Latest / BZ am Ohr / Rettet Kultur den Freiburger Drogen-Hotspot Stühlinger Kirchplatz?
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- Ja genau, es ist ein wirklich sehr schöner Ort mitten in Freiburg und andererseits hat man eben diese Seite der, ja, ich kann es gar nicht so richtig sagen, es ist also eine beängstigende Seite von Menschen, die da rumstehen, wo man nicht genau weiß, was die da machen. Dieser schöne Ort in Freiburg, das ist der Stühlinger Kirchplatz, direkt am Freiburger Hauptbahnhof und an der ikonischen Blauen Brücke. Bekannt ist dieser Platz vor allem als Hotspot für Kriminalität und Drogen. Aber es gibt dort auch spielende Kinder, einen netten Wochenmarkt, buntes Leben. Ein Platz mit zwei Seiten. Und vielen Diskussionen in der Stadt, die sich einreihen in die bundesweite Diskussion rund um Migration und Integration, Abschiebungen und das sogenannte Stadtbild. Aber alleine das Stadtbild ist unterirdisch, weil man kann natürlich nicht an irgendwelchen äußeren Merkmalen feststellen, ob du jetzt ein Drogenhändler bist, ein Drogenkonsument. Damit der Stühlinger Kirchplatz wieder ein Platz für alle wird, ohne Angst, Drogen und Kriminalität, entsteht dort gerade ein Kulturkiosk. Stefanie Beu wird ihn betreiben. Mit Kultur, mit Theater und Film, Essen und Musik will sie dafür sorgen, dass sich alle wieder auf dem Platz wohlfühlen. Wie und ob das überhaupt gelingen kann, das erzählt sie hier bei BZ am Ohr, einem Podcast der Badischen Zeitung. Mein Name ist Dora Schölz, ich bin Redakteurin bei der BZ und ich wünsche euch viel Spaß beim Zuhören. Stefanie, du bist mit sieben nach Freiburg gezogen. Erinnerst du dich an deine ersten Begegnungen mit dem Stühlinger Kirchplatz? War das damals auch schon ein Ort, den jeder in Freiburg irgendwie kannte? Nee, ganz früher. Ich bin eher in Zeringen aufgewachsen. In der jüngsten Jugend war ich immer nur in Zeringen und Herdern. Bin ich da in die Schule auch gegangen. Da habe ich mich eher dort in den Ecken aufgehalten. Aber so als Jugendliche. Da war auch der Stühlinger Kirchplatz einer der Orte der Stühlinger, wo man hinging. Und dann, je älter man wurde mit den Kneipen und so weiter, da habe ich schon echt Nächte verbracht da in der Gegend. Aber das klingt jetzt nicht so, als wäre das damals schon so mega bedrohlich gewesen. Ich weiß es nicht. In meiner Wahrnehmung war der Stühlinger Kirchplatz nie wirklich so bedrohlich. In meiner Wahrnehmung, weil ich nie im Stühlinger gelebt habe. Und so eben mit der blauen Brücke und es geschieht einfach viel auch auf dem Platz. Aber dass es ein bedrohlicher sozusagen Angstraum ist, das scheint es schon seit sehr, sehr vielen Jahren zu geben. Das ist kein neues Phänomen. Ja, also tatsächlich seit den 60er, 70er gibt es da Probleme mit Drogen und heute ist es eben auch wirklich so, eigentlich jeder in Freiburg kennt den Stühlinger Kirchplatz als Hotspot für Gewalt, für Drogen. Wie es soweit kommen konnte, davon erzählen meine Kollegen Joshua Kocher und Yannick Jürgens in einer neuen Serie, eine dreiteilige Podcast-Serie der Badischen Zeitung Platzangst. Heute meide ich den Platz eigentlich immer, wenn es geht. Ich bin nie mehr drüber gelaufen und ich laufe ungern dran vorbei. Der Stühlinger Kirchplatz ist ein Ort, den man in Freiburg nicht vermuten würde. Hier werden Menschen überfallen, hier wird offen mit Drogen gehandelt. Die Straftaten liegen auf Rekordhoch. Die meisten davon werden laut Polizei von Männern aus Nordafrika begangen. Und die Freiburgerinnen und Freiburger wissen nicht so richtig, wie sie mit dem Platz umgehen sollen. Wir sind mittendrin, Joshua Kocher und Yannick Jürgens. Wir haben zwei Jahre lang recherchiert, uns stundenlang um Interviews mit Drogendealern bemüht. Wir haben Polizistinnen und Polizisten begleitet, die täglich ausrücken. Mit Experten gesprochen, die erklären, warum sich Drogenszenen in Bahnhofsnähe aufhalten und uns mit Anwohnerinnen und Politikern unterhalten. Sie sagen, so kann es nicht weitergehen. In einem dreiteiligen Podcast erzählen wir die Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Freiburgs wohl berüchtigstem Ort. Das ist Platzangst, ein Podcast der Badischen Zeitung. Die Trunkies auf dem Stühlener Kirchplatz waren das so richtig angefangen. Es muss auch so in den 80er, Anfang der 90er gewesen sein. Bei Stühlener Kirchplatz ist es wie ein Magneter für Leute im Nord. Die Afrikaner sind eher ruhig, aber die Arabischen Leute sind katastrophiert. Die kommen mit Messer, mit Macheten, mit Pfefferspray. Das ist schlimm. Nicht die Herkunft macht jemand zum Gewalttäter. Was ich nicht für mich akzeptieren möchte, ist, dass es eine Stadtgesellschaft aufgibt. Dass es Parallelgesellschaften in einer Stadt gibt. Also wir sprechen davon, dass es so eine Art Wicked Problem ist. So ein verzwicktes Problem, für das es eigentlich gar keine wirkliche Lösung geben kann. Platzangst ist zu hören ab dem 6. Februar. Bei der BZ und überall, wo es Podcasts gibt. Stefanie, du