Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Die fröhliche Wissenschaft - Buch 2 - 64-71
Transcript
- 0:00Unterkapitel 64 Skeptiker hier äußert Nietzsche eine provokante
- 0:07Vermutung über Frauen und Skepsis.
- 0:09Er sagt, er fürchte, dass altgewordene Frauen im
- 0:12geheimsten Versteck ihres Herzens skeptischer sind als
- 0:15alle Männer. Was meint er damit er glaubt,
- 0:18dass diese Frauen an die Oberflächlichkeit des Daseins
- 0:21als dessen wahres Wesen glauben? Für Sie sind alle Tugend und
- 0:25alle Tiefe, nach denen Männer vielleicht streben, nur eine
- 0:28Verhüllung dieser oberflächlichen Wahrheit, diese
- 0:31Wahrheit selbst, also die angebliche Oberflächlichkeit von
- 0:35allem, ist etwas, das man eigentlich verhüllen sollte,
- 0:39eine Art intime, peinliche Tatsache, die Verhüllung dieser
- 0:44Tatsache ist für sie nur eine Sache des Anstandes und der
- 0:47Scham und nicht mehr, sie glauben also nicht wirklich an
- 0:51tiefe Werte. Sondern sehen Sie nur als
- 0:53notwendige gesellschaftliche Masken an.
- 0:57Unterkapitel 65 Hingebung in diesem Kapitel beschreibt
- 1:04Nietzsche mit viel Mitgefühl eine tragische Form der
- 1:07weiblichen Hingabe, er spricht von edlen Frauen, die eine
- 1:10gewisse Armut des Geistes haben, um ihre tiefe Hingebung an einen
- 1:15Mann auszudrücken, wissen sie sich nicht anders zu helfen, als
- 1:18ihm ihre Tugend und ihre Scham anzubieten.
- 1:21Denn das ist ihr höchstes gut, ihr wertvollster Besitz.
- 1:25Das Tragische daran ist, so Nietzsche, dass dieses unendlich
- 1:29wertvolle Geschenk oft angenommen wird, ohne dass der
- 1:32Empfänger die tiefe Verpflichtung spürt, die damit
- 1:34einhergeht. Der Mann versteht nicht, welches
- 1:37Opfer die Frau bringt Nietzsche schließt mit dem Satz, dies sei
- 1:42eine sehr schwermütige Geschichte, er betont damit die
- 1:46traurige Kluft im Verständnis zwischen den Geschlechtern.
- 1:49Und das unerkannte Opfer, das in dieser Form der Liebe liegt.
- 1:54Unterkapitel 66 die Stärke der Schwachen hier analysiert
- 2:02Nietzsche eine Strategie, die er bei Frauen beobachtet und als
- 2:05Stärke der Schwachen bezeichnet. Er sagt, alle Frauen seien
- 2:09Meisterinnen darin, ihre Schwäche zu übertreiben, sie
- 2:12sind, so seine Beobachtung, erfinderisch darin, sich als
- 2:16zerbrechliche Zierraten darzustellen.
- 2:19Denen schon ein kleines Staubkorn wehtut.
- 2:22Der Zweck dieser Strategie ist es, dem Mann seine eigene
- 2:25Plumpheit und Stärke vor Augen zu führen und ihm damit ein
- 2:28schlechtes Gewissen zu machen. Auf diese Weise, so Nietzsche,
- 2:32wehren sich die Frauen gegen die starken und gegen das
- 2:35Faustrecht, also das Recht des Stärkeren, ihre zur Schau
- 2:40gestellte Schwäche wird zu einer raffinierten psychologischen
- 2:42Waffe, die den Starken zwingt, sich zurückzuhalten.
- 2:47Unterkapitel 67 sich selber heucheln dieses Kapitel ist eine
- 2:54kleine ironische Szene über die Liebe.
- 2:57Nietzsche beschreibt eine Frau, die sich verliebt hat, seitdem
- 3:00blickt sie mit ruhigem Vertrauen vor sich hin, so friedlich wie
- 3:04eine Kuh. Das Problem ist aber ihr
- 3:07Geliebter war gerade von ihrer früheren Art fasziniert, davon,
- 3:11dass sie durchaus veränderlich und unfassbar schien.
- 3:14Er selbst hatte schon genug beständiges Wetter in seinem
- 3:17eigenen Charakter. Nietzsche stellt nun die
- 3:20rhetorische Frage, sollte sie nicht gut daran tun, ihren
- 3:24alten, unberechenbaren Charakter zu heucheln, sollte sie nicht
- 3:28sogar lieblosigkeit vortäuschen, rät ihr die Liebe also nicht
- 3:32paradoxerweise dazu, eine Komödie zu spielen?
