Latest / Rambo Zambo – Der Merz-Podcast / Merz und sein robustes Ego
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- Und da draußen in der Öffentlichkeit der Wählerinnen und Wähler kommt an, die schaffen das schon wieder nicht. Die schaffen es schon wieder nicht, ihre Migrationspolitik durchzuziehen. Die schaffen es schon wieder nicht, diese Asylwende hinzukriegen. Das kommt an. Und ich glaube, dann ist dieser Reflex bei den Unionspolitikern, oh Gott, oh Gott, unser Gewinnerthema, mit dem wir versuchen, die nächsten Wahlen zu winnen, mit dem wir versuchen, die AfD klein zu halten, mit dem wir versuchen, den Leuten einen handlungsfähigen Staat zu zeigen, das kippt hier gerade durch so eine Wadefuhläußerung. Wir haben diese Bundestagswahl 2025 gewonnen. Jetzt darf auch mal Rambo Zambo im Adler. Das ist Rambo Zambo, der März-Podcast. Das Format, das ihr vielleicht nie wolltet, aber jetzt braucht. Mit euren Hosts Carlotta Richter und Julia Emrich. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Rambo Zambo, dem Podcast, in dem wir immer einmal in der Woche über unsere Bundesregierung und vor allen Dingen über unseren Bundeskanzler Friedrich Merz sprechen. Das Schönste an dieser Folge ist, dass du wieder da bist, Julia. Vielen Dank. Und wir heute zusammen über Merz sprechen können. Und wir können ja vielleicht mal mit einer netten Nachricht anfangen. Kommende Woche hat Friedrich Merz Geburtstag. Elfter, Elfter. 11.11. Übrigens am selben Tag wie auch sein bester Freund im Kabinett habe ich jetzt gesehen. Kulturstaatsminister Wolfram Weimar hat auch am 11.11. Und wir hatten Wolfram Weimar in einem anderen Gespräch mal gefragt, was eigentlich die Basis für die Freundschaft zwischen den beiden ist. Und dann druckst du er so rum und sagst, ja man weiß ja immer eigentlich nie so, warum man eigentlich am Ende befreundet und so weiter. Ich weiß es jetzt, sie haben am selben Tag Geburtstag, sie sind beides Kopion. Wie schön, dann können sie zusammen feiern. Es wurde ja im Vorfeld schon sehr viel darüber diskutiert, ob denn Angela Merkel zu seiner Feier kommen wird. Wird sie nicht. Jetzt wissen wir aber immerhin, dass sie ihm trotzdem gratulieren wird. Genau. Wir haben mal das Büro von Merkel gefragt, was sie plant. Also ob sie ein Geschenk vorbereitet oder Merkel war ja berühmt dafür, dass sie mit allen immer per SMS kommuniziert hat. Also eine SMS wäre vielleicht auch eine Option gewesen. Lieber Friedrich und noch 23 Emojis, über die wir jetzt mal in Ruhe reden können, welche das wären. Nein, tatsächlich hat das Büro geantwortet und gesagt, sie werde handschriftlich antworten. Wir stellen uns jetzt eine Karte oder einen Brief. Ich finde, das lässt viel Raum für Interpretationen, wie handschriftlich aussehen kann. Wann hast du das letzte Mal jemandem handschriftlich gratuliert? Bei Geburtstagen mache ich das schon mal. Ich mache auch schon eine Karte. Ja, vielleicht nimmt Merkel auch eine Karte, vielleicht schreibt sie einen Brief. Vielleicht hat sie ganz viel zu sagen. Oder nur so ein Post-it. Ja, kann der auch sein. M-Punkt. Hab einen schönen Tag. Alles Gute. Jedenfalls ist das Tischtuch zwischen den beiden nicht so zerschnitten, dass sie sowas auch nicht mehr machen würde. Nein, aber das Verhältnis ist natürlich krass angespannt. Das stimmt schon. Aber auch da weiß natürlich die Bundeskanzlerin ade, was sich gehört. Und dann gibt es eine schriftliche Gratulation. Leider hat sie uns nicht gesagt, was sie schreibt. Wir werden es vielleicht erfahren dann kommende Woche am 11.11. Julia, du warst letzte Woche nicht da, weil du mit Merz unterwegs warst, nämlich in der Türkei. Da war er bei seinem Antrittsbesuch beim türkischen Präsidenten Erdogan. Wie ist es da für ihn gelaufen? Also ganz gut. Ich zögere deshalb, weil es gab mehrere Ebenen bei diesem Besuch und die Ebene persönlich und klimatisch, die war ganz gut. Interessanterweise war er nicht alleine, sondern er hatte seine Frau dabei, was in seiner gesamten Kanzlerschaft bei