Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / #14 Folge 9: "Mein Mann wird aggressiv": Ein Survival-Guide für Frauen in Not
Transcript
- 0:00Hallo und herzlich Willkommen bei nelix Berlin.
- 0:02Ich freue mich riesig, dass du heute wieder eingeschaltet hast,
- 0:07um dir Zeit für dich und deine Themen zu nehmen.
- 0:09Wir haben heute ein Thema, das ist ja wirklich ernst und leider
- 0:14auch echt häufig. Genau.
- 0:15Es geht darum, wenn der Partner unter Alkoholeinfluss aggressiv
- 0:19wird und der Anlass ist eine Nachricht, die uns, oder besser
- 0:23gesagt Gabriel erreicht hat. Anonymisiert von einer Mutter.
- 0:28Und diese Nachricht, die beschreibt eine Zerrissenheit,
- 0:32die also, die geht echt unter die Haut.
- 0:34Ja, sag ich mal kurz, sie schreibt lieber Gabriel, ich
- 0:38weiß nicht mehr weiter, mein Mann ist der liebste Mensch der
- 0:41Welt, wenn er nüchtern ist, aber wenn er trinkt, wird er zu einem
- 0:44Monster. Puh.
- 0:47Er schreit, er schubst, er schlägt gegen Wände.
- 0:49Ich habe Angst, nicht nur um mich, sondern vor allem um
- 0:53unsere Kinder, die das alles mitbekommen.
- 0:55Ich liebe ihn, aber ich kann nicht mehr, was soll ich tun,
- 0:59ja. Das ist das sitzt, diese
- 1:02Hilflosigkeit, diese Angst. Das spürt man total.
- 1:06Absolut. Und Gabriels Reaktion darauf,
- 1:08die ist sehr, sehr direkt, vielleicht auch ja schonungslos,
- 1:12könnte man sagen. Ja, das kann man so sagen.
- 1:15Er stellt sofort klar, dass. Das hier, was wir besprechen,
- 1:18das ist kein klassischer Beziehungsratgeber, so nach dem
- 1:20Motto Wie rette ich die Liebe? Nein.
- 1:23Sondern. Es ist ein Survival Guide, ein
- 1:25Überlebensleitfaden. Priorität Nummer 1 ist nicht,
- 1:30die Beziehung zu kitten oder zu hoffen, dass er sich ändert, das
- 1:33liegt bei ihm. Die absolute Priorität hast du
- 1:37und deine Kinder eure Sicherheit.
- 1:40Jetzt, es ist eine ganz wichtige Unterscheidung, also Sicherheit
- 1:43zuerst, und zwar sofort. Alkoholbedingte Aggression, das
- 1:47muss man so klar sagen, ist häusliche Gewalt, genau das ist
- 1:50keine Lappalie, kein Ausrutscher, den man mal eben
- 1:53wegsteckt, eben nicht, und hier müssen wir ja auch kurz ja eine
- 1:56Triggerwarnung aussprechen, wir reden hier über Dinge wie
- 1:58häusliche Gewalt, logischerweise über Alkoholmissbrauch.
- 2:01Über Kindeswohlgefährdung, das kann echt was auslösen.
- 2:04Absolut. Und wenn du dich jetzt, wenn du
- 2:07das hörst, akut bedroht fühlst, dann ist der einzige richtige
- 2:09Anruf 110 die Polizei, die sind dafür da zögere.
- 2:14Nicht ganz wichtig und diese Direktheit von Gabriel, die
- 2:17kommt ja nicht von ungefähr. Man muss vielleicht kurz
- 2:19erklären, wer Gabriel von nielix Berlin eigentlich ist.
- 2:23Ja, das ist zentral. Gabriel ist selbst jemand, der
- 2:26mit sucht und psychischen Themen eigene tiefe Erfahrungen gemacht
- 2:30hat. Und er geht damit sehr offen um.
- 2:32Auf seiner Webseite, in seiner Arbeit.