kommst in der Serie Platzangst auch vor. Du willst nämlich dazu beitragen, dass der Platz wieder ein schöner Ort, ein Ort für alle wird. Ein Ort der Begegnungen, ein angstfreier Raum. Über deine Ideen dafür sprechen wir auch gleich noch. Ich würde aber gerne erstmal über deine Lebensgeschichte sprechen. Die finde ich nämlich ganz schön spannend. Du hast in deinen Zwanzigern sieben Jahren in Westafrika gelebt, im Senegal. Kannst du uns mal dorthin mitnehmen? Also, was ist der Senegal für ein Land und wie bist du da überhaupt gelandet? Oh, das ist eine eigene Geschichte, die mehr stündig sein könnte. Vielleicht können wir die Kurzfassung bekommen. Ich bin dort gelandet. Ich wollte eigentlich nur drei Monate dort sein. Auf einen Tipp hin von einem Freund, einem senegalesischen Freund, Ich hatte mehrere Kontakte zu afrikanisch-stämmigen Personen hier in Freiburg. Und da muss ich auch den einen Namen nennen, das ist Babakar Kibbe. Und der ist in dem Verein Kapoor e.V. auch im Stühlinge angesiedelt. Macht auch was auf dem Stühlinge Kirchplatz, deswegen möchte ich ihn auch gerne nennen. Weil der sozusagen derjenige war, der gesagt hat, wie wäre es denn, wenn du mal in Senegal gehst? Und der hat mich sozusagen in Senegal geschickt. Einfach als Urlaub, um sich das Land mal anzuschauen? Ja, zuerst hat er gesagt, manchmal nimmt er Leute mit und zeigt ihnen das Land. Und das wollte er mit mir auch machen. Und dann habe ich mein Flugticket gekauft und letztendlich hat er dann gesagt, ah nee, da ist er ja dann schon wieder zurück. Und ich so, ja und jetzt? Dann reist du halt alleine, aber meine Familie holt dich dann am Flughafen. Abenteuer? Genau. Und dann so bin ich dann irgendwie alleine mit meiner Gitarre auf dem Rücken, bin ich dann da im Senegal gelandet, wollte drei Monate bleiben Und dann waren verschiedenste Zufälle, die gemacht haben, dass ich dann doch länger geblieben bin. Und einer der Zufälle war, dass ich eine Mutter kennengelernt habe, die hat mich sozusagen adoptiert, hat mich auch beschützt vor Leuten, die irgendwie von mir profitieren wollten, weil als weiße Frau ich halt da reich und schön war, was natürlich der Wahrheit nicht entsprochen hat. Und so bin ich dann da hängen geblieben und habe immer in senegalesischen Familien gelebt, habe dann dort auch Wolof gelernt. Das hat aber lange gedauert, weil es wahnsinnig schwierig war und weil ich es halt nur übers Ohr gelernt habe, also nur übers Ohr nicht geschrieben. Okay, also eine schwierige Sprache? Sehr schwierig. Ich kenne ja viele romanische Sprachen. Wir kennen uns ja ein bisschen von der Romanistik, wo wir beide studiert haben in den letzten Jahren. Und genau, also romanische Sprachen kann ich einige und auch gut. Und das finde ich auch nicht so schwierig. Also früher fand ich es schwierig, aber im Vergleich zu Wolof... War das gar nichts. Wir waren alle eigentlich ähnlich. Und Wolof klingt wahnsinnig schwierig. Da kann man am Anfang nicht unterscheiden, wo hört ein Wort auf, wo fängt das Neue an und so. Kannst du uns mal eine Hörprobe geben? Also vielleicht stellst du dich kurz in einem Satz auf Wolof mal vor. Assalamu alaikum. Mein Stefanie, ich bin in Freiburg. Ich bin in Senegal, ich bin in Senegal. Ich bin in Senegal, ich bin in Senegal. Ich bin in Senegal, ich bin in Senegal. Wow, das klingt anders als französisch. Ja, total. Und jetzt ist es natürlich so aus Stegreif, es ist jetzt nicht so perfekt und hört sich nicht so fließend an, aber ich könnte dir auch den ganzen Tag auf Wolhof sprechen. Nach so vielen Jahren im Senegal, ja, das kann ich mir vorstellen. Das habe ich dann eben in den Familien gelernt, bin dann da hängen geblieben, habe dann Reiseleitungen gemacht, das war so der einzige Job, den ich finden konnte und habe da Geländewagen durch die Gegend gefahren, durch die Wüste und die Dörfer, mit meinen Touristen und musste die Geländewagen, die ziemlich alt waren, auch reparieren unterwegs, Die sind dann mal wieder kaputt gegangen und später war ich dann noch Hoteldirektorin und dann wurde mein Sohn geboren. Genau, ich habe dann meinen Mann auch noch kennengelernt. Da war nämlich der Automechaniker von den Geländewagen. Ah ja, okay. Und den habe ich am häufigsten gesehen. Ja, der ist Senegalese. Der ist Senegalese und dann ist unser Sohn geboren worden im Senegal. Und dann mit meinem Sohn sind wir dann zusammen nach Deutschland gekommen. Werbung Wenn ihr in Freiburg wohnt, ist bei der Oberbürgermeisterwahl am 26. April eure Stimme gefragt. Genau deshalb sollte es im Wahlkampf auch um die Themen gehen, die euch wichtig sind. Mit der Rechercheplattform Korrektiv haben wir das Projekt Deine Stimme, Deine Themen gestartet. Unser Ziel ist es, euch in den kommenden Wochen genau zuzuhören, um herauszufinden, was euch als Freiburgerinnen und Freiburger wirklich interessiert. Genau diese Themen möchten wir dann in das Zentrum unserer Berichterstattung rücken. Nehmt dazu gerne in unserer Umfrage unter mehr.bz slash deine Stimme teil