Latest / Digital Sense – The Human Side of AI / Folge 22: KI & Klimawandel Ist künstliche Intelligenz Teil der Lösung oder Teil des Problems? Teil 1
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- Lucien Reuter AI: Und an dieser kleinen Stelle machen wir einen Cut und teilen das Video auf. Bleibt gespannt, was ihr in Teil 2 noch von Dr. Arndt Nellen zum Thema des Klimawandels hört. Ihr habt Fragen, postet sie als Kommentar oder schreibt uns eine E-Mail. Wir würden uns freuen, eure Fragen zu beantworten. Dr. Lucien André Reuter: Hallo und herzlich willkommen zu Digital Sense der Human Side of AI. Wir sprechen hier nicht über Technologie, wir sprechen darüber, wie wir sie einordnen und wie wir sie verantwortungsvoll einsetzen können. Und heute geht es ein Thema, das viel größer ist als KI und gleichzeitig ohne KI vermutlich in meiner Meinungen nach kaum noch lösbar erscheint. Der Klimawandel. Yvonne Faoual: Und vielleicht ist genau das die größte Spannung in dieser Folge. Wir reden über einer der größten Herausforderungen unserer Zeit und gleichzeitig über eine Technologie, die uns helfen könnte, aber die selbst auch Fragen aufwirft. Dr. Lucien André Reuter: Die zentrale Frage ist also, ist KI Teil der Lösung oder Teil des Problems? Und dafür haben wir heute einen ganz besonderen Gast bei uns, Dr. Arndt Nellen Schön, dass du da bist, Arndt. Arndt: Hallo Lucien, Hallo Yvonne, ich freue mich sehr! Dankeschön! Yvonne Faoual: Herzlich willkommen! Dr. Lucien André Reuter: Arndt, wir kennen uns ja jetzt schon seit ein paar Jahren. Du bist durch Zufall mein Nachbar. Deswegen ist es umso schöner, dass du da und dass wir uns ja mal abseits von dem Straßenfest auch mal hier im beruflichen Kontext unterhalten können. Wir unterhalten uns auch so ab und zu beruflich, aber jetzt mal ganz offiziell mit unserer ganzen Hörerschaft zusammen. Aber die kennen sich noch nicht so gut wie ich. Also wer bist du und was treibst du so? Arndt: Ja. Ich bin promovierter Chemiker und habe neben meinem Chemiestudium noch einen MBA-Abschluss gemacht und bin staatlich geprüfter Informationsmanager und Schwerpunkt Biochemie. Ich habe als Informationsmanager viel Erfahrung gesammelt, Empfinden von Informationen, was mir sehr hilfreich ist bei dem Thema, über das wir heute reden. und habe für die MERK in Darmstadt viele Jahre Informationsmanagement gemacht. Aber der Grund, warum ich jetzt zum Klimawandel was sagen kann, liegt darin, dass ich seit 13 Jahren bei der BASF im Thema Klimawandelprävention tätig war. War deswegen, weil ich den Absprung geschafft habe und jetzt nicht mehr. Dieses Thema Verfolger bei ESL 1.1. Dr. Lucien André Reuter: Also noch ganz frisch dabei, wieder freie Luft zu schnappen. Arndt: Ganz frisch. Yvonne Faoual: Hahaha Dr. Lucien André Reuter: Ja, das ist doch super. und dann lass uns doch einfach bewusst starten. Und du weißt ja, du kennst unseren Podcast. Ich hoffe, du hast noch mal reingehört. Wenn du unseren Zuhörer, also Geschäftsführerinnen und Führungskräften erklären müsstest, ohne jetzt zu viel Fachsprache, ohne Politikdiskussion, was ist Klimawandel eigentlich? Arndt: Mhm. Also in der Gesellschaft, in der Öffentlichkeit wird der Klimawandel ja schlicht und ergreifend als die Erwärmung der Erde bezeichnet. Das ist aber nicht ganz richtig. Der Klimawandel ist im Prinzip die Veränderung von mehreren Gleichgewichten. Das schlimmste Gleichgewicht, das auseinandergenommen wird von dem Klimawandel, ist, dass die Strahlungsbilanz nicht mehr stimmt. Wenn man sich ja mal anschaut, wie viel Energie strahlt die Sonne auf die Erde