- 2:35Und das macht dann nicht, um irgendwie Mitleid zu heischen
- 2:38oder so, sondern es geht ihm um Authentizität, um eine echte
- 2:42Verbindung. Ja, er will dir damit
- 2:45signalisieren, Hey, du bist nicht allein damit, ich kenne
- 2:48diese Abgründe, ich weiß, wie sich das anfühlt, und das gibt
- 2:52ihm, glaube ich, auch, die ja die Berechtigung, so direkt zu
- 2:55sein. Genau, weil er es eben nicht nur
- 2:58theoretisch kennt. Und diese Kenntnis, die fließt
- 3:01dann auch in die Analyse dieser Nachricht von eine Mutter ein.
- 3:05Ihre Angst, die ist ja nicht eingebildet, die ist real.
- 3:08Und die Zahlen bestätigen das ja leider auf erschreckende Weise.
- 3:11Das Bundeskriminalamt sagt ja, dass bei 30 bis 40%.
- 3:16Ja, 30 bis 40%. Der Fälle von registrierter
- 3:19Partnerschaftsgewalt Alkohol im Spiel war beim Tatverdächtigen
- 3:23wohlgemerkt. Das muss man sich mal
- 3:25reinziehen. Fast jeder dritte bis vierte
- 3:27Fall. Das ist eine riesige Zahl.
- 3:30Und das sind ja nur die registrierten Fälle.
- 3:32Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich noch viel höher.
- 3:34Davon ist auszugehen. Und hinter diesen Zahlen stehen
- 3:38ja nicht nur die Partnerinnen oder Partner, sondern ganz oft
- 3:42eben auch Kinder. Ja, die stillen Opfer.
- 3:45Genau, die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen, die DHS,
- 3:48schätzt, dass in Deutschland. So zwischen 2,6 und 3000000
- 3:54Kinder. Millionen.
- 3:56Mit mindestens einem suchtkranken Elternteil
- 3:58aufwachsen, das ist eine unvorstellbar große Zahl von
- 4:01Kindern, deren zu Hause eben kein sicherer Hafen ist.
- 4:05Und die Folgen davon, die sind ja oft lebenslang spürbar.
- 4:08Absolut. Diese Kinder haben ein bis zu
- 4:12sechsmal höheres Risiko, später selbst eine Sucht zu entwickeln
- 4:15oder andere psychische Erkrankungen.
- 4:18Sechsmal höher, das ist ja, das ist eine Hypothek fürs ganze
- 4:21Leben, die damit gegeben. Wird.
- 4:22Deshalb ist es so verdammt wichtig, dass man weiß, man ist
- 4:26dem nicht schutzlos ausgeliefert.
- 4:28Es gibt Gesetze. Richtig.
- 4:30Das Gewaltschutzgesetz, das ist ein wichtiges Werkzeug.
- 4:33Die Polizei kann zum Beispiel jemanden aus der gemeinsamen
- 4:36Wohnung Wegweisen also der Täter muss gehen.
- 4:38Für wie lange? Das geht bis zu 14 Tage.
- 4:41Das verschafft erst mal Luft, eine Atempause, Sicherheit,
- 4:44einen geschützten Raum, um die nächsten Schritte zu planen.
- 4:48Das ist schon mal gut zu wissen. Aber jetzt mal so ganz
- 4:51grundlegend, was passiert da eigentlich im Kopf, warum wird
- 4:54jemand, der nüchtern, vielleicht total lieb ist unter Alkohol so
- 4:58aggressiv? Ja, das ist die große Frage.
- 5:00Gabriel erklärt das wissenschaftlich fundiert, aber
- 5:03so, dass man es gut verstehen kann, also stell dir vor,
- 5:06Alkohol wirkt im Gehirn. Und er dämpft vor allem den
- 5:10präfrontalen Cortex. OK, das ist die Stirnseite,
- 5:14quasi die Vernunft. Genau das ist unsere
- 5:16Steuerzentrale für Vernünftiges Denken, für Planung, für
- 5:20Impulskontrolle, also quasi die Bremse im Kopf.