oder kommt vorbei, wenn wir unsere Redaktion für euch öffnen, um mit euch ins Gespräch zu kommen. Über die Termine informieren wir euch über unseren Instagram-Kanal und unter www.badische-zeitung.de. Wir freuen uns auf eure Themen. Werbung Ende Und was ist der Senegal für ein Land? Kannst du mal beschreiben, was macht den Senegal aus? Also durch die Brille der Touristen konnte ich immer feststellen, also ich war im Norden Senegals, in Saint-Ruiz und die Touristen, die da waren, die haben immer gesagt, hier ist irgendwie nichts, was findest du denn hier toll? Es ist nichts, keine Monumente, es ist alles flach, der Fluss, das Meer in Saint-Ruiz, und dann haben sie sich eben auch über die Sauberkeit oder die mangelnde Sauberkeit, den Müll an den Straßenrändern und so weiter, die Armut, die sehr offensichtliche Armut, die bettelnden Kinder und sowas, das hat man schon gesehen. Aber gleichzeitig gibt es halt auch eine wahnsinnige Willkommenskultur. Die Leute sind freundlich, man lächelt, man lacht. So ist es immer das Ziel, du steigst in ein Taxi ein Und das Ziel ist eigentlich immer, lachend aus dem Auto nachher auszusteigen. Und das macht was mit der Lebensqualität. Man fühlt sich schnell aufgenommen. Also es gab dann die Touristen, die gesagt haben, sie finden es wahnsinnig toll und die mussten dann auch immer wiederkommen. Und es gab diejenigen, die gesagt haben, nee, ist nichts für mich. Dann gibt es die Religionsvielfalt, sehr große Toleranz. Also die Christen gratulieren den Moslems, wenn sie ihre muslimischen Feste feiern. die Moslems gratulieren den Christen, man schenkt sich gegenseitig, was man dazu den Festen jeweils den anderen so schenkt. Also es ist ein, Ein schönes, tolerantes Miteinander, auch unter den ethnischen Gruppen, das sind ja nicht alle Wolof. Und was besonders ist am Senegal, also Dakar ist natürlich extrem bekannt, da ist die Modewelt. Afrikas findet sich in Dakar, in Dakar findet sich vieles kulturell extrem reich, nur ich war kaum in Dakar. Okay, das war nicht so der Teil, der dich interessiert hat. Ich hatte nie Geld, um irgendwas anderes zu machen, als zu arbeiten. Würdest du sagen, du hast da auch was für dein Leben auch hier in Deutschland gelernt? Eigentlich baut alles, das war sozusagen meine zweite Kindheit, war Senegal. Ich bin extrem damit verbunden. Wie gesagt, ich bin dann da mit meiner Mutter, mit meiner senegalesischen Mutter, konnte ich irgendwie so ein bisschen was neu aufbauen. Und mein Studium, was ich ja die letzten Jahre gemacht habe, die hatten immer einen Senegal-Bezug, weil ich die französischen Texte lese, aber das Wolof durchscheinen sehe. Und dann habe ich mich auf die Suche nach dem Wolof hinter dem Französischen gemacht. Ja, spannend. Du bist dann eben nach Freiburg zurückgekommen mit deinem Sohn und mit deinem Mann, wenn ich das richtig verstanden habe. Und hast Vollzeit gearbeitet in der Verwaltung in der Uni. Ja, meine Tochter wurde noch geboren. Und mit zwei Kindern und hast dann nochmal angefangen zu studieren. Warum? Weil mein Professor, ich darf ja Namen nennen, der Professor Thomas Klinkert, der war mein Vorgesetzter am Romanischen Seminar, der hat mich dazu ermutigt. Er hat gesagt, ich sollte doch studieren, er findet, dann könnte er mich höher bezahlt einstellen. Und dann habe ich gesagt, was, ich bin zu alt und ich kann das nicht und ich habe gar kein Abitur. Und dann hat er gesagt, ich soll doch mal schauen, ob es da irgendwelche Möglichkeiten gibt. Und in der Tat gab es die Möglichkeit, eine Hochschulzugangsberechtigung zu erlangen. Konnte ich mich bewerben an der Uni Freiburg. Dann dachte ich, also mache ich das. Ich werde es nicht schaffen, das andere. Alleinerziehend, Vollzeit, Berufstätig, wie soll das gehen? Dann habe ich die Hochschulzugangsberechtigung erlangt, sogar sehr gut. Und dann kann man sich einschreiben, aber nur in dem Semester, was darauf folgt. Dann habe ich gedacht, also gut, dann schreibe ich mich halt ein. Gar nicht damit in der Erwartung, dass du dann auch wirklich studierst? Nee, weil ich gedacht habe, das geht irgendwie nicht. Wie soll denn das gehen? Und dann hatte ich, also die halbe Stelle war beim Professor Klinker, die andere Hälfte in der Geschäftsführung des Romanischen Seminars. Und dann hat Thomas Klinker mich immer freigestellt für die Zeit, die ich dann irgendwie an Unterricht oder Seminaren teilgenommen habe. Und dann habe ich irgendwie in Regelstudienzeit mit Bestnoten Bachelor, Master und Doktorarbeit gemacht. Romanistik im Bachelor mit Nebenfach Ethnologie und im Master Ethnologie habe ich dann einen Film gedreht und im Doktor wieder französische Literaturwissenschaft, aber mit Schwerpunkt, also Literaturethnologie. Immer mit Bezug zu Senegal. Zu Senegal, ja. Das ist so dein Lebensthema. Da gab ich was zu sagen, weil ich mir sehr viele Gedanken darüber gemacht habe, weil mich das kulturell interessiert, weil meine Kinder Senegal-Deutsche sind, weil der Vater aus dem Senegal kommt, weil es