- 3:36Er beendet das Kapitel mit dem lateinischen Ausruf Vivat
- 3:39Comödia es lebe die Komödie bedeutet.
- 3:44Damit deutet er an, dass die Liebe selbst eine Art Schauspiel
- 3:47erfordert und dass die Aufrechterhaltung der
- 3:49Faszination manchmal wichtiger ist als die absolute
- 3:52Unverstellte Ehrlichkeit. Unterkapitel, 68 Wille und
- 3:58Willigkeit dieses Kapitel ist als ein kleiner Dialog
- 4:03aufgebaut, ein Jüngling wird zu einem weisen Mann gebracht mit
- 4:06den Worten, siehe, das ist einer, der durch die Weiber
- 4:10verdorben wird, der Weise lächelt und widerspricht.
- 4:14Es seien die Männer, die die Frauen verderben.
- 4:17Alles, was den Frauen fehlt, solle an den Männern gebüßt
- 4:20werden. Seine Begründung ist, der Mann
- 4:23macht sich das Bild des Weibes und das Weib bildet sich nach
- 4:27diesem Bilde. Ein anderer Zuhörer wirft ein,
- 4:30der Weise sei zu Mildherzig gegenüber den Frauen, darauf
- 4:34antwortet der Weise mit einem fundamentalen Gesetz der
- 4:37Geschlechter, die Art des Mannes ist der Wille.
- 4:41Also das Aktive wollen und gestalten, die Art des Weibes
- 4:45ist die Willigkeit, also die Bereitschaft, sich formen zu
- 4:48lassen. Alle Menschen, so der Weise,
- 4:51sind unschuldig für ihr Dasein, aber die Frauen sind es im
- 4:55Zweiten, gerade weil sie sich nur nach dem Bild richten, das
- 4:58die Männer von ihnen entwerfen, deshalb könne man ihnen
- 5:02gegenüber nicht genug Milde walten lassen, als jemand nach
- 5:06mehr strenge ruft, meint der Weise nur, man müsse die Männer
- 5:10besser erziehen. Der Jüngling, um den es anfangs
- 5:13ging, folgt dem Weisen am Ende jedoch nicht.
- 5:18Unterkapitel 69 Fähigkeit zur Rache hier formuliert Nietzsche
- 5:25einen Gedanken über Ehre und die Fähigkeit zur Rache, er sagt,
- 5:29dass es keine Schande ist, wenn sich jemand nicht verteidigen
- 5:32kann und es auch nicht will, wir verachten aber denjenigen, der
- 5:36zur Rache weder das Vermögen noch den guten Willen hat.
- 5:40Egal ob Mann oder Frau, er spitzt diesen Gedanken auf.
- 5:44Das Verhältnis zwischen den Geschlechtern zu und fragt
- 5:47rhetorisch, würde uns eine Frau wirklich fesseln können, wenn
- 5:51wir ihr nicht zutrauen würden, dass sie unter bestimmten
- 5:54Umständen den Dolch gegen uns führen könnte?
- 5:57Mit Dolch meint er dabei jede Art von Vergeltung, physisch
- 6:01oder psychisch, er erwähnt auch die Möglichkeit der Rache gegen
- 6:05sich selbst, was er die chinesische Rache nennt.
- 6:09Eine noch empfindlichere Form der Vergeltung, bei der jemand
- 6:12sich selbst schadet, um den anderen zu treffen.
- 6:15Für Nietzsche gehört die potentielle Gefährlichkeit zur
- 6:18Faszination dazu, unter Kapitel 70 die Herrinnen der Herren in
- 6:26diesem letzten Kapitel des Abschnitts beschreibt Nietzsche
- 6:28die Wirkung einer tiefen, mächtigen Frauenstimme, wie man
- 6:31sie manchmal im Theater hört. Eine solche Stimme, ein Alt.
- 6:36Eröffnet uns für einen Moment die Vorstellung, dass es Frauen
- 6:39mit hohen, heldenhaften königlichen Seelen geben könnte.
- 6:43Diese Frauen wären fähig zu grandiosen Taten, entschlüssen
- 6:47und aufopferungen sie wären fähig, über Männer zu herrschen,
- 6:51weil sie das Beste des Mannes über das rein geschlechtliche
- 6:54hinaus in sich zu einem lebendigen Ideal gemacht haben.