- 5:24Und wenn die gedämpft wird? Dann löst sich die Bremse.
- 5:27Richtig. Weniger Kontrolle, mehr
- 5:30Impulsivität gleichzeitig fährt ein anderer Bereich hoch,
- 5:33welcher die Amygdala, das ist unser Emotionszentrum.
- 5:38Speziell für Angst und Aggressions zuständig.
- 5:41Die wird Überaktiv. Ach so, das heißt, sie reagiert
- 5:45viel schneller und heftiger auf Reize und interpretiert sie dann
- 5:48oft falsch als Bedrohung. Eine harmlose Frage kann
- 5:52plötzlich als Angriff. Wirken und die Gehirnchemie
- 5:54spielt auch noch mit rein, oder? Genau das Gleichgewicht von
- 5:58Botenstoffen wie Serotonin und Gaba gerät durcheinander.
- 6:02Das kann die Wahrnehmung total verzerren, man wird
- 6:05misstrauischer, vielleicht sogar paranoid.
- 6:07Sieht überall Feinde. Also zusammengefasst, die Bremse
- 6:11ist weg, der Gashebel für Aggression ist voll
- 6:14durchgedrückt und die Wahrnehmung ist verzerrt.
- 6:17Ziemlich genau das führt dann eben zu diesem enthemmten,
- 6:20impulsiven, aggressiven Verhalten.
- 6:23Aber, und das betont Gabriel immer wieder ganz stark, der
- 6:26Alkohol ist der Auslöser, er drückt den Knopf.
- 6:29Aber er ist nicht die Entschuldigung.
- 6:31Nein. Er ist nicht die Entschuldigung
- 6:33und meist auch nicht die alleinige Ursache.
- 6:35Die liegt auf tiefer. Und die schlimmsten Folgen?
- 6:38Die tragen am Ende oft die Kinder.
- 6:40Du hattest das Bild schon erwähnt, Kriegsschauplatz,
- 6:43Kinderzimmer. Ja, das ist ein drastisches Bild
- 6:45von Gabriel, aber es trifft leider auf den Kern.
- 6:48Kinder können das ja nicht rational trennen, sie sehen
- 6:51nicht, ah, jetzt ist der Alkohol schuld, sie sehen nur Papa oder
- 6:55Mama ist unberechenbar. Gefährlich.
- 6:58Die Person, die eigentlich Sicherheit geben sollte, wird
- 7:01zur Quelle von Angst und Terror. Das ist, das kann man sich kaum
- 7:06vorstellen. Und das hinterlässt Narben.
- 7:08Tiefe seelische Wunden Fachleute nennen das komplexes Trauma oder
- 7:13genauer eine komplexe posttraumatische
- 7:16Belastungsstörung KPTBS. Weil es eben kein einzelnes
- 7:20Ereignis ist, sondern ein Dauerzustand.
- 7:22Genau eine permanente Belastung innerhalb einer Beziehung, die
- 7:26eigentlich schützen sollte. Und die Folgen davon sind ja
- 7:30verheerend. Welche zum Beispiel?
- 7:32Viele dieser Kinder entwickeln eine sogenannte Hypervigilanz,
- 7:36das heißt, die sind wie kleine Alarmanlagen ständig auf
- 7:40Sendung. Scan, die Umgebung, die Mimik
- 7:42der Eltern, die Stimmlage, immer auf der Hut um Gefahren
- 7:46irgendwie kommen zu sehen. Die laufen auf Eierschalen.
- 7:50Permanent. Das ist unglaublich anstrengend
- 7:53und vergiftet die Kindheit. Es zerstört das Urvertrauen.
- 7:56Wie sollst du Vertrauen fassen, wenn deine engste Bezugsperson
- 7:59dich terrorisiert? Das Fundament für gesunde
- 8:02Beziehungen wird da ja komplett untergraben.
