Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Menschliches, Allzumenschliches I - Sechstes Hauptstück - 330-343
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- 0:00Unterkapitel 330 Dank dieser Abschnitt unterscheidet zwischen
- 0:06feinen und groben Charakteren im Umgang mit Dankbarkeit.
- 0:09Eine feine Seele, also ein sensibler und edler Mensch,
- 0:13fühlt sich bedrückt, wenn er weiß, dass jemand ihm zu dank
- 0:16verpflichtet ist. Es ist ihm unangenehm, jemanden
- 0:19in einer Schuldposition zu sehen, ein grober Mensch
- 0:22hingegen fühlt sich bedrückt, wenn er selbst jemandem zu dank
- 0:25verpflichtet ist. Er mag das Gefühl nicht,
- 0:28jemandem etwas schuldig zu sein. Unterkapitel 331 Merkmal der
- 0:34Entfremdung woran erkennt man, dass 2 Menschen sich auseinander
- 0:39gelebt haben oder sich fremd geworden sind?
- 0:42Nietzsche sagt, das stärkste Zeichen dafür ist, wenn beide
- 0:45sich gegenseitig ironische Dinge sagen, aber keiner von beiden
- 0:48mehr spürt, dass es ironisch gemeint war, die feine Ebene des
- 0:52Verständnisses auf der Ironie funktioniert, ist verloren
- 0:55gegangen. Man nimmt die Worte nur noch
- 0:57wörtlich, was das Missverständnis komplett macht.
- 1:01Unterkapitel 332 Anmaßung bei Verdiensten Nietzsche stellt
- 1:08fest, dass Arroganz oder Anmaßung noch beleidigender
- 1:11wirkt, wenn die Person tatsächlich große Verdienste
- 1:13oder Leistungen vorzuweisen hat, wenn jemand ohne Verdienst
- 1:17arrogant ist, kann man das vielleicht noch belächeln, aber
- 1:20wenn jemand wirklich gut ist und uns das arrogant spüren lässt
- 1:24beleidigt uns schon allein seine Leistung das Verdienst.
- 1:27Wenn dann noch Anmaßung dazu kommt, ist die Kränkung doppelt
- 1:30groß. Unter Kapitel 333 Gefahr in der
- 1:36Stimme unsere eigene Stimme kann uns manchmal verraten oder in
- 1:42eine falsche Richtung lenken. Nietzsche beschreibt die
- 1:45Situation, dass der Klang der eigenen Stimme uns im Gespräch
- 1:48verlegen machen kann. Vielleicht klingt sie unsicher
- 1:51oder zu laut. Diese Verlegenheit führt dann
- 1:54dazu, dass wir Dinge behaupten, die gar nicht unserer
- 1:57eigentlichen Meinung entsprechen, nur um die
- 1:59Situation zu retten oder die Unsicherheit zu überspielen.
- 2:04Unter Kapitel 334 im Gespräche in einem Gespräch ist es oft gar
- 2:11keine bewusste Entscheidung, ob wir dem anderen zustimmen oder
- 2:14widersprechen. Nietzsche meint, dass es reine
- 2:17Gewohnheitssache ist, ob man jemandem vornehmlich Recht gibt
- 2:20oder Unrecht. Manche Menschen haben sich
- 2:23angewöhnt, eher zuzustimmen, andere eher zu widersprechen.
- 2:27Beide Verhaltensweisen haben ihren eigenen Sinn, sind aber
- 2:30oft mehr Reflex als Überlegung, Unterkapitel, 335, Furcht vor
- 2:37dem nächsten Wir haben oft Angst vor der feindseligen Stimmung
- 2:42unserer Mitmenschen Nietzsche erklärt, dass diese Angst nicht
- 2:46nur daher rührt, dass wir einen Konflikt scheuen.
- 2:49Vielmehr fürchten wir, dass der andere durch seine
- 2:52Feindseligkeit einen scharfen Blick für unsere Schwächen
- 2:55bekommt. Wir haben Angst, dass er durch
- 2:57diese aggressive Stimmung hinter unseren Heimlichkeiten kommt,
- 3:01also Dinge entdeckt, die wir lieber verbergen möchten, die
- 3:05Feindschaft macht den Blick des anderen also gefährlich scharf,
- 3:09Unterkapitel 336 durch Tadel auszeichnen.
- 3:15Es gibt sehr angesehene und wichtige Personen, deren
- 3:18Aufmerksamkeit so wertvoll ist, dass selbst ihre Kritik als
- 3:21Auszeichnung empfunden wird. Nietzsche sagt, dass solche
- 3:25Personen ihren Tadel manchmal bewusst so einsetzen, um uns zu
- 3:28zeigen, dass sie sich intensiv mit uns beschäftigen.