ein? Dann gibt es da eine Konstante, die nennt sich Solarkonstante, die beläuft sich auf 1360 Watt pro Quadratmeter. Diese Energie wurde bislang fast vollständig wieder ins Weltall abgestrahlt. Mit der CO2-Emission bildet sich aber ein, wie bei einem Treibhaus, deswegen ist CO2 auch ein Treibhausgas, ein Deckel, der diese Abstrahlung zu einem nicht unerheblichen Teil unterbindet. Aktuell sind wir bei 240 Watt, die auf der Erde bleiben. Von 1360, 240 Watt, ist schon eine ganze Menge. Wenn das weitergeht mit der CO2-Emission, wird dieser Anteil immer höher und die Erde wird sich immer schneller erwärmen. Also dieses Energiegleichgewicht oder auch Strahlungsbilanz, die geht verloren. Des Weiteren ist der Klimawandel geprägt durch Kipppunkte, von denen es zahlreiche gibt. Also beispielsweise, also das sind aber dann die Folgen des Klimawandels. Beispielsweise Meeresströmungen gehen, werden abgedrängt, werden andere Wege sich suchen, Eisschilde schmelzen ab, der Amazonas-Regenwald wird in seinem Wasseraushalt kippen. Das sind dann schon die Folgen des Klimawandels, aber es gehört eben auch zum Klimawandel dazu. Die Aufnahmekapazität des Meerwassers hat sich in den letzten Jahren gesättigt. Bislang sind je nach Lesart 70 bis 80 Prozent der CO2-Emissionen vom Meerwasser absorbiert worden. Aber diese Aufnahmekapazität ist erloschen. Das heißt, der Klimawandel wird jetzt gestärkt werden. Dr. Lucien André Reuter: Darf ich da ganz kurz reingreetschen, Arndt? Thema Aufnahmekapazität des Meereswassers hatten wir da nicht im Januar, Februar, März, ich glaube es war Februar oder März gewesen, dass mit dem Ostsee da ein Faktor war, wo sie froh waren, dass es wieder eine Einspeisung an frischem Wasser mit Sauerstoff gab? Ich hatte da irgendwas glaube ich in den Nachrichten mitbekommen. Ist das genau das, was du meinst? Arndt: Nein, was ich meine ist die Versauerung des Meerwassers, weil wenn CO2 sich im Meerwasser löst, bildet sich Kohlensäure. Kohlensäure ist wie der Name der Säure, der pH-Wert sinkt. Was du meinst, ist eine Sauerstoffverarmung durch Verwesungsprozesse. Die Ostsee ist quasi ein Binnenmeer, kann man so sagen. Dr. Lucien André Reuter: Mhm. Hm? Arndt: Und wenn die Temperatur steigt, dann werden die Verwesungsprozesse angetrieben. Algen, Todmaterial, tote Tiere werden schneller verwesen. Und das verbraucht sehr viel Sauerstoff, was weitere Lebewesen den Tod bringt, was weitere Verwesung auslöst, was weiter den Sauerstoffgehalt runterdrückt. Das hat... Als Folge des Klimawandels schon was damit zu tun, aber nicht mit der Aufnahmekapazität des CO2. Dr. Lucien André Reuter: Ok, ja danke für die Erklärung. Ist ja für mich alles Neuland. Darfst gerne weitermachen. Arndt: Also ich war jetzt schon angekommen in den Folgen des Klimawandels. Vielleicht verschieben wir das auf einen etwas späteren Zeitpunkt. Das sind nämlich zahlreiche und ich möchte jetzt eigentlich gar nicht so lange schon in dieses Thema einsteigen. Vielleicht sollten wir erst einmal über den Klimawandel als solches reden und weniger über die Folgen des Klimawandels. Yvonne Faoual: Das heißt, wir reden hier nicht von ein bisschen Wärme an, sondern tatsächlich ⁓ ein System, das sich total verändert. Arndt: Ja, genau so ist es. Und ich würde in diesem Zusammenhang gerne erst mal auf ein Missverständnis zu sprechen kommen, nämlich das Missverständnis zwischen Klima und Wärme. Klima und Wetter. Klima und Wetter ist nicht das Gleiche. Immer wieder werde ich konfrontiert mit dem Satz, wie kannst du von Erderwärmung reden, wenn es im Januar in Ostdeutschland vier Wochen lang bei