr wisst ja noch, viel besser, wer ihr selber seid als ich.
- 29:35Also bitte, fangen wir mit dir vielleicht mal an. Ja, super gerne.
- 29:39Genau, Hanna Veith. Ich bin hier bei Haus & Quest Düsseldorf Sozialarbeiterin.
- 29:43Da bin ich nämlich, genau. Genau, Sozialarbeiterin seit genau drei Jahren.
- 29:48Also ich hatte jetzt mein dreijähriges Jubiläum. Herzlichen Glückwunsch. Dankeschön.
- 29:52Genau, und bin hier im Bereich Wohnbegleitende Hilfen, nennen wir das.
- 29:56Das heißt, obdachlose Menschen, die hier eben begleitet durch uns,
- 30:01in eine Wohnung ziehen und danach, sage ich mal, gefängt so richtig an,
- 30:05mache ich alles Mögliche mit denen.
- 30:07Ja, da gehen wir bestimmt gleich noch ein bisschen näher drauf ein,
- 30:10was das bedeutet, wie der Alltag aussieht, wenn es überhaupt einen gibt in diesem Job.
- 30:18Auch die ganze Organisation stellen wir noch ein bisschen genauer vor,
- 30:21aber davor bitte der zweite Gast in dieser Runde.
- 30:24Ja, mein Name ist Oliver Ongaro, ich bin seit 24 Jahren beim Straßenmagazin
- 30:285050 und habe als Streetworker angefangen, mache mittlerweile auch viel Öffentlichkeitsarbeit und.
- 30:34Leite jetzt mit eines der größeren Projekte von uns, Housing First Düsseldorf
- 30:39und mache eher die Öffentlichkeitsarbeit, Koordinierungsarbeit und so Sachen.
- 30:42Ja, ich freue mich sehr, dass wir hier zusammen sitzen, wie gesagt,
- 30:46hier auf der Herzogstraße.
- 30:48Und ja, vielleicht, weil du es gerade schon angerissen hast,
- 30:5250-50, da gibt es natürlich eine Verbindung. Vielleicht stellst du Housing First
- 30:56und ja, die ganze Idee dahinter mal ein bisschen vor.
- 31:00Ja, vor neun Jahren hat unsere ehemalige Kollegin Julia Volindern gesagt,
- 31:04in Amerika gibt es ein Programm, das heißt Housing First.
- 31:07Die geben da wirklich obdachlosen Menschen eine Wohnung, was so banal klingt,
- 31:11hat natürlich ein bisschen Tiefgang.
- 31:13Und wir haben dann angefangen, vor neun Jahren das umzusetzen und das zu machen,
- 31:17wo viele Leute uns mit Fragen in den Augen angeschaut haben,
- 31:20Menschen, die von der Straße kommen, direkt in eine eigene Wohnung zu gehen.
- 31:23Und haben gemerkt, dass es eigentlich die Lösung des ganzen Rätsels ist und
- 31:27dass Leute, die eine Sicherheit haben, über Jahre in der Wohnung bleiben zu
- 31:30können, viel länger da bleiben und viel sicherer werden.
- 31:34Und dann haben wir vor fünf Jahren oder knapp fünf Jahren den Verein Housing
- 31:38First deshalb gegründet und haben da ja mittlerweile 150 Wohnungen an obdachlose
- 31:43Menschen vergeben können.
- 31:45Dann haben wir ein großes Team aufgebaut, den mittlerweile über zwölf Leute
- 31:49sind wir. Oh wow. Arbeiten, genau, zwölf Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter,
- 31:53aber dann natürlich auch noch Leute, die das koordinieren, die Abrechnung machen
- 31:57und so. Also sind sehr schnell, sehr stark gewachsen. Ja.
- 32:00Und eine der ersten Personen, die wir eingestellt haben, damals war die Hannah.
- 32:05Ja, wie gesagt, seit drei Jahren hast du ja gerade selber gesagt.
- 32:08Das heißt, du kannst auch viel erzählen, wie sich das Ganze entwickelt hat.
- 32:13Weil das ist natürlich, du hast es gerade schon gesagt, es klingt so simpel, aber.
- 32:17Ist es vielleicht auch so simpel? Also ich stelle es mir schwierig vor,
- 32:20weil natürlich Wohnraum per se in dieser Stadt oder überhaupt in großen Städten
- 32:24knapp ist und dann auch noch was im Überschuss zu haben zum Abgeben.
- 32:28Also wie funktioniert das tatsächlich?
- 32:30Ja, wir haben ja jetzt Glück gehabt, dass im letzten Sommer der
- 32:34damalige und jetzt amtierende Oberbürgermeister Stefan Keller das so ein bisschen
- 32:37zu seinem Herzensprojekt gemacht hat und gesagt hat, ich stehe da voll hinter
- 32:41und damit viele Türen in der Stadt geöffnet hat und vor allen Dingen durch auch
- 32:45euch, durch die Rheinische Post, das Medial natürlich sehr präsent ist in der Stadt.
- 32:49Trotzdem fehlen uns immer noch Wohnungen.
- 32:52Viele akquirieren wir über Straßenmagazin 5050, haben auch viele Privatinvestoren
- 32:56mittlerweile und die städtische Wohnungsgesellschaft gibt uns Wohnungen.
- 32:59Aber wir brauchen natürlich immer noch mehr Wohnungen, um dieses Ziel Obdachlosigkeit
- 33:05Wisselhoff zu überwinden. Das heißt, wir wollen ja 500, 600 Leute von der Straße
- 33:09holen, wirklich auch in vier bis fünf Jahren zu schaffen.
- 33:11Das wäre jetzt nämlich auch eine Frage, ob dieses Wahlversprechen von Herrn Dr.
- 33:18Keller, hat das die Arbeit irgendwie verändert? Jetzt hast du schon so ein bisschen
- 33:21angeteasert, es hat es vielleicht erleichtert oder hat für mehr Präsenz gesorgt
- 33:25oder auch für mehr Relevanz ist.
- 33:27Es ist ja sowieso auch relevant, aber in der Öffentlichkeit.
- 33:29Also hat dieses Aufnehmen ins Wahlversprechen sozusagen eure Arbeit verändert
- 33:35in diesen letzten Jahren?
- 33:36Ja, positiv verstärkt. Also erst mal, dass wir das Team finanziell so aufstocken konnten.
- 33:40Das ist natürlich, weil die Stadt das refinanziert. Dann aber halt auch durch seine Person,
- 33:45dass viele Menschen sagen, okay, wenn jemand als Oberbürgermeister hingeht und
- 33:49da so für gerade steht, so sagt, dass ich glaube so fest daran,
- 33:52dass man obdachlosen Menschen in eine Wohnung gehen kann, dass das Konzept Housing First funktioniert,
- 33:56dann macht das schon erheblich viel aus, indem man Leute, die halt ein bisschen
- 33:59skeptischer sind oder sagen wir mal vorurteilsbehaftet.
- 34:03Natürlich dann genauer hinschauen und sagen, na gut, wenn der davor ist,
- 34:05dann hauen wir uns das doch mal an. Und so waren wir auf verschiedenen Veranstaltungen,
- 34:08zum Beispiel bei Haus und Grund, wo ja viele Privatvermieter sind,
- 34:11durften da sprechen, aber auch bei anderen Gelegenheiten.
- 34:14Und ich sage mal, er ist der größte Touröffner gewesen in, sage ich mal,
- 34:18Kreise, die wahrscheinlich eher gesagt haben, wir haben Berührungsängste und
- 34:21das spiegelt sich total wieder in unserer Arbeit.