Auslandsreisen überhaupt das dritte Mal erst war. Also sie war dabei, als Mertz bei der Inauguration des neuen Papstes in Rom war. Sie war beim G7-Gipfel in Kanada dabei. Darüber haben wir damals auch gemeinsam gesprochen und sie war jetzt wieder dabei. Das ist insofern ungewöhnlich, weil er ja ganz viele diese bilateralen Antrittsbesuche gemacht hat und da hatte sie nicht dabei. Und man könnte meinen, Macron oder so, also seine Buddies in Europa, da nimmt er die Frau mit. Nein, nein, das hat er alleine gemacht. Der Hintergrund ist, oder es gibt zwei Gründe. Es gab im Frühjahr eine Runde am Rande des NATO-Gipfels. Da hat Emine Erdogan, also die Ehefrau des türkischen Staatspräsidenten beim Bankett am niederländischen Königshof, hat wohl bei Merz gesessen. Man hat sie unterhalten und da hat sie diese Einladung ausgesprochen, bringen sie doch ihre Frau mit und dann hat das funktioniert und ich glaube, dass Merz auch deshalb froh war, dass es diese Einladung gab, dass Charlotte Zeit hatte, dass sie mitgekommen ist, weil…. In so einem etwas heiklen Verhältnis, wie es ja zur Türkei und vor allem zu einem sehr autoritär operierenden Staatspräsidenten, wie jetzt im Fall von Erdogan der Fall, natürlich ganz gut sein kann, für ein ganz gutes, günstiges Klima erstmal zu sorgen. Erdogan ist auch ein Familienmensch, für den ist so eine Geste, wie ich bringe irgendwie meine Frau mit, ist schon mal ein Signal. Und nach allem, was wir nachher wissen und was Merz auch im Anschluss auf dem Rückflug so erzählt hat, ist das aufgegangen. Also es war atmosphärisch in Ordnung, es war freundlich. Die beiden Frauen haben dann auch Zeit miteinander verbracht. Das hat manches abgepuffert, denn es gab auch Konflikte. Und die Konflikte sind hart und klar. Merz hat sie sehr diplomatisch, sehr vorsichtig benannt, um nicht Porzellan zu zerschlagen beim Antrittsbesuch. Aber natürlich, es geht um sehr unterschiedliche Positionen in Nahost. Erdogan ist israelfeindlich, das kann man glaube ich ganz klar so sagen. Die Bundesregierung hat eine ganz andere Position. Und es geht natürlich auch um das Thema Rechtsstaatlichkeit in der Türkei, Menschenrechte. Die Frage, wie dort die Demokratie systematisch gerade bedrängt wird. Das hat Merz vorsichtig angesprochen. Interessanterweise im Zusammenhang mit, wenn ihr in die EU wollt, habt ihr da noch einen weiten Weg zu gehen. Und auch in dieser Klarheit, wie er das dann am Ende gesagt hat. War das, deine Frage, war es jetzt eigentlich gut oder schlecht. Das war schon nicht ganz unkonfrontativ. Aber nicht so, dass der Besuch jetzt irgendwie, Eskaliert wäre, sondern es ist eingepreist. Man weiß, dass die beiden Länder da sehr unterschiedliche Positionen haben. Während Merz sehr viel unterwegs war, auch diese Woche wieder unterwegs sein wird, er wird heute wieder aufbrechen nach Brasilien, ist in Deutschland erneut eine Debatte im Land entbrannt, die ausgelöst wurde durch eine Äußerung von Bundesaußenminister Wadefohl. Der war letzte Woche in Syrien und die Videos von da sind tatsächlich auch viral gegangen. Er war mit einer Delegation in Vororten von Damaskus in einem sehr zerstörten Teil von Syrien. Er war schwer berührt und schwer beeindruckt davon und hat eben auch gesagt, dass er sich nicht vorstellen kann, dass in diesem Ort, in dieses Syrien, also wie es sich ihm da darstellte und da muss man glaube ich auf die Wortwahl wirklich achten, kurzfristig eine große Zahl syrischer Flüchtlinge freiwillig zurückkehren kann. Und ich glaube, es ist einfach eine sehr realistische Einschätzung der Lage. Aber diese Worte sind in Deutschland, vor allem in der Unionsfraktion, als absolut problematisch aufgenommen worden. Genau und jetzt hat sich quasi daraus aus dieser Äußerung, die er getätigt hat in Syrien, quasi noch unter dem Einfluss von seinem Besuch, dem was er da gesehen hat, hat sich jetzt eine Debatte entfaltet, in der es vor allen Dingen darum geht, wie denn jetzt eigentlich, wie und ob denn jetzt eigentlich die Syrerinnen