minus acht Grad lag? Das ist insofern absolut falsch. weil da wird Wetter mit Klima verwechselt. Wetter ist ein Screenshot, ist der momentane Temperatur, Sonne, Wind. ist das Wetter. Klima ist die statistische Aufzeichnung der Wetterverläufe. Und wenn man sich das anschaut, landet man im Klimawandel, weil der geht... Dr. Lucien André Reuter: Ich ja auch... Also meine, es gibt ja das Thema, wird immer wieder aufgegriffen. Ich kann mich da noch an einen Film erinnern, The Day After Tomorrow, war ja auch, glaube ich, genau der Punkt, der Klimawandel eskaliert ist. Die Welt wird wärmer und wir kriegen eine Eiszeit. So war ja bisschen kurz gefasst die Story von der ganzen Geschichte. Arndt: Ja, es viele Fälle, die da reingreifen. Dr. Lucien André Reuter: Warum ist das aus deiner Sicht nicht rein ein Umweltproblem, sondern, und das ist ja der Grund, warum du heute hier bist, ein wirtschaftliches oder ein unternehmerisches Thema? Arndt: Es geht noch viel weiter. Es ist nicht nur ein wirtschaftliches und ein unternehmerisches Thema, sondern es ist für mich eines der brennendsten gesellschaftlichen Themen, die wir in unserer Zeit aktuell haben. Gehen wir mal rein in die Diskussion. Es wird immer von der Erwärmung der Erde von maximal 2 Grad gesprochen. Das Pariser Klimaabkommen von 2015 hat das festgeschrieben. Jetzt könnte man jetzt zu der Erkenntnis gelangen, naja, komm, 2 Grad, das ist doch kein Problem. Dann wird es halt nicht 28, sondern 30 Grad. Kann ich mitleben, wunderbar, ich hab's eh gerne ein bisschen wärmer. Das ist aber nicht der Punkt. Weil, das ist der Durchschnitt. Der Durchschnitt heißt, bei uns wird es vielleicht ein Grad, vielleicht zwei Grad wärmer, in anderen Gebieten überhaupt nicht wärmer. Dafür wird es in Afrika und in Ostasien schnell mal fünf Grad wärmer. Und dann reden wir über 50 Grad im Schatten. Dann reden wir über lebensbedrohliche Zustände, weil die Leute, die Menschen, dort leben, keine Chance haben, sich dagegen zu schützen. Genau da liegt das Problem. Wir reden nicht über 2 Grad. Bei uns. Wir leben in gemäßigten Zonen. Wir werden das Problem kaum haben. Aber die Menschen in Afrika, werden ganz massiv davon getroffen sein. Und jetzt kommt die gesellschaftliche Relevanz. Diese Menschen werden fliehen. Diese Menschen fliehen jetzt schon. Diese Menschen werden suchen nach Regionen, in denen sie überhaupt noch leben können. Sie werden in gemäßigte Zonen ... Sie werden migrieren in gemäßigte Zonen, weil sie nur dort überleben können. Und da haben wir das gesellschaftliche Problem. Und das wird massiv werden. Davon bin ich absolut überzeugt. Es wird Fluchtszenarien ungeartender Ausmaßes geben, weil die Menschen einfach ⁓ ihr Leben rennen. Aber jetzt mal ganz kurz auch wirtschaftlich und unternehmerisch. Dr. Lucien André Reuter: Mhm. Arndt: Wirtschaftlich haben wir ja auch massive Auswirkungen durch den Klimawandel, weil es geht hier ⁓ Abhängigkeiten. Ganze Infrastrukturen werden betroffen sein davon. Lieferketten werden betroffen sein. Versicherungen werden... Dr. Lucien André Reuter: Okay. Arndt: werden ihren Weg rausfinden. Also das Ganze ist für unternehmerische Belange sehr, sehr kritisch. Ja und wirtschaftlich sowieso. Wirtschaftlich müssen wir jetzt wieder die Gesellschaft mit reinnehmen. Volkswirtschaft, aber auch die Betriebswirtschaft wird hier ganz schnell an die Grenzen kommen. Dr. Lucien André Reuter: Ich meine, das ist ja klar, wenn unsere Lieferketten mehr Ressourcenprobleme haben, dann greift das natürlich auch letztendlich in unsere Kostenstrukturen rein oder unsere Versorgungsstrukturen. Und