- 34:24Also die öffentliche Wahrnehmung hat sich dadurch verändert und vielleicht auch
- 34:29ein bisschen die Bereitschaft noch verstärkt bei EigentümerInnen ihren Wohnraum
- 34:35zu geben oder sich zu kümmern, dass ihr da versorgt werdet.
- 34:38Okay, genau. Wie gesagt, das Konzept ist, es gibt Privatmenschen oder ganze
- 34:43Organisationen, Genossenschaften. Ich weiß nicht, das könnt ihr natürlich besser.
- 34:47Die Vokabeln fehlen mir ein wenig.
- 34:49Die Wohnraum haben und sagen, okay, wir stellen den zur Verfügung für Menschen,
- 34:54die bislang keinen festen Wohnsitz haben,
- 34:56sich da einfach ganz normal in Anführungszeichen einmieten zu können oder einfach
- 35:00da wohnen zu können, ohne temporäre.
- 35:04Begrenzungen, ohne irgendwelche Auflagen, dass es in anderthalb Jahren wieder
- 35:09weitergehen muss oder woanders hingehen muss oder so. Das ist tatsächlich das Prinzip.
- 35:14Das ist das Prinzip obdachlosen Menschen, die lange auf der Straße waren.
- 35:17Also es muss mindestens drei Jahre obdachlos gewesen sein.
- 35:20Wir haben auch viele Menschen, die acht bis zehn oder 15 Jahre auf der Straße
- 35:23waren. Also wir nennen das mal die Negativauswahl der Negativauswahl.
- 35:27Also Menschen, die eigentlich gar keinen Zugriff auf den Wohnungsmarkt haben,
- 35:31gar keine Chance hätten, denen geben wir eine Wohnung und das,
- 35:35funktioniert deshalb so gut, weil wir halt ein gutes Team haben,
- 35:38wo gleich Hanna ins Spiel kommt und sagt, okay gut, wir betreuen die Menschen
- 35:41halt sehr gut da drin und können dann auch mit, wenn es Schwierigkeiten gibt,
- 35:46mit viel Personal mal sich um eine Person kümmern und,
- 35:49Wir haben ein ganz gutes Ampelsystem, also Rot, Grün, Gelb.
- 35:54Wer auf Rot ist, der braucht noch viel Unterstützung, auf Gelb so ein bisschen
- 35:57und auf Grün, sodass Menschen, die gut angekommen sind in einer Wohnung,
- 35:59dann vielleicht schon wieder einen Job finden oder halt ihr Leben selber in den Griff bekommen.
- 36:05Und haben die Erfahrung gemacht, dass es wahrscheinlich obdachlosen Menschen
- 36:09genauso geht wie uns, wenn wir wissen, okay, ich habe einen festen Job oder
- 36:12eine feste Wohnung, das kann mir erstmal nicht weggenommen werden,
- 36:15dass es einem die Sicherheit gibt.
- 36:18Natürlich Menschen auf der Straße jahrelang nicht hatten.
- 36:21Und ja, wir sagen mal, wie landet man auf der Straße? Vielfach sind das halt,
- 36:24wir nennen das so biografische Verletzungen, also was ist in deinem Leben passiert,
- 36:28Tod, Verlust, Trennung, Drogen, irgendwas hat man nicht verarbeitet,
- 36:32dass man halt lange auf der Straße gab.
- 36:34Natürlich trägt sich das noch in die eigene Wohnung weiter und muss da halt
- 36:39auch entsprechend immer noch betreut werden oder sind wir dann ansprechbar,
- 36:43auch noch über Jahre. Ja, ich verstehe.
- 36:45Genau, das ist ja jetzt sozusagen ein bisschen die, das ist jetzt sehr schwer
- 36:49zu differenzieren, aber wie die faktische Seite. Es gibt eine Wohnung,
- 36:52dann gibt es einen Menschen, die beiden werden zusammengeführt und voila.
- 36:57Und dann natürlich kommen noch ganz andere Stellschrauben ins Spiel,
- 37:01weil allein jetzt schon beim Zuhören und dann auch beim Eins weiter drüber nachdenken,
- 37:06kann ich mir sehr gut vorstellen, dass das für alle Seiten herausfordernd ist.
- 37:10Also für Menschen, die vor allem schon vielleicht wirklich lange Jahre auf der Straße leben.
- 37:15Da gibt es ja die kleinsten wahrscheinlich Abstufungen von, genau,
- 37:21lässt man sich auf sowas ein, ist es schwierig, dann plötzlich wieder einen festen Ort zu haben.
- 37:25Es hat bestimmt ganz viel mit Vertrauen zu tun, mit sich sicher fühlen können
- 37:29und sich da reingeben und so.
- 37:32Genau, und dann kommst du ins Spiel mit deinen Kolleginnen und Kollegen und,
- 37:36ihr betreut. Wie sieht das dann aus, als wenn wir jetzt quasi mal diese Choreo
- 37:39durchgehen? Es gibt die Rahmenbedingungen und dann was passiert?
- 37:43Der Schlüssel steckt im Schloss, es wird umgedreht.
- 37:47Genau, im besten Fall haben wir tatsächlich schon, bevor der Schlüssel überhaupt
- 37:50im Schloss steckt, vielleicht schon so ein, zwei Sachen bearbeiten können oder
- 37:53schon uns ein bisschen besser kennenlernen können.
- 37:56Und da geht es ja erstmal an so einen Umzug und da kommt auch alles mit dazu,
- 38:00wie Möbel organisieren, vielleicht nochmal gemeinsam Sachen einkaufen.
- 38:03Sind da auch Sponsoren oder UnterstützerInnen, die da für die Einrichtung sorgen?
- 38:09Das wäre was, was ich auch gleich gefragt hätte, aber wenn wir schon da sind.
- 38:12Also wir haben so zwei Schienen, mit denen wir sehr viel fahren.
- 38:14Das eine ist, man kann eben eine Erstausstattung beantragen beim Jobcenter.
- 38:19Das heißt, Menschen, die eben Möbel aufgrund von Obdachlosigkeit einfach nicht
- 38:24haben konnten oder aus verschiedenen Gründen, manche Personen können das beantragen.
- 38:27Also dann gibt es einen Möbelgutschein, da heißt das und dann kann man in Sozialkaufhäuser
- 38:34gehen und gemeinsam Möbel aussuchen.
- 38:36Das machen wir ganz viel, genau. Das heißt, da stellen wir gemeinsam die Anträge.
- 38:39Und das andere ist, dass eben Menschen uns zum Teil Geschirr oder Besteck oder sonst was spenden.
- 38:46Da haben wir ein ganz kleines Lager leider nur. Also wirklich nur einen geringen
- 38:50Bestand, den wir immer nur einlagern können.
- 38:52Aber da können sich Tienten auch selber Sachen aussuchen. Okay.
- 38:55Genau. Und zum Schluss haben wir immer ein kleines Budget, mit dem man nochmal einkaufen kann.
- 39:00So Sachen wie, genau, einen Duschverhang, eine Gardine, Wettwäsche.
- 39:04Was man sich auch selber aussucht, was ja auch ein Schritt ist und da sind wir
- 39:08ja dann wieder ein bisschen zurück bei dem, was du gerade eh erzählen wolltest,
- 39:12dass vor Einzug ja schon so Dinge passieren, die ja immer passieren,
- 39:15wenn man irgendwo einzieht.