Missverständnisse ohne Ende gibt. Ich meine, ich bin getrennt vom Vater meiner Kinder schon seit vielen Jahren, aber wir sind trotzdem eine Familie, wir feiern alle Familienfeste zusammen. Und wenn ich im Senegal bin, gehe ich immer zur Familie. Im Vorgespräch hast du mir erzählt, dass du schon seit Jahren immer wieder auf den Stüdinger Kirchplatz gehst, weil dort Menschen sind, die Wurlauf sprechen. Wie bist du auf diese Idee gekommen, da einfach hinzugehen und mit den Leuten zu quatschen? Ja, ich habe das irgendwie mitbekommen. Dass da eben viele Wollaufsprecher sind, weil ich ja, wenn man da vorbeiläuft, das ist mein Weg zur Arbeit, zur Uni. Da komme ich immer am Stühlinger Kirchplatz, heutzutage komme ich da immer vorbei. Mit dem Fahrrad über die Blaue Brücke. Mit dem Fahrrad über die Blaue Brücke, genau. Und dann, ja, da habe ich mich dann im Sommer öfter mal, oder wenn es mal wärmer wurde, nach dem Arbeiten da hingesetzt, ein Eis gegessen, geschaut, was passiert. Und mich gefreut, wenn jemand vorbeikam, Wollauf geredet hat und dann erstaunt war, wenn ich dann Wollauf geantwortet habe. Ja, wie haben die Menschen da auf dich reagiert? Erstaunt. Dann wird erstmal getestet, wie weit kann man gehen. Kann sie nur zwei Wörter. Und wenn die dann feststellen, dass ich ziemlich gut vorlaufen kann, manchmal auch etwas besser als sie selbst, dann bin ich aufgenommen in der Familie. Und worüber habt ihr dann so gesprochen? Oh, da könnte man wieder einen ganzen Podcast drüber machen. Über was redet man, über was redet man nicht. Was sind Dinge, die besprochen werden können und was nicht? Was können wir hier in unserer Kultur? Sind wir sehr freizügig? Also wenn wir jemanden sympathisch finden, dann erzählen wir auch gleich mal das ganze Innerste. Das Innerste wird nach außen gekehrt. Da haben wir gar keine Mühe damit. Also viele. Und im Senegal ist das anders. Da bleibt das Innere, Innerste, Innere, das Ich, bleibt sehr, sehr, sehr versteckt. Okay, spannend. Das ist jetzt gar nicht so das, was man klischeehaft irgendwie erwarten würde von afrikanischen Kulturen, würde man eigentlich denken, die sind viel offener als die deutsche Kultur. Also das ist jetzt ein blödes Klischee. Ja, das ist ein Klischee. Es gibt ganz viele solche Bilder. Nee, es ist anders. In Europa geht es sehr viel um das Ich und in Afrika geht es sehr viel um das Wir. Also der Mensch, der davor, der steht, ist immer ein Repräsentant seiner ganzen Familie. Und dementsprechend wird er sich irgendwie benehmen und auch sprechen. Er wird nicht über sich sagen, ist das ich? Wie geht es dir? Alleine das sagt man so nicht im Senegal. Man sagt nicht, wie geht es dir, sondern man sagt, Mangadev, was machst du? Und dann ist die Antwort, Mangifirek, ich bin nur hier. Ich bin nur hier. Und habt ihr auch über den Platz gesprochen? Also wir haben ja eingangs schon gesagt, er ist bekannt so als Hotspot für Gewalt, für Drogen. Das ist durchaus auch nicht zu jeder Tageszeit und nicht an jeder Ecke, aber durchaus auch offensichtlich, dass da mit Drogen gehandelt wird. War das dann auch Thema in deinen Gesprächen mit den Menschen? Oder haben Sie vielleicht auch gesagt, wie Sie den Platz wahrnehmen? Was Sie sich vielleicht auch wünschen für den Platz? Nein, so weit. Das ist etwas, was man erst nach ziemlich langer Zeit ansprechen könnte. Ich setze mich auf den Platz und schaue mal, wer da kommt. Und auch jetzt momentan mit meiner Arbeit geht es eher darum, das Menschliche voranzustellen und zu sagen, ich bin hier, du bist auch hier, wie geht's, was machen wir, das Leben, ach, was machst du im Vergleich zu Senegal hier, Freiburg, Deutschland. Irgendwie, was wünscht man sich, keine Ahnung. Also es geht nicht besonders in die Tiefe, sondern es geht eher darum, sich so einzugrooven, ein bisschen Spaß miteinander zu haben. In Kontakt miteinander zu sein. In Kontakt miteinander zu sein, miteinander zu lachen. Dann kommt der Nächste dazu, dann begrüßt man den wieder, dann hat man wieder Begrüßungsformeln. Dann kommt der Nächste, dann macht man wieder Begrüßungsformeln. Also es ist sehr, sehr an der Oberfläche und es geht eher um diesen Wohlfühlfaktor miteinander und nicht um, hey, wir haben hier ein Problem, was ist eigentlich mit diesem Platz? Oder wo kommt ihr her? Wie seid ihr übers Mittelmeer geschippert? Wie viele Tote habt ihr eigentlich gesehen? Wie traumatisiert bist du eigentlich? Das sind Themen, die sind irgendwo nur nicht ansprechbar momentan. Aber sie sind da. Wie nimmst denn du den Stühlinger Kirchplatz wahr? Also wenn du da rüberläufst oder dran vorbeifährst oder so, vielleicht auch für Menschen, die Freiburg jetzt nicht so gut kennen, kannst du mal beschreiben, was ist das für ein Platz, was siehst du da? Also zum einen ist der Platz sehr zentral gelegen. Es gibt eine sehr schöne Kirche. Wir haben da die blaue Brücke, das ist ja auch ein Touristenmagnet, das ist ein sehr bekanntes Bild. Also erstmal ästhetischerweise ist es echt ein schöner Platz, so ein