dann ist es spätestens bei uns als Firma angekommen. Geschweige denn, wenn sich komplette Energieproduktionsmöglichkeiten verschieben. Natürlich dann auch in allen herstellenden Gewerbe und selbst uns als Berater oder als IT-Dienstleister, in meinem Fall, trifft das ja früher oder später, wenn ich meine Hardware nicht mehr bekomme. dann kann ich auch nicht mehr beraten. Arndt: Wir werden ja gleich nochmal auf die unternehmerische Sicht zu sprechen kommen, wenn es darum geht den Klimawandel abzuwehren. Und das ist aus mehrerer Hinsicht auch ein Riesenproblem. Aber das werden wir ja gleich noch besprechen, glaube ich. Yvonne Faoual: Also verstehe ich dich auch richtig ahnend, wenn du sagst, das Risiko ist gar nicht nur ökologisch, sondern tatsächlich schon ganz konkret operativ. Arndt: Ja sicher, also operativ deswegen, weil wir den Klimawandel abwehren müssen. Aus den Gründen, ich eben genannt habe. Und wenn wir den Klimawandel abwehren wollen, dann müssen wir wegkommen von der Verbrennung fossiler Energieträger. Von der hängt aber ganz viel ab. Die gesamte Industrie hängt von der Verbrennung fossiler Energieträger ab. Bei der BRSF habe ich das live und in Farbe 13 Jahre lang verfolgen müssen. Die Abkehr von der Verbrennung fossiler Energieträger wird unternehmerisch gewaltige Auswirkungen haben. Dr. Lucien André Reuter: Jetzt bist du ja schon hier und jetzt und heute. Lass uns doch vielleicht gerade noch mal einen Schritt zurückgehen und sei mal ganz ehrlich, meine ich, Diskussion haben wir in der Politik, haben wir in der Wirtschaft, haben wir am Stammtisch. Hätten wir das verhindern können, wo wir jetzt gerade stehen? Arndt: Das hätten wir ganz sicher aufhalten können. Wenn ich mir mal die Entwicklung des Klimawandelthemas angucke. Der erste, der sich Gedanken gemacht hat, war ein Franzose namens Joseph Fourier. Der hat 1824 den Treibhauseffekt beschrieben. Der hat schon gesehen, dass wenn wir weiterhin CO2 in Luft blasen, dass es dann ein Problem gibt. Arenius, ein Däne. der aus ganz anderen Bereichen der Chemie bekannt ist, der hat aber 1896 schon berechnet, dass Coal und Deoxid die Erdtemperatur beeinflussen wird. Und Charles Keeling, ist der große Papst der Klimaforscher, der hat 1958 auf Hawaii eine Kurve aufgezeichnet, die ganz klar belegt, dass die Temperatur die statistische Temperatur, also das Klima, bis 1958 schon gestiegen ist. Und seitdem wird diese Kurve weitergepflegt und diese Kurve zeigt immer steiler nach oben. 1990 gab es dann im japanischen Kyoto die erste Klimakonferenz, in der alle teilnehmenden Staaten sich verpflichtet haben, Maßnahmen zu ergreifen. Erst nur sehr begrenzt. damit man die Länder nicht überfordert, aber schon merklich. Und dann nahm das Thema immer mehr Fahrt auf. Heute sind wir in einem Bereich angekommen, wo es nachhaltige Einflüsse auf den unternehmerischen Erfolg hat, wenn man nichts tut. Und da sind wir bei der unternehmerischen Sicht. Yvonne Faoual: Also... Dann reden wir konkret tatsächlich nicht von einem Wissensproblem, sondern tatsächlich von einem ganz klaren Entscheidungsproblem. Arndt: Absolut. Es mangelt nicht am Wissen. Wir haben genug Wissen. Das ist alles lupenrein beschrieben. Es gibt keinen namhaften Wissenschaftler, der den Klimawandel leugnet. Es gibt keinen namhaften Wissenschaftler, der den anthropogenen Klimawandel leugnet. Es gibt nur so ein paar... Ja, wie soll ich sagen, so ein paar Leute, die einfach nicht wahrnehmen wollen, was alle anderen sagen, weil die nicht aus ihrem Elfenbeinturm raus wollen, und die behaupten weiterhin, es gibt keinen menschengemachten