- 39:16Also man guckt, dass man Möbel hat und dann noch irgendwas Schönes, mit dem man sich umgibt.
- 39:22Genau, wir sagen halt immer, dass man aus einer Wohnung zu Hause werden kann,
- 39:26und es ist einfach sehr, sehr unterschiedlich, wie Personen damit umgehen.
- 39:29Manche haben gar keine Berührungsängste oder Probleme mit dieser Einrichtung.
- 39:34Wir haben aber auch Personen, also einen Moment, der für mich sehr einprägsam
- 39:39war, da war ich auch noch ganz neu, ganz frisch mit einem Klienten unterwegs,
- 39:42war auch noch ein bisschen grün hinter den Ohren.
- 39:44Und war mit dem im Möbelkaufhaus und habe halt gefragt, welche Farbe soll denn
- 39:48deine Bettwäsche haben?
- 39:49Und das war eine Person, die auch Jahrzehnte auf der Straße gewohnt hat und
- 39:52gesagt hat, du, ich habe noch nie eine eigene Bettwäsche gehabt.
- 39:55Ich weiß nicht, welche Farbe meine Bettwäsche haben soll.
- 39:58Ich habe da noch nie drüber nachgedacht und war eben mit dieser Frage,
- 40:01die ich gestellt habe, sehr überfordert.
- 40:03Und da ging es auch viel darum, erstmal auch in diesem Moment schon gemeinsam
- 40:07zu gucken und ein gemeinsames Tempo zu finden.
- 40:10Was ist denn jetzt sinnvoll, dass aus so einer Situation man auch gemeinsam,
- 40:15sage ich mal, schon mit einem vollen Einkaufswagen rausgeht und gemeinsam kauft,
- 40:18was gebraucht wird und zeitgleich nicht voraussetzen kann, dass man gegenüber
- 40:22das automatisch alles alleine so kann und weiß.
- 40:25Und das sind Sachen, die ziehen sich vor dem Einzug, kriegen wir da schon mit.
- 40:30Und nach dem Einzug zieht sich das ein bisschen weiter.
- 40:32Wir sagen immer, jede Person ist einfach ein Überraschungspaket.
- 40:35Jeder bringt andere Sachen mit.
- 40:37Und jeder braucht auch so ein bisschen ein anderes Tempo, eine andere Zeit für verschiedene Dinge.
- 40:40Und da auch, ich sage mal, die Geduld zu haben und die Ruhe zu haben,
- 40:43zu sagen, wir machen das hier in deinem Tempo. Und du gibst an,
- 40:47wann was passieren soll.
- 40:49Und das ist halt die große Stärke vom Konzept, dass wir das machen können.
- 40:53Weil der Wohnraum quasi erst mal unlimitiert zeitlich zur Verfügung steht.
- 40:59Ja genau, das ist die Homebase.
- 41:00Also von da aus geht es dann halt weiter. Wir haben ja viele Menschen mit Suchterkrankungen,
- 41:05die auch jahrzehnte, jahrelang harte Drogen oder auch Alkohol konsumiert haben
- 41:09oder unter psychischen Sachen leiden, Depressionen haben.
- 41:13Das hört natürlich nicht schlagartig auf in der Wohnung, aber wird natürlich viel, viel besser
- 41:18behandelbar in einem Raum, wo man sagt, da kann ich mich aufhalten,
- 41:21da kann ich die Tür zumachen, das ist meine Wohnung und dann stabilisieren sich
- 41:25Leute und unser Ziel ist es ja dann,
- 41:27irgendwann Menschen zu befähigen, halt immer wieder ihr Leben in den Griff zu
- 41:31bekommen, wieder also eigenständig zu leben, deshalb haben wir ja noch ein Projekt.
- 41:35Wo Menschen jetzt in der Gastronomie ausgebildet werden.
- 41:41Wir haben auch schon eine Anzahl von Leuten in feste Arbeitsverträge vermittelt,
- 41:44was uns besonders freut, weil wir eigentlich gar nicht das möchten,
- 41:48dass Menschen dauerhaft auf Mittel vom Staat angewiesen sind.
- 41:52Das werden sicherlich nicht alle schaffen, weil natürlich auch jahrzehntelange
- 41:55Drogenabhängigkeit und Obdachlosigkeit mit deinem Körper, mit deiner Psyche was macht.
- 42:00Aber ein Teil der Leute ist wirklich auch hellauf begeistert und arbeitet gerne
- 42:05und sagt, das ist ja wirklich auch eine ganz tolle Chance.
- 42:07Sie können es manchmal gar nicht glauben, dass man jetzt eine Wohnung bekommen
- 42:09hat, auf einmal einen Job, weil viele sich ja auch jahrelang darum bemüht haben
- 42:12und gar keine Chance haben.
- 42:13Ja, genau, wenn wir gerade schon dabei sind, vielleicht können wir mal ein paar
- 42:17Zahlen droppen, sozusagen. Also genau, seit knapp fünf Jahren,
- 42:23also ich glaube 2021 habt ihr ja gestartet.
- 42:26Wie viel ist seitdem zahlenmäßig passiert? Wie viele Wohnungen wurden angeschafft?
- 42:30Ist es vielleicht auch tatsächlich ein bisschen mehr geworden jetzt in den letzten
- 42:34anderthalb Jahren, also habt ihr da einen Anstieg gemerkt, wie viele Menschen,
- 42:39leben momentan ohne festen Wohnsitz in Düsseldorf und wie viele davon sind quasi schon vermittelt.
- 42:45Ich stelle jetzt ganz viele Fragen, dann könnt ihr das so vielleicht in einem,
- 42:49beantworten, weil ich mir auch vorstellen kann.
- 42:52Also das Angebot ist ja das eine, aber genau, es muss ja auch angenommen werden,
- 42:56beziehungsweise dann auch funktionieren.
- 42:57Das habt ihr ja beide schon so ein bisschen durchblicken lassen,
- 42:59dass natürlich, vor allem wenn es Jahrzehnte sind, die eine besondere Situation
- 43:04stattfand, das dann einfach in Anführungszeichen wieder umzudrehen und zu sagen,
- 43:08jetzt habe ich eine Wohnung, das ist ja für beide, also auch für die Menschen,
- 43:11die diese Möglichkeit dann haben oder diese Wohnung bekommen können,
- 43:14wahrscheinlich eine Umstellung.
- 43:15Vielleicht gibt es da ja auch Leute, die sagen, nee, das ist nichts oder ich
- 43:20möchte dieses Angebot gar nicht annehmen.
- 43:22Also vielleicht können wir da auch ein bisschen drauf eingehen.
- 43:25Ob das immer nur in eine schöne, richtige Richtung, also richtig nicht im Sinne
- 43:30von richtig und falsch, sondern in die für euch gewünschte Richtung geht oder
- 43:33ob es auch tatsächlich Menschen gibt, die sagen,
- 43:35nee, das ist für mich nichts oder ich komme vielleicht besser mit einem anderen Angebot klar.
- 43:41Also habe jetzt die 150. Wohnung vergeben vor ein paar Wochen.
- 43:45Das hat uns sehr gefreut und haben seit der Ankündigung von dem Oberbürgermeister
- 43:5267 neue Wohnungen akquirieren können.
- 43:56Das ist natürlich schon enorm für einen angespannten Wohnungsmarkt wie in Düsseldorf.
