Latest / ntv Wirtschaft / EU-Keule gegen Alphabet: Google soll fast eine Milliarde Euro zahlen
Transcript
- 0:04Die EU verhängt eine saftige Strafe gegen Google. Fast eine Milliarde Euro wegen
- 0:10unfairer Geschäftspraktiken.
- 0:12Außerdem geht heute mal wieder der Blick in Richtung EZB und Zinsen.
- 0:16Und in Köln entsteht Europas größte Flusswasserwärmepumpe. Hallo!
- 0:23In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte,
- 0:27die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat.
- 0:32Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt.
- 0:37Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards
- 0:41geprüft. Viel Spaß beim Zuhören.
- 0:47Wir starten mit Alphabet. Der Google-Mutterkonzern hat im vergangenen Quartal
- 0:52die Erwartungen der Wall Street übertroffen.
- 0:55Der Umsatz steigt im Jahresvergleich um ein Viertel auf knapp 120 Milliarden Dollar.
- 1:01Besonders stark läuft das Cloud-Geschäft. Es springt sogar um mehr als 80 Prozent,
- 1:06auf fast 25 Milliarden Dollar.
- 1:09Auch das Kerngeschäft mit Werbung rund um die Google-Suche wächst weiter kräftig.
- 1:14Dabei gab es lange die Sorge, dass KI-Antwortmaschinen Googles Suche unter Druck setzen könnten.
- 1:21Alphabet hat aber selbst KI-Funktionen eingebaut und baut das Geschäft damit weiter aus.
- 1:27Und der Konzern investiert weiter massiv in seine KI-Infrastruktur.
- 1:32Allein im vergangenen Quartal gab Alphabet dafür knapp 45 Milliarden Dollar aus.
- 1:38Und nach den starken Zahlen kommt direkt der europäische Dämpfer.
- 1:42Die EU verhängt gegen Google eine Strafe von 890 Mio. Euro.
- 1:47Der Vorwurf? Google habe bei seiner Suchmaschine und mit dem App-Marktplatz
- 1:52Google Play Wettbewerbsregeln verletzt und seine Konkurrenz widerrechtlich benachteiligt.
- 1:58Brüssel verlangt jetzt Änderungen. Drittanbieter sollen in der Suche fairer erscheinen.
- 2:03App-Entwickler sollen leichter auf günstigere Angebote außerhalb von Google Play verweisen können.
- 2:10Google weist die Entscheidung scharf zurück und warnt, beliebte Funktionen könnten schlechter werden.
- 2:16Patrick DeWayne ordnet das Ganze für uns ein mit dem Chefvolkswirten der LBBW, Moritz Krämer.
- 2:22Eine Milliarde US-Dollar Strafe, Herr Krämer, das ist natürlich eine immense
- 2:27Summe, die der Digital Markets Act jetzt Google auferlegt. Oder ist das möglicherweise
- 2:32doch eher zu verschmerzen für Google?
- 2:35Das ist für Google auf jeden Fall zu verschmerzen.
- 2:37Eine Milliarde ist für Sie und für mich eine Menge Geld.
- 2:41Für Google ist das relativ überschaubar. Und man darf nicht vergessen,
- 2:45unter dem Digital Markets Act im Extremfall hätte die EU Strafen verhängen können
- 2:50von 10% des weltweiten Umsatzes. Es wären also über 40 Milliarden Dollar gewesen.
- 2:56Also das ist jetzt nicht der größte anzunehmende Unfall für Google.
- 3:00Sie haben den Digital Markets Act angesprochen. Was ist denn der konkrete Vorwurf,
- 3:03den die EU jetzt in Richtung Google sendet?
- 3:05Ja, das sind zwei Vorwürfe. Das eine hat mit der Suchmaschine zu tun,
- 3:09dass Google quasi die Prime Positions, also die ganz oben auftauchen, verkauft.
- 3:14Also wer Provisionen zahlt, taucht oben auf. Wer nichts zahlt,
- 3:18ist ferner liefen, auch wenn er vielleicht die besseren Informationen beinhaltet.
- 3:22Also das ist der erste Punkt. Das zweite ist der Playstore, der ja bei Android-Produkten
- 3:27serienmäßig quasi vorgebaut ist.