und Syrer, die in Deutschland sind, zurück nach Syrien gehen wollen oder eben auch sollten. Genau, wir reden von knappen Millionen von Menschen mit syrischer Herkunft, die aktuell bei uns leben. Und auch da, darüber haben wir schon in dieser Runde so oft geredet, tut ein bisschen Differenzierung gut. Und wenn man sich diese Millionen anguckt, klingt das wie, oh Gott, oh Gott, oh Gott, so viele und wann gehen die endlich zurück? Und der Wadefuhl sagt, das können wir gar nicht und schon ist die Debatte da. Aber auch da, wenn man es sich genauer anschaut, kommt man zu einem viel differenzierteren und viel ruhig pulsigeren Blick. Ein großer Teil ist hier sehr gut integriert. Ist sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Es gibt einen kleinen Teil von Menschen, die sich weder integriert haben, noch sich an unsere Regeln halten, sondern sogar straffällig geworden sind. Da geht es um konkrete Abschiebungen, die jetzt schon möglich sind. Dagegen hat Wadepfuhl nichts gesagt. Das will er, da sind sich alle einig. Und dann gibt es eben eine Gruppe und ich glaube, das ist eigentlich die heikle oder die problematische Gruppe. Diejenigen, die sich hier bislang, auch obwohl sie seit Jahren hier sind, nicht integrieren haben, nicht integrieren konnten, nicht integrieren wollten, die natürlich jetzt bei diesen ganzen Überlegungen, Rückführung, Bürgerkrieg ist zu Ende, Land sollte auch wieder aufgebaut werden, natürlich auch von Syrern selber, die plötzlich in den Fokus geraten. Banal gesagt, was muss passieren, damit diese Menschen wieder zurückgehen können, wollen, möglichst ohne große Konflikte. Und an der Stelle die. Diese Debatte, wie da eine Hitze bekommen, die Richtung, die sollen jetzt sofort. Und wie kann der Wartefuhl nur sagen, das ist nicht möglich? Beziehungsweise auf gar keinen Fall, weil die können da doch noch nicht hin. Also es ist total polarisiert, es wird vermischt und ein kluger Blick auf diese Gruppe. Was brauchen die, damit die gehen können? Welche Best-Practice-Modelle in anderen Ländern gibt es, um diese Menschen wieder zurück zu bringen? Lass uns nochmal ganz kurz so ein bisschen auf die Chronologie der Ereignisse schauen, weil ich frage mich schon, wie es jetzt eigentlich passiert ist, dass in dieser Debatte, in der eigentlich alle gar nicht weit auseinander sind, es trotzdem so eine Eskalation gab. Ich glaube, dass Wadephuls Worte bei manchem Unionspolitiker einen Reflex ausgelöst haben und der Reflex lautet, oh Gott, oh Gott, oh Gott, jetzt tickt einer das Thema, vielleicht schaffen wir das nicht in dem Maße, in dem Tempo, wie wir das wollen mit den Abschiebungen, tickt dieses Thema an. Und da draußen in der Öffentlichkeit der Wählerinnen und Wähler kommt an, die schaffen das schon wieder nicht. Die schaffen es schon wieder nicht, ihre Migrationspolitik durchzuziehen. Die schaffen es schon wieder nicht, diese Asylwende hinzukriegen. Das kommt an. Und ich glaube, dann ist dieser Reflex bei den Unionspolitikern, oh Gott, oh Gott. Unser Gewinnerthema, mit dem wir versuchen, die nächsten Wahlen zu winnen, mit dem wir versuchen, die AfD klein zu halten, mit dem wir versuchen, den Leuten einen handlungsfähigen Staat zu zeigen, das kippt hier gerade durch so eine Wadephul-Äußerung. Er hat es nicht gemeint, er hat es nicht gesagt und so weiter. Aber so sind dann die Reflexe. Und dann gehen die steil und sagen, ach du Scheiße, das darf so nicht in der Welt bleiben. Also müssen wir ganz klar sagen, Wadephul ist das Problem. Und wir bleiben auf unserem Kurs und er ist nach wie vor hart und konsequent und so weiter. Solche Reflexe wirken immer dann, wenn die emotionale Grundlage problematisch ist und die ist bei der Union im Moment problematisch. Die haben einfach Angst. Die haben im Moment wahnsinnige Angst davor, dass sie den Trend nicht mehr gedreht kriegen. Dass die Union weiter schrumpft, dass die weiter steigt und dass bei den Landtagswahlen im nächsten Jahr sie es nicht hinkriegen, sich als eine handlungsfähige, in