bisschen grün, grüne Oase inmitten des Stühlingers, der ja auch sehr bunt ist. Und dann je nachdem, was da für Aktivitäten stattfinden. Also wenn Markttag ist, sieht es aus wie ein ganz normaler Platz, schön belebt, bunt und vielfältig. Aber wenn niemand da ist und es ist leer, auch gegen Abend, da stehen eigentlich Personen irgendwie im Dunklen rum, an der Kirche angelehnt, sprechen einen an. Man spricht ja davon, dass es ein Angstraum ist. Also so ein bisschen, man wagt sich nicht so drüber. Eher am Tag, in der Nacht wird es manchmal unangenehm. Im Sommer gibt es viele Streitereien und Schreiereien. Man sieht, dass da Drogendealer oder Alkoholiker oder nicht so ganz, wie soll ich das sagen? Also es fällt einem schon auf, dass da Menschen miteinander oder auf dem Platz sich aufhalten, die irgendwie vielleicht in einer kriminellen Hinsicht mit Drogen irgendwas zu tun haben. Das sieht man relativ schnell und meidet dann doch eher den Platz. Aber es gibt auch gleichzeitig den Spielplatz, der sehr belebt ist. Dann gibt es eben die Kirche, es gibt die Kirchengemeinde. Das ist ein vielfältiger Ort. Also es gibt diese bedrohliche Seite, aber es gibt auch eine schöne Seite. Ja genau, es ist ein wirklich sehr schöner Ort mitten in Freiburg. Und andererseits hat man eben diese Seite, ich kann es gar nicht so richtig sagen, es ist also eine beängstigende Seite von Menschen, die da rumstehen, wo man nicht genau weiß, was die da machen. Fühlst du dich auf dem Platz auch manchmal unsicher? Ja, interessanterweise, also wirklich, seit ich jetzt, da kommen wir ja noch dazu, aber seit ich die Kulturmanagerin vom Kulturkiosk bin, habe ich ja jetzt schon einige ein bisschen näher kennengelernt oder die kennen mich und die wissen, das ist eine Wolofsprecherin. Und dann war ich auf dem Platz, habe jemandem den Kulturkiosk gezeigt, wegen möglichen Projekten, die wir machen könnten. Dann bin ich zur Straßenbahnhaltestelle gelaufen, dann kam jemand, der wahrscheinlich aus dem Maghreb irgendwie stammt, nicht aus Westafrika, der kam dann irgendwie um die Ecke im Dunkeln, es war schon dunkel, und sagte so, ja hast du ein Handy mit Licht, mein Handy ist kaputt gegangen, das Licht funktioniert nicht, Ich habe da irgendwie da hinten Geld verloren. Kannst du mir mal leuchten? Ich so, hm, okay. Wollte die Person dann verabschieden, nehme mein Handy raus und will ihm halt leuchten. Da kommt jemand ebenfalls aus dem Dunkeln. Einer von den Menschen, die ich eben kenne, fragt mich auf Warloff, was will der von dir? Sag ich, er will, dass ich ihm irgendwie leuchte, hat sein Geld verloren. Sagt er, lass mal, wir kümmern uns. Wow, okay. Beschützen dich richtig. Krass. Manche vielleicht schon. Ist dir denn schon mal was passiert, so konkret, dass du bedroht wurdest oder so? Nee. Nee? Aber ich weiß nicht, weil Bedrohungssituationen sind auch sehr individuell und subjektiv. Es kommt darauf an, wer fühlt sich durch was bedroht. Ich meine, ich finde das beängstigend, wenn ich Leute, die im Drogenrausch rumschreien, das macht mir Angst. Aber ob das jetzt eine Bedrohung ist, das macht mir Angst und ich muss einen Umgang damit finden, weil das ist eine Realität des Kulturkiosks. Aber es sind ja nicht nur die, die sind nur am lautesten. Und dann gibt es ganz viele, die mit Drogen gar nichts am Hut haben, aber die eben wie ich auch gerne mal Wolof sprechen wollen und die kommen dann da vorbei und besuchen ihre Leute und schwätzen halt eine Runde. Ja, es gibt diese zwei Seiten des Platzes einfach. Ja, die gibt es. Und ich finde auch, die sind erhaltenswürdig. Ich meine, Drogensüchtige und natürlich Drogenhändler und die Kriminalität, die dahinter steht und so weiter. Ich sehe das Problem und ich würde auch niemals sagen, ja, lass die doch alle ihre Drogen verticken oder konsumieren. Aber es gibt eben diese Schräglage. Also jemand, der drogenabhängig ist, ist halt auch ein kranker Körper. Also der hat eine Krankheit. Die Kriminalität des Drogenkonsums ist die eine Seite, was andere ist, die Krankheit an sich. Und wie gehen wir damit um? Und letztendlich sind es alle Menschen, warum wird einer ein Drogendealer? Aber eventuell, wenn er andere Perspektiven bekäme, würde er vielleicht auch aussteigen daraus. Die Drogenhändler sind ja oft eben Menschen aus Afrika, oft aus dem Maghreb, oft Geflüchtete. Würdest du sagen, da vermischen sich in der Debatte auch manchmal berechtigte Sorgen, berechtigte Kritik mit so einem latenten, ja vielleicht sogar Rassismus, weil die Menschen einfach eine andere Hautfarbe haben? Also ich denke jetzt zum Beispiel auch an diese Stadtbilddebatte losgetreten vom Bundeskanzler. Wie nimmst du das wahr? klar. Also wir halten ja unsere Klischees hoch, wir halten unsere Kategorien hoch, wir reproduzieren Kategorien ohne Ende, Schwarz-Weiß-Kategorien werden produziert, produziert, reproduziert. Also produziert will ich sagen, die gab es manchmal vorher noch gar nicht so, sondern die gibt es immer mehr und vermehrt. Und das hat