- 3:30Und auch hier gilt eben der Vorwurf, dass nur gegen eine Kommission,
- 3:37runtergeladen werden darf und dass die Unternehmen, also die App-Entwickler,
- 3:41jetzt nicht anderweitig irgendwie werben dürfen, dass man es anderswo billiger haben könnte.
- 3:46Ja, jetzt hat die EU zu Recht die Wettbewerbsnachteile angesprochen.
- 3:50Ist es denn in der Praxis wirklich so? Ich meine, ich weiß nicht,
- 3:52was Sie nutzen, aber den Chrome-Browser nutzen sehr viele im Gegensatz zu anderen.
- 3:57Ist möglicherweise, das ist meine Frage, die Technologie, die Google im Petto
- 4:01hat, auch geeigneter für uns Endverbraucher?
- 4:04Ja, der Chrome-Browser ist dominant. Wir haben in Europa fast zwei Drittel Marktanteil.
- 4:11Und zwar steigende Tendenz. Also bis letztes Jahr war das noch irgendwie Kopf-an-Kopf-Rennen
- 4:16mit Safari, der Apple-Browser.
- 4:19Also da ist schon eine Dominanz absehbar. Auch weltweit führt Google Chrome
- 4:23mit Abstand, da sind es vielleicht knapp über 50 Prozent Marktanteil.
- 4:28Und damit gehen natürlich bestimmte Verantwortungen und kartellrechtliche Überlegungen einher.
- 4:34Und das ist ein ganz wichtiger Punkt, denn es geht am Ende um das KI-Race, also wer das gewinnt.
- 4:39Jetzt sind wir in Europa natürlich relativ schwach auf der Brust.
- 4:42Könnte dieses Urteil möglicherweise auch uns da weiter ins Hintertreffen bringen?
- 4:46Also der Digital Markets Act wird natürlich auch auf KI angewandt.
- 4:51Auch hier soll ein fairer und vergleichbarer Wettbewerb gewährleistet sollen.
- 4:56Marktkonzentration soll verhindert werden.
- 4:58Das ist leicht gesagt, aber diese Netzwerkeffekte, und das haben wir bei Google
- 5:02ja gesehen, Natürlich kann jeder auf einen anderen ...
- 5:05Browser umsteigen. Wir haben vorhin drüber gesprochen, DuckDuckGo oder Ecosia.
- 5:10Dann sagen die Leute, muss ich erst mal googeln, was das eigentlich ist.
- 5:15Die Netzwerkeffekte sind da sehr stark und bei der KI wird es wahrscheinlich
- 5:18auch so sein und es ist natürlich noch viel politischer.
- 5:20Wird auch politisch genutzt zum Teil, also gerade aus Amerika.
- 5:24Und das kann uns natürlich dann zum Schaden greifen. Das ist genau meine nächste
- 5:27Frage, diese politische Komponente.
- 5:29Die Zölle laufen aus, droht uns jetzt der nächste Handelskonflikt mit Donald
- 5:32Trump, weil da guckt er ja genau hin bei seinen Tech-Unternehmen.
- 5:34Ja, bei seinen Tech-Freunden, da guckt er schon genau hin. Letztes Jahr gab
- 5:38es ja schon mal eine Strafe gegen Google kartellrechtlich, ich glaube,
- 5:41waren drei Milliarden oder irgendwie sowas.
- 5:43Da hat er auch gleich mit neuen Zöllen gedroht.
- 5:46Also er nimmt das sehr persönlich und das wird ihn sicherlich jetzt nicht besänftigen.
- 5:54Wenn jetzt Google gleichzeitig sein Geschäftsmodell anpassen muss,
- 5:57ist das Gegenwind in Kombination mit den hohen Ausgaben für KI,
- 6:01also die CapExpandings.
- 6:02Man hat ja gestern auch Zahlen gesehen und die politische Handelskrieg-Komponente.
- 6:05Ist das wirklich für Google, beim Hinblick auf die Anlegerinnen und Anleger,
- 6:08die da nachdenken zu investieren, weiter Gegenwind?