der Migrationspolitik erfolgreiche Partei, wirklich auch beim Wähler sichtbar zu machen. Und diese Angst triggert dann in solchen Situationen. Wir hatten vergangene Woche diese Äußerung von Wadephul. Es hat sich dann so über das Wochenende die Debatte entspannt. Es haben sich immer mehr Menschen aus der Union zu Wort gemeldet. Dann gab es andere Wortmeldungen. Und dann hat sich am Montag auch der Kanzler dazu geäußert, sah sich wahrscheinlich irgendwie jetzt dann doch, er sah die Notwendigkeit, sich jetzt doch dazu zu äußern, ein Machtwort zu sprechen, irgendwie die Debatte so ein bisschen einzufangen. Ich weiß nicht, ob er die Debatte wirklich eingefangen hat mit seiner Äußerung oder ob er sie nicht eigentlich weiter angefacht hat. Ja, ja. Also Merz hat klar gesagt, der Krieg ist zu Ende, wir können abschieben. Er hat im Grunde einfach so mehr oder weniger Rechtslage referiert und nochmal die grundsätzliche Position klargestellt, von der Wadephul nicht abgewichen ist. Also das muss man immer nochmal sagen. Wadephul hat nicht gesagt, wir können nicht abschieben. Er hat nur gesagt, ich glaube nicht, dass freiwillig sehr viele Leute jetzt zurückkommen. In Klammern, wir müssen etwas dafür tun, dass das Land hier schnell aufgebaut wird, damit freiwillig viele Menschen zurückkommen. Aber egal. Tag drauf ist dann Fraktionssitzung, Wadefuhl kommt, erklärt sich nochmal. Und auch da merkt man wieder, einzelne Worte von Wadephul, einzelne Begriffe, einzelne Bilder werden eskaliert. Wadephul hat natürlich sich nochmal verteidigt, auch nochmal seine Position und auch seine unmittelbare Berührtheit vor Ort nochmal schildern wollen und hat dann, das ist dann wieder hochgezogen worden, einen Vergleich gebracht, der, kann man drüber streiten, ob der klug war, kann man drüber streiten, ob der zutreffend ist. Dass in Syrien, sehe es an manchen Orten eben jetzt schlimmer aus als Deutschland 1945. Er will damit natürlich sagen, man kann nicht an jede Stelle in Syrien jetzt sofort. Glauben, dass da ganz viele Familien zurückgehen. Aber das war natürlich wieder Wasser auf die Mühlen derer. Die dachten, oh Gott, oh Gott, oh Gott, worüber wir gerade gesprochen haben, jetzt denken wir, alles geht nicht, weil nach Deutschland 45, wen willst du denn dahin abschieben? Also ging im Grunde die ganze Schleife nochmal wieder los. Diesmal auf einer höheren Ebene, weil plötzlich die Frage war, aha, der Wadephull, der begreift es irgendwie nicht, also muss der Wadephull weg. Das ist ja im Moment diese Eskalationsspirale, das plötzlich sofort um Rücktritte und Und ja, auf der persönlichen Ebene, also der Mann bringt es einfach nicht. Auch da hat sich Merz nicht persönlich über seinen Regierungssprecher, Gott sei Dank muss man sagen, hinter Wadefuhl gestellt und gesagt, Moment, so, ich vertraue ihm und ich stehe hinter ihm. Aber man sieht eben, wie blank die Nerven liegen, wie schnell diese Triggerpunkte gedrückt werden und wie hoch das dann immer gleich eskaliert wird. Vor allen Dingen, wenn man mal in den Koalitionsvertrag schaut und sich dann die Äußerungen anschaut, dann sind ja eigentlich alle total nah beieinander. Es gehen die Äußerungen auseinander, wenn es dann darum geht, wie schnell und wie viele Menschen tatsächlich freiwillig zurückkehren wollen nach Syrien oder auch können. Aber abgesehen davon ist man sich ja eigentlich einig, dass das, was im Koalitionsvertrag steht, nämlich nach Syrien und Afghanistan werden wir abschieben, beginnen mit Straftättern und Gefährdern. Das haben alle ja nochmal bestätigt. Also eigentlich hat man eine gemeinsame Linie. Aber nach außen hin wirkt das gerade schon wieder nach genau dem Gegenteil. Ja und das ist so bitter, jetzt mal mit einem Schritt zurücktreten. Man guckt darauf und denkt, ihr seid euch weder wirklich, also es gibt eigentlich keine echte Kontroverse. Niemand hat den Koalitionsvertrag infrage gestellt. Jemand hat einfach aus einer Situation heraus seine Berührtheit und seine Betroffenheit gestellt. Und