- 3:32Sie wollen uns damit eigentlich ehren, wir verstehen das aber
- 3:35oft völlig falsch, wir nehmen den Tadel nur inhaltlich, also
- 3:39sachlich, und fangen an, uns dagegen zu verteidigen.
- 3:43Dadurch ärgern wir uns über die Kritik und entfremden uns von
- 3:46der Person, die uns eigentlich durch ihre Beachtung ehren
- 3:48wollte. Unterkapitel 337 Verdruss am
- 3:54Wohlwollen anderer in diesem Abschnitt beschäftigt sich
- 3:59Nietzsche mit der Frage, wie wir reagieren, wenn andere Menschen
- 4:03nett zu uns sind. Er sagt, dass wir uns oft irren,
- 4:06wenn wir darüber nachdenken, wie sehr andere uns hassen oder
- 4:09fürchten. Wir selbst kennen unsere eigenen
- 4:12Gedanken, unsere Parteizugehörigkeit und unsere
- 4:15Abweichungen von der Norm sehr genau.
- 4:18Die anderen Menschen aber kennen uns meistens nur sehr
- 4:21oberflächlich, weil sie uns nur flüchtig kennen, ist auch ihr
- 4:24Hass gegen uns oft nur oberflächlich, wir begegnen oft
- 4:28einem Wohlwollen, also einer Freundlichkeit, die wir uns
- 4:32nicht erklären können, wenn wir diese Freundlichkeit aber
- 4:35verstehen, sind wir oft beleidigt, warum ist das so?
- 4:39Nietzsche erklärt, dass uns dieses Wohlwollen zeigt, dass
- 4:42die anderen uns nicht ernst genug nehmen.
- 4:44Sie sehen uns nicht als wichtig genug an, um uns richtig zu
- 4:47bekämpfen oder ernsthaft über uns nachzudenken.
- 4:51Das Wohlwollen der anderen ist also oft ein Zeichen dafür, dass
- 4:54sie uns unterschätzen, was uns ärgert.
- 4:57Unterkapitel 338 sich kreuzende Eitelkeiten hier beschreibt
- 5:05Nietzsche eine Situation, in der sich 2 Menschen begegnen, die
- 5:08beide sehr eitel sind. Eitelkeit bedeutet hier das
- 5:11starke Bedürfnis, bewundert zu werden und gut dazustehen.
- 5:15Wenn 2 solcher Menschen aufeinandertreffen, entsteht ein
- 5:18schlechter Eindruck, der Grund dafür ist, dass jeder der beiden
- 5:22damit beschäftigt ist, beim anderen einen bestimmten
- 5:24Eindruck zu hinterlassen, jeder will bewundert werden, weil aber
- 5:29beide so sehr mit sich selbst und ihrer Wirkung beschäftigt
- 5:32sind, hat keiner von beiden Zeit oder Aufmerksamkeit übrig, um
- 5:36sich vom anderen beeindrucken zu lassen.
- 5:38Beide bemerken am Ende, dass ihre Bemühungen erfolglos waren.
- 5:42Statt aber die eigene Eitelkeit als Ursache zu erkennen,
- 5:45schieben sie die Schuld auf den anderen Unterkapitel 339 Unarten
- 5:53als gute Anzeichen Nietzsche spricht hier über das Verhalten
- 5:58von jungen, ehrgeizigen Menschen, er sagt, dass ein
- 6:02überlegener Geist, also ein sehr kluger und erfahrener Mensch.
- 6:05Sogar Freude an den schlechten Manieren der Jugend haben kann,
- 6:09wenn junge Menschen taktlos, anmaßend oder sogar feindselig
- 6:12sind, sieht der erfahrene Geist das nicht unbedingt als etwas
- 6:16Schlechtes an. Er vergleicht diese jungen Leute
- 6:19mit feurigen Pferden, die noch keinen Reiter auf ihrem Rücken
- 6:22getragen haben, ihre Wildheit und ihre Unarten sind ein
- 6:26Zeichen von Kraft und stolz, der überlegene Geist weiß, dass
- 6:30diese jungen Menschen bald stolz darauf sein werden, ihre Kraft
- 6:33sinnvoll einzusetzen. So wie ein Pferd stolz darauf
- 6:36ist, einen Reiter zu tragen. Die Unarten sind also Anzeichen
- 6:40für zukünftige Stärke. Unterkapitel 340 wann es ratsam
- 6:47ist, Unrecht zu behalten in diesem Unterkapitel geht es um
- 6:52den klugen Umgang mit Beschuldigungen.