- 44:01Und ich persönlich habe in den 24 Jahren als Streetworker beim Straßenmagazin
- 44:0550-50 niemanden getroffen, der keine Wohnung wollte. Ich halte das eine der,
- 44:10größten Vorurteile überhaupt. Die wollen ja nicht.
- 44:13Die Frage ist, das Vertrauen zu haben, dass man es hinkriegt,
- 44:17wenn man mehrfach im Leben schon gescheitert worden ist. Ja,
- 44:19ich verstehe. Also wir betreuen ja vielfach Leute, die auch Gefängnisaufenthalte
- 44:23hatten, Suchttherapien abgebrochen haben.
- 44:26Also ein Leben im Scheitern aus ganz verschiedenen Gründen und denen die Sicherheit
- 44:31zu geben, dass sie eine eigene Wohnung wirklich managen können.
- 44:34Ich glaube, das ist die Grundvoraussetzung.
- 44:36Und ich höre das immer wieder, ja, die wollen ja gar nicht wohnen.
- 44:39Das wollte ich tatsächlich nicht infizieren. Das würde ich gar nicht unterstellen.
- 44:43Nein, nein, nein, das ist mir ganz wichtig zu sagen, sondern tatsächlich kann
- 44:46ich mir vorstellen, dass es einfach genau eine Zeit dauert und viel Unterstützung
- 44:50dauert und ein Weg ist und nicht einfach so passiert. Das wollte ich damit tatsächlich fragen.
- 44:56Ja, ich würde schon sagen, genau wieder dieser Faktor Zeit. Also jeder braucht
- 45:00halt unterschiedlich lange oder unterschiedliche Dinge, um gut anzukommen.
- 45:05Thema Tagesstruktur ist, glaube ich, ja, in den Menschen, die in der sozialen
- 45:08Arbeit unterwegs sind, kennen das auch immer. Also was fange ich denn jetzt mit meinem Tag an?
- 45:14Ich habe vielleicht den ganzen Tag irgendwie Überlebenskampf gehabt,
- 45:17bin von A nach B gelaufen zu verschiedenen Stellen, habe mir Essen besorgt,
- 45:19habe vielleicht auch Medikamente besorgt, was auch immer und komme jetzt in
- 45:23eine Wohnung an und ich komme da auch mal zur Ruhe.
- 45:25Und auf einmal ist mein Tag ein bisschen anders gestaltet. Und wie möchte ich
- 45:30mir das denn jetzt vorstellen und auch diesen Raum zu haben,
- 45:33sich das vorstellen zu können, das muss man auch ehrlich sagen.
- 45:36Also ich bin jetzt an einem Ort, der ist unbefristet, ich darf hier sein,
- 45:40ich darf hier unbefristet sein und ich kann für mich überlegen,
- 45:43wie will ich eigentlich mein Leben gestalten?
- 45:46Das ist natürlich nicht immer auch eine schöne Frage. Man guckt natürlich auch
- 45:49gerne dann zurück und guckt auch auf die Sachen, die nicht funktioniert haben.
- 45:52Also viele sind auch in der Anfangsphase, brauchen ein bisschen mehr Unterstützung.
- 45:58Und das bekommen sie dann eben auch von uns. Also wir sind dann auch ansprechbar
- 46:02für all diese Dinge, die eben dann auch aufkommen können.
- 46:06Und große Lebensfragen, die dann aufkommen. Genau.
- 46:10Und das ist auch wieder da der Faktor. oder wir können uns individuell anders
- 46:13anpassen, was die Person braucht. Und wenn jemand ein bisschen mehr gerade Zeit
- 46:17zum Reden braucht, ist das auch okay. Also ich sitze da nicht mit meiner Steche
- 46:20und sage, so eine Stunde ist rum, tschüss, ich gehe jetzt.
- 46:23Sondern das hat alles Raum. Ja, ich verstehe.
- 46:27Wir sind eigentlich so eine dauerhafte Krücke. Also wenn man hingefallen ist,
- 46:31wenn man das mal so beschreiben möchte mit dem Bild, also dass Leute in ihrem
- 46:35Leben hingefallen sind, dann in Obdachlosigkeit gefallen sind,
- 46:39helfen wir hoch und sind dann die Krücke.
- 46:41Laufen müssen die Leute alleine in dem Tempo, bis sie vielleicht die Krücke
- 46:45gar nicht mehr brauchen, sondern wieder normal laufen können.
- 46:47Wenn sie wieder fallen, sind wir wieder da und bieten das wieder an.
- 46:50Aufstehen und sind wieder die Krücke.
- 46:52Aber was wir nicht machen, ist etwas für Menschen planen, was gar nicht ihrs
- 46:57ist, weil das zeigt die Erfahrung, dass das keinen Sinn macht,
- 47:00sondern wir passen uns, wie Hannah sagt, dem Tempo ein bisschen an.
- 47:04Bei Suchterkrankungen oder Rückfällen üben wir aber auch schon mal Druck auf
- 47:08oder bei anderen Sachen natürlich auch, wenn zum Beispiel das mit der Haushaltsführung
- 47:11nicht ganz so gut klappt, dann drängeln wir schon und sagen, das muss sich ändern,
- 47:16und bieten da verschiedene Hilfen an, dass jemand selber mit aufräumt oder lassen
- 47:19zum Teil auch aufräumen.
- 47:20Ist natürlich nicht für alle ganz einfach. Also es ist so bunt und unterschiedlich,
- 47:24wie wir alle sind in unserer Gesellschaft. Manche kommen an und da kann man
- 47:29vom Boden essen, andere, da sagt man, okay, gut, das geht so gar nicht.
- 47:33Und überall da versuchen wir halt unterschiedlichen Wegen zu sagen,
- 47:36so ein Unterstützungsangebot zu machen, dass man es gut hinkriegt und akzeptieren das.
- 47:42Aber in wirklich großem Ausmaß, dass wir sagen, wir kennen die Schwierigkeiten,
- 47:47wir kommen gar nicht belehrend oder von oben herab oder sagen,
- 47:50wie kann man nur, sondern wissen, okay, wir wissen,
- 47:54wie das Leben auf der Straße ist, durch die ganz vielen Gespräche oder halt
- 47:57viel durch Streetwork bei mir und erkennen das an und sagen,
- 48:01okay, gut, aber jetzt muss ich ein bisschen was ändern.
- 48:04Aber was uns viele Vermieter und so fragen, was machen wir denn,
- 48:06wenn wir dann den Rückfall bekommen auf Drogen und so, wir sagen dann,
- 48:09wir fahren die Leute auch in die Klinik und machen das. Bei uns führt ein Drogenrückfall
- 48:14nicht automatisch zu irgendeinem Mietabbruch. Geht auch gar nicht,
- 48:17weil die Wohnung ist ja ganz regulär gemietet.
- 48:20Genau, und das ist uns extrem wichtig zu sagen. Man darf auch wieder fallen.
- 48:23Ja, ich verstehe. Das Einzige, wenn wir den Schlüssel übergeben,
- 48:25ich sage dann immer, das Einzige, was wir wirklich haben wollen, ist das Vertrauen.
- 48:30Wenn es nicht mehr hinhaut, komm bitte zu uns, dann können wir alles regeln.
- 48:32Ja, verstehe. Also eine, ihr seid dann, ja, mit der Krücke finde ich insofern
- 48:37ein sehr fühlbares Bild, weil es, genau, und die Beziehung,
- 48:42Braucht man, solange man sie braucht sozusagen. Jetzt hast du schon die Zahl der Wohnungen gesagt.