Klimawandel, aber Wissenschaftler gibt es keine, die das abstreiten. Dr. Lucien André Reuter: Wenn du das jetzt mal versuchst für uns nicht Biochemiker in die Führung zu übersetzen, in unsere Rolle als Geschäftsführer, als Führungskraft, was bedeutet das jetzt konkret? Arndt: Die immer weiter zunehmende Dramatisierung von Naturereignissen. Waldbrände in Amerika und Australien, Überschwemmungen in den Ostasien und auch in Deutschland, Flutkatastrophen. Es gab die immer schon, solche Naturkatastrophen. Aber die Brisanz und die Dramatik, die hat sich massiv gesteigert. Wenn man das alles jetzt mal in die Waagschale legt und sich überlegt, was müssen wir tun, ⁓ das zu verhindern, dass es noch schlimmer wird, dann ist jeder Firmenlenker gut beraten, nicht als Klimawandelverursacher vor seine Stakeholder treten zu müssen, sondern etwas dafür zu tun, dass der Klimawandel aufgehalten wird. Da hängt die Reputation eines Unternehmens an. Dr. Lucien André Reuter: Arndt, wir hören ja aktuell in den Medien zumindest mal mehr, mal weniger verstärkt, aber den Satz, wir können den Klimawandel nicht mehr aufhalten, nur noch begrenzen. Was bedeutet das wiederum konkret für uns? Arndt: Das bedeutet, dass jedes CO2-Molekül, das in die Atmosphäre geht, der Atmosphäre bleibt. Es ist bislang noch keine Möglichkeit gefunden worden, CO2 aus der Atmosphäre herauszuholen. Wir sind jetzt aktuell bei 1,43 Grad Erderwärmung. Andere sagen 1,46 Grad Erderwärmung. Die Klimakonferenz in Paris hat 1,5 Grad als Erstrebenswert, mindestens aber maximal 2 Grad als Ziel herausgegeben. Die 1,5 Grad, da sind wir jetzt schon dran. Letztes Jahr waren wir schon über 1,5 Grad. Also in 2024, 2025 waren wir wieder knapp unter 1,5 Grad. ist einfach, 1,5 Grad wird sich nicht halten lassen, weil die Maßnahmen... die laut IPCC, jetzt muss ich sagen, was IPCC ist, International Panel on Climate Change, das ist ein UN-basiertes Board von Wissenschaftlern und von Organisationen. Das ist quasi das alles überragende Gremium in Sachen Klimawandel. Dr. Lucien André Reuter: Bitte schön. Arndt: Das IPCC hat Maßnahmen definiert, die gemacht werden müssten und da sind wir weit weg von. Also wir werden es nicht schaffen, die 1,5 Grad zu erhalten. Es wird schon schwierig, die 2 Grad einzuhalten. Das bedeutet das. Den Klimawandel aufhalten können wir nur dann, wenn wir wirklich mit der CO2-Emission aufhören. Das Problem dabei ist aber... dass es zwei Arten von CO2-Emissionen gibt. Die eine CO2-Emission kommt aus der Verbrennung fossiler Energieträger. Die andere CO2-Emission kommt aus dem Prozess der Herstellung an sich. Kalk, Ment, Glas, alle diese Industriezweige produzieren CO2, das sie nicht vermeiden können, weil das die Chemie ist. Wenn ich... Kalk brenne, entsteht ⁓ CO2. Das hat mit Verbrennung von fossilen Energieträgern nichts zu sondern das sind dann die Prozessemissionen, über die wir reden. Und das sind 5 Millionen Tonnen im Jahr. Also schon eine ganze Menge. Die müssen wir irgendwie in den Griff kriegen, auch wenn wir die CO2-Emissionen aus der Verbrennung auf Null fahren. Müssen wir diese 5 Millionen Tonnen irgendwie in Griff kriegen. Yvonne Faoual: K Arndt: Da gibt es sehr viele Entwicklungen. Die aussichtsreiche, die aussichtsreichste nennt sich CCS, Carbon Capture and Storage. Das heißt, das CO2 wird gefangen und gelagert. Aktuell gehen die Entwicklungen dahin, dass man das CO2 in den Meeresboden presst. Da gibt es genug Möglichkeiten für, ist aber noch nicht ausgewogen. Und man muss erstmal das CO2 fangen. Bitte? Dr. Lucien André Reuter: Das typische unterm Teppichkern, Das