mit diesem aktuellen Diskurs zu tun, der halt auch, naja, Diese rassistischen Parteien, ich möchte es in die Politik nicht so sehr reingehen, aber alleine das Stadtbild ist unterirdisch, weil man kann natürlich nicht an irgendwelchen äußeren Merkmalen feststellen, ob du jetzt ein Drogenhändler bist, ein Drogenkonsument oder drogensüchtig oder kriminell geflüchtet und hier ohne Papiere oder sonst was und arbeitslos. Das kann man einfach nicht an der Hautfarbe oder überhaupt am Äußeren feststellen. Das ist die Wahrheit. Und jetzt sind wir halt gerade auf der Suche nach den Schuldigen, warum es in Deutschland gerade wirtschaftlich nicht so gut geht. Und das hatten wir schon mal. Ich habe ja noch eine andere Tätigkeit. Ich bin freie Mitarbeiterin im Dokumentationszentrum Nationalsozialismus. Und da führe ich da durch die Dauerausstellung und da kommt so ein ähnliches Thema, so eine ähnliche Gemengelage mit der Suche nach Schuldigen für irgendwelche Missstände. Und ich glaube, da macht sich einfach die Gesellschaft des Wahnsinns leicht. Aber ich würde nicht sagen, dass ich frei von solchen Klischees bin. Man muss sich wirklich kritisch, immer wieder kritisch selbst hinterfragen. Auch ich, die ich lange im Senegal gelebt habe und senegaldeutsche Kinder habe, Auch ich bin geprägt von diesen Vorurteilen. Ja, spannend, dass du das so deutlich sagst. Muss man. Ansonsten kommen wir nie über diese Kategorien hinweg. Da ist keiner frei davon. Auch jemand, der dunkleutig ist, auch nicht. Das ist ein Klischeen, das ist eine gesellschaftliche Erzählung. Und die Wahrheit ist so, dass Leute, zum Beispiel aus der senegalisischen Community, die gehen sehr ungern auf den Platz. Weil dann werden sie ja vermischt mit denen, von denen man sagt, sie seien Drogenhändler, dann wären sie auch zu Drogenhändlern, ungewollterweise. Ja, dann sprechen wir doch mal über Lösungen. Also wie kommen wir quasi gesellschaftlich ein Stück weiter? Wie kommen wir auch mit dem Stühlinger Kirchplatz vielleicht einen Schritt weiter, sodass sich da wieder mehr Menschen wohl und sicher fühlen? Der Platz hat sich im letzten Jahr ja sehr verändert. Die Stadt Freiburg hat ein soziokulturelles, integratives Gesamtkonzept für den Platz entwickelt. das jetzt umgesetzt wird. Und seit 2011 gibt es den Verein Schwere los, Schweres los. Ich weiß gar nicht, wie man das richtig sagt. Das ist in Klammern. Das ist das Ziel des Vereins. Also der Verein, den gibt es eben seit 2011, der ist im Klein-Eschholz-Weg angesiedelt. Maren Moorman ist da die Leitung, die künstlerische Leitung, es hat was mit Kunst zu tun, weil man dort Menschen, die in prekären Situationen leben, whoever, darf da niedrigschwellig an den verschiedensten künstlerischen Angeboten teilnehmen. Da gibt es Tanz, da gibt es Musik, da gibt es Malen, da gibt es Skulpturen bauen, da gibt es Gruppen wie zum Beispiel Frauen, die Gewalt erlebt haben und dort sich in irgendeiner Form künstlerisch ausdrücken, um eine Art von Therapie zu machen, wie auch immer. Und es gibt eine warme Küche, dreimal in der Woche, da kann man gegen Spenden, also es gibt keinen Verkauf, aber da kann man gegen eine ganz geringe Spende, kriegt man da ein Mittagessen warmes. Die haben einen sehr guten Kontakt zu den Menschen, die auf dem Stühlinger Kirchplatz sich aufhalten, und die Möglichkeit dort ist eben, du kannst da hin, kannst dich aufwärmen, kannst was essen, kannst was trinken, kriegst einen Kaffee, ein Automat, ein Euro, Kaffee, 50 Cent, Tee und kannst einfach sitzen und keiner fragt dich, woher kommst du, was machst du eigentlich beruflich? Kannst einfach sein. Kannst einfach da sein. Und ich glaube, das ist einer der wichtigsten Aspekte. Der allerwichtigste Aspekt ist unsere großen, großen Themen, die wir gesellschaftlich haben. Demokratie, Erhalt, Toleranz, Integration, Migration und so Identität, wie auch immer. Wer sind wir als Deutsche? Wer darf mitmachen, wer nicht, warum nicht und so weiter. Also die großen Themen, die werden da in dem kleinsten Maßstab, den du überhaupt haben kannst, da werden die runtergebrochen. Zu diesem, komm rein, hier ist warm, ess was. Solange du, hier darf man nicht Alkohol trinken, man darf keine Drogen konsumieren, man darf keine Drogen verkaufen. Solange du das respektierst, herzlich willkommen. Finanziert wird der Verein durch Fördermitglieder, über Spenden und auch über Fördermittel der Stadt. Du bist jetzt eben als Kulturmanagerin bei dem Verein angestellt. Deine Stelle wird eben auch von der Stadt, vom Kulturamt finanziert. Wie bist du dazu gekommen? Wie hast du von der Stelle gehört? Hast du dich dann einfach darauf beworben? Wie lief das? Genau, da gab es eine Ausschreibung für den Stühlinger Kirchplatz, dass man da Kulturmanagement machen soll, kann und irgendwie eine Vernetzung zu den Kulturinstitutionen, Kulturschaffenden, vor allem im Stühlinger selbst, im Viertel. Und gleichzeitig einen Kioskbetrieb ins Leben rufen mit und versuchen, irgendeine kulturelle Teilhabe zu