Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Menschliches, Allzumenschliches I - Siebentes Hauptstück - 427-434
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- 0:00Unter Kapitel 427 Glück der ehe Nietzsche analysiert hier das
- 0:07Wesen der Gewohnheit in Beziehungen.
- 0:09Er sagt, dass alles, was zur Gewohnheit wird, wie ein immer
- 0:12fester werdendes Spinnennetz um uns herum wächst.
- 0:15Wir merken plötzlich, dass diese feinen Fäden zu stabilen
- 0:18Stricken geworden sind. Wir sitzen dann wie eine Spinne
- 0:21in der Mitte unseres eigenen Netzes, haben uns selbst
- 0:24gefangen und müssen von unserem eigenen Blut leben.
- 0:27Das ist ein Bild dafür, dass wir uns in unseren eigenen Routinen
- 0:30und Beziehungen verzehren. Aus diesem Grund hasst der
- 0:34Freigeist, also der unabhängig denkende Mensch, alle
- 0:37Gewohnheiten, regeln und alles, was für immer festgelegt ist.
- 0:41Er möchte nicht gefangen sein, deshalb reißt er dieses Netz
- 0:45immer wieder mit Schmerz auseinander.
- 0:47Nietzsche betont, dass dieser Prozess schmerzhaft ist und dass
- 0:50der Freigeist dabei viele kleine und große Wunden erleiden wird.
- 0:55Der Grund für den Schmerz ist, dass der Freigeist diese Fäden
- 0:58von sich selbst, von seinem eigenen Leib und seiner eigenen
- 1:01Seele abreißen muss. Er muss lernen, dort zu lieben,
- 1:05wo er früher gehasst hat, und dort zu hassen, wo er früher
- 1:08geliebt hat. Für den Freigeist darf nichts
- 1:11unmöglich sein, Nietzsche benutzt hier das Bild,
- 1:15drachenzähne auszusehen, das stammt aus der griechischen
- 1:18Mythologie, wo aus Gesäten drachenzähnen Krieger wuchsen.
- 1:23Es bedeutet, dass der Freigeist Konflikte und Schwierigkeiten
- 1:26dort schaffen muss, wo er vorher nur Gutes getan hat.
- 1:30Daraus zieht Nietzsche den Schluss, dass man leicht
- 1:32erkennen kann, ob so ein Mensch für das Glück der Ehe geschaffen
- 1:35ist, nämlich eher nicht, da die Ehe auf Dauer und Gewohnheit
- 1:39ausgelegt ist. Unterkapitel 428 zu nahe hier
- 1:47beschreibt Nietzsche das Problem, wenn man zu eng mit
- 1:50einem anderen Menschen zusammenlebt.
- 1:52Er vergleicht das Zusammenleben mit dem Umgang mit einem
- 1:54Kunstwerk, genauer gesagt einem Kupferstich.
- 1:58Ein Kupferstich ist ein gedrucktes Bild, wenn man dieses
- 2:01Bild immer wieder mit bloßen Fingern anfasst, wird das Papier
- 2:04irgendwann schmutzig und schlecht, am Ende hat man nur
- 2:07noch ein beschmutztes Stück Papier in der Hand und nichts
- 2:10mehr von der ursprünglichen Kunst.
- 2:12Genauso verhält es sich laut Nietzsche mit der Seele eines
- 2:15Menschen, wenn man sie durch ständiges zu nahes Zusammenleben
- 2:19immer wieder angreift und berührt.
- 2:22Nutzt sie sich ab, sie wird abgegriffen.
- 2:26Nietzsche sagt, dass uns die Seele des anderen dann zumindest
- 2:29so erscheint, wir sehen die ursprüngliche Schönheit und die
- 2:32feine Zeichnung des Charakters nicht mehr.
- 2:35Das Ergebnis ist, dass man durch diesen allzu vertraulichen
- 2:38Umgang immer etwas verliert, man verliert die Frauen und die
- 2:42Freunde, und manchmal verliert man dabei sogar das Beste am
- 2:45eigenen Leben, was Nietzsche, die Perle seines Lebens nennt,
- 2:50Unterkapitel. 429 die Goldene Wiege Nietzsche beschreibt hier
- 2:58die Erleichterung eines Freigeistes wenn er sich
- 3:01entscheidet, nicht mehr von Frauen umsorgt zu werden.
