Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 2. Theil - 8 - Von den berühmten Weisen
Transcript
- 0:00Unterkapitel 8 von den Berühmten Weisen Zarathustra spricht in
- 0:06diesem Abschnitt zu den sogenannten berühmten Weisen.
- 0:09Damit meint er die bekannten Philosophen, Gelehrten und
- 0:12Intellektuellen seiner Zeit, die von der Gesellschaft gefeiert
- 0:15und verehrt werden. Er beginnt mit einem harten
- 0:18Vorwurf, er sagt ihnen direkt ins Gesicht, dass sie nicht der
- 0:21wahren Erkenntnis oder der Wahrheit gedient haben, sondern
- 0:25nur dem Volk und dem Aberglauben des Volkes.
- 0:29Genau aus diesem Grund wurden sie von den Menschen auch so
- 0:31sehr geehrt. Die Gesellschaft erträgt diese
- 0:34Gelehrten sogar dann, wenn sie manchmal so tun, als würden sie
- 0:37nicht an die Regeln glauben. Das Volk sieht diesen Unglauben
- 0:41nur als einen kleinen Scherz an, es ist so, wie ein Herr seinem
- 0:45Sklaven kleine Frechheiten durchgehen lässt und sich sogar
- 0:48noch darüber amüsiert, die Gelehrten sind in den Augen von
- 0:51Zarathustra also nichts weiter als unterhaltsame Sklaven der
- 0:54Gesellschaft. Diesen angepassten Weisen stellt
- 0:57Zarathustra den wahren freien Geist gegenüber.
- 1:01Ein freier Geist ist bei Nietzsche ein Mensch, der sich
- 1:03mutig von allen Traditionen, von der Religion und von den
- 1:07Erwartungen anderer befreit hat, um völlig selbstständig zu
- 1:10denken. Zarathustra erklärt, dass das
- 1:12Volk diesen freien Geist abgrundtief hasst.
- 1:15Das Volk hasst den freien Geist so sehr wie Hunde einen Wolf
- 1:19hassen, der freie Geist wird gejagt und ausgegrenzt, weil er
- 1:22keine Götter anbetet und sich nicht fesseln lässt.
- 1:26Das Volk ruft feindselig, dass es die Wahrheit doch längst
- 1:29besitze und verflucht jeden, der weiter nach einer eigenen
- 1:32Wahrheit sucht. Die berühmten Weisen hingegen
- 1:35haben dem Volk immer nur nach dem Mund geredet, sie haben die
- 1:39bequemen Überzeugungen der Masse verteidigt und das dann stolz
- 1:42den Willen zur Wahrheit genannt, der Wille zur Wahrheit ist
- 1:46eigentlich der tiefe innere Drang, die ungeschminkte
- 1:49Wirklichkeit zu erkennen, egal wie schmerzhaft sie ist.
- 1:52Aber die Gelehrten haben diesen Begriff missbraucht.
- 1:56Zarathustra vergleicht sie mit Eseln.
- 1:58Sie sind hartnäckig und klug, aber sie ziehen letztendlich nur
- 2:01den Karren des Volkes. Sogar mächtige Herrscher, die
- 2:04sich beim Volk beliebt machen wollten, haben diese berühmten
- 2:07Weisen vor ihren eigenen Karren gespannt, um gut dazustehen.