schaffen für alle möglichen Leute. Das war die Herausforderung und ich dachte, alles klar, Stühlinger Kirchplatz, da spricht man Wollhoff. Ich bin irgendwie geeignet für diese Position. Genau, der Kiosk soll am 19. März Stand jetzt eröffnen und es soll da eben Getränke geben, Snacks und aber auch eine Bühne und kulturelle Veranstaltungen. Was planst du denn da? So, das ist auch ein wirklich interessanter Punkt, weil so aus meiner, wenn man mich alleine ließe, dann würde ich mich alleine in den Kiosk setzen und würde ein Programm gestalten. Ich habe da überhaupt keine Mühe, mir tausend Sachen auszudenken, was man da Schönes machen könnte. Nur, ich denke, das Ziel ist, dass die Gemeinschaft, die in und um den Platz herum sich auffällt und irgendwelche Visionen hat von wie können wir gemeinsam zusammenleben, dass diese Gemeinschaft, die Gesellschaft von mir aufgefordert wird, diesen Kiosk mit Leben zu füllen. Ich bin gerne die Managerin und sage, heute der da und morgen den, aber das ist zu laut oder das ist zu leise oder das ist zu viel oder das ist zu wenig. Gerne. Das Ganze zu koordinieren, empfinde ich als die richtigere Aufgabe, als zu sagen, schauen Sie, das ist unser Programm, am Montag machen wir das, am Dienstag, das, am Mittwoch, das. Eben nicht. Es soll nicht so sehr für den Konsumenten angelegt sein, sondern eher für die, die irgendwie Initiative ergreifen wollen. Ich würde gerne, also meine Stelle ist für zwei Jahre finanziert und mein Ziel wäre schon. Dass ich am Ende der zwei Jahre den Schlüssel den Menschen in die Hand gebe und sage, läuft doch, macht mal weiter so. Also es ist vor allem auch eine Einladung zu mitmachen. Unbedingt. Ja, spannend. Wir wollen es gemeinsam. Ich glaube, die einzige Heilung gegenüber den Bedrohungen, die wir aktuell haben, politisch und gesellschaftlich, auch mit Social Media, mit den Tech-Braws aus USA und so weiter. Die einzige Chance, die wir wirklich haben, die reale Chance, ist, dass wir weg von Social Media hin zum kommt auf den Stühlinger Kirchplatz, wir machen was gemeinsam. Echte Begegnung. Echte Begegnung, Mensch mit Mensch, mit all den Komplikationen, die es mit sich bringt, aber auch dem ganzen Wohlfühlen, was es mit sich bringt, dieses Menschsein unter Menschen, lasst uns gemeinsam was machen und kulturell. Ja, ich kann mir vorstellen, wer kommt singen, kommt tanzen, kommt Theater machen, kommt Filme machen, machen wir Frisuren. Wir können alles machen auf dem Platz. Essen, trinken, gemeinsam kochen. Nee, kochen kann man in dem Kiosk, ehrlich gesagt, zu klein zum Kochen. Aber dafür gibt es ja das Vereinshaus oder wo auch immer. Aber man kann dort Essen ausgeben. Wir können Silent Disco machen. Wir können, wir haben, ja okay, man kann rumspinnen. Warum nicht? Aber wir würden gerne, ich habe schon Gespräche geführt mit dem Koki, ich würde gerne ein Filmfestival auf den Platz bringen. Mit dem kommunalen Kino. Warum nicht? Also so zwei Wochen im Sommer. Und alle, auch diejenigen, die vielleicht keinen Zugang zur Kultur haben, die nie ins Theater gehen oder ins Kino, weil sie nicht auf die Idee kommen, dass sie vielleicht auch woanders sich aufhalten können als auf dem Stühlinger Kirchplatz, die wären dann verpflichtet, das sich anzuschauen, weil das läuft halt dann da schon. Das Thema Sicherheit spielt vermutlich auch eine Rolle mit dem Kiosk. Wie geht ihr damit um? Gibt es da irgendwelche präventiven Maßnahmen, die ihr gleich mitgeplant habt? Also Sicherheitskonzept ist, mit der Polizei wird da was ausgetüftelt. Dass wir da die Leute, die da mitarbeiten wollen, Ehrenamtliche oder es gibt auch, ich bin auch mit der Uni vernetzt, möchte gerne Praktikanten da haben oder irgendwie Projektarbeiten, um das ein bisschen wissenschaftlich zu begleiten. Da muss natürlich Sicherheit irgendwie einigermaßen gewährleistet werden. Obwohl jetzt so Studierende der Sozial- und Kulturanthropologie, ehemals Ethnologie, die sind ja irgendwie gewöhnt, in fernste Länder zu reisen und da ist manchmal auch von Sicherheit. Also sie müssen schon ziemlich viel Risiko auf sich nehmen. Dennoch muss da eine Art, also ein Mindestmaß an Sicherheit gewährleistet werden. Aber ich würde ungern irgendwelche Security-Leute um den Kiosk rumstellen. Also da ist es mir lieber zu sagen, wie ich gerade die Geschichte erzählt habe, wenn jemand kommt und sagt, was will der von dir. Wenn man das selber beschützt, weil es einfach für alle auch eine Möglichkeit gibt, in dieser Gesellschaft teilzunehmen. Und eventuell gibt es ja auch andere Möglichkeiten, wo man Leute, die eben nicht arbeiten dürfen, und die aber gerne arbeiten würden. Also was weiß ich. Ich habe keine Ahnung, was es da für Möglichkeiten gibt, dass man die doch in irgendeinen Arbeitsmarkt und in irgendein geregeltes Verhältnis bringen kann. Einfach Integration irgendwie vorantreiben. Ja, echte Integration. Im Rahmen des Gesamtkonzepts gab es ja auch Diskussionen um bestimmte Maßnahmen zur Sicherheit eben. Also es ist ein Messerverbot