- 6:54Nietzsche rät dazu, Anschuldigungen manchmal einfach
- 6:57hinzunehmen, auch wenn sie ungerecht sind.
- 7:00Das gilt besonders dann, wenn wir den anderen korrigieren oder
- 7:04widerlegen würden und dieser sich dadurch noch viel stärker
- 7:07gedemütigt fühlen würde. Wenn wir dem anderen beweisen,
- 7:11dass er Unrecht hat, empfindet er das vielleicht als ein noch
- 7:14größeres Unrecht unsererseits, es kann also ein Zeichen von
- 7:18Güte sein, dem anderen Recht zu geben, obwohl man selbst im
- 7:22Recht ist. Nietzsche warnt jedoch auch,
- 7:25wenn jemand das immer tut, also immer den anderen Recht gibt und
- 7:29das Unrecht auf sich nimmt. Kann das negative Folgen haben?
- 7:32So jemand gewöhnt sich daran, immer im Recht zu sein, aber
- 7:36nach außen hin Unrecht zu haben, das kann dazu führen, dass er
- 7:40innerlich überheblich wird und für seine Mitmenschen
- 7:43unerträglich wird, wie ein Tyrann oder ein Quälgeist.
- 7:47Das gilt für einzelne Menschen genauso wie für ganze Gruppen in
- 7:50der Gesellschaft. Unterkapitel 341 zu wenig
- 7:56geehrt. Nietzsche beschreibt hier
- 8:00Menschen, die sehr viel Wert auf die Meinung anderer legen, also
- 8:03sehr eingebildet sind. Wenn solche Menschen weniger
- 8:06Beachtung oder Ehre bekommen, als sie erwartet haben,
- 8:09versuchen sie sich selbst zu täuschen, sie reden sich und
- 8:12anderen lange ein, dass sie doch genug geehrt wurden, sie werden
- 8:16dabei zu sehr spitzfindigen Psychologen, also zu Menschen,
- 8:19die das Verhalten anderer sehr genau und fast schon trickreich
- 8:22analysieren, nur um Bestätigung zu finden.
- 8:25Wenn sie ihr Ziel aber nicht erreichen und der Schleier ihrer
- 8:28Selbsttäuschung zerreißt, dann kippt ihre Stimmung.
- 8:32Sie werden extrem wütend, weil sie sich der Realität stellen
- 8:35müssen, dass sie nicht so wichtig sind, wie sie dachten.
- 8:39Unterkapitel 342 Urzustände in der Rede Nachklingend in diesem
- 8:47Abschnitt beobachtet Nietzsche, wie Männer und Frauen sprechen
- 8:50und was das über die Geschichte der Menschheit verrät.
- 8:53Er sagt, dass man in der Art, wie Männer heute Behauptungen
- 8:56aufstellen, noch die alten Zeiten erkennt, in denen Männer
- 8:59Krieger waren. Damals verstanden sie sich
- 9:02besser auf Waffen als auf Worte. Wenn Männer heute argumentieren,
- 9:06wirkt das manchmal so, als würden sie mit einem Gewehr
- 9:08zielen, manchmal glaubt man das Sausen und Klirren von
- 9:12Schwertern zu hören, bei manchen Männern poltern die Argumente
- 9:16sogar wie ein grober Knüppel herab, das Gespräch ist also
- 9:19immer noch eine Art Kampf. Frauen hingegen sprechen anders.
- 9:24Ihre Art zu reden erinnert an Wesen, die Jahrtausendelang am
- 9:28Webstuhl saßen, mit der Nadel nähten oder sich kindisch mit
- 9:31Kindern beschäftigten. Ihre Sprache ist weniger
- 9:34aggressiv, sondern eher geschickt, verwebend oder sanft
- 9:39Unterkapitel 343 der Erzähler Nietzsche gibt hier einen
- 9:46Hinweis darauf, wie man gute von schlechten Erzählern
- 9:48unterscheidet. Man merkt leicht, ob jemand eine
- 9:51Geschichte erzählt, weil ihn die Sache selbst interessiert oder
- 9:54ob er erzählt, weil er selbst interessant wirken möchte.
- 9:58Wenn jemand nur durch die Erzählung glänzen will, neigt er
- 10:00dazu, zu übertreiben, er benutzt Superlative, also die stärksten
- 10:05Steigerungsformen von Wörtern, und schmückt die Geschichte
- 10:08unnötig aus. Das Ergebnis ist meistens, dass
- 10:11er schlechter erzählt, der Grund dafür ist, dass er nicht an die
- 10:14Geschichte denkt, sondern nur an sich selbst und die Wirkung, die
- 10:18er auf die Zuhörer hat.