- 8:04Absolut. Die Bindung wird gestört, wird
- 8:07toxisch und oft kommt da noch was perfides dazu.
- 8:10Schuldgefühle, die Kinder denken, Sie sind schuld.
- 8:14Wie meinst du das? Sie denken?
- 8:16Wenn ich leiser gewesen wäre oder hätte ich Papa nicht
- 8:19geärgert, wäre er nicht ausgerastet.
- 8:21Das ist eine unerträgliche Last für eine Kinderseele und macht
- 8:25das Selbstwertgefühl kaputt. Und langfristig lernen Sie ein
- 8:28völlig falsches Bild von Beziehungen oder dass Liebe und
- 8:31Gewalt irgendwie zusammengehen. Genau das ist die Gefahr, dass
- 8:35sie dieses Muster als normal abspeichern und dann später als
- 8:39Erwachsene entweder selbst Gewalt ausüben oder sie in
- 8:42Beziehungen erdulden, weil sie es nicht anders kennen.
- 8:45Deshalb ist der Appell von Gabriele so wichtig.
- 8:48Wenn du der nicht trinkende, nicht aggressive Elternteil
- 8:51bist. Dein Schutz ist der einzige
- 8:53Schutz für deine Kinder. Du musst handeln.
- 8:55Ja, dein Ausbruch aus diesem Teufelskreis ist ihre einzige
- 8:59Chance auf Sicherheit und eine gesündere Zukunft.
- 9:01Aber da ist eben diese Hoffnung, diese verdammte Hoffnung, von
- 9:04der auch eine Mutter schreibt, dass der gute Mensch, den man ja
- 9:08kennt und liebt, dass der wiederkommt, wenn er nur aufhört
- 9:10zu trinken. Diese Hoffnung ist so menschlich
- 9:13und so gefährlich. Gabriel nennt das eine Falle,
- 9:16sein Satz dazu ist hart, aber wahr.
- 9:18Hoffnung ist keine Strategie, echte Veränderung, also
- 9:23dauerhaft trocken werden und die Aggressionen aufarbeiten, das
- 9:28kann nur von ihm selbst kommen, das ist seine Entscheidung,
- 9:31seine Verantwortung, seine Arbeit mit professioneller
- 9:35Hilfe. Und darauf zu warten, während
- 9:37man selbst leidet und die Kinder mit reinzieht.
- 9:39Ist keine Option. Deine Verantwortung ist nicht
- 9:42auf seine Heilung zu warten. Deine Verantwortung ist jetzt,
- 9:46für Sicherheit zu sorgen, für dich und die Kinder.
- 9:49Und wie macht man das konkret? Gabriel schlägt ja so nen
- 9:52Ausbruchsplan vor, ein Dreiphasenprotokoll.
- 9:55Genau, er nennt es Safer Use, dein Ausbruchsplan.
- 10:00Der Grundgedanke dahinter ist, wie im Flugzeug setzt zuerst
- 10:04seine eigene Sauerstoffmaske auf.
- 10:06Erst mal Selbsthandlungsfähig werden.
- 10:08Exakt. Nur dann kannst du für andere
- 10:10Sorgen. Es geht darum, aus diesem ewigen
- 10:13Reagieren auf seine Ausbrüche rauszukommen, hin zum aktiven
- 10:18Handeln für deine Sicherheit. Okay lass uns die Phasen mal
- 10:23durchgehen. Phase 1 Vorbereitung was tut
- 10:27man, wenn gerade alles ruhig ist?
- 10:30Das allerwichtigste, auch wenn es sich krass anhört, eine
- 10:34gepackte Notfalltasche. Okay was muss da rein?
- 10:38Alles wichtige Kopien von Dokumenten, Ausweise,
- 10:42Geburtsurkunden, Krankenkassenkarten,
- 10:45Sorgerechtsnachweise, Falls vorhanden, dann Kleidung für ein
- 10:48paar Tage für dich und die Kinder wichtige Medikamente,
- 10:53Bargeld, vielleicht ein altes aufgeladenes Handy mit
- 10:57Notfallnummern drin. Und wo lässt man die sicher
- 11:00nicht im Kleiderschrank, oder? Nein, bloß nicht.