- 48:53Was muss denn so eine Wohnung haben? Also gibt es eine Mindestgröße?
- 48:58Gibt es auch ganze Häuser, die bewohnt werden können? Also hat das auch schon
- 49:03mal jemand zur Verfügung gestellt oder irgendwie dann eine übergeordnete Organisation?
- 49:07Also genau, wie ist das jetzt mal andersrum? Also was sind die Anforderungen an den Wohnraum?
- 49:13Es ist eine spannende Frage, weil man zum Schluss ja auch wieder sagen kann,
- 49:16so individuell die Leute sind,
- 49:18so individuell sind natürlich ja auch ihre Anforderungen an eine Wohnung.
- 49:21Ganz knapp bemessen, aber auch
- 49:23immer sehr gerne gesehen, das ist natürlich barriereamt oder barrierefrei.
- 49:27Ganz zum Schluss geht es eigentlich nur darum, sie muss finanzierbar sein.
- 49:32Und da muss man halt realistisch sagen, wenn eben anfangs noch Leistungen bezogen
- 49:36werden, da gibt es einfach gewisse Vorgaben, an denen man sich orientieren muss.
- 49:40Und ansonsten weiß ich gar nicht, ob es so wirklich eine Begrenzung gibt,
- 49:44was an Wohnungen gar nicht geht.
- 49:47Ja, also wir vermieten halt einfach Einzelapartments. Das war halt,
- 49:52wir haben mal eine Erhebung gemacht vor vielen, vielen Jahren,
- 49:56also bevor der Verein gegründet worden ist, was Menschen sich wünschen.
- 49:58Und das Grümste war, bitte keine WG und das einiges Badezimmer,
- 50:04weil viele aus Notunterkünften oder wenn sie draußen Platte machen,
- 50:07heißt halt, der draußen schlafen, immer sanitäre Anlagen verschmutzt,
- 50:11nicht was Eigenes zu haben.
- 50:13Also das war so das Erste, was gekommen ist, aber bitte das Bad muss für mich
- 50:17sein. So haben wir viele Einzelapartner und so zwischen 25 und 40 Quadratmeter,
- 50:22die wir vermieten und...
- 50:24Auch über die ganze Stadt verteilt, ne? Über die ganze Stadt verteilt, genau.
- 50:28Haben ganz, ganz wenige Pärchenkonstellationen, weil in diesem Übergang von
- 50:33Straße in ein anderes Leben.
- 50:36Oftmals Beziehungen, also wenn Menschen Beziehungen auf der Straße hatten,
- 50:39auch nicht ganz konfliktfrei ist, wenn sich Menschen just stark verändern.
- 50:42Das führt dann auf beiden Seiten also als in der Parkonstellation immer schon
- 50:47irgendwie zu einer Menge Trouble.
- 50:48Kann man sich vielleicht vorstellen, irgendwie erlebt man eine normalen Beziehung
- 50:52auch, wenn jetzt jemand, das kann man sich ja so vorstellen,
- 50:54dann einen Job in Übersee bekommt, hält dann die Beziehung noch,
- 50:57stellen wir uns uns so vor.
- 50:58Also es sind Anforderungen, wir betreuen. Also wir haben es am liebsten,
- 51:01wenn die Leute erstmal alleine in eine Wohnung ziehen und da Und wir machen keine ganzen Häuser.
- 51:07Wir haben ein Haus, wo neue Leute wohnen. Das ist dann eher schon anspruchsvoller.
- 51:14In der pädagogischen Betreuung.
- 51:15Wir haben es lieber, wenn die normalen Bietshäusern unter vielen sind,
- 51:19weil wir gemerkt haben, dass atmosphärisch das auf die Leute abfärbt,
- 51:23wenn das Haus ganz normale Leute sind, als wenn ich die Leute schon von der Straße kenne.
- 51:28Wenn ich dann eine Beschwerde habe oder irgendwas, dann gehe ich direkt rüber
- 51:31und sage, so kannst du das aber nicht machen. Und wenn es aber Fremde sind sozusagen
- 51:35oder ganz normale Nachbarn, dann ist das Verhältnis ein anderes.
- 51:39So ist es auch in vielen Häusern gar nicht klar, dass es Menschen von der Straße sind.
- 51:45Und wenn es klar ist, gibt es schon zwei Extreme von der Nachbarschaft.
- 51:50Die einen, die sehr, sehr freundlich darauf reagiert und sagt,
- 51:53das ist ja eine tolle Sache. Ich kenne das Projekt aus den Medien und so,
- 51:55ihr macht ja eine tolle Arbeit.
- 51:57Und manche aber dann halt ihren Vorurteilen auch freien Lauf lassen.
- 52:01Und sobald irgendwie irgendwo im Haus was rumsteht, sagen, das sind garantiert
- 52:04die geworden. Also du hast so beides, wenn Leute sich äußern. Ja, ja.
- 52:09Und sind das dann auch zum Beispiel Situationen, wo ihr dann ins Spiel kommt,
- 52:16also deine Kolleginnen und Kollegen und du, um das auch aufzufangen?
- 52:20Also genau, ist das eine Sache, die auch rückgemeldet wird oder wie sind diese
- 52:26Situationen zu handeln?
- 52:28Also ich sage immer, man kann sich das so ein bisschen wie so ein Dreieck vorstellen.
- 52:31Also es gibt einmal mich als Sozialarbeiterin, da gibt es die Person,
- 52:34die in die Wohnung einzieht, aber natürlich gibt es dann noch Vermietende und NachbarInnen.
- 52:38Und meine Aufgabe ist es immer so ein bisschen, alle Seiten mit im Blick zu
- 52:43haben. Das heißt, wenn es dann doch mal Beschwerden gibt, da sind wir auch relativ
- 52:46fix, die Personen anzusprechen, zu sagen, hey du, keine Ahnung,
- 52:51gestern war es ein bisschen lauter, was war denn da los?
- 52:54Und wir können mal gucken, dass sich die Situation irgendwie einpendelt.
- 52:57Dass es nicht noch mal passiert.
- 52:58Also wir sind ja auch mal ganz froh, wenn Leute frühzeitig sich an uns wenden
- 53:02oder auch wenn da so ganz viel Unsicherheit ist.
- 53:05Leute irgendwie mit im Haus wohnen und sagen, oh, was ist das denn und was passiert denn hier?
- 53:10Das klären wir auch total gerne auf. Also das gehört auch mit dazu und das machen
- 53:14wir auch mal gerne. Ja, das ist auch eine Frage, die mir gerade noch gekommen ist. Genau, ist das...
- 53:21Bei Einzug, also genau, es wird einfach eingezogen und dann ist es so.
- 53:25Und wenn dann im Nachhinein sozusagen Fragen aufkommen oder Kommunikationsbedarf
- 53:29ist, so wie in allen anderen Nachbarschaften auch, entweder man versteht sich
- 53:33oder nicht und dann kann man da einen betreten oder darauf reagieren.
- 53:40Ja, viele Vermieter finden das sogar ziemlich angenehm, wenn es da mal einen
- 53:43Nachbarschaftsstreit gibt. Also es wäre ja eine Lüge zu sagen,
- 53:46das gibt es nicht so auch.
- 53:47Das ist immer so die Rückmeldung. Ich habe das ja so oder so in den Häusern, die ich vermiete.