typische unterm Teppichkern. Wenn man früher das Zimmer nicht aufräumen wollte, hast du alles unterm Teppich geschoben und jetzt tust du es halt einfach irgendwie in mehr das Brot reinstampfen. Arndt: Ja, mit 7 ist es das. Ja, das ist es. Es ist aktuell die einzige Möglichkeit, wir haben. Man ist da noch am Planen und am entwickeln, aber im Moment ist es die einzige Möglichkeit, die es gibt. Aber wir sind noch weit weg von Nullemissionen aus der Verbrennung. Ihr fahrt ein Verbrennerauto, wenn ich mich nicht irre? Ich fahre auch ein Verbrennerauto, meine Frau fährt ein Verbrennerauto. Wir beide oder wir drei können uns ein E-Auto nicht nur leisten, sondern wir können auch den Strom aus der Photovoltaik ziehen. Für uns ist es kein Problem. Aber erklär das mal den Mietern in einem zehnstöckigen Hochhaus mit 50 Wohnungen. Dr. Lucien André Reuter: Richtig, ja. Benzin noch. Arndt: Die können nicht. Dr. Lucien André Reuter: Jetzt zum einen das und zum anderen, mein Gott, ich habe mich jetzt noch nicht so intensiv mit E-Autos beschäftigt, aber man hat ja auch öfters gelesen, dass die Produktion von so einem E-Auto mit der tatsächlichen Produktion und später der Entsorgung und der Batterie selbst ja auch nicht CO2-neutral möglicherweise stattfinden kann und sich das dann mit dem Verbrenner erst nach x Jahren, x Kilometer irgendwann wieder aufhebt. Arndt: hat das mit dem Mercedes ⁓ Klasse als E Auto mal durchgerechnet und man kam dahinter, dass man einem Verbrenner 240.000 km fahren muss, bis man auf Gleichstand ist mit einem Verbrenner. Was die gesamte Lebensdauer angeht. Von der Produktion über den Betrieb muss man 240.000 km fahren bis man Pari ist. Dr. Lucien André Reuter: Mhm. Yvonne Faoual: Und dann ist der Abrieb von den Arndt: Deswegen sage ich auch immer, ist keine endgültige Lösung, die E-Mobilität. Die E-Mobilität ist für mich eine Übergangstechnologie hin zum Wasserstoff getriebenen Auto, der ja nichts anderes ist. Der Wasserstoffantrieb mit der Brennzelle ist ja unterm Strich ein E-Motor. Deswegen ist das eine Übergangstechnologie hin zum Wasserstoffauto. Und da sieht die Welt ganz anders aus. Das ist auch die Zukunft, davon bin ich fest überzeugt. Yvonne Faoual: Ja. Arndt: Nur wann ich komme, das sollt ihr andere fragen. Yvonne Faoual: Jetzt nochmal kurz zu... Dr. Lucien André Reuter: Das ist es. Yvonne Faoual: Mhm. Dr. Lucien André Reuter: Aber hat Wasserstoff nicht die blöde Eigenschaft, dass es boom macht, wenn es warm wird? Arndt: Aber die sind noch an der Entwicklung. Aber die Explosionsgefahr, die haben sie längst im Griff. Gibt aber noch andere Probleme mit der Bereitstellung ausreichenden Wasserstoffes zum Beispiel. Yvonne Faoual: Wenn wir jetzt noch mal einen kleinen Schritt zurück machen zu dem, was du gesagt hast bezüglich dem CO2-Ausstoß, da bin ich jetzt schon bisschen schockiert drüber, weil wir reden ja jetzt hier nicht mehr von einem Vermeidungsmodus, sondern wir sind ja schon wirklich im Umgang mit Konsequenzen, wenn ich das richtig verstanden habe. Arndt: Ja, so ist es. Ich habe ja eben schon gesagt, wir sind schon bei 1,5 Grad und wir können die 1,5 Grad nicht einfach zurückdrehen, weil wir das CO2 nicht aus der Luft holen können. Das heißt, mit den Auswirkungen, die wir jetzt schon merken, die wir jetzt schon spüren werden, wir leben müssen. Unsere Aufgabe sollte es aber sein, schlimmere Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden, indem wir die CO2-Emissionen zurückfahren. Dr. Lucien André Reuter: Und hier kommen wir wieder zu unserem eigentlichen Thema vom Podcast, nämlich KI. Wo siehst