- 6:58Nietzsche merkt jedoch an, dass das Theater und die Musiker
- 7:01diese Stimmen oft missverstehen. Sie besetzen sie meist für die
- 7:05Rolle des idealen männlichen Liebhabers, zum Beispiel Romeo.
- 7:09Aber das Publikum, so Nietzsche, glaubt diesen Liebhabern nicht,
- 7:14denn diese Stimmen enthalten immer noch eine Farbe des
- 7:16mütterlichen und Hausfrauenhaften, besonders
- 7:19dann, wenn sie liebe ausdrücken sollen.
- 7:22Die Stimme verrät eine weibliche Stärke, die nicht in die Rolle
- 7:25des verliebten Mannes passt. Unterkapitel 71 von der
- 7:31weiblichen Keuschheit. In diesem Abschnitt wundert sich
- 7:35Nietzsche über die Art und Weise, wie vornehme Frauen in
- 7:38seiner Zeit erzogen wurden, besonders wenn es um das Thema
- 7:41Sexualität geht. Er nennt diese Erziehung
- 7:44erstaunlich und paradox, also widersprüchlich, er sagt, alle
- 7:49sind sich einig, dass diese Frauen so unwissend wie möglich
- 7:52über alles erotische gehalten werden sollen, man erzieht sie
- 7:55so, dass sie eine tiefe Scham für solche Themen empfinden und
- 7:59schon bei der kleinsten Andeutung nervös werden.
- 8:02Oder das Thema wechseln. Die gesamte Ehre einer Frau, so
- 8:06Nietzsche, hängt an diesem einen Punkt ihrer Keuschheit und
- 8:10Unwissenheit, alles andere würde man ihr eher verzeihen.
- 8:15Sie sollen also bis ins Innerste ihres Herzens unwissend bleiben,
- 8:19sie sollen weder Augen, Ohren, Worte noch Gedanken für dieses
- 8:23angebliche Böse haben. Nietzsche spitzt es zu und sagt,
- 8:27in dieser Erziehung ist das Wissen selbst schon das Böse.
- 8:31Und dann, so beschreibt er es, kommt die Ehe.
- 8:34Für die Frau ist die Hochzeitsnacht wie ein grausiger
- 8:37Blitzschlag, plötzlich wird sie mit der vollen Wucht der
- 8:40Realität und des Wissens konfrontiert, und das
- 8:44ausgerechnet durch den Mann, den sie am meisten liebt und
- 8:47Hochachtet in diesem Moment prallen in ihr die stärksten
- 8:51Gefühle aufeinander, Liebe und Scham, entzücken und Pflicht,
- 8:56Mitleid und Schrecken. Sie erlebt eine unerwartete Nähe
- 9:01zu etwas, das sie gleichzeitig als göttlich, die Liebe und
- 9:05tierisch die Sexualität empfindet.
- 9:08Nietzsche meint, dass dieser Moment in der Seele der Frau
- 9:11einen unvorstellbaren Knoten schlingt, einen inneren Konflikt
- 9:15von gewaltigem Ausmaß, selbst der klügste und mitfühlendste
- 9:19Beobachter könne kaum erahnen, wie eine Frau dieses Rätsel für
- 9:23sich löst und welche schrecklichen, weitreichenden
- 9:25Zweifel in ihrer Seele entstehen.
- 9:28Er glaubt, dass an diesem Punkt die tiefste Skepsis und die
- 9:31letzte Philosophie einer Frau ihren Anker wirft.
- 9:34Danach herrscht oft wieder das gleiche Schweigen wie zuvor,
- 9:38viele Frauen schweigen sogar vor sich selbst und verschließen die
- 9:41Augen vor ihren eigenen inneren Konflikten, junge Frauen geben
- 9:46sich danach besonders oberflächlich und gedankenlos,
- 9:48und die Feinfühligsten unter ihnen täuschen sogar eine Art
- 9:51Frechheit vor, um ihre innere Verwirrung zu verbergen.
- 9:55Ihre Ehemänner werden für sie zu einem ständigen Fragezeichen für
- 9:58ihre Ehre und ihre Kinder zu einer Art Entschuldigung oder
- 10:02Buße. Nietzsches Fazit ist voller
- 10:06Mitgefühl angesichts dieses psychologischen Dramas, dass die
- 10:10Gesellschaft den Frauen zumutet, könne man ihnen gegenüber nicht
- 10:13sanft und mild genug sein.