- 11:04Am besten bei einer Vertrauensperson deponieren.
- 11:06Freunde, Familie und. Jemand, dem du absolut vertraust
- 11:10oder notfalls an einem anderen sicheren Ort außerhalb der
- 11:13Wohnung. Hauptsache du kommst im Notfall
- 11:15sofort ran, OK. Tasche ist gepackt und sicher
- 11:19verstaut und dann der schwierige Teil.
- 11:23Ja, dann kommt das Gespräch, die Grenzensetzung, das braucht Mut,
- 11:27ist aber entscheidend in einem ruhigen Moment, wenn er nüchtern
- 11:31ist, eine klare Ansage machen. Wie genau?
- 11:35Keine Vorwürfe über die Vergangenheit, keine
- 11:37Diskussionen, eine klare ich Botschaft für die Zukunft zum
- 11:41Beispiel. Ich habe Angst um mich und die
- 11:43Kinder, wenn du trinkst und aggressiv wirst.
- 11:45Wenn das wieder passiert, nehme ich die Kinder, gehe und rufe
- 11:48die Polizei. Klare Kante ohne Wenn und aber.
- 11:52Genau das muss sitzen, damit der Rahmen klar ist.
- 11:56Gut, das ist die Vorbereitung Phase 2, die akute Krise, er
- 12:01trinkt, er wird aggressiv, die Situation kippt, was dann?
- 12:06Grundregel Nummer 1 nicht diskutieren, Versuch nicht, ihn
- 12:10zur Vernunft zu bringen. Das ist sinnlos, wenn jemand
- 12:13betrunken und aggressiv ist. Es gießt oft nur Öl ins Feuer.
- 12:17Sondern. Deeskalieren.
- 12:19Versuchen. Kurz OK sagen, vielleicht
- 12:23nicken, Zustimmung signalisieren, nur um die Wogen
- 12:25kurz zu glätten. Und dann?
- 12:28Mhm. Rückzug.
- 12:30Wohin? Dich und die Kinder sofort in
- 12:33Sicherheit bringen, im Idealfall in ein Zimmer, das ihr von innen
- 12:36abschließen könnt. Und dann?
- 12:38Dann sofort die 110 wählen, ohne zu zögern, ohne schlechtes
- 12:42Gewissen da. Ist ja oft diese riesige
- 12:44Hemmschwelle, diese Angst, ihn zu verraten.
- 12:46Du hattest das vorhin schon gesagt.
- 12:48Ja, das ist ein ganz wichtiger Punkt, den Gabriel auch im FAQ
- 12:50anspricht. Aber es ist kein Verrat, es ist
- 12:53Selbstschutz und Kinderschutz, das ist überlebensnotwendig.
- 12:57Die Polizei ist genau dafür da, für Fälle von häuslicher Gewalt,
- 13:01sag am Telefon klar, was Sache ist.
- 13:03Partner alkoholisiert, aggressiv, häusliche Gewalt,
- 13:06Kinder sind da. Das ist wichtig für die Beamten.
- 13:09Okay die Polizei war da, hat vielleicht eine Wegweisung
- 13:12ausgesprochen. Was passiert dann?
- 13:15Phase 3, der Tag danach. Jetzt kommt es auf die
- 13:18Konsequenz an. Wenn du gegangen bist, bleib
- 13:21erst mal weg, wenn er weggewiesen wurde, nutze diese
- 13:24Zeit. Und nicht auf die Reue
- 13:26reinfallen. Genau das ist der Knackpunkt.
- 13:29Die oft folgenden Tränen, Entschuldigungen,
- 13:32Versprechungen, das ist Teil des Musters.
- 13:35Dieser Kreislauf, Gewalt, Reue, Verzeihung, dann wieder Gewalt,
- 13:39der muss durchbrochen werden, sonst geht es immer so weiter.