man darf ja auch nicht vergessen, Wadefuhl ist ja kein Anfänger. Und wenn man Wadefuhl in den letzten Wochen und Monaten beobachtet, dann sieht man, dass er schon eine sehr kluge Einschätzung der Lage hat. Und natürlich ist es so, dass wir jetzt nicht als Deutschland da Hunderttausende motiviert kriegen, innerhalb von wenigen Wochen hinzugehen, also zurückzugehen. Das sind alles Wahrheiten. Aber diese Wahrheiten verträgt eben im Moment niemand, weil alle sofort denken, die AfD, die AfD. Statt sich souverän hinzustellen und zu erklären, welche Möglichkeiten es gibt, dass manche Dinge dauern. Das ist ja sowieso eine Sache, die viele gar nicht mehr ertragen können, dass mancher Prozess nicht von jetzt auf gleich geht. Das ist natürlich auch das Geschäftsmodell der Populisten, die sagen, ihr schafft es halt nicht, ihr seid nicht schnell genug. Aber diese Geduld, dass manche Prozesse dauern, die hat keiner mehr. Und in dieser Debatte sehen wir auch wieder, es glaubt auch keiner mehr dran und es sagt auch keiner mehr, ey Moment, jetzt sortieren wir mal. Genau, weil man muss sagen oder finde ich auch bei Märzäußerungen dann am Montag, auch er hat das nicht klar gemacht. Also er hat ja nochmal gesagt, der Bürgerkrieg ist beendet, es gibt keinerlei Grund mehr für Asyl in Deutschland, deswegen können wir auch mit Rückführungen beginnen. Und dann hat er nochmal gesagt, ja er gehe davon aus, dass ein großer Teil der syrischen Flüchtlinge freiwillig zurückkehren werde, um sich am Wiederaufbau des Landes zu beteiligen. Was jetzt ja so ein bisschen, das ist, was jetzt alle in der Union sagen, es geht um den Wiederaufbau des Landes. Und diejenigen, die sich dann in Deutschland weigern, in das Land zurückzukehren, die können wir selbstverständlich auch in naher Zukunft abschieben. Aber auch da hat er jetzt nicht wirklich klar gemacht, was eigentlich die Lage ist, so ein bisschen das gemacht, was du gerade gesagt hast. Also wirklich die Realität deutlich gemacht und den Leuten gesagt, okay, das geht alles in der Realität einfach nicht so schnell. Wir können jetzt nicht einfach sagen, wir haben fast eine Million SyrerInnen in Deutschland. Wir können nicht einfach sagen, okay und jetzt müsst ihr alle wieder gehen, sondern es ist ein Prozess. Das hätte er ja auch da deutlich machen können, aber auch da hat er einfach wieder sehr pauschal geantwortet. Ja, ich verstehe das nur auf so einer technischen Ebene, dass er natürlich vielleicht denkt, diese Differenziertheit und dieses darauf hinweisen, dass es Prozesse sind und es einen rechtsstaatlichen, dass es rechtsstaatliche Schritte gibt und so weiter, dass das…, Dass niemanden von der AfD zurückholt, dass das im rechten Lager nicht verfängt, weil da alle schnelle Antworten, einen hart reagierenden Staat sich wünschen, unmittelbare Erfolge und so weiter. Fatal ist, dass wenn er dieses Argument stark mal sagt, ich muss manche Sachen vereinfachen, ich muss den Leuten zeigen, wir handeln, wir handeln schnell und das passiert jetzt auch, ich bin nicht der Kanzler, dass er vergisst, dass er auf der anderen Seite des politischen Spektrums, also in der Mitte, in der linken Mitte, bei denen, die grundsätzlich vielleicht es richtig fänden, dass die Menschen wieder nach Syrien zurückgehen. Vielleicht auch genau deshalb, weil Syrien braucht Menschen, die aufbauen, die diesen Staat, diese sehr, sehr im Moment noch sehr fragile neue Zeit sozusagen stabilisieren. Also dass all die, die dem grundsätzlich offen gegenüber sind. Dass die natürlich durch diese ganze Rhetorik wiederum verschreckt werden und schreiend von der Union davonlaufen, weil sie sagen, was macht ihr denn da? Warum fahrt ihr jetzt so über diesen Wadefuhl her, der doch einfach nur gesagt hat, das ist hier verdammt hart und wir müssen möglicherweise Syrien noch ganz anders helfen, damit die Leute hierher kommen. Kann man ja auch mal positiv sehen. Also wir erkennen da an, das ist sehr schwierig, jetzt lass uns die Bedingungen verbessern. Interessant