- 3:04Er spricht von dem Mutterhaften Sorgen und bewachen, dass Frauen
- 3:08oft gegenüber Männern ausüben, wenn der Freigeist sich davon
- 3:11befreit, kann er aufatmen, es macht ihm nichts aus, wenn dann
- 3:15ein rauerer Luftzug weht, damit meint Nietzsche die Härten des
- 3:19echten Lebens. Dem Freigeist ist es egal, wenn
- 3:22er Nachteile, Verluste, Unfälle, Krankheiten oder Fehler erlebt.
- 3:28Das alles ist für ihn besser als die Unfreiheit der Goldenen
- 3:31Wiege. Eine goldene Wiege ist ein
- 3:33Symbol für ein Leben, das zwar bequem und luxuriös ist, indem
- 3:37man aber wie ein Baby behandelt wird und nicht frei ist.
- 3:41Nietzsche erwähnt auch den Faunschweifwedel, mit dem man
- 3:44fliegen von einem Schlafenden fernhält, das steht für das
- 3:48Übertriebene beschützen vor kleinen Störungen.
- 3:51Der Freigeist empfindet diese Fürsorge als drückend.
- 3:54Er möchte nicht dankbar dafür sein müssen, dass er wie ein
- 3:56Säugling verwöhnt wird und warten muss.
- 3:59Deshalb verwandelt sich die Milch der mütterlichen Gesinnung
- 4:02für ihn leicht in Galle, das bedeutet, was eigentlich gut und
- 4:07Nährend gemeint ist. Die Fürsorge wird für den
- 4:10Freiheitsliebenden bitter und unerträglich.
- 4:13Unterkapitel 430 Freiwilliges Opfertier.
- 4:20In diesem Abschnitt geht es um bedeutende Frauen an der Seite
- 4:23von berühmten Männern. Nietzsche sagt, dass solche
- 4:26Frauen ihren Männern das Leben sehr erleichtern können, sie tun
- 4:30dies, indem sie zu einer Art Blitzableiter für schlechte
- 4:33Stimmung werden, sie werden zum Gefäß der allgemeinen Ungunst,
- 4:38das bedeutet, wenn andere Menschen unzufrieden sind oder
- 4:41schlechte Laune haben, richten sie diese Gefühle oft auf die
- 4:44Frau des berühmten Mannes und nicht auf den Mann selbst.
- 4:48Die Zeitgenossen verzeihen einem großen Mann oft Fehler,
- 4:50Dummheiten oder Ungerechtigkeiten, wenn sie
- 4:53stattdessen jemanden haben, den sie schlecht behandeln oder
- 4:56schlachten können, um ihre Wut loszuwerden.
- 4:59Das ist mit Opfertier gemeint Nietzsche beobachtet, dass
- 5:03Frauen oft den Ehrgeiz haben, diese Rolle freiwillig zu
- 5:06übernehmen, sie bieten sich an, dieses Opfer zu sein, wenn das
- 5:11passiert, kann der Mann sehr zufrieden sein.
- 5:14Voraussetzung ist allerdings, dass der Mann egoistisch genug
- 5:17ist, um zuzulassen, dass seine Frau als Schutzschild für ihn
- 5:20dient. Nietzsche nennt dies einen
- 5:22freiwilligen Blitz, Sturm und Regenableiter Unterkapitel 431
- 5:30angenehme Widersacher Nietzsche spricht hier über die natürliche
- 5:35Neigung von Frauen, er sagt, dass Frauen von Natur aus ein
- 5:39ruhiges, gleichmäßiges und harmonisches Leben und
- 5:43Miteinander bevorzugen. Er vergleicht ihre Wirkung mit
- 5:46Öl, das Wogen auf dem Meer glättet und beruhigt.
- 5:50Diese beruhigende Art arbeitet jedoch gegen den inneren Drang
- 5:53des Freigeistes der Freigeist hat einen Heroischeren, also
- 5:57kämpferischen und unruhigen inneren Antrieb, er will
- 6:01forschen und vorankommen, die Frauen handeln dabei oft
- 6:05unbewusst gegen die Ziele des Mannes, Nietzsche benutzt ein
- 6:09anschauliches Bild. Es ist, als würden sie einem
- 6:12Wanderer, der Mineralien Steine sammelt, die Steine aus dem
- 6:16Wegräumen, damit er nicht darüber stolpert.
- 6:18Sie meinen es gut und wollen ihn schützen, aber der Wanderer ist
- 6:23ja gerade ausgezogen, um genau an diese Steine zu stoßen und
- 6:26sie zu untersuchen, die Fürsorge der Frau hindert den Mann also
- 6:30daran, seine eigentliche Aufgabe zu erfüllen.