- 13:43Das muss aber unendlich schwer sein, wenn man den Menschen ja
- 13:46im Grunde liebt, oder? Absolut.
- 13:48Deshalb ist es so wichtig, sich jetzt externe Hilfe zu holen.
- 13:52Du musst das nicht allein durchstehen.
- 13:54Wo findet man die? Geh zum Familiengericht,
- 13:57beantrage eine Schutzanordnung nach dem Gewaltschutzgesetz.
- 14:00Das kann mehr sein als nur die Wegweisung.
- 14:02Zum Beispiel ein Kontaktverbot oder dass dir die Wohnung
- 14:05zugewiesen wird. Und dann gibt es Organisationen,
- 14:09Frauenhäuser bieten Schutz und Beratung, der Weiße Ring hilft
- 14:12Opfern von Kriminalität, es gibt lokale Beratungsstellen für
- 14:16Frauen, für Suchtfragen, für Erziehungsfragen, such die
- 14:19Unterstützung, sprich mit jemandem.
- 14:22Das ist ein ganz wichtiger Punkt.
- 14:23Nicht allein bleiben. Niemals.
- 14:27Gabriel geht ja dann im Artikel noch auf so typische Fragen ein,
- 14:30die betroffene Quellen fast wie ein Gespräch unter 4 Augen.
- 14:34Das finde ich echt stark. Ja, lass uns da mal reingehen.
- 14:37Die erste Frage ist ja dieser absolute Klassiker der
- 14:40Zerrissenheit, er liebt mich doch eigentlich, er ist nur so,
- 14:44wenn er trinkt, wird er nicht wieder der alte.
- 14:46Ja, man klammert sich an die guten Zeiten, an den Menschen,
- 14:51den man kennt, wenn er nüchtern ist.
- 14:54Was ist da die ehrliche Antwort? Die ehrliche, wenn auch harte
- 14:59Antwort ist dieser Kreislauf aus Gewalt und Reue ist typisch für
- 15:03solche Dynamiken. Die Reue kann sogar echt sein im
- 15:06nüchternen Moment. Aber sie ändert nichts am
- 15:09Grundproblem. Solange er nichts tut.
- 15:11Genau solange die Ursachen, die sucht und oft eben auch
- 15:15tieferliegende Themen wie Aggressionskontrolle nicht
- 15:18professionell angegangen werden, wiederholt sich das Muster mit
- 15:22hoher Wahrscheinlichkeit. Alkohol verändert die
- 15:24Persönlichkeit oder verstärkt negative Züge ohne Therapie.
- 15:28Und zwar beides oder Suchttherapie und
- 15:30Aggressionstherapie. Meistens ja.
- 15:33Das eine bedingt oft das andere oder hängt eng zusammen.
- 15:36Ohne beides ist eine dauerhafte Veränderung sehr, sehr
- 15:39unwahrscheinlich, Liebe allein reicht da leider nicht.
- 15:42Das ist ernüchternd, aber wahrscheinlich die Realität.
- 15:46Die zweite Frage, die du schon erwähnt hast, die Angst vor dem
- 15:49Polizeiruf, ich hab solche Angst die 110 zu wählen, ich will ihn
- 15:53doch nicht ins Gefängnis bringen, ihm alles ruinieren.
- 15:56Ja, und da wiederholt Gabriel im Grunde seine Kernbotschaft.
- 16:00Deine Sicherheit und die deiner Kinder haben absoluten Vorrang.
- 16:04Punkt. Ein Polizeieinsatz heißt nicht
- 16:06automatisch Knast. Gerade wenn es das erste Mal
- 16:09ist. Die Wegweisung, diese 14 Tage
- 16:11Abstand ist viel häufiger und die dient deinem Schutz.