- 53:52Aber jetzt habe ich halt nochmal eine Person, die ich zusätzlich ansprechen
- 53:55kann und die vermitteln kann. Und die Situation, sonst wäre ich komplett alleine damit.
- 53:59Und jetzt haben wir einfach noch Personen dabei. Und das ist für viele tatsächlich
- 54:03sogar richtig angenehm.
- 54:05Dass wir ja immer ansprechbar sind und auch schnell reagieren können. Ja, verstehe.
- 54:08Sind ja auch ansprechbar, wenn es zum Beispiel Schwierigkeiten mit der Miete
- 54:11gibt, die nicht gezahlt wird oder andere Sachen gibt.
- 54:14Also das haben uns viele Vermieter wiedergespiegelt, die gesagt haben,
- 54:17das ist eigentlich was, was wir uns für unser Gesamtvermietverhaltungswünschen
- 54:21eigentlich, dass es immer Leute gibt, die wir ansprechen können,
- 54:24wenn wir nicht weiterkommen.
- 54:26Und das ist schon so, das ist vielleicht nochmal so der Appell in die Stadtgesellschaft
- 54:30hinein, wenn man eine Wohnung vermietet, man wird auf keinen Fall darin alleine
- 54:34gelassen als Eigentümer oder Vermieter, Vermieterin, sondern wir kümmern uns
- 54:38da drum und es entstehen auch keine Kosten.
- 54:40Uns haben ganz viele Leute gefragt, ja, dann zahlen die die Miete nicht,
- 54:44dann machen die einen Rückfall, dann vermüllen die die, haben auch so Negativerfahrungen
- 54:48gemacht und ich kann nur sagen, mit uns macht man die einfach nicht.
- 54:51Wir kümmern uns dann darum und tragen auch gegebenenfalls die Kosten,
- 54:55wenn es denn passieren sollte, dass die Wohnung dann aufgeräumt wird oder andere
- 55:00Sachen passiert sind. Und bei Mietausfällen sind wir sofort hinterher, dass mit den...
- 55:05Mieterinnen zu klären beim Amt, dass die Miete weiterhin fließt.
- 55:10Also wir wollen nicht ein Konzept verkaufen, wo dann nachher Eigentümer oder
- 55:14Vermieterinnen, Vermieter dastehen und selber Kosten tragen.
- 55:17Das ist nicht Sinn des Projekts.
- 55:19Jetzt hast du eben schon erwähnt, genau ganz am Anfang hast du ja schon berichtet,
- 55:22dass das in den USA quasi entstanden ist, dieses Projekt oder diese Idee, diese Projektidee.
- 55:28Jetzt hast du gerade Finnland ins Spiel gebracht.
- 55:30Gibt es noch mehr Länder, wo das vielleicht schon auch ein wenig länger läuft
- 55:33und ihr auch da Kontakt hin habt, Kommunikation irgendwie stattfindet oder wo
- 55:38man sich was abgucken kann, wo man
- 55:39sich austauscht. Also gibt es so eine Housing-First Worldwide Community?
- 55:45Ja, die gibt es auf jeden Fall.
- 55:47Also jetzt, ich und die Kollegin durften letztes Jahr in Berlin dabei sein.
- 55:52International waren da verschiedene Vereine vertreten. Das gibt es jetzt dieses
- 55:55Jahr auch wieder in Rotterdam.
- 55:57Es gibt ganz viele Länder, die es auch schon sehr viel länger machen als in Deutschland.
- 56:01USA und Finnland werden eben halt genannt, weil es so sehr prägnante Ansätze
- 56:06sind, zum Teil sehr unterschiedlich. Da wird viel darüber diskutiert,
- 56:09welcher Ansatz jetzt der bessere ist.
- 56:11Kannst du ganz kurz umreißen, was die Unterschiede sind?
- 56:15In Finnland werden komplette Gebäude zur Verfügung gestellt.
- 56:19Das heißt, wir haben genau diese Situation, ganz viele Leute,
- 56:21die in einem Gebäude wohnen. Was ihr gerade beschrieben habt,
- 56:23das nicht das Ideale ist für hier.
- 56:25Genau, also wir orientieren uns eher an dem Beispiel aus der USA,
- 56:29also dass eben Leute ganz normal in der Stadt verteilt Wohnraum haben und im
- 56:34besten Fall, dass auch gar nicht mal so Thema ist, dass sie über uns vermittelt worden sind.
- 56:38Genau und es gibt eben in verschiedenen europäischen Ländern verschiedene Vereine,
- 56:42die machen das schon ein bisschen länger als hier in Deutschland und da kann
- 56:44man ganz toll von deren Erfahrung irgendwie lernen und auch gucken.
- 56:49Und dafür gibt es auch diese europaweiten Austauschkonferenzen.
- 56:53Ja, ich verstehe.
- 56:56Wie viele Wohnungen fehlen denn jetzt noch, um quasi alle Menschen bestücken
- 57:00zu können? Also wenn wir jetzt mal ein Best-Case-Szenario aufmachen.
- 57:04Wir sind ja davon ausgegangen, dass wir so 500, 700 Menschen,
- 57:08also es gibt, ich fange mal anders an, eine Nachtzählung in Düsseldorf,
- 57:11wo an einem Tag im Jahr immer gezählt wird, alle zwei Jahre,
- 57:14wie viele Menschen befinden sich eigentlich wirklich auf der Straße an einem Stichtag.
- 57:17Da sind wir jetzt ja bei 800 gelandet, das war voriges Jahr noch bei 700.
- 57:21Wir haben gesagt, dass 200 ungefähr so stark drogenabhängig sind oder crackabhängig
- 57:26sind, dass sie nicht im normalen Wohnraum können, bleiben 500 bis 600 Menschen
- 57:31übrig, die auf der Straße sind.
- 57:32Und davon haben wir jetzt 150 schon von der Straße geholt und hoffen,
- 57:37dann weitere 450 Menschen von der Straße zu holen. Das sind aber nur die nackten Zahlen.
- 57:43Das andere, was diese Zahlen ausdrücken, ist die Atmosphäre,
- 57:46die in einer Stadt entsteht, zu sagen, Obdachlosigkeit ist nicht etwas,
- 57:50da sind Menschen gescheitert. Da wollen wir gar nichts mit zu tun haben,
- 57:52das sind komplizierte Leute, sondern wir können die zurückholen in die Gemeinschaft.
- 57:56Und zusammen können wir dafür sorgen, dass das überwunden wird.
- 58:00Dass in einem reichen Land, das wir ja noch sind, eigentlich keiner auf der
- 58:03Straße schlafen muss, sondern dass wir in der Lage sind, jedem eine Wohnung zu geben.
- 58:07Ja, das heißt ganz konkret, ich meine, wir haben ja hier auch Menschen, die hier zuhören und so.
- 58:12Also genau, wer eine Wohnung hat und die zur Verfügung stellen möchte,
- 58:19also eh vermietet und dann halt setzt sich mit euch in Kontakt und ihr vermittelt dann weiter.
- 58:26Genau, also im Grunde bringen wir dann die Vermietenden und die MieterInnen
- 58:30zusammen und schauen einfach, was kann gut zusammenpassen, gucken uns dann Wohnraum
- 58:35an und im besten Fall sind sich alle einig und da wird ein Mietvertrag unterschrieben.
- 58:38Und dann geht es los mit Möbel aussuchen und Bettlösche.
- 58:42Und genau, dann setzt sich dieser Prozess in Gang.