- 6:34Unterkapitel 432 Missklang zweier Konsonanzen.
- 6:41Hier beschreibt Nietzsche einen Konflikt zwischen 2 Zielen, die
- 6:44eigentlich beide positiv klingen, Konsonanzen aber
- 6:47zusammen nicht funktionieren. Er sagt, die Frauen wollen
- 6:51dienen, sie finden ihr Glück darin, für jemanden da zu sein
- 6:54und zu helfen, auf der anderen Seite steht der Freigeist.
- 6:58Er will nicht bedient werden, sein Glück liegt darin,
- 7:02unabhängig zu sein und Dinge selbst zu tun, das Problem
- 7:06entsteht also, weil das Glück der Frau dienen wollen.
- 7:09Und das Glück des Mannes nicht bedient werden wollen, nicht
- 7:12zusammenpassen, obwohl beide gute Absichten haben, entsteht
- 7:16ein Missklang. Unterkapitel 433 Xanthippe in
- 7:25diesem Unterkapitel geht es um Sokrates, den berühmten
- 7:27griechischen Philosophen, und seine Frau Xanthippe Xanthippe
- 7:32ist sprichwörtlich bekannt als eine sehr zänkische und
- 7:34schwierige Ehefrau. Nietzsche sagt, dass Sokrates
- 7:38genau so eine Frau fand, wie er sie brauchte.
- 7:41Allerdings hätte er sie wahrscheinlich nicht geheiratet,
- 7:44wenn er vorher gewusst hätte, wie anstrengend sie sein würde,
- 7:48so weit wäre selbst der Heldenmut dieses Freigeistes
- 7:50nicht gegangen, aber tatsächlich war Xanthippe nützlich für ihn,
- 7:55sie machte ihm sein eigenes Haus und heim, so ungemütlich und
- 7:58unheimlich, dass er quasi aus dem Haus getrieben wurde, sie
- 8:02trieb ihn in seinen eigentlichen Beruf hinein.
- 8:05Sokrates verbrachte seine Zeit lieber auf den Straßen und
- 8:08Gassen von Athen, um dort zu philosophieren, zu schwätzen und
- 8:12müßig zu sein. Nietzsche meint, dass Sokrates
- 8:15nur dadurch zum größten Gassendialektiker wurde, ein
- 8:19Dialektiker ist jemand, der die Kunst der Gesprächsführung und
- 8:22Argumentation perfekt beherrscht.
- 8:25Xanthippe war also wie eine Bremse, die man einer Bremse,
- 8:28einem stechenden Insekt aufsetzt, um sie noch wilder zu
- 8:31machen. Nietzsche vergleicht Sokrates
- 8:33selbst mit einer Bremse, die das schöne Pferd Athen sticht und in
- 8:37Unruhe versetzt, damit es nicht träge wird.
- 8:40Xanthippe war der Grund, warum er nie zur Ruhe kam.
- 8:44Unterkapitel 434 für die Ferne Blind Nietzsche behauptet hier,
- 8:51dass Mütter oft kurzsichtig sind, was das wohl der Familie
- 8:55angeht, sie haben vor allem einen Sinn für das, was man
- 8:58direkt sehen kann, zum Beispiel. Die offensichtlichen Schmerzen
- 9:02oder Bedürfnisse ihrer Kinder, Ehefrauen von Männern, die hohe
- 9:06und schwierige Ziele verfolgen, schaffen es oft nicht, ihre
- 9:09Männer leiden oder darben Mangel, leiden zu sehen, Sie
- 9:13ertragen es nicht, wenn ihre Männer von anderen missachtet
- 9:16werden. Dabei ist genau dieses Leiden
- 9:18oft notwendig. Nietzsche sagt, Dies sind nicht
- 9:21nur Anzeichen dafür, dass der Mann seinen eigenen Weg richtig
- 9:24gewählt hat, sondern es sind Garantien dafür, dass er seine
- 9:27großen Ziele irgendwann erreichen wird.
- 9:30Große Ziele erfordern oft Entbehrung.
- 9:33Die Frauen verstehen das aber nicht und Intrigieren im Stillen
- 9:36gegen die höhere Seele ihrer Männer.
- 9:38Sie wollen die Männer vor dem Leiden bewahren, aber indem sie
- 9:42das tun, betrügen sie die Männer um ihre Zukunft, sie opfern den
- 9:46langfristigen Erfolg für eine Schmerzlose, behagliche
- 9:49Gegenwart, sie wollen es jetzt gemütlich haben und verhindern
- 9:53dadurch Großes in der Zukunft.