- 16:14Sie verschafft Raum. Genau Raum zum Atmen, zum
- 16:18Nachdenken, zum Organisieren. Es ist kein Verrat, es ist
- 16:22notwendiger Selbstschutz, die Verantwortung für sein Handeln
- 16:26und die Konsequenzen daraus trägt er allein, nicht du.
- 16:30Manchmal ist es vielleicht sogar der Anstoß, den er braucht, um
- 16:32aufzuwachen, auch wenn das nicht das Ziel ist.
- 16:35Das kann ein Nebeneffekt sein, ja, aber das Primärziel ist
- 16:39immer der Schutz der Opfer und dann die dritte Frage nach den 3
- 16:43KS der Co Abhängigkeit, das hört man ja öfter im Zusammenhang mit
- 16:46Sucht. Genau diese Eselsbrücke für
- 16:48Angehörige. Was bedeuten die noch mal?
- 16:50Gabriel erklärt das ganz griffig.
- 16:52Die 3 KS stehen für erstens Krankheit.
- 16:56Du hast seine Suchtkrankheit nicht verursacht.
- 16:58Es ist nicht deine Schuld. OK, wichtig.
- 17:01Zweitens Kontrolle. Du kannst seine Sucht nicht
- 17:05kontrollieren, egal was du tust, sagst, bittest, drohst du kannst
- 17:09ihn nicht kontrollieren oder nüchtern machen, das kann nur
- 17:12er. Und drittens Kurieren, du kannst
- 17:15seine Sucht nicht heilen, du bist nicht seine Therapeutin,
- 17:18Heilung muss er selbst wollen und angehen mit Profis.
- 17:21Das zu akzeptieren, muss doch wahnsinnig schwer sein.
- 17:24Aber es nimmt vielleicht auch Druck weg.
- 17:26Dieses Gefühl, man müsse ihn retten.
- 17:28Genau das ist der.es ist schmerzhaft.
- 17:30Die eigene Machtlosigkeit über die Sucht des anderen
- 17:33anzuerkennen. Aber es ist auch befreiend, weil
- 17:36du dann endlich den Fokus weg von ihm nehmen kannst.
- 17:40Und auf dich selbst richten. Auf dich, auf das, was du
- 17:43wirklich beeinflussen kannst, dein eigenes Handeln, dein
- 17:46Wohlbefinden, deine Sicherheit, die Zukunft deiner Kinder.
- 17:50Darauf kommt es an. Gabriel empfiehlt dann ja noch
- 17:52ein Buch, er nennt es die rote Pille.
- 17:55Warum tut er das über Männer, die Frauen misshandeln von Landi
- 17:59Bankford was ist das Besondere daran?
- 18:02Bancraft ist Therapeut und hat jahrelang mit gewalttätigen
- 18:05Männern gearbeitet, erkennt deren Denkweisen, deren
- 18:08Ausreden, deren Manipulationen aus dem FFE.
- 18:12Und er räumt in dem Buch mit vielen Mythen auf, zum Beispiel
- 18:16diesem, der Alkohol war Schuld, oder?
- 18:19Ich hab die Kontrolle verloren. Bancroft sagt Nein, oft geht es
- 18:23gar nicht um Kontrollverlust, sondern um einen tief
- 18:26verwurzelten Anspruch, aufmacht und Kontrolle über die
- 18:29Partnerin, der Alkohol enthemmt das vielleicht, aber er
- 18:32verursacht es nicht primär. Das klingt nach einer Lektüre,
- 18:35die echt die Perspektive ändern kann.
- 18:37Weil sie die Verantwortung da lässt, wo sie hingehört.
- 18:39Beim Täter. Absolut.
- 18:41Es kann helfen, sich aus dieser emotionalen Verstrickung aus
- 18:45Schuldgefühlen zu lösen und die Muster klarer zu erkennen.
- 18:49Sehr augenöffnend, sagt Gabriel. Kommen wir langsam zum Fazit.
- 18:52Gabriel bringt die Kernbotschaft noch mal auf den Punkt.
