Latest / Die Abschweifung / Spitzen, Labels und die Psychologie dahinter
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- 0:31Hallo und willkommen zu einer neuen Ausgabe der Abschweifung. Da, wo ich gelegentlich vom
- 0:39Thema abschweife oder auch nicht. Ich bin Sascha Markmann und sage Hallo. Das heutige Thema ist
- 0:49Spitzenlabels und die Psychologie dahinter. Ich hatte ja einen Podcast gemacht unter Abschweifung
- 1:00in der es um YouTube gefiel, also wo Kritik herkommt oder wird Kritik als Mobbing bezeichnet. Dann habe
- 1:17ich einen Podcast gemacht, der aus der Gruppe der Leisenstille gekommen ist. Da ging es um
- 1:29ein Kommunikationsmuster, das Verleugnen, Angriff und die Opfertäterumkehr, das sogenannte
- 1:40davor Muster beschreibt und dazu gab es irgendwie doch harte Reaktionen und darum soll es jetzt
- 1:56gehen. Wir kennen das alle von Social Media. Es gibt Streit, es werden Labels und Drama produziert,
- 2:08Denn dem Algorithmus gefällt das ganz gut. Aber anstatt nur auf den Konflikt zu achten,
- 2:17schauen wir uns mal die Mechaniken dahinter an. Fast so, als würden wir psychologische
- 2:25Diagnose, Beurteilung, Einordnung betreiben und wie funktionieren diese Auseinandersetzungen? Also
- 2:40fangen wir erstmal damit an. Wie läuft sowas ab? Auf Instagram, YouTube oder in Shorts, in Reels,
- 2:48in Stories sehen wir immer wieder dieselben Choreografie. Jemand kritisiert jemand anderes,
- 2:57der andere reagiert ziemlich zeitnah, schon fast sofort, öffentlich und mit klaren Spitzen.
- 3:04Und schnell fallen Labels und Begriffe, die den Gegner vorab in eine Schublade packen.
- 3:11Schrottfunk, Asifunk oder ähnliche Abwertungen. Wichtig, diese Begriffe wirken wie kognitive
- 3:21Filter. Sie hören mehr oder weniger oder wer sie hört, hat schon ein Bild im Kopf,
- 3:33bevor es überhaupt um Inhalte geht. Das Ganze produziert Bilder wie "derjenige kann nichts",
- 3:43"derjenige redet eh nur Schwachsinn" oder "da ist eh nicht viel zu erwarten, da Schrott".
- 3:52Also, welche Techniken stecken dahinter? Es sind ein paar typische Mechanismen.
- 4:00Frame-Controlle. Mit einem einzigen Wort wird die Erzählung gelenkt. Wer Schrott sagt,
- 4:09hat das Urteil schon gefällt, bevor die Diskussion beginnt. Das bekannte Davor-Muster. Erst wird
- 4:18geleugnet, dann reaktiviert, dann der Kritiker angegriffen und am Ende kehrt sich die Opferrolle
- 4:29um. Aus "Ich werde kritisiert" wird "Ich werde gemobbt". Der nächste Punkt wäre die "Ephemere
- 4:40Eskalation". Stories verschwinden nach 24 Stunden. Sie sind ideal, um Spitzen zu setzen, ohne dass sie
- 4:49leicht belegbar sind. Was bleibt sind Reels oder Clips. Sie selektiv als gewünschtes Bild
- 4:57konserviert werden. Der letzte Punkt wäre humorisierte Abwertung. Labels wie Asifunk
- 5:06funktionieren nicht nur als Abwertung, sondern auch als Running Gag. Humor trägt Aggression.
- 5:14Und selbst wenn man wochenlang, gute drei Wochen, nichts zu dem Thema gemacht hat,
- 5:22wird sich immer wieder in Live auf YouTube oder in anderen Kanälen abwertend darüber geäußert.
- 5:35Es gibt immer wieder Spitzen, immer wieder. Und das belegen auch andere Content-Kreatoren,
- 5:44mit denen man im Ausstauch steht. Dass selbst wenn man monatelang nichts macht,
- 5:48es immer wieder Spitzen kommen. Aber was steckt jetzt psychologisch dahinter, also rein hypothetisch?
- 5:55Hypothetisch betrachtet spielen solche Verhaltensweise bestimmte Persönlichkeitsdimensionen
- 6:05wieder. Eine hohe Belohnungssensitivität, Likes und Reichweite wirken wie ein Verstärker. Jede
- 6:15Jede Reaktion gibt kurzfristig einen Dopaminkick. Das Gehirn schwimmt förmlich in Dopamin und man
- 6:23ist ziemlich geil. Reichweite, Klicks, Bewunderung. Das kann schon cool sein. Der nächste Punkt ist ein
- 6:35fragiles Selbstwertsystem. Kritik wird als Bedrohung erlebt. Daher die schnelle, teils
- 6:42aggressive Gegenreaktionen. Ja, wenn dir nicht gefällt, was ich mache, das ist schlecht, weil
- 6:48ich bin so cool, ich bin so geil. Die anderen belohnen mich ja. Also wenn du mich dann kritisierst,
- 6:56dann muss was bei dir kaputt sein, nicht bei mir. Dann gibt es noch die Dominanzorientierung. Streit
- 7:04wird nicht vermieden, sondern gesucht, weil er ein Statusspiel erlaubt. Ich kann mich halt über
- 7:12den anderen erheben, ich kann den anderen diskreditieren, ihn quasi in einer Schublade
- 7:21stecken und so habe ich halt immer so ein etwas höheres Level, weil ich bestimme das Spielfeld,
- 7:28ich bestimme die Regeln und du bist gerade auf mein Terrain und du musst das tun, was ich will
- 7:36und was ich erlaube. Und dann gibt es noch die externe Attribution. Habe ich das richtig
- 7:43ausgesprochen? Attribution. Ja, doch. Schuld oder Fehler werden konsequent bei anderen verordnet.