ist ja auch, dass sich sogar, was selten vorkommt, der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, SPD, eingemischt hat, was er eigentlich gar nicht macht normalerweise. Und auch nochmal gesagt hat, warum können wir nicht diesem unmittelbaren Vor-Ort-Eindruck von Wartepunkt einfach erstmal Respekt zollen und dem Raum geben und das als sehr menschliche Regung anerkennen? Es wird sofort politisiert, aha, der will wohl nicht mehr abschieben. Quatsch. Ich frage mich, wie wir aus dieser ganzen Situation rauskommen, weil aktuell entbrennt an jeder kleinen Äußerung eine große Diskussion im ganzen Land. Es passiert ja immer wieder. Es sind kleine Dinge, die zu riesengroßen Debatten führen, in denen es am Ende nicht um die Sache geht, in denen am Ende nicht differenziert diskutiert wird, sondern vereinfacht. Und es geht dann immer gleich ums große Ganze und es passiert ja immer wieder, es wiederholt sich ja immer wieder in dieser Regierung. Und du hast es schon gesagt, es zeigt, wie angespannt die Stimmung ist, wie ängstlich alle sind, wie sehr man auch irgendwie unter Druck ist. Aber es führt ja zu nichts. Es führt ja nicht dazu, dass die Leute auf diese Regierung gucken und sagen, ah ja, jetzt sind sie total gut, jetzt handeln sie total gut oder jetzt haben sie irgendwie die Lage im Griff, sondern eher im Gegenteil. Also wie kommt man da wieder raus und in dieses, man zeigt einfach Handeln durch Handeln und nicht immer darüber, dass man über etwas diskutiert und sich dann ins Hundertfache und Tausendfache verheddert und irgendwie in einer riesengroßen Debatte hängt. Also ich finde, das ist die zentrale Frage, die du stellst, Carlotta. Und ich glaube... Dass je sicherer du dich fühlst, je souveräner du bist, je weniger Angst du hast, desto ruhiger kannst du reagieren und desto ruhiger kannst du auf solche flackernden Trigger-Geschichten wie, huch, jetzt hat er das gesagt und was machen wir damit und ist das jetzt ein großes Drama und jetzt müssen wir reagieren, desto ruhiger kannst du sagen, machen wir nicht. Wir haben eben schon über diese grundsätzliche Angst in der Union, aber auch in der SPD, die Umfragen sind mies, das geht in den Keller, die AfD Anteportas, also darüber haben wir schon gesprochen. In der Unionsfraktion darf man auch nicht vergessen, da hat auch jeder Einzelne Angst. Denn jeder Einzelne muss sich ja fragen im Moment, wird er wiedergewählt? Das sind sehr viele junge Abgeordnete, die zum ersten Mal drin sind. Hat er nochmal eine Chance oder ist das ein einmaliger Auftritt, den er da jetzt hat? Das heißt, da sind auch viele, glaube ich, persönliche Momente, wo die Leute sagen, ich habe jetzt diese eine Chance und wenn ich A, nicht sichtbar bin und wenn ich B, nicht dafür sorge, dass das hier in die richtige Richtung geht, ob das klug ist, so wie sie es machen oder nicht, da ist ein... Eine doppelte Angst, sozusagen. Also die grundsätzliche gesellschaftliche Angst, aber auch die ganz konkret persönliche Angst. Und all das spielt eine Rolle. Die Unionsfraktion ist nicht mehr die Kanzlermachtmaschine, wie Merkel sie hatte. Und das merkt Merz gerade, glaube ich, ganz deutlich. Aber sie haben auch nicht die Strategie, wie sie das wieder verändern wollen. Zumindest keine einheitliche Strategie. Ja, weil alles im Moment im Grunde nur Wunschdenken wäre. Lasst uns souveräner sein, lasst uns ruhiger durch diese Phasen durchgehen. Das ist im Moment immer appellativ, aber es fühlt sich halt gerade nicht so an. Und ich sage dir, das ist die ganz bittere Prognose, sollten die Landtagswahlen im nächsten Jahr Baden-Württemberg und dann spätestens Sachsen-Anhalt für die Union so heikel, so schwierig werden, wie das im Moment sich zumindest als eine der Varianten andeutet, dann wird sich das möglicherweise sogar noch verschärfen. Das wird ja nicht besser werden. Das ist meine ganz große Sorge gerade. Kann dann auch ein Friedrich Merz irgendwann nicht mehr sich so von der Schulter putzen. Würdest du denn sagen, das ist