- 18:55Ja, er sagt sinngemäß, dass dieser eine Anruf, vor dem man
- 18:59vielleicht die meiste Angst hat, Polizei, Beratungsstelle, ne
- 19:03Freundin anrufen. Dass das der Schlüssel sein
- 19:06kann, der erste Schritt raus aus der Hölle, rein in die
- 19:09Sicherheit. Und er spricht eine Mutter und
- 19:12alle anderen in dieser Situation noch mal ganz direkt an.
- 19:16Genug gekämpft, genug gehofft, genug gelitten, es ist genug,
- 19:20das ist ein ganz starker Appell, die eigene Grenze endlich ernst
- 19:24zu nehmen. Er teilt ja auch noch mal seine
- 19:27eigene Perspektive als jemand, der Sucht kennt.
- 19:30Stimmt. Er sagt, dass manchmal die
- 19:32härteste Grenze, die man setzt, also zu gehen, die Polizei zu
- 19:36rufen, der größte Liebesbeweis sein kann.
- 19:39Auch wenn sich das erst mal völlig falsch anfühlt.
- 19:42Weil es den Kreislauf durchbricht.
- 19:44Und auch wenn körperliche Gewalt nicht sein Thema war.
- 19:47Erkennt diese toxische Dynamik, die sucht in Beziehungen
- 19:50reinbringt? Das ist nun mal wichtig.
- 19:52Grenzen setzen ist nicht lieblos, es ist Selbstachtung
- 19:56und es ist notwendig. Deine Aufgabe ist nicht, ihn zu
- 20:00heilen, deine Aufgabe ist, dich und deine Kinder zu schützen.
- 20:05Das ist der Kern. Sicherheit ist nicht
- 20:07verhandelbar, Gewalt hat keine Entschuldigung, hol dir Hilfe,
- 20:12geh, wenn es sein muss, bleib am Leben.
- 20:15Das ist die Message, klar und unmissverständlich.
- 20:18Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, außer vielleicht
- 20:22noch ein Hinweis in eigener Sache von nelix Berlin selbst.
- 20:25Ja, genau. Wenn dir dieser Beitrag hier
- 20:28geholfen hat, wenn du die Arbeit von Nelix Berlin wertvoll
- 20:31findest, dann würde sich Gabriel riesig über deine Unterstützung
- 20:34freuen. Mhm.
- 20:36Du kannst ihm helfen, indem du vielleicht diesen Beitrag
- 20:38teilst, auf Social Media oder den Podcast auf Spotify oder
- 20:42Apple Podcast bewertest. Ein Like da lässt, das hilft
- 20:45ungemein, ja. Denn das ganze Projekt Nilex
- 20:48Berlin, das stemmt Gabriel komplett allein.
- 20:51Er finanziert es selbst. Er erstellt die Inhalte, jede
- 20:54Form von Unterstützung hilft ihn dabei, weiterzumachen, für sich
- 20:57selbst und eben auch für andere Betroffene.
- 20:59Und dahinter steht ja auch sein persönliches Motto.
- 21:01Das treibt ihn an. Genau.
- 21:04Aus allem schlechten in seinem Leben etwas Gutes zu machen, das
- 21:07finde ich sehr inspirierend, diese transformative Kraft.
- 21:10Absolut. Das war jetzt wirklich intensiv
- 21:13heute ein schwieres Thema, keine Frage.
- 21:16Vielleicht hat es dich ja nachdenklich gemacht oder dir
- 21:19einen Impuls gegeben, eine Frage, die vielleicht noch im
- 21:22Raum steht, über die du mal nachdenken kannst.
- 21:25Wenn dich bisher die Hoffnung auf seine Veränderungen
- 21:28festgehalten hat, was bräuchtest du, um stattdessen auf deine
- 21:31eigene Kraft zu vertrauen, auf dein Recht auf Sicherheit?
- 21:34Eine wichtige Frage für dich, für deinen Weg.
- 21:38Dass du zugehört hast, Pass gut auf dich auf.
- 21:40Und ja, bis zum nächsten Mal.