- 6:11Also ich vermute, dass Google erstmal den Rechtsweg bis zum Ende ausreizen wird.
- 6:16Und das kann dann natürlich eine gewisse Weile dauern.
- 6:20Aber die Strafe ist nicht schön für Google, aber die Anpassung des Geschäftsmodells
- 6:25wäre wesentlich schlimmer.
- 6:27Weil dann eben diese Provisionszahlungen und Privilegierungen von denjenigen,
- 6:32die Alphabet, also die Mutterkonzernen bezahlen, wegfiele.
- 6:36Und das ist ja, wo das Geld verdient wird. Das Geld wird verdient.
- 6:39Ich danke Ihnen für das Interview vor allen Dingen mit der Suchmaschine.
- 6:41Und das Urteil der EU wird genau mit Argus Ogen beobachtet. Und Donald Trump
- 6:46wird auf jeden Fall noch was dazu sagen.
- 6:49Damit zu Tesla. Auch hier schauen Anleger genau hin.
- 6:53Tesla verkauft wieder mehr Autos, liefert im zweiten Quartal rund 480.000 Fahrzeuge aus.
- 7:00So viele wie noch nie in diesem Zeitraum.
- 7:02Auch der Umsatz fällt mit 28 Milliarden Dollar besser aus als erwartet.
- 7:07Und trotzdem gibt die Aktie nach. Der Grund? Tesla verbrennt erstmals seit mehr
- 7:13als zwei Jahren wieder Geld.
- 7:14Mit hohen Ausgaben für KI und Robotik.
- 7:18Das Unternehmen verzeichnet im zweiten Quartal einen negativen Cashflow,
- 7:22also einen Mittelabfluss von 1,1 Milliarden Dollar.
- 7:27Teslas Zukunftserzählung hängt immer stärker an Robotaxis, humanoiden Robotern und physischer KI.
- 7:35Und wie sieht's bei der EZB aus? Die Europäische Zentralbank legt nach der Zinserhöhung
- 7:40im Juni erst einmal eine Pause ein.
- 7:43Die Leitzinsen im Euroraum bleiben unverändert.
- 7:46Der wichtige Einlagenzins für Banken und Sparer liegt weiter bei 2,25 Prozent.
- 7:53Ganz vom Tisch ist die nächste Erhöhung aber nicht. Im September könnte die
- 7:57EZB wieder nachlegen, wenn neue Prognosen zu Inflation und Konjunktur vorliegen.
- 8:03Denn die Inflationsrisiken bleiben hoch, solange der Iran-Krieg weitergeht.
- 8:07Aktuell treibt der Konflikt zwischen den USA und dem Iran die Ölpreise wieder nach oben.
- 8:13Für Verbraucher und Unternehmen heißt das, die Zinsen bleiben vorerst stabil.
- 8:18Aber Entwarnung gibt es nicht.
- 8:20Wenn Energie wieder teurer wird, wächst auch der Druck auf die EZB,
- 8:24noch einmal zu reagieren.
- 8:26Zum Schluss nach Köln. Da war Bundeswirtschaftsministerin Reiche bei der Grundsteinlegung
- 8:32für Europas größte Flusswasserwärmepumpe dabei.
- 8:36Die Anlage von Rheinenergie soll Wärme aus dem Rheinwasser nutzen und ins Kölner Fernwärmenetz leiten.
- 8:42Dafür reicht schon eine Wassertemperatur von mindestens 5 Grad.
- 8:47Ab 2028 soll die Anlage so 50.000 Haushalte klimaneutral mit Heizwärme versorgen.
- 8:54So eine Flusswasserwärmepumpe läuft schon in Mannheim. Eine zweite ist da im Bau.
- 9:01Welches Potenzial steckt in dieser Technik? Darüber hat Julian Hilgers mit Andreas
- 9:05Feicht gesprochen, dem Vorstandschef von RheinEnergie.
- 9:09Herr Feicht, Sie bauen die nach Ihren Angaben größte Flusswasserwärmepumpe Europas.
- 9:14Was macht diese Technologie denn so besonders?
- 9:17Die Technologie nutzt die Umweltwärme, die wir im Rhein haben.