du denn heutzutage einen Hebel oder einen größeren Hebel von der KI in dem Kontext in der Energiewirtschaft oder allgemein bei Energie oder bei Verkehr oder kann uns KI da gar nicht helfen? Arndt: Also ich sehe den größten Hebel bei den Anwendungen. Beispielsweise gibt es eisübersättigte Regionen beim Flugverkehr. Das sind Schichten von mehreren hundert Quadratkilometern Größe und ein Kilometer Stärke. Wenn da ein Flugzeug durchfliegt, dann bilden sich ganz besonders langlebige Kondensstreifen. Und die wirken mindestens so... dramatisch auf die Erderwärmung wie CO2. Andere sagen zwei- bis dreifache Wirkung von CO2. Wenn also ein Flugzeug durchfliegt, dann bilden sich diese Kondensstreifen und die sind schädlich für das Klima. Jetzt gibt es KI-Möglichkeiten, mit denen man das vorhersagen kann und man kann den Piloten sagen, mal so, fliegt man nicht da lang, sondern da lang, fliegt mal paar Kilometer tiefer. damit diese eisübersettigte Region vermieden wird. Problem ist nur, wir haben viel zu viel Flugverkehr. Also wir müssten ein Drittel der europäischen Flüge abschaffen, müssten auf dem Boden bleiben, ein Drittel, damit das überhaupt innerhalb Europas möglich wird. Dann ist es ja so, dass es höhere Kerosinverbräuche gibt, wenn ich Umwege fliegen muss, ⁓ diese eisübersettigten Regionen zu vermeiden. Dr. Lucien André Reuter: Hm. Arndt: Das ist ja auch nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss. Und dann gibt es noch weitere Probleme mit der Technik, die zu statisch ist. Wenn also jetzt der Pilot die Ansage kriegt, da ist so eine Region, geh mal runter, geh mal rauf, geh mal nach links, geh mal nach rechts, dann lässt das die Technik gar nicht zu. Die Technik ist zu statisch im Moment noch. Also da sind sie noch zu Gange, aber hier ist die KI in einem ganz großen Maße hilfreich am Start. Oder denkt nur an Logistik. 20 bis 35 Prozent in Europa der Lkw-Fahrten sind sogenannte Leerfahrten. Jede fünfte bis vierte Fahrt ist leer. Ist nichts drin. Und das nur, weil die Kommunikation, weil die Intransparenz da im Weg ist. Hier ist auch die KI ganz klar von Vorteil. Wenn man da mit der KI reingeht und sagt, so jetzt machen wir ein KI-gestütztes, vernünftiges Logistiksystem raus, dann hätten wir das nicht. Da müssen aber die Logistikunternehmen mitziehen. Und das ist dann auch wieder ein Problem. Yvonne Faoual: Böööö Ja. Dr. Lucien André Reuter: ich tatsächlich ein ganz spannendes Beispiel, was auf dein erstes Beispiel zu greifen ist, den Flugverkehr. Ich war ja, hatte ich dir glaube ich auch erzählt gehabt, mit den Wirtschaftsjunioren aus Frankfurt. Grüße an der Stelle, an die lieben Kollegen. Am Frankfurter Flughafen gewesen, hat ein Flughafentour dort gemacht und die hatten auch erzählt, dass teilweise Ich weiß die Zahlen leider nicht mehr, aber sehr, sehr viele Flüge auch leer fliegen, weil sie gar nicht besetzt werden, ⁓ einfach sicherzustellen, dass diese Fluggesellschaften ihre Slots nicht verlieren. Also die müssen eine Mindestpensumme an Lande und Staats an verschiedenen Flughafen haben, ⁓ weiter dort landen und starten zu dürfen. Und wenn sie jetzt in der Hochsaison halt viele Flüge brauchen, dann müssen sie das ganze Jahr über viel fliegen, ⁓ es mal so bisschen simpel zu sagen. Ansonsten hätten sie da nicht die Slots, die sie brauchten. Also wären sie leer durch die Gegend geschossen. Da könnte man ja auch theoretisch, ähnlich wie mit der Logistik, sagen, wenn das so und so ist und die KI weiß das, dann wird da irgendwie umtransferiert und hier und da. Aber da hast du so viele Fragen, wie blöd dann das Flugzeug und