tatsächlich so? Also macht das alles was mit Friedrich Merz? Oder steht er da so ein bisschen über den Dingen? Also diesen Eindruck hat man von außen immer so ein bisschen, dass ihm das alles, diese Umfragewerte, diese Debatten. Ja, total, ich weiß, was du meinst. Dass ihn das alles jetzt nicht so persönlich irgendwie mitnimmt, dass er da, also dass er immer so ein bisschen über den Dingen steht persönlich, würdest du sagen, das stimmt? Das ist eine ganz interessante Frage. Ich habe mich das jetzt auch, vor allem jetzt so mit Blick auf, wir hatten es in der letzten Folge schon mal drüber gesprochen. Ich frage mich schon, wie es dem eigentlich wirklich geht bei all dem. Und wie du schon sagst, mein Eindruck ist tatsächlich eines relativ gelassenen, relativ unbeeindruckten Kanzlers. Nun kannst du sagen, das ist natürlich auch das Bild, das er vermitteln will. Selbst wenn er innerlich total zusammenbrechen würde und vor Angst zittern würde, könnte er nach außen so den mega relaxten geben. Ich glaube aber, da ist was dran und ich glaube, das spielt er nicht komplett. Es wird auch Momente geben, wo er sich zusammenreißt und sagt, ich muss jetzt mal hier. Aber ich glaube, der ist schon sehr resistent gegen sowas und ich glaube. Dass es verschiedene Erklärungen auch dafür gibt, warum er doch eine relative Teflon-Schicht hat oder wie du es auch nennen willst, eine Robustheit oder Widerstandsfähigkeit hat. Und was ist deine Erklärung? Ich wacke mich jetzt relativ weit da mal raus, aber ich glaube, es gibt mehrere tatsächlich. Und ich glaube, dass, körperliche Widerstandsfähigkeit nicht unwichtig ist. Also wenn du fit bist, wenn du gesund bist, wenn du Energie hast, kannst du viel leichter auch mal was, was dich von außen irgendwie triggert oder so abhalten. Und ich glaube, der hat schon eine beeindruckende Physis. Klar, also wenn du guckst, seine Eltern sind irgendwie, sein Vater ist über 100, seine Mutter ist knapp. Also die haben eine Lebensenergie, die wirklich sehr lange und sehr intensiv hält. Ich denke, das haben sie ihm vererbt. Also er hat gute Gene, glaube ich. Er hat natürlich, wenn du ihn, ich habe ihn jetzt erlebt, wie er neben Erdogan hergeht. Die sind gleich alt. Also Erdogan ist 71, er wird 70. Und Erdogan ist ein alter Herr. Der geht so ein bisschen vorsichtig, steif in den Knien, steif in der Hüfte, ist sehr blass und so weiter. Und da siehst du unseren Kanzler daneben auf seinen langen Beinen, daher schlendern. Der muss sein Gesicht nur mal fünf Minuten in die Sonne halten, dann ist er braun. Also der sieht immer vitaler aus, als er es vielleicht wirklich ist. Aber der macht so eine gewisse, immer noch so eine jugendliche Fitness oder hat so eine jugendliche Fitness, die er ausstrahlt. Und dann gibt es, wenn du nach Gründen fragst, bei Merz einen ganz harten Faktor. Und ich glaube, diese Rollen, die er im Privaten hat, der ist ein Familienmensch, der ist Großvater, der ist Vater, der hat eine große Familie. Ich glaube, der hat so Resilienzmomente darüber, dass er auch ein anderes Leben hat und auch lange ein anderes Leben hatte. Der ist nicht so ein Politiker-Politiker immer gewesen und hat nichts anderes und misst alles daran, sondern ich glaube, der hat so Rückzugsräume und ich glaube, dass seine Familie eine Rolle spielt, wo er Support und wo er Anerkennung und wo er, du bist prima und so weiter, in einem großen Maße schon mal hat. Das muss der sich nicht unbedingt dann auch noch in der Politik holen, wie vielleicht andere, die immer so, hey, werde ich noch geliebt von den Wählern oder nicht haben. Ich glaube, der hat da schon mal so, das Glas ist da schon mal halb voll und dann kann man es vielleicht noch ganz voll machen, aber der hat eine Basis. Ich glaube, das spielt eine Rolle. Und das ist genau den dritten Grund, glaube ich. Kannst du den auch noch sagen? Ich glaube, dass den Job, den er jetzt macht, das war sein Traumjob. Den wollte er sein ganzes Leben haben. Er ist jetzt Kanzler. Er hat sich ganz am Ende gegen