- 7:53Man sucht sie förmlich. Man durchwühlt den gesamten Content. Man macht sich tagelang Arbeit,
- 8:01hört stundenüber stunden, ach was sage ich, mehrere tage Content sich an und sucht sich
- 8:08kleinste Versprecher raus. Als Legastheniker kann ich nur sagen, ich verschreibe mich immer ganz
- 8:15gerne. Man sucht solche kleinen Schwächen, solche kleinen Fehler und hebt sie natürlich dann hervor,
- 8:21weil, aha, seht her, der andere kann es nicht, der andere macht es nicht besser, der andere,
- 8:28"Was hat der für Ausbildungen? Der muss ein Scharlatan sein!" Um es noch mal klarzustellen,
- 8:36das ist nur rein hypothetisch. Es geht hier nicht um eine Diagnose, sondern um psychologische Muster.
- 8:44Und jetzt kommen wir zu den riesigen Nebenwirkungen dieser Verhaltensweise. Kurzfristig bringt diese
- 8:55Strategie "Reichweite" streitzieht Klicks. Der Algorithmus liebt Klick im Streit. Beef ist im
- 9:05Internet bei Content-Kreatoren immer ein Garant für Reichweitensteigerung. Mittelfristig kann
- 9:15das aber zum Markenkern werden, denn man wird auf Drama reduziert. Und das kann man ja schon
- 9:23beobachten, dass ein ja ein bunt gemischtes Portfolio an Themen auf einmal aus und separiert
- 9:33wird, ausgelagert wird und dass man dann sich mehr auf Beef-Content und Trash und so weiter
- 9:42konzentriert. Auf der anderen Seite eigentlich das, was man gerne gemacht hatte, das man mit
- 9:49Herzensblut gemacht hat, den Retro-Content. Und daraus ergibt sich natürlich auch ein Problem,
- 9:55denn langfristig droht Vertrauensverlust. Wer nur noch über Konflikte wahrgenommen wird,
- 10:03hat es schwer, mit Inhalten jenseits der Feder ernst genommen zu werden. Und das ist ja auch
- 10:11schon genau passiert. Man hat gesehen gehabt, dass bestimmte Sachen einfach nicht mehr funktionieren
- 10:17oder in Relation zu anderen Inhalten viel weniger Klicks haben und so hat man das halt separiert,
- 10:25auf einen eigenen Kanal. Und dann kommen wir jetzt auch mal so langsam zum Ende.
- 10:31Ja, was bedeutet das für uns? Ja, wenn Begriffe wie Schrottfunk fallen, dann ist es keine neutrale
- 10:41Beschreibung, sondern ein psychologischer Trick. Sie verschiebt den Diskurs, bevor er angefangen
- 10:48hat. Das ist pure Ablenkung. Er weiß ganz genau, dass es viele Kritiker gibt. Und bevor diese Leute
- 11:01gefährlich werden können, werden sie in seiner Gruppe, in seiner Innengruppe, in seiner Peer-Gruppe,
- 11:08also die Leute, mit denen er eng zusammenarbeitet und die Leute, die halt gerne mit ihnen zusammen
- 11:15sind oder mit ihnen zusammenarbeiten, wird das halt alles von vornherein so geframed,
- 11:21dass selbst wenn Informationen dort ankommen, durch die Benennung als unseriös,
- 11:32nichts wert, Asifunk und so weiter, dass man den Leuten dann einfach keinen Glauben schenkt. Und so
- 11:44kann er sicher sein, dass er in seiner Gruppe weiterhin einen gewissen Status hat und auch bei
- 11:52seiner Anhängerschaft den Status hat, ohne dass es irgendwie dazu kommt, dass halt Kritik ankommt.
- 12:00Und das ist egal, ob die Kritik berechtigt ist oder nicht berechtigt ist. Diese Kritik wird
- 12:06von vornherein als Schwachsinn abgetan, weil derjenige immer wieder hingeht und die Sachen
- 12:16halt so framed, so einordnet, dass das ja nichts ist. Er macht sich halt lustig darüber und das
- 12:26sind halt immer wieder, immer wieder und wieder und wieder und wieder wiederholende Vorgänger.
- 12:33Und so setzt sich das halt gedanklich fest. Denn eins ist sicher, Konflikte im Netz sind
- 12:40unvermeidbar. Außerdem gibt es Leute, die haben Spaß dran. Ich finde Konflikte im Internet stellenweise
- 12:50unterhaltsam. Ich finde selbst diesen Konflikt für mich hier unterhaltsam, weil es mir Gelegenheit
- 12:56gibt über dieser Mechanismen aufzuklären oder auch auf einer spielerischen, ironischen Art und Weise
- 13:03über diesen Personenkreis zu informieren. Man kann ihnen den Spiegel vorzeigen und sie halten einen
- 13:13noch größeren Spiegel zurück, dann halten wir einen noch größeren Spiegel wieder vor und sie
- 13:19halten wieder einen großen Spiegel zurück. Das Einzige, was man davon hat, ist Reichweite und
- 13:26wir eine gute Zeit, wenn wir unseren Content machen. Solange das alles nicht "juristikabel"
- 13:33bleibt oder wird, ist das doch vollkommen in Ordnung. Das ist ne Win-Win-Situation für alle.
- 13:40Soviel dazu. Am Ende gilt, Spitzen verpuffen, Substanz bleibt. Tschüss, euer Sascha.
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