wer haftet und was ist, wenn das verspätet und wer übernimmt da die Kosten. Also kann man schon vorstellen, dass das aus ökonomischer Sicht im ersten Augenblick leicht klingt. Aber wie du schon sagst, müssten dann halt alle Unternehmen, alle die mit irgendwie dazugehören, gleichen Strang ziehen, wollen. Yvonne Faoual: Hahahaha Dr. Lucien André Reuter: damit das dann auch durch KI irgendwie optimiert werden kann. Arndt: ist sehr viel KI möglich, aber wenn ich jetzt mal von den konkreten Beispielen auf etwas Allgemeineres gehe, es gibt da ganz ganz tolle Studien, eine englische Studie zum Beispiel hat das mal untersucht. Jetzt gehe ich mal eben gucken hier. ⁓ Das war eine Studie, hat sich Energie, Ernährung und Mobilität angeguckt. Und hat mal geguckt, wie viel CO2-Emission könnte man durch konsequente Einsetzung von künstlicher Intelligenz vermeiden. Und die haben wir herausgefunden, im Energiesektor wären das 1,8 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr weltweit. Also nicht gerade wenig. Ernährung 0,9 bis 3 Milliarden Tonnen, je nachdem wo es ist und was für eine Ernährung. Ist es pflanzlich oder tierisch und so weiter. Und die Mobilität hat nur den PKW, also den Leichtverkehr sich angeguckt, nicht den Schwerverkehr, nicht den Schwerlastverkehr. Da waren es 0,5 bis 0,6 Milliarden Tonnen CO2. Also wenn man sich diese Mengen mal anguckt, 1,8 Milliarden Tonnen bei der Energie von 15,6 Milliarden Tonnen. Da reden wir immerhin über 12 Prozent. Ich meine, ist ja kein Packenstil, über den wir reden. Das alleine reicht aber auch nicht aus. Man muss in der Bilanz auch gucken, wie viel CO2-Emissionen würden denn dazu kommen, durch den konsequenten Einsatz der künstlichen Intelligenz über Rechenzentren. Das ist ja auch schwer in Diskussion. Dr. Lucien André Reuter: Mhm. Yvonne Faoual: Ja. Arndt: Diese Studie hat auch herausgefunden, hat auch das untersucht und hat gesagt, die Rechenzentrumsemissionen ⁓ 0,4 bis 1,6 Milliarden Tonnen steigen, weltweit. Das würde aber, wenn ich das davon abziehe, im Saldo immerhin noch eine Einsparung von 2,8 bis 3,8 Milliarden Tonnen pro Jahr machen, nur in diesen drei Sektoren. Und es gibt da weit mehr Sektoren. Chemische Industrie zum Beispiel hatte auch noch was zu melden. Also das ist zum Beispiel eine sehr ermuntigende Studie. Oder eine andere Studie, sie angeguckt haben, in China, sie angeguckt, wie der Einfluss der KI auf Treibhausgasemissionen in China aussähe. Und die haben was ganz Interessantes herausgefunden, wenn man Yvonne Faoual: Studie. Arndt: Wenn man sich die KI-Steigerung ⁓ 1 % anguckt, dann könnte man 0,0395, also 0,0395 pro Milliliter, CO2-Emission einsparen durch 1 % mehr KI-Ermendung. Das klingt jetzt nicht viel, aber wenn man sich das anguckt, es geht ⁓ die Steigerung der KI-Anwendung. Also eine Verdopplung der KI-Anwendung, also ⁓ 100 % nach oben, würde uns ⁓ drei, fast vier Prozent CO2-Emission einsparen. Eine Verfügungssache ⁓ Dr. Lucien André Reuter: Schon inkludiert mit dem Verbrauch von der KI oder losgelöst? Losgelöst, ja. Arndt: Losgelöst davon. Also die CO2-Emissionen durch Rechenzentren haben die sich jetzt nicht angekündigt. Dr. Lucien André Reuter: Das wäre ja ganz spannend, wenn man auf der einen Seite sagt, optimiert und dann nicht gegenrechnet, was dafür aber mehr verschossen wird. Das ja auch wieder eine Müllsmiechensrechnung jetzt endlich. Arndt: Aber da fährt die englische Studie ja... Also ich denke, dass man die Ergebnisse der englischen Studie auch auf die chinesische Studie übertragen kann. Dass es eben saldo-mäßig deutlich positiver Bilanz hat.