- 58:47Ich frage jetzt ganz kurz vorm Abmoderieren, ob ich irgendwas nicht gefragt
- 58:50habe, ob ihr noch irgendwas erzählen möchtet, ob es noch was gibt,
- 58:54was noch wichtig ist. Also ich würde auch so unglaublich gerne über dieses Gastro-Projekt,
- 58:57aber ich glaube, das springt ein bisschen in den Rahmen. Ich komme vielleicht
- 58:59einfach nochmal wieder.
- 59:00Aber also genau, gibt es noch irgendwas? Ja, ich glaube, dass wir vor allen
- 59:05Dingen gezeigt haben, dass man ganz viele Vorurteile abbauen kann,
- 59:09indem Menschen jetzt in Wohnungen gebracht haben, wo auch Nachbarinnen und Nachbarn merken, ach guck mal.
- 59:15Das fällt ja gar nicht auf oder dann erstaunt sind auch oft,
- 59:19das hätten wir ja gar nicht gedacht, das machen wir bei diesem Arbeitsprojekt.
- 59:22Wir haben die Kantine des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales übernommen
- 59:26und bilden da über mehrere Monate Leute auf, die dann in Restaurants arbeiten können.
- 59:31Auch das funktioniert erstaunlich gut.
- 59:34Auch da Leute, die dann in andere Restaurants vermittelt werden,
- 59:38da vielleicht ein halbes Jahr arbeiten es nicht schaffen, aber die kommen dann
- 59:41wieder zurück und sagen, gut, da hat es nicht geklappt, aber ich mache jetzt
- 59:44hier kurz weiter in der Kantine und dann gucke ich mal, ob es woanders klappt.
- 59:47Im Endeffekt ist es aber nicht anders als bei uns, auch wir haben schon mal
- 59:50den Job gewechselt, weil wir nicht klargekommen sind, ich finde das ganz natürlich,
- 59:54und auch da haben wir es geschafft jetzt diese Vorurteile, oh Gott,
- 59:59kann ich denn jemanden von der Straße, der schon mal in Haft war,
- 1:00:02drogenabhängig war, kann ich den bei mir im Restaurant arbeiten lassen,
- 1:00:05und das funktioniert nur durch Positivbeispiele und da haben wir schon ein paar,
- 1:00:09wo wir sagen, guckt euch das doch mal an, sprecht mit den Leuten,
- 1:00:11sprecht vor allen Dingen mit den Gastronomen.
- 1:00:14Wie es gelaufen ist Und dann sagen viele, ja gut, dann probiere ich es doch auch mal aus.
- 1:00:18Auch da werden die Menschen durch uns betreut.
- 1:00:21Und das finde ich ganz wichtig, weil ja immer so ein bisschen dieses Bild skizziert
- 1:00:24wird, dass Leute sich in Armut...
- 1:00:27Sie wohlfühlen oder halt auch wohlfühlen, wenn sie staatliche Transferleistungen
- 1:00:31bekommen, also quasi Geld vom Staat bekommen und nichts machen müssen am Tag.
- 1:00:34Und wir machen in vielen Fällen, da.
- 1:00:39Wirst du genauso sehen, Hanna, dass es eben nicht so ist, dass viele Leute gerne
- 1:00:42etwas machen würden, was ihr Leben ausfüllt, gerne produktiv sein würden,
- 1:00:47gerne was machen würden am Tag aus ihrem Leben und auch gerne rauskommen würden,
- 1:00:51zu einem Amt, wo sie sich immer rechtfertigen müssen.
- 1:00:53Das ist gar nicht so. Ja, das glaube ich. Ist das auch, also du nickst natürlich
- 1:00:57die ganze Zeit, also fallen dir da auch direkt Situationen ein.
- 1:01:01Also du bist ja einfach direkt mit dabei und ich kann mir vorstellen,
- 1:01:05dass das ja herausfordernd ist, aber wahrscheinlich auch in sehr schönen Momenten münden kann.
- 1:01:10Ja, und unglaublich schönen Momenten. Also jetzt für mich alleine,
- 1:01:13wenn ich dann auch mal in diese Kartine gehen darf und dann mal mittags was
- 1:01:17esse und danach quatsche ich mit einer Klientin und dann überlege ich,
- 1:01:19boah, wie habe ich diese Person kennengelernt?
- 1:01:21Und ich mache das jetzt, wie gesagt, drei Jahre. Das ist einerseits,
- 1:01:25wenn man auf die Zeit dieses Vereins guckt, relativ viel und zeitlich überhaupt nicht viel.
- 1:01:29Und ich habe ganz viel die Erfahrung gemacht, dass einfach Leuten was zutrauen.
- 1:01:34Vielleicht auch selber den Mut zu haben und zu sagen, ich traue dir zu,
- 1:01:37dass du das hinkriegst und das mal ausprobierst.
- 1:01:40Und das ist total super. Wir haben immer wieder andere Menschen auch von außen,
- 1:01:45die sagen, okay, ich mache da mit.
- 1:01:46Ich biete euch eine Wohnung an oder ich biete dir einen Job an,
- 1:01:50weil ich traue und vertraue dir auch, dass du hier deinen Weg gehen wirst. Und das ist super.
- 1:01:56Du merkst vielleicht, das Hauptthema, was bei uns so ist, ist sowas Solidarisches.
- 1:02:03Also jetzt nehmen wir ja in den letzten Jahren in vielen Fall so Spaltung wahr
- 1:02:07und den Ausschuss von bestimmten Gruppen und es gibt ja auch,
- 1:02:10bestimmte Parteien, die das sehr featuren, genau das zu sagen,
- 1:02:13ja, die müssen weg oder mit denen kann man gar nicht oder die muss man in Lager
- 1:02:17sperren und wir sagen, es funktioniert genau andersrum,
- 1:02:20indem man Menschen befähigt, miteinander ins Gespräch zu kommen, sich was zuzutrauen.
- 1:02:25Und das macht eine Gesellschaft aus. Und das finde ich immer wirklich faszinierend
- 1:02:30vielleicht für diese Stadt, dass es so gut funktioniert, dass so viele Menschen
- 1:02:34da bei Housing First zusammenarbeiten und deshalb auch die guten Erfolge erzielen.
- 1:02:38Ja, genau. Ich sitze hier auch die ganze Zeit mit meinem Kopf und nicke und
- 1:02:42nicke und möchte aufspringen.
- 1:02:45Weil, was du schon sagst, also dieses mit dem Zutrauen, das ist ja...
- 1:02:49Also generell, also auch was du jetzt gerade wieder so ein bisschen dann reingeholt
- 1:02:52hast, also sich was zutrauen und auch dem Gegenüber in jeder Hinsicht was zu
- 1:02:56trauen, ist ja eigentlich, finde ich, erstmal immer der erstmal gut zu wellende Weg.
- 1:03:02Und dann kann man ja auf dem Weg, wenn was passiert, immer nochmal drüber sprechen
- 1:03:05oder wie du auch sagst, Rückfälle.
- 1:03:07Ich habe mal gelernt, man kann auch einfach sagen, es ist ein Vorfall und kein Rückfall.
- 1:03:11Also einfach, weil man ja auch aus so einer Situation vielleicht was mitnimmt
- 1:03:17oder da nochmal neue Weichen stellen kann und so.
- 1:03:20Wir sagen immer, wenn dann jemand vor uns steht und dann einen Rückfall,
- 1:03:25Vorfall und wie auch immer hatte, sagen, es ist wie eine Krankheit,
- 1:03:28die ist jetzt einfach nochmal ausgebrochen und jetzt können wir nicht die Entgiftung
- 1:03:32fahren und dann kriegen wir das schon zusammen hin.