- 9:21Wir haben Glück, wir haben einen großen Strom, wenn man so will, direkt in der Stadt.
- 9:27Die Wärme, die das Wasser mit sich führt, können wir nutzen.
- 9:31Sehr effizient. Das heißt, wir nutzen Strom, um zu verdichten,
- 9:35wie das in der Wärmepumpe eben passiert.
- 9:38Aber mit einer Kilowattstunde Strom produzieren wir etwa 2,8 Kilowattstunden an Wärme.
- 9:44Das heißt, das ist der Effizienzvorteil, den es gibt. Und das führt zur Dekarbonisierung,
- 9:51zu einer klimaneutralen oder klimaarmen Fernwärmetechnologie und ist dadurch
- 9:56auch sehr wirtschaftlich.
- 9:58Sprechen die Dekarbonisierung an. Wie bedeutend ist diese Technologie für die
- 10:02Werbewende in Deutschland?
- 10:04Sie kann sehr bedeutend sein, da wo es gut passt.
- 10:07Das heißt, in keiner Stadt ist es genauso wie in einer anderen Stadt.
- 10:12Das heißt, manchmal kann man Geothermie nutzen. Das können wir in Köln zum Beispiel leider nicht.
- 10:18Manche haben, wie wir, einen großen Fluss, das heißt, da spielt Flusswärmepumpe
- 10:23eine Rolle. Jede Stadt muss im Prinzip, jede Region ihren Weg finden.
- 10:28Aber da, wo die Bedingungen gut sind, ist diese Technologie wirklich sehr vielversprechend.
- 10:33Es sollen ja 50.000 Haushalte jetzt mit dieser Energie, mit dieser Wärme versorgt
- 10:38werden. Am Ende interessieren sich diese Haushalte ja vor allen Dingen dafür,
- 10:41was mit den Preisen passiert.
- 10:43Wird das Heizen durch Ihre Flusswasserwärmepumpe günstiger?
- 10:47Günstiger wird es nicht, aber es ist eben möglich, dass wir stabile Fernwärmepreise
- 10:55bieten können, Und trotz der zusätzlichen Investitionen in die Dekarbonisierung, warum?
- 11:02Aus zwei Gründen. Einmal können wir diese Wärmepumpe sehr effizient betreiben,
- 11:07und zwar im Verbund mit den Gaskraftwerken, die wir am Standort haben.
- 11:12Das heißt, wenn die Strompreise niedrig sind, zum Beispiel weil viel Wind weht
- 11:18oder die Sonne scheint, dann nutzen wir die Wärmepumpe. Wenn die Strompreise
- 11:22hoch sind, nutzen wir das Gaskraftwerk.
- 11:24Es schafft Versorgungssicherheit und eine hohe Wirtschaftlichkeit.
- 11:28Wichtig ist aber auch die Förderung. Die Bundesregierung fördert uns großzügig,
- 11:33mit etwa 30 Prozent der Investitionskosten. Und auch das ist natürlich ein Beitrag
- 11:37dafür, dass die Tandauerpreise nicht stark steigen müssen.
- 11:40Wir kämpfen ja in Deutschland jetzt immer mehr mit Niedrigwasser.
- 11:44Der Klimawandel wird zu großen Herausforderungen. Wie sehr gefährdet die Klimakrise
- 11:50auch Ihre Technologie, wenn der Rhein zum Beispiel Niedrigwasser trägt?
- 11:55Da gibt es keine Gefahr. Wir entnehmen das Wasser aus dem Hafenbecken.
- 11:59Im Hafenbecken am Kölner Hafen Niel ist immer genügend Wasser enthalten.
- 12:05Das Wasser, was generell diese Wärmepumpen benötigen, ist relativ gering im
- 12:10Vergleich zu dem, was der Fluss an Wasser führt. Also Niedrigwasser ist für
- 12:13diese Technologie kein Problem.
- 12:15Dann sind wir gespannt und danken für das Gespräch, Herr Peicht.
- 12:20Vielen Dank. Das war unser Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den Moment.
- 12:26Wir hören und lesen uns wieder bei NTV, in der App, im TV oder hier im Podcast.