- 2:12Zarathustra fordert die Gelehrten auf, ihr falsches
- 2:14Kostüm abzulegen, er sagt, sie sollen das Fell des Löwen von
- 2:18sich werfen. Der Löwe ist in Nietzsches
- 2:21Philosophie das Symbol für den mutigen, Wilden und rebellischen
- 2:25Geist, der alte Regeln zerstört und ein lautes Nein zu alten
- 2:29Werten sagen kann. Die Gelehrten tun nur so, als
- 2:33wären sie solche mutigen Forscher und Eroberer,
- 2:36Zarathustra sagt ihnen, um wirklich wahrhaftig zu sein,
- 2:39müsst ihr euren Drang aufgeben, Dinge blind zu verehren, ein
- 2:43wahrhaftiger Mensch, so erklärt Zarathustra, geht hinaus in eine
- 2:47gottlose Wüste. Er lässt die bequemen Oasen
- 2:50hinter sich. Eine Oase steht hier als Bild
- 2:53für eine bequeme, sichere Weltanschauung oder Religion, in
- 2:57der die Menschen ihre Götzenbilder anbeten und sich
- 3:00nicht mehr anstrengen müssen. Der wahre Löwenwille ist
- 3:03hungrig, einsam, manchmal gewalttätig und völlig gottlos,
- 3:08er befreit sich von dem kleinen Glück der Knechte und sucht
- 3:11keine Erlösung bei Göttern in dieser harten Wüste leben die
- 3:15echten freien Geister als die wahren Herren.
- 3:18Die berühmten Weisen hingegen leben als gut gefütterte
- 3:21Zugtiere sicher in den Städten. Zarathustra betont, dass er
- 3:25nicht aus Wut so hart über sie urteilt, er stellt lediglich
- 3:29fest, dass sie Diener sind und Diener bleiben, selbst wenn sie
- 3:33sich in glänzendes Geschirr hüllen und glauben, sie würden
- 3:36durch ihren Dienst geistig wachsen, bleiben sie ein Teil
- 3:39der blinden Herde, sie wissen gar nicht, was wahrer Geist
- 3:42überhaupt ist. Für Zarathustra ist der Geist
- 3:46das Leben selbst, das schmerzhaft in das eigene Leben
- 3:48einschneidet. Das bedeutet, dass wahre
- 3:51Weisheit und Erkenntnis nur durch eigene Qual, durch hartes
- 3:54Erleben und durch das Überwinden von Schmerzen entsteht.
- 3:58Die Erkenntnis wächst am eigenen Leiden wer wirklich erkennt,
- 4:02wird gleichsam durch seine eigenen Tränen und seine innere
- 4:05Zerrissenheit zu etwas Höherem geweiht, die berühmten Weisen
- 4:09haben davon keine Ahnung, sie kennen vielleicht ein paar
- 4:12kleine Funken des Geistes. Aber sie kennen nicht den
- 4:15schweren Amboss und nicht den harten, grausamen Hammer der
- 4:18wahren Erkenntnis. Sie könnten die Bescheidenheit
- 4:21und den tiefen Stolz des wahren Geistes gar nicht ertragen.
- 4:25Außerdem wirft Zarathustra Ihnen vor, dass sie viel zu lauwarm
- 4:29sind, er sagt, sie hätten Ihren Geist noch nie in eine Grube von
- 4:33Schnee geworfen, weil sie gar nicht heiß und brennend genug
- 4:36dafür wären, die wahre tiefe Erkenntnis ist eiskalt, sie ist
- 4:41wie ein eiskalter Brunnen. Der, denen Erfrischung bringt,
- 4:45die wirklich handeln und arbeiten.
- 4:48Die Gelehrten aber haben aus der Weisheit ein Krankenhaus für
- 4:50schlechte Dichter gemacht, sie machen es sich einfach nur
- 4:53bequem. Am Ende erklärt Zarathustra,
- 4:56warum diese weisen niemals seine Begleiter sein können, sie sind
- 5:00keine Adler, die das Glück im Schrecken der Tiefe und der
- 5:03Gefahr finden. Wer kein fliegender Vogel ist,
- 5:06sollte sich nicht an Abgründen aufhalten, die Gelehrten stehen
- 5:10steif, mit geradem Rücken und ehrbar da.
- 5:12Sie werden von keinem starken Sturm und von keinem großen
- 5:15Willen angetrieben. Zarathustra vergleicht seine
- 5:18eigene wilde Weisheit mit einem Segel, das sich auf dem weiten
- 5:21Meer im starken Wind bläht und zittert.
- 5:25Weil die Gelehrten aber nur die braven Diener des Volkes sind,
- 5:28könnten sie diesen wilden Weg niemals mit ihm gemeinsam gehen.