- 1:03:35Also, dass man den Menschen das Vertrauen gibt, zu sagen, wir schaffen das schon zusammen.
- 1:03:39Es ist einfach so, wenn nicht eine andere Krankheit krebs, kann auch wieder
- 1:03:43ausbrechen. Man muss es einfach als Krankheit sehen und nicht als persönliches Versagen.
- 1:03:47Ich glaube, wir leben in einer Gesellschaft, wo man viel für Sucht anfangen
- 1:03:52kann, ob das beim Handy anfängt, über andere Sachen. Es ist einfach so.
- 1:03:56Und ich glaube, man sollte das nicht verurteilen, sondern immer Exit-Strategien
- 1:04:00entwickeln zu sagen, wir kommen da irgendwie raus mit Unterstützung und nicht
- 1:04:04Leute abstempeln, weil sie da mal gelandet sind.
- 1:04:06Und wir erleben das ja so oft. Du musst dir ja vorstellen, wir treffen zum Teil
- 1:04:10Leute, die 20 Jahre lang auf der Straße waren.
- 1:04:13Also da, mein Gott, da habe ich zwei Kinder großgezogen. irgendwie ich weiß
- 1:04:16nicht wo ich im urlaub war und so also ich.
- 1:04:19Leute so viele jahre so begleitet oder sieht und dann auf einmal sieht dass
- 1:04:23die eigene wohnung sind also da habe ich manchmal auch noch tränen in den augen und sagt krass,
- 1:04:28wie sehr man doch der lebenswege auch verändern kann indem man den chance gibt
- 1:04:33ja zutrauen und vertrauen sind ja das ist,
- 1:04:37Das fühle ich sehr. Ich bin gerade auch sehr gerügt. Vielen Dank für das Gespräch.
- 1:04:44Ich hätte eigentlich so gerne noch gefragt, ob es irgendeine Art Alltag gibt,
- 1:04:48weil natürlich auch irgendwie Administratives dahinter steckt und so.
- 1:04:51Vielleicht ist das ein guter Rausgeher im wahrsten Sinne des Wortes,
- 1:04:57weil ich werde ja demnächst auch hier wieder rausgehen.
- 1:04:59Wenn ich jetzt gehe, wir haben Montag, die Woche liegt vor uns,
- 1:05:02vor dir, vor euch in einem Job, wo so viel passiert, weil einfach auch so viel
- 1:05:06Mensch dabei ist. Gibt es trotzdem eine Art Alltag oder ist es, ja?
- 1:05:13Ich glaube, das Spannende daran ist, dass es in dem Sinne vielleicht nicht unbedingt
- 1:05:16einen Alltag gibt, aber es gibt so ein paar Sachen, auf die man doch vertrauen kann.
- 1:05:21Das ist zum einen, dass ich, oder ich, genau, ich habe hier ein ganz,
- 1:05:24ganz tolles Team oder wir haben hier einfach ein ganz tolles Team,
- 1:05:27auf das kann man vertrauen. Das heißt, es gibt so ein paar Mechanismen,
- 1:05:30auf die man sich immer verlassen kann.
- 1:05:32Und genau, natürlich gibt es so ein, zwei Termine, die man sich so setzt,
- 1:05:35dass man mal ein Team hat. Aber sonst ist jeder Tag anders.
- 1:05:39Und das ist aber auch schön. Ja, das kann ich mir vorstellen.
- 1:05:42Und das kenne ich aus meinem Job ja auch deswegen. Ja, weil eigentlich erfahren
- 1:05:46wir das, auch wenn wir in einem Bereich arbeiten, der halt sehr durch Armut geprägt ist.
- 1:05:51Und natürlich sterben auch Menschen jetzt nicht mehr so viel.
- 1:05:53Aber natürlich haben wir halt auch viele Menschen, die halt aufgrund der langen
- 1:05:59Geschichte auf der Straße Suchterkrankungen es halt nicht schaffen und dann
- 1:06:02halt mit Ende 30, Anfang 40 einfach sterben, was für uns mal besonders schlimm ist,
- 1:06:08also auch jetzt die eine Wohnung bekommen haben.
- 1:06:11Und das trifft uns natürlich immer enorm, wenn wir gedacht haben,
- 1:06:13jetzt geht es eigentlich weiter.
- 1:06:15Also es ist schon ein Bereich, der emotional sehr belastet ist.
- 1:06:19Du musst dir vielleicht vorstellen, am Tag müssen wir immer so die größtmögliche
- 1:06:23professionelle Distanz und die
- 1:06:25größtmögliche Empathie in einer Person so zusammenbringen über Stunden.
- 1:06:29Das ist es halt. Und ich gebe Hannah recht, wir sind ein super Team,
- 1:06:32die das machen und bestärken uns da drin.
- 1:06:35Und aber ich sage immer neuer Tag, neues Spiel, neues Glück für alle,
- 1:06:41und manchmal passieren echt faszinierende Dinge und manchmal passieren auch
- 1:06:44viele traurige Dinge und man sagt, das kann doch nicht wahr sein warum hat der
- 1:06:48denn jetzt einen Rückfall gebaut, warum ist das denn so, warum bekommen das Leute nicht hin,
- 1:06:52und muss dann immer sagen, okay gut, wir sind halt da, wir sind ansprechbar,
- 1:06:56wir bleiben da, egal wie hart es wird und egal wie gut es wird.
- 1:07:02Und das sind die Tage, die einen prägen, ich sage mal das macht bei mir nach
- 1:07:0624 Jahren immer noch, wo ich sage, ja, du hast jeden Tag die Chance, was zu verändern.
- 1:07:10Ja, ich verstehe. Also auch Zutrauen und Vertrauen. Ja, im Endeffekt läuft es
- 1:07:14darauf hinaus. In die andere Richtung, ja.
- 1:07:16Und dass Dinge veränderbar sind. Ja. Ja.
- 1:07:20Das ist ein sehr schönes Schlusswort, deswegen würde ich jetzt an dieser Stelle
- 1:07:24hier mich sehr herzlich bedanken für das wirklich sehr offene und,
- 1:07:32bestimmt auch nicht nur für mich in vielen Hinsicht nochmal neue Perspektiven
- 1:07:37bringende und klarheitbringende Gespräch.
- 1:07:39Und ja, in dieser Stadt vor allem sieht man sich ja immer mindestens viermal
- 1:07:45oder fünfmal, darum sage ich bis zum nächsten Mal. Tschüss. Dankeschön.
- 1:07:50Das war der Rheinpegel für diese Woche. Wenn ihr uns, wenn ihr mir eine wirklich
- 1:07:54große Freude machen wollt, dann abonniert doch diesen Podcast überall,
- 1:07:57wo es ihn zu abonnieren gibt. Und wenn ihr schon dabei seid,
- 1:08:00dann bewertet ihn doch auch gleich und teilt diesen Podcast.
- 1:08:04Erzählt jemandem davon, der oder die Düsseldorf lebt oder noch viel besser,
- 1:08:08der oder die das gefälligst bald lernen soll.
- 1:08:11Mein Name ist Tosja Kormann. Ich danke euch fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal. Tschüss.
- 1:08:20Ihr wollt diesem Podcast etwas richtig Gutes tun? Dann schreibt eine kurze Bewertung
- 1:08:24bei Apple Podcasts. Danke!