gekommen, was sie jetzt noch nicht durchgesetzt haben oder was sie noch nicht machen wollen, was aber weiterhin auch in der Schublade liegt, wäre eine Videoüberwachung. Was hältst du davon? Ach, ich bin mir da so unsicher. Also wir könnten, wir haben auch, ich finde Videoüberwachung in einem Sinne ist es ganz praktisch, weil man dann Material hat und sieht, dass wenn irgendwie was passiert, also wir rechnen. Wir müssen natürlich damit rechnen, dass irgendjemand den Kiosk aufbricht und ich weiß auch nicht. Zu klauen, die Kaffeemaschine zu klauen oder irgendwas zu klauen oder einfach einzubrechen oder es kaputt zu machen oder es ist doch ein Störfaktor für den einen oder den anderen. Ich bin mir ja unsicher. Da muss ich mich beraten lassen. Ich würde sagen, ich bin da keine Expertin für solche Sicherheitskonzepte, da wissen es andere Menschen, kennen sich da besser aus und die werde ich natürlich befragen und wenn die diese oder jenen Ratschläge geben, Dann werden wir die anwenden. Manche machen sich ja auch ein bisschen über den Kiosk lustig. Also das heißt zum Beispiel, dass dann die Drogendealer halt dann einfach am Kiosk ihr Bier kaufen werden. Was erwidert zu solchen Bedenken? Wir verkaufen keinen Alkohol an dem Kiosk und auch wirklich keine Drogen. Obwohl es natürlich, ich mache mich selber schon lustig über mich und erzähle solche Sachen so aus Spaß. Es gibt verschiedene Vorbehalte. Es gibt Leute vom Platz, die sagen, wir seien dann die Spitzel und würden sofort die Polizei rufen, wenn wir irgendwas Verdächtiges auf dem Platz sehen. Da müssen wir uns auch erstmal etablieren. Und auf der anderen Seite werden wir, wir machen es einfach. Also ja, man kann sich über alles lustig machen. Ich mache mich auch gerne lustig. Man kann alles kritisieren, man kann alles runterziehen. Das Schöne an dem Kiosk, an dem Kulturkiosk, meiner Meinung nach, und an dem Projektkulturkiosk, das ist, es kann gelingen, aber es kann scheitern. Es sind beide Varianten wirklich möglich. Und ich finde, das darf man realistisch so sehen. Und umso wertvoller ist das Ganze. Und auch wenn es scheitern würde, wäre es meiner Meinung nach kein herausgeschmissenes Geld. Sondern es ist ein weiterer Versuch, wie die Büsche wegzustürzen, wie mehr Licht auf den Platz zu bringen, wie dies oder jenes, wie Messerverbot. Das sind lauter Versuche, diesen Platz nicht radikal mit Polizeigewalt, wie auch immer, sauber zu machen und dann irgendwas anderes zu etablieren, sondern wir versuchen, das auf eine softe Weise irgendwie neu zu bespielen. Keine Ahnung, klappt das, klappt das nicht? Aber das ist doch das Spannende und das ist das, was mich auch extrem motiviert. Also du würdest sagen, am Versuch ist es wert, dass Kultur, dass Vorträge, Strickkurse, Musik, Tanz davor sorgen können, dass sich Menschen, dass sich Familien auf dem Platz wieder sicher und wohl fühlen. Kommen vorbei, trinken Kaffee, trinken Tee, wir kommen ins Gespräch, vielleicht haben wir neue Ideen. Und das kann ja über den Kiosk, das muss ja nicht dieser kleine, der kleine Kiosk hat eine kleine Bühne. Das ist ein kleiner Raum, das ist minimal. Aber wir sind mitten auf einem Platz, wir können das größer bespielen. Wir haben auch eine Kooperation angedacht mit IG Subkultur. Die wollen ja den Escholzpark bespielen. Und da sind wir, wir sind noch nicht direkt im Gespräch, aber zumindest mal per E-Mail. Da sind wir uns auf jeden Fall einig, dass wir das irgendwie gemeinsam gestalten. Freiburg hat schon viel Kultur, aber kann gar nicht genug Kultur haben. Und vor allem, wenn es dann um kulturelle Teilhabe geht, auch um Inklusion, das ist ja auch ein Thema beim Kulturkiosk, was groß geschrieben wird. Aber ich meine nur, es muss sich nicht auf diese paar Quadratmeter beschränken, sondern es kann eine Strahlkraft haben. Oder wenn das Radio mal zu uns kommt, wir machen Podcasts direkt aus dem Kiosk. Ja, gerne. Genau. Also es gibt einfach, der Ideen ist kein Ende gesetzt. Wir können alle zusammenarbeiten, wir müssen auch nicht in Konkurrenz treten, weil das ist einfach ein anderes Konzept. Wir machen kulturelle Teilhabe, schreiben wir groß. Andere machen Kultur, wo man hinkommt und das konsumieren kann. Ja, lasst uns zusammenarbeiten. Ja, dann wünsche ich dir dafür ganz viel Erfolg. Einen richtig guten Start in dem Kiosk und wir drücken alle die Daumen, dass es funktioniert. Ja, vielen Dank. Vielen Dank für die Einladung auch hierher. Danke, dass du da warst. Vielen Dank. Ja, einige Fragen sind ja jetzt durchaus noch offen. Also, ja, wie wurde der Stühlinger Kirchplatz zu Freiburg so berüchtigt im Ort? Wie hat sich da die Drogenszene verändert? Was sagt die Kriminalitätsstatistik? Wie dramatisch ist es wirklich? Was sagt die Polizei? Was sagt der Bürgermeister? Was sagt vielleicht auch ein Soziologe? Und die Drogenhändler, was sagen die eigentlich? Das hört ihr alles in der Serie Platzangst. Zu hören ab dem 6. Februar bei der Badischen Zeitung und überall, wo es Podcasts gibt.