seine Lieblingskonkurrentin Angela Merkel jetzt nicht durchgesetzt in dem Sinne, aber er ist das geworden, was sie immer verhindern wollte. Er ist jetzt Kanzler. Und ich glaube, ich will ihm das jetzt nicht unterstellen, aber dass er jeden Morgen in den Spiegel guckt und sagt so, ja. Ja, er braucht auf jeden Fall auch einiges an Resilienz oder er muss einiges an Resilienz gehabt haben, um überhaupt an diesem Punkt gekommen zu sein, an dem er jetzt ist. Definitiv, es sah nicht immer danach aus. Genau, wenn er nicht so resilient gewesen wäre, hätte er es wahrscheinlich auch nie geschafft. Er braucht wahrscheinlich auch einiges an Resilienz in den nächsten Jahren. Ja. Julia, hast du noch eine Zahl für uns diese Woche? Ja, ich habe eine Zahl. Ich habe eine Zahl und die ist leider total bitter. Ich hoffe, dass du eine ganz positive hast gleich, damit unsere Laune nicht hier. Die Zahl ist 18,2 und das ist, es gab jetzt eine neue Umfrage, 18,2, also du kannst sagen…. Fast 20 Prozent der Menschen in Deutschland vertrauen nicht mehr in demokratische Wahlen. Das ist eine neue Umfrage der Friedrich-Ebert-Stiftung, die das immer mal wieder misst. Und die haben jetzt festgestellt, von einem Zeitpunkt vor vier Jahren, dass sich dieser Wert krass verschlechtert hat. Also ist, glaube ich, mehr als das Doppelte gewachsen. Und das bedeutet ja, wenn man es mal umgekehrt formuliert, dass jeder Fünfte nicht mehr an die Legitimität unserer Politik glaubt. Also wer nicht mehr an die Wahlen glaubt und nicht mehr an das demokratische Prinzip glaubt, der hat sich innerlich von dem Ganzen grundsätzlich verabschiedet. Und das finde ich maximal also besorgniserregend, vor allem vor dem Hintergrund, dass wir in dem nächsten Jahr mit sehr vielen sehr relevanten Landtagswahlen zu tun haben und dass wenn du mal durchzählst, wirklich jeder Fünfte sagt…, Ich glaube hier nicht mehr dran. Finde ich sehr besorgniserregend. Was ist deine Zahl? Meine Zahl ist 2,8. Passt gut zu deiner Zahl. 2,8 Grad, das ist nämlich der Wert, auf den die Welt laut UN-Prognose mit ihrer aktuellen Klimapolitik bis zum Ende des Jahrhunderts zusteuert. Das ist weit entfernt vom 1,5 Grad Ziel. Das 1,5 Grad Ziel könnte schon innerhalb des nächsten Jahrzehnts gerissen werden. Das sind jetzt aktuelle Zahlen, die natürlich auch deswegen passen, weil kommende Woche die Weltklimakonferenz beginnt in Brasilien. Friedrich Merz ist jetzt, wir nehmen am Donnerstag auf, heute unterwegs nach Brasilien, weil da vor dem offiziellen Start dann in der kommenden Woche Donnerstag und Freitag jetzt nochmal ein Treffen der Staats- und Regierungschefs. März wird auch eine Rede halten und dann beginnt in der kommenden Woche die Weltklimakonferenz, bei der es unter anderem auch darum gehen wird, ob es überhaupt der Welt noch gelingt und wie es der Welt gelingt, der Weltgemeinschaft sich zurück in Richtung dieses 1,5 Grad Pfades zu bewegen, bei dem wir ja sehr auf Abwägen sind und ich finde diese Zahl 2,8 Grad ist da schon sehr erschreckend. Definitiv. Das rückt alles so ein bisschen in neue Relationen. Wenn das nicht gelingt, können wir hier das Thema ein paar Syrer mehr oder weniger abschieben oder sonst wie die Dinge in der Innenpolitik werden sehr klein, wenn man den großen Rahmen sieht. Carlotta, es hat mich trotzdem sehr gefreut mit dir über alles zu reden. Ich dachte gerade, boah, es hat uns ganz schön runter. Aber ja, es ist so. Wir reden über die Realität. Vielleicht gibt es ja auch kommende Woche dann positivere Nachrichten von der Weltklimakonferenz. Ganz bestimmt. Ich bin total optimistisch jetzt. Ich freue mich drauf. Carlotta, vielen Dank und euch allen vielen Dank. Danke fürs Zuhören. Wenn ihr Themen habt, Anregungen, dann schreibt uns eine Mail an rambutzambu.at funkemedien.de oder startet unsere DMs auf Instagram auf unserem Kanal Funke News oder auf TikTok auf unserem Kanal Funke. Und vielen Dank fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal. Tschüss. Tschüss. Ein Podcast von Funke.